Ausgabe 
15.1.1904 Zweites Blatt
 
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gemäß höher als in den kleineren. Im Ganzen sind mit Reichsmitteln fertiggestellt worden 333, in Bau begriffen 218, in Vorbereitung befindlich 151 Häuser, 1268 Wohnungen er­stellt, 1753 Wohnungen noch zu erstellen. Damit ist die Wohnungsfrage zwar noch nicht erledigt, aber doch immer­hin praktisch in Angriff genommen.

Zu dem Fall des Univerfitätsprofeffors Lehmauu-Hoheuberg

in Kiel schreibt dieStraßburger Post":

Tas preußische Staatsministerium, die letzte Instanz in dem gegen den Gelehrten eingeleiteten Tisziplinarver- sahren wegen Beleidigung (des Kriegsministers v. Goßler, oes Justizministers Schönstedt usw.) hat in seiner Sitzung vom 28. Oktober v. I., an welcher die Staa..sminister Tr. Studt als Vorsitzender, Frhr. v. Haimnerstein und Möller teilgenommen haben, das frühere Urteil auf Entlassung aus dem Amtemit der Maßgabe bestätigt, daß dem Angeschuldigten drei Viertel des vor: iijm zurzeit seiner Tienstentlaisung an Gehalt uni) Wohnungsgeldzuschluß bezogenen Betrags auf Lebenszeit als Unterstützung zu ver abrerchen sind." Am 23. Tezember o. I. soll das Urteil pom Kai, er bestätigt worden sein. Am 9. Januar d, I. ging es dem PMjessvr Lehmann-Hohenberg zu. Tas Urteil nimmt als zweifellos an, daß Profe,jor Lehrncum-Hohenberc sich g r ö b l r ch e r B e l e i d i g u n g s ch u l d i g gemacht habe. Als mildernde Umstände werden anerianntbit leidenschaftliche Erregung und Erbitterung, in welcher er das Offene Schreiben an den Reichskanzler verfaßt, und die in den von ihm in seiner SchriftTas Recht des öffentlichen Raubes" usw. niedergelegten schweren Person liehe Erfahrungen ihre subjektive Rechtfertigung fanden. Endlich fällt zu seinen Gun,ren die Tatsache ins Gewicht, daß er sich mit persönlichen beträchtlichen Opfern um dir Pflege der von ihm vertretenen Wissenschaft an der Uni­versität Kiel besondere Verdienste erworben hat." Ter Ver­urteilte hat an Rektor und Senat der Universität Kiel einen A b s chi e d s b r i e f geschrieben, in Meyern es unter anderem folgendermaßen heißt:Ich weicl)e jetzt der Ge­walt, denn ich erachte das ganze Verfahren gegen mich als ungesetzlich. Ankläger und Beleidigte oder deren Kollegen können nicht zugleich Richter jein; man hättt die von mir nach Dutzenden als Beweis angebotenen Fällr ein einziger konnte unter Umständen genügen unter- sucl)en muffen und durste nicht von Einzelsällen sprechen. Tas ist eine Flucht vor der Oessentlichleit! Ter verstorbem H-istvriker Mommjen wurde freige,prochen, obwohl er den. Reichskanzler Fürsten Bismarck in öffentlicher V.r.atnmiun^ vorwarf, daß er eine Politik des Schwindels trcwe. Wollte man zusammcnstellen, was Prvjejsoren an kräftigen Worten gelegentlich gebrauchen, so niöchte wohl ein ariiges Ländchen zustande kommen. Wird ein sittliches Ur teil utib eine Tat, zu der mich mein dem Könige geleisteter Treueid ver­pflichtete, in diejer Weise geahndet, so erfahren Pro fessoren eine Behalidlung als Staatsbürger zweiter Klasse; denn ein nicht bcanueier Burger kann nicht ohne vorangogangeiie Unkeriuchung bestraft werden." Wrr haben es stets als einen Fehler bezeichnet, daß man gegen Professor Lehmann Hohenberg aus diszrplmarem Wege vorgegangen ich Raa) un.erer Ansicht hatte man ihn gerichrlich wr Rechenjchaft ziehen müssen. Richt als Professor, als Lehrer an einer deutschen Hochschule, hatte er diejenigen Handlungen begangen, welche das Einschreiten der Staatsbehörde veranlaßi.en, jondern als Schriftsteller, der zu öffentlich verhandelten Fragen öffentlich ^tetlung nahm. Fühlten sich die Staatsbehörden durch ihn be leidigt, jo war der Weg der Sühne unseres EraclZens für jie klar vorgeschrieben: sie mußten den Schriftsteller Leh rnann-Hohenoerg vor den Str a s richt er zitieren."

unO Alo.te.

Wie aus Düsseldorf berichtet wird, soll das dortige Ulanen-Regiment Nr. 5 im Lauft dieses fSornrners die Garni.on nut oem Ulanen-Negim^nt 14 in St. Avold wechseln.

Stuttgart, 14. Jan. Tie Aenderungen von Offizierspaletots Drückens alte) und die Einführung der Achselsiüue für Generale und Stabsoffiziere treten au, königliaftn Befehl auch für Württemberg in Kraft.

Milche uuü Schute.

Ko bürg, 14. Jan. Ter Pfarrverein des Herzog tunrs Koburg sprach sich in seiner gestrigen Sitzung für die Feuerbestattung aus. Es wird in dem B.;chluß erklärt, daß der Feuerbestattung Bedenken in temer Lveift entgegenjiänden und baß >ie für die Zulun ft unab­weisbar sei. Rur halte man es jetzt für inopportun, paß die Geistlichen sich agitaivrffch für p.e Feuerbe,<a.tung betätigen.

Rom, 14. Jan. Heute wird die Ernennung von Gra- trito Germonte zum Runtius in Wien und v^n Mouftg- nore Eaputo zuni 9cuniius in München vetössentlichtz. Ter Papst eulpjing heule den Reichsi.agSubg. Prosi.,sor Tr. v. H e r t l i n g.

Ä'ralau, 14. Jan. Hiesige Blätter melden, daß der Fürstbffchof von Breslau, Tr. Kopp, gegen den Pfarrer -der hiesigen Kreuzlirche, Mikulski, eine Klage ange­strengt habe, wett letzterer trotz des Verbotes des Bi,-cychs (die Trauung des Reichstagsabg. Korman.y vorgenommen hat.

yiudl uiiü £tini).

Gießen, 15. Januar 1904.

* Personalien. S. K. H. der Großherzog hat einer großen Anzahl von Beamten des Bezirks der früheren Hess. Ludwigsbahn die unkündbare Anstellung in der Hess. Preuß. Eisenbahngemeinschaft verliehen. Ernannt würbe der Ge- fangenwärter am Gefängnis in Mainz Adam Josef Ewald zum Gesangenaufseher an dieser Anftalt.

* Postalisches. Jeder Landbriefträger führt auf seinen Bestellungen ein Annahmebuch mit sich, in das er em- zntragen hat: 1. Die von ihm angenommenen Telegramme, Einschreibsendungen, Sendungen nut Wertangabe, Postan­weisungen, gewöhnlichen Packele und Älachnahmesendungen sowie Zeitungsbestellungen. 2. Die zur Frankierung der Sendungen, zur Bestellung von Zeitungen und zur Beschaffung von Wertzeichen ihm übergebenen Betrüge. Gleiche Annahme­bücher führen die in Landortcn bestehenden Posthilfstellen. Der Einlieferer oder Auftraggeber ist berechtigt, sich das An- nahmebuch vorzeigen zu lassen, um sich von der Richtigkeit der Eintragungen zu überzeugen; auch kann er die Euitra- itng selbst bewirken. Dem Publikum wird empfohlen, von dieser Berechtigung Gebrauch zu machen.

Brief forma t. Die ordnungsmäßige Bearbeitung und pünktliche Besorgung der Briefe wird der Post durch die

übergroße Verschiedenheit der Vriefformate, durch die Un­gleichmäßigkeit im Aufkleben der Freimarken und durch die oft geringe Uebersichtlichkeit der Aufschrift in lästiger Weise erschwert. Im eigenen Jntereffe benutze man daher nur rechteckige Briefumschläge mütlerer Größe die ge­eignetste Form ist 15 cm. lang und 12 cm. breit klebe die Marke in die rechte obere Ecke, schreibe unten rechts deut­lich den Bestimmungsort nieder und unterstreiche ihn. Wer seine Briefumschläge mit einem Vordruck für die Adresse ver­sehen läßt, der lasse auch gleich ein Feld für die Marke und einen starken Strich für die Angabe der Bestimmungspost­anstalt unten rechts mit vordrucken.

** Den Markensamm lern ist Heil widerfahren. Am 1. Februar wird es eine neue Sorte von Marken geben, wie wir sie bisher nicht gehabt haben. Von diesem Tage ab gibt die Eisenb ahnverwaltung für das ge­samte Gebiet derpreußisch-hesslschen Eisenbahn­gemeinschaft Marken aus, die zur Frankierung von Stückgutsendungen im Eil- und Frachtverkehr dienen sollen. Tie Marken werden demnächst von der Reichsdruckerei ab­geliefert. Die Marken sind wesentlich größer, als die Brief­marken der Reichspost. 28:22 Millimeter groß, werden je 50 Stück auf einem Bogen vereinigt. Die Bogen sind in der üblichen Weise perforiert. Tas Bild der Marke ist red): gefällig und vor allen Dingen sehr zweckmäßig, da der Wert- betrag besonders deutlich zu erkennen ist. In jeder der vier Ecken befindet sich ein Stern. Ein Band läuft ellipsen­förmig um die Mitte der Marke; an dessen unterem Ende lieht man ein geflügeltes Rad. Der Wert der Marke ist in dunkler Schrift, aber von derselben Farbe der Marke in großen Zahlen auf der Mitte des Bildes ausgedrückt. Es werden jetzt neun Sorten hergestellt. Entsprechend dem kleinsten Frachtsätze gehen sie von 30 Pfg., um je 10 Psg. steigend, bis zu 1 Mk. aufwärts. Außerdem werden Marken zu 5 Pfg. zum Ausgleich von Nebengebühren hergestellt. Die Farben der Marken entsprechen denen des Weltpostverein-, nicht. Die Bahnmarken zu 5 Pfg. sind rot, die zu 30 Pfg. grün, die zu 1 Mk. hellgrau usw.

** Tas miserable Petroleum. Man schreibt uns vom Lande:So laute Klagen, wie gegenwärtig, über Die schlechte Beschaffenheit des Petroleums sind wohl noci, nie geführt worden. Riclft nur seine Leuch.kcaft ist niini mal, auch seine Brennkraft ist von so kurzer Dauer, wie nie zuvor. Mit dem Petroleum, das mail vor zehn Jahren hatte, läßt sich das gegenwärtige überhaupt nicht: ver gleichen. Tie Petroleumlampen Huben längst die Leuchtkraft Lcrloren, die sie früher hatten, und doch sind ihre Brennr und ihre Konstruktionen entschieden verbessert. Tie un- tersie Staffel der Minderwertigkeit hat unjireitig das gegenwärtige Steinöl erreicht. Die Flamme brennt nidjt mehr gelb, sondern rötlich. Dabei ist das Petroleum jo leicht verbrennlich, daß man zur Speisung einer ganz gewöhnlichen Stehlampe abends einen Schoppen ft/2 Liter Steinöl verbraucht. Daneben drohen die Lampen zu er löschen, wenn der Oelbehcttter nur ljalb gefüllt ist. Seit her gab man bezüglich der Güte dem amerikanischen Oeli oen Vorzug vor dem russischen. Seit aber die bekannten amerikanischen Oelwagen von Ort zu Ort fahren, ist ein Unterschied genannter Brennöle gar nicht mehr bemerkbar Tieser Minderwcrt des Petroleums hat bereis einen größeren Verbrauch v 0 n Spiritus im Gefolge gehabt; denn der Spttttus ist dieser Tage um drei Pfennig für das Liter im Preise gestiegen Ta aber der Spiritus immerhin noch kein völliger Ersatz für Petroleum sein kann, so sollten sich im Jnterejse Der lVollswirt^chajt die maßgebenden Faktoren darum lümmern, daß der dauernden Verschlechterung des Lichts, hier des Petroleums, endlich mal ein Ziel gesetzt wird." Tiefe Aus,ührungen dürsten in weiteren Kreisen Zu fl-immung finden.

Died en top f, 14. Jan. Es sind bereits beinahe vier Jahrzehnte her, daß unserHinterland" von den: Mutterlande", dem Großherzogtum Hessen, getrennt wurde. Während die; er Zeit haben sich hier und drüben die Verhalruijle und iraarnchen Einrichiungen wejentlich geändert. In vielem ist unser Kreis dem M u 11 e r [ a n b e sehr zurückgeblieben. . Sind doch hier Vevordnungen und Cr.etze noch in Kraft, die im Groß Herzogtum Hessen längst als veraltet und unprallisch bura, neue er.etzt sind; iväyreni) man aber auch hier neuen Bestimmungen lieber nicht gesehen hätte, zum Beispiel bx< Baupolizei Verordnung^. Auch ans dem Gebiete des Schulwesens und insonderheit in der Besoldung der Lehrer steht unser Kreis gegen das Großherz,ogmmHessen sehr zurück. Bezüglich des Höchstgehaltes stehen bit Volk sich ullehrer Hessens an der Spitze der deutschen Staaten. Wird dort die Regierurigvvorlagc durch die zweite Kammer in alter Kürze Ge^tz, woran wohl nicht zu zweijeln ist, so ist der Unterschied in der jvldung der Lehrer ztvischen hier und dort ganz gewaltig. Ein Vergleich beider Stalen zeigt uns: a) Im Krei,e Biedenkopf bei 1030 Mk. Grundgehalt (mehrere Gemeinden haben nur 1000 Mk.): 1.4. Tienstjahr 840 Mk., 5.7. Tienstja.hr 1050 Mk., 8.10. Tienstjahr 1200 Mk., 11.13. Tienüjahr 1350 Mk., 14.16. Tienstjahr 1500 Mk., 17.19. Tienstjahr 1650 Mk., 20.22. Tienpjahr IcOJ Mk., 53.25. Tienstjahr 1950 Mk., 26.28. Tienpjahr 2100 Mk., 29.31. Tienstjahr 2^50 Mk., vom 32. Tiennjcchr 2^00 Mk. b) Im G^oßherzogtum Hessen: 1.3. Tienstiahr 1100 Mk., 4.6. Tienstjahr 1200 Mk., 7.9. Tien,Zahr 14uO Mk., 10.12. Tienstjahr 16oO Mk., 13.15. Tienstjahr 1800 Mk., 16.18. Tienstjahr 2U)J Ml., 19.21. Tien^jahv 2-00 Mk., 22.-24. Tien,Zahr 2-100 Mk., 25.27. Lienj.jahr 2u0ü Mk., vom 28. Tienstjahr 2800 Mi. Taraus ergibt sich, daß der Lehrer im G.opherzogtum Hessen in den ersten vier Tienstjahren schion im ganzen 1140 Mk. mehr einiummt als sein ^mls- bruber im hiesigen Kreise. Im 10. Tienstjahre stellt sich ,eine V-v^utnng dj.i um Aä9r4iaj 400 im 16. Tienstjahr um 500 Mk., im 22. Tien,Fahr um 6l0 Mk. und im 28. Tienstjahre um 700 Mk. höher als hier. Rea;inet man eine Amtsdauer von nur 40 Jahren, so hat der Lehrer dort während Der(eiben 15 890 Mk. mehr eingenommen als hier. Tas ist ein ehrlich erworlums KapAal, mit dem ,ich was an fangen läpt. Tie Lehrer oes Kreises Biedenkopf und insonderheit die darin geborenen sind deshalb in finanzieller Huijicht auch gar nicht so stolz auf ihre Preu- gijuie Untertanigieck. Auch mancher Fatiiilienvaier des Kreises rech.net mit obigen Zahlen; und wir finden daher immer Zögnnge aus dem Kre,.e Budencops in dem Lehrer- jemina^ zu Frcedberg, die niust in oem H.nierlande, jonoern in dessen Multeriaude angeucht sein wo.len.

meine luii. >>en und den

Nachbarstaaten. Der Schornstcinfegermeisler Jimger aus Laasphe versuchte auf den von der Station Feu­

dingen abgehenden Eisenbahnzug Kreuztal-Marburg noch aufzuspringen. Er rutschte ab, wurde überfahren und getötet.

Vermischtes.

Brüssel, 13. Jan. In Namur wurde in der letzten Nacht gegen das Wohnhaus des Oberförsters Masson ein Dynamitattentat verübt. Die Dynamitpatrone explodierte in dem Augenblicke, als Masson das Haus ver­laßen wollte; er wurde schwer verletzt. Der angerichtete Sachschaden ist bedeutend.

* Toulon, 14. Jan. Ein Soldat namens Chretien, die Ordonnanz des Offiziers Trouille, war entlasten, weil er die Gemahlin des Offiziers belästigte. Er benutzte die Abwesenheit des Ofsiziers von seiner Wohnung, um dort­hin zurückzukommen, schlug die Frau nach langem Rümpfe nieder und stürzte sie aus dem Fenster. Die Frau ist tot, der Mörder wurde verhaftet.

Agnes Sorina nnd Adolf von Menzel. Alt» meister Lllenzel hatte der Regie des 9leuen Theaters in Berlin für die Aufführung von ,9)Hnna von Barnhelm" beachtenswerte Angaben in bezug auf stilgerechte Ausstattung gemacht. Die Veranlassung hierzu gab ein Besuch, den Agnes Sorma in Begleitung von Direktor Reinhardt bei Professor v. Menzel machte. Als die beiden das Atelier des Meisters betraten, bot dieser den einzigen vorhandenen Stuhl der Frau Sorma an und entschuldigte sich bei Reinhardt mit den Worten:Mein 2ltelier ist nicht für Besuche eingerichtet, ionbem für Einsamkeit". Dann erläuterte er an der Hand Ehodowieckischer Stiche, die Nlenzel, wie er bemerkte, durch Zufall sehr billig erworben hatte, die Trachten der Frideri- cianischen Zeit. Die Stiche stellte er Frau Sorma zur Ver­fügung, indem erjagte:Vor Wasser und Feuer zu schützen." Frau Sorma fiel das im Atelier hängende unvollendete Bild Der Schlacht bei Leuthen auf und sie konnte die Frage nicht unterdrücken, weshal bder Meister das Gemälde nicht vollende. Ta sagte Rtenzel ernst:Dieses Bild ist ein Torso und wird ein Torso bleiben", lieber das Pudern der Haare und das Tragen von Perücken zur Zeit Friedrichs II. sprach sich der Künstler dahin aus, daß Frauen, die schönes Haar befaßen, es auch damals nur puderten, dagegen Perücken nur bei mzureichendem Haarwuchs als Erjatz Verwendung fanden. Teshalb sollte sich Frau Sorma als Minna von Barnhelm 0 bequem als möglich frisieren und das Haar nur pudern. Denn" so sagte Menzelwenn Sie hübsch aussehen, wird man Ihnen alles glauben. Jammerschade ist es," meinte er schließlich,daß ein so feiner Geist wie Friedrich Der Große Lessing nicht zu ,schmecken' verstand." Menzel ivohnte später einer Generalprobe des Stückes im Neuen Theater bei und machte jedem einzelnen Darsteller genaue Angaben über Maske und Kostüm.

* Aus Dragas Sturm und Drang. Aus Belgrad wird der WienerZeit" geschrieben: In derSchtampa" plaudert eine der unglücklichen Königin Draga nahegestandene Dame über die Verlobung des Königs Aleüander, die sowohl ihm als auch seiner späteren (Satim so viel Unheil brachte. Tue Erzählung dieser Tame ist um so interessanter, als da­raus heroorgehttz daß bei dieser Verlobung der gegenroärrige Seneraladjutant König Peters, Oberst Damjan Popowitjch, nebst dem Bruder der Königin Draga der einzige Zeuge Der Verlobung war. Als sich die ehemalige Witwe Draga Maschin vom Minister Gentschitsch verfolgt sah, flüchtete sie zu einer Tante und ließ in ihrer Wohnung ihren Briider Nikodim Lunjewitza zurück, dem sie auftrug, ihren Aufenthalt nie­manden zu verraten. Eines Tages kam König Alexander, begleitet von seinem Adjutanten Damjan Popoivitsch, in die Wohnung Dragas.Grüß' Gott, Schwager"" rief er dem nicht wenig überraschten Leutnant Lunjewitza zu und fügte gleich hinzu:Wo i|t Draga?" Als Rlkodim antwortete, er wisse nicht, wo sich seine Schwester befinde, untersuchte Alexander, unterstützt von seinem Adjutanten, das ganze Haus und sah selbst unter den Möbeln nach, ob Draga nicht Dort jeriteeft sei. Tas Suchen blieb jedoch ohne Erfolg, worauf Der König sich in Positur stellte und Stitodim zurtef:Jetzt befehle ich Tir als Dein König, mir zu sagen, wo Deine Schwester ist." Lunjewitza salutierte stramm und criüiDertc: Zu Befehl, Majestät, sie ist zur Tante geflüchtet." Auf Befehl des Königs bestieg Nikodim Die vor dem Hause ivartende Hofegnipage und holte seine Schwester ab. 5115 Traga bald1 darauf kam, hielt König Alexander in aller Form um ihre Hand an. Traga weigerte sich lange, die Braut des Königs zu werden, willigte aber schließlich ein, worauf Tamjan Popowllsch Die milgebrachten VerlobiingS- ringc Dem Brautpaar übergab.

Woher kommt das WortHagestolz"? In dem kurz vor dem Weihnachtsfeste erschienenen, von uns bereits wicDerholt erwähnten schönen Buche Des Gießener Univ.-Prof. Dr. L. Günther,Deutsche Siechts- altertümerinunsererheutigendeutschen Sprache" (F/ W. Grünow in Leipzig) roirD ausgeführt, daß das Wort keineswegs nutstolz" in Verbindung gebracht werden Darf. Vielmehr ist es abzuleiten oom althochdeutschenHag", Hag, d. h. umzäunter Grundbesitz, undstatt" (uom gotischen ftalDan bestallen, besitzen), bedeutete also so viel ivie Hagbesitzer". Besitzer eines wenig wertvollen Gutes. Ein solches wurde nach uralter, bet Den Bauern noch heute vielfach geltender Sitte häufig Den jüngeren Söhnen einer Familie gegeben, die Dann auch noch in einem 'Abhängig­keitsverhältnis zu Dem durch Den Besitz des Haupt Hofes (Herrenhofes) begünstigten ältesten Bruder standen und in der Regel unverheiratet blieben. Wegen dieses letzteren Umstandes wurde Dann der Ausdruck Hagestolz schon im frühen Mittel­alter schlechthin für die Unverheirateten gebraucht.

Berliner Theaterbauten. Taß Berlin immer wieder eine theaterbaulustige Stadt ist uno daß für einen Tempel Thalias sich hier immer Geld und Kräfte jinben, ist ein 3a$, den die neuere Gejchichte unserer Hauptstadt durchaus bestätigt. Jetzt wird am ^embergsweg ein neues großes Nativnaltyeater gebaut. Ter Wein­bergsweg T|i eine Straße des allen Berlins, die am Roscit- thaler Tor beginnt und -ick nach Rordosteu hinauf erureett Sehr günstige Aspekten würde man nach heutigen Begriffen einer Theaiergrundung in solcher Gegend nicht stellen, doch ist es nicht ausgeschlossen, daß der Erfolg eines anderen belehrt. Cs hat.mUch an dieser Stelle schon einmal