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17.11.1904 Zweites Blatt
 
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Nr. 271

Zweites Blatt

Gießener Anzeiger

Erscheint ttglich mit Ausnahme de- Sonntags.

Rotationsdruck unß Verlag der BrÜhllchm UnwersttätSdruckeret. R. Lange, Gießen.

Redaktion, ExpedUton u. Druckerei: Schulstr. K» Tel. Nr. 5L Tetegr^Adr. t Anzeiger Dietz«»

154. Jahrgang

1 ;Siehener KamlliendlStter- werden dem »feiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Landwirt- erscheint monatlich einmal.

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"ufl Donnerstag 17. November 1904

General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.

3SC8B

Hessens bei.

M Erweiterung des Nauheimer ZLades vor der zweiten Kammer.

R. B. Darmstadt, 16. November.

' )ie zweite hessische Kammer hat mit dem heutigen Tage i Beratungen wieder ausgenommen. Der Präsident er- riete die Sitzung um 10 Uhr vor gut besetztem Hause, -egrüßte die Abgeordneten und sprach den Wunsch aus, daß sich die Kollegen bei den Verhandlungen in ihren Aus­führungen einer möglichsten Kürze befleißigen möchten. Es seien viele und große Ausgaben zu erledigen und von den wch zu erwartenden Regierungsvorlagen werde besonders . e über die Reform der Gemeindebesteuerung eine urnfang- äche Beratung erfordern.

Am RegierungStisch hatten inzwischen Platz genommen: taatsminister Rothe, Finanzminister Gnauth, Geh. Rat Milbrand, und die Ministerialräte Frhr. v. Biegeleben, Dr. Best und Oberbaurat Schmick.

Bor Eintritt in die Tagesordnung verlas Abg. K öhler- rnngsdorf die gestern bereits von uns im Wortlaut wieder­gegebene Erklärung bezüglich des Eberstadter Kindes­mords.

Das Haus tritt darauf in die Tagesordnung ein und -erweist die Anträge und Vorstellungen Nr. 115 an die zuständigen Ausschüsse. Erster Gegenstand der Beratung ist d'e Regierungsvorlage, betr. Bad-Nauheim in Verbindung mit der Vorstellung der Dampfwaschanstaltsbesitzer Menzel und Schönwasser in Bad-Nauheim.

Der Finanzausschuß hat bekanntlich durch seinen Be- ''chterstatter, Abg. Ulrich, den einstilnmigen Antrag gestellt jU genehmigen, daß für das Etatsjahr 1904 noch 1688 600 ^..ark und für 1905 1 239 500 Mk. im Wege des Staats- Kredits flüssig gemacht werden, um mit den Bauten beginnen ' können, 2. zuzustimmen, daß die aus dem Verkauf des gu Staatsdomänen gehörenden Salinengebäudes zu erzielenden .rnnahrnen dem Erneuerungsfonds für Bad-Nauheim zu- flleßen, mit der Bestimnmng, daß sie zur Verminderung der Kapitalausnahme oder zur Tilgung des Anlehens dienen sollen, 3. die Negierung zu ersuchen, a) zu prüfen, ob und in wel- . cher Weise für Minderbemittelte weitere Erleichterungen cin- treten können, sowie b) beim Abschluß von Verträgen rnit t.ernehmern möglichst darauf zu sehen, daß die mit den Arbeiterorganisationen vereinbarten Löhne und Arbeitsbe­dingungen anerkannt und Streiks oder Aussperrungen micht Naturereignissen gleichgestellt werden, 4. die Eingabe der Dampfwaschanstaltsbesitzer Menzel und Schönwasser sür er­ledigt zu erklären.

Die Debatte darüber eröffnet Abg. Wolf-Stadecken. Er betont, daß die Ankündigung der Vorlage mit ihrer For­derung von 6^z Millionen Mark im ganzen Lande Aufsehen hervorgerilfen habe. Er sei dafür, daß der Staat in Nauheim gute Einrichtungen treffe und die Heilquellen möglichst bequem Jedermann zugänglich mache. Aber die Negierung habe keine Veranlassung, neue große kostspielige Anlagen aus rein humanen Gründen zu schaffen, sie müsse auch den kauf­männischen Standpunkt dabei m Betracht ziehen. Er sei auch nicht dafür, daß sich die Kammer jetzt auch sür die Zukunft in der Frage binde. Es müsse auch dem nächsten Landtage vollkommen freie Hand gelassen werden.

Abg. Dr. Windecker führt aus, die Regierungsvorlage sei so eingehend begründet worden, daß über die Notwendig­keit der Forderung kein Zweifel bestehen könne. Redner gibt eine sehr ausführliche Schilderung der jetzigen Verhältnisse in Bad-Nauheim, dessen Freindenbesuch von 4000 im Jahre 1880 auf 25 000 im Jahre 1904 gestiegen sei. Die sämt­lichen Badeeinrichtungen in Nauheim seien völlig veraltet und absolut unzureichend. Wenn die Kammer die Vorlage an- nehme, erfülle sie nicht nur eine Pflicht sür Bad-Nauheim und den Staat, dem damit eine auSgezeichiiete Steuerquelle weiter erschlossen werde, sondern sie handle auch im all­gemeinen Interesse und trage zur Befestigung iind Ver­schönerung von Bad-Nauheim, dieser Perle in dec Krone

zum lebten Mal um anzuslehu. Ich ließ mich jedock

in dem Torfe und auf dem Gute nicht sehen, foiibern erwartete Groller im Walde, wohin ich ihn am Abend bestellt hatte. Er kam. . . und dann..." ,

Er stockte und legte die Hand vor die Augen, als blendete ihn ein Schreckbild. t pi. t

Fahren Sie fort", sagte der Iusttzrat ernst, der sia) ins­geheim einige Notizen über die Aussagen Kaminskis gemacht hatte. , , _ _, w

Ah", fuhr dieser nach emer Welle fort.Sre kennen nicht die Enipfindungen eines gehetzten Wildes, die mich da­mals beseelten! Gewiß ich will nicht heucheln und Mich selbst belügen gewiß, ich war schuldig ich hatte ein aus- sLstveifcndeS und in dem letzten Jahr verbrecherisck)es Leben geführt. . . aber das Ghitc, das Edle war noch nicht ganz in mir erstorben ... ich schämte mich vor meinem Weibe ihr gegenüber wollte ich damals noch den Anschein eines an­ständigen Mannes aufrecht ereilten. Ich mußte den Wechsel haben! Ich bat, ich flehte, ich drohte alles umsonst. Groller blieb bei feinem Voriatz, mich zu verderben. Höhnisch zeigte er mir die Brieftasll-e, in der das verhängnisvolle Papier ver­borgen loar. Ich stürzte auf ihn zu, um ihm die Brieftasche zu entreißen... ein kurzer Kampf entstand... er stieß mrch zurilck.Fort!" rief er,Oder ich schieße dich wie , einen Straßenränder nieder!" Er erhob di-e Büchse gegen mich da packte mich sinnlose Wut, ich richtete den Revolver aus ihn. Teil Wechsel oder ich schieße!" rief ick. Ta lachte .er au, seine Büchse krachte ... ich hörte die Posten an ment Ohr vorüberpseifen. . . ich l'choß gleichfalls. . . und er fttirzte mit einem leichten Aufschrei nieder." . . .

Tiefe Stille l-errschte. tyerbimmd hatte sich seitwärts an den Tisch gesetzt, das Haupt ui ine Hand gestützt. Er wollte den Mann nid)t ins Gefiual scheu, der je-fivcn Brnoer erschossen und den er doch nicht schuldig erklären konnte. Gott mochte richten, wen die größere Schuld traf, seinen Bruder oder dics^» Unglück­seligen hier-

Abg. Ulrich wendet sich gegen die Auffassung, als ob der hessische Staat den Besuchern von Bad-Nauheim irgend eine Wohltat erweise. Redner legt dann die Beweggründe für die Beschlüsse des Finanzausschrlffes näher dar und be­tont, daß keine Gründe vorlägen, auf die Vorstellung der erwähnten Dampfwaschanstaltsbesitzer näher einzugehen.

Abg. Molth an äußert im einzelnen verschiedene Be­denken über die geplanten kostspieligen Umbauten, erklärt aber zum Schluß, daß er im Interesse Nauheims dem Ausschußantrag zustimmen werde.

Abg. Tamm-Friedberg bemerkt, daß er den die Vor­lage empfehlenden Reden nur wenig beizusügen habe. Er müsse aber seine Bedenken äußern gegen den Vertrag zwi­schen der Badedirektion und der Stadtverwaltung hinsicht­lich der Ablassung der elektrischen Energie an die letztere. Tie Bestimmungen seien namentlich bedenklich im Falle der Anlage einer elektrischen Bahnverbindung z-wischen Nauheim und Friedberg. Tie Regierung habe keine Ver­anlassung, spch hinsichtlich der event. Konzessionserteil- ung sür eine elektrische Bahnanlage an die Zustimmung der Stadt zu binden und zwar gleiche auf 15 Jahre. Er stelle den Antrag, von dem Titel für die einheitliche Majchinen- anlage, für welck)en 954 400 Mk. gefordert werden, den Betrag von 30 000 Mk. zu streichen, um die Regierung zu veranlassen, behuss Gewährung freier Hand bei der Kon­zessionserteilung noch einmal mit der Stadtverwaltung von Nauheim in Verbindung zu treten.

Funanzminister Dr. Gnauth spricht in seinem und der Regierung Namen der Kammer und dem Finanzaus­schuß Dank aus sür die verständnisvolle Aufnahme und Be­urteilung der Regierungsvorlage und widerlegt dann die vom Vorredner hinsichtlich des Vertragesc-nu Der Stadt Nauheim gehegten Bedenken. Zu Absatz 3b des Aus­schußantrages über den Abschluß von Verträgen bemerke er, daß die Maurer-, Zimmer- und Weißbinder-Arbeiten an die dem Mitteldeutschen Arbeitgeberverband angehören­den Unternehmer vergeben würden, die ja erst kürzlich ein neues Abkommen mit ihren Arbeiterii getroffen hätten. Auch der Negierung liege daran, daß die Arbeiten nicht durch unliebsame Störungen unterbrochen würden, und sie habe daher schon stets solche Unternehmer bevorzugt, die mit ihren Arbeitern in guten Lohnverhältnissen standen. Be­züglich der Frage, ob Streiks und Aussperrungen als Natur­ereignisse zu betrachten seien, habe die Bauabteilung keine prinzipielle Entscheidung getroffen, sondern sich von Fall zu Fall nach Untersuchung der Sachlage schlüssig gemacht; sie behalte sich auch sür die Zukunft ihre Stellungnahme vor.

Abg. Brauer bringt daraus einen Antrag ein, den Absatz 3 b ganz zu streichen.

Abg. Bähr bekenne sich als Gegner der ganzen Vorlage und wendet sich namentlich gegen die Errichtung einer staatlichen Dampswaschanstalt.

Finanzminister Dr. Gnauth legt dar, daß die geplante Waschanstalt im Interesse des Bades erbaut werden solle; sie stehe in Verbindung mit der Zentralmaschinenanlage und dadurch werde die Anstalt auM wirtschaftlich besser ver- werrer. Der jetzige Zustand habe zu vielen Mißlichkeiten geführt und könne unmöglich so bleiben.

Abg. Adelung bringt zu 3a den Antrag ein, hinzuzu- sügenauch an Krankenkassenmitglieder"; Redner begründet den Antrag.

Abg. Wolf motiviert nochmals seinen Standpunkt und gibt zur Erwägung, vorerst nur das Allernottvendigste zu bewilligen.

Abg. Weidner stellt den Antrag, die Forderung von 268000 Mk. für die staatliche Waschanstalt zu streichen. Es sei nicht recht und billig, die Vorstellung der Privatwasch- anstaltsbesitzer so einfach von der Hand zu weisen; eine Berücksichtigung sei auch im Interesse der dabei beschäftigten Arbeiter geboten.

Abg. Bähr schließt sich den Ausführungen des .Vor­redners an.

Abg. Er am er wendet sich gegen diesen Antrag und bemerkt, der Unternehmer müsse sich im vorliegenden Fall ebenso dazu bequemen, eine andere Tätigkeit zu suchen, mie der aus einer Fabrik entlassene Arbeiter auch.

Finanzminister Dr. Gnauth beleuchtet nochmals die Zweamäßigkeit einer staatlichen Waschanlage, die im In­teresse des AadeS durchaus notwendig fei._____

Ker Aing.

Kriminal-Roman von O. Elster.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) .

Kaminski atmete tief auf. Tann sagte er mit finsterer Ent­schlossenheit, sich gewaltsam ausrasfend: . r,

Sie halten mich für schuldiger, als ich in der ^at bin. Hören Sie mich an und ich schwöre Ihnen, daß ich die Wahrheit rede. Mein Leben kennen Sie Sie wchen, daß ich mich durch die Arbeit mit meiner Frau emporzuardellen ver­suchte, Sie wissen, daß das an der Hartnäckigkeit meines Schwieger­vaters und an meinem eigenen Stolz scheiterte. Ich sank nneaer in mein altes Leden zurück. Aber bei Gott, ick) liebte ntcin Weib, und ich schämte mich vor ihr einzugestrhen, dag ich unser Leben auf unredliche Machenscyasten, Smtl, Wetten aus der Rennbahn und so weiter gründete. Ich redete wr vor, daß ich Angestellter eines Rennbereins sei und vcrpsiuytet wäre, die Rennbahn zu besuchen. Sie glaubte unb vermute mir. Eine zeitlang ging alles gut. Ich wußte den ecbetn einer anständigen Existenz aufrecht zu erhalten, Anna war gluallch. Ta drohte jene Wechselklage kam es dazu, stürzte mein Lügengebäude Lusammen und ick stand als Betrüger^ da mein und meines Weibes Leben war vernichtet. Ich stt'hte Groller an, mir Zeit zu lassen, den Wechsel zu prolongieren. Ter hartl-erzige Mann verweigerte es er wollte mich ver­derben, denn er haßte mich, seit ich ihn einmal au5 meiner Wohn­ung gewiesen, well er sich ungebührlich gegen meine Frau be­nahm. , ,,

So lagen die Verhältnisse, als ich nach Harzburg, wo ich snich gerade der großen Rennen wegen befand, von Groller >ie Nauricht erhielt, daß er den W/chstl dem Gericht übergeben unirbe, wenn ich bis zum 15. Hnli nicht gezahlt habe. Groller Wand sich damals in Wendesten. Ich reifte dorthin, um ihn

Abg. Ulrich als Ausschußberichterstatter erklärt sich mit dem Antrag Damm einverstanden, der Antrag Weidner sei jedoch unannehmbar.

Abg. Weidner tritt der letzteren Behauptung ent­gegen und ersucht das Haus um Annahme seines Antrags., Man solle wenigstens eine Prüfung darüber eintreten lassen, ob es nicht doch mit dem Privatbetrieb gehe.

Abg. I o u tz empfiehlt gleichfalls Mlehnung der For­derung und Beibehaltung des Privatbetriebes; man könne nicht den Betrieb verstaatlichen, ohne die Privatbesitzer zu entschädigen. Redner kritisiert auch die viel zu kostspielige Anlage der beiden Verwaltungsgebäude für Bad-Nauheim.

Bei der nun erfolgenden Abstimmung werden Absatz 1 und 2 des Ausfchußantrages genehmigt, der Antrag Weidner abge­lehnt. Dagegen wird der Antrag Damm auf Streichung von 30000 Mk. angenommen, na^dem zuvor noch der Herr Finanz. Minister erklärt hat, daß der Regierung ebenfallsfreie Hand" lieber gewesen wäre und sie bei Annahme des Antrags in neue Verhandlungen mit der Stadt eintreten werde. Der Absatz 3a wird mit dem Znsatzantrag Adelung angenommen, Absatz 3b aber nach dem Antrag des Abg. Brauer abgelehut. Absatz 4 endlich der Ablehnung des Antrags Weidner entsprechend ange­nommen.

Schluß der Sitzung IV2 Uhr. Nächste Sitzung Donners- tagjrup Utp;. _

Kartammlarrsches aus KeM.

Der 2. Ausschuß beantragt, den Antrag der 9Tbg^. Häusel und Genossen betreffend Abänderung des Gesetzes über die Enteignung von Grundeigentum der Großh. Regierung zur Erwägung anbeimzugeben mit der Maßgabe, die Regierung möge im Anschluß an die Re­vision der «Verwairungsgesetze auch eine Reviiion des Ge­setzes über die Enteignung im Sinne einer .Vereinfachung des Verfahrens stattsrnden lassen.

Die freie christliche (deutsch-katholische) Gemeinde in Mainz hat seinerzeit an die Regierung eine Vorstellung eingereicht, in der sie bat, dafür zu sorgen, daß die Regierung den in Mainz wohnenden freireli­giösen Prediger zum Schulvorstand zulasse. Die Regierung gab darauf eine ablehnende Antwort. Der 2; Ausschuß ist der Ansicht, daß es nicht angängig.ist, der Re­gierung zuzumuten, gegen ihre Ueberzeugung zu handelns, daß vielmehr die Regierung lediglich^ auf dem Wege der Gesetzgebung andere Verhältnisse schaffen könnte, daß aber dieser Weg, der von der Regierung beschritten wurde, nach einstimmigen Beschlüssen der Kammer sich als nicht gang­bar erwiesen hat. Der Ausschuß beantragt deshalb, die Kammer möge beschließen, der Vorstellung keine Folge; zu geben.

Volilüche Tagesschau.

Der Geistliche als Sozialpolitiker.

In seiner Rede zum Antritt des UniversitätK- Rektorats hat der Professor der praktischen Theologie, Geh. Kirchenrat V.Rietschel-Leipzig, die Frage: ^Hat der Geist­liche das Recht, als Sozialpolitiker zu wirken?^ mit einem unbedingtenNein" beantwortet. Der Geist­liche kann, so führte er aus, seine eigene politische Ueber­zeugung haben und sie auch vertreten, wenn es nötig ist, aber er schädigt sein amtliches Wirken, wenn er als Partei­politiker oder Sozialpolitiker eine öffentliche, zumal agitatorische Tätigkeit entfaltet, mag er nun, wie es jahrzehntelang als selbstverständlich galt, die Politik derKreuzzeitung" machen und die Kirche zur geistlichen Polizeimacht herabwürdigen, oder mag er sozialpolitischer Stimmführer werden, indem er, anstatt für die oberen Stände, vielmehr Partei für die unteren ergreift, um der Sozialdemokratie eia Paroli zu bieten. Fühlt ein Geistlicher aber das Zeug in sich, als Sozialpolitiker wirklich eine hervorragende, führende Rolle zu spielen, so wird er mit Naturnotwendigkeit sich sehr bald vor die Ent­scheidung gestellt sehen, zwischen seiner pfarramtlichen und seiner sozialpolitischen Tätigkeit zu wählen, weil beides auf die Dauer sich schlechterdings nicht verträgt. Der Geistliche gehört seiner gesamten Gemeinde an, er darf

Ihre ErzLhlung dingt ganz rt-K^i^oimiu)^jagte der Justiz­rat nach einer Welle.Nur eines ist mir nicht ganz erklär­lich. Ihre Zusammenkunft fand In der Nacht, im Walde statt, wie konnten Sie da so sicher treuen?"

Es war ziemlich heiler Mondschein. Mer dieser Todes­schuß war doch wohl ein Zufall ... ich zielte nidtt . . . ich schoß blindlings auf ihn, den ich heute noch als schwarzen Schatten vor mir stehen sehe ... ich Hütte ihn am Taqe fid^r*. lich nicht gefehlt, daß ich ihn in jener Nacht traf, war Zufall . «* oder Gottes Wille" . . .

Sic malten sich diesen Zufall aber zu Nutze", sagte der Justizrat meit leiser Ironie/

Als er niedersturzte stand ick einen Augenblick wie ver­steinert dann blitzte in mir der Gedanke auf, mich der Brief­tasche $u bemächtigen... sie lag am Boden neben ihm. . \ ich raffte sie auf und entfloh, ohne mich zu versichern, ob er nur verwundet oder ob er tot war." . . .

Sie fuhren bann nach Berlin?"

Ja . . . aber nicht von ixr «Station Wendefsen auS. Ich ging nach einer anderen Richtung und benutzte auch nicht die Eisenbahnlinie, totldjc über Wendesstn nach Berlin führt, son­dern erreichte gegen Morgen die Station Mlcndorf der Linie Hannover-Berlin, wo ich den Frühschnellzug Köln-Berlin be­stieg."

Wie kam es, daß niemand Sie bemerkte?",

In Wcndessen gab ich mich für einen GcschLstSreiseiibcn ftu5, der die kleinen Lanchtäblchen besuchte. In der Nackn sah rm«b niemand in Allendors am frühen Morgen nur einige Bahn­beamte, denen ich ui meinem Reiseanzug nicht aussiel. ee nun wissen Sie alles und nun schleppen Sw mia) vor das Spricht. Was icq gesagt baue, ist wahr, so iualir mir Gott in meiner letzten Stunde, die nicht mehr fern ist, inlfeit möge." . . .

Erschöpft sank er in die Kisten zurück und schloß die Singen. Ferduu.no erhob sich und trat an das Bett deS Kranken.

Ich glaube Ihnen" sprach er tief bewegt,und vcrzckhe Ihnen hier meine Hand."