Ausgabe 
17.11.1904 Zweites Blatt
 
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GehirnerschüLter^rring, befindet sich aber auf dem' Wege der Besserung. Von dem Täter fehlt jede Spur.

* Als siebentes Opfer der Mürttembergi- schen P alästin asuhrt ist Stadtpsarrer Klin­gele aus Bruchsal (Baden) dieser Tcuge am Typhus ge­storben.

* Aus einem ärztlichen Gutachten. Plattfüße und O-Beine pslegen Hand in Hand zu gehen; es wäre daher verfehlt, die Plattfüße dem Unfall in die Schuhe zu schieben.

Kleine Tageschronik. Gegen den Kaufmann Jakob Walle in Köln, der flüchtig ist, ist die Untersuchung wegen eines in einem Restaurant zum Nachteil eines Gastes ver­übten Diebstahls von 50000 Mark eingeleitet worden. Bei dem Torfe Biburg (bei Augsburg) wurde ein Münchener Automobil von drei Unbekannten räuberisch überfal­len. Ein Räuber sprang in den Wagen und schlug einen der Mitreisenden mit einem Stock über den Kopf. Der Räuber konnte jedoch wieder aus dem Wagen hinausgedrängt werden, der dann unter Mitnahme des Hutes des Räubers davonfuhr. Die Insassen waren ein Kunstmaler und ein Ingenieur aus München. Bei einem in dem Hause des Tünchers Matt in Seckach (Bad. Hinterland) ausgebrochenen Feuer ist dessen Schwieger­mutter, Katharina Kasch, verbrannt. Tie Leiche fand man verkohlt in einer Dachstube auf. Ter Eilzug Berlin- Nürnberg-Stuttgart ist zwischen Westhausen und Goldshöfe ent­gleist. Verletzt wurde niemand. In Kirchheim bei Oethlingen (Württemberg) wurde ein junges Mädchen, welches seinem Vater Essen bringen wollte, an der Lauterbrücke erschossen.

Oenchts-aat.

(d.) Mainz, 16. Nov. Vor der ersten Strafkammer hatten sich heute zwei gefährliche Einbrecher wegen Einbruchs­diebstahls im wiederholten Rückfall zu verantworten, und zwar der 30 jährige Metzger Johann Gepp aus Nack bei Alzey und der 27 jährige Hoteldiener Wilh. Michael seitzinger aus Klopfhof (Württemberg), beide zuletzt in Frankfurt wohnhaft. Kaum war der Gepp am 16. April aus dem Zuchthause entlassen wor­den, beschloß er mit dem Seitzinger und dem Schlosser Karl Pamly (in der Verbrecherwelt derSchlosserkarl" genannt) nach Mainz zu fahren und dort auf ,,Arbeit" auszugehen. An: 27. April wurde die Fahrt von Frankfurt hierher unternommen. Tas Kleeblatt begab sich nach der Neustadt, wo der Gepp nicht ganz unbekannt war, da er dort seine Lehrzeit als Metzger verbracht hatte In einer Eckwirtschaft der Leibnizstraße wurde eingekehrt und das danebenliegende Haus, in dein sich der Uhren­warenladen des Hrn. Witzel befindet, in der Zwischenzeit von demSchlosserkarl" genau inspiziert. Tas Resultat muß ein gutes gewesen, denn die drei Einbrecher entfernten sich bald wieder, um in der Nacht zwischen zwei und drei Uhr ihrHand­werk" ausüben zu können. Mit Sperrhaken wurde die Haustüre, der Vorplatz und die Werkstättentür zu dem Witzelschen Laden geöffnet und aus dem Laden für 4800 Mark goldene Herren- und Damenuhren, Ketten und Ringe gestohlen. Tie drei Einbrecher begaben sich dann zu Fuß nach Höchst, von dort aus fuhren sie per Bahn nach Frankfurt. Tort wurden die ^gestohlenen Sachen von den Einbrechern zu Spottpreisen auf der Straße ver­kauft. Ter Gepp wurde später in Frankfurt bei einem Einbruchs­diebstahl und der Seitzinger in Karlsruhe erwischt. TerSchlosser­karl" könnte noch nicht ermittelt werden. Ter Gepp wurde in Frankfurt wegen zweier Einbrüche zu 7 Jahren Zuchthaus ver- urteilt. Tas Gericht verurteilte den Gepp zu der Gesamtstrafe von 11 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust und den Seitzinger zu 2 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust.

Kaiserslautern, 16. Nov. Der Wunderdoktor

Joseph Schwager aus Hoch-Speyer, welcher einem Patienten längere Zeit Urin zu trinken gab, wurde von der Strafkammer auf sechs Wochen einer Irrenanstalt zur Beobachtung überwiesen Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Paris, 16. Nov. Die Börse eröffnete feftz dann trat eine Reaktion ein. Ter Markt wurde trüge und schloß schwach auf das Gerücht von Verwickelungen, die mit dem Zwischenfall von Hüll in Verbindung stehen, sowie auf das Gerücht von einem Zusammenstöße zwischen Russen und Afghanen in Afghanistan. Man befürchtete auch eine Erhöhung des Diskonts in London für morgen. Spanische Werte waren stark angeboten aus das Scheitern der Vorlage betreffend die Verbesser­ung des Wechselkurses. In letzter Börsenstunde war das Geschäft gering und die schlechte Tendenz verschärfte sich noch, da man von Geldversteifung in Newyork sprach.,

N e w y o r k, 15. Nov. Tie auf die japanische Anleihe in Newyork-Stadt erfolgten Zeichnungen sichern bereits den Erfolg dieser Anleihe. Tie Listen bleiben jedoch bis Freitag offen, um das Eintreffen von Meldungen aus den Provinzen auf dem Postwege zu ermöglichen, da infolge des Sturmes die telegraphi­schen Verbindungen unterbrochen sind.

Neue Reichsbankanleihe. Nunmehr sind endlich die ersten Zuteilungsbriefe an die Zeichner abgegangen. Voraussicht­lich werden bis Ende der Woche sämtliche Zeichner im Besitze der Zuteilungsbriefe sein. Tie Entscheidung über den Zuteilungsmodus zögerte sich deshalb ungewöhnlich lange hin, weil die Reichsbank angesichts der starken Ueberzeichnung ganz besonders darauf be­dacht sein mußte, den Charakter der einzelnen Zeichnungen es liegen sehr viele Konzertezeichnungen vor zu prüfen und da­nach die Zuteilung zu handhaben. Kleine Zeichnungen, die offene bar Anlage zwecke im Auge haben, dürften wohl volle Berücksichtig­ung finden. Taneben w-ird die schleunige Erledigung der Zu­teilung noch dadurch erschwert, daß die Anteile auf den Namen ausgestellt werden. Aus allen diesen Gründen hat die Notierung an der Börse bisher noch nicht stattgefunden. Sie wird srühestens anfangs nächster Woche, natürlich nur für vollgezahlte Stücke, zu erwarten sein.

Die Fabrik feuerfester und säurefester Pro­dukte in Vallendar beschloß auf Grund des vorliegenden Materials die Klage auf Schadenersatz gegen die Berliner Han­delsgesellschaft nicht anzustrengen. Den Liquidatoren soll an- hfimgestellt werden, die Klage zu erheben, falls neues wesent­liches Material rechtzeitig gefunden wird. Der Sitz der Gesell­schaft wird nach Berlin verlegt.

Schnellbahn-Konferenz Tie erste Konferenz über das Projekt einer elektrischen Bahn zwischen Berlin und Ham­burg fand zwischen dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten und Vertretern der Firma Siemens und Halske, sowie der Allg. Elektrizitätsgesellschaft statt. Es blieb fürs erste bei allgemeinen Erörterungen, wobei die ungewöhnliche Bedeutung des Projekts allseitig' gewürdigt wurde. Andererseits wurden die großen Schwierigkeiten nicht verkannt, die sowohl die technische Lösung der Aufgabe, als auch die damit zusammenhängenden wirtschaft­lichen und finanziellen Fragen bieten. Tie in Betracht kommen­den hauptsächlichsten Gesichtspunkte wurden eingehend erörtert, wobei sich ergab, daß zunächst noch manche Punkte der näheren Aufklärung bedürfen. Weitere Erörterungen bleiben Vorbehalten. Ta wirds noch eine gute Weile per Dampf nach Hamburg gehen!

«Landwirtschaft.

Donaueschingen, 16. Nov. Der Verwaltungsrat der hiesigen Sparkasse hat gestern beschlossen, für alle jungen Landwirte des Amtsbezirks, welche die Kreiswinterschule in Villingen besuchen, das Schulgeld zu bezahlen.

Die Betriebsergebnisse der Oberheffischen Provinzial- Jungviehweiden im Sommer 1904.

Die Betriebsergebnisse der vom Landwirtschaftlichen Verein für die Provinz Oberhessen eingerichteten und unterhaltenen 4 Jungoiehweiden stellen sich für oen letzten Sommer wie folgt?

Die Weiden waren besetzt mit:

Fohlen. Rinder.

Wernings mit . . . , . 16 32

Tiergarten mit . .... 85 14

Zell mit ....... 59

Lauterbach mit ..... 61

Summa 101 166

Das Ergebnis des Betriebes ist aus folgender Tabelle er­sichtlich :

Gewichtszunahme.

Namen der Weide

Austrieb

Abtrieb

Weide­tage

niet)- Durch-

riefte ^od)fte schnitt

pro Tag kg

Kss

kg

Wernings

1. Juni

4. Oktbr.

124

16

125

60,76

0,49

Tiergarten

30. Mai

1-

123

33

83

56,46

0,47

Zell

30.

123

17

106

54,20

0,44

Lauterbach

19.

* ,,

134

3

127

93,00

0,39

Durchschnittliche Zunahme auf den 4 Weiden 66,10 0,52

Trotz des trockenen Sommers, der sich besonders in den Mo­naten August und September für die Futterproduktion der sämt­lichen Weiden außerordentlich nachteilig zeigte, ist also die durch­schnittliche Gewichtszunahme mit 66,10 kg mcht wesentlich geringer gewesen wie ün Jahre vorher mit 69,77 kg. Sämtliche Tiere, sowohl Rmder wie Johlen, kamen müangs Oktober in recht gutem Zustande von den Weiden, so daß die Viehbesitzer mit dem Er­gebnis der Weide recht zufrieden waren. Die Weide in Zell war wohl etwas stark besetzt, indem auf 60 Morgen Weidefläche 59 Tiere aufgetrieben waren, also aui einen Morgen ca. 1 Tier.

Berücksichtigt man, daß die Viehbesitzer für ein Fohlen für die Weideperiode 55 Mk., für ein Rind nur 35 Alk. an Weidegeld zu zahlen haben, so dürfte daraus hervorgehen, daß der Landw. Provmzialverem in den 4 Weiden nicht nur Einrichtungen hat, welche geeignet sind, unserer Viehzucht große Vorteile zu bringen, sondern' welche auch den Viehzüchtern ihre Zuchttiere billig er- nähren.

Israelitische ReligiorrSgeseltschast.

Gottesdienst.

Sabbathseier am 19. November 1904.

Freitag abend: 4.10 Uhr.

Samstag vormittag: 8.30 Uhr.

Samstag nachmittag: 3.30 Uhr.

Sabbathausgang 5.25 Uhr.

Wochengottesdienst: morgens 7.00, abends 4.00.

Israelitische Religionsgemelnde.

Gottesdienst in der Synagoge (Südaulage).

Samstag, den 19. November 1904: Vorabend 4.30 Uhr.

Morgens 9.00 Uhr.

Feier des Geburtstages Sr. König!. Hoheit de? G r o ß h e r z o g s.

Nachmittags 3.30 Uhr.

Sabbathausgang 5.25 Uhr.

Wm-fta I und Nasen behandele man nur

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