Darmstadt, 14. Juni. Die Kaiserin vou Rußland hat in zwei an den hiesigen russischen Ministerresi- denten, Fürsten Kudascheff, gerichteten Telegrammen ihrer großen Freude über den glänzenden Verlauf des Wohl- tatrgkeitsfestes Ausdruck gegeben und gebeten, allen Beteiligten ihren herzlichsten Tank zürn Ausdruck zu bringen Ferner hat Ihre Majestät genehmigt, daß 700 DLark Les Reinertrags dem hiesigen Alic e-Hospital als Beihilfe zur Erbauung eines neuen Operationssaales überwiesen werden sollen.
Homburg, 14. Juni. Heute vormittag kollidierten auf dem Gluclensteinerweg beim Trainieren ein Rennwagen und ein Gesellschaftswagen. Letzterer wurde in einen Graben geschleudert, der Chauffeur am Arm verletzt. Die Passagiere blieben mrversehrt.
Z)ie Zlestrede beim NaHnettweihfest des Kardepereirrs.
Gießen, 15. Juni.
Heute wurde uns der folgende Wortlaut der Festrede, die Prof. Dr. Bier mann, Oberleutnant a. D. der Garde- Landwehr, auf dem Fahnenweih fest des Gardevereins gehalten hat, zur Verfügung gestellt:
Geehrte Festversammlung, Kameraden vom Gardekorps!
.Die schöne Fahne, die wir der Huld und Gnade Seiner .Majestät des Kaisers verdanken, mahnt uns erinnernd an die- fenige Fahnen, unter denen wir selber einstmals gebient, au die wir selber dem obersten Kriegsherrn die Treue geschworen haben, an die erlauchten Feldzeichen des Gardekorps, die ruhmvoll bereits vor zwei Jahrhunderten unter dem Befehl Leopolds von Dessau geweht haben und zu allen Zeiten einer ehrliebenden und pslrchtgetreuen Mannschaft vorangeleuchtet haben. Vorangeleuchtet haben den Regimentern und Bataillonen des Garde- ,korps, jenes Korps, in dem sich die Söhne ganz Preußens zu- sammenfindeu, in dem sich Deutsche des äußersten Nordens, des äußersten Westens und des äußersten Ostens als Glieder eines und desselben kraftvollen Staates fühlen lernen, in das aber auch Süddeutsche in großer Zahl freiwlllig eintreten. Jenes Korps, das dem Herzen der preußischen Könige und deutschen Kaiser stets besonders nahe gestanden hat, in dem sie und die Prinzen ihres Hauses groß geworden sind, und das sich stets ihrer auszeichnenden Huld und Fürsorge zu erfreuen gehabt hat. Jenes Korps, das aber auch die Schule der anderen deutsck^n Fürsten geworden ist. Denn fast alle deutschen Fürsten haben längere wder kürzere Zeit im Gardekorps gedient und haben hier in Vorbereitung auf ihren hohen, aber auch verantwortungsvollen .Berus Mannszucht und Pflichttreue gelernt. — Dieser ausgezeichneten und privllegierten Stellung hat sich das Gardekorps istets in hohem Maße würdig erwiesen. Groß ist die Zahl der 'Schlachten und Gefechte, an denen das Gardekorps ruhmvoll teil» genommen. Aber an der Spitze aller dieser blutgettänkten Namen stehen zwer gewaltige: Königgrätz und Gravelotte. Königgrätz, wo die Garde Chlums deu Schlüssel der feindlichen Stellung eroberte, und was fast schwieriger war. gegen den wiederholten Ansturm des Gegners hielt. Mrd Gravelotte, jene bluttgste Schlacht des einigenden Krieges, wo die Namen St. Marie «uk Chsnes und St. Privat der rühm- aber auch verlustreichen Antell der Garde an dem ungeheuren Ringen um den Sieg bezeichnen. Kameraden vom Gardekorps! Glänzende Waffentaten .glanzende Beweise äußerster Tapferkeit, unerschütterlichen Mannesmutes.
.. Aber ftrn sei es von uns, an dem heutigen festlichen Tage lbas Gardekorps oder gar uns selber zu rühmen, uns heraus- zustreichen, als seien wir etwas Besseres als die Kameraden 'der anderen Korps. Nichts liegt uns ferner. Suum cuique, jedem das Seine, lautet die Inschrift des Gardesterns, des Korpssymbols.
Tas heißt: gerecht sein gegen jedermann, anerkennen, was andere leisten und geleistet haben. Tas heißt hier: anerkennen, daß "ein Armeekorps hinter dem anderen, kein Voltzstomm hinter dem anderen zurückgestanden hat an soldatischen Tugenden, an Liebe -um deutschen Vaterlande, an Treue gegen Kaiser und Reich, an ehrenhafter Gesinnung, an Mannesmut und Selbstzucht in allen Lebenslagen. Ob Gardekorps, ob 18. Korps, ob Brandenburger ober Hesse, ein Unterschied ist da nicht vorhanden, und Wir freuen uns alle, daß ein Unterschied nicht besteht. — Der entscheidende Erfolg, den das Gardekorps bei Königgrätz errang, er wäre vielleicht nicht errungen Worden ohne das heldenmütige Verhallen eines Mannes, eines der ausgezcickmetsten Generäle, dre Preußen jemals besessen hat, des Generals von Fransecki, der mit der Magdcburgrschen Division stundenlang un Swiep- Walde verheerendem feindlichem Feuer ftandhielt, zwei feindliche Korps auf sich zog und dadurch den überraschenden und entscheidenden Stoß der Garde in das Herz der feindlichen Stellung ermöglichte. Dieser Mann aber war in Ober Hessen, in Gedern, geboren und von mütterlicher Seite hessischer Abkunft. Und dieser selbe Mann war es, der am zweiten Ehrentage der Garde, bei Gravelotte, mit dem Ponimerschen Armeekorps nach sechszehnstündigem Marsche noch rechtzellig auf dem Schlachtfelde eintraf, um den Sieg zu entsä-eiden. — Verehtte Festverfamrnlung! Durch das einmütige Zusammenstehen der deutschen Stämme, dadurch, daß Nord und Süd Schuller an Schuller brüderlich neben einander gefochten haben, ist das deutsche Reich begründet worben. Nur dadurch, daß Eintrackst und Einigkeit der deutschen Stämme fest und unerschütterlich bleiben, wird es bauemben Bestand haben. Das bedeutet nicht, daß man die Liebe zum engeren Val erlaube/ — zumal wenn es ein so schönes ist, wie bas Hessenland —, daß man die Anhänglichkeit an den angestamnllen Landesherrn — zumal wenn er eine so innerlich tiefe und edle Persönlichkeit wie Großherzog Ernst Ludwig ist —, sich aus dem Herzen reißen soll. Niemand verlangt das von uns, niemand darf das von uns verlangen. Wohl aber bedeutet cs, daß man über dem Kleinen mcht das Große, über dem Teil nicht das Ganze vergessen soll, und daß man, wenn man zu wählen hat zwisck-en dem parttku- laren Interesse und dem des Reiches, sich stets und ohne Schwanken Tür das des Reiches entscheiden soll.
Als die in und um Gießen wohnenden Angehörigen des Gardekorps sich zum Gießener Gardcverein zusammenschlossen, da haben sie das Wahrhaftig nicht getan, weil sie sich für die anderen am Orte befindlichen Kriegervereine für zu gut hielten. Nichts lag ihnen ferner. Sondern sie haben es getan, weil sie der Ueberzeugung waren, daß die erhabenen Ziele der deutschen Kriegervereine je vollkommener erreicht werden könnten, je enger bie Mitglieder des Vereins in Kameradschaft mit einander verbunden sind. Die Zugehörigkeit zu einem und demselben Armeekorps — namentlich wenn es ein so ruhmvolles ist, wie das Gardekorps —, der Aufenthalt in einer und derselben Garnison — namentlich Wenn fie die Reichs Hauptstadt und ihre Nachbarschaft ift — schlingen aber gewiß starke Bande der Kameradschaft. Ue Pflege kameradschaftlicher Gesinnung aber, das Eintreten des einen für den andern, die wechselseittge Unterstützung im r)alle der 9h)t gehören zu den schönsten Aufgaben der deutschen Kriegervereine. Aber fie ist freilich bei weitem nicht die einzige. Tre Kriegervereine sollen die Gesinnung und den Geist, der das Fundament der deutschen Armee bildet, bet die deutsche Armee groß gemacht hat, auch im bürgerlichen Leben pflegen, betätigen und verbreiten. Die Mitglieder der Kriegervereine sollen Ehren- mäuner sein vom Scheitel bis zur Sohle im häuslichen, geschäftlichen, öfsenllichen Leben. Sie sollen Unerschrockenheit und Mannesmut seigert in allen Lebenslagen, vor allem auch mit kräftiger Energie, ohne Furcht und Zögern den Bestrebungen entgegentreten, die auf Zerstörung des Staates, Korrumpierung der Armee, Deklassierung des deutschen Vaterlandes gerichtet sind Bet dem völlig skrupellosen Terrorismus, der hier geübt Wird ist diese Aufgabe keine leichte, aber Tapferkeit und Unerschrocken- hell auch bieiem Gegner gegenüber ist die Pflicht des allen Soldaten. Denn selbstverständlich für ihn ist die unerschütterliche!
Liebe zum deutschen Valeria noe, tue unoeomgie iuuigevuug au, Kaiser und Reich, die durch Mißstllnmungen auch nicht vorübergehend wankend gemacht werden kann, selbstverständlich aber, auch die Treue gegen das eigene Vaterland und gegen den eigenen Landes Herrn.
In dieser Gesinnung, diesem Geiste, weihen wir heute,bte neue Fahne, das herrliche Zeichen Kaiserllcher Huld und Gnade.
(Die Fahne wird enthüllt.)
Kameraden vom Gardekorps! Angesichts der nunmehr enthüllten Fahne erneuern wir unfern Soldatenschwur und geloben aufs neue Treue dem Kaiser und dem Reich, Treue dem Groß- ^rzog und dem schönen Hcssenlande. Sie alle aber, verehrte Feitversammlung, die Sie sich hier mit uns versammelt hoben, erheben Sie sich und stimmen Sie ftöhlichen Herzens ein in den Ruf: Seine Mafestät der Deutsche Kaiser, der erhabene oberste Kriegsherr und Seine Königliche Hohell der Großherzog von Heften und bet Rl-ein, bet erlauchte Landesherr: Hurra, hurra, hurra!
Die neu geweihte Fahne des Gardevereins, angefertigt von der Thüringer Fahnenfabrik zu Coburg, ist einige Tage int Holteryoff'schen Geschäft am Selterswea ausgestellt^
Handel und Verkehr. Nolkswittschast.
Berliner Börse vom 14. ^uui 1904. 1
(Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießenä Privat-Diskont 3 Prozent.
_ ri _ . . Anfangs- u. Schlußkurse.
Deft Kredit.... 201.50 201.10
Deutsche Bank . . . 219.10 218.80
Darmstädter Bank . . 137.40 137.25
Bochumer Guß . . . 188.50 188.60
Harpener Bergbau . . 198.80 198.70
Tendenz: Still.
Eingesandt.
(Ur Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
3m Auftrage Vieler führe ich Klage über die rücksichtslose Behandlung der ganzen Westanlage von {eiten öer Kanal bau-Unternehm er. Nicht ein Nebengang ist bter hergestellt I Die Heren Jager und Rumpf haben in anderen Straßen fast an federn Hause Uebergänge gemacht. Noch nicht einmal an der S t a d t m ä d ch e n f ch u l e ist ein Uebergang I
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