Per Aufkand in Aeutsch-Südwegafrika.
Privatnachrichten au§ Südwestafrika zufolge sollen die Hereros noch für zwei Jahre mit Munition versehen sein. Für den weiteren Truppentransport nach Deutsch-Südwestafrika sind von der Reichsregierung die Lloyddampfer Schleswig und Aachen gechartert worden.
Von den 90 Mann, die sich freiwillig von der 16. Division in Trier für Südwestafrika gemeldet haben, begleiten den Generalleutnant v. Trotha Hauptmann Manger und Leutnant Gisselmann vom 29. Jnf.- Regiment, Leutnant v. Ameln vom 161. Regiment und 29 Mann und 10 Unteroffiziere verschiedener Regimenter.
Generalleutnant v. Trotha ist am Mittwoch abend von Trier abgereist. Die Bevölkerung bereitete ihm einen herzlichen Abschied. Ter Adjutant des Prinzen Joachim Albrecht von Preußen teilt der ,,Nat.- Ztg." mit, der Prinz werde nach endgiltiger Entscheidung an dem Feldzuge in Südwestafrika nicht teilnehmen.
Deutsches Deich.
Berlin, 18. Mai Ter Kaiser begab sich heute von Kummersdorf nach Berlin und besuchte nachmittags mit der Kaiserin die Kunstausstellung im Landesausstellungsvark.
— Die kaiserliche Familie wird auch in diesem Sommer Aufenthalt auf Wilhelmshöhe nehmen. Sie soll am 11. Juli dort eintreffen.
— Der Geh. Oberregierungsrat und Vortragende Rat im Reichsamt des Innern Dr. v. d. B o r g h t ist nach der „Reuen polit. Korr." zum Präsidenten des Kaiserlich-Statistischen Amts ernannt worden. (Dr. v. d. Borght war ursprünglich in Aachen Handelskammersekretär, dann Professor an der dortigen technischen Hochschule. Als preuß. Landtagsabgordneter wurde er ins preuß. Ministerium und dann ins Reichsamt des Innern berufen. D. Red. d. „Gieß. Anz.">
— Der Antrag des Reichstagsabg. Dr. Becker-Offenbach auf „reichsgesetzliche Regelung des Verhältnisses zwischen Krankenkassen und Aerzten, erforderlichenfalls auch außerhalb des Rahmens einer Gesamtreform des Krankenversicherungsgesetzes", findet in den Kreisen der deutschen Aerzte allgemeine und freudige Zu st immun g. Auch in Berlin sind bereits entsprechende Resolutionen gefaßt und dem Abg. Dr. Becker übersandt worden.
— Der Ausschuß des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie veröffentlicht einen Aufruf „An alle Deutschen ohne Unterschied des religiösen und politischen Bekenntnisses, sich ihm zur Niederwerfung der Sozialdemokratie anzuschließen, um die Bahn für eine große Zukunft Deutschlands wieder frei zu machen". Der Mindestbeitrag für ein Jahr beträgt eine Mark.
— Den Bundesregierungen wurde vom Reichskanzler der Entwurf einer neuen Maß- und Gewichtsordnung mit dem Ersuchen um Prüfung mitgeteilt. Der Entwurf wird demnächst mit Erläuterungen veröffentlicht, um weiteren Kreisen Gelegenheit zur Meinungsäußerung zu geben.
P o sen , 18. Mai. Major En dell wurde heute zum Vorsitzenden des l an d w ir t s ch a ftlich e n Kr e i s v e r ein s ernannt. Damit ist Endell wieder an die Spitze der Posener Landwirtschaft gelangt.
Leipzig, 18. Mai. Bekanntlich hatte die letzte kreishaupt- mannschastliche Verfügung den Mitgliedern der Ortskrankem taffe die Wahl unter sämtlichen Leipziger Aerzten bis zur Höchstzahl von 375 gelassen. Jetzt hat das unter der Leitung des sozialdemokratischen Stadtv. Pollender arbeitende „Aktionskomitee für Arztsachen", mit anderen Worten der Kassenvorstand, eine Arztliste aufgestellt, welche die Namen von nur 139 Aerzten enthält. Diese setzen sich zusammen aus 80 bisherigen Distriktsärzten und nur 59 bisherigen Kassenärzten. Es werden also 171 Kassenärzte boykottiert! Es fragt sich nun, ob sämtliche Kassenmitglieder auf diesem Wege folgen werden, und ob nach Wiedereinführung der Familienbehandlung — dann kommen 350 000 Personen in Betracht — die oberste Aufsichtsbehörde die Aerztezahl, 139, als genügend erachtet, woran wohl stark zu zweifeln ist. Das Aktionskomitee sucht die Sache so darzustellen, als ob man das zur Verfügung stehende Pauschalhonorar nicht auf 300, sondern nur auf 59 Kassenärzte verteilen wolle, damit diese wenigstens zufriedengestellt würden. Verteile sich dagegen das Pauschalhonorar auf die gesamte Anzahl, so käme auf jeden Arzt ein so geringer Bruchteil, daß die Kasse auf neue erhöhte Honorarforderungen der Aerzte gefaßt sein müsse. Diese Vor- sorglichkeit ist verdächtig übereilt. Warum wartet die Kasse nicht, bis die Aerzte tatsächlich eine höhere Pauschale beanspruchen, um dann eine Verminderung der Aerztezahl zu beantragen?
Stuttgart, 18. Mai. Die Kommission der Abgeordnetenkammer hat den Antrag auf Einführung des Neunstunden- t a g e s in den Staatswerk st ätten mit allen Stimmen gegen diejenigen der Sozialdemokraten abgelehnt.
Aus Stadt und Sunil.
Gießen, 19. Mai 1904.
*' Hoftrauer. Se. Königs. Hoheit der Groß Herzog geruhten wegen des Ablebens Ihrer König!. Hoh. der Erb- großherzogin Pauline von Sachsen-Weimar-Eisenach eine Hoftrauer vom 17. bis einschließlich 24. Mai anzuordnen.
" Personalien. Se. K. H. der Großherzog haben einer größeren Anzahl von Eisenbahnbeamten in der Hess.-Preuß. Eisenbahngemeinschaft die unkündbare Anstellung verliehen, darunter in Gießen den Zuführern Heinrich Scherz und Emil Kallenbach und dem Packmeister Georg Schäfer. — In den Ruhestand versetzt wurde der Bahn- tvärter in der Hess.-Preuß. Eisenbahngemeinschaft Heinrich Schmidt zu Langsdorf mit Wirkung vom 1. Juli 1904.
"Die Kanalisation. Oberbaurat Schmick aus Darmstadt, welcher die Pläne für die Kanalisation der Stadt Gießen entworfen hat und unter dessen Oberleitung die Ausführung derselben erfolgt, wird Mittwoch, den 8. Juni, abends 8 Uhr, in einem öffentlichen Vortrage die ganze Anlage und insbesondere die auf den anzuschließenden Grundstücken und in den Häusern zu treffenden Einrichtungen erläutern. Rach der Einführung der allgemeinen Versorgung mit einwandfreiem Wasser ist die allgemeine Kanalisation die wichtigste Anlage, die unsere Stadt seither durchgeführt hat. Durch die Wasserleitung ist der früher hier so häufige Typhus fast ganz beseitigt und die Kanalisation wird den Gesundheitszustand unserer Bevölkerung noch weiter heben. Unsere Stadt hat schon jetzt — nach Ausscheidung der Sterbefälle Auswärtiger in den Universitätskliniken — eine geringe Sterbezahl und in einigen Jahren wird sie voraussichtlich zu den gesundesten Städten Deutschlands zählen. Bei der außerordentlichen Wichtigkeit des Gegenstandes ist jedem der Besuch des Vortrages anzuraten. Wo der Vortrag gehalten wird, soll Anfang Juni bekannt gegeben werden.
" B e s i tz w e ch s e l. Der Molkereibesitzer Persyn kaufte das Anwesen Lindenplatz 8 für 17 000 Mk. von H. Schaum- berget.
'* Nationaler Gesangs-Wettstreit. Der große Festzug, welcher am Montag, den 23. d. Mts., mittags 1 Uhr,
vor dem Walltor seine Aufstellung nimmt, wird sich durch die folgenden Straßen bewegen: Walltorstraße, Lindenplatz, Kirchenplatz, Marktplatz, Schulstraße, Neuenbäue, Ludwigs- platz, Grünbergerstraße bis Moltkestraße; hier Gegenzug über Grünbergerstraße, Gartenstraße, LudwigSplatz, Südanlage, Seltersweg, Kreuzplatz, MäuSburg, Marktplatz, Marktstraße, Bahnhofstraße, Westanlage nach dem Festplatze. Ein allgemeines Beflaggen der Häuser ist dringend erwünscht. Es sei an dieser Stelle auf das diesbezügliche Inserat in der heutigen Nummer hingewiesen.
" Das 31. Gauturnfest des Gaues Hessen wird vom 9.—11. Juli dss. Js. in Usingen abgehalten. Auf Veranlassung der Turngemeinde Usingen sind verschiedene Ausschüsse gebildet worden, welche die Vorarbeiten aufs eifrigste betreiben. Als Festplatz ist ein sehr geeigneter, großer Platz in unmittelbarer Nähe der Stadt ausersehen, von welchem sich eine prachtvolle Aussicht auf den Taunus bietet. Ein allen Anforderungen entsprechender, geräumiger Turnplatz ist in erster Linie vorgesehen. Das Festprogramm ist sehr reichhaltig.
" Wernings Kriegsfestspiele. Die hiesigen Kriegervereine haben in einer gemeinschaftlichen Sitzung über die Verwendung des Festspielfonds im Jahre 1903 Rechnung abgelegt, wobei die satzungsgemäße Verwendung der Gelder dargelegt wurde. Es haben verausgabt: der Kriegerverein 80 Mk., der Veteranenverein 50 Mk., die Kriegerkameradschaft 120 Mk. Der Gardeverein hat im vergangenen Jahre Unterstützungen aus dem Fonds nicht gewährt.
" Aus Kurhessen, 18. Mai. Die Landwirtschaftskammer in Kassel sieht sich genötigt, gegen die im Bezirk Kassel zunehmende Güterschlächterei zu Felde zu ziehen. In einem an die landwirtschaftlichen Vereine gesandten Schreiben heißt es: „In unheimlicher Weise mehren sich in letzter Zeit die Nachrichten über die zunehmende Güterschlächterei in unserem Bezirk. Ganz abgesehen von den kolossalen Summen, welche die Güterschlächterei verdienen und aus den Dörfern hinaustragen, gibt es doch weiter zu schweren Abhängigkeitsverhältnissen der Bauern diesen Händlern gegenüber Veranlassung". Die Landwirtschaftskammer will gegen dies Verfahren der Händler, Güter in kleinen Teilen aus Gewinnsucht zu veräußern, bei der Behörde vorstellig werden, und ersucht die Kreisvereine um Material hierzu.
"Pferde-Lotterie. In die Kollekte des Karl Panser siel bei der Ziehung der gestrigen Darmstädter Pferde-Lotterie der 12. Preis, 1 Pferd.
” Erholungsurlaub im Handelsgewerbe. Der Verband Deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig sendet uns folgende Zuschrift:
In einzelnen Handelsbetrieben werden in diesen Tagen Ver- iügungen getroffen, zu welcher Zeit Prinzipal und Angestellte ihren Erholungsurlaub in diesem Jahre antreten. Denn die schöne Sitte des Urlaubs bürgert sich auch in Deutschland immer mehr ein, während sie in dem hochentwickelten Geschästsleben Englands und der Vereinigten Staaten von Nordamerika schon lange besteht. Auch der einsichtsvolle deutsche Prinzipal erkennt heute an, daß der Angestellte nach einer dauernden Erholungszeit schaffensireudiger zurückkehrt, und zugleich hält er es für eine Ehrenpflicht, sein Interesse am Wohl und Weh seiner Mitarbeiter artch durch Gewährung eines Urlaubs zu bekunden. Bei gegenseitiger Vertretung wird dem Angestellten der Urlaub ohne Beeinträchtigung des Geschäftsbetriebes gewährt werden können.
r Ob er- Bess ingen, 18.Mai. Gestern mittag zwischen 12 und 1 Uhr wurde der Besitzer der Horstenburg, A. Schmidt, in seiner eignen Wirtschaft überfallen und mit einem Steinhauerhammer übel zugerichtet. Der Täter, ein gewisser Brück von Nonnenrod, war vorher mit Sch. allein im Wirtszimmer und ließ sich aus bis jetzt noch unaufgeklärten Gründen zu der unseligen Tat hinreißen. Die Ehefrau Sch.'s fand ihren Mann mit tiefen Wunden am Kops und Brust bewußtlos vor. Die Verletzungen Sch.'s sollen nach Aussage des Arztes, der mehrere Knochensplitter vom stark beschädigten Schädel entfernt hat, schwer sein. Das Gericht war zur Feststellung des Tatbestandes abends noch erschienen, doch ist Sch. bei seinem jetzigen Zustande kaum vernehmungsfähig. — Den Täter Brück hat man heute morgen als Leiche aus einem bei Nonnenrod gelegenen Teiche geländet. Die Tat stellt sich als ein schon länger geplanter Racheakt dar.
Mainz, 18. Mai. Vor einigen Wochen wurde der V i z e f e l d w e b e l M ü l l e r, der als Zahlmeisteraspirant beim hiesigen Bezirkskommando tätig war, wegen Unterschlagung von 3000 Mark zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe und den üblichen Nebenstrafen verurteilt. Jetzt erst wird bekannt, daß Müller ein Los spielte, das bei seiner Verhaftung zwei Bekannte von ihm übernahmen. Einen Tag nach seiner Verurteilung wurde das LoZ mit 10 0 00 Mark gezogen! — Wegen Majestätsbeleidigung angezeigt wurde nach dem „M. Tgbl." der Kapitän eines hier vor Anker liegenden Schiffes. Die Matrosen eines Schiffes haben die Anzeige erstattet und behaupten, daß der Kapitän ihnen gegenüber die beleidigende Aeußerung über den Kaiser getan habe.
Wiesbaden, 18. Mai. Das Institut Colonial International verhandelte heute über die Frage der Bergwerksgesetzgebung für die Kolonien. Berichterstatter war Paul de Valroger-Paris. Valroger sprach sich gegen jeden Staatsbetrieb als wirtschaftlich unzweckmäßig aus. Hiergegen trat Admiralitätsrat Prof. Dr. Köbner- Berlin für die Zweckmäßigkeit staatlichen Bergwerkseigentums wenigstens hinsichtlich eines Teils der Bergwerke einer Kolonie unter gewissen Voraussetzungen ein. Der frühere holländische Minister Pierson trat Köbner bei und berichtete über die günstigen Erfahrungen, die mit den staatlichen Bergbetrieben in Niederländisch-Jndien gemacht seien. Alsdann wurde die Frage der verschiedenen Bewässerungssysteme in den Kolonien erörtert. Berichterstatter war der frühere Staatsingenieur in Niederländisch-Jndien Post. Die Bewässerungsfrage soll nach Sammlung von Material aus den verschiedenen kolonialen Staaten im nächsten Jahre nochmals behandelt werden. Ebenso wurde beschlosien, auch die Frage der Berggesetzgebung wiederum auf die nächste Tagesordnung zu setzen. In der Nachmittagssitzung wurde zunächst beschlossen, als neue Verhandlungsgegenstände auf die nächste Tagesordnung zu setzen: 1. die Ergänzung des kolonialen Beamtenstandes, Referent der frühere holländische Generalgouverneur Pinajker Hordijk; 2. die Kreditgewährung an Eingeborene. Referent Legationsrat Zimmermann. Hierauf wurde als letzter Gegenstand der diesjährigen Tagesordnung die Organisation >des Kapitals in den Kolonien behandelt. Der Referent
Dr. Scharlach-Hamburg führte aus, es genüge nicht bloß'ein ideelles Jntereffe für die Kolonien, sondern erst, wenn weiteste Kreise des Heimatlandes mit eigenem (Selbe an kolonialen Unternehmungen interessiert seien, könne eine wirklich volkstümliche Kolonialbewegung bestehen. Die Kapitalien, welche in Lotterien und fremdländischen Anlagen massenhaft investiert seien und in letzteren vielfach verloren würden, müßten den eigenen Kolonien zu Gute kommen. Dr. Scharlach vertritt die Einführung von kolonialen 20-Markaktten. Auf Anregung Sir Hubert JerninghamS wurde beschlossen, die Frage bis zur nächsten Tagung nochmals einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. In seinem Schlußworte erklärte Dr. Scharlach, daß er seinen Grundgedanken der Gewinnung des nationalen Kapitals für die Kolonien unbedingt aufrecht erhalte.
Frankfurt a. M., 18. Mai. Heute nacht ereignete sich auf der Landstraße zwischen Forsthaus Gehspitz und Mitteldick ein schwerer Automobil-Unfall. DaS Automobil fuhr gegen einen Lastwagen, so daß die drei Jnsaffen, eine Dame aus Newyork, ein Mechaniker und der Chauffeur, herausgeschleudert wurden. Die Dame und der Mechaniker wurden schwer verletzt, während der Chauffeur nur leichtere Verwundungen davontrug.
Universität Hießen.
Drittes Verzeichnis der neu immatrikulierte» Studierenden.
Juristische Fakultät.
K. Mickler, Klein-Krotzenburg, Bleichstr. 21.
A. Reinbrecht, Sondershausen, Westanlage 27.
K. Erbgraf von Schlitz, gen. von Görtz, Schlitz, Bahnhofstr. 89. Medizinische Fakultät.
D. Berg, Med., Oberhausen, Bleichstr. 13.
F. Decker, Med., Worms, Schillerftr. 24.
W. Ellering, Med., Bocholt, Bleichstr. 13.
A. Escher, Med., Katernberg, Walltorstr. 35.
W. Ferber, Med., Wörrstadt, Ludwigspl. 15.
H. Greeven, Med., M.-Gladbach, Liebigstr. 67.
F. Gronarz, Med., Düsseldorf, Seltersweg 35.
P. Langer, Tierhlk., Mühlsdorf, Wilhelmstr. 1.
P. Möckel, Med., Ziegenberg, Frankfurterstt. 25.
Ä. Ritter, Tierhlk., Kirchheimbolanden, Walltorstr. 35.
H. Rosenberg, Med., Bonn, Frankfurterstr. 93.
H. Ruegenberg, Med., Olpe, Frankfurterstr. 72.
K. Stein, Tierhlk., Grünberg, Grünbergerstr. 117. Philosophische Fakultät.
R. Bosch, Forstw., Gut Bernau, Bismarckstr. 38.
P. Coqui, Pharm., Magdeburg, Ludwigstr. 20.
O. Erdmann, Math., Offenbach, Wetzlarerweg 39.
E. Fresenius, Naturw., Frankfurt a. M., Westanlage 39.
P. Gutknecht, Landw., Jchstädt, in Bad-Nauheim.
W. Lucius, Forstw., Alt-Rehse, Grünbergerftr. 14 a.
A. Mekenzie, Math., Dundee, Bismarckstr. 17.
S. Rawinow, Philos., Dwinsk, Wohnung noch nicht angegeben.
A. Rühl, N. Philol., Mühlheim a. Rh., Liebigstr. 55.
L. Schuchmann, N. Philol., Metz, Moltkestr. 21.
K. Schönewolf, Kl. Philol., Gießen, Bleichstr. 16 a.
Vermischtes.
• Kein zweiter Nasi. Nach den sensationellen Enthüllungen über den früheren italienischen Kultusminister Nasi bemühten sich einige reklamesüchtige italienische Blätter, ähnliche Affären zu entdecken. Einen schweren Hereinfall hat dabei das neue Blatt von der bekannten Romanschriftstellerin Mathilde Serao zu verzeichnen, der „(Storno", der von seinem Römischen Korrespondenten ganz unerhörte Dinge über einen früheren Po st Minister erfuhr. Der betreffende Minister — ein Ehrenmann vom Scheitel bis zur Sohle und in der ganzen Welt, nicht zum wenigsten in Berlin, als Gentlemann bekannt — hätte bei seiner Heirat 2 5 000 Francs aus den Fonds seines Ministeriums entnommen und zur Hochzeitsreise verwendet! Au§ dem Neapeler „Giorno" druckte diese Schauermär dann das sozialistische Genueser Blatt „Lavoro" mit voller Nennung des Namens des Exministers ab, worauf der also Angefallene gegen das Blatt, aber auch gegen den „Giorno" Verleumdungsklage erhob.
• * Von einem Adler entführt. Dieser Tage wurde in Sutherlandshire ein l*/z jähriges Kind, das einzige Töchterchen eines Pächters, von einem Adler entführt. Das Kind spielte an der Tür des Elternhauses, während die Mutter Brod buk und der Vater auf dem Felde arbeitete. Als die Mutter mit dem Backen fertig war, rief sie das Kind. Da keine Antwort erfolgte, sah sie sich draußen nach der Kleinen um; als sie sie auch dort nicht fand, suchte sie mit dem inzwischen herbeigeholten Vater alle Wege, Felder und den Bergabhang ab. Da man zu Anfang der Woche Zigeuner und umherziehende Kesselflicker in der Gegend gesehen hatte, suchten einzelne Abteilungen das Land ab. Inzwischen durchsuchten die Waldhüter einen mit dichtem Ginster bestandenen Hügel, und einer von den Leuten, der sich daran erinnerte, daß Adler Lämmer fortgetragen hätten, drang über die felsigen Klippen auf den Gipfel. Da entdeckte er in einer Felsspalte einen kleinen Schuh; etwas höher hinaus fand er in einer tieferen Spalte den Leichnam des vermißten Kindes. An dem Körper fand man die grausamen ©puren von Adlerklauen, das Händchen der Kleinen hielt ein Büschel Adlerfedern umspannt.
• Witwenschmerz. Witwe (vor einer Vogelscheuche): „So oft ich da vorbeikomm', muß ich an mein' lieben, seligen Mann denken; g'rad' so hat er immer aus'gschaut, wenn er auf d* Nacht z' Haus kommen is — der Haderlump!" —
Eingesandt.
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Gießen, 17. Mai.
Sehr geehrte Redaktion!
Wiederholt hatten Sie in den letzten Tagen die Freundlich' feit, in Ihrer geschätzten Zeitung hinzuweisen auf die neu ein- gerichtete „regelmäßige" Motorbootfahrt zwischenGießen und D u t e n h o f e n, und vor kaum acht Tagen erschien iw Anzeigenteil ein ausführlicher, bis auf die Minuten genau aui* gestellter Fahrplan. Wie es jedoch tatsächlich jmt bev Möglichkeit steht, dieses Beförderungsmittel zu benutzen, darüber macyre ich bei einem ersten und letzten Versuche folgende Erfahrung : Aaai- bem wir die gute eine halbe Stunde Wegs vom Innern der Stad nach dem Landungsplätze zurückgelegt und die verichwiegene ötei an der Lahn gefunden hatten, war zu dem Zeitpunkte, an den planmäßig die Fahrt von statten gehen sollte, von ewem Bo nirgends etwas zu schauen. Als wirdann endlich nach 20 Mm langem Warten das erhebende Schauspiel gemeßen dursten.


