erf cfffoffen en Gebieten, wrbe die PartEittmtz tnr Totnmcn- ben Juhre ins Äuge fassen. Wrs den Vorwurf betreffe, gegenüber benr tn der Lust schwebenden Wahkrechits- raub eS an der nötigen gegr'nagitatorischen Energie habe festen zu lassen, so ' erwidere er, daß die Meinungen, was in diesem Falle zar tim fei, recht geteilt seien. Während eine Richtung der Partzelleittmg den Vorwurf der Energielosigkeit mache, sage die andere, es sei höchst gefährlich immer wieder mit dem Feuer zu spielen und den Teufel an die Wand zu malen, weil dadurch etwa vorhandene reaktionäre Gelüste erst geweckt und zu Heller F-lamme entfacht werben könnten. (Sehr richtig!) Die Frage des politischen Streiks, des in neuerer Zeit viel erörterten Generalstreiks, halte der Vorstand noch nicht für spruchreif, um eine maßgebende Stellungnahme der Partei dazu herbeizuführen.
Nachdem der Redner noch daS weitere Anwachsen der Presse gerühmt hatte, erstattete Abg. Gerisch-Berlin den Kassenbericht. Niemals sei ein so ausgezeichneter Kassenabschluß zu verzeichnen gewesen, wie im abgeschlossenen Geschäftsjahr; er warne indessen vor dem Glauben, daß die Partei nun so viel Gfclb habe, daß fie gar nicht wisse, wohin damit. Bon diesem Glauben scheine die große Flut von Anträgen auf Mittelbewilligungen aus verschiedenen Wahlkreisen auszugehen. In einer einzigen Sitzung habe der Vorstand sich allein mit derartigen Anträgen zu beschäftigen gehabt und diese forderten nicht weniger als 160 000 Mk. (Hört! hört.') Mit ziemlicher Schärfe wandte sich Gerisch dann gegen die ,,lächerliche Art", wie manche Genossen ihrc_ Geldüberweisungen firmierten. Man erfinde die unmöglichsten und manchmal direkt tompromitti er enden Spitznamen, unter denen die Ueberweisungen in der Presse veröffentlicht werden sollten. Die Tagespresse besitze heute über 600 000 Abonnenten. (Lebh. Beifall.) 15 Zeitungen hätten allerdings einen Verlust von 8000 Abonnenten zu verzeichnen, der indessen als vorübergehend anzusehen sei. 39 Zeitungen dagegen hätten um 47 000 Abonnenten zugenommen. Die Gesamteinnah-me aus den StimmtentengeTbem der Parteiblätter beziffere sich auf 3 923427 Mk. Die Einnahme aus Inseraten betrug 2 253 538 Mk. (Beifall.) Erfreulich sei es, daß auch das Organ für die sozialdemokratischen Frauen, die von der Genossin Zetkin geleitete „Gleichheit', einen wesentlichen Ausschwung genommen habe. Der Vorstand beschäftige sich gegenwärtig mit der Frage der Unterstützung der zurückgebliebenen Blätter. Den Antrag, eine besondere Propagandabroschüre für die zur Armee einberufenen jungen Proletarier zu schaffen, um sie vorher über ihre Pflichten gegen den „inneren Feind" aufzuklären, hält der Redner für bedenklich und außerdem für die aus sozialdemokratischen Familien hervorgegangenen jungen Proletarier auch für überflüssig, da diele doch wüßten oder wissen sollten, was sie zu tun hatten. (Lebh. Beifall.) Im übrigen empfehle er, die Er Wartungen nicht .intimer zu h oH zu spannen, und sich in den Glauben einzuwiegen, day der Sieg von 1903 der Partei die Sicbenmeilensttefel gebracht habe, mit denen man nun direkt in den Zukunftsstaat hineinnrarfchieren könne. Bebel habe schon in Amsterdam gesagt, daß die doppelte Zahl von (Stimmen notwendig sei, um in der Entwicklung weitcrzukommen, und er bitte, in der Arbeit imb der Agitation nicht nachtzulassen. Werfall.)
Hieraus erstattete der Reichst agsabg. Meister- Köln den Bericht der Kon trollkommissiom
Leider habe man im verflossenen Fahre häufiger als sonst in schwebende oder neue Streitigkeiten! unter den Genoffen eingreifen müssen. Einen Einblick in die Düsseldorfer Stänkereien gewähre daS heute früh verteilte gelbe Couvert. (Aharuse.)
In der sehr eingehenden Debatte beklagte Becker- Dortmund die Verhältnisse im Ruhrrevier, wo seit den letzten Reichstagswahlen diepolitischeAgitationder Partei völlig d arnie d erlie g e.
Ulmbaum-Elberfeld erklärt es für unnötig, daß die Parteibuchhandlung große Ueberschüsse, im letzten Jahre
35000 Mk., avwerfb; sie solle dafür sozialdemokratische Broschürenliteratur billiger verbreiten.
(Nachnrittagssitzrmg.)
Nlrcl> Eröffnung der Nachmittagssitzunst erhielt der österreichische Abg. Schn Meier das Wort. Er schilderte dabei die Zustände in Oesterreich, die er als „Absolutismus mit Schlamperei" charakterisiert. Mit Neid sehen wir hinüber zu Eurem Parlament (Gelächter.) Die österreichischen Oien offen kämen na chDeutschlcmd, um sich hier wohl zu fühlen und nm zu lernen, wie man abgewirtschaftete bürgerliche Parteien behandeln müsse. (Beifall.) Nach dem von Frau Ziltz-Hamburg erstatteten Bericht der Mandatsprüfungskommission sind 225 Delegierte mit 258 Mandaten anwesend, außerdem 59 Abgeordnete, 7 Parteifunktionäre und 15 Frauen. Es wird barm die Debatte über den Ge- schäftsberickss fortgesetzt. Hierzu sind inzwischen noch einige weitere Anträge eingüaufen. So wünschen die Stuttgarter Genossen die Herausgabe eines illustrierten Wochenblattes nach dem Muster der „Woche" und die Luckdn- walder Genossen eine Broschüre, betitelt: „Der Klassen- kampf im Klassenstaat." In dieser Broschüre soll shstemattsch und in kurzen Worten und in Form einer Rede der Klassencharakter des Staats und der heutigen Einrichtung dargelegt werden. Schließlich wird von Sachsen die Schaffung einer sozia ldemo kratischen Jugend-- schrift gefordert
Th ie le-Eassel beschwert sich darüber, daß bet Vorst arid bezw. der vorwärts" es für Unfug erklärt habe, Geschäftsleute deshalb zu boykottieren, weil sie nicht in der Arbeiterpresse inserierten, wie das „Dolksblatt" in Eassel getan. Infolge der öffentlichen Erklärung sei der bett, verantwortliche Redakteur unter Anklage gestellt und wegen Erpressung zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Menn der Parteivorstand die Maßnahme des ,Aolksblatt" nicht billigte, sei schriftliche Mitteilung eher am Platze gewesen.
Leber-Jena fordert größere Verücksichtiaung der ländlichen Wahlkreise in Bezug auf die Presse, die weiten Kreisen fehle.
H a b i ch t - Limburg bedauert, daß die Parteipresse wohl ganze Spalten für den russisch-japanischen Krieg übrig habe, nicht aber immer hinreichend Platz für den Kamps gegen die bürgerlichen Parteien.
In seinem Schlußwort bestritt Abg. Pfannkuch, daß durch den Artikel des ^LZorwarts" die Staatsanwaltschaft auf den Redakteur Garbe des Kasseler ,^8olksblattt gehetzt worden sei. Im übrigen sei eine Stellungnahme geboten gewesen, nachdem vertrauliche Vorstellungen ohne Erfolg geblieben seien, umsomehr als diese Art der Boykotterllärung sehr viel Aussehen erregte. Er bezweifle, daß die Erklärung im „Vorwärts" die Ur'sachie für die Strafverfolgung wegen Erpressung gebildet habe: Staatsanwalt und Polizei wid- meten der sozialdemokratischen Presse auch ohnedies außerordentliche Aufmerksamkeit. Man solle nicht immer Reichstagsabgeordnete, und zwar gerate bestimmte Personen für Versammlungen im Lande verlangen, wodurch der Anschein erweckt werde, als seien derartige Versammlungen gcnnsser- maßen öffentliche Schaustellungen für Paradepferde. (Heiterkeit und Beifall.)
Es gelangte ein 'Antrag der Konttollkommission zur Annahme, in dem eS heißt:
„Neuerdings mehren sich die Fälle mit der Zunahme der Kämpfe auf wirtschaftlichem Gebiete, die zu Anklagen führen gegen solche Patt ei genossen, welche als Mitglieder einer Gewerkschaft bei Streiks ober Aussperrungen durch ein entehrendes 23 er» halten die Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Pattei verloren haben fallen. Dagegen ereignet es sich selten, daß ein Ehrenstreik bei gewe rkscha f tli chen Organisationen deshalb zur Einleitung ober zum Äusttag kommt, weil ein der Berufsgenossen- schoft zugehörender Parteigenosse eS verschuldeterweise unterläßt, in den stunden des politischen Klassenkampfes und zum Zweck einer erfolgreichen Agitation der sozialdemokratischen Partei seine Pflicht einigermaßen oder nach ganzem Vermögen zu erfüllen. Es besteht unter der klassenbewuK kämpfenden Arbeiterschaft keine Meinungsverschiedenheit darüber, daß bei der Notwendigkeit, mit der Baffe des Streiks zu kämpfen, der mit Bewußtsein geübte
Streikbruch als eine ehrlose Handlung gebrandmarkt und Verurteilt werden muß. .Mit Rücksicht auf diese schweren Folgen in der Ahndung einer unsolidariscten Handlungsweise muß von Fall zu Fall eint Beutteilung des Delikts in subjektiver und objektiver Hinsicht vorangehen, ehe der sozialtemokratiscte Richter die schwerste Sttase zur moralischen Vernichtung eines bisherigen Parteigenossen aussprickt. Zweifellos habe im Fall Schweckendiek die Absonderung dieses Genossen von der um ihre berechtigten Forderungen kämpfenden Kollegens'chaft schädigend auf den Streik gewirkt, es dürfe ater naw der objektiven Lage tes^ Falles bestritten oder nrintestens bezweifelt werden, ob bei Schweckendiek das' Bewußtsein für das Unrecht vorhanden war.. Der Parteitag halte den Beweis für die Schuld des Schrveckendiek nicht für erbracht und bestätige das freisvrechente Urteil bes^Schiedsgerichts."
Zum Schluß der heutigen Sißung besckMftigte man sich mit den zu dem Thema ..Presse" vorllegenden Änttägen, wobei wieder lebhafte Klagen über den seichten Inhalt der „Neuen Weltt laut wurden. Gastwttt Z u b e i l - Berlin be ' klagte den Mangel an sozialistischer Jugendliteratur. . Es gebe beute nicht ein etinziges Werk, das auf die sozial,'stischp JUgerrd erzieherisch einwirke, in dieser Beziehung sei noch alles den Eltern überlassen. Be hra-Berlin wendet sich gegen den u an st ändigenTonineinzeln en Partei blättern. „Much in unseren Kressen sollte man doch mit Anstand operieren können." (Heiterkeit und Beifall.) Reichstagsabg. Rechtsanwalt Dr. Liebknecht -Berlin trat für den Antrag auf eine Broschüren-Agitation unter den Tnilitärpffichttgen Genossen ein. Es sei außerordentlich notwendig, das sowohl in polittschem als auch in wirtschaftlichem Sinne für die Genossen gefährliche Militär aufzu- llären, damit es bei Aufforderungen wie die, auf Vater und Mutter zu schießen, oder solchen auf Teilnahme am Stteikbruch und bei Soldatenmißhandlungen wisse, was eS zu tun habe. Der Soldat sollte nicht blind mehr alles tuu, was in dieser Beziehung verlangt werde. Es ließe sich schon so einrichten, daß die Agitation zu einer Zeit betrieben werde, wo sie dm-ch Heu gesetzlichen Fußangeln nicht behindert werde» Abg. Fischer-Berlin ist ebenfalls für den Antrag. Auf einen unverständlichen Zuruf Bebels sagt er zu ihmü „Au g u st se i r u h i g (Heiterkeit.) Auch v. Vollmar bemerkt in Form eines Zurufs", daß es selbstverständliche Pflicht sei, an die militürpflich- tigen Genossen heranzutteten.
Den Anttag auf Herausgabe einer Propagandabroschüre für Militärpflichtige wird danach zu rückge zogen.
Die weitere Verhandlung tvirb auf Dienstag vertagt.
Der Aufstand in Aeulsch-SüdwestafriKa.
Der Ansiedler Groeneseld aus Ovwß-Namaland hat bei feiner Ankunft in Hamburg verschiedene Angaben an Zeüungsoertreter gemocht, die einer näheren ^lettachtung bedürfen. Zuerst hat er behauptet, baß die B o n d z e l z w o r t s und andere Ho tten * totten stamme im Süden, sowie auch die Ovambo sich bald erheben würden. .Diese Angabe, namentlich des letzten Teils, ist ein Beweis dafür, daß der Händler von den Dingen dort nichts genaues weiß und nur die Gerüchte toiebergtbt, die aus dem Kaplande herüterkommen und britischen Wünschen entsprechen. Wenn die Hottentotten auf unserem Schutzgebiete Aufstandsgelüste gehabt haben, so konnte das mir der Fall sein im Januar beim Ausbruche des Hereroaufstandes, als die -Wera noch voller Zuversicht auf ihren Sieg waren, und in voller Stärke im Felde standen. Heute irren die Herero flüchtig.im Lande umher und ihre wenn auch mühsame Unterwerfung ist nur eine Frage her Zeit; diese Lage ist den Nama bis ins einzelm ganz genau bekannt, sie sind deshalb ruhig und werden es aucb bestimmt bleiten. .Der Kampf gegen den vogelfter erklätten Mo- renga hat mit dem Aufstand irgend eines Stammes nichts zu tun. Er hat eine Räuberbande um sich gesammelt, die wahrscheinllch heute schon unschädlich gemacht ist. Ferner hat Groeneftld be- richtet, daS Gouvernement habe die Entwaffnung aller stamme für den 15. September festgesetzt. Die Angabe dieses bestrmmten Tages muß vor allem gegen die Mitteilung mißttanifch macken, lieber die Abreise d-s Gouverneurs Leutwein nach dem Süden ist noch keine Nachttckt hier eingetrvssen. Wenn man auch fest entschlossen sein sollte zur Entwafftlung ter sämtlichen Nama, so roird niemand dock) im voraus einen Tag daftir bestimmen oder bestimmen können. Vorerst muß man berücksichttgen, daß Gr.
loser Arzt des 5körperS und der Seele eine sehr ansprechende Figur.
Wer in stillen Stunden einem geistvollen Seelenkünder sich hinzugeben den Wunsch hat, der versenke sich in die Settüre des ,Einsamen Weges* von Atthur Schnitzler. Er wird daS Buch mit seiner ttäumettsch zerfließenden Melodie nach der wunderholden Art Robett Schumanns nicht ohne seelischen Gewinn aus der Hand legen. P. W.
*
Neber die Entwickelung des modernen Theaterbaues sprach auf der sechzehnten Wander - Versammlung des Verbandes deutscher Architekten- und Ingenieur- Vereine in Düsseldorf am 13. d. M. der Regierungsbaumeister Motttz-Köln. Seinen Darlegungen ist folgendes zu entnehmen^
Das Theater ist ein Kind der Renaissance. Der Entwickelungsgang wird gekennzeichnet durch drei Epochen. Tie erste umfaßt den großen Zeittaum von der Gebuttsstunde um die Wende des 17. Jahrhunderts bis zur Mitte des vottgen Jahrhunderts, die zweite Epoche reicht vom Jahve 1850 bis 1880 und kann _al§ Glanzperiode des modernen Theaterbaues bezeichnet werden; sie wird gekennzeichnet durch den Namen Semper. Die dritte ,noch nicht abgeschlossene Epoche, reicht bis in die Gegenwatt Die beiten ersten Epochen kann man zusammenfassen unter dem Namen Erklusivtheater, erst die neuere Zeit bringt das schlichte bürgerliche Theater. Da«? war der Rahmen, in dem sich die beta filiert en Ausführungen über die langsame Entwickelung des Theaters von der antiken Form bis zu unserem modernen Bühnenhause bewegten. Ter von -Semper geschaffene Typus hatte seinen Hauptvvrzug in der klassischen Außenarchitektur, die die Netereinstimmung der äußeren Formen mit dem inneren Kern kennzeichnet und wottlos den Zweck und die Bedeutung des Theaterteues nach außen hin veranschaulicht. Ein Vorzug des Semperschen Typus ist auch die runde Form der Sckauhauses. Tie rechtwinklig umbiegenden Korridore bieten niemals eine so klare Anlage der Korridore und Gänge für den Verkehr. Ter Brand des Ringtheaters brachte eine neue Periode des Theater- banes, den Schritt zur modernen Bühne. Bei dem modernen Theaterteu ist eine Verwendung der technischen Fortschritte selbstverständlich, ater eine künstlerische Bewältigung des Programms ist noch bei keinem neuen Theater erreicht worden. Die Fortschritte treten uns entgegen in den Maßnahmen zur Erhöhung ter Sicherheit ffer das Publikum, die durch eine gute Verkehrsführ- nng gekennzeichnet wird. Speziell verweilte der Vorttagende bei dem Semper-Wagner-Theater, bei dem er das verdeckte Orchester mit Entschiedenhttt bemängelt Auf der Bühne selbst ist im vorderen Theater Essen als Kvnstruktionsmatettal Voraussetzung. Holz datt nur in Ausnahmefallen verwandt werden. Die ^ühnenmasckinette wird hydraulssch getrieben, wenn man auch rt ganz neueZeit wridec dazu gekommen ist, die Kraft der Hand v benutzen. Weiter '-esPrack der Vortragende die Vorricht- imgen für ten Szeuenweck^l, in seinen weiteren Ausführungen kam er zu dem Resultat, daü das heutige Bühnenbild dem große» technsschen Aujuxrud nicht entspricht. Redner besprach
sodann noch die Bestrebungen auf Schaffung von Volksbühnen; diese haben zweifellos den Wett, daß zum erstenmal durch sie das Zuviel auf der Bühne wirklich anerkannt ist
Drei große Aufgaben vor allem gaben noch breiten Raum zu ftisckiem Weiterschassen: 1. Tie Weiterbildung tes Zuschaicer- raumes, für das ich mir von der Einwirkung des Wagner-Thea- terS viel versprech«. 2. Tie Weiterbildung und Umgestaltting der Bühne im Sinne einer künstlerischen Vereinfackmng und Beseitigung ihrer die Akustik und Optik schädigenden EinrickMmgen. 3. Die künstlerische Betoältigung des für das moderne Theater, zumal in Bezug auf die Sicherheit des Publikums, giftigen Programms. . Darum sott mit dem alten Schema. Raum frei auch ür neue, ungewohnte Lösungen. Unsere Stadtverwaltungen, unsere Preisrichter haben gerade bei dem Theaterbau eine unüberwindliche Scheu, etwas Neues zu wagen; darum werden schon durch das Programm die Architekten so stranguliert, daß sie nur mühsam die altüberkommene Weise stammeln können. Fott auch mit der Mode, die alle paar Jahre ein Neuestes, Allerneuestes ausposaunt, alles Uebrige verketzernd, zum größten Schaden einer ruhigen gesunden Fortentwickelung. Dem Theaterbau stehen für die nächsten Jahre bedeutende Aufgaben bevor. Leiter muß gegenüber den zwei hervorragendsten Aufgaben die deutsche Architektenschaft den unbeteiligten Zuschauer spielen. Schon oft aber ist von den Reineren Bundesstaaten die größte Förderung für die deutsche Kunst aufgegangen; dies dürfen wir auch für den Theaterbau hoffen.
Berlin, 19. Sept. Der SchausPielerEmilThomas, ein vortrefflicher Komiker, ist heute vormittag gestorben.
Breslau, 19. Sept. Tie 7 6. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte wurde heute im hiesigen Stadttheater eröffnet. Ter derzeitige Geschäftsführer Geh. Medizinalrat Pros. Dr. Uhthnsf eröffnete die Verhandlungen mit einem Hoch auf den Kaiser. An den Kaiser wurde ein Huldigungstelegramm abgesandt. Im Namen der Regierung sprach Oberprasi- dent v. Zedlitz und Trüt-schler, im Namen der Universität Rektor Geheimrat Prof. Tr. Rosanes, im Namen ter Stadt Bürgermeister Mühl, namens der Schlesischen Gesellschaft für Vaterländische .Kultur Geheimrat Prof. Dr. Rickard Förster. Zum Sckstusse dankte der Vorsitzende ter Gesellschaft Prof. Dr. Clvari-Prag den Rednern. Hierauf trat die Versammlung, an ter 2400 Personen teilnahmen, an die Arbeiten.
Paris, 19. Sept. Der bekannte Dramatiker Sardou begeht demnächst sein 50jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlaß werten große Kundgetemgen geplant..
Ein fürstlicher Virtuose. Bei dem vom .1. bis 3. Oktober in Leipzig stattfindenden zweiten Bachsest wird, dem Programm nach, unter den Jnstrumentalmusikern auch „Herr Alexander Friednch von Hessen" als Orgelspieler Mitwirken. Es ist kaum allgemein bekannt, so schreiten die „Münch. N. N.", daß fick hinter diesem unscheinbaren Namen ein deutscher Fürst aus regierendem Hause verbirat, nämllch: der L a n d g r a f Alexander Friedrich von Hessen. Nur sehr selten bringt eine Kunde von diesem jetzt int 42. Leteitsjahre stehenden fürstlichen Herrn in die Oessentlichkeit. ,Er führt, fast gänzlich erblindet, das zuttickgezvgene Leben eines vornehmen Privat-'^
mannes und tet sich hauptsächlich ter Beschäftigung mit bet Musik zu gewandt. Des Sommers auf einem ferner beiten historischen Schlösser, Philippsttihe bei Hanau oder Panker in Holstein, residierend, den größten Teil des Winters in Paris^ zubringend, versammelt er gern einen kleinen Kreis erlesener Gäste, Künstler und Poeten, um sich, — ater schon des öfteren hat er lerne hohe Meistersfiaft auf dw Orgel auch in den Dienst der Wohl^trgkert gestellt und an vsfentlicten Konzerten teilgenommen, messt ohne daß ter Schleier seines Inkognitos gelüftet tourte, ^icsmal ist dieses Inkognito freilich so durchsichtig gewählt, daß es kaum noch ein solches genannt inerten kann. Der ^vermählt gebliebene — Landgraf ist übrigens' ter nächste Anwärter auf den hessischen groß herzoglichen Thron, ^CTTtac^i feinem mit der Prinzessin Margarete, ter Schwester des Essers, vermahltem Bruder Friedrich Karl tezw. dessen ,.aQ>ko mm en zufallen müßte. Trotz seiner nahen Verwandtschaft mtt dem Ber- lmer Hofe — auch seine Mutter ist eme preußssche Prinzeftm — erüteint Landgraf Aleranter Friedrich nur sehr selten ju dessen Festlichkeiten. Er zieht die Pflege ter freien Künste geräuschvollem höfischen Trubel vor.
— Das Gemeingut aller zu werden, dazu ist die Kunst bestimmt, und von Tag zu Tag gewinnt sie auch mete Boden in unferm Volk. Darum wird mit Freuden eine populäre Darstellung — frei von Ballast gelehrter Einzelunter suchungen — unserer vaterländischen Kunst begrüßt werten, die uns die Verlagshandlung von Otto Maier in Ravensburg bietet in ter „Geschichte ter deutschen Kunst" von Dr. H. Schweitzer. Tas Werk erscheint in 14 Lieferungen ä Mk. 1.— und ist reich mit vorzüglichen Illustrationen ausgestattet, darunter. eine größere Anzahl Vollbilder. Ti« Darstellungen Tr. Schweitzers sind in allgemeinverständlicher, fließender Sprache geschrieben. Die übersichtliche Anordnung des Stoffes gewährt einen guten Einblick in das Werten und Wachsen der deutschen Kunst. Dem Knnstgewerbe und den graphischen Künsten ist befontere Beachtung geftbenkt. So wird nicht nur der Laie, sondern auch der Kimst- beflissene ans dem Werke großen Nutzen ziehen. Es sei unseren Lesern als äußerst preiswert testens empfohlen.
— „Der Stein der Weisen" bespricht in seinem soeben erschienenen 13. Hefte (tes 17. Jahrganges) eine Reihe neuester Erningenschaften auf dem Gebiete der exakten Naturwissenschaften, die ihrer Uetevsichtlichkeit und knappen Fassung wegen sick vorzüglich zur Information eignen. Der Hauptteil des Inhaltes beschäftigt sich mit praktischen Fragen, wie: „Die flüssige Kohlensäure und deren TranSportt^, „Die Milch", „Entwickelung des« Ziegeleiwesen S" usw., erläutert durch zahlreiche Mbikdimgen. Sehr interessant sind zwei große Himmels Photographien, eine Sonnenfinsternis und eine Mondlandschaft darstellend. Dem verstorbenen Dichter Wilhelm Jordan taCbniet Paul Wittko einen längeren Essay, der den gefeierten Nensthöpser ter Ndbellmge als Naturforscher würdigt. Den Beschluß teS reichhaltigen Inhaltes dieses Heftes der populär-wissenschaftlichen Revue lA. Hattlebens Verlag, Wien und Leipzig bilden geograplnscae Skizzen, denen anstirechende bilbimgeu beigegeben sind Wir empfehlen unseren L'sern die alt- bewährte, verdienstlicte Zeitsckwift, von ter jede Buchhandlung auf Verlangen Probehefte abgibt. Einzeürc Hefte kosten 50 Pfg.


