Ausgabe 
18.2.1904 Erstes Blatt
 
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Donnerstag 18. Februar t 804

154. Jahrgang

Erstes Matt

Nr. 41

«Krschetut ««glich außer Sonntag«.

Dem Greßener Anzeiger werde» im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Glehener Zamilien- blöltcr viermal in der Woche beigelegt.

-Rotationsdruck u. Ver­lag der Brüh l'scheu Nnivers.-Buch-u.Stein- druckerei. R. Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei:

Schul st ratze 7.

tldresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.

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Giehener.Anzeiger«

General-Anzeiger v

v den polit und allgem.

Amts- und Anzeigeblatt fiir den Kreis Gießen ZWZ V zeigenteil: Hans Beck.

Wuchernden Saat zu sondern vermag

wie wir schon in unserem heutigen Morgenblatt meldeten, nach offiziöser japanischer Meldung ein neuer Tor­pedoangriff in Port Arthur sich abgespielt, der für die Russen wieder ungünstig ausgegangen ist. Tas aber ist auch seit 8 Tagen alles, denn der Verlust des Jenissei, der durch eine von ihm selbst gelegte Mine vernichtet wurde, ist eine selbstverschuldete Katastrophe, aber kein Kriegsereignis. Tie englisch-amerikanische Sensationspresse bringt stündlich Nachrichten, die den Stempel der Unwahr­scheinlichkeit nur allzu deutlich tragen. Für den Psycho­logen wäre es interessant, festzustellen, wie sich aus neben­sächlichen Ereignissen, aus vagen Gerüchten, ja aus bloßen Vermutungen Nachrichten kristallisieren, die der Phantasie der Berichterstatter zwar alle Ehre machen, aber nur den einen Fehler haben, daß sie eben jeder Unterlage

Heschichtticher HLeöerblick Ü5er die Entwicklung der Berechtigungen der höheren Schuten.

Man schreibt uns:

In Deutschland ist das höhere Schulwesen eng verbunden mit dem Berechtigungswesen. Ter heutige Zustand ist aber nicht sehr alt. Es sind noch keine 100 Jahre her, da waren dem einzelnen die Mldungswege ganz fveigegeben; selbst zur Universität konnte man ohne bestimmte Vorbildung gelangen. Dis 1788 konnte in Preußen jedweder die Uni­versität besuchen. In diesem Jahre wurde die Abiturienten- prüfung eingeführt. Noch lange nachher aber konnten die­jenigen, welche diese Prüfung nicht gemacht hatten, Stu­denten werden, mußten sich jedoch einer Aufnahmeprüfung an der Universität unterziehen. Aber auch wenn die Prüf­linge die Notenicht genügend" erhielten, konnten sie die Vorlesungen besuchen. Sie mußten selbst für die Ausfüllung der Lücken in ihrem Wissen sorgen, und später konnten sie, nach bestandener Univerfftötsprüfung, ungehindert in einen gelehrten Beruf eintreten. Erst seit 1834 wurde das Reife­zeugnis als unbedingte Voraussetzung für die Zulassung an den Universitätsstudien gefordert. Natürlich konnte dies nur das Zeugnis der Reife eines Gymnasiums sein, denn andere höhere Schulen gab es damals nicht.

Seit dem Jahre 1832 entwickelten sich aber auch die Realschulen mächtig. Ursprünglich bloße Fachschulen, wurden sie allmählich zu Schulen, die eine allgemeine Bildung auf Mund der modernen Bildungselemente vermitteln. Mit dem Jahre 1850 beginnt aber jener Umschwung, der unser ganzes Kulturleben völlig umgestaltet. Tie Mathe­matik, die Naturwissenschaften, die technischen Wissenschaften entwickeln sich gewaltig. Tie Industrie und der Handel Teutschlanüs nehmen einen vorher ungeahnten Aufschwung. Und auch in der Wissenschaft wurden die Werkeder mit uns lebenden und an der Fortentwickelung der Kultur mitarbeitenden SSölfer" in immer höherem Maße von Be­deutung. Je mehr sich aber dieser Umschwung in unserem Kulturleben vollzog, um so wichtiger mußten die Realschulen werden, die ihren Zöglingen eine moderne Bildung über­mittelten. Schon durch die Unterrichts- und Prüfungsord­nung vom 6. Oktober 1859 erhielten sie in Preußen den­selben Lehrkursus wie die Gymnasien. Diese neunklassigcn Realschulen mit Latein hießen zuerst Realschulen I. O., 1882 erhielten sie den Namen Realgymnasium. Daneben ent­wickelten sich aber auch Realschulen zu neunklassigen latein­losen Vollanstalten, die als Fremdsprachen bloß Fran­zösisch und Englisch trieben, die Oberrealschulen, die also den Typus der modernen Schule am folgerichtigsten ent­wickelt haben.

Es ist ganz natürlich daß diese Schiulen, zunächst kamen nur die Realgymnasien in Betracht, nach und nach die Zulassung ihrer Miturienten zum Universitäts­studium verlangten. Vorerst aber wurden sie durch die Re­gierung zurück geh alten. Im Dezember 1870 wurde den Re algymn asiasten endlich das Studium der neueren Sprachen, der Mathematik und Naturwissenschaften frei­gegeben; 1891 auch den Oberrealschülern. Dadurch war also anerkannt, daß den Abiturienten dieser Schulen die Vor­aussetzung zum Studium, die allgemeine Bildung, nicht fehle, und die Vertreter der Realgymnasien verlangten jetzt erst recht für ihre Schulen die Berechtigungen des Gymnasiums. , .

In den 80er Jahren kam es nun bekanntlich in Preußen zu einer großen Schulreformbewegung, die darauf aus­ging, das Gymnasium vollständig umzugestalten. Gleich­zeitig mit diesem Kampfe um die Schulreform erhob sich auch der um die Gleichstellung der höheren Lehranstalten. Schließlich drehte sich der Streit hauptsächlich um die Frage der Gleichberechtigung. Man kam in dem Kämpf der Meinungen eben zu der Ueberzeugung, daß eine Uni­formierung des höheren Schulwesens bei der eigenartigen Entwicklung, die unsere Kultur genommen hat, nicht durchs zuführen sei und daher eine einheitliche höhere Schule in der Praxis unmöglich sei, daß aber auch das alte Gymnasium seiner Bestimmung nur dann erhalten weiLen könne, wenn es auf das Berechtigungsmonopol verzichte. Nachdem die maßgebenden Kreise in Preußen zu dieser Erkenntnis ge­kommen waren, wurde auch nicht gezögert, die Folgerungen daraus zu ziehen. Am 26. November 1900 wurde ein kaiserlicher Erlaß veröffentlicht, in dem es hieß:Bezüg­lich der Berechtigungen ist davon auszugehen, daß das Gym­nasium, Realgymnasium und die Oberrealschule in der Er­ziehung zur allgemeinen Geistesbildung als gleichwertig anzusehen sind." Bald darauf erschienen Verfügungen, durch welche den Miturienten aller höheren Lehranstalten der Zugang zur juristischen und philosophischen Fakultät geöffnet wurde. Die neugeschafsene Lage spiegelt sich wieder in den Aussprüchen zweier berühmter Männer. Paulsen, der bekannte Philosoph der Berliner Universität, sagt:Die alte Ordnung war auf die Anschauung gegründet: uns durcy die Beschäftigung mit den klassischen Sprachen und Ar er Literatur kann wirkliche Bildung, die den Namen verdient, gewonnen werven, mag der einzelne innerlich sich dazu stellen wie er will; kann er darin nichts leisten, nun, so gehört er eben zu den minderwertigen Naturen. Die neue Ordnung schafft Raum für die anders gerichteten Intelli­genzen. Sie ist weitherzig und liberal; sie verkennt nicht den Wert des klassischen Unterrichts, aber sie glaubt Nicht, daß er der einzige Weg zur Bildung des Menschen fct Jndeni sie andere Wege öffnet oder Schlagbäume beseitigt, die ihrer Begehung bisher- im Wege standen, glaubt sie wahrer Bildung zu dienen, die unter dem Zwangsprmzip selber litt und zu Schaden kam." Slaby, Professor der Charlottenburger technischen Hochschule, führte aber schon sauf der Ium-Konferenz) 1900 aus: Durch diese Reform werde in unsercm nationalen Kulturleben einer neuen

sein wird.

Tie Kriegskorrespondenten, die in Ostasien herumsitzen, melden kritiklos, meist auch formlos, und daher (vielleicht absichtlich) unverständlich all e r- lei Zeug, als ob es nur auf die Masse der verdrahteten Morte ankäme. Tie Zahl der Depeschen vom Kriegsschau- platz schwillt derart an, daß der unparteiische Bericht­erstatter nur mit Mühe das Körnlein Weizen aus der üppig zu sondern vermag. Am 14. d. M. hat, unserem heutigen Morgenblatt meldeten,

entbehren.

Trotzdem ist es Pflicht der Presse, die verstreuten Nach richten zu sammeln und, wenigstens so weit als angängig, in Zusammenhang zu bringen. Aus dem heute vorliegenden Must von Nachrichten seien noch folgende herausgehoben:

Ueber die Zerstörung eines japanischen Dampfers burd), die Russen (vgl. das Telegramm im Morgenblatt) und über die jetzigen Wetterverhält­nisse meldet Statthalter Alexejew noch folgendes: An Bord des DampfersUaguri" wurden 41 Mann ge­fangen genommen. Ein kleiner Küstenfahrer wurde ebenfalls aufgebracht, wegen heftigen Stur­mes konnte aber die Mannschiast nicht an Bord genommen werden. Infolgedessen wurde dieses Schliff nicht versenkt. Das schwere Wetter verhindert, an der Küste entlang zu fahren. Das Geschwader nimmt daher seinen Kurs auf Tschiertalowo und zieht sich vor dem Sturm in die hohe See zurück, um sich dann der koreanischen Küste zu nähern. Das Geschwader lief wegen der erregten See nur mit 5 Knoten. Die Schliffe übernahmen schwere Sturz­wellen und sind, da das Wasser 9 Grad Kälte hat, ganz mit Eis bedeckt. Das Geschwader hatte seit drei Tagen zwei schwere Stürme zu bestehen.

Eine Depesche desTimes"-Korrcspondenten in Port Ar thur besagt, daß fortgesetzt nächtliche Schar­mützel zwischen den feindlichen Flotten stattfinden.

Aus Port Arthur meldet eine Timesdepesche, die Russen gäben zu, bei Verjagung der Japaner von der Bahnlinie bei Kiutschau 70 Mann verloren, behaup­teten aber, 150 Gefangene gemacht zu haben.

Aus Söul wird gemeldet, daß das Eis auf dem Yaluflusse jetzt hinreichend stark ist, um Truppen ru tragen. Die Palu-Pofition scheint aber nach von ver- schliedenen Seiten eintrefsenden Depeschen von den Russen aufgegeben zu werden. Die Besatzung Port Arthurs soll nach den letzten aus Tientsin eingelaufenen Depeschen nur sechs - bis'achttausend Mann betragen, die Vor­räte sind auf sechs Monate berechnet. In derGoldenen Hügel"-Batterie hat eine schwere Explosion stattge- funben. Dalny ist nur schiwach verteidigt.

Der deutsche DampferEmm a" ist von den Japanern unter der Bedingung sreigelassen wor­den, daß er einen anderen Bestimmungsort wählt.

Der Kaiser von Korea, der den japanischen Trup­pen reiche Geschenke an Wein und Tabak gemacht hat, hat be­fohlen, den japanischen Truppen jede Erleichterung zu ge­währen.

Aus Tschifu wird berichtet: Infolge der angeblichen japanischen Erfolge griffen 180 berittene chinesische Banditen am 12. d. M. eine russische Station in der Nähe von M u k d e n a n, die Angestellten seien jedoch rechtzeitig gewarnt worden, sodaß sie flüchten konnten. Die Banditen überfielen alsdann eine benachbarte Station,

Geistesrtchtung eine neue Bahn geöffnet zur Betätigung frischer, lebensvoller Kräfte.Viele überzeugte Anhänger der überlieferten Geistesbildung sahen in der modernen Richtung bisher nur eine auf Erwerb gerichtete Geistes­strömung. Richtig ist, daß sie aus der Not, auf dem Boden wirtschaftlicher Arbeit erwachsen ist, aber sie hat diese Fesseln längst von sich abgestreift und sich aufgeschwungen zu den reinen Höhen einer von wissenschaftlichem und ethischem Geist durchtränkten Natur- und Weltanschauung."

Der Krieg zwischen Japan und Ausstand.

Bis jetzt haben sich auf dem ostasiatischen Kriegsschau­plätze nur zwei wichtige beglaubigte Ereignisse voll­zogen: der Kampf bei Tschemulpo, der aus zwei Akten bestand und der, neuesten Meldungen zufolge, aus drei Akten bestehende Angriff der Japaner auf die Russen bei Port Arthur. Da bei Tschemulpo der erste Kanonen­schuß fiel und zwar von dem russischen Kanonenboot Korjetz", stellt man die Ereignisse bei Tschemulpo billig an die erste Stelle. Im übrigen kommen zahlreiche Meld­ungen von Gerüchten, denen nicht zu trauen ist. Ein englisches Sensationsblatt,Daily Mail", das von der Reuterschen Korrespondenz als ruffenfreundlich bezeich­net wird, ist eifrig bestrebt, diese Gerüchtmeldungen zu monopolisieren; es hat immer neue Meldungen über japa­nische Verluste in den Kämpfen bei Port Arthur auf Lager; neulich behauptete es, die Japaner hätten vor Port Arthur ein Schlachtschiff verloren: dann waren es drei Torpedo­boote. Ter Himmel weiß, was es in den nächsten Tagen

wurden aber von 80 Kosaken in die Flucht geschlagen; acht Banditen wurden getötet.

Die Gerüchte, daß die Stellung des Statthalters Alexe­jew e r s ch ü t t e r t sei und seine Ersetzung durch den Kriegs­minister Kuropatkin bevorstel;e, werden von kompetenter Seite kategorisch dementiert.

Wie ein Londoner Blatt meldet, werden heute (Donners­tag) 11 russische Kriegsschiffe den Nordostseekanal passieren, um nach Ostasien zu dampfen. Die deutschen Behörden hätten die hierzu notwendige Erlaubnis erteilt.

Die französische Brieftauben-Gesellschiaft beabsichtigt, 150 Brieftauben nach Port Arthur und sonstigen strategischen Punkten der Mandschurei zu entsenden. Der russische Bot- schafter in Paris ist hiervon benachrichtigt worden.

Eine Rede des Zaren.

Wie aus Petersburg gemeldet wird, gab die Ab­reise des Mmirals Makarow, der an Stelle des Ad­mirals Stark in Port Arthur treten soll, Anlaß zu besonderen Feierlichkeiten und Kundgebungen. In der St. Andreaskirche fand ein feierlicher Gottesdienst statt, wobei Priester Johann von Kronstadt Makarow die Kommunion reichte. Später wurden Makarow vor seinem Hause be­geisterte Huldigungen dargebracht Die Stadt Peters­burg nimmt ihr gewöhnliches Aussehen an und Ruhe hat die patriotischen Kundgebungen abgelöst, die einstweilen crufgehört haben. Alle .Klassen der Bevölkerung sind eifrig bemüht, bei der Organisation der Krankenpflege und anderer Unterstützungen für die Truppen mitzuhelfen. Von privater Seite sind große Beiträge eingegangen, um einen Ersatz für die verlorenen Kriegsschiffe zu schaffen. Der Zar besichtigte in Gegenwart der Kaiserin, der Kaiserin- Mutter, des Thronfolgers, der übrigen Großfürsten und Großfürstinnen, des Kriegsministcrs, des Generalstabschefs und des Hofministers im Hofe des Winterpalais das nach Ostasien abochende dritte Bataillon des ersten sibirischen Dchützenregiments. Der Zar schritt die Front unter den Klängen der Nationalhymne und Hurrarufen der Mann­schaft ab und hielt sodann folgende Ansprache:

Ich bin glücklich Brüder, -Euch alle vor der Mreise zu sehen und Euch eine glückliche Reise wünschen zu können. Ich bin fest überzeugt, daß Ihr die Ehre Eurer alten Regi­menter hochhalten werdet, daß Ihr gern Euer Leben für Euer teures Vaterland einsetzen werdet. Seid eingedenk, daß der Feind tapfer, mutig und verschlagen ist. Von Herzen wünsche ich Euch Wohlergehen und Erfolge über die Gegner. Ich segne Euch, Brüder, und in Euch das ruhmreiche erste ostsibirische Schühenregiment mit dem Bilde des heiligen Seraphien. Er möge für Euch bitten und Euch auf. Euren Wegen begleiten. Den Offizieren danke ich für die freiwillige Meldung. Nochmals danke ich Euch, Brüder, von ganzer Seele. Gott segne Euch!

Alsdann folgte ein Vorbeimarsch des Bataillons, mit dem angehörigen Train vor dem Kaiser, der sich mit einem nochmaligen Lebewohl von den Truppen verabschiedete.

Politische Tagesschau.

In Mazedonien ist ein Manifest der Aufständischen veröffentlicht worden. Der Zentralausschuß der inneren Organisation in Sofia richtet ein Manifest an das makedonische Volk, nicht mehr den Boden zu bebauen, da im Frühling alles mit Blut bedeckt oder verbrannt sein werde.

Eine Mitteilung der Pforte an die Botschafter der Ententemächte besagt, daß kürzlich von Burgas nach bul­garischen Grenzdörfern, welche nicht von Mohammedanern bedroht sind, 21 Wagen mit Waffen und Munition gesandt wurden, und zwar einige mit militärischer Begleitung, und daß die Verteilung durch Ortsvorsteher erfolgte; ferner, daß bei Tirnowo im Wilajet Mrianopel ein Kampf zwischen Truppen und einer Bande stattfand, in welchem drei Mann den Tod fanden, daß beinahe 1000 Komiiatschis bei Gramado und Seltic die türkische Grenze passierten, schließlich, daß in allen bulgarischen Grenz- dörfern von Ortseinwohnern unterstützte Komiiatschis weilen und Leute, welche dem Komitee nicht helfen, er­mordet werden.

Ueber die Bewegung im Gebiete von Djakova liegen erst jetzt übersichtliche Berichte vor. Denselben ist zu ent­nehmen, daß die Bewegung schon vor Monaten in Djakova sich bemerkbar machte. Die Opposition gegen die Einführung der Viehsteuer war nur ein Vorwand. Die Einführung der Viehsteuer wird in manchen Gebieten sehr schonend gehand­habt, in manchen gänzlich sistiert. Sendboten von Djakova weilten in letzter Zeit in Drenitza, Ipek, Berisa und an­deren Orten, um eine Vereinbarung gegen die Reformen herbeizuführen, was jedoch nicht überall gelang. Im Bezirk Djakova erfolgte am 3. d. M. ein Zusammenstoß mit Truppen in Raba, 12 .Kilometer nordwestlich von Dja­kova. Am 4. d. M. brachen die Albanesen in Djakova ein, wo ein dreistündiger Straßenkampf statt- fand. Die Verbindung zwifchxn Ipek und Djakova ist zer­stört. Bei Babailes dauern die Kämpfe fort. Die türki­schen Truppen wurden an verschiedenen Orten ge­schlagen. In Prizrend sind sie von Albanien ernstlich be­droht. Genauere Nachrichten fehlen jedoch Daß die Be­wegung einen erheblichen Truppenaufwend erfordert, be­weisen die in diesen Tagen bewirkten Truppensendungen aus den Wilajet- Uesküb und Monastir zu zehn Batail­lonen, drei Batterien, welche teils auf dem Landwege, teils per Wagen dorthin tnriaiert wurden. Weitere Truppen- fendungen aus den nächsten Wilajets werden vorbereitet.

Italienische Blätter erhalten Drahimeldungen aus hier, wonach Oesterreich-Ungarn trotz Wiener Wleug- nungen eine Armee von 300 000 Mann für eine Expe­dition nach Macedonien vorbereite; einige große