rat wegen Regelung bcS li pve j di f n Thronfolge fl reitS, bvn ^viidicn dem Fürsten zu Sciiaumburg-Lippe und dem Regenten des Fürstentums Lippe v.^esäüosscnen Schie^uertrag nnd den Beschluß de-5 Bunde-rotS vom 18. November 1904.
D r e bcn. 20. Nov. Der Vorsitzende deS A:lffick>tsrats der Dresdener Bank. Finmr-rat Iencke, ist zum Mitglied der er st e n K a nt m e r ernannt morden. (Icncke war, nachdem er den sächsischen Staatsdienst quittiert batte, Jahre lang Generaldirektor der Kruppschen Werke. Vor Jahr und Tag zog er sich nad) Dresden ins Privatleben zurück. D. Red.)
Jena, 20. Nov Der „Ä e n o s s c", der zum Bürger- tn eistcr des bekannten Bierdorfes Ziegenhain gewählt wor- den nxrr. ist z u r ü ck g e t r e t e n.
NnSland.
Rom, 19. Rod. In Bologna fanden gestern große Protestversammlungen statt gegen die Vorfälle in Innsbruck. Die Sozialisten verursachten große Tumulte und Handgemenge mit den Demonstranten, während der Zug sich zum österreichischen Konsulat bewegte. Das Militär hielt die Demonstranten, die eine österreichische Fahne verbrannten und mit der übrig gebliebenen Fahnenstange auf die Sozialisten einhieben, vom Konsulat fern. Auf beiden Seiten gab es mehrere «Verwundete.
— Die infolge der Innsbrucker Vorgänge eingeleitete Deutschenhetze nimmt auch in Mailand immer größeren Umfang an. Die Eigentümer der hiesigen Bierhallen erhielten vom Komitee Mailänder Studenten schrist liche Aufforderung die deutschen Firmentafcln zu entfernen, sonst würden ihnen sämtliche Fenster eingescblagerr werden. Die Polizei traf Verfügungen, um die Verwirklichung dieser Drohung zu verhindern.
Budapest, 20. Nov. Wie verlautet, hätten Deutschland und Oesterreich-Ungarn die gleiche Ueberzeugung gewonnen, daß sanitäre Maßnahmen, betreffend Schlachtvieh strenge gehandhabt werden müssen,, die Gegensätze in der Vc t er in är fr a g e sind daher gemil- dert. Von einer Klärung im allgemeinen kann jedoch noch keine Rede sein.
— Die der liberalen Partei angehörenden Mit glieder der Bürgerschaft hielten heute eine sehr zahlreich besuchte Versammlung ab und nahmen eine Resolution an, welche die O b str u k t i o n, die jede parlamentarische Tätigkeit, ferner die ruhige Arbeit der Bürger sowie die wirtschaftlichen Fortschritte hemme, verurteilt und die staatsmännische Aktion des Ministerpräsidenten zur Unterdrückung dieses Mißbrauchs billigt. Graf Tisza hielt hierauf eine Ansprache, in der er seine Freude aus- drückte, daß die Bürgerschaft der Hauptstadt sein Vorgehen billige. Der Ministerpräsident kehrte von der Versammlung zu Fuß nach feinem Palais zurück. Dabei bereitete eine große Menge dem Ministerpräsidenten lebhafte Huldigungen, eine kleinere Gruppe aber, die schon während der Versammlung vor dem Gebäude lärmende Kundgebungen veranstaltet hatte, empfing den Ministerpräsidenten mit Abzugsrusen. Auch Schneebälle wurden gegen ihn geworfen. Die Polizei trieb die Ruhestörer mit der blanken Waffe auseinander. Vierzig Personen wurden verhaftet.
— Tie Abgeordneten sämtlicher koalierten oppositionellen Parteien und Schattierungen versammel ten sich heute im Klub der Kossuthpartei. Im Laufe der Verhandlungen erschien eine Deputation der Universitätsjugend, welche der Opposition ihren Tank für ihr tapferes Verhalten sprach. Ein Exekutivkomitee wird Manifeste erlassen an den König und an die Nation. In letzterem soll nachgewiesen werden, daß der Schluß des Abgeordnetenhauses ein gewaltsames Attentat gegen die Verfassung bilde.
.Kasan, 19. Nov. Während einer Feier in der Universität unterbrach Plötzlich ein Student armenischer Herkunft die Rede des Professors Kapustin durch den Ausruf: „Nicht das brauchen wir!" Hierauf trat eine Gruppe von Studenten auf die Treppe hinaus, entfaltete eine rote Fahne und sang die Marseillaise. Ein Versuch, zum Theater zu ziehen, mißlang. Berittene Schutzleute zer- stteuten die Studenten, ohne jedoch Verhaftungen vorzu- nehmen, und stellten die Ruhe wieder her. Am Abend fand in einem Ofen in der Garderobe der geistlichen Akademie eine Pulver-Explosion statt; Personen wurden nicht verletzt.
Konzert des SängcrLranzes.
Gießen, 20. Nov.
Ter „Sängerkranz" wird, wie man uns berichtet, in seniem im Anfang jeden Winters stattfindenden Konzert am 27. November seinen Mitgliedern viel gutes und schönes bieten. Für ganz besonders erwähnenswert halten wir die „Altniederländischen Kriegs- und Siegeslieder" von Julius Röntgen (Amsterdam) mit der deutschen Uebertragung von Professor D. Budde in Marburg. Zum Teil durch die Kremser-Weylsche Bearbeitung bekannt, zum Teil bis jetzt noch unbekannte Melodien enthaltend, ist diese Neuausgabe musikalisch und textlich eine ganz hervorragende Leistung der beiden Bearbeiter.
An der herrlichen Harmonisierung, der vorzüglichen Stimmführung und ganz prachtvoller Instrumentation, nicht weich und süß wie bei Kremser, sondern wuchtig, packend, erkennt man den ausgezeichneten Musiker, ^i^^t minder erfreut uns die stets klar und kräftig klingende Sprache, die wahrheitsgetreue Uebersetzung.
Der „Sängerkranz" ist der erste deutsche Verein, welcher sich von der Kremserschen Bearbeitung losgemacht hat und sich dieser weit wertvolleren Ausgabe zu wenden. Möchten ihm noch recht viele Vereine folgen.
Einige, gewiß allgemein interessierende Bemerkungen über diese „Niederländer" entnehmen wir dem Vorwoltt! des Uebersetzers, Professor Tr. Budde.
Die erste Quelle der altniederländischen Volkslieder ist £a3 Werk „Nederlantsche Geben k-elank", im Jahre 1626 aus dem Nachlaß des niederländischen Notars Adrianus Valerius herausgehoben. Es bietet einen geschichtlichen Rückblick auf den nieoerländischen Freiheitskrieg gegen Spanien von seinem Beginn bis 1625, belebt und geschmückt durch Beiträge aller Künste, darunter auch eine große Zahl von Liedern, die die. geschichtlichen Ereignisse von Jahr zu Jahr feiernd, begleiten, alle mit den Sina- weisen und einem Lauten- oder Zethersatz versehen sind. Tie Singweisen hat Valerius alte in dem Liederschätze seines Volkes vorgefunden. Von den Gedichten stammen nur einige wenige aus den alten Liederbüchern der Geusen, der Freiheitskämpfer, die von der See aus ihr unterjochtes Vaterland wie der eroberten, während die übrigen von Valerius selbst verfaßt sein werden, zumeist unter dem frischen Eindruck der Ereignisse.
Aus diesen sehr selten gewordenen Werken veröffentlicht der Verein für die Musikgeschichte der nördlichen Meoerlande 1871 eine Auswahl von 19 Stücken, der später, 1893, eine aus 28 Stücke vermehrte Auflage folgte.
Von den ersten 19 Liedern gab Kremser 1877 eine engere Auswahl von sechs Stücken, zu einem Epklus gefügt in der bekannten Bearbeitung heraus und errang damit einen seltenen Erfolg. Leider hielten sich weder der Uebersetzer Josef Wehl noch Kremser an die ehrwürdigen Vorlagen, nirgends zum Vorteil, sondern überall zum Schaden der Wirkung.
Inzwischen hatten Worte und Weisen, natürlich 'beide in ursprünglicher Oiestalt, auch in den Niederlanden neues Leben gewonnen, itnb besondere Verdienste erwarben sich hierbei Professor Lomann und Röntgen, beide in Amsterdam lebend. Angeregt durch ihre Klavierausgabe einer Auswahl von 6 Liedern, entschloß sich'Professor Bild de in Marbllrg zu einer neuen, nach Form lind Inhalt aufs äußerste treuen Uebersetzung lind veröffentlichte sie in der Zeitschrift „Ehristliche Welt" 1901, Nr. 6—12. Julius Röntgen forderte ihn auf, immer mehr Lieder zu übersetzen, lind so entstand denn in gemeinsamer Arbeit ein herrliches, die Kremser-Weylsche' Bearbeitung hoch überragendes Werk.
Der „Sängerkranz" hat sich mit großer Begeisterung der Einübung der Lieder hingegeben, und er darf von „Passiven" sicher erwarten, dankbare Anerkennung zu finden.
Heber die einzelnen zum Vortrage gelangendeu Lieder mögen hier noch einige Erläuterungen Platz finden, welche in der Bearbeitung für eine Singstimme und Klavier (Breitkopf und Härtel) enthalten sind.
9h.*. 1 auf gebet. Tas Gedicht des Valerius ist ein Gebet oder eine Klage, wie sie Kremser Wehls Umbichl»- ung nennt, über die Vergewaltigung des niederländischen Volkes, wie sie 1567 durch die Ankunft des Herzogs von Alba mit einem spanischen Heere eingeleitet wurde.
2. Holland ll n d Seeland. Das Lied ist voll Valerius, gedichtet zur F-eier der völligen Befreiung des niederländischen Bodens im Juni 1616. England hielt bis dahin noch einige Städte mit feinen Garnisonen besetzt, als Pfand für die Kosten der zweifelhaften Hilfe, die es im' Jahre 1585 durch ein entsandtes Heer geleistet hatte. Diese Schuld vermochten die Generalstaaten im Jahre 1616 zurückzuzahlen, und nun erst, als keine fremde Macht mehr den Boden des freigekämpiten Landes drückte, konnte man sich des Errungenen ganz freuen. Ter Preis wird den beiden eefahrenden Provinzen Holland und Seeland zuerkannt, die, von Anfang an die Seele des Freiheitskrieges, dllrch ihren blühenden Welthandel auch die Mittel zum Loskauf allfgebracht hatten.
3. Tas Gottesgericht. In der Ausgabe für eine Sing stimme unter dem Titel „Tanklied vom Jahre 1621." Im Jahre 1624 versuchten die Spanier sich den strengen Winter zu nutze zu machen, der alle Flüsse und Kanäle zu gebahnten Wegen umschuf, und fielen mit ihrer gesamten Heeresmacht von Osten her in die Niederlande ein. Aber eben der grimmige Frost ließ das Unternehmen cheitern und zwang sie zum Rückzug unter furchtbaren Ver- uften. Im ganzen Lande wurde ein Tank- und Bitttag ür die gnädige Errettung.gehalten, und Valerius ver- aßte dazu, ein Jahr vor seinem Tode, dies Lied.
4. Auf die Seeschlacht von Gibraltar 16 0 7. Jakob van Hermskerk, genannt der Seeritter, gewann diese Schlackst. Tas Lied bedarf keiner Erläuterung: der freubige Auszug, ba£ ungestüme Zu fahren, der schnelle Sieg, das gemächliche Auffischen der massenhaften Gefangenen, alles wird köstlich gezeichnet.
5. Tas W i l h e l m n s l i e d. Das Lied ist der Grund- und Eckstein der ganzen Sammlung, das älteste von, allen, zugleich das einzige, das ununterbrochen int Munde des niederländischen Volkes weiter lebte. Der Staatsmann und Siebter Marnix van St. Aldegonde fang dieses Lied, als Wilhelm von Oranien, die Hoffnung der Niederlande, am Ende des unglücklichen erften Feldzuges von 1568 sich genötigt sah, sein Heer zu verabschieden und auf seinen deutschen Besitzungen bessere Zeiten abzuwarten. Darauf geht das Lebewohl des letzten Verses, während der erste )ic Grundlosigkeiten der spanischen Anklagen, der zweite eine Frömmigkeit und fein Gottvertrcmen ausspricht. Tas Stück, hier nach dem ältesten Wortlaut der Geuseulieder- iücher übersetzt, ist ein rührendes Denkmal des felsenfesten Vertrauens, das die Niederländer auch in der schwersten Zeit auf ihren deutschen Führer fetzten.
6. Siegesfeier. (1597.) „Tas Lied versetzt uns an das Ende des Jahres 1597, wo in den Niederlanden außergewöhnliche Bitt- und Tanktage gehalten und Denkmünzen geschlagen wurden, aus Anlaß der glorreichen Siege des Prinzen Moritz, infolge deren, wie man schätzte, wohl der vierte Teil der 17 Provinzen in die Gewalt der Nieder- änder tarn." So Loman nach Valerius. Ter Dichter hat )anad) sein Lied für den gottesdienstlichen Gebrauch be- timmt, oder besser gesagt, selbst darin eine Buß- und Tankpredigt und damit zugleich eine Buß- und Bettags- wedigt gehalten. Tiese Bestimmung kommt in der neuen Bearbeitung, im engsten Anschluß an die Vorlage, zum klaren Ausdruck.
Aus §tnbt uud Laub.
Gießen, 21. November 1904.
• • Besichtigung. Herr Priv.-Dozent Dr. Schroeder, der erst vor kurzem von einer Stubicnreifc nach Amerika und Eanaba zurückkehrte, besuchte am Samstag mit einer größeren Zahl seiner Hörer das städtische Gaswerk, die Farbwerke des Herrn Zurbuch und die 91 fticnbraitcrei. Der Betriebsleiter Krämer vom Gaswerk erläuterte den Herren die Gewinnung des Gases und Fabrikbesitzer Z u r b u ch zeigte die verschiedenen Methoden zur Herstellung von gemahlenen Farben, geriebenen Erden u. a. In der Akticn- irauerei wurden unter Führung des Braumeisters Groll ert die zur Vierbereitung nötigen Rohstoffe und deren Verarbei- itng gezeigt, die Eismaschinen und Kühleinrichtungen, sowie hie Gähr- ■ und Lagerkeller besichtigt und den Herren zum Schluß als Kostprobe ein vorzügliches Glas Gießener „Pilsner" verabreicht.
• * Falsches Ger ü ch t. Das fälschlich verbreitete Gerücht, die Leiche der vermißten Emmy Winkler sei auf- gesunden worden, welches sogar in verschiedenen Zeitungen Aufnahme fand, hat das Großh. Polizeiamt veranlaßt, das 9lusschreiben ju erneuern, da das Gerücht geeignet war, die Nachforschungen nach der Vermißten erlahmen zli lassen.
* * Stadttheater. Die gestrige 9(itffü()rnng des „Strom" von Max Halbe erfreute sich auf allen Plätzen eines sehr guten Besuches. DaH Stück ist bekanntlich im vorigen Jahre a'ls Theatervereins-Vorstell^lng gegeben worden, und eine eingehende Besprechung können wir nnÄ daher ersparen. Erwähnenswert ist, baß Direktor Steingüter in der Rolle t«rs Deichhauptmanns Peter bem voiJ?..,..gen Frankfurter Gast Diegelmamr in Mfsassung
und Dialekt sich völlig anschlvs; unb vom Publikum, anS> dessen Mitte leider einige Störungen durch unangebrachtes und albernes Lachen sich bemerkbar machten, mit großem Beifall bedacht wurde. Herr Lüttjohann als Jakob leistete besonders in der Erzählung des Abendstern-Gesichtes' vorzügliches. Das Hauptinteresse des Abends richtete sich aber auf einen Gast, Frl. Rosa Treuer vom Stadttheater in Augsbllrg, die möglicherweise für unser Theater als neue Kraft in Aussicht genommen ist. Ihre Renate erwies, daß die Darstellerin jedenfalls das richtige Bild von der Seelenpein dieses unglücklichen Weibes sich anzu- eignen verstanden hat. Die leidenschaftlichen Stellen gelangen ihr am besten, während sie das schwierige wortkarge Verharren in Augst undTrübsinn weniger natürlich unb etwas gezwungen unb steif zur Darstellung brachte. Namentlich die Uebertreibung der erregten Atemzüge unb der unheimlich eisigen Antworten, deren Stimmtechnik nicht ein* wand frei war, hat uns nicht gefallen.
** Eisverein. Der Vorstand des Eisverelns teilt uns- mit, daß er den Termin zur Abholung der Mitgliedskarten bei Herrn Ernst Balser, Mäusburg, bis zum 25. d. M. einschließlich verlängert hat. Wir versäumen nicht, itnfcre Leser hiermit nochmals darauf aufmersam zu machen, da diejenigen, die die Quittungen bis dahin nicht eingelüst haben, als ausgetreten angesehen werden und eventuell nochmals Eintrittsgeld zu zahlen haben.
** Ein Adreßbuch der Stadt unb des Kreises Friedberg ans dem Verlag der B r ü h l s ch e n Uni* Vers it äts - D r n 'd c r i? i (Gießener Anzeiger) in Gießew ist soeben für das Jahr 1905 neu erschienen. Die Bewohner des Kreises locrbcn zweifellos sehr erfreut sein, endlich ein vollständiges, einheitlich hergestelltes, vornehm aus- gestattetes Adreßbuch aller Städte und Orte des Kreises zu erhalten. Das Material für Bad-Nauheim ist, dem Bedürfnis der vielen Fremden entsprechend, in lateinischer Schrift gedruckt: außerdem sind diesem Teil genaue Angaben über alle öffentliche Anstalten, über Tarife und sonstiges für Fremde wissenswerte, beigefügt. Das in schmuckem Einband vorliegende Adreßbuch ist, was hervorgehoben sei, mit Plänen von Friedberg, Bad-Nauheim, Butzbach und Vilbel ausgestattet. ^Außerdem ist zur besseren Orientierung den einzelnen Sttaßen Friedbergs ein Straßenbild vorgedrnckt. Wie wir erfahren, soll dies bei der nächsten Ausgabe auch bei Bad-Nauheim erfolgen.
** Ein mit einer halben Million Mark beladener E i s e n b a h n w a g g o n wurde dieser Tage in Berlin in den Frankfurter I '*3ng eingestellt. Die kostbare, nach Darmstadt bestimmte Sendung, welcher eine entsprechende Begleitung beigegeben war, enthielt in zahlreichen Kisten und Säcken die mit dein Doppelbildnis des Großherzogs und des Landgrafen Philipp des Großmütigen von Hessen versehenen Silbermünzen (Fünf- und Zweimarkstücke), welche aus Anlaß der Feier der 400. Wiederkehr des Geburtstages Philipps des Großmütigen in Berlin geprägt wurden. Die Münzen sind inzwischen in Verkehr gesetzt worden.
*• Zum Raubmord in Heldenbergen. Unter Bezugnahme aus das Ausschreiben des Staatsanwalts vom 18. b. Mts. wird mitgeteilt, daß der dort beschriebene Unbekannte offenbar identisch ist mit dem Taglöhner und Dreschmaschinenarbeiter August Ziegler, geboren am 9. Juli 1872 ober 1877 zu Walldorf, Kreis 9)iciningen. Es handelt sich um den Menschen, der cm Morgen der Entdeckung der Mordtat zwischen Heldenbergen und Erbstadt gesehen wurde. Das wiederholt erwähnte fremde Ehepaar mit den zwei schwarzen Hunden, das am Morgen nach dem Raubmord in Helden bergen aus bem nahe bei Heldenbergen liegenden Städtchen Windecken, wo eS gewohnt hatte, plötzlich verschwunden war und über den hiesigen Ostbahnhof nach Bayerin weiterreiste, ist jetzt bei München verhaftet worden und wird der Gießener Untersuchungsbehörde aus- geliefert. Es ist ein Ehepaar Fischer. Der Mann arbeitete für einen Bauunternehmer. Er soll sich namentlich auch dadurch verdächtig gemacht haben, daß er rückständigen Lohn im Stich ließ. Wegen Verdachts der Ermordung des Heldenberger katholischen Pfarrers wird jetzt auch ein etwa 30 Jahre alter Maiin verfolgt, der sich vorn 11. auf 12. ds. in Helben- bergen aufgehalten hat. Am 12., am Morgen nach der Tat, wurde jener Unbekannte zwischen 6’/2 und 7l/2 Uhr auf dem Erbstädter Weg, der nach Naumburg führt, gesehen, als er sich dort in verdächtiger Weise herumtrieb. Es wurde beobachtet, als er an der Erbstädter Brücke am sogenannten Hintermüllers Graben allem Anschein nach seine langen Stiefel abwusch. Einen des Weges kommenden Arbeiter frag er, ob man von von Heldenbergen nach Frankfurt mit der Bahn fahren könne, und was bas koste. Einen zweiten Arbeiter r'rng er nach dem Wege nach Kaichen; er habe sich verirrt. Der Verdächtige wird wie folgt beschrieben: Etwa 30 Jahre alt, kräftige Statur, 1,65 bis 1,70 groß, volles Gesicht, weichen schwarzen Filzhut, starken rötlich blonden Schnurrbart, dunkle Haare. Er trug zwei übereinandergezogene dunkle Rücke, von denen der untere länger war als der obere, lange fast bis an die Knie reichende Schaftenftiefel, in die die Hosen eingesteckt waren, farbiges Henid und einen weißen Kragen. Er sprach einen fremden Dialekt und ist kein Landarbeiter.
** Edel sei der Mensch, hilfreich und gut! In Weilburg kam gestern, so schreibt man uns, im Augenblick des Abgangs eines Personenzugs eine sehr korpulente Dame auf einen Abteil der III. Klasse zu und wurde, von kräftigen Fäusten unterstützt, in ben bereits überfüllten Wagen hineingeschoben. Alle im Abteil sitzenden Reisenden lachen ob des dicken Zuwachses und behaiipten dann der außer Atem geratenen Dame gegenüber stillschweigend ihre Plätze. Doch da naht die rettende Seele in der Person eines schmächtigen Schneiderleins, welcher unter Bücklingen der von Natur reich ausgestatteten Dame seinen schmalen Platz unter erneutem Gelächter der „gefühlvollen" Mitreisenden anbietet. Im nächsten Moment hat er sich seines Rockes entledigt und mit den Worten: „Bitte nehmen Sie jetzt meinen Platz ein/ sich hinauf in ein leeres Gepäcknetz geschwungen, worin er den Rest seiner Reife zurücklegt. Ein dankbarer Blick der Dame, ein Bravo der Mitreisenden und eine tüchtige Hitzkur in dem stark geheizten Wagen lohnten des Schneiderleins Menschenfreundlichkeit.
r. Wall en rod (b. Alsfeld), 19. Nov. Heute nachmittag schoß der Landivirt F. aus seinem Fenster mit einer Jagdstinte auf den mit ihm in einen Prozeß verwickelten Bürger Z. und verwlmdete ihn lebensgefährlich an der linken Schulter. Er hatte zuvor auf bu


