Erstes Blatt
154. Jahrgang
Montag 21. November 1904
Hchnlstrotze r. glbrefie für Teveren: Anzeiger Gtetzen. FernIprechanWgutzNr 61
vezagsprst», monattrch 76 M, oterteU jährlich W. 8L0; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Vf.; durch die Poft Mr. 2.— viertel- iährl außfchL Bestellg, Annahme von Anzeige» jur die TageSnummer bis Dormtttagd 10 Uh^ ßetlenprctS. lokal 12Pf^ nußrodrtß 20 Pfg.
Verantwortlich für den poltl und augem. Teil P. Wittko: für ,Stadt and ßanb* und -ß^enchtßlaal*: August Goetz, für den An-
Nr. 274
,«glich ander Sonntag«.
Dem Gießener Anzeiger werben im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Giehener Familien* hlüller Viermal in der Woche beigelegL
AotationKdruck il Verlag bet Brüh l'schen Unwers.-Buch-u. Stein- brodereL 9t Öangt
General-Anzeiger w
Amk- Md Anzeigeblatt für den Kreis Siebt, ----—— .... ..... ... zeigenteil: öanß Beck.
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Ale Heutige Kummer umfaßt 10 Seiten,
Ausschreiben.
30 0 Mark Belohnung.
In der Nacht vom 5. auf 6. lfd. Mts. Hot die am 2. März 1874 geborene Emmy Winkler ihre elterliche Wohnung heimlich unter Umständen verlassen, die die Annahme rechtfertigen, daß ihr ein Unfall zugesioßen, oder aber, daß sie sich ein Leid angethan hat.
Die Vermißte ist etwa 1,60 Meter groß, von schlanker Statur, hat dunkelbraunes Haar, dunkle Augen und Stumpfnäschen. Sie war bekleidet mit braunem Kleid, schwarzem Iaket, schwarzem Strohhut und weißer Leibwäsche gez. E. W.
Wir ersuchen um Anstellung eifriger Nachforschungen nach der Vermißten und Drahtnachricht mit dem Ansügen, daß eine Belohnung von 300 Mk. ausgesetzt ist.
Gießen, den 7. November 1904.
Großherzogli (Uiteiamt Gießen.
Herberg.
Air Mer/olivnfl unseres Krvf6,rzogs mit Wrinzrsiin Eleonore von
Lich, 21. Nov. Die Verlobung Sr. Kgl. Hoheit des Groß Herzog 8 mit Ihrer Durchlaucht der Prinzessin Eleonore von Solms-Hohensolms-Lich hat gestern im hiesigen fürstlichen Schlöffe stattgefunden.
Diese frohe Botschaft verkündete heute vormittag bereits unser in der Stadt verbreitetes Extrablatt.
Mit jubelndem Zuruf wird diese Kunde in dem gesamten hessischen Volke ausgenommen werden und lauten, freudigen Wiederhall finden weit über die Grenzen der drei Großh. hessischen Provinzen hinaus in allen deutschen Gauen. Daß gerade dieser anmutigen Fürstentochter ihr hoher Kindheitsgespiele und Jugendfreund aus dessen froher Gießener Studentenzeit die Hand zum Lebensbunde reichte, daß ein Kind des engsten Heimatlandes die Hessenkrone fortan zu tragen von unserem innig und treu geliebten Landesherrn erkürt uSvrden ist, daß eine Hessin unsere Landesmutter werden soll, daß sie berufen ward, den hessischen Frauen, ihren Landsmänninnen, voranzuteuchten in allen Tugenden edler Weiblichkeit, das erfüllt aller Hessen Herzen mit höchster Freudenfülle.
Der gestern abend im Fürsten-Schlosse zu Lich geschlossene Bund bringt die Erfüllung der besten Wünsche aller Hessen, indem es die dynastischen Hoffnungen des Landes, wie sie sich an das Blühen und Gedeihen unseres Fürstengeschlechts knüpfen, in eine ferne Zukunft hinüberzuleiten verheißt. Mögen unser Großherzog und Prinzessin Eleonore, und mit dem hohen Brautpaare das hessische Volk dereinst den Tag segnen dürfen, an dem sie sich zu einander fanden.
Fürstenehen werden häufig nicht im Himmel geschlossen. Die geringe Zahl der heiratsfähigen Töchter aus regierenden Familien, die bei der Wahl einer Gattin für die deutschen Monarchen doch zumeist allein in Betracht gezogen zu werden pflegen, macht schon diese Wahl schwierig. Dynastische Familieninteressen und bis zu einem gewissen Grade auch staatspolitische Rücksichten erschweren sie zumeist noch mehr. Großherzog Ernst Ludwig hat alle derartige traditionelle Staats- raison als überflüssig und veraltet bei Seite geschoben. Erließ die Monarchenpaläste Monarchenpaläste sein, pochte an die Tür eines seiner Maguatenhäusec und ward mit Armen der Liebe und Treue empfangen.
Die frohe Botschaft aus Ltch kam nicht unerwartet. Seit Jahr und Tag bereits hatte sich die geschwätzige Fama bemüht, für unseren Landesherrn eine zweite Frau, für Hessen eine zweite Großherzogin ausfindig zu machen. Man tappte lange im Dunkeln und wies nach den rebengeschmückten Gefilden eines Fürstenschlosses an der Bergstraße. Dann aber, bafb nachdem unser Landesherr die letzten Manövertage als Gast auf Schloß Lich zugebracht hatte, tauchten andere Gerüchte auf, die indeß fast von Tag zu Tag eine andere Fassung annahmen. Man war also nicht viel klüger als zuvor, weil eine Nachricht der anderen widersprach.
Am gestrigen Sonntage, nachmittags um 5 Uhr, traf Se. Kgl. Hoheit mit Automobil, von einem Adjutanten begleitet, im Schlosse zu Lich ein und am Abend war im engsten Kreise Familientafel, bei der wohl die Verlobung proklamiert worden fein mag. Heute früh wurden von Lich aus die ersten Telegramme entsandt. Auch Herrn Provinzialdirektor Dr. Breidert ging eine telegraphische Verlobungsanzeige zu.
Prinzessin Eleonore, die Braut unseres Großherzogs, eine Dame von großer schlanker Figur, prächtigem blondem Haar und leuchtenden Augen von Geist und Güte, ist die älteste der unvermählten Schwestern des Fürsten Karl von Solms-Hohensolms-Lich. Sie ward am 17. September 1871 zu Lich geboren, ist also drei Jahre jünger als ihr hoher Bräutigam. Sie ist von den sieben Kindern des verstorbenen Licher Fürstenpaares das vierte. Ihre Eltern waren der zwei Tage nach ihrem 28. Geburtstage, am 19. September 1899, verstorbene Fürst Hermann und d- erst im Mai d. I. dahingeschiedene Fürstin Agnes, geb. Gräfin zu Stolberg-Wernigerode. Ihr ältester Bruder, Fürst Karl, war geboren am 27. Juni 1866. Er ist seit 1894 mit der Prinzessin Emma zu Stolberg-Wernigerode vermählt
und Vater eines zehnjährigen Knaben und eines sechsjährigen ^öchterchens. Ihr zweiter Bruder, Prinz Richard Ludwig, kam, wie sie, an einem 17 September zur Welt. Er ist vier Jahre älter als sie und seit 189 8 mit einer Gräfin von ^olms-So^-..-walde vermählt. Dieser Ehe entivroß im Satire 1901 em Töchterchen. Die älteste Schwester, Prinzessin Anna Elisabeth, geb. 20. September 1868, ist seit September 1889 mit dem Grafen Johannes zu Lnnar vermählt. Ihre jüngeren Schwestern sind die Prinzessin Marie Mathilde, geb. 24. August 1873, vermählt seit 1898 mit dem Grafen Richard Emil zu Dohna-Schlo bitten, und die unvermählten Prinzessinnen Karoline, geb. 27. Mai 1877, und Dorothea, geb. 20. Oktober 1883.
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T’Qß fürstliche und gräfliche Haus Solms führen ihren k Stamm des Satt scheu üi'nigs Konrad I. zurück,
uno fern E cafenstand schreibt sich von der wirkliche Verwaltung eines uralten Grasenamtes her. Ti.' H>esr Trab n" und Solms traten schon durch heirat ehedem in verwandtschaftliche Ve- r-ehunam. So n^r u. a. n Friedrich M"on'.s v"n Solrns- anbach (gest. 1561) ein Sjxribbniber des Lrnd"r"fen RhiOpvs des Großmütigen. Tie Beziehungen des Darmfl^d^r b -w. der ^amüie^des Bringen K^rl vrn Geifert zu dm fü wichen Familien zu Solms g-stalte^n V. h besonders freundlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Ter Vater der Braut. T^rff loermann, und der 1900 gestorbene Graf Friedrich zu S üms-Lmiba<b. waren mit Groß- bcnoci Ludwig IV. ena befreundet. Tiefe Beziehungen dost"rten von der Zeit an, wo sich die Trei als junge preußisch Offiziere in Potsdam und Tü's-ldc^ keunen D-s öftern kehrte
h'?r Grolcherzog Ludwig IV. noch als Prinz bei b-m Vrinzen Ferdinand zu Solms-Hohmftlms-Lich, geslorbm 18'6, Erzvater des jetzigen Fürsten, der mit leinen schönen. li benswürdigeu Tüchern nehm ft'nem r d"m Fügten Lndrwq wobnte. gestorben 1880,, ein, und oftma.s begegilete man dem Großher-'g Ludwig IV. im Licher Schlosse, wo er den Fürsten Ludwig be'uchte, d-r eine große Anziehungskraft infolge seiner hervorrageno^n Kenntnisse in allen Wissenschaften auf ihn ausübte.
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Zur Verlobung Sr. Königs. Hoheit des Großherzogs hat Oberbürgermeister Meeum namens der Stadt Gießen dem Landesherrn heute früh ein Glückwunschtelegramm zuaesandt. Aus dem festlichen Anlaß tragen die städtischen, wie auch die übrigen öffentlichen Gebäude Flaggenschmuck.
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Die amtliche Darmstädter Zeitung veröffentlicht folgendes Extrablatt:
Das nachstehende Telegramm S. K. Hoh. des Großherzogs bringe ich hiermit freudigen Herzens zur Kenntnis des Heffen- landes. Rothe, Staatsminister.
„An Staatsminister Rothe
Darmstadt.
Habe mich heute mit Prinzessin Eleonore von Solms-Hohen- Solms-Lich verlobt und bitte Sie, dies zur Kenntnis meines vielgeliebten Landes zu bringen.
Lich, den 21. November.
Ernst Ludwi g"
RB. Darmstadt, 21. Nov. (Eigener Drahtbericht). Die Nachricht von der Verlobung des Großherzogs hat hier allgemein die größte Freude hervorgerufen. Die öffentlichen und zahlreiche Privatgebäude haben Fahnenschmuck angelegt. Die Prinzessin Eleonore wird am nächsten Donnerstag, dem Geburtstag des Großherzogs sicherem Vernehmen nach hier zum Besuche eintreffen.
Ihrer Durchlaucht
der Prinzessin von Solms-Hohensolms-Lich.
Laut jauchzt das treue Heffenvolk: „Heil, Heil Eleonoren, Die unter Herr vom Haus Brabant Zn seiner Braut erkoren !"
Heil Dir, Du Stern des Hauses Solms, Nun aller Hessen Sonne, Dein Licht verwandelt Sorg und Leid In eitel Freud und Wonne.
Heil Deinem Herrn! Heil seiner Stadt, Die öffnet Dir die Tore, Heil, Heil dem ganzen Hessenland Durch Dich, Eleonore!
I. Alt.
Jer Krieg.
Vor Mulden.
Dev Korrespondent der „Birschewija Wiedornosti" meldet aus Mulden vom 19. November abends: Tie in vergangener Nacht begonnene heftige Kanonade hat noch nicht aufgehört. Tie Japaner griffen die vorgeschobenen Verschanzungen auf dem Putilowhügel wiederum an, doch wurde der Angriff unter sehr großen Verlusten des Feindes zurückge -> chlagen. Man bemerkt auf dem rechten Flügel, daß die Ja- laner Befestigungen und Truvpenabteilnngen vorschieben, an- cheinend in der Msicht, am Sch a ho anzugreifen. Unsere Artillerie zwang den Feind zum Rückzüge. Auf der Ostfront rückt eine starke Abteilung vor, mn unsere Flanke zu umgehen. Es ist noch nicht bekannt, ob es wirklich die Vorhut einer großen Truppenabteilung ist oder ob eine Kriegslist vorliegt, welche d-ie Javaner anwenden, in der Hoffnung, daß wir unser Zentrum entblößen werden. In der Armee herrscht die feste Neberzeugung, daß wir Mulden behaupten werden. Der Geist der Armee ist ausgezeichnet.
Eine große Schlacht am Schaho?
Tie zunehmende Tätigkeit am Schaho, so wird aus Tokio gemeldet, scheint auf eine nahe bevorstehende große Schlacht hiiizudeuten. Tie S ch e i n b e w e g u n g e n der Russen
haben offenbar den Zweck, die Japaner vorzulocken; ihre An- griffe wurden sämtlich zurückgeschlagen, doch scheinen dre Javaner ihre Erfolge nicht ausgenutzt zu haben. Tas japanische Hauptquartier hat folgenden Beriet des Marschalls Oyama vom 18 November erhalten: Heute bei Tagesanbruch machte eine feindliche Abteilung einen Angriff bei H f i n g hu n g t u n , wurde abrr zorückgeschlagen. Seit dem Vormittag unterhält der Feind aus der N"he von Schahopau auf unsere Stellungen ein indirektes -veuer mit Mörsern und Feldgeschützen, er hat jedoch keinen schaden angerichtet. Bei Hsianjantsou wurde eine russische In- f^nterieabteilung entdeckt und von uns beschossen, worauf sie in Verwirrung nach dem nahegelegenen Dorfe floh.
Tie Eisenbahn im Osten von Mukden ist bis nach Futsch uu verlängert worden. Tie Kohlengruben lieferten eine große.Menge Kohlen Tie gegenseitigen Stellungen der bechen Arnwen fern äußerst stark; die Erdarbeiten wurdm sorgfältig in Stand gesetzt, sodaß jede Armee, welche zum Angriff vorgeht, sicher schwere Verluste erleidet. Tie javanischen Batterien, welche dm Vutilowhügel beschießen, richten ihr Feuer so gut, daß sie die Stellung^mit einem wahren Hagel von Gesckwssen bedecken. Von der äußerßen rechten Flanke cingetrnffeite Offiziere teilen mit, daß gestern auf dieser Seite ein Gefecht begonnen habe.
Tokio, 20. Nov. Eine Teveiche aus dem mandschurischen Hauvtquaxtier von, gestern nachmittag meldet: Tie Japaner be- schosü'n eine feindliche Jnfanterieabteilmrg, die östlich von Reich- iangtou mit Schanzarbeiten beschäftigt war, und trieben auch in den .Nachbardörfern liegende Fußtruppen in die Flucht, sonst ist keine' Veränderung eingetrcten.
Port Arthur
Tie Japaner erlitten am 15. November vor Port Arthur eine neue Niederlage.
Ein wütender Angriff auf Port Arthur wurde am 17. November wieder unternommen und es heißt, die Japaner hätten,einige Minengünge in wichtigen Stellungen besetzt.
Tie japanische Armee vor Port Arthur berichtet, daß die Beschießung mit Schiffsgeschntzen eine Explosion des russi- f ch e n Pulver-Magazins beim Arsenal herbeiführte. Tie Tätigksit bei den Angriffen auf die Forts schreitet planmäßig fort.
General Stössel meldet dem Kaiser unterm 2. Nov.: Alle Sturmangriffe vom 25. Okt. bis 2. Nov. wurden durch den Heldenmut «uinserer Tnappen abgeschlagen. Ein furchtbarer Sturm fand am 30. Oktober statt. Aber durch einen Bajonettangriff der Reserven und durch die Tapferkeit der Schützen wurde d^r Feind überall zurü^geschlagen. An dftsem Tage unternahmen die Japaner keinen Sturm mehr. — Eine große Menge Leichen der Japaner konntm nicht fortgcschasft werden. Am 31. Oktober fanden zwei Sturmangriffe, um 4 Uhr und 9 Uhr nachmittaas, statt, doch wurde der Feind beide Male durch unsere Bajonette und Pyroxilinbomben zum Rückzug gezwungen. General Stössel nennt ferner eine Anzahl von Offizieren, die sich besonders verdient gemacht haben, darunter die Generäle Kondratenko, Nikitin und Gorbatowski, sowie den Ingenieur Grigorenko. Die Festung und die Forts Werdern wie General Stössel, ferner meldet, unaufhörlich beschossen. Nach der Abwehr der heftigsten Sturmangriffe, die neun Tage dauerten, hat sich der Mut der Truppen bedeutend gehoben. Tie Tätigkeit des Aerztepersonals ist über alles Lob erhaben. Tie Verluste der Japaner sind sehr bedeute nd und betragen nach chinesischen Schätzungen 7—10 000 Mann.
_ .In Petersburg lebende nahe Verwandte des Generals Stössel erhielten dieser Tage einen Brief von ihm. Ter General schrieb u. a.: Tie Garnison ist noch 28 000 Mann stark, die sämtlich von Heldenmut erftillt sind. Stössel ist überzeugt, daß sich 'die Festung bis zur Ankunft der Ostsee f l o t t e halten kann, aber selbst bei äußerster Gefahr könne von Uebergabe niemals die Rede sein, da alle in diesem Falle falb blutig den Tod vorziehen würden.
Nach einer Meldung aus Tschifu flößt das Befinden Stössels Besorgnis ein. Seine Gemahlin begleitet den General bei allen Inspektionen. Man zitiert ein Wort Stössels: „Wir werden unser Ostern im russischen Po_rt Arthur feiern". ’ "
Die Doggerbank-Affäre.
Hüll, 19. Nov. Tie Unters uchungskommission hielt heute noch eine Sitzung ab, um das Zeugnis von drei weiteren Zeugen zu hören, die jetzt znm erstenmale seit dem 21. Oktober ans der Nordsee zurückgeke'hrt sind. Tie Führer der Fischdampfer „Majestic" und ,,Toon" beschrieben den Schaden, der ihren Fahrzeugen durch die 20 Minuten dauernde Kanynade der Russen zngeft'igt wurde. Der letztere von beiden Kapitänen sagte aus, daß er mehrere große Fahrzeuge um V?9 Uhr abends am 21. Oktober gesehen habe, vor der Ankunft der Kriegsschiffe, welche das Feuer um Mitternacht eröffneten. Ter Rechtsbeistand wies darauf hin, daß dies der einznie Zeuge wäre, der erwähnte, daß er so früh am Wend große Tampftr gesehen habe. Der Steuermann des Fischdampfers „Kennet" sagte aus: Er habe um 7 Uhr morgens nach bem nächtlichen Angriff am 21. Oktober einen fremden Dampfer mit zwei Masten und zwei Schornsteinen, alles schwarz angemalt bis auf einen Schornstein, der eine etwas hellere F«be hatte, in einem Ab stand von ungefähr IV2 bis 2 Seemeilen gesehen. Dieser fremde Dampfer näherte sich dem „Kennet" und feuerte einen Schuß ab, der dicht bei dem Mast borbeigegangen wäre. Darauf wäre der Dampfer in südwestlicher Richtung davongedampft. Andere Fischdmnpfcr wären zurzeit nicht in der Nähe gewesen.
Deutsches Reich.
Berlin, 20. Nov. Ter Kaiser bestimmte, wie man au- Kiel meldet, das Linienschiff „Deutschland" (vgl. den besonderen Artikel über den Stayellanf der „Teutsibland") zum Flaggschiff der neuen Linienschiffs-Tivision. Ms Anlaß des Stapellaufs and bei dem Prinzen Heinrich eine Llbcndtafel statt, an welcher der Kaiser teilnahm. Einladungen mären ergangen an den Reichskanzler Grafen von Bülou>, an den SNnrtssekn'tär Admnnl von Tirpitz, an den Staatsminister v. Thielen. ?c. Ter Reichsftmzler 6!raf Bülow hat heute morgen die Rückreise nach Berlin angetreten.
— Der Senior der nationa!lir>eraleu Partei 'Stt. Hammacber ist schwer erkrankt. Das Befiirderr hat sich heute vormittzrg bedeutend gebessert.
— Anläßlich der hier ffattfiubciibnr deutsch-serbischen Handelsvertragsverhandlungen fand Samstag abenb bei dem StaaStfekretär Frhrn. v. Riehtlwfen^ ein Diner statt, an dem der serbische Gesandte T«r. Militschewilsch, Finanzminister Patsckni, die Minister Möller und Fwlw. v. Rbeinbaben. StaMs- fefretär Frhr. v Stengel und Unterstaatssekretär v. Mühlberg teilnahmen.
— Tie „Norbd. Wg. Ztg." veröffentlicht den Antt-ag der schaumburg'lippeschen und drr lipvescheu Regierung an den Bundes-


