Ausgabe 
17.11.1904 Zweites Blatt
 
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Staaten Sorge tragen.

den

Sterbens." . .

(Fortsetzung folgt.)

Ausland.

Glasgow, 16. Nov. Bei der Beerdigung des Jachtkonstrukteurs Watson heute nachmittag ließ der deutsche Kaiser durch den Marineattache Kapitän zur See Eöper einen Kranz am Sarge niederlegen. 2^r Familie des Verstorbenen hatte der Kaiser telegraphisch sein Beileid ausgedrückt.

Wien, 16. Nov. In Trient fanden gestern und vor­gestern stürmische Kundgebungen der italieni­schen Stadtvevötlerung gegen deutsche Gastwirtschaften statt, denen die Fenster ein geschlagen wurden. Tie Polizer war gestern nicht mehr im stanoe, die Exzesse zu verhindern, weshalb Gendarmerie aus der Umgebung zum Sicherheitsdienst in der Stadt herangezogen wurde.

Budapest, 16. Nov. (Abgeordnetenhaus.) Gra Apponyi interpellierte ben Ministerpräsidenten, welchen Standpunkt die Regierung und der Minister des Aeußern betreffend die Initiative des Präsidenten Roosevelt zur

nie die Interessen ( - -

anderen vertreten. Der Großgrundbesitzer, der Großkausmann. der Großindustrielle kann ebenso wie der geringste Arbeiter verlangen, daß der Geistliche, der Seelsorger, der Mann seines Vertrauens ist. Das ist er aber nicht mehr, wenn er als sozialpolitischer Parteiführer in den Klaffenkamps der Gegen­wart gegen die Vertreter dieser Stände als entschiedener Gegner austritt. Deshalb können auch Geistliche nicht gut mehr Vorsitzende der evangelischen Arbeitervereine sein, feit diese, einer berechtigten inneren Entwickelung folgend, sich nicht mehr aus religiöS-sittlich-patriotische Betätigung be­schränken, sondern auch die wirtschaftliche Verbesserung ihrer

Kaminski ergriff hastig die bargebotene Hand und ehe es tzerdinand verhüten konnte, drückte er sie an die Lippen.

Tank tausend Tank" stammelte er.Nun fürchte ich den Tod nicht mehr." . . .

Tie Tat ist gesühnt", sagte Ferdinand,ich fordere keine Sühne."

,Halt, mein verehrter Derr Groller", unterbrach ihn der JustizralSo leicht geht die Sache nickt. Bedenken Sie, daß mic verpflichtet sind, diesen Vorgang gerichtskundig zu machen."

Ich glaube nicht." . . .

Gewiß, Derr Groller! Wir sind dazu verpflichtet."

Tun Sie Ihre Pflicht ich fürchte mich nicht mehr", sagte ter Kranke.Tie irdische Gerechtigkeit hat keine Gewalt mehr über mich." . . .

,M habe bi er", fuhr der Justizrat fort,ein kleines Proto­koll in meinem Taschenbuch ausgeietzt, während Sie sprachen, Herr von Kaminski, es enthält alle die von Ihnen angeführten Taten . . . soll ich es Ihnen vorlesen?"

Nicht nötig. Ich glaube Ihnen." . . .

Nun gut, dann bekräftigen Sie die Wahrheit des Proto­kolls durch Ihre Unterschrift ... es ist nur wegen Lebens und

Aus Stadt und Sand.

Gießen, 17. November 1904.

" Personalien. S. K. H. der Großherzog haben OberlandesgerichtLrat Forch zu Darmstadt von der Stelle eines richterlichen Mitgliedes des Landesversicherungs-- amtcs auf sein Nachsuchen enthoben, das stellvertretende richterliche Mitglied deS LandcSversicherungSamtes Land- gerichtsrat Lang zu Darmstadt zum richterlichen Mitgliede des LandesversichcrungsamteS für die Dauer deS von ihm zur Zeit bekleldetcn Hauptamtes und den Landgenchtsrat Leb recht zu Darmstadt zum stellvertretenden richterlichen Mitglied des LandcSversicherungsamtes für die Dauer deS von ihm zur Zeit bekleideten Hauptamtes ernannt.

" Baumfällen. In der Zeit des Baumfällens wer­den an den Straßen und in den Ortschaften die ReichS-Tcle-

graphcn- und Fernsprechlcitungen durch umstürzende Bäume oder durch herabfallende Aste häufig beschädigt, tveil die Personen, denen das Baumfällen obliegt, in der Regel die zur Sicherung der Tclegraphenanlagen gegen Beschädigungen erforderlichen Vorkehrungen überhaupt nicht oder in unge­nügendem Maße treffen und cS unterlaffen, von den bevor­stehenden Arbeiten dem nächsten Postamt rechtzeitig vorher Mitteilung zu machen. Es ist deshalb, da fahrlässige Be­schädigungen der Telegraphcnanlagen im § 318 des Reichs- Strafgesetzbuches mit Strafe bedroht sind, den Baumbesitzern anzuempsehlen, die nächste Postanstalt von der-bevorstehenden Baumsällung rechtzeitig vorher zu benachrichtigen, damit die Absendung eines geeigneten Beamten zur Sicherung der Lei­tungen veranlaßt werden kann. Dadurch erspart sich der Baumbcsitzcr etwaige Unannehmlichkeiten; alle Kosten für die Sicherung der Telegraphenleitungcn trägt außerdem in diesem Falle die Telegraphcnoerwaltung.

** Zur Stadtverordneten Wahl. Mit Biblio­thekar Dr. Ebel tritt zum ersten mal in Gießen ein er­klärter Kandidat der Bodenreformer in die Stadtver­ordnetenversammlung ein. Ter gesteril von uns erwähnte 1901er Kandidat Elte ist, wenn er auch von den Sozial­demokraten damals ausgestellt worden war, nicht Anhänger der sozialdemokratischen Partei.

R. B. Darm stadt, 16. Nov. Am heutigen J ahres­tage des Ablebens der kleinen Prinzessin Elisa­beth begaben sich der Großherzog und Prinz und Prinzessin Heinrich nach dem Mausoleum und legten da­selbst Kränze nieder. Ter Hosprcdiger hielt daraus eine lurze Trauerandacht ab. Heute mittag kurz vor 12 Uhr traf auch die geschiedene Großherzogin Viktoxia Melitta aus Koburg hier ein, begleitet von ihrer Schwester Beatriee, einer Hofdame und einem Kammer­diener in Koburger Livree. Tie beiden Fürstlichkeiten be­stiegen einen nach dem Bahnhof entsandten Hofwagen und fuhren direkt nach dem Mausoleum, woselbst sie Kränze und ein großes Kreuz aus weißen Blunien niederlegten. Nach etwa halbstündigem Aufenthalt am Sarkophag der Prinzessin fuhr die Großherzogin mit ihrer Schwester direkt wieder zur Bahn, wo sie mit dem Schnellzug 1.34 Uhr über Frankfurt nach Koburg zurückkehrten. Den: Präsi­denten der 2. Kammer ist heute von der Regierung der Gesetzentwurf über die lange erwartete Gemeindesteuer-

Refor'm zugestellt worden, ein sehr umfangreiches Akten- tück, dessen Beratung noch im Laufe der Wintersession erfolgen soll.

Frankfurt, 16. Nov. Die Frelsinnigen und Demokraten geben für die Stadtverordneten- Stichwahlen die Parole aus, daß unter keinen Umständen ein Anhänger der Konfessionsschule gewählt werben dürfe. Sie raten also ihren Anhängern, bei Stichwahlen zwischen Sozialdemokraten und Reaktionären den Sozialdemo­kraten zum Siege 311 verhelfen. *

VernriscyreA.

* Heidelberg, 16. Nov. Ter hiesige außerordent­liche Professor der Medizin Dr. Walther Petersen, der in den nächsten Tagen als Leiter des Roten Kreuz-Hosptkals nach dem Kriegsschauplätze abgehen sollte, wurde bei dent Zementwerke ,aiif einem Spaziergänge u b e r - fallen, durch einen Schlag ausi den tzmtertopf betäubt und seiner Barschaft beraubt. Der Professor erlitt eine

Schiedsgericht für Arbeiterversichernng.

Der Drucker Ernst Wiegand zu Alsfeld hatte sich am 30. Januar 1904 infolge eines Betriebsunfalles Quetsch­ungen am Zeige- und Ringfinger, insbesondere am Mittel­und kleinen Unger der rechten Hand zugezogen. Als End- chädigung hierfür bewilligte die Sektion 3 der Buchdrucker- Berufsgenossenschaft zu Frankfurt a. M. eine Rente von 50 Proz. der Vollrente, womit Wiegand jedoch nicht zu- riedcn war. Tie eingelegte Berufung konnte das Schieds­gericht nicht für begründet erachten, da eine höhere Erwerbsbeeinträchtigung als 50 Prozent nicht vorliege.

Ter Maurer Heinrich Funk zu Landenhausen bezog als Entschädigung für die Folgen eines am 12. April 1902 erlittenen Unfalls zuletzt eine Rente von 10 Proz., deren Zahlung die Sektion 6 der hess-nass. Baugewerks-Bernss-! genossenschast zu Gießen mit Bescheid vom 16. Juni 1904 eingestellt hatte. Das Schiedsgericht sprach dem Funk auf die verfolgte Berufung hin die Rente von 10 Prozent wieder zu.

Johannes Lochhaas, Maurer zu Frischborn, will sich am 14. Sept. 1904 beim Heben eines Ofens einen lints- citigen Leistenbruch zugezogen haben. Ta ihm die Sektion 6 vor gen. Berufs gen offen schäft diescrhalb eilte Rente nicht zu­erkannte, wandte er sich an das Schiedsgericht. Dieses kam jedoch zu der Ueberzeugung, daß es sich nicht um einen plötzlich, d. h. unfallsweise, sondern um einen allmählich entstandenen Bruch, also um eine krankhafte Veranlagung handle.

Dem Laglöhner Georg Ludwig Guth zu Södel hatte die Ziegelei-Berufsgenossenschaft zu Wiesbaden die Rent? von 20 Proz. entzogen, weshalb er durch seinen .Vertreter Berufung beim Schiedsgericht einlegen ließ. Tas Schieds­gericht beschloß, zunächst noch ein Gutachten von dem be­handelnden Arzt einzuholen.

Tie Sektion 5 der Steinbruchs-Berussgenossenschaft zu Hagen i. W. hatte den von dem Wilhelm Schäfer zu Roden­bach gestellten Antrag auf Wiedergewährung einer Rente abgelehnt. Die hiergegen verfolgte Berufung wurde vom Schiedsgericht als unbegründet zurückgewiesen, da nach den übereinstimmenden Gutachten Des Kreisarztes Dr. Königer zu Schotten und des Privatdozenten für Ehirurgie Tr. Bötticher zu Gießen eine wesentliche Verschlimmerung m dem Zustande des Schäfer nicht eingetreten ist.

Gegen die Einstellung der Rente von 15 Proz. hatte der Brauer Karl Zimmer zu Gießen Berufung eingelegt. Tas Schiedsgericht verurteilte die Sektion 9 der Brauerer- und Mälzerei-Berufsgenossenschaft zu Torttnund nach An- yörung des pr. Arztes Dr. Zinßer zur Weiterzahlung dep Rente. ,, , ,, . .

Tem Kernmacher Aug. Momberger zu Lollar hatte die Sektion 6 der Süddeutschen Eisen- und Stahl-Berussge-i nossenschaft zu Mainz als Entschädigung für eine Augen­verletzung eine Rente von 25 Proz. zugebilligt. Momb. war hiermit nicht zufrieden und wandte sich an das Schieds­gericht. Ter Berufung wußte jedoch der Erfolg versagt werden.

Ebenso erging es der Berufung des Heinrich Lecke zu Wölfersheim gegen den ihm eine Rente von 15 Proz. be­willigenden Bescheid der Sektion 12 der Ziegeler-Beruss- aenosjenschaft zu Wiesbaden. rx... . .

Tie Zahlung der dem Johaniies Günther zu Köddingen mit Bescheid vom 1. Oktober 1897 gewährte Invalidenrente hatte die Jnv.-Vers.-Anstalt Gr. Hessen eingestellt, da Er-, werbsunsähigkeit im Sinne des Gesetzes nicht mehr vor­liege. Tas Gericht schloß sich dieser Ansicht an und wies die eingelegte Berufung als unbegründet zuruck.

Ter Arbeiter Adam Müller zu Kirch-Göns will sich am 7. Nov. 1903 bei der Beschäftigung in einer Tongrube einen Bruch zugezogen haben. Tie Berufsgenossenschaft lehnte die Gewährung einer Rente ab, weshalb Muller die Sache beim Schiedsgericht anhängig machte. Tiefes konnte jedoch einen Betriebsunfall als vorliegend nicht ' erachten und verwarf die Berufung.______ '

Verhältnisse anstreben.

liebet die Qualifikation der Nealschulabiturienten zum juristischen Studium

fällt in einer Fachzeitschrift der bekannte Berliner Oberlehrer und Univ.-Profeffor Dr. phil. et jur. Bernhard K übler auf Grund der Erfahrungen, die er während fünf Semestern als Leiter der Kurse zur sprachlichen Einführung in die Quellen des römischen Rechts gesaniinelt hat, ein intereffantes Urteil. Er äußert sich u. a. wie folgt:

Was die Resultate und Leistungen betrifft die bisher in den Kursen erzielt worden sind, so haben die Gymnasiasten, bic im Lateinischengut" odergenügend" erlangt haben, vor den übrigen einen Vorsprung, der nickt so leicht eingeholt werden kann. Auch sind ihre exegetischen Arbeiten meiste vom ersten Vmucke an schon von wissenschaftlichem Geiste getränkt. Abgesehen von diesen aber sind die übrigen Teilnehmer in Bezug auf ihre Leistungs- fähigkett nicht wesentlich von einander verschieden. Am un- vorreildaftesten stellen fick in der Regel die Gnmnasialabtturien- leit dar, die im Lateinischen nickt das Prädikatgenügend" er­langt haben. Sie sind gewöhnlich Ausnahmen gibt es natür­lich auch hier nicht nur so unwissend, sondern auch so un­begabt, datz man nicht gut begreift, wie sie ein Reifezeugnis erhalten konnten. Nach den bisher in den Kursen gemachten Er­fahrungen dürste sich die Ansicht derer bestätigen, die glauben, daß es auf Schulart und Lehrpläne weniger an kommt als auf die Qualität der Schule, den Geist der Lehrer und die geistige Zucht. Ein guter Schüler eines guten Realgymnasiums ist für das Studium besser vorbereitet als ein schlechter Schüler eines Gymnasiums. Und mehr als aller Schulunterricht tun Begabung und Eifer und Lust zur Sache. Mancher Oberrealschüler, der auf der Schule fein Wort Latein gelernt hat, bewältigt, nachdem er ein Jahr lang fleißig Lateinisch getrieben hat, die schwierigsten Pandektenstellen geschickter, als viele Gymnasiasten, die neun Jahre lang in jeder Wockw ihre 68 Stunden lateinischen Unterricht gehabt haben. Soll also nach den vorsrehenden Bemerkungen noch ein Urteil darüber abgegeben werden, ob die Zulassung der Zög­linge unserer drei höheren, neunklassigen Bildungsanstalten zum lunstischen Studium als iegensreich^zu betrachten ist, oder mckst, so kann dieses nur in beiahendem Sinne ausfallen. Sollte dem fortgesevten Trängen der-zahlreichen Gegner des humanistischen Gymnasiums einmal nachgegeben werden und dies schien aus mehreren Gründen unvermeidlich so gab es nur zwei Lösungen der ganzen Frage: entweder so zu verfahren, wie jetzt geschehen, oder die Einheitsschule einzurichten. Bon diesen beiden Wegen dürfte aber der erstere der empfehlenswertere sein. Wenn irgendwo das Uniformieren nicht am Platze ist, so ist es im Schulfacke. Wie hter, wenn große Ziele erreicht meroen füllen, J>er Jndivwualität und Neigung der Lehrer möglichst weiter Spielraum gelassen werden muß, so ist es andererseits auch nicht wünschenswert, daß im großen deutschen Vaterlande alle Menschen nach demselben Schema erzogen werden; auch der Begabung und den Neigungen der Zöglinge muß Rechnung getragen werden, und der chic wird sich in seiner Knabenzeit lieber mit den matl-ematisch-naturwissen- fchajttichen Fächern, der andere mit grammattsch-hilwrischen Singen bescyäftigen und darum seinen Geist bilden. Tarum können doch beide gleich 'gute Juristen werden.

cincS einzelnen Standes flenenüber bciWlMiut'l einer neuen Frie de ns k o n fe r c M ein» v«Sr°8amndb.sitz-r, b« Labungen stzm-

nrttsische Aufnahme und bereitwillige Unterstützung finden werden. Der Miliisterpräsidcnt fährt bann fort: Allerdings kann jedoch eine solche Mion nur bann von Erfolg begleitet ein, wenn alle Großmächte sich ihr anschließen. Leider ist der gegenwärtige Moment hierfür nicht eben günstig. 5)010)1 "bebcutct dies nicht, daß lvir die Idee allen lassen, sondern soviel, daß wir uns beftrcbcn, diese Frage im günstigen Moment zu lösen und für diesen günstigen Moment Stimmung vorzubereiten. Ich glaube, daß eine diesbezügliche Initiative auf die tatkräftige Unter- tützung sämtlicher kompetenter Faktoren der österreichisch- ungarischen Monarchie rechnen kann.

Belgrad, 16. Nov. Der König eröffnete die Sknpsch- tina mit der Thronrede. Er erklärte, daß die Bezieh­ungen Serbiens zu den fremden Staaten geordnet und reundschaftlich feien. Die traditionellen Sympathien zu >cm glaubens- und blutsverwandten russischen Volke eien mit Rücksicht auf die gegenwärtige Lage des großen lawischen Kaiserreiches noch stärker geworden. Tie Thronrede betont, daß die Staatseinnahmen trotz des ungünstigen Ernteergebnisses größer seien als im vergangenen Jahre und daß alle Annuitäten der Staats­schuld sür 1904 bereits bezahlt seien. Dadurch sei es mög­lich geworden, von ber vierzigprozentigem Zuschlagsteuer abzusehen und an die Befriedigung wichtiger volkswirt­schaftlicher Bedürfnisse zu gehen. Tie Thronrede erklärt chließlich, die Regierung werde für die Erhaltung oder die Erneuerung der Handelsverträge nut anderen

Rene Menard vertreten; von Ungarn finden wir Munkacsy, Laszlo, P. v. Szinyei-Merse, von öollänbcrn Blommers, Neuhuys, Henriette Ronner, Therefe Schwarze; nach England führt der in Holland geborene L. Alma Tadema, während Constable und Holmann Hunt die echt englische Kunst repräsentieren. Auch Rußland kommt durch den im russisch-japanischen Kriege leider jämmerlich umgekommenen Wereschtschagin und ferner durch E. Somosf zur Geltung, außerdem sind noch Tänemark, Schweden, Spanien durch einzelne Vertreter charakterisiert. Es ist eine überaus reichhaltige ästhetische Speisekarte, ungemein reich an feingewürzten Darbietungen, die durch ihre Gegensätze doppelt interessieren. Tas Anmutige erscheint lster neben dem Ernsten, das Zarte neben dem Kräftigen in wirkungsvoller Mischung. Tie Auswahl und Durchführung der Sammlung, die Qualität der Wiedergabe und die geichmackwolle Ausstattung verdienen höchstes

Hermann Heijermans: Kettenglieder. Ein fröhliches Spiel am häuslichen Herd in vier Aufzügen. Ver­lag von Egon Fleischel u. Co., Berlin W. 35. Preis: 2 Mk. Ein frölstiches Spiel am häuslichen Herd" nennt Heijermans, ber Tichter derHoffnung", sein neues Stück. Welch' beißenoe Ironie auf den ^nhatt; denn l .er sind die Bilder, die er vor unseren Augen entrollt. Jröhliu) nennt er diesen Familienkonslitt, der mit der Vernichtung des Familienvaters endet! Welch'packen­der Realismus starrt uns aus diesein Werk an Welche Trastik in den einzelnen Szenen! Tas sind rvirtlidye Menschen aus Fleisch und Blut mit allen ihren Fehlern und schwächen. Darum packt der Inhalt den Leser, daher die ergreisende Wirkung auf den Beschauer Diese Kinder, die ihrem Vater culeS verdanken, was sie sind, und ihm zum Daiik dafür aus Egoismus und Angst vor der Lächerlichkeit den Irrenarzt iiiS Hani- schicken. ~uic Frauen, die ihren Männcrii die Häuslichkeit zur Holle machen mit ihrem Gekeife unb ihrer kleinlichen Zanksucht, -öni Gegensatz dazu die Gestalt ber Marianne, die turmhoch über diesen Weibern steht, auch wenn sie fici) unerlaubter Mittel bedient hat, nm endlich einmal - herauszulommen aus ber Niedrigkeit, in Die sie em

,in-iaer Fehltritt qebramt. Tragisch ist bas Ende. Gebrochen st Sic Kraf des vorher noch rüstigen Mannes; Marianne geht wieder ins Elend hinaus. .Henermans zeigt uns auch m diesem Werke, daß er ein Meister des Naturalismus ist. Er ist fortaesckritten auf dem Wege, den er mitO r a e t lab 0 r a , hns mich aeleien zu werden verdient, betreten hat. Wer wirk­liche Menschen kennen lernen will und es nicht vorzieht, sich an den heroischen Taten immöglicher Jdealgestalten zu berau­schen der le e die Werte dieses niederläiidischen Dichters. t

L_ Stuttgarter Hoftheater-Neubau. In den Tfirnurche bei Eröffnung des württembergischen Landtags hat ber König nachdrücklich betont, daß er die Lösung der Hoftheaterbau- l°7c mitmöglichster Beschleunigung" undin einer den küust. ergeben Interessen der Residenzstadt und des Landen entsprechen­den Weist" wünscht. Der bem Landtag zunächst vor gelegte Gesttz- entmuri enthält lediglich nachträgliche Forderungen für das ^n- terimlheater und sein Inventar sowie für Herstellung von fßläncn und Kostenvoranschlägen für das neue Bauprojekt. Neuer- bingö hat die Regierung sieben Baupläne ausarbeiten lassen, bie ber Landtagskommission nun vorliegen. An bem Projekt eines Doppelhauses (eines großen Operiihauses und emes Ul­timen Schauspielhauses) hält die Regierung im Einvernehmen mit ber Hoftheaterintendanz grundsätzlich fest, doch verlangt sie zu­nächst nur die Erbauung des Opernhauses auf einem Platz, der ben späteren Anba u eines Schauspielhauses zulagt. Die Kosten der Ausführung der borgclcgten Plane schwanken zwischen 41/2 unb G-2,3 Millionen Mark. Ende nächster Woche mjrb Die Finanzlommissioii ber Abgeordnetenkammer die Beratung der Projekte beginnen. Für Gewinnung des cnogiltigen Bauplans soll eine Preiskonkurrenz ausgeschrieben werden. ,

Braunschweig, 16. Nov. Zur Feier des 50 1 a h r 1 g c n Schriftsteller-Jubiläum s Wil l)_e 1111 R a abes fand gestern abend unter reger Teilnahme ein Festmahl ihui während desselben lief ein Glückwunschtelegramm von dem PMzregenten ans Camenz ein. Ans allen Teilen Deutschlands sind Glückwünsche cingcgangcn.

Meister der Farbe. Europäische Kunst der Gegenwart. Lerlag von E. A. Seemann, Leipzig. Lieferung 38. Einzel­preis bet Lieferung 3 Mk., in Substrrptron 2 Mk. Die höchst dankenswerte pompöse Publikation bietet meisterhafte farbige Nach­bildungen, br durch erläuternde Texte von berufenen Federn begleitet sind In der Sammlung begegnen uns von deutschen Hans Thoma, ^oh. Sperl, L. v. Zumbusch, Eugen .ar Liebermann, Max Giese, s

r^chern- Rad v. Air, Robert Schiff Walter Hampel und Gio- namu S-ganuni, wenn man bieicn Meister nicht zu den Jta- diiv-n will; Fran 1 mon,

I F. Ranaelli, I. E. Blanche, Ed. Manet, El. Monet unb

Küche uno schule.

Gymnasiallehrerinnen. TerSüdwestd. Korresp." zufolge soll ,ich der badische Kultusminister dahin ausgesprochen haben, daß einer Anstellung von solchen Frauen, die das philologische Staatsexamen gemacht haben, an Gymnasien nieyrs im Wege stehe. Es wird damit in erster Linie das Mädchengymnasium in Karls­ruhe gemeint Is,etn, doch sollen auch die unteren Klassen der Knabengymiiasien in Betracht gejogen werden.