die Kinderkraft unglaublich anSnntzten. Nach dem Bericht der Arbeitsschule in Bnnzlau seien den Zöglingen allerdings 3056 Mark ausgezahlt, auf den Kopf ungefähr 20,50 Mk. oder 1,70 Ml. tm Mouat. Die Kinder haben dafür aber 3835 Paar Strümpfe stricken, 17 550 Puppenkleider hakeln und 672 Sammetstreifen mit Perlen benähen müssen. Ein erfteulicheres Bild zeigen ihre Bestrebungen der Kinderhorte, deren Begründer Professor Sc^nidt- Schwarzenberg in Erlangen war.
Ueber „Die gemeinsame Erziehung der Geschlechter" sprach Frl. Maikki Frib erg-FinnlaÄ). Der Besuch der Universitäten sei dort kostenlos und als Hörerin sei die Frau schon lange willkommen gewesen. Die Zahl der Schüler aus gemeinsamen Gymnasien betrüge jetzt 1200. Die Knaben und Mädchen säßen nicht gesondert wie die Bauern auf dem Lande in der Kirche, sondern werden geflissentlich in den engsten Konnex mit einander gebracht, was ftch als ein großer Vorteil «erwiesen hat. Die Machen lernen da die Knaben nicht auf ein ungebührlich hohes Piedestal zu stellen und ihren Kopf als einen uner>ä)öpflichen Born von Weisheit zu halten. Sie erkennen, daß es ebensowohl dumme wie lluge gibt, und die Knaben dagegen lernen Achtung vor dem weiblichen Geschlecht und es entschwindet das Vorurteil der weiblichen Minderwertigkeit. Dasselbe Thema wurde auch von Frau Christine de Faucemont -Hamburg behandelt. Sie hob nicht nur die erziehliche, sondern auch die soziale Bedeutung der Einheitsschule hervor und forderte in erster Linie allgemeinen kostenlosen Schulbesuch. Sollte sich dies aus praktischen Gründen nicht ermöglichen lassen,, so solle das Schulgeld nach dem Einkommen der Eltern bemessen werden. Dadurch werde das golbcne Gitter ge- offnet, zu dem bislang nur die vermögenden Klassen den Schlüflel besessen.
vermischtes.
*Esi st nicht gut,daß der Mensch allein sei, scheint der Naturmensch ,L U st a f nagel" zu denken, nachdem seine Ehebälfte ihn verlassen hat. In der Nr. 149 der „S). W." findet sich folgendes Inserat: „für mein natur- heim, ferbuirden mit sonnenbad, suche ich eine wegetarische weibliche stüze, arendse i. altm. gustaf nagel." — Ob's wohl ,>erfolch" hat?
* Eine Abenteurerin hat dieser Tage auf gräßliche Art in ihrem Geburtsort geendet. Sie hieß Emma und kam als Kindsmädchen aus Italien nach Nizza. Hier unterhielt sie zwei Liebesverhältnisse zu gleicher Zeit, ersparte 2000 Fr., ging heim und heiratete. Der Mann verpraßte das Geld, sie ging ihm durch und war nun „höhere Lebedame", obgleich sie weder lesen noch schreiben konnte. Zu Anfang dieses Jahrhunderts verliebte sich ein Graf della Torre in sie, und als dessen Frau starb, reiste Emma mit ihm als Gräfin della Torre, welchen Titel sie auch nach seinem Tode beibehielt und mit dem sie in sehr hohen Kreisen verkehrte. Sie leistete verschiedenen Diplomaten Dienste und war letztes Jahr in Japan und später in London.Gutsbesitzerin. Als sie sich mm auch in San Remo an kaufen wollte, hatte sie die Unterschrift ihres längst ver- .gejjenen Mannes Pisano nötig, der mittlerweile als Geldfälscher und Spieler sich durchgeschlagen hatte. Er verlangte 100 000 Fr. für seine Unterschrift, worüber „die Gräfin" in solche Wut geriet, daß sie ihn ohrfeigte. Er nahm ein Messer nnd zerstückelte sie förmlich; dann ging er auf den Friedhof und erhängte sich.
Kerichlssaal.
fc. Frankfurt a. SOL, 14. Juni. Das hiesige Schwurgericht verurteilte den früheren Friseur und jetzigen Agenten und Casstier Adam P f a a r, 1870 in Hanau geboren, wegen Abtreibung der Leibesfrucht gegen Entgelt zu zwei Jahren Z u°ch t- b a u 3. Tie Mitangeklagte Verkäuferin Katharina Eller, 30 Jahre alt, erhielt 6 Monate Gefängnis.
Hannover. 14. Ium. In öffentlicher Verhandlung des Kriegsgerichts wurde heute der Verleger des „Harmov. Kour/, Landtagsabg. Dr. Max Jänecke, Leutnant der Reserve, wegen Herausforderung des melsischen Reichstagsabg. Frhrn. v. Hoden- b erg zum Z w e i k am p f zu vier Tagen Festungshaft verurteilt.
Stuttgart, 13. Juni. Wegen Herausforderung zum Z w e i k a m p f wurde der Maschinentechniker Hans Tillmanns, Vizewachtmeister der Reserve, und der Justiz- reserendar Friede. Schmidt. Einjährig-Freiwilliger im Dragoner- Regiment Nr. 26, vom Kriegsgericht zu einem Tag Festungs- haft verurteilt. Justizreserendar Manfred Zimmermann, Leutnant der Reserve, erhielt wegen Kartelltragens einen Tag Festungshaft.
Arbeiterbewegung.
[ J Marburg, 14. Juni. Außer den Maurern, die noch im Ausstand stehen, haben auch die Maler- und Lackierer- g e h ü l f e u einen Lohntarif eingereicht. Derselbe ist ebenfalls von den Meistern abgelehnt worden. In einer heute abend abgehaltenen Versammlung beschloß man, vorläufig von einem Streck Ab - st a n d zu nehmen und eine günstige Gelegenheit zur Einführung des Tarifs abzuwarten.
Meteorologische Beobachtungen
der Station Gießen.
llr!
Temperatur ber Luft
Absolute Feuchtigkeit
Relative Feuchtigkeit
Windrichtung
Windstärke
Wetter
Juni 1904.
Baromete auf 0° reduziert
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14.
15.
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747,8
746,9
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24,0
18,0
14,4
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46
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= 4
10,4 6 C.
Auszug aus bk» Kirche»biicher» der Stadt Gieße».
Getraute.
M atthäusaemeinbe. 5. Juni: Emil Louis Schweitzer, Weißbinder und Lackierer zu Gießen unb Katarina Schneiber, Tochter des Maurers Johannes Schneiber zu Machtlos. — M i- litärgemeind e. 25. Mai: Friebrich. Wilhelm Mörsch, Sanitätssergeant unb Katharine Friebrike Hengst, Tochter bes Hanb- schuhfabrikanten Jakob Hengst zu Gießen.
Getaufte.
Matthäusgemeinde. 5. Juni: Dem Weißbinder- meister Konrad Dürr eine Tochter, Marie Luise, geb. den 14. Mai. — Markusgemeinde. 5. Juni: Dem Taglöhner Johann Heinrich Appel ein Sohn, Paul, geb. den 31. Mai 1903. Dem
Steinbrecher August Ernst Valentin ein Dotzn, Dernyarv innrer,1 Sb den 18. Mai. Dem Schlossermeister Wilhelm Ziegeler eine ochter, Amalie, geb. den 18. April. — JohanneS- gemeinde. 9. Juni: Dam Aktuariatsaspiranten Wilhelm Satorius ein Sohn, Karl Konstantin, geb. den 11. Mai. — Lukasgemeinde. 5. Juni: Dem Kaufmann Wilhelm Kahl eine Tochter, Margareta, geb. den 3. Mai. 9. Juni: Dem Lokomotivführer Arnolb Landloser ein Sohn, Friebrich Wilhelm Arnolb, geb. ben 2. April. Dem Kaufmann Heinrich Erle eine Tochter, Ottilie Marie, geb. den 20. April. — Militär- gemeinde. 5. Juni: Dem Sergeant Karl Gottfrieb Burger ein Sohn, Erich August Karl, geb. ben 2. April. Dem Sanitätsunteroffizier August Bues ein Sohn, Adolf Wilhelm August, geb. den 13. April.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Gießen, 14. Juni.
Sonntag früh klingelte mich der Briefträger aus ben Federn und überreichte mir einen mit einer. Zehnpsenniamarke frankierten Bries mit den Worten. „In dem Brief ist Gelb, wenn das noch einmal vorkommt, werden Sie bestraft/ Ich bestritt die Be- haupttmg bc Postbeamten, daß in dem Briefe Geld sei, weil daraus als ii:. enber eine Dame angegeben war, von welcher ich meines Wissens kein Geld zu fordern hatte, fand aber dann beim sofortigen Oeffnen des Brieses bre Behauptung des Beamten bestätigt. Ich sollte ber alten Dame etwas besorgen, wofür sie im voraus ben Betrag einsandte. Das ist der Tatbestand. — Und nun die Moral von der Geschichte: Entweder hat ber Briefträger ben ihm erteilten Auftrag falsch ausgeführt und bann hätte sich bie Postbehörde eines zuverlässigeren Mannes bei ber Uebermitlelung einer solch heiklen Botschaft bedienen sollen, ober ber Auftrag ist. richtig ausgesührt worden, und dann ergibt sich die Tatsache, daß ich, nach den Anschauungen der Postbehörde, für eine Handlung bestraft werden könne, die ein anderer begangen hat! Derartige Ansichten sind aber mit den heutigen Rechtsanschauungen ganz unvereinbar. Also der Empfänger einer solchen Sendung ist auf keinen Fall strafbar, aber auch der Absender ist es nicht 1 Hat ber Adsenber eines solchen Briefes etwa die Garantie, daß der Brief unversehrt und richtig ankommt? Der fehlenden Garantie steht einfach das fehlende Porto gegenüber. Nach dem Prinzip von Leistung und Gegenleistung, das doch sonst überall in ber Welt Geltung hat, kann überhaupt von Strafbarkeit hier keine Rebe sein.
Familien-Nachrichten.
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