Ausgabe 
20.5.1904 Zweites Blatt
 
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berichtet wird, eine Anzahl Studentinnen von der Cornell-Univer­sität, die es mit der Wissenschaft anscheinend ernst nehmen wollen, gegründet. Er führt den schönen Namen ,,anti-spooning societh". DasSpoon" bedeutet für den englischen oder amerikanischen Studenten dasselbe wie für den unseren dasPoussieren"; der Ausdruck ist nicht edler und die Sache nicht besser. Der Name des Studentinnenvereins besagt also genug zu seiner Kennzeichnung. Die neue Einrichtung richtet sich gegen die Cornell-Studenten, die in ihren Aufmerksamkeiten gegen die Studentinnen zu weit gingen. Es wurde eine Strafliste für Übertretung der Vereinsstatuten aus­gestellt, und das einkommende Geld wird einem Katzen heim über­geben. Wenn ein Student im Sage College, dem Aufenthaltsort der Studentinnen, nach einer Dame fragt, must diese 1 Mk. Strafe zahlen. Wenn sie ihm erlaubt, sie zu besuchen, steigt die Büste auf 2 Mark. Die nächste Stufe der Sünde ist die, von der der Name des Vereins abgeleitet ist, wenn nämlich die Studentin beim eigentlichenspoon" ertappt wird; das kostet schon 5 Mk. Ist )ie unüberlegt genug, sich von ihm küssen zu lassen, oder un­geschickt genug, diese Tatsache nicht zu verheimlichen, so must sie diesen Spast, dem Gesetz zufolge, mit 10 Mark bezahlen! Ecne Menge schöner verschwiegener Waldwege umgeben die Uni­versität. Aber auch die Freiheit, die Natur in Gesellschaft eines männlichen Wesens zu geniesten, müssen sich die unglücklichen 9Ji.itglieber des Vereins mit 5 Mk. erkaufen. Für eine Land­partie wird dieselbe Strafe erhoben.

Arbeiterbewegung.

Berlin, 19. Mai. Der Streik bei der großen Ber­liner Straßenbahn, dessen Beilegung gestern als sicher gemeldet wurde, wird fortgesetzt und hat sogar eine erhebliche Ver- kchärlung erfahren. Heute mittag waren in der Haupt-Werkstätte unb in der Betriebs-Werkstätte gegen tausend Arbeiter ausständig.

D o u a i, 19. Mau Gestern wurde der internationale Gruben- arbetter-Kongretz eröffnet. Vertreten waren 22 Syndikate und vier Verbände mit 30 Delegierten. Verschiedene Anträge wurden gestelll, so z. B. betreffend die Zahl der Delegierten. Der Kongreß beschloß, daß die Arbeiter über die Zahl der Delegierten zu befragen seien.

Mailand, 19. Mai. In der benachbarten Fabrikstadt Legnano sind 400 Baumwollweberinnen in den Aus stand getreten.

Kerichlssaal.

Hannover, 19. Mai. Irr dem Prozesse gegen die Verwalt- angsmitglieder der in Konkurs geratenen Hannoverschen Lan­desbank wurde heute das Urteil gesprochen. Der ehemalige Direktor Arthur Schumann erhielt wegen Bilanz-Ver­schleierung und Bilanzsälschung zwei Jahre Gesängnis und zweitausend Mark Geldstrase, event. 200 Tage Gesängnis, die übrigen Angeklagten erhielten Gefängnis von einem Monat bis zu sechs Wochen und Geldstrafen von je 500 Mark. Ter Antrag des Staatsanwalts auf Aberkennung der Ehrenrechte wurde ab gelehnt, ebenso der Antrag Schumanns auf Haftentlassung.

Metz, 19. Mm. Der Krämer und Ackerer Anton Mallfert aus Wustweiler bei Saargcmünd, der angeklagt war, am 20. No­vember 1903 den Petroleumkutscher Müller aus Saargemünd er­mordet und beraubt zu haben, wurde heute vom Schwur­gerichte nach viertägiger Verhandlung zu lebenslänglichem Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt.

Amversitäts-Dachrichlen.

Der deutsche Universitäts-Kalender, begründet von Prof. Dr. Ascherson, herausgegeben von Tr. Ph. 'Zchesfcr in Leipzig, ist in 65. Ausgabe für das Sommersemester 1904

erschienen und bewährt auch diesmal seinen guten alten Ruf. Wir entnehmen ihm die nachstehende Uebersicht des Besuchs der deut­schen Universitäten im Wintersemester 19031904. Die Gesamt­zahl der Studierenden betrug in Berlin, Universität 13 856, Berlin, Landwirtschastliche Hochschule 836, Bonn 2484, Breslau 1979, Erlangen 1013, Freiburg i. B. 1487, Gießen 1120, Göttingen 1478, Greifswald 737, Halle 1956, Heidcurerg 1535, Jena 912, Kiel 814, Königsberg i. Pr. 1073, Leipzig 4407, Marburg 1246, München 4855, Münster 1259, Rostock 549, Straßburg 1500, Tübingen 1416, Würzburg 1379, Graz 1751, Wien 7738, Basel 706, Bern 1653, Zürich 1258.

Der Wingolf feine konfessionelle Verbind­ung. Man schreibt uns: Im Anschluß an die Vorkommnisse, die gegen Ende des verflossenen Wintersemesters in Jena zu dem Verbot der konfessionellen, farbentragenden Verbinduiigen geführt haben, ist in der Presse hier und da auf den Wingolf als auf das protestantische Gegenstück zu den katholischen farbentragenden Verbindungen hingewiesen worden. Es wurde hierbei v; elf ad) der Schluß gezogen, daß ein Verbot der konfessionellen farben­tragenden Verbindungen denevangelischen" Wingolf so gut wie die katholischen Korporationen treffe. Die Ansicht, daß der Wingolf eine evangelische Korporation sei, ist ebenso verbreitet wie unrichtig. Es möge deshalb gestattet sein darauf hinzuweisen, daß der Wingolf seit seiner vor mehr als 60 Jahren erfolgten Gründung lediglich auf christlichem Boden, nicht aber auf dem einer bestimmten Konfession steht. Er hat stets Angehörige der verschiedensten christlichen Bekenntnisse unter seilten Mitgliedern gehabt und zählt unter seinen Ange­hörigen auch heute noch zahlreiche Katholiken. Der Wingolf muß deshalb jedwede Parallele mit konfessionellen Ver­bindungen ablehnen. Seine Mitglieder stehen als solche weder im Dienste einer Kirche noch auch einer politischen Partei; sie sind im Gegenteil der Ansicht, daß die Erziehung, die dem Wingolfiten auf deutschen Hochschulen zuteil wird, ihn in erster Linie befähigen soll, im späteren Leben dem allen deutschen Studenten gemeinsamen Vaterlande nach besten Kräften zu dienen.'

Handel und Verkehr. yulksuiirlfdjnft.

Die Geldbedürfnisse des Reichs, lieber die Art wie das Reich seine nächsten Geldbedürfnisse deckt, sind verschiedene Versionen in Umlauf. Erst vorgestern hieß es, daß 3y2 Prozent Reichsschatzscheine ausgegeben werden sollen, für deren Über­nahme bereits mehrere Offerten eingegangen seien. Nun wird wieder gemeldet, daß es nicht beabsichtigt sei, eine allgemeine Anleihe ober festverzinsliche, mit mehrjähriger Frist ausgestattete Schatzscheine zu begeben. Tas Privatkapital soll erst bie noch um- laufenbcn Anleihebetrüge früherer Emissionen bauernb aufnehmen. Der ejtraorbinäre Gelobebars soll burch Begebung unverzinslicher SckMtzscheine an bic Reichsbank gebeckt werben. Tie Begebung 3y2 proz. festverzinslicher Schatzanweisungen kommt nur soweit in Frage, als bie am 1. Juli fälligen 4 proz. 'Lchatzanweisungen von 1900 einzulösen sinb. Diese Transaktion ist jeboch bereits vor einiger Zeit abgeschlossen worben.

I a p a n i s ch e F i n a n z e n. Politische Depeschen vom 19. ds. aus Tokio melben, baß bas Kabinett eine ben ganzen Tag in Anspruch neljmenbe Sitzung abhielt. Auch fanben Besprechungen mit leitenben Bankiers unb Kaufleuten statt. Ist wieder einmal eine neue Anleihe in Sicht?

Märkte.

)( Butzbach, 20. Mai. Der gestrige Pfingstmarkt brachte lebhaften Verkehr in unser Städtchen. Auf dem Schweine­markt waren viele Tiere, besonders Ferkel, angetrieben und bie Preise ziemlich gut; ber Krämermarkt hatte wenige Stäube aus- zuweisen. Die Wirtschaften unb anbere einheimische Geschäfte waren mit ihrer Einnahme zufrieden.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

1. P f i n g ft f e i e r t a g, den 2 2. Mai.

KollektefürdieHessischeLuther-Stiftunq.

Hottesdieng.

Ju der Stadtlirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe.

Vormittags 9'/2 Uhr: Pfarrer I). Schlosser.

Beichte unb heiliges Abeubmahl für Matthäus- und Markus- gemembe. Anmeldung vorher bet dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

Vormittags 117, Uhr: Kinderkirche für Matthäus- und Markusgemeinde.

Pfarrer D. Schlosser.

In der Johanneskirche.

Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler.

Vormittags 97, Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

Beichte unb heiliges Abeubmahl für die Lukas- und die Johaimesgememde un Hauptgotlesdienst. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten.

Am 2. Pfingstfeiertag, ben 23. Mai.

Kollekte für die Armen.

In der Stadtkirche.

Vormittags 8 Uhr: Siehe Johanneskirche.

Vormittags 9y2 Uhr: Pfarrer Schwabe.

In Der Johanneskirche.

Vormittags 8 Uhr: Psarrafsistent Schulz.

Vormittags 972 Uhr: Pfarrer Euler.

Katholische Gemeinde.

Samstag, ben 21. 9)1 a i 1904.

Nachmittags um 5 Uhr unb abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.

Sonntag, den 2 2. Mai 1904.

m Pfingstsonntag.

Vormittags von 6 7, Uhr an: Gelegenheit zur hell. Beicht.

um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselbe».

Austeilung der heil. Kommunion.

um 8 Uhr: Tie zweite heilige Messe.

M um 9 7i Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 27, Uhr: Fest-Andacht mit Segen.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.

Montag, den 2 3. Mai.

P f i n g st m o n t a g.

Vormittags von 67, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion.

, 8'/< Uhr: Tie zweite heil. Messe.

,, « 97i » Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 27t Uhr: Andacht.

Dienstag und Freitag abend um 67, Uhr ist Mai-Andacht.

Restaurant Felsenkeller, Weilburg a. Lahn,

in der Nähe des Bahnhofs.

Schönster Ausflugsort für Gesellschaften und Vereine. Schöner, schattiger Garten, gedeckte Halle, Saal mit Klavier. Zu gefl. Besuch ladet ergebenft ein Inhaber:

4385 JLudwig Krömmelbein.

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