Ne. 117
Zweites Blatt.
154. Jahrgang
Erscheim tflglid) mit Ausnahme deS Sonntags.
Die „Gietzener Zamilienblätter" werden dem „yn^etqei ötemial wöchenitlch beigelegl. Der »hessisch« Landwirt" erscheint monatlich einmal
Giehener Anzeiger
Freitag 26. Mai 1904
Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen UntversitätLdruckerei. R. Lange, Gießen.
Redaktion,Expedition u.9)ruderet: Schulstr.?.
XeL Rr. 5L Telegr.-Adr. r Anzeiger Gießen.
Seneral-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen.
Are Heutige Kummer umfaßt 10 Seiten.
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Zur hessischen Wahtresorm.
R. B. Darrn st adt, 19. Mai.
Der Wahlrechts-Sonderausschuß war heute nachmittag wieder zu einer Sitzung beisammen: Geh. Rat Haas war eigens zur Leitung derselben heute von einer größeren Reise hierher zurückgekehrt. Ter Ausschuß beschäftigte sich natürlich eingehend mit den Beschlüssen der vorgestrigen Versammlung der oberhessischen Abgeordneten. Der bekannte Antrag Gutfleisch auf Vermehrung der Mandate von 50 auf 60 wurde heute nochmals gutgeheißen; ferner wurde die U m g r e n z u n g ' d e s neuen oberhessisch en Wahlkreises nach dem Antrag Weidner genehmigt. Die Zustimmung erfolgte e i n st i m m t g, seitens des Abg. Köhler jedoch mit dem Vorbehalt, daß auch der Antrag H i r s ch e l - K ö h l e r auf,Zuweisung mehrerer Landortc an die städtischen Wahlkreise Gießen und Friedberg zur Annahme gelange, lieber diesen Antrag wurde längere Zeit disputiert, doch kam eine Ei nigung darüber nicht zustande. Die Mgg. Haas und v. Brentano traten für diesen Antrag ein, auch zeigte sich Abg. Köhler geneigt, den Antrag wesentlich zu modifizieren. Der Ausschuß lehnte denselben schließlich ab, Nachdem alle Verständigungsbemühungen gescheitert waren, und es wird somit der Kammer die Entscheidung überlassen. Damit betrachtet der Ausschuß seine Beratung über die Wahlrcchtsvorlage als abgeschlossen. Nachdem der vom Abg. v. Brentano anzufertigende schriftliche Bericht sertiggestellt ist, soll die Kammer nun doch in der e r st e n H ä l f t e d e s I u n i zur Plenarberatung über die Vorlage zusammenberufen werden.
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So eröffnen sich denn wieder unerwarteterweise neue erfreuliche Hoffnungen auf das Zustandekommen der Wahl- resorm. Die Herren vom Lande haben sich willfähriger gezeigt, als nach der Versammlung vom letzten Dienstag anzunehmen war. Wahrscheinlich hat Herr Weidner, der sein Amt als Volksvertreter nicht von einseitigen Gesichtspunkten, sondern von dem Standpunkte eines für die Gesamtheit bedachten Mannes auffaßt, seinen Einfluß geltend zu machen und auf einige seiner Kollegen vermittelnd einzuwirken verstanden. Das Plenum wird nun die Entscheidung zu fällen haben.____________________________
Dochmals der IranLsurter Mordprozeß.
Vor dreißig und mehr Jahren verschlang man auch 6ei uns zu Lande mit Heißhunger die „Geheimnisse von Paris" von Eugen Sue. Der bekannte französische Schriftsteller war nicht nur ein Mann von einer glänzenden und fruchtbaren Phantasie, ein Erzähler um des Erzählens willen — wie etwa sein Zeit- und Fenilleton- Genosse Alexander Dumas — er war ein Mann der Tendenz und pflegte als solcher bei den einzelnen Roman-Abschnitten Betrachtungen namentlich sozialen Charakters anzuhängen. Eugen Sue war ein Gegner der Todesstrafe und plädierte für deren Abschaffung. Sue wollte den Mörder zur wirklichen Reue bringen. Was er an Stelle der Todesstrafe vorschlug, war Änzelhaft und — Beraubun g des Augenlichts. An einem Mörder, dem „Schulmeister", wird in seinem Romane durch einen Akt privater Gerechtigkeit Blendung tatsächlich ausgeführt.
Es sind viele Jahrzehnte seit dem Erscheinen der „Geheimnisse von Paris" vergangen und die Todesstrafe besteht immer noch, obwohl zurzeit Kaiser Wilhelms I. nur sehr selten ein Todesurteil vollzogen wurde. Wir wollen hoffen, daß diese Zeit wiederkehrt. Der grausame Vorschlag des französischen Romanschriftstellers findet wohl in keiner Zukunft mehr Erfüllung, vielleicht aber ein anderer Gedanke von ihm. Sue — der auch Abgeordneter und Politiker war — war der Meinung, Einzelhaft bessere den Menschen, während gemeinsame Haft zu einer Schule des Verbrechens werde.
Damit hatte der Franzose sicherlich recht. Einzelhaft kann, unter Umständen, zumal wenn der Gefängnisgeistliche seine Tätigkeit mit ganzer Seele und aus tiefstem Gemüte heraus ausübt, bessernde Wirkung üben. Ob die Groß und Stafsorst freilich besserungsfähig sind, wer weiß es? Nur sehr wenige, besonders edel Denkende werden angesichts der außergewöhnlich brutalen Tat glauben, aujWeaturcn dieser Art könne eine Einwirkung seelischer Natur Platz greifen. Nicht Not oder geschwächte Widerstandskraft kann zu ihren Gunsten vorgebracht werden, nicht zu reden von den mehr „ethisch" gearteten Motiven der Mörder: Rache, Blutrache, verletztes Ehrgefühl, Haß und Ehrgeiz. Faulheit und Sucht nach Gold und den Genüssen des Lebens — das allein waren die „Motive", die die beiden zu ihrer Handlung leiteten. Als sie dem Opfer das Geld abgenommen hatten, verjubelten sie es in wenigen Tagen bei Nichtstun, Wein und Mer und in Gesellschaft von Dirnen.
Wie verabscheuenswert und — bedauernswert zugleich stnd doch diese beiden, die doch auch Menschen sind wie wir, die Mütter haben, wie wir. Sollten sie, diese Armen, nichts, aber auch gar nichts auf ihren Lebensweg mitbekommen haben, was sie würdig des Lebens unter anderen Menschen macht?
Was in diesen Frankfurter Gerichtstagen außer der grausen Tat der Mörder empören mußte, das war, wie zuverlässige Berichte feststellen, die Ausartung der öffent- lidjen Gerichtsverhandlung zu einem Spektakel stück gesellschaftlicher Sensation. Mußte doch der Präsident die Damen, die sich mit Operngläsern bewaffnet hatten, zur Anständigkeit ermahnen. Was müssen das wohl für „Damen" gewesen sein! Ist überhaupt diese Oeffentlichkeit nicht eine Farce auf den Ernst und die Würde einer Gerichtsverhandlung? Unseres Erachtens paßt diese Oeffentlichkeit nicht in den Rahmen einer ernsten, bedeutungsvollen Gerichtssitzung. Wer ist denn das Publikum in solchen Verhandlungen? Zunächst das Gros der „Kriminalstudenten", das heißt solche, die aus den Verhandlungen lernen wollen, wie man es in Zu
kunft machen muß, um nicht erwischt zu werden! Dann kommen die Bummler und Nichtstuer, die Pflastertreter und Tagediebe und die ewig gelangweilten Damen der „Gesellschaft". Alle solche Verhandlungen, so meint sehr richtig der „Rh. C", müßten im Rahmen der bedingten Oeffentlichkeit vor sich gehen. Zuzulassen ist eo ipso die Presse, damit ist der öffentliche Charakter der Verhandlung überhaupt gewahrt. Ferner ist zugelassen eine beschränkte Anzahl von Besuchern auf Karten, um welche bei den Vorständen des Gerichts persönlich einzukommen ist, damit Der Zuschouerraum gesäubert wird von Kriminalstudenten, Dirnen, Zuhältern und den feineren Nummern gewerbsmäßiger Schande, die man mit liebevollem Versenken in individuelle Eigenart „Kontrollmädchen" nennt.
Die schrankenlose Oeffentlichkeit der Gerichtsverhandlungen wird nicht selten Veranlassung zu neuen Verbrechen. Daß die Oeffentlichkeit als solche aufrecht erhalten bleiben soll, ist selbstverständlich, aber man sollte sie auf eine Form bringen, die den groben Mißbrauch mit ihr durch die sittlich und gesellschaftlich Minderwertigen ausschließt.
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Tie „Frkf. Ztg." meint nicht mit Unrecht, daß die Schlußbemerkung des Vorsitzenden besser unterblieben wäre. Gr legte den Angeklagten ans Herz, nicht etwa darauf zu bauen, daß eine Revision erfolgreich sei oder eine Begnadigung zu lebenslänglicher Freiheitsstrafe eintreten werde: er sagte: „Schließen Sie Ihre Rechnung auf Erden ab, bereuen Sie!" Der Vorsitzende hat vielleicht damit nur bemerken wollen: Man weiß nicht, wie es kommt, bereut aber unter allen Umständen! Die Form, in die er seine — übrigens unnötige — Mahnung kleidete, war nicht die richtige. Menn die Angeklagten bei ihrem Gemütszustand überhaupt in der Lage waren, jene Worte richtig zu verstehen und zu erfassen — es kommt dazu der etwas drohende Ton —, so mußten sie unbedingt daraus entnehmen, daß sie auf Begnadigung unter keinen U'm ständen rechnen dürfen. Wenn diese Absicht vorlag, so ist sie unbedingt von der Hand zu weisen. Sie bedeutet nicht weniger als eine Verschärfung der Todesstrafe. Die Möglichkeit der Begnadigung liegt immer vor; sie ist der Strohhalm, an den sich der mit dem Tode Ringende klammert. Was die Revision selbst betrifft, so ist es sehr wahrscheinlich, daß sie von Groß, der schon seinen Verteidiger um eine Unterredung ersuchte, eingelegt wird. Beide Verteidiger werden sich zur Rücksprache mit den Verurteilten noch im Laufe dieser Woche nach Preungesheim begeben. Im allgemeinen vergeht längere Zeit "bis zur Entscheidung von Revisionsangelegenheiten. Bei Todesurteilen aber wird das Verfahren beschleunigt und in drei bis vier Wochen erledigt.
Der Krieg zwischen Japan und Nußland.
Zwei japanische Schiffe bei Port Arthur untergegangen!
Gestern trafen im Laufe des Nachmittags folgende Telegramme ein:
Tschifu, 19. Mai. Einige Russen, die von Dalny kommen, berichten, am Montag seien ein japanisches Panzerschiff und ein Kreuzer auf der Höhe von Port Arthur aus eine Mine aufgelaufen und gesunken. Man mißt dieser Meldung hier wenig Glauben bei.
London, 19. Mai. Das Reutersche Bureau meldet aus Tschifu: Nach Aussagen von hier eingetroffenen Russen waren die japanischen Kriegsschiffe, die angeblich am Montag untergegangen sind, das Linienschiff „S ch i k i s ch i m a" und der große Kreuzer „Asama". Ter Untergang fand während der Beschießung von Port Arthur statt. Tie „Schikischima" soll innerhalb Mei Minuten gesunken sein, die „Asama" dagegen, als sie fortbugsiert werden sollte. Die Russen behaupten, diese Informationen von dem kommandierenden Offizier von Dalnv erhalten zu haben. Russische Torpedoboote gingen aus dem Hafen von Port Arthur, zogen sich aber nach dem Eintreffen japanischer Verstärkungen wieder zurück. Die Hafeneinfahrt war vollkommen versperrt, ist aber jetzt, nachdem ein von den Japanern versenkter Dampfer entfernt worden ist, wieder frei, aber immer noch gefährlich zu passieren. Die Verbindung nördlich von Dalnv ist völlig abgeschnitten.
London, 19. Mai. Das Reutersche Bureau meldet aus Tschifu, daß nach den Berichten der dort eingetroffenen Russen aus Dalny an den russischen Konsul keine Zeit übrig war, die Mannschaften des Linienschiffes „Schikischima" zu retten. Das andere Kriegsschiff, das auf eine Mine stieß, sei nicht der große Kreuzer „Asama", sondern das Linienschiff „Fuji".
Am späten Abend erhielten wir dann folgendes offiziöse japanische Telegramm:
Tokio, 19. Mai. Admiral Togo meldet, daß während dichten Nebels am 15. Mai in der Nähe von Port Arthur der russische Kreuzer „Kasnga" den japanischen Kreuzer „Y o sh in o" anrannte. Letzterer sank in wenigen Minuten. Nur 90 Mann der Besatzung sind gerettet worden. An demselben Tage stieh der japanische Panzer „Hatsu's'e" auf eine unterseeische russische Mine und sank. 300 Mann des Panzers sind von Torpedobooten gerettet worden.
Der Panzer „H a t s u s e" ist auf der Werst in Elswick gebaut, und im Jahre 1899 vom Stapel gelassen. Sein Tonnengehalt betrug 15 000. Tie Armierung bestand aus 50 Geschützen. Er zählte zu den größten Panzerschiffen der japanischen Marine, lief 19,11 Knoten in der Stunde und übertraf an Schnelligkeit alle übrigen seiner Klasse. Das andere gesunkene Schiff „Poshino" ist ein geschützter Kreuzer, der ebenfalls in Elswick erbaut ist, und 1892 vom Stapel lief. Seine Wasserverdrängung betrug nur 4,180 Tonnen. Armiert war er mit 35 Geschützen und lief 23 Knoten.
Tokio, 19. Mai. (Reuter.) Zum Untergang des Panzerschiffes „Hatsuse" berichtet Admiral Togo, dasselbe sei auf eine Mine gestoßen, zehn Knoten südöstlich vom Eingang des Hafens von Port Arthur, als es in der hohen See von Port Arthur kreuzte, um die Landung der Jpaaner zu decken. Ter Banzer signalisierte um Hilfe, lief aber alsbald auf eine zweite Mine und sank innerhalb einer halben Stunde.
London, 19. Mai. Der „Daily Expreß" wird aus privater Quelle mitgeteilt, daß Kontreadmiral Nas- hi w a mit dem vor Port Arthur gesunkenen Panzerschiff „Hatsuse" unter:gegangen ist. — Der „Standard" und
der „Daily Telegraph" melden dagegen aus Tokio, daß N a s h i w a mit den 300 Mann der Besatzung des Panzers Hatsuse gerettet sei.
Kaiping von deu Japanern beseht.
London, 20. Mai. „Daily Sefegrapty' meldet aus Tokio: Nach dort ein gegangenen Nachrichten hätten die Japaner Kaiping, 30 Merlen südlich von Niutschwang, am 16. Mai besetzt. Die Russen hätten sich zurückgezogen. — Wie der „Standard" mis Tientsin meldet, wäre der Besetzung von Kaiping ein heftiges Gefecht vorausgegangen, bei dem die Russen gegen 2000 ManU verloren hätten.
Niutschwang.
Niutschwang, 18. Mai, Mitternacht. (Reuter.) Ein hier eingetroffener Bote berichtet, eine japanische Flotte sei heute abend vom Turmhügel zehn Meilen nördlich von Kai ts ch o u gesichtet. Die Beschießung am Montag erstreckte sich über 25 Meilen an der Küstenl'nie. (Sine japanische Truppenabteilung marschierte einige Meilen ins Innere und zerstörte auf der Strecke vier Meilen Eisenbahn und anderes Eigentum. Wagen und Tiere wurden den eingeborenen Begleitern zurückgegeben. Sodann schiffte sich die Truppe wieder ein. Die japanische Flotte verließ die Gegend. Man glaubt, daß die Landung lediglich den Zweck hatte, Bewegungen anderswo zu berber gen. Ein Regiment russischer Infanterie kehrte heute nachmittag nach Niutschwang zurück. Nach einer vorliegenden Meldung würde die russische Artillerie morgen zurückkehren. Einige Offiziere kehrten wenige Stunden, nachdem sie Abschied genommen hatten, zurück. Das Kanonenboot „Siwutsch" ist wieder in Stand gesetzt.
London, 19. Mai. Die „Daily Expreß" meldet aus Weihaiwei, das britische Kriegsschiff „Gspiegle" sei von dort nach Niutschwang geschickt worden, das von den Japanern besetzt wurde.
Der Vormarsch der Japaner laßt nach!
Mukden, 19. Mai. Im Vormarsch der Japaner» namentlich vom Süden, trat ein augenblickliches Nachlassen ein. Nach Meinung der Offiziere handelt es sich sogar um eine z eitw eilige Rückwärtsbewegung von den Stellungen, welche infolge der letzten, anscheinend am 17. Mai beendeten Kämpfe eingenommen worden waren. Den Russen ging die Nachricht zu, daß die Japaner sich 14 Meilen von der Stellung in Kaitschou zurückzogen.
Mukden, 19. Mai. (Russ. Telegr.-Ag.) Nach den letzten Mitteilungen trat irn Vormarsch der japanischen Truppen eine Stockung ein. Mehrere Abteilungen der V o 7> Hut sind zurückgegangen. Offenbar konzentrieren sich die Haupt st reitkräfte des Feindes zwischen Föngwangtschöng und dem Jalu. In Port Arthur herrscht Ruhe.
Petersburg, 19. Mai. Ein Telegramm des Generals Kuropatkin berichtet, daß Takuschan von den Japanern geräumt wurde. 600 Japaner befinden sich in Louamao und 300 Mann Kavallerie bei Salitsasipudza. Die Japaner ziehen ihre Streitkräfte nach Fönawantschön zusammen und errichten Feldverschanzungen. Kleine Abteilungen befinden sich ht Tayangho und Salitsasipudza. Auch in Sujan sind japanische Abteilungen 6 em er ft worden.
Petersburg, 19. Mai. Der russische Kriegskorrespondent Nemirowitsch Tantschenko telegraphiert aus Liaoyang: Dem Adjutanten des Generals Stössel, Leutnant Mazewski, gelang es, mit 12 Kosaken sich durch die japanischen Linien von Port Arthur bis Liaujang durchzuschlagen und General Kuropatkin wichtige Nachrichten zu überbringen. Die japanische Flotte liegt 12 Kilometer von Port Arthur und feuert täglich einige zwecklose Schüsse gegen die Festung ab.
Tokio, 19. Mai. 30000 Mann sind diese Woche zur Verstärkung der 2. Armee in Liautung aus Japan abgegangen. Die 3. Armee ist mitten in der Mobilisation begriffen. Die japanische Regierung mietet jetzt alle verfügbaren Dampfer, auch neine, für die Truppen-Trausporte. Tie 3. Armee ist wahrscheinlich nach Niutschwang bestimmt.
Paris, 19. Mai. Im russischen Generalstabe schätzt man bit gegenwärtig hinter dem Taitseho-Fluß, an welchem Liaujang liegt, zur Verfügung stehenden russischen Truppen auf 130 000 Mann und hält es für durchaus möglich, daß Kuropatkin die zwei zusammen 90 000 Mann starken japanischen Armeen, welche seine Front bedrohen, erfolgreich bekämpfen kann.
Ein Eisenbahnunglück bei Mukden.
Paris, 19. Mai. Wie aus Petersburg gemeldet wird, entgleiste infolge Bodenaufweichung ein Militär- zug nördlich von Mukden. Das Unglück forderte 3 0 Opfer. Das Bahnpersonal wurde angewiesen, die Geschwindigkeit von 10 Km. in der Stunde nicht zu überschreiten.
Scharmützel.
Tokio, 19. Mai. (Reuter.) Privatnachrichten zufolge sanden kleine Scharmützel südlich von Ki ntschou auf der Halbinsel Liautung statt. Die Linie der Japaner breitet sich von Tschitschatan nach Thulitschan über die Hügelkette nördlich von Kintschou aus, welche die Stadt be- herrschI.
Die Verluste am Jalu.
Tokio, 19. Mai. Eine amtliche Meldung des Generals Kuroki berichtet: Die genaue Zahl der Verluste in der Schlacht am Jalu ist: japancscherseits tot 318 Mann, darunter fünf Offiziere; verwundet 783, darunter 33 Offiziere 1363 ge f allene Russen wurden von den Japanern beerdigt, 613 Russen wurden gefangen. Erbeutet wurden 21 dreizöllige Schnellfeuergeschütze, acht Schnellfeuermaschinengewehre, 1021 Gewehre, 63 Pferde, große Mengen von Munition, Kleidungsstücken und Zelten. Auch in Föngwangtschöng wurden Munitionsvorräte, Uniformen und Lebensmittel erbeutet.
Korea.
Söul, 19. Mai. Die koreanische Regierung hat alle Verträge mit Konzessionen für Rußland für u n g i l t i g erklärt.
Shanghai, 19. Mai. (Havas.) Kosaken zerstörten die Brücke bei Andschu, schnitten die Telegraphen nördlich Don Pjöngjang ab. Die Japaner schicken Verstärkungen nach dem Norden Koreas, um die Verbindungen zwischen ihren Armeen und dem Generalstab heri


