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Nr. 138
Zweites Blatt.
154. Jahrgang
Mittwoch 15. Juni 1904
ErschetrU tflgltd) mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener Zamllienblätter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »hesfisch« Lau-wtrP' erscheint monatlich einmal.
Gießener Anzeiger
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« UntversitätSdruckeret. 9L Lange, Gieß«.
Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.7.
Tel. Nr. 5L Delegr.-Adr. r Anzeiger Gieß«.
General-Anzeiger, Amt§- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen.
Die Heutige Kummer umfaßt 12 Seiten.
Kolitische Tagesschau.
Ao8 dem Reichstage.
< Unser Berliner parlamentarischer Mitarbeiter schreibt anrterm. 14. Juni:
Der Taler, die „alte freundliche Münze", soll von der Bildfläche verschwinden. Der Bundesrat wenigstens will es- So verkündete der Schatzsekretär Frhr. v. Stengel heute ohne Umschweife^ indem er andernfalls die Münzgesetznovelle als für die Regierung unannehmbar bezeich- nete. Es fragte sich nun, ob der Reichstag mehr Wert legt aus die Beibehaltung des Dreimarkstückes als auf die Ausprägung eines neuen Fünfzigpfennigstückes, wie sie die Münzgesetznovelle vorsieht. Der Entscheidung ging ein nochmaliger Meinungsaustausch voraus, an dem die Versammlung sehr geringes Interesse nahm. Man war nämlich beschlußfähig und in Ferienstmrmung, d. h. nicht geneigt, ein geduldiges Auditorium abzugeben, sondern gesonnen, Taten zu verrichten, um schleunigst wieder aus- einanderzustieLen. Abtz. Kämpf (frs. Vp.), das Oberhaupt der Aelleften der Berliner Kaufmannschaft, der es sich nicht versagen konnte, in letzter Stunde noch eine lange „Reichs- dezrmalrede" vom Stapel zu lassen, erregte deshalb das entschiedenste Mißbehagen. In der Sache selbst entschied sich die Mehrhell des Reichstags für die Aufrechterhaltung der Beschlüsse zweiter Lesung und damll für die Neuprägung von Dreimarkstücken. Der Daler ist also „gerettet", wenigstens von Reichstags wegen. Es bleibt nun abzuwarten, ob der Bundesrat in der Tat dieses Beschlusses wegen das Gesetz in den Papierkorb wandern läßt. Das ^Unannehmbar" ist nicht immer als endgilllg anzusehen. Immerhin bedeutet der Tag eine Niederlage, und zwar die erste, für den Schatzsekretär. Er braucht sie aber nicht tragisch zu nehmen; gegenüber dem Erfolg nut der Finanzreform fällt sie nicht ins Gewicht.
Der Reichstag wandte sich alsdann den Kolonial- bahn-Vorlagen zu Zunächst der Togobahn bezw. dem Gesetzentwurf wegen Erfnähme einer 8-Millionen- Anleihe für den Mchübau Es mußte sich jetzt heraus- stellen, ob Kolonialdirektor Dr. Stübel aus dieser an Ungemach für ihn so reichen Session schließlich Errungenschaften davonträgt, um die seit Jahr und Tag vergeblich gekämpft wurde. In der Bndgetkommission hat Dr. Stübel mll den Bahnvorlagen gut abgejchnitteu. Im Plenum trat chm Aba. Richter (fr. Vp.) entgegen, der alte Gegner des „Kolonialsports". Als Redner ist er der Alte nicht mehr, er sprach weniger frisch und originell als früher. Der Abg. Ledebour (Soz.) eiferte mll einer Wett- schweifigkell, die fast wie Obstruktion aussah, gegen die Kolonialverwaltung. Dr. Stübel replizierte in seiner ruhigen Weise und erhielt alsbald aus dem Hause Unterstützung, selbst seitens der Freisinnigen Vereinigung. Das mtscheidende Wort au Gunsten der Togobahn sprach Abg. Dr. Spahn, der Zentrumsgewallige, und die Abstimmung — auf Antrag Dr. Müller-Sagan (Fr. Vp.) namentlich (Zettelwahl) — ergab die Bewilligun g der Togobahn-Anleihe mll 148 gegen 68 Stimmen. Der erste bemerkenswerte Erfolg des Kolonialdirektors, dem der zwelle morgen folgen dürfte. ____
Das Kordon-Reuuet-Kermeu.
(Nachdruck verboten.)
IL
S. u. H. H o m b u r g v. d. H., 14. Jurn.
Das sonst so freundliche Taunusbad gleicht heute, drei Tage vor dem großen Ereignis, einem Ameisenhaufen. Au? den übervölkerten Bürgersteigen sieht man Vertreter und Vertreterinnen aller großen Kulturnationen lustwcm- deln während auf den Fahrbahnen unaushorlrch ine nur einem Automobilistenherzm als Sphärenmusik erschetnen- den Luvventöne erschallen, mittelst deren sich bte zahllosen Automobile aller Länder und die flinken Motorräder einen Weg durch den regen Wagenverkehr zu bahnen suchen. Man sieht durchweg nur elegante, vtzchlgesallrge Vehrkel. Neben dem mit Staubbrille und Wettermantel ausstaffter- ten Autler sitzt in vielen Fällen auch noch eine graziöse Stotterin, deren zierliches Schleierwerk zwar das ganze Haupt umweht das jedoch in allerletzter Lime dazu bestimmt zu sein scheint, das Gesicht vor den das Gefährt um
gebenden Staubwolken und damit zugleich auch vor bewundernden Augen zu schützen. Jedenfalls stehen die Anhängerinnen dieser Frauenbewegung in puncto Rassig- keit, Chick und Toilettenluxus ihren in Berlin versammelten Kolleginnen von der anderen Fakultät nicht nach, und sicher ist, daß Homburg in diesen Tagen getrost mit Nizza, Monte- Carlo, Paris und anderen Prunkorten der obersten Zehntausend wetteifern kann. Natürlich sticht Frankreich, dessen Automobilindustrie dem Verlauf des Gordon-Benuet- Renneu mit ziemlich, -gemischten Gefühlen entgegensieht, in Bezug auf die Ausstattung seiner Automobile als auch ihrer männlichen und weiblichen Insassen alle anderen Länder aus. An zweiter Stelle koinmt England, dessen blonde Töchter ebenfalls eine Vorliebe für den modernsten Sportbetrieb zu haben scheinen. Doch lenken sie die Wagen meist nicht selbst, sondern überlassen die Führung ihren hageren, schweigsamen und fast feindselig dreinblickendeu Chauffeuren. Die Einfahrt der Engländer glich einem Karawanenzuge. Der,^Ladies Automobil-Klub", der in corpore erschien, eröffnete den schier unabsehbaren Automobil- Wagenttoß, dann folgten dre Geutlemen im tadellosen Auto- Dreß. Aus anderem Holze wie die zurückhaltenden Brüten sind die österreichischen und italienischen Automobilisten geschnitzt. In ihrer lebhaften Art lassen sie überall gern ihre Meinung hören über die Chancen der bevorstehenden Rennfahrt. Die Italiener schwören auf ihre Fiat-Wagen. Der originelle Name ist aus den Anfangsbuchstaben der Firma „Fabricca Jtalrano di Mttomobili" zusammengesetzt.
Alle an dem Rennen beteiligten Automobile sind bereits zur Stelle, ebenso auch chre Führer. In erster Linie interessiert ist Camille Jen atz y, oer Sieger des vorjährigen Gordon-Bennett-Rennens und der Führer des ersten deutschen (Mercedes-) Wagens. Wo das gutmütig drein schauende, etwas eingefallene, starkknochige, mit einer sog. „Maurer fraise" umkleidete Gesrcht des Algiers sichtbar wlld, lenkt es auch aller Blicke auf sich, und namennt- lich die „Wettonkel" suchen aus den Mienen des äußerst schweigsamen Jenatzy ihre Schlüsse zu ziehen. Auch der zweite deutsche Wagenlenker, Baron de Caters, der ebenfalls Mercedes fährt, ist belgischer Abstammung und durch seinen Kilometer-Rekord, den er im Kampf mit Gob-ron-Brillis aufstellte, in automobilistischen Kreisen vorteilhaft bekannt geworden. Nur in Fritz Opel, dem Führer des dritten deutschen Wagens, der aus den chm gehörigen Opel-Darray-Werken hervorgegangen ist, haben wir einen deutschen Führer. Auch die beiden ersten englischen Fahrer S. F. Edge und Sidney Girling sind wie Opel aus der Radrennwelt h-ervorgegangen. Edge führt einen Napier-Wagen, während Girling und der drllte englische Führer Charles Ja rott die mll liegenden Motoren ausgerüsteten Wolseley-Wagen steuern werden, von deren neuartiger Konstruktion mau sich vielfach Ueberrasch- ungen für das Rennen verspricht. Die drei österreichischen Wagenlenker sind Wilhelm Werner, Hermann Braun und Mr. Warden. Die ersteren beiden stammen aus Württemberg. Als äußerst sichere Führer gelten die drei französischen Wagenlenker Thery, ©alleren und Rogier. Sie lenken Brasier-Mors- und Turcat-Märy- Wagen. Als ein vollkommener Neuling präsentiert sich der schweizerische Wagen der Fllma Dufaux Freres in Genf, doch gibt es Leute, die gerade von diesem „£)utfiber" große Stücke halten.
lieber die Aussichten der einzelnen Führer läßt sich natürlich nicht das geringste sagen. Die unglaublichsten Tips werden gegeben und vor den ungeheuerlichsten Rückschlüssen ist man nicht sicher. Gehen doch einige Unglücksraben so well, selbst aus dem Renntermin allerlei Unheil vorauszusagen. Warum mußte ein Freitaa, und noch dazu ein Datum wie der 17., gewählt werden?
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Der Marstall des K a i s e r s ist heute mit einem Stallmeister und 20 Dienerschaften in H o m b u r g o. d. H. eingetroffen. Tas Kaiserpaar trifft mit dem Prinzen Leopold von Preußen Donnerstag früh mit großem Gefolge ein. Der Erbprinz von Montenegro ist bereits hier eingetroffen. Prinz Otto von Schaumburg und der Kronprinz von Schweden und Norwegen treffen demnächst hier ein. Eisenbahnminister Budde hat feine Beteiligung am Gordon- Bennett-Rennen insoweit zugesagt, als er nicht in letzter Stunde durch dringende Geschäfte verhindert wird.
Aus Anlaß des Rennens wird die Eisenbahnverwaltung für den 17. Juni außer den fahrplanmäßigen Zügen eine größere Anzahl von Sonderzügen auf den Strecken:
Frankfurt-Homburg (Alt), Homburg (Neu,—Saalburg—Ustngen und Friedberg-Friedrichsdorf einleqen. Sämtliche Züge von Frankfurt enden in Hornburg (Alt). Für den Uebergang von dem Bahnhose Homburg (Alt) nach dem Bahnhofe Homburg (Neu) hat jeder Reisende selbst Sorge zu tragen. Die Eisenbahn-Verwaltung wrrd so viele Züge einlegen, als die emgleifige Strecke Homburg/ (Neu)—Saatburg—Usingen zuläßt. Wir verweisen im übrigen auf die bez. amtliche Bekanntmachung.'
Aus Stadt und Saud.
Gießen, 15. Ium 1904.
** 23 ort rag. Auf den morgen, Donnerstag, abendS 8Vs Uhr in der Universllätsaula stattfindenden Borttag des Prof. Dr. Sommer machen wir an dieser Stelle nochmals aufmerksam. Der Vortrag, der durch Projektionsbilder erläutert werden wird, ist nicht etwa nur für akademische Kreise oder für die Mitglieder des Vereins gegart den Mißbrauch geistiger Getränke bestimmt, ist vielmehr öffentlich. Jedermann ohne Unterschied des Standes und Geschlechtes ist freundlich wlllkommen. Hoffentlich finden sich auch zahlreiche Zuhörer aus dem Arbeiterstunde tin.!
** Leuchtende Mosaik-Metallglasschilder, nach dem Patent Ott Fröres wurden uns heute gezeigt. Sie haben erhöhte Leuchtkraft und sind, da sie aus kleinen, mit Cement verbundenen Plättchen zusammengesetzt sind, von größerer Dauerhaftigkeit als die seither gebrauchten'' Schilder. Die 23ertretung, dieser Neuhell für Gießen, Wetzlar und Marburg hat Carl Ludwig Leib hier.
Bad-Nauheim, 14. Juni. Auf dem Bauplatze bett, katholischen Kirche hatte sich am Sonntag nachmittag ein zahlreiches Publikum eingefunden, um der vor fiajj gehenden feierlichen Grundsteinlegung zur Kirche- belzuwohnen. Die Weiherede hielt der Domkapitular Dr.' Bendix aus Mainz. Darauf machte Pfarrer Erker die 83er- sammelten mll dem Inhalt der Urkunde und den sonstigen im Grundstein enthallenen Schriftstücken bekannt. Dann' folgte die 23ersenkung des die Schriftstücke enthaltenden! Kästchens in die dafür vorgesehene Vertiefung der Grundmauer und 23erschließung und Vermauerung des Gewölbes. Die Geistlichen, die Vertreter der Behörden, der Kirch en- vorstand und die Bauleiter nahmen danach die Hammer-, schlage vor, dem sich ein Gesang der Gemeinde als Beschluß, des Aktes anreihte. — Zur Schaffung eines Golfplatzes^ hatte sich hier ein Komitee gebildet. Die an dem Frauenwald Gelegene Wiese war zum Sportplatz auserse^n und vom Golf-Klub von Niedermörler Einwohnern erworben. Unter sachkundiger Leitung hat sich das an manchen Stellen hügelige Terrain in eine ebene Fläche umgewandelt. Weich- zeitig hat man die Flache mit AnpflanMngen versehen; neugesetzte Baumgruppen, über die Fläche verstteut liegend, lassen keine Oede aufkommeu. Jnmllten des Platzes, am Walde, erhebt sich das Klubhaus. Die Einweihung des Golfplatzes geschieht am Donnerstag nachmittag.
W. Nidda, 12. Juni. Die Ueberreichung der Ge-, ellenbriefe sand gestern im Saale des GambrinuH statt, in Gegenwart einer Anzahl Gäste. Nach einer Auma che des Hauptlehrers Höhn über die Lossprechung der Lehrlinge im mittelalterlrchen Zunftwesen wurden ben Prüflingen die Gesellenbriefe überreicht. 16 Bewerber waren es gewesen; einer mußte wegen Nichterfüllung der Vorbedingungen zurückgewiesen werden; 11 bekamen die Note „gut"; 2 müssen der theoretischen Prüfung noch einmal sich im nächsten Jahre unterziehen. Es folgten Mahnungen des Haupttehvers Höhn uni) des Vorsitzenden des Gewerbevereins, Möbelfabrllant Ringshausen an die jungen Leute, sich des in sie gesetzten Vertrauens würdig zu erweisen; ein gemütliches Zusammensein schloß die Feier. — Ein Kind von 2 Jahren warf ein Glas heftig auf die Erde; ein Splitter davon fuhr ihm ins Gesicht und durchschallt Lid und Hornhaut des einen Auges; es mußte sofort zur Minik nach Gießen verbracht werden.
g. Rinderbügen, 14. Juni. Am Sonntag beging der hiesige Kr ie ger v er ein die Weihe seiner neuen Fuhne. Die Festrede hielt Pfarrer Reich aus Wolferborn. Gestern nachmlltag war großes Volksfest auf dem Festplatze. — Ein Unfall, der dem Fest leicht einen traurigen Abschluß hätte geben können, passierte gestern abend auf der Sttaße nach dem Festplatz. Ein Fuhrwerk, das Feft- gafte abholen wollte, über fuhr ein klein es Kind. Obwohl Wagen und Pferde über das Kind hinwegraften,^ kam es unverletzt davon.
Fruillewn.
Karlsruhe, 15. Juni. Anläßlich des 50jädrigen Jubiläums der Akademie der bilden de n Künste fand heute eine Feierlichkeit statt. Derselben wohnten bei: der Groß- yerzog und die Großherzogin, der Erbgroßherzog, Prinz Max, Kronprinz und Kronprinzessin von Schweden-Norwegen usw. Direktor Professor Keller verlas eine an den Großherzog gerichtete Äldrcsse der Akademie. Hierauf hielt der Gr o ß h e r z o g eure längere Ansprache, in welcher er nach einem Rückblick auf die Gründungszeit der Akademie dem Wunsche Ausdruck gab, daß die K u n st w e r k e des Altertums, die die schönsten Vorbilder seien, auch ferner unserer Jugeird oorgeführt wurden, damll das neue Geschlecht erfahre, was seiner Zeit geleistet worden ist. Die Pflege der deutschen Kunst lei eine nationale Aufgabe, die wir fordern mühen, damll wir ben anderen Nationen gegenüber stets auf der Höhender Leistungsfähigkeit bleiben, vielleicht auch Vorbilder werben. Dies iei keine Ellelkeit, sondern nur ein gerechtes Urteil über dre Vergangenheit. Bei d^em Festakt überreichte Dr. Oechelhänser dem Großherzog eine ^estschrtlt, worm dre Geichrchte der Anstalt nllbergelegt ist. Sodann folgte ein Rundgang durch dre anlastllch des Jubiläums veranstalllle Kunstausstellung.
— Na denn nrcht!" Zu der «enlrch unter der Spch- marke Der'Kaiser und die Kunst" gebrachten Notiz wlld dem „Berl. Tagebl." nntgetellt, daß nach einer anderen in Kunstkreisen umgeheirden Bersron es mäst der Lcaiser selbst, sondern der Ministerialdirektor Alt ho ff geweien iei, der den ernstchMeu Kunsthistoriker in so deutlicher Weise gegen bie moderne Kunst habe mobll machen wollen. Danach wurde der be- ttessende Universllätslehrer eines Tages zu Herrn Allhoff gerufen
und empfing von diesem Vorhaltungen wegen feiner Stellung zu den neueren Kunstitrömnngen. Er, der Professor, solle es sich zur Ausgabe machen, gerade die Kunftauf- fassung des Kaisers in seinen Vorlesungen systematisch zu begründen. Als hierauf der Kunsthistoriker einwandte, das könne er mll seiner Uebeneugung nicht vereinen, und man dürfe doch von ihm nicht verlangen, daß er gegen seine lleberzeugung lehre, habe ihn der Ministerialdirektor ziemlich unwirsch mit den Worten entlassen: „Na, denn nicht!"
— Den Baudenkmälern im Regierungsbezirk Koblenz wird, wie wir im „Reichsanz." lesen, eine seit Jahren immer mehr steigende Berücksichtigung zuteil. Die fiskalischen Ruinen der Nürburg, Monreal, Vetzberg, die Niedellrurg bei Kobern werden dauernd von den zuständige Lokalbaubeamtcn überwacht. Ter Ausbau der großen Ruine Reichenstein bei Trechttngshausen am Rhein ist vollendet. Auch für die bedeutendste Burgruine am Rhein, Rheinfels, sind nach dem Einsturz eures Teiles der hohen Stützmauer am Scharfeneck nicht unerhebliche Vllttel zur Wiederherstellung und Vornahme weiterer Sicherungsarbellen zur Verfügung gestellt. Dre Ruirre ist nach Freilegung von dem die Schäden verdeckeirden Gestrüpp einer gründlichen Untersuchung unterzogen worden.
— Luise Dumonts Musterbühne in Düsseldorf. Das Theaterprojekt der auch in Gießen bekannten Bühnengröße Luise Twmont und Gustav Lindemann, das für Weimar bekanntlich gescheitert ist, soll in Düsseldorf seine Verwirklichung finden. Wie die dortigen „92. 92" zuverlässig wissen wollen, sind dre Gnmd- lagen für die Durchführung des Planes bereits gesichert Die Eröffnung des Kunstinstttuts ist für 1906 vorgesehen; es soll 77 Meter Front erhalten. Ein Preisausschreiben zur Erlangung von Entwürfen soll demnächst erlassen werden. Das Unternehmen wird von Privatkapctalisten finanziell, die eine Gesellschaft mll beschränkter Haftung bilden.
— Dich t e r über Dichter. Das Pllnzip, das durch die sell kurzem erscheinende DLoTwgraphieenreihe „Die Dichtung" vertreten wird, ein Pllnzip, das die amerikanische Monroedoktllll auf literarisches Gebiet überträgt, greift in schall polemischer Weise Ricard M. Meyer, der bekannte Berliner Lllerarhistollker, im neuesten Heft des Literarischen Echo^ (Bellin, Egon Fleischel u. Co.) an. Ihm scheint manches dagegen zu sprechen, daß Dichter als berufenste Kritiker über Dichter zu Gericht sitzen sollen, daß ein mittelalterliches Pellonalpllnzip wieder in unsere lllerarische Rechtspflege eingefühll roerbe. „Wir wollen doch lieber auch hier bei der Rechtseinhell beharren, statt für Freie und Unfreie, Christen und Juden lauter eigene Reckstsbücher nnd Prozeßformen zu schaffen. Etwas Mittelalterliches steckt wirklich in diesen Ambitionen, die nicht gerade von den „führenden Gllstcm", um so eifriger aber von den lauten Talenten verfochten werden. Schmeckt das nicht nach Zunft und Meisterlade? Sellsam! Haben die „Ateistersinger von Nürnberg" dahin gewirkt, daß nur noch zünftige Dieller urteilen sollen? Dann können mir bald der blühendsten Beckmesfersi gewiß fetm" — An gleicher Stelle macht. Karl Baron Torrefani auf einen Mailänder VolkSpoeten auf»' merksam, auf den 1776 geborenen und 1821 gestorbenen Carlö Polla, den „größten neuzeitlichen satirischen Dialektdichter". Daß dieses Woll keine Üebertreibuna ist, beweist eine köstliche Skizze Carlo Portas, „Ein Hauskaplan wird besucht"', die Torresani seinem Essai in freier Bearbeitung anfügt — Von weiteren Beiträgen seien eine Studie von Jukll»s Petersen über Schillers Pellönlichkcll, eine Charakteristik des Ron»anschllftstellers FllH Aillurs voll Richard Wellbrccht, sowie ein Referat von Theodor Herold über Neue Lyrik hervorgehoben. Ten übrigen Teil des Heftes bilden die stellenden Rubriken: Echo der Zeitungen, Echo' des Auslandes, Echo der Bühnen und Kurze An-eigen.


