Ausgabe 
15.12.1904 Erstes Blatt
 
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Giessen, den 15. DeaemlBor 1904.

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Herr Ludwig Kreuter

unser langjähriger Maschinenmeister. Der Verstorbene hat sich durch seine Gewissenhaftigkeit, Zuverlässigkeit und Pilichttieue ein bleibendes Andenken bei uns erworben.

Exportbier-Brauerei Friedel & Asprion.

auch einen SprÖßling der Frankfurter Patklzter-Familie Guaita auf dem Gewissen haben soll. Der junge Mann, welcher als Einjähriger bei den Garde-Husaren in Potsdam stand, geriet in finanzielle Kalamität und ging später total auSgewuchert nach Amerika, wo er körperlich und moralisch gebrochen im tiefsten Elend starb. Ein ehe­maliger Gardeleutnaut von Stoch, dessen großes Vermögen hauptsächlich Pferdeneppern in den Rachen geschleudert wurde, soll jetzt Fremdenführer in Nom sein.

Elberfeld, 15. Dez. Wie das hiesige sozialdemo­kratische Organ mitteilt, soll Justizminister Schönstedt eine generelle Anweisung gegeben haben, überall da, wo es irgend angängig ist, den La n dsri e d en s b ru ch - Pa ra gra p b e n zur Bekämpfung deö Streikp ost en stehens in An­wendung zu bringen.

Stuttgart, 15. Dez.. Der Professor der Literatur au der Techn. Hochschule in Darmstadt Haruack erhielt einen Ruf an die hiesige Techn. Hochschule als Nachfolger Weitbrechts.

Paris, 14. Dez. Wie ein Gerücht besagt, steht die Verhaftung deS Schwiegersohnes Syvetons, Menards, dec Frau Syveton und des Dr. Eachet wegen Verbrechens gegen das keimende Leben, begangen an Frau Menard, bevor.

Bom Kriege.

London, 15. DezDaily Telegraph" meldet ans Tschifu von gestern: Die Japaner entsandten Agenten und Marine­offiziere nach dem Süden, nm'Pläne für die Beobachtung und den Empfang derBaltischen Flotte zu entwerfen. Am 13. Dezember kohlten ein japanisches Linienschiff, wabrscheiw lich d'eMikusa" nnb ein japanischer Kreuzer aus drei Schiffen, die südlich des Scbantungvorgebirges in einer Bucht verankert waren. Auch dieNishi" und dieKasuga" nahmen Koblen ein. Tie Mannschaft''n waren weiß gekleidet und trugen Tropenl)«lme. Ein englischer Zerstörer aus Weihaüuci suchte nach einer treibenden Mine bei der Mtcstcinsel. Wladiwostok soll noch immer offen ge­halten werden. In Shanghai laden sechs Dampfer Kohlen und anderes Kriegsmaterial für die Baltische Flotte.

London. 15. Dez.Daily Tele'ra.ph" meldet aus Shanghai von gestern: Die Javaner nahmen am 13. d. M. den all- gemeinen A n a r i f f a n s Bart Arthur wieder auf.

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Giessen (Seltersweg 15), den 14. Dezember 1904.

Die Beerdigung findet Samstag den 17. d. Mts., nachmittags %4 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Friedhofes aus statt.

Gestern verschied nach kurzem, schwerem Leiden infolge eines Ungliicksfalles

im Alter von 44 Jahren. Wer die Liebe dieses guten Familienvaters kannte, wird unseren tiefen Schmerz zu würdigen wissen.

Die tieftrauernde Gattin mit Kindern und Geschwistern.

Heute entschlief sanft durch einen schweren Ungliicksfall unser innigst geliebter, treusorgender Gatte, Vater, Bruder, Schwager und Onkel

Herr Ludwig !(reuter, Maschinenmeister

Telephonischer Kursbericht.

3*Wu Koiohuanleihe . . 101.65

3 do. . . 89.70

U/,0' KonflolR . 101.45

3° do . . 89.60

H<*85ion . . 100.00

31 1 % OborheRS'm ..

4 % Oesterr. Goldre - . 101.65

4* OPhterr. Silberrento 100 20 4°£ Ungar. Goldrento . . 99.80 4' Italien Rente , . 104.30

4* 7 % Portniioft^r . . . 63.70 w l'urtn^ieeen.....62.70

1 % C. Türken ..... rarkenloee .... 127.60 4°/o Urieeh Monopo1.-Anl. 47.65 4*s?o iluasere Argentine' 45.20 Tendenz:

30/n Mexikaner . . 32.7t

4<Wr) Chinesen . . . 91.90

Elpch-:c. Re* uckort . . . 124.30

Norda Llo).l . . . . 104 60

Kreditaktien . . . . 211 70

Diflkonto-Kommandit. . 19180

Darmstädter Bank . . . 142.90 Dresdener Bank .... 158.00 Berliner Handelsges. . . 163 10 Oesterr. Staatabahn . . . 138 90 Lombarden ..... 17.60 Gotthardbahn .... 193.00

Laurahiltto.......

Bochum....... 229.00

Hnrpnno- .....215.40

Schfttzsobcine.....*

schwächer

tzch gemeldet, daß in Metten ein Geselle deS Schlächter­meisters Silbermann wegen Verdachts, den Raubmord begangen zu haben, verhaftet worden fct.

Tod an den Folgen eines Unfalles. Der Maschinenmeister der Brauerei Friedel u. Asprion, Kreuter, wollte am SamStag nachmittag eine EiSmaschme auseinander-' nehmen, wobei er einen schweren Unfall erlitt. ES hatte sich schweflige Säure in der Maschine gesammelt, die ihm bei seiner Arbeit inS Gesicht und in den Mund spritzte, sodaß er schlucken mußte und sich schwer verletzte. Er wurde so­gleich in die Klinik gebracht, wo er gellem abend an den erlittenen inneren Verletzungen gestorben ist.

* Ausstellung von Schülerhandarbeiten. Wie alljährlich, findet auch in diesem Jahre in der Hand- arbcitSschule von Frl. Landmann eine Ausstellung der Schülerarbeiten statt. (Siehe Inserat.) Besonders bemerkens­wert sind neben den vielen praktischen Arbeiten die jetzt von unseren Damen so beliebten Kunstarbeiten, wie Schnitzen, moderner Tiefbrand, Malerei :c. Die Ausstellung ist für jedermann geöffnet.

R. B. Darmstadt, 14. Dez. Die heutige Sitzung der 7. ordentlichen evangelischen Landeksynode wurde noch fast ganz durch Bureau- und AuSschußwahlcn auSgefüllt. Nachdem Präsident D. Stamm-Gießen die Sitzung um 9 i/4 Uhr eröffnet, sprach Pfarrer Bernbeck-Okarben daS Ein- gangSgebet. Dann wurden die Bureauwahlen fortgesetzt und L?beramtsrichter Wahl -Schlitz zum ersten, Pfr. D. Schloss er- Gießen zum zweiten Schriftführer gewählt. Die Versamm­lung erklärte sich darauf einstimmig damit einverstanden, daß das" Bureau S. K. H. dem Großherzog und der Prinzeffm- Braut die herzlichsten Glückwünsche der Landessynode zum Ausdruck bringe. Es folgt nunmehr die Wahl der Ausschüsse. Der Finanzausschuß wird gebildet auS den Herren: Justiz­rat Dr. LuciuS-Mainz, Direktor Brand-Mainz, Frhr. v. Leon- Hardi-Groß-Karben, Medizinalrat Dr. Vogt-Butzbach und Pfarrer Wahl-Langen. Dem Gesetzgebungsausschuß gehören an: LandgerichtSdirektor Dornseiff-Darmstadt, Oberamtsrichtcr Dr. Fischer-Lorsch, Oberamtsrichter Wahl-Schlitz und die Dekane Jaudt-Planig und MattheS-Jugenheim. Der DiS- ziplinarhof besteht auS den Synodalen: Dr. LuciuS-Mamz, Realschuldirektor Dr. Gerhard-Michellladt, Kirchenrat Fuchs- Rimbach und alS Stellvertreter die Synodalen Gräf, Weber und Weinmann. Die Lutherstiftung zählt zu Mitgliedern D. Stamm, D. Sch losser und Landgerichtsrat Schmecken­becher, sämtlich in Gießen. Die Sitzung schloß kurz ^vor 1 Uhr mit dem Wunsch dc§ Präsidenten auf ein frohes Feit. Die nächste Sitzung soll Anfang Januar stattfinden. Eme große Anzahl von Hausbesitzern beschloß gestern abend die Gründung eines Darmstädter Hau§besitzer-V creinS, dem sofort ca. 100 Mitglieder beitraten. Als Jahresbeitrag wurden 3 Mk. und 1 Mk. für jedes weitere HauS festgesetzt. Vorsitzender ist Rentner Fritz Mahr. Eine Uebertragung der Geschäftsstelle an das Bureau ,£anfa' Hierselbst wurde abgelehnt.

Todes-Anzeige.

vermischtes.

London, 14. Dez. In hiesigen politischen Kreisen sind merkwürdige Gerüchte in Umlauf betreffend die ehe - r; rh ot* 91 fr H rt) t eu der Tochter des amerikanischen Prä­

sidenten, Miß Alice Roosepelt. Im Laufe der nächsten Woche kommt Prinz Gustav Adolf von Schweden nach London, nm Umschau nach einer Bra^ut zu halten. Zur gleichen Zeit wird Mice in London ein- treffen, und es heißt, daß die beiden jungen Leute sich bei verschiedenen Gelegenheiten treffen werden. Es wird bW und lebhaft darüber diskutiert, ob das Zusaminentreffen des Prinzen mit der Tochter des republikanischen. Präsi­denten auf beiderseitigen Wunsch geschieht. Es wird mit Recht daraus hingewiesen, daß der Gedanke eines Ehe­bundes zwischen dem zukünftigen König von Schtveden und Nortvegen und Miß Roosevelt abenteuerlich erscheine. ES wird behauptet, daß Miß Roosevelts Ehrgeiz die Ursache des Zusammentreffens ist. Miß Roosevelt hat übrigens auch viele gute Partien in Amerika abgelehnt, vermutlich in der Hoffnung, einmal europäische Prinzessin tverden zu wollen. Andererseits ivird behauptet, daß König Oskap gar kein Vorurteil gegen eine Dame von bürgerlicher Her- innft habe und daß ihm eine ebeli^e Verbindung zwischen seinem Enkel (Prinz Gustav Adolf ist der ültesw Sohn des schwedischen Kronprinzen) nnd ^ Roosevelt nicht un­möglich erscheine. Dies wird aber hier als unwahrscheinlich betrachtet.Morning Leader" meldet aus Kopenhagen, daß die Verlobung deS Prinzen mit Miß Roosevelt bereits in Stockholm in Betracht gezogen worden ist.

* Kleine TageSchronik. Bei Halle a. S. erschoß der Oberaintmann Hartwia auf der Treibjagd aus Versehen den Schul kn aben ^esch. Andr6 Gir on, der seinerzeit mit der Gräfin Montignolo flüchtete, ist jetzt Beamter im Brüsseler Kaufinannsl-anse. In Petersburg fand ein aroßes Konz-ert unter Mitwirkung von Adelina Patti zum Besten der Verwundeten am Kriegsschauplatz statt, arrangiert von der Großfürstin Wladimir Maria Pawlowna. Der ganze .^of mit Ai'ännhine de^ C-ciiser^ imd der Kaiserin war anwesend.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst.

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, den 16. Dezember 1904: Trüb, wolkig, teils nebelig, kälter und Frost.

NäbereS durch die Gießener Wetterkarte.

Unicltr lilclöuwiL

R. B. Darmstadt ,15. Dez. (EigenerDrahtbericht.l Tie 2. hessisch e Kammer setzte heute die Beratungen fort. Es mußten indessen die meisten Vorlagen wegen Verhinderung der Referenten von der Tagesordnung altgesetzt werden. Eine lauge Debatte rief die Vorstellung des Gymnasiallehrers Roth auS Friedberg um Wine Einreihung in die Kategorie der akademisch gebildeten Lehrer hervor. Das Haus beschloß dem Antrag des HauseS gemäß, der Regierung die Berücksichtig­ung des Gesuches zu empseh^n Eingehmd vmhandelt "mrde nach kurzer Befürwortung der Verbesserungsmaßnahmen fi"ir die Usa durch den Wg. Damm die Besprechung der Anfrage des Abg. Köhler und 28 Genossen das landwirtschaftliche Institut der Landesuniversitäl betreffend, dlbg. G u t f l e i s ch trat in wärmster Weise für die Bewilligung der nach den Wünsehen von Prof Dr Gieseviics erforderlichen 6800 Mk. ein und betonte, daß man kein Mittel versäumen dürfe, um der Landwirtsck'aft unter­stützend zur !hand zu gefrm. Auch Geheimrat Brau n und Ml- uisterialrat Weber erklärten die Bereitnülligkeit der Regieimng zur Bewilligung der Summe. Rachdenc auch die Abg. Hirsche l. Brauer und Köhler die Bewilligung der Summe befürwortet hatten, schloß die Debatte. ES wurde zivar kein Beschluß gefaßt, aber das Haus ist einstimmig für die Einst-cllung der Summe im nächsten Etat.

Berlin, 15. Dez. DaSKl. Journ." setzt heute seine Enthüllungen aus der Berliner Wuchergilde fort und beschäftigt sich hauptsächlich mit dem in Berliner Lebe, kreisen sehr bekannten Wucherer, Franz Wagner, der u. A.

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