Ausgabe 
14.11.1904 Viertes Blatt
 
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licke £a<r zu beraten Geh. Rat Professor Tr. Wack (Leipzigs und 6)eiterulinpei'intenbeiit D. Safran (Miel) batten die einleitenden! Referate übernommen. Es wurde beschlossen, zu fortgesetzter Ar- beirSgemeinschast eine F r eie d c u t f d) e e v angeli sch e K o n* ter en 3 s u gründen, die eine Sammlung, B er stän­dig ung und Einigung der zurzeit noch auseinandergehen­den e v a n gelt s d) c n Gr u p p e it anbahnen will, um die be­drohten evangelischen Gesamtinteressen des deutschen oVlks zu schützen. Tie Verhandlungen verheizen eine wirksame Aktion zum Schutz, der dedroluen Hoden Güter der Reformation.

parlamentarisches aus Kesten.

Die Grvßb. Regierung hat auf Anfvaae des 4. Aus­schusses erwidert, daß sie betreffs des Antrags des Abg. Stapler geneigt ist, die Rückerstattung des von der Ge­meinde Frisch dorn für die nachträgliche Anlegung des Haltepunktes gezahlten Beitrages aus deut Reudau- sonds der Linie LauterbachGrebenhainCrainfeld zu ver­anlassen, sobald feststeht, daß dieser Fonds die erforder­lichen Mittel bietet.

Der 4. Ausschuß beantragt abermals: 1. den Antrag des Mg. Leun detr. die Gebühren für die Fortführung der bisherigen Grund b cl) er in der vorliegenden Form abzulehnen; 2. an die Großh. Regierung das Ersuchen zu richten, die in der Verordnung von: 18. Dezember 1874 sestgelegten Gebühren tz e wiede r herzu stelle n.

Der Antrag der Abgg. Weidner und Genossen, betr. die Benutzung der abgabejreien Waffenpässe durch Förster bei Privatjagden fand die Zustimmung des 4. Ausschusses.

Den Antrag des Mg. Erk, die Berwaltungsämter zu ersuchen, bei Mitteilungen der Ortspolizcibehvrden in Fällen, wo Mißstände in Bezug auf Sonntagsruhe und Rachtarbeit in Mühlen vori'omnren, die Gewerbeinspeh- toren anzuweisen, eine gewisse Milde walten zu lassen, bittet der 4. Ausschuß m geeignet scheinender Weise in Berücksichtigung zu ziehen.

Aus Stadt und Sand.

Gießen, 14. Woücmbcr 1904.

* Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Hauptmann k la suite der Infanterie Frei Herrn Schenk zu Schweinsberg, unter Belastung in diesem Verhältnis, zum Major ernannt. Am 14. Oktober d. Js. wurde der Bahnwärter in der Hcst.-Prcußijchen Eiscnbahngemeinschaft Trautmann zu Pfungstadt auf sein Nachjuchen in den Ruhestand versetzt.

** Wählerpflichten. Morgen finden die Stadt- o er ordn etenw a hl en statt. Nach der lebhaften Agitation, die in zahlreichen Versammlungen ihren Ausdruck fand und im Inseratenteil unseres Blattes sich wiederspiegelt, darf man wohl die Teilnah ml osigkeit der Wähler kaum be­fürchten. Es ist ja nicht jedermanns Sache, sich in das politische Leben zu mischen, aber Politik hat mit den städti­schen Dingen nichts zu tun, oder sollte doch ganz aus­geschieden werden, und darum kann man annehmen, daß auch polnisch Gleichgiltige ihrer städtischen Wahlpflicht genügen werden. Daß sich einzelne Vereine den Luxus eigener

Kandidaten gestattet haben, ist bedauerlich. Die Einigkeit der bürgerlichen Elemente gegenüber der Sozialdemo­kratie wäre viel richtiger gewesen. Geschlossenheit dem Gegner gegenüber ist die Hauptbedingung für den Sieg. Darum empfehlen wir noch in letzter Stunde, alle Ex­perimente bei Seite zu lassen und nur die bürger­lichen Kandidaten zu wählen.

* * Philipp 8 ged ächtnis münz en. Man teilt uns mit, daß die Großh. Bezirkskassen in den nächsten Tagen mit einem a ngcmesse n e n Vorrat der Gedächtnismünzen in Stücken zu 5 Mk. und 2 Mk., welche zur Erinnerung an die 400fie Wiederkehr des Geburtstages Philipps des Groß­mütigen geprägt sind, versehen werden und ermächtigt sind, die Münzen auf Wunsch gegen Ersatz abzugeben.

L. U. Promotionen. Im Monat Oktober wurden an der Landes-Universität promoviert:

Zum Dr. ni e d.:

Konrad Wischers, approb. Arzt Amandus Menche,

Max Plaut,

Z'"n Dr. med. vet.: Bruno Riegel, approb. Tierarzt

Adolf Sta die, ,,

Paul Hczel,

HanS Bohtz,

aus Niederntudorf, Frankenberg, Gießen.

aus Stettin,

Altenburg, y Cannstatt, Lützlow.

Zum Dr. pliil.: Rudolf Dclkeskamp,

Cand. rer. nat. aus Frankfurt a. M.,

Assistent am mineralog. Institut dahier,

Eilhard M i t s ch er li ch , Cand. eh em. aus Münden, Otto Weide, Lchramtsakzessist aus Butzbach, Fritz Loos, Oberlehrer aus Gießen.

** Ein zweiter Gustav Nagel in Mainz. Großes Aussehen und einen noch größeren Auflauf erregte auf dem Fraucnlobplatz in Mainz ein richtiger Naturmensch. Er trug ein bis zu den Knien reichendes, weit ausgeschnittenes Hemd von rosenroter Farbe und hatte die Lenden mit einem Strick umgürtet. Sein von blonden Locken umwalltes Haupt schmückte cm Myrthenkranz und in seiner Faust hielt er einen Stock, der größer war, als er selbst. Die Spitze des Stockes bildete auf einer kleinen Kugel ein goldenes Kreuz. Durch das Loch in einem großen grauen Stück Tuch hatte der sonderbare Heilige den Kops gesteckt und nannte das Ganze mit schlichter Bescheidenheit seinen Mante-l. Ebenso bescheiden wie der Mann war sein Gepäck, das nur aus einem Brotbeutel bestand. Die Polizei mußte ihn von der neugierigen Menge befreien und ließ ihn später nach einem Verhör auf dem sechsten Polizeibezirk wieder lausen. Der Mann heißt Jammach, ist 32 Jahre alt und stammt aus Frankjurt a. d. O. Er wandert durch ganz Deutschland.

Darmstadt, 12. Nov. Durch den kürzlich erfolgten

EinigungSbeschluß des Generalverbande8 länd­licher Gen ojsen sch a st en für Deutschland in Neuwied und des Reichsv er b and e§ der deutschen landwirt-

schastlichen Genossenschaften mit dem Sitz Darm­stadt werden 40 genossenschaftliche Landes- und Provinzial­verbände mit im ganzen IG 000 Genossenschaften, welche zu­sammen etiva 1200 000 Mitglieder umfassen, üu Rahmen eines Neichsverbandes zu einem einheitlichen großen genossen­schaftlichen Gemeinwesen zusammengeschlossen.

* * Wetzlar, 12. Nov. Nach der am 27. Okk. d, JZ. vorgenommenen PersonenstandSanfnahme betrug die Ein­wohnerzahl der Stadt Wetzlar einschließlich Wetzlar- Niedergirmes 11676 Personen. Die K reisassistenz. arztstelle in Wetzlar ist eingezogen worden.

(Kcrchlssaal.

Berlin, 12. Nov. Zum streiten Male wurde ein Fabrikant aus Mannheim verurteilt, der vor längerer Zeit vor der 10. Straf­kammer in Moabit stand. Veranlassung zu dem Verfahren gab dar unter eigenartigen Verhältnissen eingetretene Tod einer Prostituierten. Ter Fabrikant hatte biejc mit einer Hut­nadel verletzt. Das kam erst zur Kenntnis der Behörde, als die Leiche schon beerdigt war. Diese wurde daraufhin wieder auSgegraben und gerichtsärztlich geöffnet. Obwohl ein ursäch­licher Zusammenhang zwischen den Verletzungen und dem Tode nicht nacygewiesen wurde, kam die 10. Strafkammer auf Grund der Beweisaufnahme doch dahin, den Beschuldigten zu einem M oual Gefängnis zu verurteilen. Gegen dieses Urteil legte der Fabrikant Revision ein und es wurde daraufhin wegen eines Formfehlers auch aufgehoben. Am Tonnerstag beschäftigte sich die 10. Strafkammer abermals mit der Angetegenhest. Zu her Verhandlung war diesmal eine Reihe von ärztlichen Sachverstän- digcu aufgeboten worden und dem Angeklagten standen bedeutende hiesige und auswärtige Anwälte zur Seite. Ein Fachgelehrter aus Leipzig, der den Angetlagten länger beobachtet hat, begut­achtet, daß er zwar nicht ganz norme0 aber zurzeit der Tat doch zurechnungsfähig gewesen sei. Tas Gericht kam zu demselben Urteil wie bei der ersten Verhandlung.

Kiel, 12. Nov. Oberleutnant Frhr. v. Gagern, Kommandant des TorpedobootesS 98" wurde von der An­klage der fahrlässigen Herbeiführung des Zu - s a m m e n st oßes mit dem KüstenpanzerOdin" im Hafen von Lerwick in den Sherlandsinfeln und der Anklage erheblicher Be­schädigung des Torpedobootes die Reparatur kostete 26 000 Mark vom Kriegsgericht freigesprochen.

G l o g a u , 12. Nov. Tas Kriegsgericht verurteilte den Land» rat des Preises Löwen, v. Loefer, iucgeit Tuellforder- ung auf tödliche AZafsen zu zwei Tagen Festungshaft. Am 20. O Hübet hatte ihm der K r e i s b a u m e i st e r Becker bei einer dienstlichen Aussprache eine Ohrfeige versetzt, worauf eine Pistolensorderung erfolgte. Tcr Landrat wurde vom Amt nicht suspendiert und beantragte Tisziplinaruntersuchung gegen sich, welche die Regierung ablehnte, während sie dagegen Jein Versetzungsgesuch befürwortete. Die Tuellforderung beschäftigt jetzt, da der Landrat auch Reserveoffizier ist, den Ehrenrat.

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