Ausgabe 
15.3.1904 Drittes Blatt
 
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Auiverfitäts-Dachrlchten.

Berlin, 14, März. Die Bucherjammlung des ehemaligen indischen Instituts in Delft wurde von der Universitätsbibliothek in Berlin erworben. Lizentiat Hermann Hülle, Bibliothekar an der königlichen Bibliothek in Berlin wurde von der chinesischen Negierung als Nachfolger des demnächst nach Deutschland zuriict- kehrenden Professor Conrad y an die Universität P e k i n g be­rufen.

Jena, 14. März. Der Senat der Universität erließ am Grund der Unioersitätsstatuten ein V e r b o t r e i n k o n f e s s l o neller, iarbentragender Verbindungen, also auch der katholischen Verbindung S i g a m b r i a.

vWartenMWZMZ vrühl'sche Universitäts-Druckerei, Zchulstraße <

cherrchtssaal.

Breslau, 14. März. Wegen Duellvergehens hallten sich vor dem Kriegsgericht der Oberleutnant d. R., Wasserbau- inspektor Julius H e i n tz e und der Leutnant d. R., Regierungs­baumeister Wilhelm Teschner, zu verantworten. Hemtze hauc den Negierungsbaumeister Berghauer zum Zweikampf licraus- gesordert, Teschner war Kartellträgcr. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeficntlichkett statt. Hemtze wurde zu 5 -tagen, Teschner zu 1 Tage Festungshaft verurteilt. In der Urteilsbegrün­dung wurde ausgeführt, daß die Veraiilassung zu der Duellassace derart sei, daß den Angeklagten kein Verschulden oder Tadel zur Last falle.

Schiedsgericht sül jUüeitnv rstcherung.

Gießen, den 14. März.

Die JnvalidenversichierungsanMlt Gr. Hessen zu Tarm- tabt hatte:

1. Den von dem Johannes Kalbfleisch L zu Unter-Sorg gestellten Antrag auf Gewährung der Invalidenrente mit der Begründung zurüclgewiesen, die Anwartschaft auf Rente ei sowohl nach § 32 des Jnvaliditäts- und Altersversicher- ungsgesetzes als auch nach § 46 des Jnvalidenversicherungs- gesetzes erloschen. Die von dem Schiedsgericht angesteltten Erhebungen ergaben, daß Kalbfleisch in den Jahren 1898, 1899 und 1960 längere Zeit tränt und erwerbsunfähig gewesen war. Da sonach alle gesetzlichen Voraus,etzmrgen ür die Bewilligung einer Jnvalioenrente erfüllt waren, wurde die Beklagte zur Zahlung der Rente in gesetzlicher Höhe verurteilt.

2. Den Jnvalidenrentenanspcuch des Johannes Nieß XI. zu Ober-Seemen deshalb nicht anerkannt, weil Nieß nur um 4050 Proz. erwerbsbeschräntt sei. Das Gericht kam auf Grund der gemachten Feststellungen zu anderer Ansicht und verurteilte die Versicherungsanstalt zur Gewährung der Rente. V

3. Tie dem Josef Hendler zu Äurgbracht im Februar 1899 zugesprochene Invalidenrente mit Bescheid vom 5. Februar 1904 eingestellt, da die Beeinträchtigung der Erwerbsunfähigkeit nach dem kreisärztlichen Gutachten auf 331/z, höchstens 50 Proz. zu veranschlagen sei, daher Er­werbsunfähigkeit im Sinne des Jnvalidenversicherungs-Ge- etzes nicht mehr vorliege. Die Entziehung der Rente konnte das Schiedsgericht nicht für gerechtfertigt erachten. Bei Beurteilung der vorliegenden Frage komme es ledig­lich darauf an, ob in den Verhältnissen, die für die Fest­setzung der Rente maßgebend gewesen seien, eine solche Veränderung eingetreten sei, die den Rentenempfänger nicht mehr Kls erwerbsunfähig erscheinen la,se. Eine solche Veränderung sei jedoch nicht nachgewiescn. Wenn in dem kreisärztlichen Gutachten bei an sich unverändertem Zustand der Grad der Erwerbsunfähigkeit anders veran­schlagt, als dies von dem früheren Gutachter zurzeit der Rentenbewilligung geschehen sei, so könne daraufhin nach § 47 des Jnvalidenl'ersicherungsgesetzes und nach der Recht­sprechung des Reichsverficherungsaintes sowie nach den Grundsätzen über die Rechtskraft der Bescheide die Rente nicht entzogen werden.

4. Ten Dienstknecht Füg zu Lanzenhain, füher zu Södel, mit seinem Anspruch auf Invalidenrente abgewiesen, da er nach dem kreisärztlichen Gutachten nur um 50 Proz. erwerbsbeschränlt sei. Tas Gericht nahm diesen Prozentsatz der Erwerbseinbuße als tatsächlich vorhanoen an, sprach jedoch dckm Kläger die Invalidenrente zu, weil er nicht mehr imstande sei, durch Arbeiten, die ihm unter billiger Berücksichtigung seiner Ausbildung und seines bisherigen Berufes zugemutet werden dürfen, ein Drittel desjenigen zu erwerben, was gleichartige gesunde Arbeiter zu ver­dienen pflegen.

5. Den Antrag der Katharine Schstrmann Witwe zu Helpershain auf Gewährung der Invalidenrente als un­begründet verworfen, da die Anwartschaft sowohl nach dem Jnvaliditäts- und Altersversichierungsge^tz (§ 32) als auch dem Jnvalidcnversicl>erungsgesetz (§ 4o) erloschen sei. Aus die gegen den ablehnenden Bescheid verfolgte Berufung hin stellte das Schiedsgericht durch Erhebungen fest, daß die Rentenbewerberin im Jul 11898 krank gewesen war und daß sie sich wegen ihres Schwächezustanües in die Pflege ihrer Tochter nach Hagen begeben hatte. Durch die seitens der Polizeiverwaltung und des Königl. Amtsgerichts in Hagen erfolgte Vernehmung eines in demselben Hause und demselben Flur wie die Klägerin wohnenden Schuhmacher- meisters wurde auch konstatiert, daß Frau Scharmann wäh­rend ihres Aufenthaltes in Hagen arbeitsunfähig gewesen ist. Das Schiedsgericht erachtete daher den Nachweis für die Anrechenbarkeit von 52 Krankheitswochen (§ 30 Abs. 5 Ges.) für erbracht und sprach, da unter diesen Umständen die Anwartschaft nicht erloschen, der Klägerin die Rente zu.

6. Den von der Luise Pioch Witwe zu Strebendorf er­hobenen Jnvalidcnrentenanspruch abgelehnt, weil die An­wartschaft auf Rente erloschen sei. Ter angefochtene Be­scheid mußte vom Schiedsgericht bestätigt werden, da auch nach bc". Ergebnis der eingehenden Ermittlungen ein be­stimm er Nachweis äber Krankheit sw ochen nicht erbracht war.

Wilhelm Adolf Schmitt zu Unterseibertenrod und Her- mann Redlig zu Hungen verlangten eine höhere Invaliden, rente, als ihnen die Jnvalidenversicherungsanstalt be- willigt hatte. Tiefes Verlangen wurde als unbegründet zurückgewiesen, da die Invalidenrente den gesetzlichen Be- stimmunaen entsprechend berechnet sei.

In der Sach<e der inzwischen verstorbenen Anna Pfeffer zu Ohmes wurde die Entscheidung ausgesetzt, um den prakt. Arzt Dr. Sch zu A. eidlich vernehmen zu lassen.

Tie dem Johann Georg Schmidt zu Waloensberg durch Urteil des Schiedsgerichts vom 19. Juni 1901 und Ent­scheidung des Reichsversicherungsamts vom 29. Nov. 1901 zugesprochene Rente von 10 Proz. hatte die Knappschafts- berussgenossenschaft, Sektion 1 zu Saarbrücken mit Bescheid vom 27. Mai 1903 eingestellt. Die hiergegen verfolgte Be- rufung wurde vom Schiedsgericht als unbegründet ver­worfen, da eine durch den Unfall verursachte, im wirtschaft­lichen Leben meßbare Erwerbsbeeinträchtigung nicht mehr vorliege.

Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Berlin, 14. März. Nachdem der Stahlwerkverband die reduzierten Forderungen des Phönix hinsichtlich der Be­teiligung abgelehnt hat, beschloß der Admimstrationsrat heute m Uebereinstinnnung mit der Direktion unter Aufrechterhaltung oe bisherigen Stellungnahme, die Entscheidung über den Beitrul oe auf den 26. April nach Köln einzuberufenden außeroroentucye Generalversammlung anheimzustellen. In der heutigen ^l5u 9 des Zentralausschusses der R e i ch s b a n k bemer te d r Präsldeiit Dr. Koch, daß die Gesamtanlage mit Mk. 841 Mill, zw etwa um Alk. 55 Mill, kleiner als i. B., das Wechielportefemlle aber um 82 Mill, größer sei. ;Der Metalloorrat betrage 1« Mill, mehr als im Jahre 1903, nämlich 934 IDhQ., roabreno 1- fremden Gelder um 53 Millionen schwächer seien. Tie ourd) Vorrat ungedeckten Noten beliefen auf 186 Millionen, also 4 -

mehr als im Vorjahre. Gegenwärtig sei zwar eine C11 e 05 terung eingetreten, zum Monatsschluß stehe mdesfen zwe eine größere Anspannung bevor. Der Privat biskon offenen Markt mit 3'/, pEt. übersteige denjenigen von ^onoon und Paris; die fremden Wechselkurse gestatteten kerne groß Goldbewegungen. Eine Diskonlveränderung sei nicht beav, cy 9 Der Zentralausschuß war hiermit debattelos einverst^den^E«»

überlegtem Plan ein grauenhaftes Verbrechien zur Ver­nichtung eines Menschenlebens vorbereitete und kaltblütig durchführte? Stafforst ist 25 Jahre alt, der Bartlose macht aber einen viel jüngeren Eindruck. Man hält ihn für einen Zwanzigjährigen. Er ist sehr niedergeschlagen, fast gebrochen. Willenlos folgt er seinen Führern, den Kopf trägt er gesenkt, die Augen weichen nicht vom Erdboden. Empfangnahme und Transport zur Droschke spielen sich, wie gesagt, so rasch ab, daß nur einige der Anwesenden Staf­forst zu Gesichit bekommen.

Diesen Morgen soll Stafforst seinem Komplizen Bruno Groß gegenübergestellt werden, der keine Ahnung von den Vorgängen der letzten Tage Hal. Auch Groß sieht man den Raubmörder nicht an. Man will sogar von Leuten, bei denen Groß einmal wohnte, erfahren haben, er sei vonziemlich weicher Gemütsart" gewesen! Ost habe er, wenn ein ungezogener Knabe Schsläge bekommen sollte, abgewehrt und sich ins Mittel gelegt. Aber dieser Mann mit derziemlich weichen Gemütsart" besitzt eine eiserne Kaltblütigkeit. Er verbrachte die Abende b-i seiner Braut. Tas war auch Freitag den 26. Februar, am Abend der Mordtat, der Fall. Er saß zusammen mit seiner Braut, deren jüngeren Schwester und der Wirtin. 'Selbstverständ­lich wurde von dem schrecklichen Verbrechen gesprochen. Groß schüttelte gieichgilüg den Kopf; von icguid welcher Aufreg ng war bei ihm nichts wahrzunehmen.

Er war auch Kunstfreund. In sein Zimmer in der Hansteinstraße hatte er seine eigenen Möbel mitgebracht. Tort hat er fünf Oetg.mälde, Landschaften, zurückgelassen, die er auf Versteigerung n erworben hatte. Sie sollten sein künftiges Heim schmücken. Er besaß eine griechische Büste und eme Doppelbüste von Schiller und Goethe. Tre Braut und ihre jüngste Schwester sind Näherinnen und werden als brave, fleißige Mädchen geschildert. Sie stammen aus Bramstedt int Schlesischen aus nicht unbegüterter Familie. Im letzten Herbst war Groß selbst dorthin gereist, um bei den Eltern um die Hand des Mädchens anzuhalten.

Tie Belohnung von tausend Mark wiro wohl, wie das gewöhnlich in solchen Fällen geschieht, mehreren Personen zufallen. Tie Art und Meise der Verteilung ist noch nicht ;e^gesetzt. Es ist, meint dieFrkf. Ztg.", so gut wie aus- geschlos.en, daß die Verhandlung gcgat Groß und Stafforst noch das jetzige Schwurgericht, das gestern zusammenge- treten ist, beschäftigen wird. Die Beiden werden sich vor dem Schwurgericht zu verantworten haben, dessen Sitz­ungen Q»m 13. Juni beginnen.

Der Aauömord in Arankfurt.

Frankfurt, 15. März.

Das Geständnis des Kutschers Stafforst ist erfolgt, nachdem der Verhaftete Linen Ausweg der Rett­ung mehr sah. Die bei ihm gefundene Kette war die dem Toten geraubte, seine Angabe, er habe sie von einem Unbekannten für ein Geringes gekauft, war von Anfang an unglaubwürdig und der Schuldbeweis, wenn es noch einer weiteren Bestätigung bedurft hätte, war erbracht, wenn es gelang, das Logis von Stafforst ausfindig zu machen und den Rest der geraubten Gegenstände dort zu entdecken.

Stafforst wurde nach derFrkf. Ztg." bis tief in die Nacht hinein vernommen. Das Geständnis wurde durch einen eigenartigen Umstand herbeigesührt. Ein Bereiter aus Braunschweig war wegen Unterschlagung am Sams­tag hier verhaftet worden. Er hatte Stafsorfts Bild an der Anschlagstasel einer Polizeiwache gesehen. Er kannte Stafforst von früher und kam hier mit ihm zusammen. Stafforst nannte ihm seine Wohnung und zeigte ihm Schmucksachen von Lichtenstein. Hiervon machte der Bereiter der Polizei Mitteilung. In der Wohnung Stasforsts fand man denn tatsächlich Lichtensteins Uhr, beide Medaillons und 40 Mark Bargeld. Hierauf wurde Stafforst nochmals vernommen. Eiwttch legte er ein volles reumütiges Geständnis ab. Er gibt an, raß Groß der Anstifter gewesen sei. Stafforst hatte ein sieb en stün­diges Verhör zu bestehen. Er leugnete anfangs immer noch, aber als die Polizei inzwischen seine Wohnung aus­findig gemacht hatte, bequemte er sich zu einem vollen Geständnis. Er habe den Groß in Leipzig kennen gelernt. Als Stafforst nach Frankfurt kam, begegnete er Groß wieder. Sie sannen dann auf Mittel und W.ge, um s ch Geldmittel zu verschaffen. Groß habe daraus den Lichtenstein als einen reichen Mann erwähnt, in dessen Geloschrank sich 60 bis 70 000 Mark befänden. Stafforst habe sich geweigert, die Mordtat mit auszuführen, aber Groß haoe ihn durch Drohungen gezwungen. Trei Tage lang, am 23., 24. und 25. Februar, seien sie auf dem Weg nach dem Lichtenstein'schen Haus gewejen, aber sie seien nicht zur Ausführung des Planes gekommen, weil dem Stafforst der Mut gefehlt habe. Groß sei sehr aufgebracht darüber gewesen. Er habe wiederholt Drohungen ausgesprochen, alte Geschichten von Stafforst zur Anzeige zu bringen, wenn Stafforst nicht ernst mache. Am 26. Februar habe Stafforst nach,gegeben, am Mittag seien sie in das Lichtenstein sche Kontor gegangen, wo Lichtenstein allein anwesend war. Sie hätten vorgegeben, ein Klavier zu kaufen. Im geeigneten Moment schlugen sie Lichtenstein mit einem Zweikilo stück nieder. L.chtenstein setzte sich, zur Wehr. Darauf wurde er mit einem Bindfaden er­drosselt. Sie schleppten die Leiche ins Hinterzimmer. Staf­forst stand Wachse, währeno Groß den Geldschrank öffnete. Er fand nur 800 Mark und sie teilten das Geld. Nachdem sie den Platz der Tat verlassen hatten, reiste Stafforst fofort von Frankfurt ab. Das weitere ist bekannt. Staf­forst wird heute morgen stark gefesselt nach Frankfurt ge-

Aus Stadt und Saud.

Gießen, den 15. März 1904.

** Promotionen. Wie wir hören, sind die GerichtS- accessisten Brücher und Hartmann aus Gießen in Heidel­berg zum Dr. jur. mit dem Prädikatmagna cum laude* promoviert.

)( Grünberg, 13. März. Auf die kürzlich vom Ge» mein d erat beschlossene Verbrauchsabgabe von Wein, Bier oder Branntwein war wiederholt von den hiesigen Wirten eine Eingabe um Nichtbestätigung an das Großh. Kreisamt gerichtet worden, welche nun an den Gemeinde­rat zur nochmaligen Anhörung zurückging. Tieser erklärte in seiner gestrigen Sitzung diese Eingabe mit 5 gegen 4 Stimmen für begründet. In der heutigen, von Bürger­meister Zimmer geleiteten Generalverfammlung der Korn- Hausgenossenschaft Grünberg wurde dem Vor­stand und Rechner Entlastung erteilt. Tie Einnahmen im Vorjahre betrugen 44,31 Mk., die Ausgaben 39,14 Mk., das verzinslich angelegte Vermögen beläuft sich auf 244 Mk. Ter § 14, 7 betr. die Haftbarkeit der Genossen fällt jetzt weg und dafür wird der § 37 dahin abgeändert, daß ein Genossenschafter mit 10 Morgen Land bei einer Hasisumme von 100 Mk. auch 10 Mk. Einzahlung äu leisten habe und, um je 10 Morgen aufsteigend, auch die Einzahlung um 10 Mk. und die Haftsumme um 100 Mk. erhöht wiro bis zum Höchstbetrage von 100 Morgen mit 100 Mk. Einzahlung und 1000 Mk. Haftsumme. Tie hierauf folgenden Vorstands­wahlen ergaben folgendes Resultat: Ernrnel-Warthof: Tirektor, Ty. Stein-Latzmühle: 2. Vorsitzender, Ehr. Frank- Grünberg: Rechner, E. Zimmer-Lauter und Bürgermeister Schmidt-Queckborn. In oer Aussichtsrat wuroen gewählt: C. Schlörp-Lauter als Vorsitzender, I. Erb-Stangenrod als Stellvertreter, W. Jost-Queüoorn, I. Nikolaus-Weitershain, E Zulaus-Lehnheim, I. Schultheitz-Giöbelnrod, W. Weber- Gailshausen, Ehr. Römer-Münster, H. Zulauf-Atzenhain. Tarauf hielt Herr Oehlsen-Totzelrode einen Vortrag über die für unsere Verhältnisse geeignetste Einrichtung der Lager- häufer mit drei bis vier Stockwwerken und wies aus die den Landwirten aus dem genossenschaftlichen Zusammen­schluß erwachsenden Vorteile hin, die bisher von den Händlern eingesteckt wurden. Zum Schluß wurde noch von mehreren Seiten dringend ersucht, für recht regen Beitritt zu arbeiten, damit der Bau eines Lagerhauses baldigst in Angriff genommen werden könnte.

Darmstadt, 14. März. Auf eine Eingabe des Vor­standes des Darmstädter Journalisten- und Schrift- steller-Vereins erteilte nach der D. Ztg. S. K. Hoh. der Großherzog folgende Antwort: Der an mich gerichteten Bitte entsprechend will Ich das Protektorat über den Darm­städter Journalisten- und Schriftsteller Verein, für Hessen ferneres Gedeihen Ich die besten Wünsche hege, hiermit gern übernehmen, (gez.) Ernst Ludwig.

Wiesbaden, 14. März. Generalleutnant a. D. von Alten, zuletzt Kommandeur der 2. Division machte, dem Rhein. Kurier" zufolge, heute mittag in seiner Wohnung einen Selbstmordversuch, indem er sich eine Kugel in den Kopf schoß. Die Verletzung ist lebensgefährlich.

schafft-

Es ist klar, daß Stafforst so viel als möglich sich zu entlasten und seinen Genossen als den Haupttäter hin- zustelleu sucht. In hiesigen polizeilichen Kreisen ist man dagegen geneigt, zwar in Groß den Anstifter zu erblicken, in Stafforst aber den Mann, der bei der Verübung der Mordtat die Hauptrolle gespielt hat. Die Annahme, daß noch ein Dritter beteiligt war, ist aufgegeben worden. Dagegen glaubt man, daß Stafforst die tödlichen Hiebe geführt hat. Er wird es wohl auch gewesen sein, dessen Kleider die meisten Blutflecken trugen, und darum hat er es für geraten gehalten, vom Schauplatz möglichst rasch zu verschwinden. Tie Kette wurde so hastig abgerissen, daß der Haken abbrach So erklärt es sich daß an der Kette, als man sie bei Stafforst fand, ein minderwertiger Haken befestigt war. Die Brillantknöpfe waren nicht im Besitz von Stafforst: sie sind also bei der schleunigen Teil­ung wahrscheinlich oem Bruno Groß zugesallen. Dieser selbst, der immer noch leugnet, ist über die Verhaftung seines Genossen bis jetzt nicht unterrichtet. Stafforst trifft heute abend hier ein; er wird wohl schpn morgen vormittag dem Groß gegenüber- gestellt. Die Aussage von Stafforst bestätigt auch daß wirklich ein Raubmord geplant war, nicht nur ein Raub mit einer Betäubung oder Unschüdtichrnachnng des Opfers. Tenn Lichlkenstein kannte den Groß, darum wurde er für immer stumm gemacht, um kein Zeugnis oblegen zu können. Die erhoffte. Beute ist freilich gering gewesen. Nicht 60 oder 70 000 Mark raubten die Mörder, ihre ganze Beute betrug nur 800 Mark. Groß hat in Leipzig vor einigen Jahren Falschmünzerei betrieben und Stafforst dazu benutzt, die Falsifikate abzusetzen. Stafforst wurde damals abgefaßt und bestraft; aber erst jetzt hat er Groß angegeben. Der ursprüngliche Plan von Groß war, Lichtenstein zu erschießen. Zwei Revolver wurden gekauft. Stafforst sollte Lichtenstein ^and in die Augen streuen. Groß die Schüsse abgeben. Nachher war der Plan geändert und man beschloß, Lichtenstein zu er­schlagen. Stafforst führte sich als Wirt aus Offenbach ein, Groß als Vermittler, des angeblichen Klavierverkaufs. Wie­derholt besuchten sie das Lichtensteinsche Geschäftslokal. Am 26. Februar siel dies Lichtenstein besonders auf. Als beide flüsterten, stieg Lichtenstein eine böse Ahnung auf. Er schrie:Was wollt Jbr von mir?" Darauf schlug Groß, so sagt Stafforst, Licytenstein nieder; Stafforst legte ihm die Schlinge um den Hals. Groß kniete auf Lichtenstein und beraubte die Leick)<e. Diese wurde dann in den Hinterraum geschleppt. Stafforst stand dabei, bis sie falt war. Nach der Tat wollten sich beide in Mannheim treffen. Stafforst wanderte bis Höchst zu Fuß, dann fuhr er mit der Bahn nach Koblenz.

Mit dem Bebraer Zug um 7 Uhr 54 Minuten ist Mon­tag abend Friedrich Stafforst auf dem Sachsenhäuser Bahnhof eingetroffen. Es war nicht viel Publikum an­wesend, etwa hundert Personen. DieFrkf. Ztg." schildert ausführlich die Einfahrt. Ein Mann lehnt sich aus einem Magenabteil dritter Klasse und gibt ein Zeichen mit der Hand. Dort ist der eine der Mörder von Hermann Lichten­stein unter sicherer Bedeckung untergebracht. Der Wagen wird geöffnet, Stafforst und seine Begleiter steigen ans. Viel Worte werden nicht gewechselt. Kommissar Wieland faßt Stafforst links, ein anderer Beamter rechts und in raschem Schritt wandert man durch einen Seitengang nach der Droschke. In ihr nehmen außer dem Verbrecher ein hiesiger Kommijsar und die Hamburger Kriminalisten Pla} und fort geht es in gestrecktem Goto nach dem Unter­suchungsgefängnis.

Stafforst ist nicht geschlossen. Ist dieser blutjunge Mensch mit dem schmalen, schön gefüiniftenen Gesicht und den sympathischien Zügen ein Ranvm . iver, der nach wohl-

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