Keer und Alotte
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parlamentarisches.
** Darmstadt, 14. Febr. Der zweite Ausschuß der 2. Kammer hat dem Entwurf eines Gesetzes, den Verkehr mit Fahrrädern und Automobilen auf öffentlichen Wegen, Straßen uni) Plätzen betreffend, zugestimmt, beantragt aber mit Einverständnis der Regierung, daß dieses Gesetz am 2. April 1904 in Kraft trete und am 2. April 1906 seine Geltung verliere. Mit ersterem Tage soll das Gesetz vom 8. März 1898, das Radfahren aus öffentlichen Wegen, Straßen uno Plätzen betreffend, in der Fassung des Abänderungsgesetzes vom 30. März 1900, au,gehoben werden. — Aus Grund einer Vorstellung des Oberbürgermeisters Mecum zu Gießen, Sonntagsruhe im Handelsgewerbe betreffend, und einer Vorstellung der Großh. Handelskammern Friedberg und Büdingen in gleichem Betreff, hat die Kammer bekanntlich den einstimmigen Beschluß gefaßt, an die Großh. Regierung das Ersuchen zu richten, den Ständen einen die Aushebung des Artikels 227, Absatz 1 des Polizeistrafgesetzbuchs bezweckenden Gesetzentwurf vrnzu legen, was inzwischen ge,chehen ist. Der zweite Ausschuß, der sowohl mit dem Gesetzentwurf selber als auch mit seiner Begründung einverstanden ist, beantragt dessen Annahme.
Berlin, 13. Febr. Die Kommission des Reichstages zur Vorberatung des Entwurfs über Entschädigung für unschuldig erlittene Untersuchungshaft begann heute ihre Beratungen. § 1 Absatz 1 lautet: „Personen, die im Strafverfahren freigesprochen oder durch Beschluß des Gerichts außer Verfolgung gesetzt sind, können für erlittene Untersuchungshaft Entschädigung aus der Staatskasse verlangen, wenn das Verfahren ihre Unschuld ergeben oder dargetan hat, daß gegen sie ein begründeter Verdacht nichi vorliegt." Abg. de Witt (Z.) empfabl einen Zentrumsantrag: die Worte ,church Beschluß des Gerichts" zu streichen. Ein Antrag Bargmann (Frs. V.)-Mommsen (Frs. Vg.) verlangte die Streichung der Worte „ihre Unschuld ergeben oder". Abg. Stadthagen (Soz.) beantragte folgende Fassung: „Personen, gegen welche Untersuchungshaft verhängt war oder die sistiert worden sind, können Entschädigung beanspruchen, wenn sie rechtskräftig freigesprochen oder außer Verfolgung gesetzt sind." Zu einer Abstimmung kam es noch nicht. , , t
— Der Bericht über die Giltigkeit der Wahl des sozialistischen Reichstagsabg. Dr. Braun wurde an die Wahlprüfungskommission zu e r n e u t e r P r ü f u n g zurück verwiesen.
— Im preuß. Abgeordneten Hause wurde heute die zweite Beratung des Etats der Berg-, Hütten- und Sa- linen-Verwaltung fortgesetzt. Dor Eintritt in die Tagesordnung machte der Präsident Mitteilung vom Ableben des Abgeordneten v. Knapp-Barmen. Das Haus ehrte das Andenken des Verstorbenen in der üblichen Weise.
— Die Kommission des Abgeordnetenhauses (ländliche Fortbildungsschulen für Hessen-Nassau) hat in ihrer heutigen zweiten Lesung den Gesetzentwurf mit unwesentlichen redaktionellen Aendcrung! n angenommen. Ti? Schulbesuchszeit wurde auf drei Winterhalbjahre festgesetzt.
Ko bürg, 13. Febr. Der Landtag nahm die neue Landtagswahlgesetznovelle gegen acht sozialdemokratische Stimmen an.
Neueste Meldungeu.
Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers.
London, 15. Febr. Mehrere Londoner Sonntagsblätter verbreiteten gestern die Nachricht, daß s/4 des russischen Wladiwostoker Geschwaders zum Sinken gebracht seien. Auf der hiesigen japanischen Gesandtschaft liegt jedoch keine Bestätigung vor.
Washington, 15. Febr. In einem dem hiesigen japanischen Gesandten zugegangenen amtlichen Telegramm wird sd.ie Meldung für s a l s ch erklärt, daß im Kampfe bei Port Arthur 4 japanische Torpedoboote g c s u n k e n seien. Es sei kein japanisches Schliff gesunken, aber mehrere seien beschädigt.
Nagasaki, 15. Febr. Nach einem Telegramm der Newyorker „Associated Preß" betragen die Verluste der Russen bei Tschemulpo 1 Offizier und 40 Mann tot, 464 Mann verwundet.
Petersburg, 15. Febr. Der Generalquartier mei st erdes Feld st abesAlexejew', Pflug, meldet aus Port Arthur vom 14. Febr.: Privatnachrichten zufolge landeten die Japaner nach einem Kampfe bei Tschemulpo 19000 Mann. In Port Arthur ist alles ruhig. Vom feindlichen Geschwader liegen keine Nachf- richten vor. Aus Tatungal kehrten die Kundschafter zurück. Sie bestätigten aber nicht die Nachrichten über dasErscheinen von 6 japanischen Panzerschiffen. Aus Jnkal treffen fortgesetzt Meldungen ein, daß bei Nacht auf hoher See und unweit des Nordbahnhofes Lichter gesichtet wurden, woraus die Anwesenheit feindlicher Kundschafter geschlossen wird. Die Mobilisierung schreitet erfolgreich fort. Der Ingenieur-Chef des Quantunggebietes meidet: Tie Batterien der Festung von Port Arthur hätten bei der Beschießung keinerlei Beschädigung erlitten.
Nagasaki, 15. Febr. Tie Japaner nahmen 5 !n> orwe g i sche Schiffe lueg, die von einem russischen Unternehmer gechartert waren.
Petersburg, 15. Febr. General Rennenkampf ist zum Chcj der Kosakenheere in Ostasien ernannt worden.
Ncwyork, 15. Febr. Japan bestellte hier 3 00 Ambulanz wagen für rasche Verlieferung.
Der Aufstand in Ieutfch-Z>üdwcstasrika.
Tie „Köln. Ztg." meldet aus Berlin vom 12. er.: Nach hier vorliegenden Nachrichten scheint das Zentrum des Herero-Aufstandes in der Gegend von Waterberg zu liegen und auch von dort ausgegangen zu sein. Irgendwelche Verbindung mit den Gegenden nördlich üoh Waterberg hat trotz aller Anstrengungen bisher nicht hergestellt werden können. Auch sind von Norden her weder nach Süden noch nach der xüfte irgendwelche Nachrichten gelangt, obwohl selbstverständlich ist, daß man von Otavi und Umgebung aus alles versuch: haben wird, um Nachrichten an die Behörden gelangen lassen. Cs wird an-
Ans Mast Md Kand.
Gießen, den 15. Februar 1904.
- Personalien. Se. Kgl. Hoh. der GroßherzvG haben den evangelischen Pfarrer Georg Werner zu Rim- Horn, Dekanat Neinheim, auf sein Nachsuchen und unter An- erkennung seiner langjährigen treuen Dienste, mit Wirkung vom 1. April an, in den Ruhestand verseht und dem Pfarrer Johannes Biegler zu Hering die evangelische Pfarrstelle zu Hühnlein, Dekanat Zwingenberg, übertragen. — Der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Ulrichstein Berthold Rausch wurde zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Lich ernannt. — Ernannt wurde der Gerichtsvollzieher-Aspirant Georg Castr itius in Mainz zum Gerichtsvollzieher mit dem Amts- rhe in Mainz.
** Von der juristischen Prüfungskommission. Landgerichtsdirektor Tr. Hange n in Mainz wurde von den Dienstverrichtungen eines Mitgliedes der Prüfungskommission für das Justiz- und Verwaltungsfach enthoben und an seine Stelle der Oberlandesgerichtsrat Dr. Wilhelm Berchelmann zum Mitglied dieser Prüfungskommission ernannt.
T a r m st a d t, 13. Febr. . Im „Luzerner Tagebl." ergreift der Kantons-Chemiker Tr. Schumacher-Kopp zu der Tarmstädter Massenvergiftung das Wort. Nachdem er eine Erklärung der Ptomaine gegeben, erzählt er aus seiner Praxis einen Fall, in dem ein Verderben von Crbsenkonserven vorlag und der ihn auf den Gezanken brachte, daß eventuell vergessen wurde, das ab- olut nötige Kochsalz zuzusetzen. Tie sofort angehobene Untersuchung an Ort und Stelle ergab denn auch, daß der Arbeiter vergessen hatte, Salzlake herzustellen; es wurde gewöhnliches Wasser ein gefüllt, was natürlich nicht kon- ervierend wirken konnte und Fäulnis eintreten lassen mußte. Glücklicherweise waren von jenem Sude noch keine Büchsen zum Versand gelangt. Ter Vorrat wurde vernichtet. Er erachtet es deshalb als nicht unmöglich, daß man in Tarmstadt, wo die Vorsteherin des Köchkurses laut eigenem Geständnis die verhängnisvollen Bohnen selbst einmachte, einfach vergessen hat, das nötige Kochsalz zuzusetzen, wodurch der Büchseninhalt in Fäulnis übergehen und so Ptomain entstehen mußte.
Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Gläubiger des seinerzeit flüchtig gegangenen Postagenten und Sparkassenrechners Schertel in Gen singe n erleiden einen Verlust von 109 163 Mk. Das Konkursverfahren gegen Schertel ist beendet, es kommen nur 8054 Mk. zur Verteilung. — Die Stadt Wetzlar will ein Volksb ad errichten. Die Baukosten sind alles in allem auf 110 000 Mk. veranschlagt. 20 000 Mk. davon werden von den Buderusschen Eisenwerken zur Verfügung gestellt. — Der Schulinspektor der Stadt Worms, Tr. Scherer, ist zum stellvertretenden Kreisschulinspektor in Büdingen ernannt worden. — In Weilburg ist der Streit zwischen Aerzten und Krankenkassen dahin erledigt worden, daß die Aerzte — vorläufig aus ein Jahr — pro Kassenmitglied 5 Mk. erhalren; 6 Mk. hatten sie beansprucht. Das bisherige Honorar betrug 3.60 Mk.
;enommen, daß diejenigen Deutschen, die bei Ausbruch res Aufstandes sich nördlich von Waterberg befanden, nicht jetötet, sondern nach Olavi zu geflüchtet sind und sich >ort aufhalten, daß aber Boten aus diesem Bezirk nicht durch das aufständische Gebiet hindurch konnten.
Gouverneur Leut wein meldete telegraphisch seine Ankunft in Swakopmund.
Das deutsche Marineexpeüitionskorps ist am Samstag morgen in Otahandja, dem Hauptsitze der Hereros, eingetroffen. Großkapitün Samuel Mahahero, der hier einen Sitz hatte und ein großer Trinker und Weiberfreund war, ließ sich durch zwei Unterkapitäne, die eigentlichen Leiter des Aufstandes, zum Losschlagen bewegen, nachdem er vorher zwei Proklamationen an die Hereros erlassen hatte. Solche Aufrufe führten die räuberischen Banden mit und sie wurden vielfach bei ihnen gefunden. Der Tistrikts- ches von Okahandja besitzt von dem einen Schriftstück mehrere Originale. Der Aufstand auf dem zusammen 60 000 Quadratkilometer großen Hererolande brach an allen Orten an demselben Tage aus. Einzelnen schwerverwundeten Frauen gelang es, sich zu retten, darunter zwei Nichten des Braunschweiger Divisionsgenerals Otoo, der Frau Göbel und Frau Lange. Diese beiden Frauen waren Zeugen fürchterlicher Massacres. Nach langem Umherirren gelang es ihnen, in die festen Stationen zu gelangen. Frau Göbel wurde nochmals von den Aufstau oycyen gefangen und auf den 1500 Meter von Okahandja entfernten Kaiser Wilhelm-Berg vor Assa ge- chleppt, dort aber auf Bitte der Großfrauen wieder frei- gelassen, worauf sie mit beiden lebenden Kindern Schutz im Kastell Okahandja fand. Einer Frau Alisch, einer Schwägerin des Schulrates Stier in Berlin, gelang es, reitend Windhoek zu erreichen; ihr Gatte ist verschwunden.
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Die beste Karte des Kriegsschauplatzes in Deutsch-Südwestafrika, die auch der deutschen Schutztruppe und dem Expeditionskorps als Grundlage der Operationen dient, stellen zwei Blätter aus Prof. Paul Langhans' „Deutschen Kolonial-Atlas" dar, die bis auf die Gegenwart ergänzt und gesondert in Umschlag durch alle Buchhandlungen (Verlag Justus Perthes in Gotha) zu beziehen sind (Preis 2 Mk.). Tie Karten enthalten das ganze Schutzgebiet, gestatten daher den Verfolg des Ausstandes der Herero sowohl wie das der Bondelzwarts und Ovambo. Alle vielgenannten Eisenbahnstationen, Heliographenlinien, Militär- und Polizeistationen, Wege für Truppenbewegungen sind eingetragen. Tie Urteile der Kenner unseres Schutzgebiets über Langhans' Karte sind glänzend: Prof. Tr. Schinz nennt sie „musterhaft in jeder Beziehung" und Joachim Graf Pfeil „die beste Karte, die über dieses Gebiet erschien".
Kerlchts/aat.
Majestätsbeleidigung und Hochverrat. Wte die „Königsb. Volksztg." berichtet, wurde gegen den Redakteur Quessel von dem in Stettin erscheinenden sozialdemokratischen Matte „Ter Volksbote" Voruntersuchung wegen Hochverrats gegen das russische Reich und wegen Beleidigung des russischen Kaisers eingeleitet.
Dresden, 13. Febr. Der Tisziplinarhof erkannte gegen den Oberförster Müller, der Oberforstmeister Kleite wegen dienstlicher Differenzen zu einem Pistolenduell gefordert hatte, auf Dienstentlassung ohne Pension.
Politische Tagesschau.
Die preußisch-hessischen Staatsbahnen.
Bei der Beratung des Berichts über die Ergebnisse (es Betriebs der vereinigten preußischen und hessischen Staatseisenbahnen für 1902 im preußischen Herrenhaus teilte Minister Budde mit, daß das Jabr 1902 sehr günstig gewesen sei. Ter Ueberschuß, der dem Ausgleichsfonds zugeführt werden konnte, betrug 16 Millionen. Tas ist zum Teil auf die Erwerbung' der Main-Neckar- Bahn, in der Hauptsache auf die günstige Verkehrsentwicklung zurückzuführen, die auch 1903 noch angehalten habe. Tie Rente der Eisenbahn schließe im Jahre 1902 mit 6,46 Prozent gegenüber 6,41 Prozent im Vorjahr ab, die preußischen Eijenbahnen verzinsen also nicht nur die ganzen Staatsschulden, sondern werfen noch darüber hinaus Ueberschüsse ab. Tie Verzinsung anderem deutscher Staatseisenbahnen sei erheblich niedriger, der Betriebskoeffizient sei von 1901 auf 1902 von 61,75 auf 61,34 gesunken; auch, das sei ein Zeichen günstiger Entwicklung. Allerdings sei die Hauptsache nicht das finanzielle Ergebnis, sondern die Betriebssicherheit, und auch auf diesem Gebiet seien wesentliche Fortschritte gemacht. Immerhin seien die Unfallzifsern noch immer um 100 Prozent zu hoch, und die Verwaltung werde sich bemühen, hier Wandel zu schaffen, denn die Statistik zeige, daß Unfälle vermieden werden können. Indem er dann auf die Frage einging, ob die Tienstdauer des Personals an den Eisenbahnen zu lang sei, die er verneint, konstatierte der Minister unter Beifall im Hause, daß Umstnrzbestrebungen irgend welcher Art nicht hervorgetreten seien, obgleich fortgesetzt bezahlte Agitatoren an das Personal herantreten. Diese Agitatoren seien in Wirklichkeit die „Scharfmacher". Jedenfalls werde er niemals Sozialdemokraten in der Verwaltung dulden.
— Schon wieder eine Uniformänderung? IN Petersburg traf am 13. Februar der deutsche Oberst v. Schenk, Kommandeur des Alexander-Regiments ein, um im Auftrage Kaiser Wilhelms ein Muster i) er russischen Offizierssäbel mit Leder scheide sowie Uniformstücke zu erbitten, da man sich in Deutschland mit der Absicht trage, die stählernen Säbelscheiden durch solche aus Leder zu ersetzen. Dem W. T. B zufolge hat Oberst v. Schenk den Auftrag, dem russischen Kaiser eine Blechmütze, die historische Kopfbedeckung seines Regiments, zu überreichen. Gleiche zeitig überbringt v. Schenk ein eigenhändiges Schreiben des deutschen Kaisers. Er wurde gestern (Sonntag) vom Kaiser und der Kaiserin in Petersburg empfangen.
Der Krieg zwischen Japan und Rußland.
Vom Kriegsschauplatz.
Nach einem russischen amtlichenTelegramm aus Port Arthur vom 13. Februar wurden am 11. Febr. abends in Juntau auf dem Meere die Feuer feindlicher Schiffe bemerkt. Am 12. Februar gingen Meldungen über bas Erscheinen von sechs japanischen Panzerschiffen auf der Reede von Tatungau ein. Es wurde Kanonendonner gehört. — Tie Nachrichten über die Lage in Korea sind im allgemeinen unbestimmt und beziehen sich aus die Landung japanischer Truppeuabterl- ungen an verschiedenen Punkten der Küste. In Tschemulpo wurde am 11. Februar eine große Landung erwartet. — Aus Tschisu eingetroffene Privatnachrichten melden, daß das japanische Ge chwader nach dem Zusammenstoß bei Port Arthur bedeutende Beschädigungen erlitten habe und nach Tschisu gedampft fei, wobei es drei große Schiffe im Schlepptau hatte.
Auf Ersuchen des englischen Konsuls an den japanischen Konsul in Tschemulpo um Aufnahme von 34 verwundeten Russen in ein j a p a n i s ch e s Hospital wurden Dieselben in das Hospital der japanischen Krankenpflegerinnen in Tschemulpo sofort ausgenommen. Sie werden dort durch japanische Aerzte behandelt.
Zehntau,end für die Grenze zwischen Petschili und der Mandschurei bejdmmle Truppen gehen nächste Woche von Paotingsu nach Schanhaitwan ab.
In Rußland.
Tie Großfürsten Cy.cll und Boris begeben sich in den nächsten Tagen nach dem Kriegsschauplatz. General Linewitsa) ist zum Cbertommanbiereiibeii der Mandschurei ernannt worden.
Ter finländische Senat richtete an den russ. Kaiser ein Ergebenheits-Telegramm, auf das telegraphisch Tank erfolgte. Am 10. Februar gingen aus Finland die letzten von dort nach Ostasien kommandierten Truppenteile ab. Einem Privatbriefe aus K o w n o entnehmen wir, daß die russischen Mannschasten dort zu je 30 Mann in Eisenbahnwagen dicht gedrängt, so daß ihnen fast jede Bewegung gehemmt ist, mit der sibirischen Bahn nach dem Kriegsschauplätze transportiert werden. Die Fahrt von Kowno nach Wladiwostok dauert mindestens zehn Tage.
Im Hofe des Palais zu Warschau erfolgte am 13. d. M. eine patriotische Kundgebung Studierender der Universität, des Polytechnikums und des Veterinärinstituts, später eine gleiche vor dem französischen Konsulate.
Die Neutralität Chinas.
Die französische Regierung trat der Note der Vereinigten Staaten über die Neutralität Chinas bei. Diese Note, die Staatssekretär Hast den diplomatischen Vertretern Amerikas bei den Mächten übermittelte, lautet: Sie wollen dem Minister des Auswärtigen den lebhaften Wunsch der Vereinigten Staaten zum Ausdruck bringen, daß während der Militärischen Operationen zwischen Rußland und Japan die Neutralität Chinas und alle Mittel, seine administrative .Einheit durchzuführen, von beiben kriegführenden Parteien respektiert werden' und der Schauplatz der Feindseligkeiten nach Möglichkeit lokalisiert und beschränkt wird, damit jede Aufreizung zu einer chinesischen Erhebung vermieden und dem Welthandel und Weltverkehr möglichst wenig Schaden zugefügt werde. — Man läßt durchblicken, daß Oesterreich-Ungarn keine Geneigtheit zeige, der Aktion beizutreten, da es an den Vorgängen in Ostasien wenig interessiert sei. England wünschte, daß Ziele und Absichten der Note näher erklärt würden. Staatssekretär Hay ist wenig geneigt, nachzugeben, da er es für unmöglich erachte, die Mächte zu einigen, wenn er sich be- müije, die Ziele genauer darzulegen, für die ein zusammen- wirtendes Vorgehen wünschenswert sei.
Die ch i n e s i s che Regierung benachrichtigte das Staatsdepartement, daß, wenn der Hof fliehen würde, eine allgemeine Erhebung gegen hie Fremden erfolgen und Metzeleien stattfinden würden, die möglicherweise mit dem Niedergange des Reiches enden würden.


