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15.12.1904 Erstes Blatt
 
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Nr. 295

rlftftnt ,»glich auf; et Sonntags

Eem Gießener Anzeiger werben im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Giehener Zamilien- »lütter viermal m bet Woche be,gelegt.

Rotationsdruck il Der- lag der Brühl 1d)en Unwerl.-Buch-u. Stern- druckerei. R Bangt, Reoa^tton. ^xpehttto» uith Druckerei:

Scholsteotze 7.

Uhrefie für Deveichenr Anzeiger «tchen.

^emsprachcildtt'N Ar 61

bfftes Blatt.

154. Jahrgang

Donnerstag 15. Dezember 1904

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Vern gOpreiOi monall'ch7b iM., viertel» jährlich Mk. 2.20. durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Vf.. durch dteVott M 2.- mniel- läbrl auSschl Bestellst. Annahme von Anzeigen »in bte TageSnummer bt6 vormittag» 10 Uhr. ßeilenpretfl lokal 12Pi» auftroärtS 20 Pfg. verantwortlich <üi den poltt und aägem. Teil P Witt ko für .Stadt und ßanb* * und .Gerichtsfaal*: A ugust Goetz, lüt den An- zetgentetl £>nn9 Beck.

Die Keutige Kummer nmfaüf 10 Seifen

Volilische Tagesschau.

Nach dem Skandal.

Nach den unerhörten" Skandalszenen, deren Schauplatz arn Dienstag das ungarische Abgeordnetenhaus gewesen war, hegte man in den parlamentarischen Kreisen Ungarns die.größten Befürchtungen für den gestrigen Tag, an dem die durch die Tumulte verhinderte Eröffnung der neuen Session stattfinden sollte; man rechnete mit der Mög­lichkeit, daß es zu Blutvergießen kommen könnte, weil viele oppositionelle Abgeordnete, die schon am Dienstag- mit Revolvern bewaffnet erschienen waren, gedroht hatten, sie würden unter Umständen von der Waffe Gebrauch machen. Diese Befürchtungen haben sich jedoch nicht erfüllt; neue Exzesse sind nicht zu verzeichnen gewesen. Der Bericht! des offiziösen Depeschenbureaus lautet:

Tie oppositionellen Abgeordneten erschienen in geschlossenem Zuge um 61/2 Uhr früh unter Führung von Apponhi und Kossuth im Mgeordnetenhause. Es hat sich in der Nacht das Gerücht ver­breitet. daß die Regierungspartei schon um 7 Uhr morgens eine Sitzung abhalten wolle. Deshalb hatte die Opposition be­schlossen, ihr zuvorzukommen. Im Saale fehlen die Minister­sessel, auf dem Präsidcntenplatz steht ein gewöhnlicher Sessel, da der des Präsidenten gestern zertrümmert wurde. Die Parlaments- Wächter sind im Beratungssaale nicht anwesend: sie sind in einem anderen Saale untergebrächt. Tie Abgeordneten halten die Präsi­dentenestrade dicht besetzt und räumen sie nur, als Graf Theodor Andrassy (Dissident'' die Zusicherung erteilt, das; Perczcl n ich! präsidieren und die P a r l a m e n t s w a ch e nicht in den Saal kommen werde. Um 93A Uhr erschien Graf Tisza au der Spitze des Kabinetts im Saal und nimmt in der ersten Bank- reihe Platz, da die Ministersessel fehlen. Ter Einzug des Ka­binetts vollzieht sich in vollständiger Ruhe. Punkt 10 Uhr erscheint Vizepräsident Jakapff auf der Präsidcntenestrade. Der Ministerpräsident meldet ein königliches Reskript an, das bei größter Stille verlesen wird. In dem königlichen Handschreiben wird die Eröffnung der Session kundgegeben. Das Haus nimmt dies mit Ehrfurcht zur Kenntnis und beschließt, das Handschreiben dem Oberhause zur Kenntnisnahme zu übersenden. Darauf wird die Sitzung ohne weiteren Zwischenfall geschlossen. Auf dem Platze vor dem Abgeordnetenhause hatte ein Ring von Polizisten und eine Abteilung berittener Polizei Aufstellung genommen. Gruppen Neugieriger standen dort, doch lvar die Ansammlung nicht bedeutend.

Trotzdem müssen die parlamentarischen Zustände in Ungarn heillos sein, wenn sie den sturmgewohnten und kaltblütigen Ministerpräsidenten Tisza zu dem Ausruf ver­anlassen:Das ist kein politischer Kampf mehr, das ist ein gewöhnliches Verbrochen!" Falls Graf Tisza sich nicht entschließt, den ungarischen Uebermut mit eiserner Faust niederzuwerfen, dann steigt eine die Gesamtmonarchie

Aas Aauiuskonzert des Kietzcner Konzertvcrcins

Gießen, den 15. Dezember 1904.

In der halblcercn Stadtkirche gab gestern der Gießener Konzertverein sein erstes Chorkonzert, nach 12jähriger Pause Mendelssohns bestes Weck, den Paulus. Die Aufführung hätte einen besseren Besuch verdient; es wäre dem Konzert­verein zu gönnen gewesen, auch einmal in einer guten Tages­kasse den Erfolg für seine rührige Tätigkeit zu sehen, statt nur in der dankbaren Anerkennung deS engeren Kreises der Gießener Musikfreunde. Der geringe Besuch ist ja zum Teil wohl auf das bevorstehende Fest zurückzuführen, obschon wohl die 3 Stunden, die das Konzert dauerte, nicht zuviel Zeit bedeuten dürften für den, der auch Geist und Stimmung auf Weihnachten vorbereiten will. Zum großen Teil ist es sicherlich darin begründet, daß Mendelssohn-Bartholdy heute nicht mehr recht zieht. Der Romantiker gilt bei vielen als altmodisch, überlebt. Was zu einem kleinen Teil eine gewisse Berechtigung haben mag vieles von Mendelssohn, das einstmals in UeberschStzung der sinnlichen, nach unserem heutigen Geschmack süßlichen Melodienfülle und deren Ein­kleidung in gefällige Formen gepriesen worden ist, will uns heute nicht mehr recht anziehen, so seineLieder ohne Worte", ein Teil seiner Kammermusikwerke u. a. das wird in Un­verstand und Unkenntnis übertrieben. Das ist sicher, Mendels­sohns Name wird als der eines der Großen durch seine Wiedererweckung der Bachschen Matthäus-Passion, durch seine OratorienPaulus" undElias" für alle Zeiten erhalten bleiben. Wenn ich oben denPaulus" sein bestes Werk ge­nannt habe, so soll das, was eigentlich selbstverständlich ist, nur mein ganz persönlicher Geschmack sein, den ich niemandem aufdrängen will: ich stelle denPaulus" über denElias", einmal weil er mir das Charakteristische der Mcndelssohn- schen Oratorienbehandlung, seiner Form und Auffassung gegenüber der des Altmeisters Händel ganz besonders zu ent­falten scheint, sodann weil Mendelssohn mit ihm seinerzeit etwas Erstes, Neues schuf, während derElias" doch nnmer nur vielleicht eine Verbesserung, jedenfalls eine Nach­ahmung, ein zweiter Gedanke ist, allerdings em großartig gedachter Gedanke. e .

Sei dem, wie es wolle, jedenfalls ist auch für uns heute noch derPaulus" eines unserer größten nationalen Kunst- werke, die wir besitzen. Wir verstehen noch heute die schwärmerische Begeisterung, die Schumann nach der Wiener ersten Ausführung erfaßte und ihn dann immer iviedcr ui Briefen und Besprechungen ausdiese fortlaufende Kette von Schönheiten" Hinweisen ließ, den Jubel, mitwelchem die ganze musikalische Welt, kann man sagen, sein Erscheinen begrüßte. Es ist so viel damals und in der Folgezeit über denPauluS" geschrieben worden, daß wohl alles gesagt ist,

bedrohende politische Gefahr herauf. Läßt die Budapester Regierung die erforderliche Festigkeit vermissen, welcher Behandlung von magyarischer Seite muß da erst die Wiener Regierung gewärtig sein? Es ist ja offenes Geheimnis, daß gewisse politische Kreise Ungarns in Oesterreich ihren intimsten Gegner sehen, daß die ungarische Frage sich für Oesterreich verschärft. Doch das Großma^vrrrentum hiati einen Feind im eigenen Hause, der insgeheim nicht minder eifrig an der Arbeit ist: das Großkroatentum. Was die Ungarn in den österreichischen Wald birieinrufan, das schallt ihnen aus dem kroatischen zurück. Wie die Magvaren über den Ausgleich mit Oesterreich, so klagen die Kroaten über den ihrigen mit Ungarn. Von den Laibacher Unruhen im vorigen Jahre her dürste in Erinnerung sein, daß kroatische Abgeordnete, um Beschwerde über Ungarn zu führen und der staatlichen Loslösung von diesem das Wort zu reden, eine Audienz bei Kaiser Franz Josef nachsuchten, die aber verweigert wurde. Gleichwohl machten magyarische Blätter die Wiener Regierungs- und Hofkreise verantwort­lich für das aufsässige Verhalten der Kroaten, eine Ver­drehung der Tatsachen, die in Wien helle Empörung hervor­rief. Ihre eigene herausfordernde Haltung gegen Oester­reich ist den ungarischen Heißspornen eine Sache der natio­nalen Ehre wenn aber die Kroaten eine Abwehr der magyarischen Uebergrisfc versuchen, so wird das als staats­feindliche, nichtswürdige Agitation gebrandmarkt. Der Budapester Regierung kann der Vorwurf nicht erspart wer­den, durch ihre schroffe Stellungnahme gegen die Kroaten den Chauvinismus im eigenen Lande gefördert zu haben. Sie sieht sich jetzt in die Notwendigkeit versetzt, die An­wendung von Gewaltmaßregeln gegen die parlamenta­rische Obstruktion .in Betracht zu ziehen. Derartige Zuck- urtgeit am österreich-ungarischen Staatskörper sind symto- matijch für die iitnerynliffsck^ der Monarchie.

Icr itrieg.

Port Arthur

Tokio, 14. Dez. (Amtlich.) Ter Befehlshaber des Schiffs­artilleriekorps vor Port Arthur melbct, daß die Beschießung am 13. Dezember sich hauptsächlich g-»gen das Arsenal und das Torpedolager auf der Tigerschwanzinsel sowie auf die in der Nähe liegeiwen Schiffe und Boote richtete. Tas T o r - pcdolager stand eine Stunde lang in Flammen.. Die Schiffe wurden z e r st ö r t, eines sank.. Auch die Ge­bäude sind schwer beschädigt. Tie indirekte Beschießung der sich außerhalb des Hafens anfhaltcndenSewastopol" wurde ein­gestellt. da das schlechte Wetter cs unmöglich machte, das Schiff zu beobachten.

Admiral Togo meldet, daß die japanischen Torpedoboots- slottillen zweimal in der Nacht zum 12. T-ezember angegriffen haben. Tas Ergebnis ist ungewi»'. .Tie Torpedoboote begegneten jedesmal heftigem Feuer des Feindes: ein Torpedoboot

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was über ihn gesagt werden kann, und eine eingehende Be­kanntschaft mit seinen Schönheiten vorausgesetzt werden darf. Wenn ich mich daher zur gestrigen Aufführung wende, so soll zunächst festgestellt werden, daß sie in ihrer Gesamtwirkung würdig, stimmungsvoll und erhebend war. Das Haupt- verdienst davon gebührt neben dem Dirigenten, Herrn Musik­direktor Trautmann, dessen nicht ermüdender Arbeit und dessen hervorragender Leitung ja der schöne Erfolg in erster Linie zu verdanken ist, dem AkademischenGesangverein; seine Leistung war mustergiltig. Der Chor steht zur Zeit möge es so bleiben I auf einer so hohen Stufe, daß manche bedeutend größere Stadt uns um ihn beneiden dürfte. Prä­zision der Einsätze, Reinheit und Fülle des Tones, Zusammen­klang, Aussprache und Ausdrtlcksfähigkcit waren vollendet; unermüdliche Begeisterung schien den Chor am Schluffe der anstrengenden Aufführung noch ebenso frisch und stark zu erhalten wie beim ersten Einsatz; wenigstens brachte der Sopran sein langes hohes a im Schlußchor mit unverän­derter Reinheit und Stärke heraus. Einzelne der zahlreichen prächtigen Ehorsätze als besonders gelungen hervorzuheben, hieße den Gesateindruck abschwächen; nochmals: der Chor war vorzüglich. Das Orchester bot im Großen und Ganzen, sieht mein von Einzelheiten ab, auch eine recht gute Leistung. Die Ouvertüre, die noch in der Generalprobe stack an der Unreinheit dec Bläser litt, kam gestern zu schöner Wirkung.

Tie Begleitung der Chöre und Soli zeigte bei den Rezitationen bisweilen kleine Schwankungen, wohl auch hier und da nicht tadellose Reinheit; trefflich gelangen dagegen die wiederholt cingestreutcn Violoncellstellen, die Vläserbegleitung zu dem Choral:O Jesu Christ, wahres Licht", die Klarinetten- und Flötenbegleitung z-u dem HeidenchorSeid uns gnädig" u. a.; das Streichquartett spielte durchweg gut; so kann man auch dem Orchester die verdiente Anerkennung nicht versagen. Nicht ganz- auf der Höhe des Werks und der Aufführung standen die Solisten, abgesehen von der Mtistin, Frl. Aschaffen­burg - Frankftrrt a. M., deren wmnner, prächtiger Alt, durch musikalische Schulung und Sicherheit unterstützt und gehoben, nur das Bedauern auskommen ließ, daß Mendels­sohn ihre Partie imPaulus" so stiefmütterlich bedacht hat. Tie Sopranistin, Frau Tilly Hinken-Cahnbley, ver­süßt über eine süße Stimme von unbeschreiblichem Reiz; leider reicht sie aber für einen Raum wie die Stadt­kirche nicht aus, sodaß man ihr int zweiten Teil die Er­müdung anmerkte wohl begreiflich nach der anstrengen­den Partie des ersten Teils; aber auch schon von vorn­herein stärker wiederholtes Tremolieven, ja sogar kleine Stimmschwankungen und dadurch veranlaßte Unreinheiten einzelner Töne, wenn auch nur um kleine Schwingungen. Sie hatte dabei manche wiederholten Töne, so bei dem Stehe aus!" in der berühmten ArieJerusalem", in­dem von den vier Solisten herrlich gesungenen Solo-

hnrrbe kampfunfähig, wurde aber zurückgeschleppt. Tret andere erhielten ie einen Schuß. Ter ganze Verlust der Japaner betrug hierbei drei Vermnn^te.

Tie Attaches.

Ter japanische Gesandte in London Baron Hayashi b em eit» 11 e r t die vomStandard" veröffentlichte, uns gestern tele- aravhierte Meldung eines in 9arbeit leb en dm russischen Ge- he'maacnten aus Kopenhagen über das Schicksal des deutschen unb des sranzLs'sch^r Militö'rattachees in Port Arthur. Nach "iner Meldung sollte der Gesandte aus Tokio die Mitteilung "rhalten haben, daß eine Dschunke unter französischer Flagge, worin sich di" Attachees befanden, den Versuch gemacht habe, aus Port Arthur zu entkommen: japanische Torpedoboote hätten auf die Dschunke geschossen und den deutschen Attachee sowie zwei Chinesen getötet. Nachdem hierauf die Dschunke von zwei javanischen Offizierm- durchsucht, sei sie von einem Torpedo­boot in den Grund gebohrt worden, obgleich sich "der französische Attacke" an Bod befand.

Die Nordseeaffäre.

Paris, 14. Dez. Einem russischen Geheimagenten zufolge, dessen Bericht imEcho de Varis" veröffentlicht worden ist, sind die Russen in der Nordsee tatsächlich 'von den Ja­panern angegriffen worden. Es handelt fich um in er Torpedoboote, welche mit Japanern und Englän­dern besetzt den Auftrag hatten, das russische Geschwader anzugreifen. Der Angriff geschah in der Nähe der Flämischen Küste und endigte mit einer Niederlage d.er Angreif er. Eines b"r Torpedoboote wurde in den.Grund gebohrt, ein zweites schwer beschädigt, die übrigen zwei wurden von den Russen verfolgt. Tie Torpedoboote eichielt"n Proviant von einem Fischerboot, welches am 4.. Juli gechartert war und welches mit TnrPpbpO^?;-'in-'>b'-s»-n pprseh^n war.

£ver unb K otre.

Se. Durchl. Prinz Ludwig von Battenberg wurde zum Chef des zweiten englischen Kreuzer-Geschwaders ernannt.

Aus Stfiiit und Land.

Gießen, 15. Dezember 1904.

Anr Beachtung.

Im Interesse der sorgfältigen wirkungsvollen Herstellung der Anzeigen empfiehlt es sich, größere Anzeigen füc die Samstags-Ausgabe bis spätestens Freitag mittag aus­zugeben. Gießener Anzeiger.

** Der Raubmörder Hub de ist, wie wir aus gut unterrichteter hiestger Quelle erfahren, gestern mit ziemlicher Bestimmtheit in St. Goar gesehen worben und in der Richtung nach Bingerbrück weitergefahren; dort ist er spurlos verschwunden. Es ist nicht ausgeschlossen, baß er sich in der Nheinprovinz authätt. Gleichzeitig wird uns dcaht-

quartett; aber der Eindruck des für diese große an­strengende Partie Unzulänglichen überwog. Hoffentlich gibt "uns Frau Hinken in einem Kammermusikkonzert ein­mal Gelegenheit, uns durch die zweifellos vorhandenen Vorzüge ihrer Stimme im lyrischen Lied zu erfreuen. Ter T-arsteller desPaulus", desChriskus" der Matthäus- Passion, Herr Professor Fr ey t a g-Bess er-Stuttgarts gab uns "eine durchdachte, von beseelter Empfindung ge­tragene Darstellung von bisweilen erschütternder Wirkung: aber auch seine Stimme war in Umfang und Stärke den Aufgaben, die die anstrengende Partie stellt, nicht voll gewachsen. Der Tenorist endlich, Herr Noe-Leipzig, be­friedigte am Wenigsten. Die in der Höhe gepreßt klingende Stimme war nicht ausgeglichen, tremolierte bisweilen stark und litt manchmal, so namentlich leider in der wunder­baren ArieSei getreu bis in den Tod", au stark unreinen Tongebung. Demgegenüber standen ergreifende Töne zum Beispiel in der Sterbeszene des Stepharms.

War so die Aufführung desPaulus" infolge der genannten Unvollkommenheiten keine ganz erstklassige Musterleistung eine solche war z. B. seinerzeit die Wieder­gabe der IX. Symphonie, deren sich Großstädte nicht hätteü zu schämeu brauchen, so war sie doch eine r^cht gute, ja begeisternde, und löste alle die Stimmungen aus, die das große Ktmstwerk im Menschen aurust.

Noch ein Wort zur Generalprobe. Das Eintrittsgeld war diesmal -auf 1.50 Mk. erhöht worden, betrug also 1 Mark weniger als das zum Konzert selbst. Das mag hin­gehen, wenn die Generalprobe wirklich das bedeutete, was sie in vielen Großstädten ist, das eigentliche musikalische Ereignes, diePremiöre". Wenn aber, wie vorgestern wieder im zweiten Teil des Werks, fast in jedem Satze abgeklopft, wiederholt, wieder abgeklopft und wiederholt wird in lieblicher Fortsetzung, so müßte der Konzertverein eigentlich jedem Besucher die altcömische condictio causa data causa non sequente zugestehcn. Nun möchte ich um alles in der Welt nicht etwa veranlassen, daß die General- vroben nicht öffentlich und gegen Entree stattfinden sollen. Vielleicht gibt's einen anderen Ausweg?! in

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Der Kaiser nn d die Oper. Wir lesen im B. B. C.":Herrn Geh. Hofrat Max Staeg»?mann ist wahrend der ersten Aufführung der OperDer Roland von Berlin" eine besondere AuHzeicl)4tung zuteil geworden. Der Leipziger Bühnenleiter wurde im Zwischenakt vom Kaiser in seine Loge befohlen. Der Monarch, welcher die Ein­sicht und Urteilskraft deS Direktors Staegemaun allen musikalischen Neuerscheinungen gegenüber besonders schätzt, sprach sich in sehr eingehender Weise über die w ü n s d) e u s w orte Fortentwicklung der mo­dernen Oper aus. ^seheimrat Staegemaun, wohl zur Zeit der erfahrenftc Bühnenleiter in Bezug auf daS Opern- weseu, inar lebhaft gefesselt durch die mannigfachen, frucht­baren Anregungen."