Ausgabe 
15.11.1904 Zweites Blatt
 
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afrikaS weit tnefir Gewinn abwirst, wenn er für die Viehzucht oder für die Er^euauna von HandelSgewächsen benutzt wird. Tie beiden letzten ErwcrbSzweige sind im fhinbc, 1020 Prozent einzubrinqen. ivährenb txrSsclbe Land und Kapital, für Getreide- bmt vern'andt. fick mir mit 23 Prozent verzinsen würde. Was die Kultur von >?andelsctew.tcksen anlanqt, so empfiehlt Oberst Thomas insonderbeit den Anbau von Obst, wofür die Verhältnisse am Kap äußerst aünstia sind, sowie die Kultur von Tabak, Baum wolle und verschiedenen anderen subtropischen Pflanzen. In diesen Spezialitäten bat Südafrika zweifellos eine Zukunft. Tvcb seine Stärke wird außer der G e l d q c w i n n u n a nach wie vor die Viehzucht sein. Oberst Tbomas erackstel die vorhandenen Rindmorten für qnt und dem Feld vollkommen angepaßt: qleichwobl empfiehlt er die Variierung und noch größere Vervollkommnung der einheimischen Rassen durch Einführung fremder Rassen. Vor allem über fordert er die Negierung aus. strenge veterinäre Maßregeln zlvecks Ausrottung der zahlreichen Viebkraukbeiten zu treffen, die sich während der letzten zwanzig Jahre in Südafrika eingebürgert haben. Rbodesia. dessen Oberst Thomas sehr lobend gedenkt, und das er als den besten Ansied- lungSdistrikt fi'rr Farmer bezeichnet, ist mit dem Erlaß solcher zwangsweisen Schutzmaßreg«'ln bereits vorangegangen..Tas übrige Südafrika wird dem Beispiel Rhodesias folgen müssen, zumal wenn es sich außer der Rinderzucht auch noch der ^Pferdezucht zuwendcn will, wofür gleichfalls die Bedingungen günstig sind. Von der Besiedelungspolitik, die die englische Regierung in Trans­vaal und dem Oraniestrrat inauguriert hat, verspricht sich Oberst ThomaS nickt viel, da der gute Boden bereits von den Buren in Besitz genommen ist, und für den britischen Farmer nur die schlechten Reste übrig geblieben find, bi' wenig ertragreich sind und sich nun gar für den Getreidebau überhaupt nicht eignen.

Das deutsche Schlachtvieh.

Mit der imReich-kanz." kürzlich veröffentlichten Sta» tistik über die der Schlachtvieh- und Fleischbeschau während des Vierteljahres von Anfang Juli bis Ende September unterworfenen Stücke Vieh wird der Anfang zur Ermög- licknmg periodischer llcberblicke über sämt­liches in Deutsch landgeschlachtete Vieh gemacht. Das jüngst imReichsanz." veröffentlichte Material, bezog sich zwar nur auf Preußen. Man wird aber wohl in der Annahme nicht fehl gehen, daß ähnlich wie in Preußen, auch in anderen Bundesstaaten die Zusamntenstellnngen der Be­schau-Ergebnisse vorgenommen werden und daß es sich dem­nach ermöglichen lassen wird, die Uebersicht über das ganze Reichsgebiet zu gewinnen. Mit den der Schlachtviehs und Fleischbeschau unterworfenen Stücken .Vieh ist allerdings noch nicht das überhaupt geschlachtete Vieh erfaßt. Es fehlen in einer solchen Statistik alle jene Tiere, die dieser Beschau nicht unterworfen sind, also in erster Linie die meisten Hausschlachtungen, lieber diese wird sich die Statistik in so fortlaufender Art wie über die anderen Schlachtungen nicht führen lassen. Jedoch ist schon dafür gesorgt, daß man in längeren Zeiträumen auch hierüber einen genauen Aufschluß erhält. Wie bekannt, wird mit der nächsten Viehzählung auch eine solche der Hausschlacht­ungen verbunden sein und man wird wohl ohne weiteres voraussetzen dürfen, daß die folgenden Viehzählungen über­haupt nicht mehr ohne die Lösung dieser Nebenaufgabe vor- genommen werden sollen. Man wird also nächstens in längeren Zeiträumen ganz genau über die in Deutschland erfolgten Schlachtungen bei den einzelnen Viehkategorien unterrichtet werden und über die Schlachtungen in kürzeren Zeiträumen wird man sich auf Grund von Schätzungen an­nähernde Zahlen verschaffen können. Damit wird man Auf­schlüsse nach den verschiedensten Richtungen erhalten. Haupt- sächlich werden danach über die Ernährung der Bevölker­ung mit Fleisch feste Anhaltspunkte gewonnen werden, die Landwirtschaft wird sich über die Entwicklung in einem ihrer wichtigsten Produktionsgebiete von Zeit zu Zeit mehr oder wertiger genau unterrichten können, die Lederindustrie und der Häutehandel, die bisher über den Verbrauch von Häuten und Fellen in Teutschland lediglich durch die Ein- und Ausfuhrzahlen lückenhaft unterrichtet wurden, werden genaue Aufschlüsse über das im Jnlande fehlende Häute- und Fellmaterial erhalten u. a. m.

5>tr AuMand in Aenlsch-Südwestafrika.

Berlin, 14. Nov. General v. Trotha meldet aus Windhuk: Ein Pionicrzug der dritten Ersatzkompanie, Leut­nant Effnert mit 50 Mann, erreichte am 2. Nov. Bethanien, sodaß dort 70 Gewehre sind. Die.N ordbethanier sind ab gefallen. Sie griffen am 24. Nov. eine Patrouille von 5 Mann bei Kunjas an. 4 Mann sind gefallen, nur einer ist gerettet. Die Bersehger- und Veldschoendrager- Hottentotten waren bis zum 26. Okt. noch treu. Gerüchte, betreffend den Abfall eines Teiles derselben laufen jedoch um Nach einer Meldung aus Bethanien vom 2. Nov. plünderte Morenga am 25. Oktober die Farm HeinabiS südlich von Keetmannshoop. Nach dem Eintreffen der Pferde von Kapstadt sind marschbereit bei Kubub etwa am 23. November: Ein Jnfanteriezug der dritten Ersatzkompanie, ein Zug der Eifenbahnkompanie im ganzen 100 Gewehre und am 28. Nov. die zweite Gebirgsbatterie.

London, 14. Nov. Um bei der Bekämpfung des Aus­standes in Südwestafrika mitzuwirken, sind 130 Buren von Johannesburg nach Kapstadt abgereist, von wo sie sich nach dem Tamaraland begeben wollten. Die int Süden des deutschen Schutzgebietes bereits angesiedelten Buren kämpfen seit Beginn' des Hottentottenaufstandes auf deut­scher Seite, einige sind gefallen, andere wurden von den Eingeborenen ermordet.

3>ie Tätigkeit des laudu>ir1sH«fMcheu Vereins für Höeröeffen 1903/04.

Tiefer Bericht soll sich lediglich beschäftigen mit der Tätigteit innerhalb des Vereins. Ueber die Gesamtlage der Landwirtschaft in der Provinz -Oberhessen gibt nur der Bericht Ausschluß, der periodisch etwa alle fünf Jahre er­scheint und den seinerzeit zu versassen sich der Präsident Vorbehalt.

Die Vereinsorganis ation ist im allgemeinen die alte geblieben. Das Präsidium besteht aus dem 1. Präsi­denten Oekonomierat Sch lenke, dem Bicepräsidenten Kreisrat Tr. Wallau, dem Vereinssekretär Oekonomierat Leithiger. Ter Provinzialausschuß setzt sich zusammen aus 63 Mitgliedern, die durch die Bezirksvereine gewählt worden sind, und aus 8 Mitgliedern, die als Referenten in den Ausschuß berufen wurden.

Mit Tode gingen ab int Berichtsjahre zwei langjährige Ausschußmitglieder, die Herren Heinrich Rnppel-Kloppen- heim und Oberverwalter Beilstein-Laubach. Beide Herren waren besonders tüchtige Tierkenner und haben dm Verem in seinen Bestrebungen zur Hebung der Rind- vühzucbt jederzeit tüchtig unterstützt. Der Verein bewahrt ihnen auch deshalb ein treues und ehrendes Andenken.

Tr- Ausschuß hielt im Berichtsjahre drei Sitzungen ab, ent 8. Oktober 1903, 21. Januar 1901 und 24. Mär- Der

Provinzialverein gliedert sich in 6 Bezirksvereine, von denen der in Msseld 386, Büdingen 531, Friedberg 547, Gießen 476, Lauterbach 475, Schotten 200 Mitglieder zählt. Mit einer Anzahl auswärtiger Mitglieder zählt der Provinzial­verein 2603 Mitglieder, das bedeutet einen Nettozugang von 12 Mitgliedern.

Neben diesen Bezirksvereinen zählt der Provinzialvcrcin noch angeschlossene und anerkannte Vereine, das sipd 7Be- zirkSzuchtvereine mit 93 Lokalvereinen, 6 Sch weine zucht- vercine, 5 KreiSziegenznchtvereine mit 4 OrtSziegenzucht- vereinen, 9 Geflügelzuchtvereinen, einen Provinzialobstbau- verein und 6 Sektionen und einer großen Anzahl von Orts- vereinen.

DaS Rcchnungswesctt wird in zwei Teilen geführt. Jin ersten Teil Finninett die eigenen Mittel, im zweiten Teil die Staatszuschüsse zur Verrechnung. Der Staatszuschuß teilt sich aus 87 960 Mk.; davon sind bestimint zur Hebung der Viehzucht, des Obst- und Gemüsebaues 73 960 Mk., zur Unterhaltung der Molkereischnle in Lauterbach 6000 Mk., für allgemeine Vereinszwecke 8000 Mk.

DaS landwirtschaftliche U n t e r r i ch t s w c s c n nimmt einen erfreulichen Aufschwung. Unsere kleinen Landwirte ehen immer mehr ein, daß ihre. Jungen noch etwas dazu einen müssen, wenn sie einsichtig ihren kleinen landwirt- chaftlichen Betrieben einmal mit Erfolg vorstehen sollen. Unsere Ackerbauschulen wurden längst überfüllt sein, wenn unsere Bauern ihre Söhne in der Wirtschaft mir besser ent­behren könnten. Ersatz durch Dienstboten ist heute kaum möglich. Tic intensivere Fütterung des zunehinenden Rind- viehstandes erfordert auch im Winter viel mehr Arbeit, als in früherer Zeit und nimmt die wenigen Hände voll­auf in Anspruch.

Tie landwirtschaftliche Wintcrschiile in Friedberg wurde besucht von 64 Schülern, die in AlSfcld von 36, die in Büdingen von 21, die in Lauterbach von 18, die .Haushalt­ungsschule für Mädchen in Lind heim von 40 Schülern.

Tie Förderung des landwirtschaftlichen Betriebes gc- 'chah in erster Linie durch zahlreiche Meliorationen einschließlich der F e l d b e r c i ni gung. Tje beiden Feld- 5ereinignngskvmmissärc mit ihrem Beamtenapparat haben ihren Sitz in Friedberg und Büdingen. Mit der Fcldberei- nignng wurde begonnen: int Kreise Büdingen mit Ran- tadt, 'Borsdorf, Mittelgründan, .Harbwald, Unterwidders- icün, Obcrmockstadt, OberwidderShcim. Kreis Friedberg: Fauerbach v. d. Höhe und Hochweisel. Kreis Gießen: Bellersheim, Feldhcim, Inheiden, Utpl)e. Kreis Lauter­bach: Wernges.

Beendet wurden die Feldbereinigungen: Kreis- )ingen: Büches, Aulendiebach a. d. H. und Unterdiebach, Lehrbach, Rohrbach und .Himbach. KreiS Friedberg: Obcr- lorstadl Kreis Gießen: Bettenhausen, Taubringcn 3. Feld, Gießen rechts der Lahn. Kreis Lauterbach: Reuters.

In Verbindung mit diesen Feldbercinigungcn wurden Ent- und Bewässerungen im großen Umfang vor­genommen. Tie Wasserregulierung in Aeckern und Wiesen st die Grundlage aller rationellen Bodenwirtschaft. Be- ondcrs erscheint sie notwendig und ist aller Hilfe Anfang im Vogelsberg. Tie Meliorationsarbeiten nehmen beson­ders auch im Vogelsberg fortgesetzt zu. Tie Vorteile sind so in die Augen jpringend, daß sie auch das blödeste Auge nicht mehr übersehen kann. Tadurch werden auch die Trägsten angeregt, etwas zu tun zur Förderung der Melio­rationen in ihrer Gemarkung.

Im Berichtsjahre wurden ausgesuhrt ^Meliorationen aus wüsten mit FelSblöckcn übersäten Flächen im Kreise Lauter­bach in Bermuthshain, Nösberts und Salz. Im Kreise Schotten in Hartmannshain und Schotten.

In den Gemeinden Eichenrod uni) Volkartshain wurden die früher meliorierten Flächen zu Viehweiden eingerichtet, d. h. die Flächen wurden in eingezäunte Weide­schläge eingeteilt und diese nach und nach besonders mit Jungrindern besetzt, sodaß in solchen Gemarkilngen die Einzelheit immer mehr beschränkt wird und damit die Hütekinder im Vogelsberg immer mehr eine Rarität werden.

Weitere Meliorationen in Siechenhausen und Burkhards int Kreise Schotten konnten teils wegen Arbeitermangel, teils durch diesen hervorgerufen, zu hohe Forderungen für die Ausführungsarbeiten nicht ausgesuhrt werden. Auch in Bermuthshain und Hartmannsh-ain konnten Arbeiten nur in beschränktem Maße Dor genommen werden, da dort Arbeitermangel herrscht infolge des Bahnbaues. 1903/04 wurden daher nur ausgeführt Meliorationen auf 18.91 Bektar, die Kosten betrugen im Mittel 251 Mk. pr. Hckt., neue iehweiden wurden eingerichtet auf 19.85 Hekt.; die Kosten betrugen im Mittel 131 Mk. pr. Hekt. Eichenrod hat bis jetzt im ganzen 23 Hekt. Jungviehweiden, auf denen das vielfache an Futter wächst, als früher. Dabei ist die Qua­lität des Futters durch die Meliorationen und durch ratio­nelle Düngung so gehoben, daß die Tiere jetzt eine reich-- liche Nahrung finden, reichlicher als früher auf der vielleicht zehnfach größeren Weidefläche.

Im Acker - und Pflanzenbau sind die früheren Arbeiten zur Hebung desselben fortgesetzt und neue Ar­beiten in Angriff genommen. Unter der Oberleitung der landwirtschaftlichen Versuchsstation Darmstadt waren in allen Kreisen der Provinz auf Aeckern und Wiesen Feld­düngungsversuche eingeleitet, die leider zum Teil nicht fort­gesetzt werden konnten und keine Resultate ergaben, durch die zahlreichen Mißverständnisse und Unterlassungssünden der unter der Oberleitung stehenden Wersuchsleiter.

Die von dem früheren Professor Albert eingeleiteten Sortenanbauversuche wurden im Berichtsjahre zur Ausführung gebracht auf Versuchsfeldern in Friedberg und Alsfeld. Professor Tr. Gisevius als Nachfolger des Pro­fessors Albert hat in sehr dankenswerter und sehr energi­scher Weise die Versuchsarbeit fortgesetzt und insbesondere die Sortenanbauversuche auch auf die anderen landwirtschaft­lichen Kulturpflanzen ausgedehnt. Tiefe Arbeiten find schon im Geschäftsjahre 1904/05 außerordentlich ausgedehnt. Saatbaustellen in der ganzen Provinz sind errichtet für svrtenächtes Saatgut, sodaß die Landwirte Hessens in der Lage sind, im Lande selbst sortencichtes Saatgut, das ge­eignet ist, die Produktion wesentlich zu heben, zu beziehen. Hiervon wurde schon in diesem Jahre in großem Maßstabe Gebrauch gemacht, nachdem die nach der Aehrenenlwicklung begutachteten und angetörten mit Körnerfrüchten bedeckten Flächen und deren Inhaber bekannt gegeben waren. Die Organisation dieser Saatgutstellen im ganzen Lande ruht in den Händen des hessischen Landwirtschaftsrates, der sich dadurch ein großes Verdienst um die Hebung der Pflanzen­produktion erworben hat.

Der Futter- und Wiesenbau hat sich durch die wachsende Erkenntnis der ausgezeichneten Wirkung der uns zur Verfügung stehenden mineralischen Dünger außer­ordentlich gehoben. Wesentlich dazu hat auch beigetragen, daß unser einheimisches Vieh dank der Grenzsperren von verheerenden Seuchen seit mehreren Jahren verschont blieb. Die Landwirte haben wieder den Mut gefunden, ihre Vieh­

bestände zu ergänzen und zu vermehren dur ch rationelle Aufzurcht. Nicht allein die Zahl der Tiere, sondern das Gewicht der einzelnen Tiere und die Qualität der Tiere hat sich gehoben. Das danken wir dem verbesserten Futter­bau und der Hebung der Rasse unserer landwirtschaftliches Nutzticre. In der Provinz will inan gute- Milchtiere züchtetij und viel Milch gewinnen. Die Produktion von Milch steigert ich von Jähr zu Jahr, 18 Genossenschaftsmolkereien Ober­hessens verarbeiteten irrt Berichtsjahre 27V2 Millionen Liter Milch. Die Landwirte erlösten für diese Milch 3 Millionenj Mark. Ströme von Milch werden der Stadt Gießen und insbesondere der Stadt Frankfurt und seiner Umgebung zngcsührt und weitere Mengen zur Aufzucht von Jung­tieren und im eigenen Haushalt verbraucht. Die Rindvieh- zucht mußte schon deshalb einen immer größeren Umfang annchmen, weil die Kühe, welche die ungeheuren Milch­mengen liefern sollen, im Ankauf immer teurer werden und'kaum noch in guter Qualität zu beschaffen sind. Aus der norddeutschen Tiefebene bis zur russischen Grenze suchen die Händler das Milchvieh herbeiznschaffen, um es den Märkten und insbesondere dem Gießener Milchvieh­markt zuzufi'ihren. Tas Risiko, welches mit dem Ankauf dieser weit gereisten Tiere verbunden ist, veranlaßt gerade unsere kleineren Landwirte, mehr und mehr den eigenenj Bedarf im eigenen Stalle zu züchten und lieber weniger Milch zu verkaufen. Auch diese Tatsache tragt zur Stei­gerung unserer Viehbestände bei. Schon seit betrtf Jahre 1873 hat sich der Rindviehbestand bis zum Jahre 1890 in Oberhessen gehoben um 34.4 Prozent, dem Werte nach ist der Rindvichbcstand in jener Zeit gestiegen umj 63.8 Prozent. Wenn vorübergehend durch eingeschleppte Seuchen in die Viehbestände große Lücken gerissen wurden, o haben sich diese Lücken wieder geschlossen in den letzten euchefreien Jahren. Die Gesamtproduktion aus der Rind­viehhaltung betrug in den letzten Jahresdurchschnitten ca. 26 Millionen Mark. Die Zahl der Herdbuchtiere Simmen­taler Rasse stieg im Berichtsjahre auf 7763 Stück, die der Vogelsberger Nasse auf rund 3000 Stück. Von ersterer! Nasse entfallen auf den Kreis Alsfeld 1020, auf Büdingen 1129, Friedberg 857, (besten 670. Auf die Vogelsberger entfallen auf den Kreis Gießen 778, auf Schotten 964. Neu aufgenommen wurden in das Herdbuch: an Simmen- talcrn 1100 Stück, an Vogelsbergern 240 Stück.

Durch den neuangestellten Zuchtverwalter ist es dem Tierzuchtinspektor müglickx, in stetiger Fühlung mit den Züchtern zu bleiben. Die Revision der Herdbuchtiere ift gesichert und auf die Aufnahme des Jungviehes konnte eine ausgiebigere und ordnungsmäßigere Arbeit verwendet wer­den. Jin Berichtsjahre wurden ausgenommen 1106 Stück Jungvieh.

Ter Kreis Msseld zahlt für die Zucht der Simmentaler 5 Ortsvereine, Lauterbach 10, Friedberg 25, Büdingen 27, Gießen 4. Ter Kreis Gießen für Vogelsberger 10 Orts­vereine, Schotten 12 Ortsvereine.

An Bullenstaticmen für Simmentaler befinden sich im Kreise Lauterbach: in Angersbach, Maar, Niedermoos. IM Kreise Alsfeld: Angenrod, Windhausen, Otterbach. Gießen: Oberhörgern und Langsdorf. Friedberg: Melbach, Reichels­heim, Rodheim v. d. Höhe, Niederweisel. Büdingen: We- ningS, Tauernheim, Bleichenbach. Den mit eingeführten Simmentaler Bullen bester Qualität besetzten Stationen sollen nur Herdbuchtiere zugeführt werden. Man züchtet weniger auf äußere Formen, sondern auf Milchergiebigkeit. .Hoffentlich führen diese Bestrebungen zum Ziel.

Zur Hebung der einheimischen Rasse, der Vogelsberger, errichtete man in der Provinz Zucht? viehhöfe, um in diesen bestes Vogelsberger Zuchtmate­rial heranznziehen und es insbesondere den Gemeinden! der Provinz zur Verfügung zu stellen. Es bestehen heute drei Zuchtviehhöfe, die die Anforderungen erfüllen. Es bleibt bedauerlich, daß so viele Gemeinden der einheimischen Rasse untren werden und sich der Simmentaler Zucht zu­wenden, ohne vielleicht genügend zu berücksichtigen, daß es ihnen nicht gelingen kann, das, entsprechende Simmentaler Rind ausreichend zu ernähren.

Die Züchter des Simmenthaler Rindes bedürfen noch auf viele Jahre hinaus der (Einfuhr besten Zuchtmaterials aus der Schweiz, um die Rindviehbestände zu immer fortschreitender Entwickelung zu bringen. Die Erwerbimgskosten sind nicht allzu hoch. Im Durchschnitt stellt sich für die Gemeinden ein importierter Bulle auf 826 Mk. Bei der vorzüglichen Pflege entwickeln sich diese Tiere bei uns so günstig, daß an jeder Einkaussfumme beim späteren Verkauf als Schlachttier die Gemeinde keine wesentliche Einbuße erleidet. Im Berichts­jahre betrugen die gesamten Einsichrkosien für den Provinzial- verein 3792.45 Mk. Die Aufwendungen für die Beschaffung guter Gemeinde bullen der Vogelsberger Rasse betrugen 1437 Mk., da der Provinzialverein 20 Proz. der Ankauss- fumnte trug, während bei den Simmenthaler Bullen 15 Proz. der Ankaufssumme übernommen wurden.

Die Geschäftsstelle des Provinztalvereins hat in Alsfeld eine Vermittelungsstelle für den An- und Verkauf von Zuchtvieh errichtet. 143 Simmenthaler und 41 Vogelsberger Zuchttiere wurden den Käufern nachgewiesen und der Ankauf vermittelt. Ebenso vermittelte diese Stelle den Ankauf von 42 Zuchtschweinen und 40 Ziegen.

Der Provinzialverein hat vier vollständig eingerichtete Jung Viehweiden geschaffen. Der Tiergarten bei Hungen nimmt vorherrschend Fohlen auf und war int Berichtsjahr mit 66 Fohlen und 11 Rindern^bcseht. Die Weide in Wer- nings mit 64 Rindern und 10 Fohlen, die in Zell mit 56 Rindern und die in Lauterbach mit 70 Rindern- Die Ge- meindcjungviehweiden bei Volkartshain werden von 145, die m Eichcnrod von 123, in Hörgenau von 56, Crainfeld von 50 und die in Steinfurth von 66 Stück Jungrindern be­gangen. In diesen Gemeinden ist durch die Einrichtung der meliorierten und eingezäunten Weiden die Einzelhut nahezu abgeschafft und damit das Institut der Hütekinder, das oft viel zu scharf beurteilt und verurteilt wurde, zurückgedrängt.

Auch der Schweinezucht wurde im Berichtsjahre die größte Aufmerksamkeit geschenkt. In der Provinz wird fast allgemein das frühreife deutsche Edelschwein gezüchtet, das viel mageres Fleisch und verhältnismäßig wenig Fett bei der Abschlachtung zeigt. Schon mit 68 Monaten erreichen die Tiere bei geeigneter Haltung ein Gewicht von 150 bis 200 Pfund. Solche Tiere sind von den Metzgern besonders in der warmen Jahreszeit sehr begehrt und werden besonders gut bezahlt. Schweinezuchtvereine, die es sich zur Aufgabe machen, das deutsche Edelschwein rein zu züchten und die ihr Geschäft zu machen hoffen, befinden sich in Langgöns, Wind­hausen, Großfelda, Strebendorf, Eudorf, Burggemünden.

Die Zucht milchreich er Ziegen^ zu denen in erster Linie die weiße hornlose Ziege des Berner Oberlandes ge-