Ausgabe 
17.12.1904 Sechstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

in den Balmzügen der Umgegend über Bodenreform mit­einander reden, möchten luir obige Zahlern die 25 Milliarden, um die fid) bandelt, in ihre Debatten hineingeworfen haben. DaS ist jnn'cf und Absicht dieser Zeilen.

Dr. Tavernier.

Dcriniidnc».

* Die Musik im Kais er Hause. Anläßlich der Premiere der vom Kaiser bestellten ,,Roland"-Oper er­zählt derBerl. Börs.-Eour.", daß Kaiser Wilhelm II. bei der Erziehung der kaiserlichen Prinzen und der Prin­zessin aus eine gediegene Ausbildung in der Musik bedacht ist, wobei auf die Neigungen jedes einzelnen für ein be­stimmtes Instrument möglichst Rücksicht genommen wird. So hat die Prinzessin eine besondere Vorliebe für das Spiel auf dein Flügel auf ihrem eigenen kleinen Stutzflügel spielt sie täglich einige Stunden während Prinz Eitel Friedrich es schon zu einer ansehnlichen Fertigkeit im Flöt en spiel gebracht hat. Unser Kron­prinz hingegen legte schon vor Jahren eine nicht geringe Begabung für das Biolinspiel an beit Lag, und der Kaiser gab dem Wunsche Ausdruck, daß der Kronprinz ein Schüler Meister Joachims werden sollte. Ganz wider Er­warten gab jedock) Josef Joachim aus den kaiserlichen rlntrag einen ablehnenden Bescheid. In einem längeren Schreiben begründete er seine Ablehnung.

* Ein Prinz als Arbeiter. Rasch abwärts gch gangen ist es mit dem Prinzen Karl von R a l i b o r, der dieser Lage in der chemischen Fabrik von Tr. Friedrich u. Eo. j|n Glösa bei Chemnitz verhaftet wurde. Er war in der genannten Fabrik als Arbeiter beschäftigt und wird nun beschuldigt, einem Mitarbeiter Schuhe ge­stohlen Lil haben. Auch sand man in seinem Besitz eine Anzahl Winterüberzieher, die er ebenfalls ent­wendet haben dürfte. Ist er wirklich ein Prinz? Seine Papiere lauten wenigstens auf den angegebenen Namen, zwar hat er Militärpapiere und Laufschein verlcren, besitzt jedoch eine Bescheinigung über diesen Verlust vom Gc- meindevorsteher in Borna bei Leipzig. Er ist 36 Jahre alt und gibt an, in Zwickau i. S. geboren zu sein. Seine Lebenserzählung ist recht abenteuerlich. Er mill bis zum 19. Lebensjahre in einer Kadettenanstalt gewesen sein, sei dann, als seine Eltern das ganze Vermögen verloren hätten, Müllergeselle geworden. Ein Jahr später sei er beim Mili­tär ein getreten, habe bei den Ziethen-Husaren in Potsdam gedient rigid monatlich 100 Mk. Zuschuß von seinen Groß­eltern erhalten und es schließlich bis zum llntcrofjizicr gebracht. 9 Jahre lang sei er Lotse in der £|tjee gewesen und wäre dann wieder Müllergeselle in der Serwitz .Kühle im Vogtlande geworden. Als die Mühle dann snUgestanden hätte, habe er sich nach Stockheim bei Leipzig gewandt, wo er kurze Zeit als Bergarbeiter tätig gewesen sei, alsdann sei er nach Glösa gekommen, wo er zunächst bei dem Wasser­leitungsbau und hernach in der chemischen Fabrik von Tr. Friedrich u. Eo. als Arbeiter beschäftigt wurde. Ferner gab derPrinz" an, er hätte zwei Schwestern, die eine sei Hofdame und die andere Erzieherin in einer hochange- sehenen Familie. Sein Vater habe sich vor einer Reihe von Jahren in Rußland bei einem Emel erschossen. Tie Kinder von ihm hatten 60 Pjg. als Erbe eryaiten. Es

dürste sich wohl bald Herausstellen, inwieweit die Angaben deö angeblichen Prinzen, der dort, wo er arbeitete, kurz- toeg Ratibor genannt wurde, zutresfen.

Ein neuer Naturmensch erregt jetzt Aufsehen in den Straßen Berlins. Barhäuptig, mit langem, über die Schultern reichendem Haar geht er einher. Seine Kleidung ist halb die emeS BüßerS, halb die eines Bergsteigers. Der Oberkörper ist in binimc faltige Tücher eingehüllt. Die Beine find aus primitive Weise eingewickelt, sodaß sie den Eindruck machen, als ob der Träger vergessen-hätte, die Unaussprech­lichen anzuziehen. Die Füße sind mit roh zusammengenähten Stücken aus Leder bekleidet. Der Sonderling erklärt, er heiße Graß und suche das Echte nicht für sich, sondern für andere. Mit Vorliebe sucht er Orte auf, wo zahlreiches Publikum zu erwarten ist, so gestern die Vorhalle der Hoch­schule für Musik zur Vorstellung von Isidora Dunean. Am Schluß erhob sich der Sonderling, breitete die Arme aus und rief:Laßt mich reden." Die Künstlerin mußte den Tanz unterbrechen und Graß hielt eine Ansprache. Er dankte für so viel Schönheit, die er erschaut. Mau müsse ihr Tempel bauen, aber nicht aus Steinen, sondern in unseren Herzen. Das wäre alles, was er zu sagen hätte. Es hat danach doch den Anschein, daß daSEchte" des Herrn Graß echte Reklame sei.

* V o n a l l e n D a m e n der hohen italienischen Aristokratie macht neuerdings die verwitwete Marchesa Carlotti, eine Tochter des früheren Ministerpräsidenten oi Nlidini, am meisten von sich reden. Sie zählt achtund- zwanzig Jahre und war nut dem Marchese Marcello Earlotti rti§ Verona verheiratet. Der Ehe sind zwei Kinder ent» sprossen. Rach dem Tode ihres Gemahls schlug die Marchesa ihren Wohnsitz in der herrlichen Villa Scaveuaghe am Garda­see aus, die ihren beiden Kindern gehört. Sie stattete die Villa mit fürstlichem Prunke aus und hielt in Ceavenaghe glänzend Hof. Glicht selten unternahm sie mit ihren Damen imd Kavalieren romantische AuSstüge zu Pferde in die Um­gebung des Gardasees, wobei sie daS Geld mit vollen Händen um sich ivarf. Häufig war in der Villa Scaveuaghe der Dichter Gabriele d'Annunzio zu Gaste, der um der schönen Marchesa willen Eleonora Düse verlassen hatte. Eine zeitlang hieß es, der Dichter und die Marchesa würden sich verheiraten. Doch ist es zu diesem Unglück nicht erst gekommen, und daS Paar hat sich schon vor der Hoch­zeit wieder getrennt. Nunmehr hat der Marchese Andrea Earlotti, italienischer Gesandtschaftssekretär in Wien, gegen seine Schwägerin einen Prozeß angestrengt. Er verlangt, daß der Marchesa ihre beiden Kinder foitgenoimnen und die Knaben der Familie Earlotti zur Erziehung übergeben werden. Heute sand in dem Prozesse der erste Termm statt. Die Marchesa war nicht amvesend und ihr Rechtsanwalt erlangte die Vertagung deS Prozesses. Von Seilen des Staatsanwaltes ist ferner beantragt worden, die Marchesa unter Kuratel zu stellen. Der betressende Prozeß beginnt am 16. Dezember. Der Staatsanwalt begründet seinen Antrag damit, daß die

Marchesa mit ihrer Jahresrente von 600000 Lire nicht au 8 ko m m e. Sie habe schon ihre ganze Mitgift aufgebraucht und auch ihr mütterliches Erbteil bereits an­gegriffen.

* Die wandernde Ohrfeige. Eine burleske Szene spielte sich dieser Tage ouf der großen Treppe des Pariser Börsengebäudes ab. Standen da, so erzählt derMatin", gegen 3 Uhr nachmittags, als das Hauptgeschäft und das größte Geschrei schon vorüber waren, auf der untersten Treppenstufe zwei mit ausgesuchter Eleganz gekleidete Herren, die sich ruhig und angelegentlich mit einander unterhielten. Da fuhr ein Coupö vor, dem ein vornehm aussehender Mann, offenbar ein Aristokrat der Börse, entstieg. Mit raschen Schritten näherte er sich den beiden plaudernden Herren, sah den einen von ihnen flüchtig an, als wenn er ihn rekognos­zieren wollte und versetzte ihm dann mit großartiger Geste eine kräftige Ohrfeige. Ehe der Geohrfeigte sich von seinem Erstaunen erholen konnte, saß der Börjenaristokrat schon wieder in seinem Eoupö und fuhr höflich grinsend, von bannen. In diesem Augenblicke war der Modeherr, dem die Maul­schelle appliciert worden war, wieder zu sich gekommen. Ein Wort, ein Blick, und der Modeherr' 9tr. 2, mit dem sich sJlr. 1 soeben noch freundnachbarlich unterhalten hatte, hatte gleichfalls seine Ohrfeige weg, worauf der rechtmäßige Besitzer der ersten Ohrfeige in einen gerade vorüberfahrenden Omnibus stieg und gen Passt) fuhr. Der Inhaber der zweiten Ohrfeige aber flieg mit philosophischem Gleichmut die Treppe vollends hinunter und hielt auf der Straße Umschau; wahr­scheinlich suchte er einen dritten Mann, an den er die Ohr­feige weitergeben konnte. Er scheint aber keinen gefunden zu haben.

Landwirtschaft.

Ter 4 2. Verbandstag der hessischen land- w i r t s ch a s t l i ch e n G e n o s s e n s cka ft e n findet am Donners­tag, den 22. Tezember vormittags 10Uhr in Tarmstabt un städtischen Saaivau statt, -tie Tagesordnung ist folgende: 1. Jahresbericht des Verbandsdirektors. 2. Vorlage und Be- jcheidung der Rechnung und Bilanz pro 1903. 3. Die Förderung der Spartätigkeit in der ländlichen Bevölkerung durch die Spar- uno ^.arlehnsta,sen. (Verieyterstatter: Generalsekretär G e n n e s.) 4. Tie Verwrgung der Städte nut hygienisch einwandfreier Milch auf genoifensct)astächem Wege, (Berichterstatter: Versuchsstations­vorsteher -Li. Krueger und Mo.iereiinspektor Henkel.) 5. Tie Erbauung von Laudarbeuenvohnnngen mit genossenschaftlicher Hilfe. (Berichterstatter: Großh. Landeswohnungsinspektor G r e tz- ichel.) Rach Sustuß der Versammlung, spätestens um 2 Uhr, wird ein gemeuisaiaftliches Mittagessen im Versammlungslokal stattfinden.

1868

Die feinsten Neuheiten in Uhren, Juwelen, Gobi-, Silber-, sowie versilberten II ar en empfiehlt

Juwelier Brück Kreuaplate 8

&

tu oi

p

e» c o

ci 3t

>2 HO

£ e

d

&

19

oft

Ä -O

s

£ :zF K

ö

1 jC,

E o '.tr o "7t 7^

'>Z<

e ~ _ '"Z 3 x ÄS»

g

E o

& Oft «ft 72» JL. ,

T Q , 5©'

£ 57 S-A .o w c

2 §

£ *2

o ci

>ft -

X. 3 -

<3 ' o-ift: o 'Z

Z JJ-A

3

e.-

w3

Ä o rr rv.Z

u E C d d

E «ft_

S) ~

***. -C Ä (' <& _ -

xd

iXO £ o v» c 8

^ZE)Z

Z, di d

o " d

G t? «ft ~ Oi

d o

Q (5

o 'S-

_O Z* CIO

Z» Ci

£ *2

ej oft ~

LZ M

*5*5-

. jQ P o g Ä -fedi Qi o 05» Ci

j±ud P e AJ

Vti T*

5 70 >p

V» c

, ej ,z_

e

e E " ~ oft

Ci O o Q vC-

'"jO o T7

S .'m, T -6 £2

c «ft p

p 5 ^0 ** er?

jQ u-. C

P

VP äiti5-

Ci-^ 5. Z2-O.5- <5

:li

Uito c. TT

5 -

v «ft p Z d r* >p

«ft L

S vp

§

C P v

te. VD P e «j r- W CS .JS'CQ ° ö-*C5

o - Ät; o

2* S

OjQ* o

E /D <~-

Ci <TP

A c

;C E 10

V-, CTS

« g L N

£ g S S

- E o

P VP

O Oft

VP :C P

*»o s-- 70 r o

4