Ausgabe 
20.5.1904 Zweites Blatt
 
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aufteilen. Es ist wahrscheinlich, das! die russischen Truppen in der Gegend von Gensan ziemlich zahlreich sind.

Panik in Wladiwostok.

London, 19. Mai. Nach Meldungen aus Tokio herrscht in Wladiwostok Panik vor dem Heraunahen der Japaner. Ter Kommandant befall sämtlichen Bewohnern, sich jenseits des Amur zurüstznziehen. Tie Chinesen haben die Japaner aus das herzlichste in Föngwaugtschöng be­grüßt und versorgten sie freiwillig mit Vorräten und Transportkarren.

Petersburg, 19. Mai. Bei Suret Furuholm in der Nähe von Wladiwostok wurde am 17. d. M. Geschützdonner gehört.

Friedensgerüchte.

Petersburg, 19. Mai. Dem Kriegsministerium nahestehende Blätter bezeichnen die im Auslande neuer­dings auftauchenden Gerüchte von Fried.msrerhandlungen für absurd. Japan werde nach dem Eintreffen der Ver­stärkungen aus Rußland und nach der Ankunft der zweiten russischen Flotte im Stillen Ozean sicher besiegt. Cs werde es dann teuer bezahlen müssen, daß es Rußlands Loyalität und Friedensliebe mißbraucht habe.

Die wirtschaftlichen Folgen.

Leipzig, 17. Mai. Im deutsch-russischen Verein sprach 6er Offenbacher Handelskammer-Syndikus Schloß- macher über die voraussichtlichen wirtschaftlichen Folgen des russisch-japanischen Krieges für Deutschland. Er führte aus, für die Bedeutung dessen, was für Deutschlands Volkswirtschaft dabei auf dem Spiele stehe, habe die zu Beginn des Krieges ausge­brochene Börsenpanik beredtes Zeugnis abgelegt. Unmittelbare schwerwiegende Folgen und ^Nachwirkungen von unübersehbarer Tragweite würden unausbleiblich sein. Bei dem lebhaften Ge­schäftsverkehr Deutschlands mit Ostasien, der in einem außer­ordentlich großen Anteil am Welthandel jener Wirtschaftsgebiete, in einer in steigender Entwicklung begriffen gewesenen deutschen See- und Küsteuschiffahrt in jenen Gewässern, in einer starken Beteiligung deutschen Kapitals und deutscher produktiver Kräfte in dem Wirtschaftsleben der in Betracht kommenden Länder seinen Ausdruck finde, werde Deutsch land besonders in Mit­leidenschaft gezog en werden von der Schwächung der Kaufkr ast und dem hemmenden Einfluß auf die wirt­schaftliche Entwickelung, welche iencr ungeheure Werte vernichtende, Kapitalien verschlingende und sie der produktiven Betätigung entziehende Krieg mit sich bringt. Von sachkundiger Seite sei die Dauer des Krieges auf etwa 6 Monate prophezeit und dafür ein Kostenaufwand von einer Milliarde für Ruß­land und etwa 600 Millionen für Japan ausgerechnet worden. Was das bedeute, könne man ermessen, wenn man sich vergegenwärtige, daß Rußland bei einem Budget von fast fünf Milliarden eine Schuldenlast von über 15 Milliarden und Japan bei einem Budget von ca. fünf Millionen eine Schuldenlast von ca. 1500 Millionen habe Trotz aller Versuche, sich mit Kriegs- fteuern zu helfen, trotz alles Kredits, den Japan etwa noch bei England und Amerika und Rußland noch bei Frankreich und Deutschland finden werde, sei doch eine solche Zerrüttung der beiderseitigen Finanzen zu erwarten, daß ein Rückgreifen auf die P a p i e r w i r t s ch a f t in beiden Ländern, die erst neuerdings ihre Währung auf dem Goldfuß geordnet hätten, erfolge. Für die großen wirtschaftlichen Interessen Deutsch­lands der Güterverkehr allein ist auf rund 300 Millionen Mark zu berechnen sei es, was den Ausgang des Krieges an- lange, wünschenswert, daß an dem territorialen status quo nichts geändert werde. Nur dadurch werde es'Teutschland möglich werden, die nachteiligen Wirkungen des Krieges für seine Volkswirtschaft bald zu überwinden und Rußland zu helfen, die Wunden des Krieges zu heilen, und sich wieder zur Erfüllung seiner welt­geschichtlichen Aufgabe aufzuraffen.

Deutsches Keich.

Berlin, 19. Mai. Der Kaiser und die K a i s e r i n unter­nahmen heute einen Spazierritt in die. Gegend von Barnim. Um 2 Uhr fand Bei dem Kaiserpaar anläßlich des Geburtstages des Kaisers von Rußland eine Frühstückstafel statt. Im Verlaufe des Mahles trankderKaiser auf dasWohl des Kaisers von Rußland.

Wie demB. T." aus Rom gemeldet wird, wird dort von unterrichteter Seite die Nachricht aufrecht erhalten, daß der Be­such des Königs Viktor Emanuel beim Kaiser Wilhelm in Potsdam in den letzten Tagen des A u g u st nun doch statt- finden wird, da zur selben Zeit die Herbstmanöver beginnen, denen der König auf Einladung des Kaisers beiwohnen wird.

Das erste Exemplar der n e u e n R a n g l i st e für 1904 ist heute dem Kaiser überreicht worden. Es ist ein Band aus rotem Saffianleder mit reicher Silberfassung und Silberschnitt.

Die geschiedene GroßherzoginViktoriaMelitta hat aus die ihr seit der Ehescheidung gezahlte jährliche Apanage verzichtet. Aus diesem Anlaß tauchen wieder Gerüchte von einer bevorstehenden Verlobung der Großherzogin mit dem Großfürsten Cyrill auf, der bekannttich bei dem Untergang desPettopaw- lowsk" verletzt wurde und sich zurzeit in Petersburg befindet.

Dr. Diedrich Dahn, Direktor des Bundes der Land­wirte, hat im Wahlkreise Frankfurt-Lebus folgenden Ausruf erlassen:

Hiermit fordere ich aus Grund der Resolution der Ver­trauensmännerversammlung des Bundes der Landwirte vom 6. Mai d. I. alle Bundesmitglieder im Wahlkreise Frank- surt-Lebus nachdrücklichst auf, bei der Stichwahl am 20. Mai dem nunmehrigen alleinigen Kandidaten der Ordnungs­parteien, Herrn Rechtsanwalt Bassermann, Mann für Mann ihre Stimme zu geben.

Die heute nacht 2 Uhr beendeten Beratungen der vom deutschen Handelstage einberufenen Konferenz zwischen Ver­tretern des deutsch-niederländischen und des russisch-rumänisch- bulgarischen Getteidehandels führten zur endgiltigen Feststell­ung des deutsch-niederländischen Vertrags für Teilladungen vom Schwarzen Meere, vom Asowschen Meere und von der Donau.

Karlsruhe, 19. Mai. In der zweiten Kammer erklärte bei Beratung des Wahlresormgesetzes der Minister des Innern, Dr. Schenkel, er gebe zu, daß die Tage des indirekten Wahlrechtes gezählt seien. Die Re­gierung müsse aber daran festhalten, daß gegen das Uebergewicht des direkten Wahlrechtes Vorkehrungen getroffen werden müßten, die man suchen müsse, in einer Verstärkung der Zahl der Mit- Mitglieder der ersten Kammer, wie auch in der Berechtigung der­selben, in der Frage des Budgetrechtes und jedes Finanzgesetzes, ein materielles Mitbestimmungsrecht zu haben. Die erste Kam­mer rücke damit in die Stelle eines Senates, gegenüber dem Abgeordnetenhause, wie , ein solcher auch in anderen Staaten be­stehe. Die Regierung sei ober geneigt, in der Frage des Durch- zählungsverfahrens oer beiden Kammern mit sich reden zu lassen. Er hoffe, daß die zweite Kammer mit der Regierung wie mit der ersten Kammer tm Verlaufe der weiteren Stadien ein Ueber- einkommen erzielen werde. Bei gegenseitigem Nachgeben hoffe er, daß das Wahlwerk noch zu stände kommen werde.

Straßburg, 19. Mai. Hier wurde der 22jährige Sohn des früheren Reichstagsabg. T e u t s ch, welch letzterer 1874 die bekannte Protestnote verlas, ausgewiesen und über die Grenze gebracht, da er sich ohne Erlaubnis in den Reichslanden aufhielt.

Kouvernementssragen in Aeutlch-Südrvcstafrilra.

Unter den vielen Vorschlägen zur Neugestaltung der Verwalt­ung in unserem südwestafrikanischen Schutzgebiete Irtte b sonders der, welcher die T r e n n n n g der Zivil- von den Militärbehörden fordert, Beachtung gefunden. An die Spitze der Kolonie sollte ein Gouverneur treten, welcher mit den dortigen Verhältnissen vertraut ist wnd als Verwaltungsbeamter tätig war.. Diesem wür­den dann zwei Dezernenten, einer für militärische und einer für BerwaltungsangelLgenheiten, zur Seite stehen. Gegen­wärtig besteht diese Trennung als Re^el bekanntlich nicht und

Oberst Leutwein vereint wenn man von dem zeitweiligen Ober­kommando, des Generalleutnants v. Trotha absieht alle Befug­nisse in, seiner Person. Wie nun aus kolonialen Kreisen mit» geteilt wird, glaubt man nicht, daß dem erwähnten Vorschläge an h ö ch st e r S t e l l e eine Berücksichtigung zuteil werden wird. Für diese Annahme spricht der Umstand, daß oer Kaiser im Gegensatz zu den Vorschlägen des Kolonialdirektors, der für Oberst Leutwein eintrat, persönlich die Ernennung des General­leutnants v. Trotha zum Oberkommandierenden der südwestafrika­nischen Truppen befahl. Außerdem soll sich der Monarch nicht im Sinne einer späteren Besetzung des Gouvernements durch einen Zivilgouverneur bereits geäußert haben. Man hält daher U eberrasch ungen bei der Ernennung eines neuen Gouverneurs, der den Obersten Leutwein, wenn dieser zum General befördert wird, ablöst, für recht wahrscheinlich. Als sicher kann man es wohl betrachten, daß General v. Trotha, der seinem Range nach nicht in die Stellung eines Gouverneurs für Südwestafrika passen würde, für den Posten n i ch t in Betracht kommt. Es^ ist aber sehr leicht möglich, daß der Kaiser z. B. einem der Stabsoffiziere, die in der Kolonie tätig sein werden, später das Gouvernement überträgt, das vorläufig noch Oberst Leutwein inne hat.

Berlin, 19. Mai. Die Kolonne Zülow erreichte gestern Okowakuatijwe. Tie 12. Kompagnie säubert die Gegend um Okornbahe. Heute abend fuhr nach Hamburg ein von Major v. Redern geführter Verstärkungstransport für Südwestasrika ab, der aus Feldverwaltungsbehörden und Etappenkommandos besteht und ungefähr 75 Offiziere und 500 Mann zählt. Zur Verabschiedung waren erschienen, der Kron­prinz, die Generalobersten v. Hahnke und v. Schliessen, sowie das Offizierkorps des zweiten Garderegiments.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 20. Mai 1904.

* * 25 jähriges Professors ubiluäm. Am Diens­tag, den 17. ds. Mts., fand im Reuen Saalbau der vom Klinikerverein zu Ehren des Geheimrats Pros. Dr. Riegel veranstaltete Fe st komme rs statt, zu welchem sich außer den Mitgliedern des Kliniker-Vereins S. Magnific. der Rektor der Landesuniversität, die Dekane der juristischen und medi­zinischen Fakultät, zahlreiche Professoren, Dozenten und Assistenten der medizinischen Institute sowie viele Aerzte aus Gießen und Umgebung, die früher Schüler des Jubilars gewesen waren, eingefunden hatten. Der dz. Vorsitzende des Klinikervereins, cand. med. A. Baumann, eröffnete den Kommers mit einem Salamander auf S. Maj. den Kaiser und S. Kgl. Hoheit den Großherzog, um sodann in ziemender Rede der Verdienste des Jubilars um die Ausbildung und Förderung der medizinischen Jugend und seines dieser alle­zeit bewiesenen Wohlwollens zu gedenken. Mit einem donnernden Salamander auf den Jubilar schloß die Rede. Geh. Rat Riegel dankte mit bewegten Worten und gab insbesondere seiner Freude darüber Ausdruck, daß das Ver­hältnis zwischen Lehrern und Schülern in der medizinischen Fakultät ein so überaus herzliches sei. Seiner mit einem begeisterten Beifallssturm aufgenommenen Rede folgte eine Ansprache des Rektors, welcher gleichfalls hervorhob, wie außerordentlich innig die Beziehungen seien, die gerade an der Landes-Universität Lehrende und Lernende mit einander verknüpften. Der Rektor, Prof. Dr. Brauns, gedachte ferner der Bedeutung des Tages, der für den Jubilar einer silbernen Hochzeit mit der Almamater vergleichbar sei und brachte ein Hoch auf die Gattin des Jubilars aus, die auf der Galerie dem Kommerse beiwohnte. Damit schloß der offizielle Teil, und in feuchtfröhlicher Fidelitas blieben die Teilnehmer des Kommerses noch bis zum grauenden Morgen beisammen.

"Zum Submissionswesen in Hessen. Als einen sehr erfreulichen Fortschritt in der Umgestaltung des Submissionswesens ist die in den letzten Tagen erfolgte Be­kanntmachung des Großh. Ministeriums der Finanzen, Ab­teilung für Bauwesen, zu betrachten, in welcher die Hand­werksmeister aufgefordert werden, sich zur Beteiligung bei Ausführung der Unterhaltungsarbeiten in staat- lichen Gebäuden zu melden. Es handelt sich hierbei um solche Arbeiten und Lieferungen, für welche mit Rücksicht auf den Kostenbetrag die freihändige Vergebung zulässig ist. Die Vergebung erfolgt nach Einlauf der Meldungen unter Einhaltung des hierzu neu eingeführten Verfahrens zu festen Preisen nach Maßgabe der nach Benehmen mit 23er» tretern des Handwerks amtlich festgestellten Preis­verzeichnisse, und zwar nach einzelnen Gebäudelosen. Die Bedingungen für die Bewerbung um diese Unterhaltungs­arbeiten, ein Verzeichnis der Gebäude der laufenden Unter­haltung der betr. Amtsbezirke mit ihrer Einteilung in Ge­bäudelose, die Preisverzeichnisse nebst den diesen beigegebenen besonderen technischen Ausführungsbedingungen, sowie die all­gemeinen Vertragsbedingungen für die Ausführung der Unter­haltungsarbeiten liegen von dem von den Großh. Hochbau­ämtern bekannt zu gebenden Zeitpunkt an bei den genannten Behörden während der Dienststunden zur Einsicht offen. Rach Prüfung der Meldungen wird unter Mitwirkung einiger der bei der Aufstellung der Preisverzeichnisse tätig gewesenen Vertrauensmänner (von der Handwerkskammer vorgeschlagene Handwerksmeister) eine Auslosung vorgenommen, welche die Reihenfolge feststellt, wonach die Vergebung der betreffen­den Gebäudelose an die Bewerber in den einzelnen Etats­jahren zu erfolgen hat. Diese Reihenfolge wird den Be­werbern bei der Zuschlagserteilung mitgeteilt werden. Es muß lobend anerkannt werden, daß die hessische Regierung in dieser Sache einen großen Schritt vorwärts im Jntereffe des Handwerks tut, denn die Vergebung dieser Unterhaltungs­arbeiten zu festen Preisen, welche unter Mitwirkung von Handwerksmeistern festgestellt wurden, wie auch die Ver­gebung der Reihenfolge nach an die sich dafür inter­essierenden Meister bedeutet ein großes Entgegenkommen an den Handwerkerstand.

* * Die Ehrenpreise zum Sängerwettstreit, da­runter der von S. K. H. dem Großherzog gestiftete Pokal, sind in der Kunsthandlung von Hirz, Seltersweg, aus­gestellt.

* * Von der gescheiten Fraa von Herchen- hain erzählt uns zu den gestern mitgeteilten Anekdoten ein L-ehrer noch folgende Vorgeschichte: Bor der erwähnten Begebenheit hört die Fraa ein furchtbares Geschrei ihrer Hühner auf dem Hofe. Wie sie hinauskommt, sieht sie gerade, wie der Habsch mit einem Huhn, in den Fängen abstreicht, wobei das Huhn fürchterlich schreit.Ei dou dumm Oos", sagt da die.Fraa,was kreischst de dann so, er läßt Dich jo net falte".

g. £)rtenberg, 19. Mai. Se. Erlaucht der Graf Kuno von Stolberg-Roßla traf heute nebst Gemahlin

zu einem dreiwöchigen Aufenthalt auf hiesigem Schlöffe hier ein.

)( Ober-Bessingen, 19. Mai. Nunmehr ist auch das zweite Opfer der Bluttat auf der Horstenburg, der Obersteiger und Gastwirt Schmidt den erhaltenen gräß­lichen Verletzungen erlegen. Der Täter Brück hat seinem Leben Lmrch Ertränken ein Ende gemacht. Brück hinterläßt eine Frau und ein unmündiges Kind.

(!) Ober-Bessingen, 19. Mai. Der Besitzer der Horstenburg*, A. Schmidt, ist heute nacht infolge der er­haltenen schweren Verletzungen gestorben.

Br. Alsfeld, 19. Mai. Gestern beendigte die hiesige Kaufmännische Fortbildungsschule das 5. Unter- richtsjahr mit einer öffentlichen Schlußprüfung. Im Auftrage der Großh. Handelskammer Gießen wohnten die Herren Syndikus Dr. Knipp er und Hauptlehrer Knau ß-Gießen der Prüfung bei. Das neue Schuljahr nimmt am 7. Juni seinen Anfang.

g. Büdingen, 18. Mai. Heute hielt der Tierschutz­verein für das Großherzogtum Hessen im hiesigen Rathaus- saale seine diesjährige Hauptversammlung unter dem Vorsitz des Ministerialrats Eisenhuth ab. Die Versammlung war gut besucht. Es waren u. a. anwesend Prooinzialdirektor Dr. Breidert-Gießen, Kreisrat Boeckmann hier. Dem Vortrag des Lehramtsassessors Schad hier überRegenwurm und Maulwurfe folgten die Anwesenden mit sichtlichem Interesse.

Frankfurt a. M., 18. Mai. Der Seniorchef der Weltfirma Philipp Holtzmann u. Cie., G. m. b. H., Bau­rat Philipp Holtzmann, ist in Oberursel, 67 Jahre alt, gestorben. Deutschland verliert in ihm einen Jn- dustrieUen, der deutschen Gewerbesleiß, deutsche Jngenieur- kunst und deutsche Tatkraft in aller Mlt bekannt ge­macht hat. Holtzmann war in Sprendlingen geboren, be­suchte die Darmstädter Gewerbeschule und später das Karls­ruher Polytechnikum. Der Aufschwung des Eisenbahnwesens in den 1860er Jahren brachte auch seinem väterlichen Ge­schäft, in das er ein trat, eine ungeahnte Entfaltung. Neben Brückenbauten in Frankfurt a. M., dem Städelschen Institut und dem Opernhaus, unternahm die Firma u. a. große Brücken- und Eisenbahnbauten in der Schweiz, Kaibauten in Zürich, den Nordostseekanal, die Wfeichselkorrektion, den Elbe-Trave-Kanal, Dock- und Werftbauten in Kiel und Wil­helmshaven und die Anatolischen Bahnen.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Griedel herrscht unter der Jugend seit mehreren Tagen Diphtheritis; die Krankheit ist bisher ohne Todesfälle verlaufen. In Nieder-Seemen feierte am 13. und 14. Mai Lehrer Bergauer fein 25jähriges Jubiläum. Aus Darmstadt wird derFrkf. 3tg/ geschrieben: Der Hessische Goethe-Bund veranstaltete heute zum Gedächtnis Lenbachs eine stimmungsvolle Feier. Ober­lehrer Werner aus Bensheim entwarf ein anschauliches Bild vom Leben und Schaffen des Künstlers.

vermischte».

* Hanau, 19. Mai. Großen Diebstählen ist man in dem Warenhaus Wronker hier auf die Spur gekommen, welche die Verhaftung der 33 jährigen Verkäuferin Siebter zur Folge hatten.

* Weidenau b. Siegen, 19. Mai. Gestern wurde hier der Bäcker Hesse verhaftet, welcher an einem 11 jährigen Mädchen einen L u st m o r d verübt hatte. Die Leiche hielt er in fernem Schrank in seinem Zimmer versteckt.

* Staßfurt, 19. Mai. Im SalzbergwerkAgathe" er­stickten zwei Bergleute infolge Einatmung von Gasen. Zwei andere, die zur Hilfeleistung herbeieilten, wurden betäubt und wieder zum Bewußtsein zurückgerufen.

* Wien, 19. Mai. Fritz Odelga, der Sohn des Wiener Bandagisten Odelga, der am Sonntag einen Ausflug auf die Rax-Alpe unternommen hatte, wird seitdem vermißt und wurde heute morgen unterhalb des Bismarcksteges aufge­funden.

4 Prag, 19. Mai. Blättermeldungen zufolge wurde der bei der östreichischen Armee kommandierte japanische Ober» leutnantBaron EitereNambu aus Tokio beim Spazier­gang am Belvedere tätlich insultiert. Nach den Schul­digen wird gerichtlich gefahndet.

* Budapest, 19. Mai. Trotz des Widerspruchs der öffent­lichen Meinung haben die Behörden die Abhaltung von Stier­kämpfen in Budapest für Anfang nächsten Monats ge­stattet.

* Lemberg, 19. Mai. In Delatyn (Galiziens sind 200 Häuser abgebrannt; 500 Personen sind obdachlos.

* Hongkong, 19. Mai. Im Lager der Auswanderer für Transvaal kam ein Pestfall mit tödlichem Ausgange vor.

* Das großeLos der pr eu ß i schen Kl a ss en lo tte- rie ist derHartung'schen Ztg." zufolge nach Königsberg gefallen. Die Gewinner sind durchweg kleine Leute.

Die verstorbene Berliner Bühnenkünstlerin Jenny Groß hinterließ ein Vermögen von l1/» Millionen Mark. (IhreKunst" bestand übrigens in erster Linie darin, in prunkvollen Toiletten zu brillieren. Kaufte s i e doch manches bühnenwirksame Theaterstück, in dem sie den Glanz ihrer Kostüme zeigen konnte, für das Berliner Lessingtheater, an dem sie wirkte, an. Sie verhinderte kraft ihres freundevollen Reichtums manche wirklich talentvolle Künstlerin am Ausstiege. D. Red. desGieß Anz.")

* Zu der Konitzer Mordsache hatten unlängst einige recht unzuverlässige Blätter wie dieDtsch. Warte" überraschende Nachrichten gebracht. DerHann. Cour." hatte ihre Richtigkeit sofort angezweifelt und wir hatten aus verschiedenen Gründen keine Notiz davon genommen. Jetzt schreiben dieNeuen Westpr. Mittlgn.": Wie wir aus ganz zuverlässiger Quelle hören, ent halten die neuerdings gebrachten Mitteilungen über die Konitzer Mordsache neben einzelnem Zutreffenden sehr viel un­richtiges und unerwiesenes. Von der zuständigen Be­hörde wird die Veröffentlichung dieser Mitteilungen im Interesse der Erforschung des Sachverhaltes tief beklagt. Ob die neuer­dings eingeleiteten Ermittelungen irgendwelches Licht in die bisher dunkle Sache bringen werden, läßt sich noch gar nicht übersehen.

* Der falsche Thronfolger. Eine mysteriöse Ge­schichte hat an Bord eines Hamburger Schiffes gespielt Der östreichische Thronfolger Erzherzog Franz ürtr» dinand sollte, wie wir kürzlich meldeten, das Opfer eines recht unangenehmen Mißverständnisses geworden sein. Der Erzherzog, welcher angeblich inkognito in Hamburg weilte, stand im Begriffe, mit einem deutschen Schiffe nach England zu reifen. Als er das Schiff besteigen wollte, wurde er jedoch von einem Kriminal- beamten angehalten, der der Meinung war, es mit einem ge­suchten Defraudanten zu tun zu haben. Der Überzog Härte den eifrigen Kriminalbeamten auf und sagte:Ich bin der Thronfolger von Oesterreich". Der Kriminalbeamte meinte: Das könne jeder sagen." Als sich endlich der Sachverhalt aut- geflärt hatte, schüttelte der Thronfolger dem Beamten die Hand und entließ den entsetzten Polizisten mit huldvollen Worten. Der Erzherzog lebt aber schon seit Wochen mit ferner Gemahlin auf Schloß Konopischt in Böhmen und hat sich von dort überhaupt nicht entfernt. Wahrscheinlich hat sich also ein wirklicher Defrau­dant dadurch, daß er sich für den Erzherzog ausgab, der Ver­haftung zu entziehen gewußt. _ .

* EinAntipoussier-Verein" von Stuben, tinnen. Einen eigenartigen Verein haben, rote aus Newyork