Ausgabe 
16.6.1904 Erstes Blatt
 
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Beseitigung der Mißstände aus Klaffe 42. Auch wird eine baldige Revision des Geschmacksmuster-Gesetzes, dessen Geltungs­bereiche sich häufig mit der Wirksamkeit des Warenzeichen- Gesetzes kreuze, als dringend wünschenswert bezeichnet. Auf Grund eines Berichtes des Herrn I. Wolff (Düffeldorf) wurden die sich aus der von falschen Voraussetzungen aus­gehenden Sucht der Raucher nach hellfarbigen fahlen Zigarren ergebenden Mißstände für die Fabrikation zur Erörterung ge­bracht und eine Kommission mit der Aufgabe betraut, Mittel zur Abhilfe durch Aufklärung der Raucher in Erwägung zu ziehen. So viel helle, fahle Tabake, als verlangt werden, wachsen nicht, und die Preise sind deshalb unsinnig hohe geworden, wiewohl auch reife braune und andere Tabake gleichfalls leicht, gut brennend und gut bekömmlich sein können. Auch die Irreführung der Raucher durch unrichtige Reklamen für sogen. Gesundheits-Zigarren und die Schädig­ung des Tabakgewerbes durch auf falschen, angeblich wissen­schaftlichen Forschungsergebnissen beruhenden Behauptungen über die Schädlichkeit der nicht auf Rikotinverniinderung oder -Beseitigung behandelten Fabrikate wurden im Anschlüsse an ein von Kommerzienrat Collenbusch (Dresden) erstattetes Referat eingehend erörtert. Der Vorstand wurde unter Be­willigung der erforderlichen Mittel ersucht, das in dieser Frage bereits vorhandene Material zu sammeln und durch eine an­erkannt wissenschaftliche Autorität entsprechende chemische und physiologische Untersuchungen der sogen, nikotinfreien Zigarren anstellen zu lassen, um Mittel zur Aufklärung, namentlich auch der Aerzte, zu beschaffen. Herr Minderop (Köln) er­stattete sodann Bericht über Mißstände im Rohtabakhandel, wobei er die Fabrikation namens des Vorstandes vor zu frühen Rohtabakkäufen bei neuen Ernten warnte, und Kom­merzienrat W. Landfried (Heidelberg) machte zum Schluß sehr interessante Mitteilungen über die Versuche der Firma P. I. Landfried (Heidelberg) zur Verbesserung des deutschen Tabakbaues durch rationelle Anpflanzung, durch zweck­entsprechende Düngung, insbesondere mit Martelli (kohlen­saures Kali) und richtige Weiterbehandlung der Tabakpflanze. Auf Antrag des Stadtrats Hirschhorn (Mannheim) wird beschlossen, an die beteiligten Regierungen die Bitte zu richten, in geeigneter Weise auf die Tabakpflanzer einzuwirken, daß sie ihren Tabakbau nach der erprobten neuen Methode, wie sie Herr Landfried geschildert, einrichten.

Irr Krieg zwischen Japan und Rußland.

Ruffische Befehlshaber.

Der Kommandeur des X. Armeekorps, Generalleut­nant Slutschewski, ist nach dem Kriegsschauplätze ab­gereist. Amtlich wird die Ernennung des Generalleutnants Dembowski zum Kommandeur des fünften sibirischen Armeekorps bekanntgegeben. Zum Kommandeur des sechsten sibirischenArmeekorps wurde Generalleutnant Ssobolew ernannt.

Die Kämpfe bei Wafangon

haben am 14. d. Mts. wieder begonnen. 20 000 Japaner versuchten die russische Vorhut des Generals Ssamsonow zu­rückzudrängen. Das Resultat des gestrigen Kampfes ist noch unbekannt, doch scheinen die Russen ihre Position, wenn auch unter großen Verlusten, behauptet zu haben.

Die ruffische Flottenmacht

scheint in Aktion treten zu wollen. Verschiedene Meldungen bestätigen, daß die Wladiwostok-Flotte aus dem Hafen entkommen ist. Bei der Richtung, welche die Flotte genommen hat, steht es außer Zweifel, daß sie die Absicht hat, die Port Arthur-Flotte zu verstärken. Sie soll bereits verschiedene japanische Küstenplätze angegriffen haben. Zuerst wurde sie am 14. ds. Mts. gesichtet in der Nähe von Okmoshima, östlich der Tschuschima-Jnsel, wo drei Kriegsschiffe, zweifellos von Wladiwostok, erschienen, später wurde Geschützfeuer gehört nordwestlich von Nagato. Eine fernere Bestätigung der Tätigkeit dieser russischen Flotte ist in Tokio eingetroffen von dem Kapitän eines russischen Handelsdampfers, der von den Russen beschossen wurde. Schiffe, von denen man glaubt, daß sie dem Wladiwostok- Geschwader angehören, sind auch vor der Insel Colnet ge­sichtet worden. Kanonendonner wurde, wie verlautet, nördlich von Tschuschima Strait gehört. Nach den neuesten Depeschen aus Tokio ist das vordringende Wladiwostok-Geschwader in der Nähe der Tschuschima-Insein bereits von einem japanischen Geschwader aufgehalten worden, wo ein schweres Gefecht im Gange ist.

Eine noch unbestätigte Meldung besagt, daß der japa­nische KreuzerNiitaka" unweit der Insel Trutima mit dem russischen Wladiwostokgeschwader in K ampf geriet. Bei der Insel Jki begegneten heute zwei nach Japan zurückkehrende Transportdampfer russi­schen Kriegsschiffen, letztere verfolgten die Dampfer und gaben 16 Schuß auf sie ab, doch gelang es ihnen, den Hafen von Katsumoto auf Jki zu erreichen. Ferner trafen am 15. d. Mts. früh drei japanische Transportdampfer, die von Schimonoseki Japan verließen, außerhalb der Straße von Korea auf russische Kriegsschiffe. Die Russen feuerten 18 Schuß auf die Dampfer ab. Ein Transportdampfer entkam, das Schicksal der beiden anderen ist noch unbekannt. Die Marinckreise von Sa sch o halten eine S ee sch l a cht für nahe bevorstehend.

Die Hafeneinfahrt von Port Arthur

ist vollständig frei. Die russische Flotte ist ausgelaufen und hatte ein Gefecht mit der japanischen Flotte, über deffen Re­sultat noch nichts Bestimmtes verlautet. In Liaoyang kursieren Gerüchte, daß bei Port Arthur ein See- kämpf stattgefunden und die russische Flotte angeblich die hohe See gewonnen habe. Die Ruffen hätten ein Kanonen­boot, die Japaner einen Kreuzer und vier Torpedoboote ver­loren. Die Lage spitze sich so zu, daß bald entscheidende Ereignisse zu erwarten sind.

Das japanische Geschwader unter Admiral Kamimura, welches sich im japanischen Meere zur Bewachung des Wladiwostoker Kreuzergeschwaders befand, war auch nicht untätig. Vielleicht ist das Loskommen der russischen Flotte aus Wladiwostok nur so zu erklären, daß dies japanische Geschwader seine Vereinigung mit dem Ge­schwader des Admirals Togo vollzogen hat. Man schließt daraus, daß eine größere Operation nahe bevorstehe.

Der Kreuzer Novik

war beim Auslaufen aus Bort Arthur von zehn Torpedo­

jägern begleitet. Die japanischen Schiffe versuchten die russi­schen auf die hohe See zu locken. Die letzteren kehrten aber nachmittags in den Hafen zurück.

Zu Lande.

Das Reuter'sche Bureau empfing von seinem Bericht­erstatter in dem Hauptquartier Kurokis überFusan folgende, kein Datum tragende Depesche: Heute wird gemeldet, daß der Feind, der sich vor der zweiten japanischen Armee befindet, an Zahl zunimmt und sich die beiden Par­teien einander näherkommen. Eine Schlacht wird er­wartet. An der Front der ersten japanischen Armee fand seit dem 12. Juni kein Kampf statt. An jenem Tage wurden zwei russische Kompagnien aus Wutaono vertrieben, wobei sie 20 Mann verloren. Die Russen besetzten wieder mit kleinen Abteilungen folgende Punkte: Tangjengpu an der Straße nach Liaujang, Simingtsu an der Straße nach Lienschankwan und Santschiatsu auf der Straße nach Haitscheng. Aus Tschifu wird telegraphiert, es verlaute, die Japaner hätten eine schwere Niederlage nördlich von Kintschau erlitten.

lieber die Verproviantierung Port Arthurs erklärte ein in Tschifu eingetroffener russischer Kaufmann, daß Port Arthur gut verproviantiert sei, es befänden sich neun­tausend Stück Schlachtvieh dort. Das Haus, zu dem er ge­höre, lieferte der Regierung kürzlich 90 000 Pfund gesalzenes Fleisch, auch andere Häuser trugen, zur Verproviantierung der Stadt bei. Der Kaufmann schätzt die Zahl der Menschen in Port Arthur auf 50 000.

In der ganzen Mandschurei hat die Hitze zu genommen und so furchtbar eingesetzt, daß man kaum zu atmen vermag. Flüsse trocknen aus. Der Zeit der unerträglichen Hitze folgt furchtbare Regenzeit. Die Japaner verließen die Schanzen bei Wafangon und Wafandian. Beim Rückzug sprengte der Feind an zwei Stellen die Schienengeleise mit Pyroxilinkapseln. Gegenüber Kaitschou erschienen 12 japanische Schiffe und eröffneten das Feuer gegen zwei Dörfer. Die Bewegung des Feindes nach Norden trägt einen demonstrativen Charakter und soll die Aufmerksamkeit der Russen von der Kwantunghalbinsel abziehen.

Zur Verhütung von Betrügereien und Unterschlagungen auf der transsibirischen Bahn macht man nach einer Meldung desDaily Expreß" in Rußland neuerdings große An­strengungen. Tie Kaiserin-Witwe, die selbst beträchtliche Summen zur Erleichterung des Loses der kranken und ver­wundeten Soldaten gespendet hatte, soll die Entdeckung gemacht haben, daß ihre Sendungen ganz oder zum Teil unter­schlagen worden wären. Bei den Untersuchungen, die ver­anstaltet wurden, soll sich herausgestellt haben, daß im besten Falle die Sendungen um 30 P r o z c n t des Wertes und des Inhaltes geplündert wurden. Im ganzen seien Summen von nahezu 140 MillionenMark unterschlagen worden. Ein Großgrundbesitzer aus der Moskauer Gegend hatte u. a. 160 000 Mark zur Ausrüstung eines Ambulanzzuges gespendet und in aller Form eine amtliche Quittung und auch Nachricht über den Abgang des Zuges erhalten. Er machte aber angeblich dann in Petersburg auf Umwegen die Entdeckung, daß das ganze Geld in den Taschen von Beamten verschwunden war. Einer von den Dieben hätte dem Spender bei seiner Ankunft in der Hauptstadt ein festliches Ehrenmahl veranstaltet.

Deutsches Keich.

Berlin, 15. Juni. Heute besuchten der Kaiser und die Kaiserin das Mausoleum an der Friedenskirche in Potsdam, um dort, als am Sterbetage des Kaisers Friedrich, Kränze niederzulegen. Um Vs 10 Uhr hörte der Kaiser den Vortrag des Stellvertreters des Chefs des Zivilkabinetts von Valenttni. Der Kaiser und die Kaiserin reisten um 8% Uhr abends nach Homburg ab.

In derKreuzztg." finden wir folgende Nottz:

Aus dem Kabinett Sr. k. und k. H. des K r o n v r i n z e n ist dem Lehrer enter. Hardt in Gumbinnen für Ueberreichung seines SchriftchensEhre den König und verabscheue dieSozialdemokratie" ein Schreiben zugegangen, worin der Kronprinz ihm für den in dem Schriftchen betätigten Aus­druck patriotischer Gesinnung seinen Dank aussprechen läßt. Dieses Schriftchen, das die weiteste Verbreitung be­sonders unter der Jugend verdieitt, ist vom Verfasser für 7 Pf. das Stück zu beziehen."

Im Abgeordneten hause wurde heute der Entwurf eines Ausführungsgesetzes zum Gesetz über die Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten nach längerer De­batte in zweiter Lesung an die Kommission zurückverwiesen.

DerVorwärts" teilt mit, daß in Berlin ein neues Weltblatt gegen die Sozialdemokratie gegründet werden soll. Es soll heißen:Deutsche Reichszcitung für alle Deutschen". Die ursprüngliche Absicht sei gewesen, daß sie vom 1. September d. I. in 500 000 Exemplaren täglich zweimal in Berlin erscheinen solle. Dieser Zeitpunkt habe jedoch abgesetzt werden müssen, weil diekapitalkräftigen Neigungen für das Deutsche Reich noch nickt kräftig genug" seien.

Ausland.

Paris, 15. Juni. Die Kommission zur Untersuchung der Angelegenheit der K a r t h ä u s e r trat heute zusammen und nahm die Aussage des Handelsministers Trouillet entgegen, der bestätigte, es war Läon Chabrol, der Michael Lagrave erklärte, die Karthäuser seien geneigt, dem Ministerpräsidenten 2 Millionen anzubieten, wenn dieser der Kammer einen ihnen günstigen Gesetzentwurf vorlege. Die Kommission lehnte sodann den Antrag ab, eine Abordnung nach Havre zu entsenden, damit diese Lagrave bei seiner Ankunft vernehme. Abends hörte die Kommission sodann noch Cvmbes und Millerand.

Rom, 15. Juni. Heute wurde der Schiedsspruch des Königs von Italien in der. zwischen England und Brasilien schwebenden (Streitfrage bezüglich der Grenze zwischen Britisch-Guayana und Brasilien ver­öffentlicht. Hiernach wird die Grenze durch bie Linie gebildet, welche von dem Pakonttpuberge ausgehend in östlicher Richtung bis zur Quelle des Mahn und der Wasserscheide geht und dann dem Lause dieses Flusses bis zur Einmündung des Tacutu folgt. Sie geht dann weiter bis zur Quelle des Tacutu, trifft hier auf die Grenzlinie, welche durch die dem am 6. November 1901 zwischen den streitenden Parteien in London abgeschlossenen Schiedsvertrage angefügte Deklaration festgesetzt ist. Auf Grund dieses neuen Schiedsspruches wird die ganze streitige Zone östlich der Grenzlinie England und der ganze Streitige Teil westlich desselben Brasllien zugesprochen. Die Grenze längs der Flüsse Mahu und Tacutu loirb durch einen Talweg bezeichnet. Beide Flüsse sind bei den Grenzstaaten für die Schiffahrt geöffnet. Falls die Flüsse sich in mehrere Arme teilen, wird die Grenze an dem Talweg des östlichen Armes entlang gehen.

Aer Internationale Irauen Kongreß.

(9tachdruck verboten.)

IV.

S. il H. Berlin, 15. Juni.

Die zweite öffentliche Abend-Versammlung, die unter dem Vorsitz von Alice Salomon im Großen Saale tagte, behandelte die Frage des Lohnes der Arbeiterin. Fran Harie Lang -Wien behandelt die Frage mit Humor. Durch die Arbeit der Hausftau habe die Welt sich an den Gedanken ge­

wöhnt, daß Frauenarbeit eine Tugend sei und eine Umwertung^ in barer Münze nicht erfordere. Sie, der Ingenieur des Hauses, habe in der Mehrzahl der Fälle für sich keinen Pfennig zur Verfügung, wenn sie nicht von dem zum Haushalt bestimmten Gelde für sich verwende: und dadurch entstände dann die ewige Unruhe der Hausftau, die nach Schillers Wortennimmer ruhe?' zum Ausdruck gelangt. Auch Ladp Aberdeen sprach sich dafür aus, daß gleicher Lohn für gleiche Arbeit sei. Die Ursache er­blickte sie in der unsachgemäßen Ausbildung der Frau und der mangelnden Organisation. Nur durch billigere Entlohnung glaube die Frau in den Erwerb hineinzukommen und die mangelnde Ausbildung sei eine Tatsache, die eine geringere Leistung zeitige gegenüber derjenigen ihrer männlichen Mitarbeiter.

Das Sittlichkeitsproblem stand im Mittelpunkt der heutigen Verhandlungen. Das ein­leitende Referat gab Frau Katharina Scheven-Dresden. Aus allen anderen Gebieten sei die Kultur fortgeschritten, nur allein auf diesem sei es noch im Zustande wie vor hunderten von Jahren. Anstelle der Roheit sei nicht größere Dezenz ge­treten, sondern lediglich eine geschicktere Heuchelei. Von prak­tischem Wert für diese Frage waren sodann die Ausführungen der Norwegerin Frau Professor E i ch e l e t, durch die Mitteilung, daß die Aufhebung der Reglementierung keinen wesentlichen Fortschritt in der Hebung der Sittlichkeit bedeute, wohl aber sei es die Arbeit, dem Volke eine gute Unterhaltung und eine bessere Literatur zu geben. Sodann betonte sie, daß allerdings vom Standpunkte der Frau die Moral des Mannes eine mindere sei, aber die Frauen nicht daran behindert habe, ihre jungen Töchter einem solchen Manne zum Weibe zu geben. Das sei ja auch damals fast entschuldbar gewesen, da dem Mädchen nichts anderes blieb, als die Ehe, nun sei dies aber anders ge­worden, da die Frau außer der Ehe auch andere Lebenszwecke haben müsse. Gegen das Bordellwesen wendete sich Frau W p - naendis-Franken. Die energische junge Holländerin re­ferierte über die Fortschritte, die man in Holland dank der Mitternachtsmisiion gemacht habe.

Anna Pappritz -Berlin will die Zwangserziehung auch auf alle erblich belasteteten, auf alle Kinder von Trinkern, Ver­brechern usw. ausgedehnt wissen, da sie schon von vornherein nicht in genügender Weise moralisch gefestigt seien. Wohn­ungsreform ist das weitere, das mit aller Energie anzu­streben sei, die Bekämpfung desSchlafftellenwesens. Als bestes Kampfmittel gegen die venerischen Krankheiten wünschte sie dann den Kampf gegen die Prostitutton. Tie wichttgste Auf­gabe aber sei, das Odium von den Geschlechtskrankheiten zu nehmen. Der Arzt habe in dem Kranken lediglich den Kranken, nicht aber den Schuldigen zu sehen. Sie verlangt unentgeltliche Behandlung aller derer, die nicht die Mittel besitzen, zu ihrer Heilung selbst beizutragen. Der öffentlichen Meinung, dem Publikum aber müßte es eingeimpft werden, in diesen Kranken­häusern für Tuberkulose usw. könne nur darin bestehen, daß neben Arzt und Aerzttn auch ein pädagogisches Element tätig sei, denn bei keiner Krankheit tritt eine derartige Gemüts­depression ein und dadurch auch die Möglichkeit einer Beein­flussung zur Hebung des moralischen Bewußtseins des Kranken. Eine weibliche Aufficht, eine Anordnung von Beschäftigung solcher kranken weiblichen Wesen sei auf jeden Fall wünschenswert, um den Einfluß schlechter Elemente auf bessere zu unterbinden. Oft komme ein jugendliches Opfer der Ansteckung zur Behandlung und verlasse die Anstalt äußerlich vielleicht gebessert, aber mo­ralisch in schlimmster Weise infiziert. Krankenversicherung mit der Ausdehnung auf alle, die ein geringeres Einkommen als 3000 Mark jährlich haben, ist ein weiter anzustrebendes Ziel. Zuletzt wies Anna Pappritz noch auf den studentischen Verein Ettros", der die Keuschheit seiner Mitglieder bis zur Ehe verlangt. Es werden die Mütter gebeten, ihre zum Studium nach Berlin kommenden Söhne auf diesen Verein hinzuweisen.

Gräfin Hegendorp verbreitete sich dann über die Fort­schritte des Kampfes gegen den Mädchenhandel. Die Frage des Vereinsgesetzes behandelte Frl. H e p m a n n. Sie gab u. a. verschiedene Beispiele, wie das Gesetz, das Frauen an der Anteilnahme an politischen Versammlungen und Gründung eines politischen Vereins ausschließt, zu umgehen ist. Frl. Zietz-Hamburg fügte hinzu, daß in Hamburg früher alle Versammlungen, die derVerein für Frauenstimmrecht" abhielt, selbst solche in Privathäusern stets polizeilich überwacht wurden, während dieses nicht mehr geschehen sei, seitdem Frl. Heymann Hamburg verlassen habe, Frl. Heymanns Propaganda sei der Hamburger Polizei gar zu gefährlich vorgekommen.

Hin Aampferunglück in Amerika.

New York, 15. Juni.

Die deutsche lutherische St. Markus-Ge- mein de hatte heute einen Ausflug für ihre Sonn­tag sschule veranstaltet und dazu den Vergnügungs­dampferGeneral Slocum" gewonnen. Dieser fuhr htr§: nach 8 Uhr mit tausend Kindern und fünfhundert Er­wachsenen, meistens Frauen, a5>, um nach Locust Grove am tiong Isländer Sunde zu fahren. Die Gesellschaft war in fröhlichster Stimmung als unweit der Hellgate-Untiefen an der Einfahrt des Lang Isländer Sundes plötzlich der Ruf Feuer ertönte. Der große Dampfer war tatsächlich in Flammen und es entspann sich nun eine gräßliche Panik, die mit dein Verlust von etwa fünfhundert Men­schen endete. Die meisten Personen an Bord waren Kinder im zartesten Alter, mit denen bei dieser Panik gar nichts anzufangen war, aber auch die Erwachsenen verloren den Kopf und stürzten sich blindlings ins Wasser. Kurz nachdem das Feuer ausgebrochen war, stürzte das obere Deck ein und begrub viele derjenigen, die nicht versucht hatten, sich durch Springen zu retten. Bis jetzt sind etwa hundert Leichen geborgen.

Nach Ausbruch des Feuers ereigneten sich erschüt­ternde Szenen. Die Schiffer ^benahmen sich heldenhaft; sie fuhren bis dicht an den brennenden Dampfer heran und begannen das Rettungswerk. Weniger heldenhaft waren die Männer an Bord desSlocum",' denn diese sollen rücksichtslos Frauen und Kinder beiseite gestoßen haben, um selbst gerettet zu wer­den. Auch die Mannschaft des©Iocum" scheint nicht sehr um die Passagiere bemüht gewesen zu sein, denn nur wenige derselben sind umgekommen. Die Mütter an Bord des Dampfers stürzten sich mit ihren Kindern im Arme ins Wasser, andere warfen ihre Kinder über Bord in der Hoffnung, daß die heranfahrenden Retter sie auf* fischen würde. Wieder andere liefen wie wahnsinnig auf dem Dampfer umher, unfähig, irgend etwas zu ihrer Rett­ung oder der ihrer Kinder zu tun. Vom Ufer aus wur­den Frauen und Kinder gesehen, wie sie sich an den Seiten des Bootes festklammerten. Der Kapitän ließ den Dampfer auf den Strand von North Brother Island fahren, als er sah, daß der Brand unmöglich zu löschen fei.

Pastor George C. F. Haas, der Seelsorger der Markus- gemeinbe wurde gerettet, jedoch sind seine Frau sowie seine Tochter Anna unter den Toten. Er sagte folgendes: Ter Brand kam im vorderen Teile des Schiffes, in der Küche, zum Ausbruch. Soviel ich in Erfahrung gebracht habe, wurde das Feuer durch überkochendes Fett verursacht und das Küchenpersonal, statt das verhältnismäßig unbe­deutende Feuer zu löschen, rannte davon. Zu dieser Zeit waren die meisten Frauen und Kinder im rückwärtigen Teile des Schiffes, da dort die Musik spielte. _ Warum bei Ausbruch des Feuers der Kapitän nicht sofort das Land aufsuchte, ist unverständlich, namentlich, da ein frischer Wind dem Schiffe entgegenblies und das Feuer gerabe in den Dampfer hinein trieb. Sinnen wenigen Minuten

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