Ausgabe 
20.5.1904 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

A. Grünebaum

Bahnhofstr. 35 Giessen Bahnhofstr. 35

Telephon 441.

Vorteilhafteste Bezugsquelle für Möbel und Wohnungseinrichtungen.

In Nr. 14 des bekannten FachblattesDer Seifenfabrikant wird Kenntnis von folgender Bekanntmachung genommen, welche vor einigen Wochen in den neuert Hessischen Volksblätter erschiene ist: Zur Aufklärung. In Nr. 63 dieser Zeitung erschien unter der Ueberschrift:Ein Kapitel über Haushaltungsseifen und 'dreier or» derlichen Eigenschaften" ein Elaborat, unterzeichnet: Tr. S. -r anam könnte es den Anschein erwecken, als ob nur die dort er wann Seife den Anforderungen entspricht, die der Verfasser an eine gi Seife stellt. Ich sehe mich deshalb veranlaßt, zu erflaren, D B meine sämtlichen prima Kernseifen gestempelt mit der -r-chutzma Pseildreieck", die unter A. bis T. jenes Artikels erwähnten -- lüge in hervorragendstem Masse besitzen. Als eine Seife von 'sie Eigenschaften, wie die in genanntem Artikel erwähnte -»"l a Seite, die aber wesentlich billiger ist, wie diese, empfehle ica Inka-Seife." , C.M

Augu st Jacobi. Seifen- u. chem.-^abrik Darmstadt.

über den Umbau des HoftheaterS zugesagten Zuschuß von jährlich 20 OOO Mk. zu den Betriebskosten des Hof- theaters definitiv zu bewilligen; eine Debatte darüber fand nicht statt. Im weiteren Verlauf der Beratung wurde der städtische Voranschlag für 1904 mit unwesentlichen Abänderungen definitiv genehmigt, dessen Hauptzahlen wir bereits bei der Vorberatung ausführlich mitgeteilt haben.

R.-B. Darmstadt, 19. Mai. Der vierte Aus­schuß der Zweiten Kammer (Vorsitzender Abg. Weidner) 'tritt am Donnerstag nach Pfingsten zusammen, um die noch rückständigen Sachen zu erledigen, damit sie der Kammer bei ihrer Wiederzusammenkunft im Juni vorgelegt werden können. Es handelt sich hier namentlich um den Antrag David auf Beseitigung der Vorschulen, der Milchverkaufs, ordnung, der Errichtung eines Amtsgerichts in Gedern, der Entschädigung für an Maul- und Klauen­seuche gefallenen Rindviehes re.

sd. Darmstadt, 20. Mai. (Drahtbericht) Der ver­heiratete Güterbodenarb-iter Georg Rohmrg wurde heute vormittag auf dem Bahnhofe der Staatsbahn von einer Ma­schine erfaßt und an einen Wagen gedrückt. Die Verletzungen waren derart, daß er auf dem Transport nach dem Kranken- hause verstarb. 61

h. Hirschhorn, 19. Mar. Immer naher ruckt der 25. Mai, an welchem Tage die hiesige protestantische Gemei nde die Feier ihres 50 jährigen Bestehens be­gehen wird. Die dazu erforderlichen Vorarbeiten sind nun erledigt und das Festprogramm ist festgelegt. Der ereignis­volle Tag, der hoffentlich von schönem Wetter begünstigt sein wird, soll durch Choralmusik früh um 7 Uhr von der Höhe des Schloßberges eröffnet werden. Gegen 9 Uhr werden sich die Festteilnehmer und Gemeindeglieder am Bahnhof sammeln, um von dort nach dem Pfarrhaus zu ziehen, wo die Einweihung des früheren Schulsaales als Gemeindesaal erfolgen soll. Um * */, 11 Uhr wird der Fest- gotteSdienst beginnen, der durch die Mitwirkung der Fest­kapelle und des evangelischen Kirchengesangvereins Hirschhorn verschönt werden wird. Im Anschlüsse an den Gottesdienst wird der Superintendent der Provinz Starkenburg die Fest­gemeinde begrüßen. Um 3/i 1 Uhr findet im Gasthof Zum Naturalisten" gemeinsames Festessen statt und nachmittags um 3 Uhr eine öffentliche Nachversammlung, bei welcher Be­grüßungen, Ansprachen und musikalsiche Darbietungen mit einander wechseln werden. Allem Anschein nach werden sich von auswärts viele Festgäste einfinden, denn es gibt gar manchen, den angenehme Erinnerungen mit unserem so un­vergleichlich schön gelegenen Städtchen verbinden. Ans An­laß des Festes wird auch eine von unserem Ortsgeistlichen verfaßte Festschrift herausgegeben, die die Geschichte der früheren protestantischen Gemeinde Hirschhorn behandelt und dem s. Zt. ersten Geistlichen Kirchenrat Kalbhenn in Burg- Gräfenrode gewidmet ist.

Mainz, 19. Mai. Die gestern abgehaltene General­versammlung des Demokratischen Vereins hatte zahl­reichen Besuch. Der Vorsitzende Stadtv. M. M. Mayer er­stattete einen Bericht über politische und kommunale An­gelegenheiten, insbesondere über die hessische Wahlreform. Der Vorsitzende konstatierte, daß im abgelaufenen Jahre die Partei entschieden für den einzigen freiheitlichen Kandidaten im Wahlkreis Mainz-Oppenheim, Dr. David, bei der letzten Reichstagswahl eingetreten sei. Die hessische Wahlresorm sei trotz der Mängel, die ihr noch anhafteten, mit großer Freude zu begrüßen. Er hoffe, daß beide Kammern den Entwurf annehmen; auch der Großherzog nehme lebhaften Anteil an dem Zustandekommen der Wahlreform.

* Berlin, 20. Mai. DasB. T." meldet aus Dresden: Der Bauunternehmer Olbricht wurde unter dem Verdacht betrügerischen Bankerotts verhaftet.

* Köln, 19. Mai. Nachträglich wird bekannt, daß es ge­legentlich der Kirmesfeier in Buor (Westfalen) zu großen Ausschreitungen gekommen ist. Ms diese nach Hunderte zählende Menge, darunter meistens Holländer, eine drohende Haltung gegen die Polizei einnahm, ging diese mit blanker Waffe vor und verwundete zahlreiche Personen. Der Haupturheber, sowie sieben Beteiligte wurden verhaftet. Ein Polizist erhielt einen Messerstich, ein zweiter trug gering­fügige Verletzungen davon. Erst als die Gendarmerie mit blanker Waffe einschritt, ging die Menge auseinander.

*Fünskirchen, 19. Mai. In Siklos und Baranya Vaszar ging ein verheerender Hagelschlag nieder, wodurch die Saaten in vier Gemeinden vollkommen vernichtet wurden. Der Schaden wird auf eine Million Kronen geschätzt.

* Kiew, 19. Mai. Gestern nacht stieß bei starkem Sturm der von Kiew auf dem Dniepr nach Jekaterinowslaw fahrende PersonendampferZar" bei der Landestelle Prochorowka auf eine holzbeladene Bark. Letztere sank. Sieben im Jnnenraum befindliche Arbeiter kamen um. Der Dampfer erlitt Be­schädigungen.

* Der alte Satz. Wie dieStraßb. Post" mitteilt, be­richtet derElsässer" aus Altkirch: Die heutige Nummer des hiesigen Kreisblattes enthält nachstehende Anzeige:Hirsingen sucht tüchtigen Mann zum Aufziehen der Turmuhr. Lohn: z u- näch ft keiner, später bei guten Leistungen verdoppelt". Tas erinnert dieF. Z." an die Anekdote vom alten Wrangel. Einst brachte am Neujahrstage dem alten, reichen, aber geizigen Feldmarschall eine Militärkapelle ein Ständchen. Der alte Herr dankte dem Kapellmeister, lupfte seinen Geldbeutel und fragte: Was habe ich den Leuten denn voriges Jahr gegeben?" Exzellenz haben bisher nichts gegeben,", meinte der Kapell­meister verlegen.9hm, dann wollen wir diesen Satz auch ferner beibehalten!" sagte befriedigt der Feldmarschall.

* Z u früh gefreut. Ein englischer Pädagoge erzählt nachstehende kleine Geschickte aus den Anfängen seiner Laufbahn als Lehrer: Seine erste Anstellung erhielt er in einer Dorfschule in Neu-England. Tie Leute in der Nachbarschaft gaben ihm als Entgelt Kost und Wohnung. Eines Tages lief ihm ein Knabe ganz atemlos entgegen:Sagen Sie, Herr Lehrer", brachte er mühsam heraus,mein Vater möchte wissen, ob Sie gern Schweinebraten essen." Gewiß esse ich Schweinebraten gern", er­widerte der Lehrer, der annahm, daß der knickrige Vater des Knaben sich entschlossen hatte, ihm etwas Schweinefleisch zu schicken.Sage Deinem Vater nur, wenn ich überhaupt etwas auf der Welt gern esse, so ist es Schweinebraten!" Die Zeit verging, aber es kam kein Schweinebraten. Eines Tages tra der Lehrer den Knaben allein auf dem Schulhof.Wie steht es denn mit dem Schweinebraten?" fragte er.O", erwiderte der Knabe,das Schwein ist wieder gesund geworden. . . ."

*DerEinfluß des Examens auf den Blutdruck. Seltsamer Weise ist die Wirkung des Schulexamens auf die Ge­sundheit von schulärztlicher Seite bis jetzt wenig beachtet worden, was seinen Grund wohl darin haben dürfte, daß es sich dabei um ein vorübergehendes Ereignis handelt. Immerhin ist der Ein­fluß des Examens auf das Befinden des Schülers nicht gleich- gilttg. Aufregungszustände und Nervosität stellen sich auch bei

dem gesunden Schüler in dieser Periode ein, bei von Haus aus nervenschwachen und reizbaren können sich diese Begleiterschein­ungen zu schweren geistigen Störungen steigern und bei manchen Fällen von .Kinderselbstmord wird gar nicht selten ^Furcht vor dem Examen" als Ursache angegeben. Ein öftreichiicher Arzt hat jüngst bei Schülern von 10 bis 16 Jahren die Höhe des Blut­druckes vor, während und nach dem Examen gemessen, ebenso das Verhalten des Pulses, um den erregenden Einfluß dieses Faktors auf das Herz festzustellen. In den meisten Fällen fand sich vor dem Examen eine Erhöhung des Blutdruckes und eine Beschleunigung des Pulses, nach dem Examen eine Verminderung. Bei den Schülern der höheren Klassen war die Blutdruckfteiger- ung stärker ausgeprägt, wie bei denen der niederen Klassen. Auch die Pädagogen sind bekanntlich auf das Examen schlecht zu sprechen. Paulsen nennt es ein notwendiges Uebel und plädiert für seine Einschränkung. Aerzte und Schulmänner dürsten demnach in dieser Frage einig sein.

* Ueber die Verbreitung der Juden veröffentlicht Professor Hamann in einer längeren Arbeit die folgenden stati­stischen Angaben. Es gibt im ganzen 11 Millionen Juden. Von ihnen leben in Europa gegen 8 Millionen, in den Vereinigten Staaten von Amerika 1 Million. In Rußland wohnen 5 500 000, in Oesterreich 1860 000, in Deutschland 568 000, in Rumänien 300 000, in England 200 000, in der Türkei 120 000, in Holland 97 000, in Frankreich 77 000, in Italien 50 000, in Bulgarien 31 000, in der Schweiz 12 500, in Griechenland 5800, in Serbien 4700, in Dänemark 4000, in Schweden 3400, in Belgien 3000, in Spanien 2500, in Portugal 300 Juden.

Sport.

(th.) Gießen. 20. Mai. Mit dem Monat Mai sind auch die Züchter von Brieftauben wieder in Tätigkeit, den für die Militärverwaltung, besonders im Falle eines Krieges, so überaus wichtigen Brieftauben s Port zu betätigen. Der Brieftauben- Klub Gießen, welcher sich in den wenigen Jahren seines Bestehens überaus kräftig entwickelt hat, schloß sich vor etwa 3 Jahren der Mitteldeutschen Reisevereinigung an, deren Mitglieder in diesem Jahre ihre Tiere um die ausgesetzten Staatspreise, u. a. 2 goldene Medaillen, von Hannover aus in Konkurrenz treten lassen. Das Training der Tauben für diesen Flug hat bereits am 7. Mai begonnen. Die Gießener Tauben haben die Strecken Marburg-Gießen. Treysa-Gießen bereits zurückgelegt und werden Sonntag die Reise Gnntershausen-Gießen macken. Am folgenden Sonntag, am 29. Mai, werden die Gießener Tauben von Wabern aus, das erstemal gemeinsam mit den Tieren der gefaxten Reise­vereinigung angeh renden Briestaubcn-Vereine aufgelassen werden, um in die heimischen Sckläge zurückzuflieg >n. Am 5. Juni wird das Training auf Nordheim ausgedehnt, und bann am 12. Juni von Hannover aus der Preisflug um die Staatspreise angetreten, welcher bis Gießen in der Luftlinie 220 Kilometer beträgt. Die Mitteldeutsche Reisevereinigung wird dann von Hannover noch vier Etappen weiter die Reise mit ihren Tauben ausdehnen, und zwar über Barbv a. d. Elbe - Zossen - Sternberg (Neumarki bis Buk (Posen). Der Weg der ganzen Strecke Gießen-Buk^ beträgt 560 Kilometer Luftlinie. Am vergangenen Sonntag ließ der Verein für BrieftaubenzuchtAlfatia" zu Straßburg seine nach Gießen gesandten Tauben von hier aus fliegen. Die Tiere hatten um 8,35 Uhr Gießen verlassen, und nach Mitteilungen aus Straßburg waren die ersten Tiere bereits um 12,5 Uhr in ihrem heimischen Schlage wieder eingetroffen.

Gerichtssaal.

Frankfurt a. SQL, 19. Mai. Jin Oktober v. I. war der verheiratete Bauer L. Pkann aus Schnepfenreuth in Franken m i t feiner Dienstmagd d u r ch g e b r a n n t. Der Reisende E r ii st Westhäufer aus Frankfurt a. M. suchte nun von Zürich aus die verlassene Bauersnan zu veranlassen, 3 325 Mk, an ihn zur Abfindung für die mit dem Bauer in Zürich weilende Dienstmagd zu schicken, dann werde der ungetreue Ehemann reuig zurückkehren. Er hatte aber nicht den geringsten Auftrag zu seinem Vorgehen Tie Bauersfrau ging auch nicht auf den Leim, erstattete vielmehr Anzeige. Jetzt wurde der Reisende von der Straffammer in Fürth wegen versuchten Betrugs zu 15 Monaten Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt.

Trier, 19. Mai. Tas Kriegsgericht verurteilte in dem großen Soldatenmißhandlungsprozeß des 29. Re­giments die beiden Feldwebel Stanike und Unterberg zu 9V2 Monaten Gefängnis und Degradation.

Wegen Majestätsbeleidigung und wegen Beleidig­ung von Mitgliedern des kaiserlichen Hauses ist in Hanau ein Tagelöhner zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt worden.

Univerllläts Nachrichten.

Dem württcmb.Staatsanz." zufolge hat das Kultusministe­rium angeordnet, daß reicksangehörige weibliche Personen unter den gleichen Voraussetzungen wie männliche Personen an der Universität Tübingen als ordentlich eStudierende immatrikuliert werden können.

Kandwirtschast.

Budapest, 19. Mai. 'Amtlicher Saateustandsbericht des Ackerbauministeriums vom 15. Mai): Sämtliche Saaten leiden unter Trockenheit und Regenmangel. Der Weizen steht teils be­friedigend, teils schwächer. Ausgiebige Niederschläge würden die Ernteaussichten bedeutend bessern. Roggen steht besser. Gerste befriedigend, Hafer schwach, Mais unentwickelt, Zuckerrübe kaum befriedigend. __

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berliner Börse vom 19. Mai 1904.

(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.)

Die Botte verkehrte in recht fester Haltung, wozu wohl in erster Linie die auffallende Japaner Steigerung in London die Ver­anlassung gab. Bevorzugt waren wieder die Anteile der Diskonto- Kommandit-Gesellschaft, für welche eine andere hiesige Bank als großer Käufer auftrat und woran sich wieder alle möglichen vagen Gerüchte knüpften. Des weiteren waren Kohlenaktien, speziell Harpener, böher, ohne daß besondere Motive bekannt wurden. Von den Renten verkehrten die Pariser Werte in guter Haltung, nament­lich für Spanier macht sich hier wieder etwas Interesse bemerkbar und sieht man für diese wie für Türken bessere Kurse. Auf dem Kassamarkte waren alle schlesischen Werte bevorzugt und höher.

Privat-Diskont 38/8 Prozent.

Anfangs- u. Schlußkutte.

Tendenz: Fest.

Oest. Kredit.

*

. 200.80

200.87

Deutsche Bank

. 218.75

218.37

Darmstädter Bank

. 136.50

136.50

Bochumer Guß .

. 191.00

191.25

Harpener Bergbau

. 196.70

197.60

Meteorologische Beobachtungen

der Station Gießen.

Mai 1904.

Barometer auf 0° reduziert

Temperatur der Luft

Absolute Feuchtigkeit

Relative Feuchtigkeit

Windrichtung

Windstärke 1

Welter

19.

226

748,5

15,7

6,2

47

W.

4

Sonnenschein

19.

93S

751,1

10,4

5,8

62

WNW

2

Heller Himmel

20.

72»

753,7

8,5

5,7

69

E.

2

Sonnenschein

Höchste Temperatur am 18. bis 19. Mai = 4- 16,5C.

Niedrigste , 18. 19. =4- 9,5 °C.

Gießener landwirtschaftlicher Wettervlenft

Voraussichtliche Witterung in Heften für Samstag den 21. Mai 1904: Windig, zeitweise wolkig, tagsüber wärmer bet kühler Nacht, trocken.

Näheres durch die Gießener Wetterkarte.

Schiffsnachrichten.

Norddeutscher Lloyd.

In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz.

Bremen, 18. Mai. (Per transatlantischen Telegraph). Der Doppelschraubew-SchnellpostdampferKaiser Wilhelm der Große", Kapitän L. Cüppers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 12 Uhr mittags wohlbehalten in Newnork angekommen.

Neueste Weidlingen.

Lriginaldrahtnteldnngett des Gießener Anzeigers.

Lü11ick, 20. Mai. In Charleroi wurde ein Attentat gegen den Direktor der Glas-Fabrik von Jumet begangen. Ein Fabrikarbeiter gab auf ihn drei Schüsse ab, welche ihn an Kopf und Hüfte verletzten. Der Arbeiter, in der Meinung, er habe den Direktor getötet, erschoß si ch alsdann selbst. Die Verletzungen des Direktors sind nicht lebensgefährlich.

Bozen, 20. Mai. Ein Erdbeben in den südlichen Ada- mello-Bergen veranlaßte einen Bergsturz von der Buciaga- Kette im Fumo-Tal und Adamo-Tal. Mehrere Alphütten wurden zerstört. Es ist unmöglich der Stätte der Verwüstung näher zu kommen, da ungeheure Schneemassen den Zugang verlegen.

Vom Kriege.

London, 20. Mai. Da von dem Linie nschiff Hatsnse, das 741 Mann Besatzung hatte, 300 gerettet wurden, so beziffert sich der japanische 23 er lüft an Menschenleben auf 441 Mann. Der geschützte Kreuzer Baschino, der vom Kasuga angerannt wurde, hatte eine Besatzung von 385 Mann. Von dem Kriegsschiff entkamen nur 90 Mann. Somit beläuft sich der teils durch die russische Mine teils durch den Unglücksfall der japanischen Flotte zugefügte Verlust auf 736 Mann, ganz abgesehen von dem bedeutenden Gefechtswert, welchen die beiden japa­nischen Kriegsschiffe darstellten.

Tientsin, 19. Mai. «Reuter.) Nach Meldungen aus Niutschwang sind dort in Kreisen, die im allgemeinen gut unterrichtet, Gerüchte verbreitet, nach denen die japa­nische Armee am Jalu eine ernstliche Schlappe erlitten habe und gegen Föngwangtschöng zurück- ged rängt worden fei.

Paris, 20. Mei. Einer Meldung des Newyork Herold zufolge herrscht in Petersburg Besorgnis wegen de 8 Wladiwostok-Geschwaders. Die Japaner hatten listigerweise ein Transportschiff in die Nähe von Wladiwo­stok gesandt. Bei dessen Sichtung sei das russische Geschwader ausgefahr^n und habe, von japanischen Kriegsschiffen ver­folgt, in einer kleinen Bucht Zuflucht gefunden. Näheres ist noch unbekannt.

Petersburg, 20. Mai. Nach einer Meldung der Nowojo Wremja" soll auf Befehl des Mikado in Tokio eine anglikanische Kirche auf Staatskosten erbaut werden. Japan wolle hierdurch zeigen, daß es beabsichtige, die christliche Religion anzunehmen, und sich von den asiatischen Staaten abzusondern.

London, 20. Mai. Aus Odessa wird berichtet, die g e - famte Schwarze Meer-Flotte erhielt Befehl, sich sür den 1. August bereit zu halten. Man glaubt, daß das Geschwader auf Grund einer Verständigung mit der Türker die Erlaubnis erhalten wird, zu dem baltischen Geschwader zu stoßen, um, vereint mit diesem, nach Ost- asien zu gehen. Vorläufig hält das Geschwader Manöver­übungen in dem Meerbusen der Krim ab.

Petersburg, 20. Mai. Graf Lambsdorsf hatte eine längere Unterredung mit den verschiedenen Vertretern der Mächte über die Haltung Chinas Er wies besonders auf die Notwendigkeit für sämtliche Regierungen hin, in Peking auf eine strikte Beobachtung der Neutralität hinzu­wirken. Der chinesischen Regeirung müsse namentlich nahe­gelegt werden, auch die Bevölkerung auf die strikte Inne­haltung der Neutralität aufmerksam zu machen und strengste Bestrafung für jede Ueberschreitung anzudroben.

Mukden, 20. Mai. Hier sind nur widersprechende Meldungen über die japanischen Truppenbewegungen östlich und südlich von Liaoyang zu erhalten. Die Japaner ver­lassen, wie es heißt, die Umgebung von Kaitschou und dringen auf die Gebirgspässe östlich von Haitscheng ein.

London, 20. Mai.Daily Mail" meldet aus Peters­burg, zwei von den Russen in den Vereinigten Staaten er­worbene Transportdampfer seien unbehelligt in Wladiwo­stok eingetroffen.

Telephonischer Kursbericht.

l-'i'Hnktnrt a. JJ.. 20. Mai.

3V2n/o Reichsanleibe . . 101.90 8n/n do. ... 89.50 3*/,% Konsole .... 101.90 3°do.....89.50

1' 'e°/p Hessen .... 99.75 37Oberhessen . . .. 4% Oesterr. Goldronto . 100.90 4'Gestern. Silberrente 10010 4So Un"ar. Goldrente . . 99.10 4''.'i Italien. Rente . . . 102.00 4' ,56 Portugieser ... 59.80 ?,o/ Portugiesen.....58.40

C. Türken ....

Türkenlose .....128.60

4°/o Grieoh. Monopol-Anl. 46.60 4*'.% äussere Argentinor.

RO/n Mexikaner . . 26.50

tV/Vn Chinesen . . . 86 50

Electric. Schuckert . . . 105.20

Nordd. Lloyd . . . . 10310

Kreditaktien . . , . 201.60

Diskonto-Kommandit, . 185.50

Darmstädter Bank . . 136.70

Dresdener Bank .... 151 50 Berliner Handolsges. . . 153.00 Oesterr. Staatsbahn . . . 137.00 Lombarden . ... 13.40

Gotthardbahn .... 191.00

Laurahütte..... 241.25

Bochum.......191.00

Harpener . . . 198.40

Tendenz: fest.