Ausgabe 
21.12.1904 Zweites Blatt
 
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Darm stadt, 16. Dez. In der Stadiverordnetensitzung vurde betreffend die Gehalte des Üehrerpersonals an den PolkSsch ule der Stadt Darmstadt u. a. die Erhöhung der Gehalte der Lehrer um je 50 Mk. beantragt. Weitere Bestimmungen deö vorgelegten Regulativs besagen: Schul- Verwalter und Schulvcrwalterinnen beziehen an Gehalt: a. vor bestandenerSchlußprüsung 1000 Mk.; b. nach bestan­dener Schlußprüfung: 1) die Schulverwalter: I. vom 1. bis 3. Dienstjahr 1150 Mk., II. vom 4.6. Dienstjahr 1300 Mark, III. vom 7. Dienstjahr ab 1450 Mk. 2) die Schul - Verwalterinnen: I. vom 1.3. Dienstjahr 1100 Mk., II. vom 4.6. Dienstjahr 1200 Mk., 111. vom 7. Dienstjahr ab 1300 Mk. Seminaristisch gebildete Oberlehrer und Haupt­lehrer enthalten eine Stellenzulage von jährlich 750 Mk. An Mietentschädigung erhalten: 1) verheiratete oder ver- witwete Lehrer, Oberlehrer und Hauptlehrer, sowie unver­heiratete Lehrer mit eigenem Hausstand 500 Mk.; 2) un­verheiratete Lehrer (ohne eigenen Hausstand) und Lehrerinnen 300 Mk.; 3) verheiratete oder verwitwete Schulverwalter 400 Mk; 4) unverheiratete Schulverwalter, sowie Schul- Verwalterinnen 250 Mk. Lehrerinnen, Schulverwalterinnen kann, wenn sic mit bedürftigen nahen Angehörigen, die von ihnen ernährt oder unterstützt werden, in häuslicher ©emcin- schast leben, je nach Beschaffenheit des Falles eine höhere Wohnungsvergütung, als die vorstehend für sie festgesetzte, durch die Stadtverordneten-Versammlung bewilligt werden. Für die Stadt würden die Mehrkosten 6050 Mk. betragen. Der Antrag de§ Schulausschusses, das Regulativ anzilnehllien, iand Genehmigung.

Frankfurt, 20. Dez. Schon seit einigen Wochen hatte man bemerkt, daß in den Gernarkungen EscherS Herrn und Ecken Herrn von unbefugter Seite den Hasen, auch nrii Schlingen, nachgestellt wurde. Am Montag Morgen kurz nach 6 Uhr begaben sich der Gendarm und der Feld- schütze von Eschersheim wieder aus die Streife. Auf dem Gelände zwischen Eschersheim und Preungesheim bemerkten sie einen mit einem Jagdgewehr bewaffneten Menschen, der sich bei ihrer Annäherung auf den Boden warf. Der Feld- schütze rief ihm zu liegen zu bleiben, die Antwort war ein scharfer Schuß, dem der Feldschütze durch einen Sertensprrrng auswich. Als nun der Gendarm auf den Mann losging, feuerte er einen zweiten Schuß ab, den Gendarm und Feld­schütze erwiederten. Sämtliche Schüsse gingen fehl. Als jetzl der Wilderer wieder laden wollte, geriet ihm eine falsche Patrone in die Hand, und diesen Vorteil benutzten die beider: Beamten, um den Gegner zu entwaffnen und trotz heftigsten Widerstandes zu überwältigen. Wie sich herausstellte, war er der Gärtner Heinrich Heil aus Preungesheim, ein schon mehrfach vorbestrafter Mensch. Man brachte ihn noch am Montag in das Untersuchungsgefängnis nach Frankfurt. Vor einigen Tagen wurde in Karlsruhe der Feinmechaniker Bruno Huner verhaftet, weil er falsche Z w e l ni a r t st ü ck e verausgabt hatte. Bei der Untersuchung gab er zu, daß er

sie mit einem Genoffen in Frankfurt angefertigt habe. Die hiesige Kriminalpolizei stellte innfangreiche Erhebiingen an. Heute früh gelang, im Hinterhause Bruchstraße 13 in Sachsenhausen die Falschmünzerwerkstätte zu entdecken und den Helfershelfer Himers, den 30 Jahre alten Graveur Bruno Hecker aus Breslau, zu verhaften. Die beiden Falschmünzer hatten das ganze Hinterhäuschen seit Oktober gemietet und dort eine vollständige Geldpräge-Werkstätte ein­gerichtet. Das verwendete Material iunr Silber, Kupfer und Blei. Im Verhör gestanden die Falschiuünzer, sie hätten etivci 700 Stück angefertigt und verausgabt. Die Falschmünzer arbeiteten nur uachts, die Fenster-Vorhänge waren immer heruntergelassen, so daß Niemand einen Einblick in die Räume bekommen konnte. (Kl. Pr.)

Dcrmijcbtee.

Krakau, 20. Dez. Die hiesige Polizei entlarvte einen originellen Schwindler. Beim Landesgericht war ein gewisser Olas Alexander Polotynsk, Ritter von Dunin - Wonsowsiz als Assessor tätig. Gelegentlich seines be­vorstehenden Avaneements entdeckte man nun, daß der sich als Voll-Aristokrat geberdende Beamte, der mit der Tochter eines reichen Gutsbesitzers verheiratet ist, die Geburts- Matrikel und die Staatsprüfungs-Zeugnisse gefälscht hatte und der Baue rn sohn Puti; ra aus einem galizischen Dorfe sei. Er fälschte aber nicht nur das Kirchen­buch seiner Heimatsgemeinde, sondern auch die Matrikel in Reichenbcrg (Böhmen), um sich als nahen Verwandten der Gemahlin des Erzherzogs-Thronfolger Fürstin Hohenberg gerieren zu können, und richtete ein Gesuch an den Kaiser mit der Bitte, die Paten stelle bei seinem Kinde zu übernehmen. Ter Schwindler wurde nun verhaftet, aber als geistesgestört er­kannt. (Berl. Ztg.)

* Ein 24jähriger Bengel. In Oldenburg hat der Redakteur Schweynert gegen den Ali nist er Ruhst rat wegen Beleidigung im Landtag durch die Bezeichnung v2 4 j ä b r i g c r Bengel" Klage erhoben.

Gras Leo Tolstoi, der 76jährige Dichter geriet am 19. d. M. auf seinem gewohnten täglichen Spazierritt in be­trächtliche Gefahr. Taö Pferd scheute und warf Tolstoi in einen Graben. Wie seine Vermandten berichteten, ist der Unfall jedoch gut für Tolstoi verlaufen. Er kam mit einigen Quetschungen davon.

* Auf derBühne wahnsinnig gern orben, ist der Schauspieler Leo Forst vom Hamburger Schauspielhaus. Bei der Premiere des Oskar Wildejchen Dramas »Die Her- zogin von Padua" erregte ein Zwischenfall, dessen Mittel­punkt Leo Forst ivar, peinlichstes Aussehen. Leo Forst spielte die Rolle deö Oberrichters im zweiten Akt, und seine schau­spielerische Leistung ivar derma gen schlecht und bizarr, das; die Theaterbesucher starr vor Stauuen ivaren. Rach Schluß des Aktes erklang lebhafter Beifall, der den Darstellern bei;

Hauptrollen galt, doch Leo Fort! itürmte cus enter vor Die Rampe, um zu danken. Nun zischte der Leiter des Schau­spielhauses, Baron v. Berger, der in der Jntendantenloge saß, sehr vernehmlich. Forst wurde kreidebleich und blieb wie angewurzelt stehen. Am nächsten Tage versandte die Leitung des Schauspielhauses eine Notiz, daß Leo Forst einen Urlaub angetreten und Herr Sartory seine Rolle übernommen habe. Jetzt ivird bekannt, daß Leo Forst irrsinnig geworden ist und in ein Sanatorium gebracht werden mußte. Leo Forst ist tatsächlich auf der Bühne wahnsinnig geworden sein un­glaubliches Spiel inDie Herzogin von Padua" ist dec erste Ausbrnch der Jrsinnserscheinuugeii gcive)\n. Der bedauems- iverte Künstler war in Hamburg sehr geschätzt.

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Aufgebote.

Dezember. 10. Eduard Lichtenthäler, Lokomotivheizer in Hachenburg, mit Philippiue Reiusels dahier. 10. Ludwig Ui er, Arbeiter m Klein-Lmden, mit Marie Fung daselbst. 12. Max Schietzel, Hoboist« Sergeant dahier, mit Margarethe Drujchle hierjelbst.

Chcfchließuugcn.

Dezember. 10. Johann Barth, Fuhrmann dahier, mit Kai Ha­rme Reitz in Alleudori a. d. Lahn. lu. Johannes Loch, Schuh­machermeister dahier, mit Katharine Becker, geb. Blatt, Hierselbst. 10. Ernst Heinrich Kart, Lokomotivheizer in Betzdori, mit Katharme Sehrt dahier. 10. Heim ich Karl Düring, Schlosser dahier, mit Barbara Wöll hierselbst. 15. Wilhelm Schund, Hoieldieuer dahier, mit Katharine Schieß, geb. Wiegel, hierjelbst.

Geborene.

Dezember. 5. Dem Kauimann Wilhelm Mischer eine Tochter. 5. Dem Hilishcizer Heinrich Kraustopi eine Tochter, Christine Barbara Antonie. 5. Dem Kausmann Ludwig 9lidet eine Tochter, Emmi) Ernestine. 7. Dem Gastwirt Philipp Hosmaun ein Sohu, Karl Heinrich. 8. Dem Alajchmemneister Richard Werner cm Sohn, Hans Rudols August. 9. Tein Hlliüschasstier Georg Christ eine Tochter. 10. Dem Dachdeckermeister Johannes Prang eine Tochter, Sophie Anna. 11. Dem Dienstknecht Karl Pitz eine Tochter. 11. 4. ein Schlosser Justus Heinrich Günther eine Tochter, Marie Wilhelmine. 12. Dem Kauunanu Johann Georg Eimer eine Tochter, Katharine Marie Karola. 12. Dem Bautechniker Jalob Birtenstock ein Sohn, Wilhelm Hans. 14. Dem Hotelbesitzer Ernst Christel eine Tochter, Margarethe Elisabeth. 15. Dem Statwus- assistenten Bernhard Lüdke ein Sohn.

Gestorbene.

Dezember. 10. Margarethe Karolme Leinbach, 3 Monate alt, Tochter des Fuhrmannes Georg Lelnbach dahier. 10. Emilie Elisabelhe Trmkaus, 1 Jahr alt, Tochter des Metzgermelsters Gustav Trinkaus dahier. 12. Mathilde Fischer, geb Fuat, 36 Jahre alt, CH es rau des FahUartenauSgebers Jatob Fischer dahier. 14. Anna Klein, 1 Jahr alt, Tochter des Tagtohners Peter Klein dahier. 11. Ludwig Kreut er, 4-1 Jahre alt, Maschinenmeister dahier. 15. Philipp Bellost V., 60 Jahre alt, Invalid dahier.

R o r d d e n t s ch e r Lloyd.

In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz.

Bremen, 19. Dez. (Per transatlantischen Telegraph.) Ter Doppeljchrauben-PostdampserBrandetiburg", Kapitän E. Wolters- dorjs, vom 9lorddeutjchen Lloyd in Bremen, ist am 17. Dezember Uhr nachmt ttags, ivohlbchalten in Rewyork nngetommen.

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