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Nr. 188
•r1*tiet täglich au bet Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener ZamUiea« hlätter viermal in der Woche beigelegt.
Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Un ivc rs.-Buch-»t. Steindruckerei. 9t Lange. Redaktion, GrvedUtoa und Druaerei:
Schnistrahe 7.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.
Fcriisprrchanschluß Nr 51.
Erstes Blatt.
154» Jahrgang
Mittwoch 15. Jnni 1904
Gletzener Anzeiger W
W General-Anzeiger ** MM
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
.______________ zeigenteil: HanS Beck.
3>« Krieg zwisiScn Japan uvd Zlußland.
Port Arthur.
Tokio, 14. Juni. Als gestern abend der japanische TranSportdampfer .Taihoku Marrck in der Hafeneinfahrt von Port Arthur Minen legte, explodierte eine Mine. Ein Offizier und 18 Mann wurden getötet. Das Schiff wurde nicht ernstlich beschädigt.
Tschifu, 14. Juni. Eine Flottille von Dschunken, mit Mehl und NeiS beladen und nach Port Arthur bestimmt, wurde heute von den Japanern beschlagnahmt, die sich beim Taotai darüber beschwerten, daß ausländische Kaufleute Waren nach Port Arthur verschiffen und die Nuffen hier eine Empfangsstation für drahtlose Telegraphie errichtet hätten. Von einer solchen Station ist hier nichts zu bemerken.
Jntereffante Mitteilungen über die Lage der Besatzung Port Arthurs macht ein Privat-Telegramm, welches berichtet:
Am 12. Juni trafen zwei russische Offiziere aus Port Arthur in Liaujan ein, die sich durch die Wachtposten der Japaner durchgeschlichen hatten. Sie erzählten, daß die Japaner die Festung eng umschlossen hatten. Vorräte seien in Port Arthur genügend vorhanden, und auch sonst stehe dort alles gut. Das Vorgehen der Russen nach Süden hält unter kleinen Scharmützeln an. Im Norden wurde Saimatsu von den Japanern geräumt, nachdem ihnen der Weg nach Norden verlegt war.
Ein deutscher KriegS-Berichterstatter erfährt von zuverlässig unterrichteter Seite, daß die Japaner damit rechnen, 10000 Mann bei der Eroberung von Port Arthur opfern zu müssen.
Petersburg, 14. Juni. Bisher ist noch keine Be - stätigung über die Verwunoung des Generals Stoffel eingetroffen. — Nach chinesischen Berichten aus Port Arthur haben zwei russische Panzerzüge, welche mit Geschützen des „Retwisan" armiert waren, die japanischen Linien ängearissen; es gelang ihnen, wenn auch schwer beschädigt, nach Port Arthur zu- rückzukehren.
London, 14. Juni. (Unterhaus.) Normann fragt, falls Port Arthur von irgend einer anderen Macht als Rußland besetzt würde, die englische Pacht von Weihaiwei sofort aufhöre. Percy erwidert, durch die 1898 abgeschlossene Konvention stimmte China zu, Weihaiwei und die anliegenden Gewässer solange an England zu verpachten, wie Port Arthur im Besitze Rußlands verbleibe.
Weiteres vom Kriegsschauplätze.
Petersburg, 14. Juni. Ein Telegramm General KuropatkinS an den Kaiser vom 13. Juni meldet: Heute morgen wurde festgestellt, daß die Japaner von Pulandian nach Nord en vorrücken. Gegen 2 Uhr nachmittags stand die Front der Vorhut vom Dorfe Wan- degou bis zum Tale deS Taschaho. Die Gesamtzahl der vor- rückenden Truppen betrug gegen zwei Divisionen, wovon eine nn Taschahotale marschierte. Um 4% Uhr nachmittags stellte der Gegner den Vormarsch ein, nachdem er die Dörfer Tandiatum, Tschanziatum, Lintziatum und die Höhen südlich von Wandegou besetzt hatte. Genauere Angaben über unsere Verluste sind noch nicht zu erhalten. Ein Offizier und mehrere Mann sind verwundet. Heute wurde festgestellt, daß die Japaner auch aus Ssiujan in der Richtung auf den Dalinpaß vorrücken.
Petersburg, 14. Juni. Ein Telegramm des Generals Eharkewitsch an den Generalstab vom 13. Juni besagt: In der Nacht zum 12. ds. griffen die Japaner südlich von der Station Wafandian und nördlich von der Linie Pitzewo-Pulandian eine russische Feldwache beim Dorfe Nliaden an, wurden aber mit Verlust zurückgeworfen. In derselben Nacht bemächtigte sich eine russische Abteilung nach einem Kampf, der bis morgens dauerte, des Engpaffes und der Höhen beim Dorfe Lidiatun. , Auf russischer Seite wurden in den Nachtgefechten 4 Mann getötet, 18 verwundet. Am 8. Juni wurde Leutnant Lang mit einer Abteilung bei einer Rekognoszierung in der Umgebung von Udaochedsy, 18 Werst nordöstlich von Ajaniamyn, von einer japanischen Abteilung überfallen, die zwei Kompagnien stark war. ES gelang ihm nach einem Handgemenge, sich durch zuschlagen. Eine gegen 3000 Mann starke japanische Abteilung rückt von Süden nach Ehuaijensian vor.
Ueber den Waffenerfolg der Japaner bei K a i t s ch a u telegraphiert der Kriegsberichterstatter der „Daily Mail" aus Nintfchwang vom 13. d. Mts.: Die Japaner erschienen am Morgen des 11. in beträchtlicher Stärke vor einer verschanzten missischen Stellung, machten einen Scheinangriff und zogen sich alsdann zurück. Die Russen waren erfolgreich. 3000 Russen verfügten die Japaner zum Yastungpaß. Hier machten die Japaner Lalt und unterstützt von verborgen gehaltenen Verstärkungen griffen sie die verfolgenden Russen an, welche nach Verlust von 80 0 Toten und Verwundeten in Unordnung flüchteten. Einige &er geschlagenen Russen kamen am Sonntag in Niutschwang mit Mi> Transportkarren an. Sie zeigten furchtbare Ermüdung und Niedergeschlagenheit. Viele hatten schlimme Hiebwunden im Gesicht iiini) auch die Pferde hatten Wunden. Abends wurde eine starke Abteilung abgeschickt, um den Rückzug der übrigen zu decken, welche meid) einer Inspektion durch Kondratowüsch per Eisenbahn nach Tiaojang geschickt wurden. ,
Petersburg, 15. Ium. Em Telegramm des General- llmtnants Baron Stuckelberg an den Kaiser vom 14. ds. meldet■ Heute begann der Angriff der Japaner auf liniere Stellung sechs Werst südlich von der Station Mafangou. CT er Gegner machte energische Versuche, unseren linken Flügel W betbrtingen. Die Angriffe des Gegners wurden zurück- Peschlage n Wir behaupteten unsere Stellung. Das erste Regiment, welches auf dem linken Flügel sich befand, erlitt e°rnfte Verluste. Der Regimentskommandeur OberstChwa- ffiiunow und der Regimentsadjutant wurden getötet. General Gerngroß wurde verwundet.
Russische Einberufungen.
Petersburg, 14. Juni Ein kaiserlicher Ukas vom 9. Juni eorbnet die Einberufung von Offizieren und Untermilitärs der Re
serve zum aktiven Dienste an au? zehn Kreisen des Gouvernements Pensa, au? je einem Kreise der Gouvernements Perm und Simbirsk, aus sechs Kreisen des Gouvernements Samara, ait? drei Kreisen des Gouvernements Saratow, aus zwei Kreisen de§ Gouvernements Orenburg, aus je vier Kreisen der Gouvernements Ufa und Moskau, aus sechs Kreisen de? Gouvernements Tambow, aus zwei Kreisen deS Gouvernements Wladimir, aus je vier Kreisen der Gouvernements Woronesh und Orel, aus drei Kreisen des Gouvernements Rjäsan, aus vier Kreisen des Gouvernements Tula, aus drei Kreisen des Gouvernements Charkow und aus vier Kreisen des Gouvernements Kursk. In einigen Kreisen fanden auch Pferdemusterungen statt.
Ein Dementi.
Petersburg, 14. Juni. Gegenüber dem in einigen ausländischen Blättern verbreiteten Gerücht von einem im taxier- lichen Palais in Zarskoje Sselo beabsichtigt gewesenen Attentat ist die „Rufs. Tel.-Ag/ von zuständiger Seite ztt der Erklärung ermächtigt, daß die Meldung jeder Begründung entbehrt.
Em Depeschenwechsel.
London, 14. Juni. Die „Birmingham Dailv-Post" versichert, daß augenblicklich eine Korrespondenz von höchster Wichtigkeit zwischen König Eduard, König Christian von Dänemark und dem Zaren stattsinde, welche die Ereigniffe in Ostasien betreffe.
Japans Jubel.
Der „Köln. Ztg." wirb aus Tokio telegraphisch gemeldet: Die japanischen Siege werden durch glanzvolle Umzüge unter ungemein starker Beteiligung der Bevölkerung gefeiert Während eines solchen Festzuges, an dem auch Engländer und Amerikaner sich beteiligten, entstand auf einer Brücke ein derartiges Gedränge, daß 19 Personen getötet und eine große Anzahl verwundet wurden.
Graf Lamsdorff.
Der ,^öln. Ztg." wird aus Petersburg vom 14. Juni telegraphiert : Während hier kaum noch jemand von dem Ueber- fall des Fürsten Dolgorucki auf den Grafen Lamsdorff spricht, tauchen in der Londoner imb Pariser Vr»sse noch immer Auslassungen über den jeden politffchen Charakters entbehrenden Vorfall auf. Einige ausländische Journalisten versteigen sich sogar zud er Behauptung, Lamsdorffs Schuld an dem Ausbruch des Krieges mit Japan habe die Tat Dolgoruckis veranlaßt Wie unbegründet eine derartige Behauptung und wie unbegründet die Folgerungen sind, die Stellung Lamsdorffs sei erschüttert, geht deutlich aus der jetzt bekannt gewordenen Tatsache hervor, daß Kaiser Nikolaus den Grafen gelegenttich des An- griffs Dolgoruckis seines vollen Vertrauens versicherte. Der Kaiser gab ihm zu verstehen, daß er die gegen den Minister erhobenen Vorwürfe, wonach er die Schuld am Kriege trage, für völlig unbegründet hatte. Außerdem sei, wie der Kaiser hinzu- fügte, ja auch bekannt, daß es gerade Lamsdorff war, der am meisten für die Erhaltung des Friedens cingetreten sei. Von einer.Erschütterung der Stellung Lamsdorffs kann fomtt gar feine Rede fein.
Deutsches Reich.
Berlin, 14. Juni. Der Kaiser, in der Uniform der Leibgarde-Husaren, begab sick heute von Berlin aus im Automobil nach dem Truppenübungsplatz Döberitz und stieg dort zu Pferde. Der Kaiser besichtigte zunächst das Garde-Kürassier-Regiment und exerzierte sodann die Garde-Kavallerie-Division. An der Hebung nahmen reitende Batterien, auch die für Südwestafrika, in ihrer Tropenausrüstung, und die Maschinengewehrabteilung teil. Zum Schluß nahm der Kaiser einen Vorbeimarsch der beteiligten Truppenteile ab und ritt mit dem Garde-Kürassier-Regiment nach dem Döberitzer Lager, wo ein Frühstück im Offizier- Kasino eingenommen wurde. Der Kaiser kehrte später mit Sonderzug nach Berlin zurück. Hier besuchte der Kaiser Künstlerateliers. Der Kaiser und der Kronprinz wohnten am Abend einem Wohltätigkeitsfeste bei, das im Garten des Reichskanzlerpalais zum Besten des Frauenvereins für Kinderheilstätten an den deutschen Seeküsten unter der Aegide der Gräfin Bülow veranstaltet war. Der Kaiser speiste mit dem Reichskanzlerpaar. Ein Liederquartett trug Volkslieder vor.
— Das Kaiserpaar, welches am 16. d. M., 8 Uhr früh in Homburg v. d. H. eintrifft, wird bereits am Samstag abend die Rückreise wieder antreten, da der Kaiser wegen des Besuches des Königs von England nach Kiel reisen muß.
— Der Kaiser spendete 10000 Mark für die Seemannshäuser der Kaiserlichen Marine. In Apia ist der Bau eines vierten Seemannshauses geplant.
— Im Königl. Schlosse empfing die Kaiserin heute (Dienstag) mittag eine Abordmmg des Internationalen Frauenbundes in anderthalbstündiger Audienz. Zu dem Empfange war der ausscheidende wie der neugc- wählte Vorstand des Bundes, Mrs. Sewall, Ladv Aberdeen, Frau Helene Lange, Mrs. Therese Wilson, Fräulein Camille Vidard, befohlen worden, ferner Frau Stritt, Frau Kommerzienrat Hehl, Frau Wentzel-Heckmann re., im ganzen 21 Damen. Die Kaiserin, die eine mattlila Crepe-de-Chine- Toilette trug, entzückte die Damen durch ihre Liebenswürdigkeit und ihre Kenntnis der einzelnen Persönlichkeiten. Mtt jeder unterhielt sich die hohe Frau längere Zeit und zeigte sich über jede err^elne genau unterrichtet. Für die Veteranin der Frauenbewegung Miß Susan B Anthony ließ die Kaiserin einen Sessel herbeibringen. Sie sprach ihre Genugtuung über die erfolgreiche Tätigkeit des Bundes und den glücklichen Verlauf des Kongresses aus. Mit den Bestrebungen des Bundes bewies sie vollste Vertrautheit imo hörte aufmerksam zu, als Susan Anthony ihre Ansichten Über das Frauenstimmrecht entivicktlre. Auch darüber sprach die Kaiserin ihre Befriedigung aus, daß die deutschen Frauen durch den Bund urö> den Kongreß in rege Wechselbeziehungen zu ihren ausländischen Schwestern treten würden.
— Die „Preuß. Korr." schreibt: Ende der vorigen Woche ist in Berlin durch Kurier ein Handschreiben des Zaren an den Kaiser eingetroffen und diesem durch
ein Mitglied der russischen Botschaft überreicht worden. Das Schreiben macht dem Kaiser von der im August xn erwarten den Niederkunft der Zarin Mitteilung: es enthält im übrigen naturgemäß auch Aeußerungen des Zaren zur militärischen und politischen Lage Rußlands, ohne jedoch den in dieser Beziehung aus der auswärtigen in die deutsche Presse übergegangenen Behauptungen zu entsprechen. Insbesondere ist es falsch, daß der Zar die Vermittlung Kaiser Wilhelms zur Ermöglichung der Fahrt der Schwarzen Meer-Flotte durch die Dardanellen in Anspruch genommemn hätte. Die russische Regierung betreibt gegenwärtig die Aufhebung der sie in dieser Richtung beschränkenden vertragsmäßigen Abmachungen in keiner Weise, wie sie überhaupt alle Schritte, die weitere Komplikationen der internationalen Lage herbeiführen könnten, sorgfältig vermeidet.
— Der „Vorwärts" veröffentlicht das Urteil des sozialdemokratischen Schiedsgerichts gegen den Tr. Heinrich Braun. Das Urteil entscheidet dahin, daß sich Dr.° Braun weder eines groben Verstoßes gegen die Grundsätze des Parteiprogramms, noch einer ehrlosen Handlung schuldig gemacht hat. Der Antrag auf Ausschluß aus der Partei wird deshalb ab gelehnt. Allerdings erteilt das Schiedsgericht dem Dr. Braun eine ernste Rüge wegen' seines „Konspirierens" mit Harden gegen Mehring.
— Ein in dem „Vorwärts" veröffentlichter Aufruf des sozialdemokratischen ParteivorstandeL richtet an die Parteigenossen, speziell an die Parteipresse das dringende Ersuchen, nachdem die aus den Vorgängen auf dem Dresdener Parteitage resultierenden SchiedS-- gerichtsverhandlungen ihren Abschluß gefunden haben, bte Streitigkeiten ruhen zu lassen. Bei sachlichen Meinungsverschiedenheiten mögen die Auseinandersetzungen ohne persönliche Gereiztheit und Gehässigkeit geführt werden. In dieser Sache sei in der letzten Zeit manchmal gröblich gesündigt worden. DieseKampfes- weise müsse aufhören.
— Dem Reichstag ging eine Nachtragsforderung von, 3 M i l l i o n en zu als Darlehen des Reiches an das Schutz-i gebiet Togo zwecks Baues einer Eisenbahn von Lome nach, Palima. Die Forderung ist die erste Rate des Darlehens an das Schutzgebiet von 7 800 000 Mk. Die Bahn soll von der Firma Lenz u. Co. in Berlin gebaut werden. Der Restbetrag sind Nebenkosten.
— Die Ansiedlungskommissivn des Abgeord-, netenhauses setzte die Beratung des Paragraphen 13 b, siedlung der Polen, fort, wobei der Minister deS Innern § zugab, daß die Grundstückspreise fallen würden. Das fei' aber erwünscht, bti der Preis den Wert um 20 Prozent! übersteige. Das Gesetz sei ein Kampfgesetz, solle aber zum Frieden führen, der auch von der Staatsregierung gewünscht werde. Unter den Polen würde aber immer weiter für ein „Königreich Polen" agitiert. Schließlich wurde der Paragraph unter Ablehnung der dazu eingebrachten Abänderungsanträge in der Fassung des Herrenhauses angenommmen.
— Nach dem B. T. ist es Tatsache, daß gegen Ende der achtziger Jahre bis zum Jahre 1895 ein Geheimver- trag zwischen Spanien und Italien bestanden hat, von dessen Existenz die Teilnehmer am Dreibunde durch das Kabinett des Quirinals un^rrichtet worden sind. Dieser Geheimvertrag bezweckte die gemeinschaftliche Wahrung deS Gleichgewichtes im Mittelmeer, das sich damals durch die Festsetzung Frankreichs in Tunis für beide Mittelmeerstaaten als gefährdet erwies. Die Bestimmungen dieses GeHeim- Vertrages haben niemals praktische Wirksamkeit erlangt.
Karlsruhe, 14. Juni. Mit der Besteuerung des unverdienten Wertzuwachses hat es in Baden noch gute Wege, nachdem die Steuerkommission der Zweiten Kammer sich jetzt bei Beratung eines dahingehenden Antrages in ihrer Mehrheit dagegen ausgesproechu hat. Man ist der Ansicht, daß die Liegenschafts-Wertzuwachs- steuer in letzter Linie die Wohnungsnot und die Mietpreise noch mehr steigern wird, denn die Besitzer der herangezogenen Gelände würden den Betrag der Zuwachssteuer ohne Zweifel wieder auf den Verkaufs- und Mietspreis schlagen. (Oder will man den Grundstücksspekulanten nichts wehe tun?)__________________________________________
Der Aufstand in Aeutsch-SüdrvestafriLa.
Berlin, 14. Juni. Generalleutnant v. Trotha meldet aus Swakopmund: Da großer Mangel an Etappentruppen und Arbeitern besteht, wurde der Transport in der Lüderitzbucht telegraphisch angewiesen, den BataillonSstab und emc Kompagnie in Swakopmund zu lassen, so daß für den Süden eine Kompagnie und eine Batterie bleibt._______
Keer und Motte.
— Eine „Pro beseh lacht" mit ,^»erero" haben die Truppen, die vor einigen Tagen nach Südwestafrika abgingen, auf dem Truppenübungsplätze Münster in der Lüneburger Heide ausgofochten. Ein Soldatenbntzf erzählt Wer dieses eines halbkomischcn Airstrichs rricht entbehrende^ Manöver folgendes: „Es war am £8. Mai. Schon am frühen Morgen erdröhnte die Heide von einem höllischen Gewehrfeuer. Das Jnfanterie-Bataiklon zu Pferde, welches- für den Dieirft im Hererolande ausgebildet wurde, sollte einmal so üben, wie es im Ernstfälle gemacht werden muß. Die 38. In fan te-riebr igade stellte die Herero vor: sie hatte sich desharb an verschiedenen Stellen, im Gebüsch und s-onftwo, ve^tsckt. Bon der Deutschen" Infanterie kam nun erst der Lorrrupp, dann das' Gros, und zwei Kilometer rüLüvärts fslgte unter Bsdeckung die Bagage und eine Viehherde ; lchtere bestand jedoch nur aus einer Kuh, da sonst die Sache zu teuer geworden wäre. Bald begann der Kantpf; nach dem zweiten Gefecht-


