Ausgabe 
20.5.1904 Erstes Blatt
 
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Nr. 117

Erstes Blatt.

154. Jahrgang

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VoMische TagcsschM.

Die Protestnote des Papstes gegen Loubets Romreife.

Der französische Ministerrat beschäftigte sich am Donnerstag mit der Protestnote, und beschloß zunächst, das authentische Doku­ment, das sich mit dem der Regierung zugestellten nicht deckt, zu verschaffen; man einigte sich über die Folgen, die demselben etwa zu geben seien. Es wird versichert, der Ministerrat bestätigte seinen früheren Entschluß, den französischen Botschafter am Vatikan zurückzuberufen, falls der Heilige Stuhl die Protestnote der Oeffentlichkeit preisgeben würde. Jedenfalls wird diese Entscheidung nur dann offiziell und endgiltig werden, wenn erwiesen ist, daß der Vatikan den Wortlaut des veröffent­lichten Protestes anderen Möchten als Frankreich zugesandt hat.

Da kommt jetzt die offenbar hochoffiziöse Erklärung der Köln. Ztg." mit Bezug auf eine Aeußerung in der italienischen Deputiertenkammer, in der es heißt:

Der italienische Abgeordnete scheint sonach von der irrigen Annahme ausgegangen zu sein, als ob der Protest des Papstes auch allen andern Mächten überreicht worden wäre. Wie wir erfahren, ist dies nicht der Fall. Die deutsche Re­gierung hatte somit keine Möglichkeit, falls dies überhaupt nötig gewesen wäre, einen Protest zurückzuweisen, den sie überhaupt nicht erhalten hat.

Popolo Romano" ist in der Lage auf Grund positiver In­formationen zu behaupten, daß keine Abschrift der Rote zugestellt wurde an Preußen, Rußland und England, da sie ausschließlich an katholische Mächte ge­richtet war, um festzustellen, oder von neuem festzustellen, daß die Oberhäupter ihrer Staaten nicht würden vorn Papst empfangen werden können, wenn sie gleichzeitig mit dem Papst und dem König von Italien in Rom Höflichkeiten austauschen wollten; ferner, daß dies der einzige Grund besagter Dokumente sei. Der Vatikan begreife nicht die Erregung, welche durch' sie hervor­gerufen wurde. ,.Ofservatore Romano" bemerkt zu den Aeußer- ungen der französischen und italienischen Presse: Die Presse be­urteilte streng den Heiligen Stuhl, als ob dieser sich hätte in die Politik beider Länder mischen und die entstandene Besserung in ihren Beziehungen hätte mißbilligen wollen. Nichts sei unrichtiger als das. Der Papst habe nicht gegen die französisch- italienische Annäherung Protests er t, er nehme viel­mehr mit Genugtuung alles wahr, was eine Verbrüder­ung der Völker begünstige, und namentlich alles, was zum Wohle Italiens beitragen könne. Wenn nach dieser Annäherung Präsi­dent Loubet den Könia Viktor Emanuel in irgend einer anderen Stadt Italiens besucht hätte, würde der Heilige Stuhl sicher nichts gesagt haben. Andererseits konnte er n i ch t st i l l s ck w e i - aend dulden, daß das Oberhaupt eines katholischen Volkes, besonders Frankreichs, durch einen amtlichen, feierlichen Besuch in einem apostolischen Palaste die Vorgänge von 1870 billige und auch das Recht des Papstes verletzte. Das Blatt fragt: Was würde die französische Presse sagen, wenn der Krieg von 1870 ohne Friedensvertrag oder einen modus vivendi zwischen den Kriegführenden beendet worden wäre, und das Oberhaupt einer befreundeten Nation ungeachtet vorher erfolgter Bemerk­ungen der französischen Regierung dem D e u t s ch en K a i s er in Elsaß-Lothringen einen amtlichen Besuch machte?Osservatore Romano" erinnert daran, daß, als sich ein dieser Hypothese etwa entsprechender Vorgang bei den deutschen Manövem in Metz zu- getragen habe, die französische Presse nicht gezögert habe, ihre Stimme zu erheben.

Mau ersieht hieraus und aus dem Verhalten des französi­schen Ministerrates, der die Mehrheit der Kammer für sich hat, wie überaus gespannt sich die Beziehungen zwischen Vatikan und Frankreich gestaltet haben. Ein Bruch, der bisher für ziemlich ausgeschlossen galt, scheint immer mehr in den Bereich der Möglichkeit zu rücken, und dies umsomehr, als der Vatikan den Bruch nicht fürchtet und kaum etwas tun wird, um ihn zu ver­hindern. Immerhin sind weite vatikanische Kreise mit den beiden Inspiratoren der Protestnote, den spanischen Kardinälen Merry del Val und Vives, überaus unzufrieden.

Eine englische Ente.

Man schreibt uns aus Berlin, 19. Mai:

Die englischen Zeitungskorrespondenten wissen immer besonders präzis, was in unseren amtlichen und hohen Kreisen vor sich geht. Mindestens behaupten sie frisch und fröhlich, solche intime Kenntnis der Dinge zu besitzen. Allen voran" ist heute der Berliner Gewährsmann des LondonerDaily Graphic", er telegraphiert nicht mehr und nicht weniger, als daß der Rücktritt des Gr äsen Bülow zum Herbst beschlossene Sache sei, und daß der Nachfolger bereits fest st ehe. Warum nennt der englische Journalist den Namen des neuen Kanz­lers nicht? Wohl kaum aus Bescheidenheit wird der kommende Mann verschwiegen. Einfach: aus Vorsicht. Denn die Gefahr lag zu nahe, daß der Britte nicht nur arg da­neben riet, sondern, nicht genügend kundig der Personen­verhältnisse. gar eine Kandidatur mit der Wirkung homeri­scher Heiterkeit aufstellte. Mer derDaily-Graphie"-Korre- spondent war so gütig, dem Grafen Bülow noch eine Frist einzuräumen. Graf Bülow gehe erst nach der Beratung der Kanalvorlage. Tas heißt, nach Annahme der Kanal­vorlage. Nun, dann hätte ja Graf Bülow noch eine hübsche Spanne Zeit vor sich. Die Kanalvorlage in Preußen wird voraussichtlich im nächsten Jahre erst erledigt sein. Die Parteien haben es gar nicht so eilig damit. Und die Han­delsverträge? Braucht man dafür nicht auch den Grafen Bülow? Also, der Graphic-Korrespondent kann immerhin noch ein weiteres Jahr zulegen und so lange den Nachfolger Bülows warten lassen.

Der König von Spanien in Berlin.

D. B. Hd. meldet uns aus Berlin: Wie mitgeteilt wird, hat der Kaiser den König von Spanien zur Teilnahme an den diesjährigen Kaisermanövern zwi­schen dem Gardekorps und dem 9. Armeekorps eingeladen. Der König hat diese Einladung angenommen.

Diese Meldung kommt im Hinblick aus die vor wenigen Wochen erfolgte Begegnung der beiden Herrscher in den Gewässern von Vigo nicht überraschend. Interessant wird aber sein, die vorhergehenden Auslandsreisen deS Königs Alfons zu verfolgen. Geplant sind solche nach Wien und Paris. Während die erstere in verwandtschaftlichen Be­

ziehungen begründet ist, wird der letzteren ein durchaus voli- tischer Charakter beigemessen werden müssen, wenn sie Über­haupt stattfindet. Tas hängt äh1 von dem Maß von Rück- sicht, welches Frankreich in der Frage des Mittelmeerver­trages auf Spanien zu nehmen sich geneigt zeigt. In Madrid hat es wenig angenehm berührt, daß die Republik unter Beiseiteschiebung Spaniens mit England sich ins Be­nehmen setzte. Glaubt nun Spanien seine politischen An­sprüche in Marokko durch Frankreich nicht in ausreichen­dem Maße anerkannt, und geht infolgedessen König Alfons nicht nach Paris, dann wird französischerseits der Reise des Königs nach Teutschland wohl eine politische Bedeut­ung beigelegt werden und zwar im Sinne einer Ann ü h e ri­nn g zwischen Deutschland und Spanien, wobei Deutschland natürlich die Rolle des Protektors zugeschoben werden würde. Solche zu übernehmen, liegt für Deutschland nicht die mindeste^ Veranlassung vor.

Kirche und Schute.

Kirchenrat Kalbhenn in Burggräfen- rode feiert, wie wir bereits mitt eilten, in den nächsten Tagen fein 5 0jähriges Dien.stju'biläum. Von ge­schützter Seite erhalten wir heute aus dem Dekanat Rodbeim über den Lebenslauf des Jubilars folgende Notizen: Kalb­henn war als Kandidat Hauslehrer in Hirschhorn und hat damals die dortigen Protestanten gesammelt. Aus Nach­suchen stellte Se. Kgl. Hoheit der Großherzog einen Saal im Schlosse zur Verfügung, der als Betsaal eingerichtet wurde. Am 25. Mai 1854 (es war ein Himmelfahrtstag) wurde K. als erster Geistlicher der mit diesem Tage ent­stehenden Gemeinde ordiniert. Hirschhorn gehörte damals zur Pfarrei Neckar-Steinach uno K. war Pfarrverwalter. Nach einem Jahre kam er nach Petterweil in Oberhessen, wo er Pfarrer wurde. Bei seinem Weggang schenkte ihm die Gemeinde H. als Zeichen der Liebe, Dankbarkeit und Anerkennung einen silbernen Pokal. In Petterweil, wo K. heiratete, war er bis zum Jahre 1876. Im Jahre 1870/71 war er nebenher Geistlicher an dem in Kloppenheim bestehen­den kleinen Lazarett. 1876 fiedelte er nach "Burggräfenrode über, wo er Dekan des Dekanats Rodheim wurde, was er 20 Jahre blieb. K. wirkte ferner lange Jahre im erweiter­ten Oberkonsistorium und war bis vor wenigen Jahren Mit- alied der Kreisschulkommission. Noch jetzt ist er Mitglied des DisziplinarHerichtshofes für Geistliche und im Vor­stande des Pfarr-Waisen-Bereins. An seinem 70. Geburts­tage wurde er ,,Kirchenrat" und beim Scheiden aus der Kreisschulkommission erhielt er die Krone zum Philipps- orden 1. Kl. Um das Volksschulwesen hat er fid) große Verdienste erworben. In allen seinen Wirkungskreisen rühmt man seinen klaren Blick und äußerst praktischen Sinn. Aber er besitzt auch einen unverwüstlichen Humor, der oft stürmischen Sitzungen den Stachel nahm. K. ist 75 Jahre alt, aber körperlich und geistig vollkommen rüstig. Als ge­dankenreicher Kanzelredner hat er heute noch die Frische der Jugend. Seine Bescheidenheit veranlaßte ihr: jetzt, eine von den Geistlichen des Dekanats geplante größere Feier dankend abzulehnen. Nur die Einladung der Gemeinde Hirschhorn hat er angenommen. K ist der älteste Geistliche des Dekanats Rodheim und einer der ältesten in Hessen.

Aus Stadl und Land.

Gießen, 20. Mai 1904.

** Die Studentenschaft wird zu Ehren des Herrn Professor Dr. Pfannen stiel, der kürzlich, wie schon berichtet, einen ehrenvollen Ruf an die Universität Erlangen abgelehnt hat, am 3. Juni einen Fackelzug veranstalten.

Vom botanischen Garten. Unser botanischer Garten, übrigens der drittälteste derartiger Gärten in Deutsch­land (er besteht feit 1609), findet lange nicht die Beachtung bei der einheimischen Bevölkerung, die er verdient, und doch braucht der Garten den Vergleich mit den Schwesteranlagen anderer Hochschulstädte nicht zu scheuen. Gerade aber jetzt im schönen Monat Mai ist es überaus lohnend, ein Stündchen im botanischen Garten zu verweilen und sich darin umzu­schauen. Man wandelt nicht Nur dabei unter schönen alten Baumriesen mit schattenspendenden Kronen, sondern auch das Auge hat angenehme Abwechselung in Hülle und Fülle. Hier blühen augenblicklicklich die Kastanien, der Flieder, der Goldregen und in ihrer Farbenpracht die Azaleen. Um das neue Ueberwinterungshaus stehen geschmackvoll zu Gruppen arrangiert Palmen der verschiedensten Arten, Blattpflanzen und andere fermdlündische Gewächse, darunter seltene Exem­plare, wie man solche in Privatgärten nicht zu sehen be­kommt. Aus grüner Rasenfläche sendet der Springbrunnen seine Wasser in die Höhe und in den einzelnen Bassins, die der Brunnen speist, befinden sich Wasserpflanzen eigener Art. Hochinteressant ist aber die nahe dem Weiher gelegene Gruppe der alpinen Pflanzen des Gartens. Auf und zwischen künst­lich übereinander gelagerten Felsen und Steingeröll wachsen und blühen, in einzelnen Abteilungen unter sich getrennt, die Pflanzen aus der Flora der Voralpen, der Alpen und der mitteleuropäischen Hochalpen (darunter die Königin der Alpen- blumen, das Edelweiß), orientalische Alpenpflanzen, alpine Pflanzen vom Hymalaja und aus Zentralasien, aus Nordamerika und von Nord-Seeland. Auf verhältnis­mäßig kleinem Raume hat man zum Vergleich hier einen großen Teil der alpinen Flora beieinander, mit dem Vorteil, daß einem sogar das Bergsteigen dabei erspart bleibt. Der Garten ist bekanntlich täglich geöffnet, was aber nicht allgemein bekannt sein dürfte, ist die Tatsache, daß der Garteninspektor Rehnelt Besilchern unserer Stadt den Zutritt zu dem botanischen Garten auch außerhalb der dazu be­

stimmten Besuchszeit bereitwilligst gestattet, wenn man den­selben in seiner Senkenbergstraße 6, II. telegenen Wohnung darum bittet. Dieser Hinweis dürfte besonders für Vereine und Gesellschaften von außerhalb, deren Mitglieder sich für den botanischen Garten interessieren, angenehm und er­wünscht sein.

** Nationaler Gesangswettstreit. Das Fest» buch zum Wettstreit umfaßt 47 Seiten und enthält alles für den Teilnehmer irgendwie wissenswerte, auch das ausführliche Festprogramm. Es kostet 50 Pfg. Die Raumverhältnisse von Oswaldsgarten reichten für den Nationalen Gesangs- wettstreit nicht aus, auch die Vergnügungsveranstaltungen für jung lind alt aufzunehmen. So mußte der Juxplatz jenseits des Eisenbahnviaduktes an die Lahn verlegt werden, und hier ist ein Tummelplatz geschaffen, wie er in der Tat nicht besser gedacht werden kann. Es werden Herrlichkeiten aufgestellt, wie sie noch nicht in Gießen gesehen sind, so z. B. ein mächtiges Tampskarussell, ein Kine- matograph, Schaukeln und Schiffsschaukeln fehlen natürlich nicht. Wir machen nachmals auf diese Filiale des Festplatzes aufmerksam.

** Das Wohltätigkeitsfest zum Besten deS russischen Roten Kreuzes in Darmstadt, wozu nun in Darmstädter Blättern ein Aufruf erschienen ist, findet am am 3. und 4. Juni im Garten des Alten Palais statt. Es sollen dort eine Anzahl Buden aufgestellt werden, die fol­gende Abteilungsdamen haben werden: Büffet: Frau Staats­minister Rothe Exz., Neckarstr. 7, Baronin Maximilian von Heyl, Weyprechtstraße 6, Frau Dr. Willy Merck, Anna- straße 15, Frau Kommerzienrat Rörer (Eisabteilung), Allee 19, Frau Louis Trier, Heinrichstraße 45. Blumenstand: Frei­frau von Niedesel Exz., Mathildenplatz 17. Champagner­bude: Frau Rittmeister Andrae, Hermannstraße 41, Frau Rittmeister Lößl, Rheinstraße 39, Baronin Oettinger, Karls- hof. Tambola: Frau Major v. Mackensen, Herdweg 61, Frau Sanitätsrat Dr. Maurer, Steinstraße 32. Pöstkarten- bude: Ihre Hoheit Prinzessin Franz Joseph von Battenberg, Prinz Emils-Garten. Russische Bude: Frl. o. Peterson, Wilhelminenstraße 33, Jreiin o. Dalwigk, Wilhelminenstr. 30. Das Komitee richtet daher an Jedermann die herzliche Bitte, dies Unternehmen der Wohltätigkeit durch Zuwendung von Gaben, sei es für die Buden, sei eS in bar, freundlichst unterstützen zu wollen. Jedes, auch das kleinste Geschenk, wird mit wärmstem Dank entgenommen. Den vorstehend genannten Damen oder der Russischen Gesandtschaft (Wil- Helmstr. 22) wolle man gefälligst zeitige Anmeldung der be­absichtigten Gaben zukommen lassen, besonders der für das Büffet bestimmten. Die Gegenstände für dasselbe bittet man am 3. Juni von 8 Uhr vormittags ab in die Küche des Alten Palais zu schicken.

Ginc Karte des nordöstlichen Taunus, worauf sämtliche Verkehrs- und Fußwege, sowie Eisenbahnen 2c. deutlich und übersichtlich eingezeichnet sind, ist die vom Taunus­klub herausgegebene und in 2. Auflage erschienene. Sie ist von der Schreibmaterienhandlung von Fritz Kühn für 1,20 Mk. zu beziehen. Auch die neue Herstellung der Wege nach dem Dünsberg ist auf der Karte berücksichtigt worden.

Sommerfrischen. Der hessische gemeinnützige Verein zur Vermittelung von Land- und Kuraufenthalten in Darmstadt hat, wie wir erwähnten, im vorigen Monat ein Verzeichnis der Sommerwohnungen im Odenwald, Vogels­berg und benachbarten Gebieten herausgegeben, welches un­entgeltlich durch den Geschäftsführer des Vereins, Rechnungs­und Kasseführer Harth, Darmstadt, Wilhelminenstraße Nr. 34, zu beziehen ist. Die lebhafte Nachfrage nach diesem umfang­reichen Heftchen zeigt, das die Ausgabe ein dringendes Be­dürfnis war.

-o- Bad-Nauhei m, 19. Mai. Das Theater unter Direktion Steingötter hat hier am Montag mit der Er­öffnungsvorstellungLiebesmanöver" und gestern mit Comteß Guckerl" erfreulichen Erfolg erzielt. Die Operetten­gastspiele sollen Dienstag, den 7. Juni, mitBettelstudent" ihren Anfang nehmen. Der Spielplan für die nächsten Tage ist der folgende: Samstag,Geschwister",Der zerbrochene Krug; Dienstag,Tilli"; Donnerstag,Herr Senator"; Samstag:Zähmung der Widerspenstigen".

w. Bad-Nauheim, 19. Mai. Das städtische Kurhospital Konitzky stift, eine Wohltätigkeitsanstalt mit vorzüglichen Bade-Einrichtungen und bester Ver­pflegung, ein Geschenk des verstorbenen Bremer Kaufmannes Konitzky an Bad-Nauheim, ist für arme unbemittelte Kranke das ganze Jahr geöffnet. In den letzten Wintermonaten vom November bis 1. April wurden 190 Kurgäste im Stift verpflegt; am 1. April waren zur Badekur daselbst noch 53 Patienten anwesend.

b. Friedberg, 19. Mai. In der letzten Sitzung der Großh. Handelskammer beantragte Müller-Bad-Nau- heim, dahin vorstellig zu werden, daß dem Zollamt in Bad-Nauheim die Befugnis erteilt werde, alle für Bad- Nauheim bestimmte Sendungen (große und kleine) in Bad- Nauheim zur Verzollung zu bringen. Die Kammer nimmt diesen Antrag einstimmig an. .

K.6. Darmstadt, 19. Mai. Die Stadver ordnete n- Versarnrnl ung beschloß in ihrer heute nachmittag ab­gehaltenen Sitzung, den schon provisorisch bei den Verhand­lungen zwischen der Negierung und der Stadtverwaltung