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Nr. 144 Erstes Blatt.
154 Jahrgang
Mittwoch SS. Juni 1904
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General-Anzeiger ȥȣ.
«» Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WWZ
FernsprrchanlchlußNr.Kl. W __________1 _______________21_________aetflentetl: HanS Beck.
Der Kaiser auf der Nuterelveregatta.
Kuxhaven, 21. Juni.
Don 10 Uyr 45 Min. ab' starteten heute die zahlreichen xnr Regatta auf der llnterelbe gemeldeten Fachten bei vorzüglichem Segelwind. Auf dem „Meteor" nahmen der Kaiser, der Reichskanzler und die Herren des Gefolges, auf der ,Lduna" der Kronprinz und auf dem „Orion" Prinz Heinrich an der Regatta teil. Der „Meteor" ging als erster durch die Startlinie, dicht auf war ihm der „JNgomar" des Herrn Plant-Newyork. „Meteor" wurde sicherer Sieger gegen Hamburg", deren Großbaum gebrochen ist, und ,ZNgomar" Erste Preise erhielten ^Älcrra", „Susanna Navahoe" sKaiserpreis), „^onunobore", ^-is", „Gerda", „Ette vor Flock".
Die Jacht „Meteor kehrte nach kaum dreistündiger Fahrt als erste von der Regatta zurück. Der Kaiser nahm mit Begleitung das Frühstück auf dem Dampfer ein. Am Abend fand an Bord ba§ Dampfers „D^rtschland" Preisverteilung statt.
Zu dem Fe stmahl des Norddeuttchm Regattavereins, an dem bcr Kaiser und Prinz Heinrich teilnahmen, waren geladen die Herren der Umgebung, die Vorstände und viele Mitglieder der großen deutschen Jachtklubs, die fremden Jachtbesitzep, die Kommandanten der drei hier liegenden Schiffe der deutschen Marine und andere. Bei der Tafel saß der Kaiser gegenüber dem Prinzen Heinrich, rechts vom Kaiser Bürgermeister Dr. Moenckeberg, finfö vom Kaiser Generaldirektor Ball in, rechts vom Prinzen Heinrich Reichskanzler Graf Bülow.
Bei dem Diner brachte Bürgermeister Moenckeberg den Toast auf den Kaiser aus. Er führte u a. folgendes aus:
„Der letzte Jahresbericht des Norddeutschen Regatta-Pereins beginnt mit den Worten: Ein Jahr ruhigen Fortschrittes imd gedeihlicher Entwickelung liegt hinter uns. Damit ist recht viel gesagt. Im Leben der Völker wie des Einzelnen kann man einer verflossenen Periode kein schöneres Zeugnis ausstellen, als wenn man von ihr sagt: sie, ist eine Periode ruhiger, d. h. nicht sprungweise einsetzender und absetzender, sondern gleichmäßig weiter arbeitender, fortschreitender Entwickelung gewesen. Und trenn wir das von dem Norddeutschen Regattavereine sagen dürfen, dann darf ich aussprechen, es gilt auch auf dem ganzen großen Gebiete des Sportwesens in Deutschland. Wenn wir uns heute vergegenwärtigen und vor unserem geistigen Auge vorüberziehen lassen aUe sportlichen Veranstaltungen der letzten Zeit: Wettrennen, Wettrudern, Wctturnen, Wettradeln und die letzte bedeutsame, für den Sport nrie die Industrie bedeutsame und wichtige Form des Sports, die Auto- mobilwettsahrt, so können wir ruhig aussprechen, daß diese sried- lick.-n Wettkämpfe in dem modernen Deutschland eine ähnliche Rolle zu spielen anfangen, wie die öffentlichen Spiele des Altertums. Man darf sagen: Gott sei Dank! Nicht nur auf dem Gebiete des Sports sehen wir einen derartigen gesunden Fortschritt in Deutschland; wohin wiv blicken, auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, in Kunst, Wissenschaft, Handel und Industrie, überall scheu wir das Bild ernsten Vorwärts strebe ns und mit schönem Erfolge gekrönter Arbeit. Das Schiff, auf dem wir uns befinden, führt den Namen „Deutschland". Lassen Sic uns die Gläser erheben und in das Hoch Anstimmen auf das Wohl des Deutschen Kaisers, der das Steuerruder des Deutschen Reiches an fester Hand führt. Möge es Eurer Majestät vergönnt sein, Deutschland durch alle Untiefen und Riffe, durch alle drohenden Gefahren glücklich hindurchzuführen auf der Bahn stetigen Fortschrittes zu immer wachsender Kraft und Blüte! Seine Majestät der Kaiser Hoch, Hoch, Hoch!"
Darauf erwiderte der Kaiser:
Ew. Magnifizenz danke ich von Herzen für den freundlichen Willkommen, den Sie uns soeben geboten haben. Ich danke Fhnen, meine Herren, daß Sie es mir vergönnt haben, wieder einige Stunden unter Ihnen als Ihr Kamerad und Mtt- segler zu verweilen. Ein herrliches Bild haben Ew. Magnifizenz soeben von unseren sportlichen und unseren sonstigen Fortschritten im Lande entworfen. Ich kann es nur aus irofiem Kerzen unterschreiben. Ein jedes Wort, das hier gesprochen ist, war mir aus der Seele gesprochen. Ich glaube, ich kann hin- zufügen, daß jedem objektiven Beobachter die Vorgänge auf uni ernt Erdenkreise die eine Beobachtung fich aufdräugcn muß, daß allmählich die Solidarität unter den Völkern der Kulturländer unstreitig Fortschritte macht auf den verschiedenen Gebieten, .und diese Gebiete erweitern sich. Diese Solidarität geht unmerklich, aber unwiderstehlich in das Programm sowohl der Staatslenker über, wie in die Gedanken ;;>er fich selbst regierenden freien Bürger. Diese Solidarität :ivird genährt und gepflegt auf verschiedene Weise, sei es in «ernster politischer Beratung, sei es auf Kongressen, sei es in Wettkampf und Spiel, und in dieser Beziehung.kann man wohl sagen: Es liegt ein tiefer Sinn im kindschen Spiel. Nun, meine Herren! Wir sind hier zusammen, um geuf dem Spiel der Wellen uns zu messen, die Kräfte, die »Geister, die Mannschaften und unsere Boote. Wir vereinigen im wenigen Tagen fast alle Flaggen der .Kulturvölker. Es wird neben unseren Farben wehen Englands Flagge, das Ster- uenbanner und die Trikolore in friedlichem Wettstreit nnb Hamit auch im Verein. Ich glaube bestimmt, meine Herren, M niemand unter Ihnen ist, der nicht mit mir die Ansicht «teilt, daß auch in der Kieler Woche diese Solidarität, ioon der ich vorher sprach, .gepflegt, gehegt und fester geschmiedet und fester geknüpft wird. Dieser Solidarität überhaupt es der Kaufmann, der Industrielle, der kllckerer, wenn er in ruhiger Arbeit sich fortschreitend entwickeln 8!amt; denn er hat auf die Zukunft Vertrauen. Ich, mteine Herren, sehe mit absoluter Ruhe und Vertrauen
in die Zukunft, fußend auf das Bild, .das uns soeben entworfen wurde und in diesem festen Vcrttauen erhebe ich mein Glas und trinke auf die Zukunft, das Blühen und Gedeihen der Stadt Hamburg, des Norddeutschen Regattavereins und aller Jachtklubs: Die Stadt Hamburg hurra, hurra, hurra!
Der Krieg zwischen Japan und Kußland.
Nach der Schlacht von Wasangou.
In unserem gestrigen Depeschenteil findet sich ein Telegramm an den Zaren, in dem Stackelberg eine vorläufige Zusammenstellung seiner Verluste machte. Danach hatte er einen Gesamtverlust von 3120 Offizieren und Mannschaften. Dabei ist zu beachten, daß hier nur über die beiden Gefechtstage bei Wasangou berichtet wird; was während des weiteren Rückzuges der Truppen geschehen ist, weiß man noch nicht, und doch treten immer bestimmtere Gerüchte auf, denen zufolge ihnen die nachdrängenden Japaner ganz gewaltige Verluste beigebracht haben sollen. Rach einer heutigen Meldung aus Petersburg soll Stackelberg auf seinem Rückzüge bei Haitschöng in einer mörderischen Schlacht während eines ungeschützten Marsches durch einen kombinierten Angriff der japanischen Artillerie fünftausend Mann verloren haben. Die von Stackelberg gewählten, für ihn höchst ungünstigen Routen waren den Japanern verraten worden. — Ueber London kommt folgende Meldung: Die Zahl der russischen Toten und Verwundeten in der Schlacht bei Wasangou ist erheblich größer, als von den Russen eingestanden wird. Aus Riutschwang wird gemeldet, daß 3500 Verwundete mit der Bestimmung nach Charbin durch Taschikan kamen. Es herrscht absoluter Mangel an Medizinalvorräten. Die Zahl der getöteten Russen überschreitet weit 2000 und Gefangene werden noch immer eingebracht.
Inzwischen haben die Japaner ihren östlichen Flügel wieder etwas zurückgenommen, -Has Zentrum und der linke Flügel aber sind unaufhaltsam nach Nordwesten und Norden vorgerückt. Unter dem Eindruck dieser Situation soll auch im russischen Hauptquartier die Erkenntnis von der Notwendigkeit energischer Offensive durchgedrungen sein, obwohl die Regenzeit allen groß angelegten Operationen zur Zeit durchaus im Wege steht. Aber da äußerste Gefahr im Verzüge ist, will Kuropatkin anscheinend kein Mittel unversucht lassen, um den Dingen eine andere Wendung zu geben.
Die russische Armee, heißt es jetzt, marschiere aus Liaujang südwärts und konzentriere sich bei Haitschöng, wo schon zwei Divisionen stehen; auch befinde sich eine bedeutende Abteilung bei Hsiabata; in Ssaimatsi seien 6000 Mann und eine Batterie angekommen. Stackelberg sei durch einen Eilmarsch in einer Sturmnacht zwei konvergierenden japanischen Kolonnen entkommen, eine dritte japanische Kolonne soll ihn jedoch 30 englische Meilen westlich von Siujen angegriffen haben. General Nodzu befehligt die Japaner. Eine sibirische Schützenbrigade unter General Krondatienko stehe mit Stackelberg in Berührung und suche seinen Rückzug zu decken. Kuropatkin dirigiere die Operationen persönlich von einem Punkt nördlich von Haitschöng.
Wie ein Telegramm de§ Generaladjutanten Kuropatkin an den Kaiser vom 19. d. Mts. meldet, haben die Japaner in der Gegend von Ssaimatsi und Föngwantfchöng nicht nur ihren Vormarsch eingestellt, sondern sich zurückgezogen. Mehrere Punkte im Norden von Föngwantschöng, die sie erst kürzlich eingenommen hatten, sind von ihnen geräumt worden. Der begonnene Vormarsch japanischer Trrippen nach dem Dalinpaß sst eingestellt worden. Dagegen rücken recht bedeutende Streitkräfte in der Richtung auf Ssiujen- und Kattschau oder Ssiujen-Taschttfchau vor.
Man meldet aus Riutschwang, es verlaute, die japanische Kavallerie habe Samstag zu vorgerückter Stunde Liaujang angegriffen. Ein Missionar erhielt von Eingeborenen die Mitteilung, daß die Schlacht am 20. Juni noch fortgedauert habe und Liaujang am 21. Juni nachmittags genommen sei.
Ein Kriegskorrespondeut erschossen!
New York, 21. Juni. (W. B.) Die „Newpork World" erhielt ein Telegramm ohne Unterschrift mit der Mitteilung, daß Oberst Emerson, einer ihrer Kriegskorrespondenten in Ost- afien, von sich zurückziehenden Russen erschossen worden sei, wett sie ihn fälschlich für einen Spion hielten.
Großfürst Nikolaus statt Kuropatkin?
Paris, 21. Juni. Dem „Echo be Paris" zufolge geht in Petersburg das Gerücht, daß Großfürst Nikolaus beauftragt worden sei, die drei russischen Armem, sobald dieselben vollzählig auf bem Kriegsschauplätze eingetroffen seien, an stelle Knro- patkins zu befehligen. Man glaubt jedoch nicht, daß dieses Glicht eine ernste Grundlage besitze.
Inzwischen ist nun auch der
japanische Hochstkommandierende ernannt worden. Dem Londoner „Daily Telegraph" wird <ms Tokio gemeldet: Marschall O j ama ist zrun Vi zeköni g und zmn Höch st kommandierenden in der Mandschurei und der General Baron Kodama zu seinem Stabschef ernannt worden. M wird- erwartet, daß sie sich in Kürze auf ihre Posten begeben werden. .Der Marschall Jamagata bleibt als Chef des Generalstabes in Tokio.
Ein Humanitätsakt des Zaren.
Ein Befehl des Kaisers ordnet an, daß diejenigen uneheliche n Kinder, deren Väter im gegenwärtigen Kriege
gefallen sind, Anrecht auf eine Pension haben, wenn die Väter zu Lebzeiten sie unterstützten. Mit anderen Worten wenn der Vater sie anerkannt und für sie gesorgt hat, so wird' nach dessen Tode auch das Gesetz diese Kinder anerkennen.
VMische Tagesschau.
Die Wahrheit für den Zaren.
Der gestern von uns veröffentlichte Brief des sinischen AttentätersSchaumann an den Zaren, den niemand ohne Bewegung gelesen haben wird, wirft in seiner einfachen Sprache ein grelles Licht auf die Zustände und Die Stimmung der Bevölkerung in Finlanb. Wieder steht auch hier der Satz un Vordergrund, den man so oft schon gehört hat ans dem Munde unzufriedener Intelligenten ebenso wie aus dem armer, mit der Knute mißhandelter Bauern, in Rußland: daß die Wahrheit ganz oben ver- borgeu bleibt. An dem guten Herzen des Zaren erhebt sich nie ein Zweifel. Daß der Zar keinen höheren Wunsch hegt, als fein Volk glücklich zu machen, dem Recht zum Sieg zu verhelfen und der Unterdrückung und Grausamkeit ein Ziel zu setzen; daß er für diese Ideale freubia persönliche Opfer bringen würbe; baß ihn Schicksale unb Leiden, von Denen er zufällig erfährt, bis zu Tränen rühren unb zu den großmütigsten zartesten Entschließungen veranlassen können: nur eine Meinung herrscht Darüber in Rußland, wie in aller Welt. Der Zar ist in seinem Lande populär im besten Sinne, wie keiner seiner Vorgänger; unpopulär im schlimmsten Sinne, grimmig gehaßt ist das russische Beamtentum. Dies Beamtentum, ebenso hochmütig wie unerbittlich, je brutaler, je tiefer die Rangstufe, die es einninrntt, gilt dem russischen Volke seit langem als der undurchdringliche Wall zwischen seinen Wünschen und Bestrebungen und dem Zaren. „Der Himmel ist hoch und der Zar ist weit", das wehmütige russische Sprichwort hat seltsamerweise, trotz der allbekannten giftigen und milden Gesinnungen des Zaren, kaum m einer anderen Zeit soviel Anwendung gesunden. Ern Widerspruch gegen die Behauptung, daß der Zar die Wahrheit über sein Riesenreich nicht zu wissen bekomme, scheint darin zu liegen, daß tatsächlich eine größere Zahl, unverantwortlicher Ratgeber, Pchffonen, die kein Amt besitzen, Gehör beim Zaren gefunden haben. Lehrer, Journalisten, Schriftsteller, ein Meteorologe, ein Spiritist gewannen nacheinander oder auch gleichzeittg beim Zaren Einfluß. Nikolaus betraute diese Männer mit Ausarbeitung von Denkschriften über die Lage verschiedener Er- werbsklassen, er ließ sie Vorschläge machen zur Beseitigung von Mißständen in der Verwaltung, er veranlaßte die Einsetzung von Untersuchungskommiffionen. Das sind große Zugeständnisse eines Selbstherrschers. Aber die unverantwortlichen Ratgeber erfreuen sich nicht lange der Gunst oder der Beachtung des Zaren, sie tauchen aus und verschwinden wie Meteore. In Rußland ist manches möglich: man könnte auch daran denken, daß der eine und andere der Unverantwortlichen nur scheinbar die Unbefangenheit hat, die dec Zar voraussetzt, mit anderen Worten, daß ein Verantwortlicher den Mann des Augenblicks-Vertrauens für sich gewonnen hat und ihm gewissermaßen seine Rolle zuflüstert. Der häufigere Fall ist aber wohl, daß die verantwortlichen Ratgeber, größer an Zahl, einflußreicher durch ihre Beziehungen, schließlich doch ihren Wi len durchzusetzen vermögen, mit dem Hinwegs auf die geheiligte Ueberlieferung in Rußland, auf die Notwendigkeit weiser Strenge, der Einschüchterung gewalttätiger Elemente. Nur so erklärt es sich, daß fast jeder Lockerung der Zügel ein um so festeres Anziehen gefolgt ist. Der letztere Zustand blieb dann bestehn, vielleicht nicht f° sehr mit Billigung des Zaren, als aus dem Grunbe, daß der Zar inzwischen anderen Fragen seine rksamkeid zugewendet hatte. Da der Krieg ausbrach, glaubten viele, die revolutionäre Bewegung in Rußland werde durch bas" Erwacheu des Patriotismus zmn Stillstand gebracht we.r- ben. Möglicherweise hätte ein Krieg mit erfolgreichem Beginn diese Wirkung des „Sicherheitsventils" geübt, überhaupt ein populärer Krieg. Dieser Feldzug wird aber mir als bittere Notwendigkeit empfunden; fein Verlauf gibt' nur zu neuen Klagen Anlaß, daß Rußland beispiellos unvorbereitet das Abenteuer begonnen' bat, und daß alle wenig oder nichts Besitzenden unter der Not der Zeit zu leiden haben. Die kolossalen Unter schleife, die notorisch bei den KriegÄi ef erungen begangen worden sind, mußten dem Groll gegen das Beamtentum neue Nahrung geben. Nun kommt hinzu, daß augenscheinlich fiter Krieg jede andere Sorge des Zaren uno dec Regierung in die zweit' Reihe drängt. Die Äett- machtstellung Rußlands auf dem Spiele — was will dagegen bedeuten, wenn im Reiche noch fo bedenkliche Anzeichen' der Garung und Verelendung auftreten. So scheint es,, daß gerade der Krieg in verhängnisvoller Weise die Entwicklung der Dinge in Rußland beschleunigt. Man .hat nicht die Zett und auch nicht die Mittel, fich beispielsweise um den erschreckenden Niedergang der ruf fischen Landwirtschaft ernstlich zu bekümmern.' „Das Leben für den Zaren", so heischt jetzt der Ruf — machtlos verhallt der andere, ebenso alte und ebenso be-' rechtigte Ruf: Die Wahrheit für den Zaren.
MUamLittarisches.
Berlin, 21. Juni. Die Eisenbahnkommission des Herrenhauses nahm das vom Abgeordnetenhause herübergelangte Sekundärbahngesetz an.
— Die Konr Mission des Abgeordnetenhauses für das Ansiedelungsgesetz nahm in zweiter Lesung die Vorlage in der Fassung der ersten Lesung an.


