«Nrafvollzugs ist unbebtngt notwendig, die Resolution aber schasst nur neues gedrucktes Papier und deswegen lehnen wir sie ab.
Abg. Werner (Süntif.): Der Staatssekretär ist sehr liebenswürdig gewesen, uns zum Besuche der Gefängnisse einzuladen. Ich glaube, ein vorübergehender Besuch nützt sehr wenig. Um die Gefängniffe kennen zu lernen, muff man sich längere Zeit in ihnen aufhalten. (Heiterkeit.) Wir sind ja einig, daß eine Reform des Strafvollzugs nötig ist. Die Resolution halten auch wir für überflüssig. Wir werden sie ablehnen.
Mg. Thiele (Soz.) polemisiert gegen den Abg. Mugdan. Herr Gradnauer habe für alle seine Behauptungen den aktenmäffigen Beweis angetreten. In der sozialdemokratischen Partei säßen Viel- Redakteure, die die Gefängnisse aus eigener Anschauung kennen gelernt hätten. — Redner kommt sodann eingehend auf seine vom Landgericht Halle verfügte Vorführung, die er als ungesetzlich und der Immunität der Abgeordneten widerstreitens charakterisiert.
Abg. Fröhlich (wirtschaft!. Vergg.): Auch wir sind der Meinung, daß in unseren Gefängnissen Humanität und christliche Nächstenliebe nicht außer ackt gelassen werden dürfen, wir haben aber das Vertrauen zu unseren Behörden, daß sie hierin ihre Schuldigkeit tun. Redner klagt über die Verschleppung des Prozesses Gehlsen. Gehlsen mache der Regierung den Vorwurf der Rechts- verwergerung und Rechtsbeugung?
Abg. Dr. Gradnaucr: Ich fürchte, daß die Haltung, die die Mehrheft des Hauses heute einnimmt, nicht günstig auf die Verbesserung des Strafvollzugs wirken wird. Der Staatssekretär sollte sich einmal einsperren lassen, um wahrheitsgetreue Studien zu machen (Lachen), tote es in unseren Gefängnissen zugeht. Strafantrag hat man wegen der Veröffentlichungen über Plötzensee gegen Dutzende von Redakteuren gestellt. Eine loyale Verwaltung und eine politisch anständige Regierung würde statt dessen ihre Organe antoeiscn, für Abhilfe zu sorgen. Nichts ist geschehen. So sucht man heute schwere Uebelstände zu verdecken. Das ist ein unwürdiges Verfahren seitens der Regierung. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.)
Präsident Graf Ballestrem: Ich setze voraus, daß der Redner tiicht die Reichsregierung oder eine Bundesregierung bei der letzten Aeußerung gemeint hat, sonst müßte ich einschreiten.
Dr. Gradnauer (fortfahrend): Die Akten sind nicht enttoenbct worden und haben sich diejenigen, die diese Zustände an die Oeffcnt- lichkeit gezogen, ein großes Verdienst erworben. Nun komme ich zu Herrn Dr. Mugdan. Was ist das für ein Liberalismus, den er heute bekundet hat! Herr Mugdan muß sich ja schämen vor dem Abgeordneten Lueas, über dessen Rede ich mich gefreut habe. Und was hat Dr. Mugdan bewiesen? Mchts; es war ihm nur darum zu tun, mit möglichst plumpen Worten gegen die Sozialdemokraten zu Felde Hu ziehen. (Sehr richtig! bei den Soz.) Der Staatssekretär war vtel ruhiger und sachlicher als der freisinnige Volksmann. (Lebhafte Zustimmung bei den Soz.)
Staatssekretär Dr. Nicbcrding bleibt bei seiner Behauptung stehen, daß die von Herrn Leuff bei der Staatsanwaltschaft anhängig gemachten Fälle zu einem Einschreiten gegen die Behörden und Aerzte keinen Anlaß gegeben häften.
Abg. Stadthagen (Soz., erhält um 6^ Uhr das Wort, wird mit Ausrufen des Entsetzens empfangen und wendet sich gegen den Abg. Mugdan): Wer hat Akten entwendet? Dos Strafverfahren gegen den Mann ist eingestellt. Wer bat aber die Akten entwendet, die Herr Dr. Mugdan eingesehen hat? Oder hat er seine Behauptungen ans der blauen Luft gegriffen? Ein dreifaches Pfui gebühre der Behauptung des Abg. Mugdan, daß die Sache nur vorgebracht sei, um für die Sozialdemokratie Reklame zu machen.
Abg. Dr. Mugdan (frs. Vp.): Herr Stadthagen behauptet, ich hätte zu Unrecht den Sozialdemokraten den Vorwurf gemacht, daß der Gefangene die Aktenstücke entwendet hat. Ich weiß nicht, tote ich denjenigen nennen soll, der Aktenstücke aus dem Schrank cnttoenbet, sie abschreibt, wieder zurücklegt und dann die Abschrift der Presse gibt. Ich nenne das entwenden (Beifall.) Eine anständige Presse, der so etwas zugeht, hat festzustellen: ist das wahr, was mir zugetragen wird? Wird mir etwas von einem Gefangenen zugetragen, der unberechtigt in den Besitz der Akteit gekommen ist, so habe ich doppelt vorsichtig zu sein. (Zustimmung.^ Die Herren fragen mich, woher ich das Material habe. Ich habe es nicht gestohlen, auch nicht entwendet. Ich habe es von denjenigen Quellen, die am besten informiert sind.
Daß mein Material gut ist, zeigt Ihre Aufregung. (Widerspruch.) Sie, d. h. Ihre Presse, haben anständige Leute ohne Unterlage verleumdet, das ist eine der größten Gemeinheiten. (Großer Lärm bei den Sozialdemokraten.) Ich kämpfe für die Freiheit der Presse. Vorbedingung ist, daß die Presse ihre Freiheit nicht mißbraucht. (Großer, lang anhaltender Lärm.) Das sagen alle Reaktionäre). Gerade weil ich als liberaler Mann für die Freiheit der Presse eintrete, verlange ich, daß die Presse ihre Freiheft nicht mißbraucht heute gegen einen Abgeordneten, morgen gegen einen Regierungsbeamten, übermorgen gegen einen Arzt. Gerade dieser Mißbrauch gefährdet die Freiheit der Presse. (Lachen bei den Sozialdem.) Die Sozialdemokraten haben heute eine vollständige Niederlage erlitten. Ich meine, die Mißstände, die in der sozialdemokratischen Presse aufgedeckt sind, find entweqer nicht vorhanden oder ungeheuer übertrieben. ^Lebhafter Beifall; Zuruf: Sie werden Ehrenmitglied der Reichsparteil) Sie beziehen sich sonst immer auf das Ausland. Warum tun Sie das nicht heut? Sie wissen ebenso gut wie ich, &aB der Strafvollzug bei uns viel humaner ist als in England, Frankreich, Oesterreich. Deshalb kommen Sie nicht mit dem Ausland.
Was würden Sie dazu sagen, wenn ich behaupte: Die vielen Diebstähle, die Unzuchtsverbrechen, die von Arbeitern begangen toerben, typisch feien für die Arbeiterklasse. Sie würden mich blödsinnig nennen; und mit Recht. Sie aber behaupten stets, wenn ein Bürgerlicher sich eine strafbare Handlung zu schulden kommen läßt: das ist typisch für die bürgerliche Gesellschaft. Sie wollen, dabei bleibe ich, mit allen diesen Resolutionen nur agitieren, (^ebHafter Lärm bei den Sozialdemokraten.) Sie wollen nicht oziale Schäden heilen, int Gegenteil, Sie tragen am meisten zur Verschärfung der sozialen Zustände bei. Ich hoffe, daß Ihnen die heutige Abfuhr nützlich fein wird. (Lebhafter Beifall auf allen Seiten; Lärm bei den Sozialdemokraten.)
Abg. Dr. Gradnaucr (Soz ): Wir bleiben dabei, daß tot uns mtt der heutigen Besprechung ein Verdienst ertoorbei haben. Der Mann, von dem der „Vorwärts" sein 2)?itteilungen erhalten hat, hat die Akten nicht entwendet, er hat sie nur bearbeitet im Auftrage der Verwaltung und hat sich Bemerkungen gemacht. Ich schätze viele tüchtige Männer des Bürgertums ; aber ich bebaure das Bürgertum um solche liberalen Männer wie Dr. Mugdan.
Abg. Stadthagen (Soz.): Was Herr Dr. Mugdan als Ge» metnheit auf unserer Seite bezeichnet hat, trifft auf seine Ausführungen zu.
Präsident Gras Ballcstrcm: Und ich rufe Sie wegen diese? Ausdrucks zur Ordnung. (Beifall.)
Abg. Stadthagen (Soz.) fortsahrend: Deutlicher konnte ich mich nicht ausbrücken. (Heiterkeit.)
Abg. Dr. Mugdan (fr. 93g.): Ich habe mein Material weder von den Beamten noch von der Gefängnisverwaltung. Von wem ich es habe, ist ja gleicbgiltig I (Großer Lärm bei den Soz.) Sie werden mir doch zugeben, baff ich, wenn Aerzte angegriffen finb nach den tatsächlichen Verhältnissen mich erkundige.
Damit schließt die Debatte.
Die Resolution Auer wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und des Abg. v. Gerlach abgelehnt.
Der I u st i ze t a t wird bewilligt, ebenso der E t a t d er Reichseisenbahnen, der Expedition nach Ostasicn, die Tabak- und Zucker st euer.
Das Etatsgesetz wird gleichfalls angenommen mit dem vom Abg. Dr. Spahn (Ztr.) beantragten Antrag: „Insoweit die von den Bundesstaaten aufzubringenden Matrikularbeiträge für das Rechnungsjahr 1904 den Betrag von 219 650 000 Mk. übersteigen, wird der Reichskanzler ermächtigt, deren Erhebung vorerst für dieses Rechnungsjahr auszusetzen, bis der zur Deckung des Bedarfs für dasselbe nach den wirklichen Ergebnissen des Reichshaushalts erforderliche Betrag sestgestellt ist. (Das heißt: die Erhebung der vom Reichstag mehrbeschlossenen 17^ Millionen Matrikularbeiträge wird so lange ausgesetzt, bis die Notwendigkeit ihrer Erhebung eintritt.)
Staatssekretär Frhr. v. Stengel hatte vorher im Namen der verbündeten Regierungen sein Einverständnis mit dem Antrag e rllärt, ebenso die Abgg. Frhr. o. Richthofen (kons.) und Dr. Sattler (nl.).
In der G e s a m t a b st i m m u n g wird der Etat nebst Etatsgesetz definitiv gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen.
Damit ist die dritte Lesung des Etats beendet.
Daraus vertagt sich das Haus auf Sonnabend 1 Uhr: Rechnungssachen, Resolutionen zum Etat und Gesetz-Entwurf über Entlastung des Reichsgerichts.
Schluß 8 Uhr.
Ts wird hiermit LÜL«
p"£» Hafer M. Ib.60, Gießen» den 1 Großherzl
In letzter Zeit si Men und Singen bracht worden.
Wir verfehlen n« durch eine Belästigung strasung nach Maßga einzutreten hat.
Die Schutzmanns Anzeige zu erheben.
Gießen, den V Großherzo-
Are FLeichstagserfahwahl in Ilrar.Ksurt a. H.-Lebus.
Frankfurt a. O., 13. Mai. Bisher erhielt Basser- ,mann (ntl.) 11918, Jagwitz (Bd. d. Sb.) 2896, Dr. Braun (Soz.) 11416 Stimmen. Es fehlen noch einige Ortschaften, doch ist Stichwahl zwischen Bassermann und Maun sicher. Die Stichwahl erfolgt am 20. Mai. (Bei den letzten Wahlen erhielten in der Hauptwahl die Sozialdemokraten 12 817, die Konservativen 8268 und die National- liberalen 7025 St. In der Stichwahl wurden 14 685 sozialdemokratische und 14 204 konservative Stimmen ab- gegeben.)
parlamentarisches.
Berlin, 13. Mai. Die Börsenkornntission des Reichstages setzte die Beratung über den 9(ntrag betreffend die Zulassung desBörsenterminhandels in Anteilen von Bergwerks- und Fabrikunternehmen fort. Reichs- bankpräsident Dr. Koch und der Staatskommissar her Berliner Börse Hemptermacher empfahlen, das Verbot des Termin- Handels fallen zu lassen. Handelsminister M ö l l e r gab die schädlichen Wirkungen des Terminverbots zu. Sie erschienen aber den verbündeten Regierungen nicht so groß, daß heute schon eine Beseitigung des Verbots notwendig wäre. Der Antrag auf Zulassung des Terminhandels in Anteilen von Bergwerks- und Fabrikunternehmungen wurde schließlich mit sehr großer Mehrheit a b gelehnt.
Berlin, 13. Mai. Im Herrenhause wurde heute die Generaldebatte über den Etat abgeschlossen und dann in die Spezial - Beratung des Sandwirtschafts! - Etats eingetreten. — Im Abgeordnetenhause wurde ein Antrag auf Einführung der fakultativen Feuerbestattung abgelehnt. Alsdann wurde ein Antrag Zedlitz aus Vorlegung eines Gesetzentwurfes über die Schulunterhaltung s- pflicht beraten und zum Teil angenommen, zum Teil an die Unterrichtskommission überwiesen.
— Die Budget-Kommission des Reichstages setzte heute die Beratung über die Bahn von Dar-es-Salaam nach M r o g o r o aus, um neues Material von der Regierung einzufordern.
— Im Abgeordnetenhaufe ist eine Verständigung zwischen den Nationalliberalen und den beiden konservativen Parteien über die Regelung der Schul-Unterhaltungsfrage erzielt worden.
Der Aufstand in Aeulsch-SüdrveftafriLa.
Man meldet aus Windhuk: Nach Meldungen des Oberleutnants Volk mann hatte dieser Offizier am 28. April mit 10 Reitern einGefecht 10 Km. öftlia) von Okan- auinde gegen zersprengte Hererohaufen, von welchen 31 Rebellen fielen. Auf deutscher Seite wurde der Kriegs- Freiwillige Schlemka aus Hygendorf bei Bütow in Pommern durch einen Schuß in die linke Lunge getötet.
Die „Norddeutsch^ meldet offiziös: Auf eine Anfrage an den Gouverneur S e u t w e i n wegen der ihm in einem Zeitungstelegramme aus Windhuk zu geschrieben en 2lb- sicht, bei dem Eintreffen des Gneralleutnants v. Trotha nach Deutschland zurückzukehren, erklärt Gouverneur Leutwein in einer hier eingegangenen dienstlichen Meld-- ung, er habe keine Aeußerung über die Absicht seiner Rückkehr nach Deutschland getan; er werde das in ihn gesetzte Vertrauen auch fernerhin zu rechtfertigen suchen und v. Trotha redlich zur Seite stehen.
Zum Chef des Stabes für Generalleutnant v. Trotha ist Oberst Deimling-Mülhausen vom Infanterie- Regiment Nr. 112 ernannt worden.
Für den nächsten Truppentransport nach Deutsch-Süd- westafrika ist der zur Hamburg-Amerika-Sinie gehörige Dampfer „Montevideo" seitens der Wörmann-Linie gechartert worden. — Die (auch vom offiziösen Wolsfschen T.-B. verbreitete Behauptung, daß PrinzJoachim Albrecht, der zweite Sohn des Prinzregenten von Braunschweig, nach Südwestasrika hinausgehen werde, entbehrt, Privatmeldungen zufolge, der Begründung.
Die Hilfeleistung der deutschen Kolonial-Gesell- föaft für die deutschen Ansiedler in Südwestasrika hat
das '.weite Hunderttausend überschritten, indem auf den vom Präsidium und Ausschuß erlassenen Aufruf hin bis zum 10. Mai 200 244 Mk. bei der Hauptkasse der Gesellschaft in bar eingegangen sind.
Der Krieg zwischen Japan und Kußland.
Ein japanisches Torpedoboot vernichtet.
Tokio, 13. Mai. Ein japanisches Torpedoboot wurde gestern beim Aufnehmen von Minen in der Kerrbucht nördlich von Talienwan vernichtet. Verlust: 7 Mann tot und 7 verwundet. Es ist dies das erste Kriegsschiff, das Japan in diesem Kriege verloren hat.
Die Landungen der Japaner.
Söul, 13. Mai. (Reuter.) Eine 70000 Mann starke japanische Armee verließ am 4. Mai Tschemulpo auf 83 dichtbesetzten Transportschiffen; auf einem waren nicht weniger als 3800 Mann untergebracht. Nur eine Divifton wurde auf der Halbinsel St a u tun g gelandet, die übrigen Truppen wurden bei Takuschan ausgeschifft. Die Japaner errichteten die Basis für die Operationen ihrer Flotte in Port Sazareff und schützten die Hafeneinfahrt durch Minen. Das russische Geschwader inWladiwostokist dort sozusagen ein g e sp er rt. Der Hafen wird beständig von einer Flotte japanischer Späh- schisfe im Auge behalten.
Der Vormarsch der Japaner.
Petersburg, 13. Mai. Gin Telegramm des Generals Kuropatkin an den Kaiser lautet: Die Japaner begannen bei Tagesanbruch des 11. Mai aus Föng- wangtscheng auf der großen nach Siaujang führenden Straße vorzurücken. In ihrer Vorhut marschierten nach dem Dorfe Seludjan, 15 Werst nordwestlich von Föngwang- tscheng, ein Regiment Infanterie mit vier Geschützen und ein Regiment Kavallerie. In Seludjan befand sich in einem Hinterhalt eine kleine Kosakenabteilung. Der Tschansialin- Paß, anderthalb Werst nördlich von Seludjan, wurde von zwei Sotnien besetzt gehalten. Unter Umgehung des rechten russischen Flügels rückten zwei japanische Kompagnien auf Tschandrialin, eine Kompagnie auf Seludjan vor. Die Kosaken wurden bei Tschandrialin so lange aufgehalten, bis die Schützenketten des Feindes den Paß erklommen hatten und den rechten Flügel bedrohten. Dann zogen sie sich zurück, indem sie den Feind durch ihr Feuer aufhielten, anfangs auf den Paß Wafantun, 6 Werst nördlich von Seludjan, sodann auf den Paß beim Dorfe Tschumynsa, 12 Werst nördlich von Seludjan, wo sie Stellung nahmen. In diesen Kämpfen wurde der Chef der einen Sotnie, v. Wahl, verwundet, 2 Kosaken getötet. Am 10. Mai wurde Kuardiansan vom Gegner geräumt und von Kosaken besetzt. Durch Rekognoszierungen wurde festgestellt, daß sich im Tale des Flusses Zache, 50 Wlerst südwestlich von Saidmadso, keine Japaner befinden. Am 9. und 10. Mai ivurden Biwaks des Gegners bemerkt im Tale des Flusses Unsianhe, eines Nebenflusses des Tagangho, bei dem Dorfe Taindoa, etwa 25 Werst östlich von Siuian und bei Sed- sechage bei der Mündung des Sedsyche in den Tajangho. Am Morgen des 10. Mai rückte eine gegen 10000 Mann Infanterie starke japanische Abteilung mit 50 bis 80 Geschützen, hauptsächlich Gebirgsgeschützen, die in Salidsaipudsa vereinigt war, in der Richtung auf Siuian vor. Tschantaidsky an der Küste, 25 Werst west- lich von Tahuschan, und Tahuschan sind von den Japanern besetzt. Ihre Streifwachen zeigten sich am 11. Mai etwa 15 Werst südlich von Siuian. Im Gebiete von Neu- tschwang herrschte am 11. Mai Ruhe.
Ans Stadl und Land.
Gießen, den 14. Mai 1904.
•* Personalien. Se. K. H. der Großherzog haben den Schulinspektor an der Volksschule zu Worms, Heinrich Scherer, zum Kreisschulinspektor bei der Kreis- schulkommission Büdingen ernannt. — Se. Kal. Hob. der
Großherzog haben am 4. Mai ds. Js. den evangelischen Pfarrer August Prätorius zu Blofeld auf fein Nachsuchen von der ihm übertragenen Pfarrstelle zu Groß-Felda, Dek. Alsfeld, wieder enthoben. — Se. Kgl. Hoh. der Großherzo g haben den Koprad Willig aus Dienheim, Kreis Oppenheim, zum Winzer an der Wein- und Obstbauschule zu Oppenheim ernannt.
** Das Programm des „Nationalen Gesangwettstreits", der immer näher rückt und am Pfingst- seste unserer Stabt sein Gepräge geben wirb, soll sich nach folgendem Programm abspielen: Am Samstag den 21. Mai findet abends uiim 8 Uhr ein Gröffnungskommers mit Konzert und Gesangs Vorträgen statt. Am Sonntag abenb werden die Gesamtchöre der vereinigten Gießener Gesangvereine zur Aufführung gelangen. Am Hauptfesttage, Montag den 23. Mai, geht schon um 6 Uhr ein Weckruf durch die Stadt, um 10 Uhr nimmt alsdann bas Klassen- singen im Gesellschaftsverein, Caf6 Leib und Steins Garten seinen Anfang. Der große Festzug orbnet sich um 1 Uhr am Walltor, um sich bann durch eine Reihe von Straßen nach dem Festplatz zu bewegen. Dort werben die Ergebnisse des Klassensingens verkündet. Am Nachmittag um 4 Uhr werden dann die obsiegenden Vereine zu dem Ghrenpreis- singen in den genannten Sokalen zusammentreten. Währenddessen ist auf dem Festplatz Konzert, Vol^belustigung und Tanz. Für den Abend ist wiederum ein großes Konzert vorgesehen, sowie Gesangsvorträge und die Preisverteilung in der Festhalle. Am Dienstag wird von 10 Uhr an ein Frühkonzert stattfinden, nachmittags großes Konzert, Tanz, Volksbelustigungen und abends 8 Uhr turnerische Aufführungen. Ein großes Brillantfeuerwerk auf dem Festplatz schließt das Fest ab. Der Juxplatz, der an der Sahn auf dem früher Kröllschen Lagerplatz (jenseits des Eisenbahn-Viadukts) vorgesehen ist, wird Ueberraschungen aller Art bieten. Die hiesige ganze Regimentskapelle wird den instrumentalen Teil des Festes unter Sei tun g des Musikdirektors Krauße übernehmen. Es mag besonders darauf hingewiesen sein, daß man vorteilhafterweise sich vor dem Feste mit Eintrittskarten versieht, da im Vorverkauf billigere Preise angesetzt finb.
Arbeiterbewegung.
Berlin, 13. Mai. Der Bäckerftreik soll nach Meld- ungen aus bem Sager der Streikenden für die Gesellen sehr g u n st i g stehen. Die Zahl der bewilligenden Bäckermeister soll heute nachmittag etwa 1000 und die der Gesellen, die nur zu den geforderten Bedingungen arbeiten wollen, 2300 betragen haben. Wie nunmehr feststeht, sind am Dienstag 2500 Gesellen in den Streik getreten. Ihnen folgten am Mittwoch und Donnerstag noch 700; demnach würde die Zahl der vorläufig arbeftslos b liebenden nur noch 900 betragen. — Das ist die Folge des Boykotts, der über die nichtbewilligenden Meister verhängt worden ist und von dem die Bevölkerung durch Flugblätter verständigt wurde. Ter Boykott hat namentlich in den Arbeitervierteln gewirkt und zahlreiche Meister, die mit Hilfspersonal arbeiteten, umgestimmt. Auch die zureisenden Gesellen sind nur zum Teil eingetroffen, da sie vielfach imterwegs schon zur Umkehr veranlaßt wurden. Wegen Verbreitung der zum Boykott auffordernden Flugblätter sind die Jnnungsvorstände bei der Polizei vorstellig geworden. Mit welchem Erfolg, ist unbekannt. Einige Flugblatt Verteiler sind verhaftet worden. Die Meisterschaft, die bisher noch nicht bewilligt hat, wird ihr Verhalten von dem Ausfall der Versammlung abhängig machen, die zum Montag einberufen ist.
Kerichtssaal.
Leipzig, 13. Mai. Das Reichsgericht verwarf die Rc- Vision der Redakteure Leid und Kaliski vom „V o r w 5 r t s", die am 8. Januar vom Landgericht I Berlin wegen Beleidigung der Polizeibehörde in Saurahutte anläßlich des Laurahütter Wahlkrawalles int Sommer 1903 zu 6 Monaten bezw. vier Monaten und zwei Wochen Gefängnis verurteilt worden waren. — Der Redakteur der „Leipziger Volkszeitung" (frühere Hanauer Oberpost - Direktions - Sekretär) Wagner, wurde heute von der 6. Strafkammer des Landgerichts wegen öffentlicher Beleidigung des deutschen Offizierkorps zu einem Monat Gefängnis verurteilt.
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Niutschwang fahren fort, Truppen bahnverbindun Bahn aus einen M Ivemgen hier zurück russischen Lager dre gebracht. Lehteres i
Schanhaiktva rüden bon stönatva setzten sie Ssiuil au, der Hauptstraße.
Petersburg, 1 majors^ Chmkowitsch Mai näherte sich eir 1000 Mann Jnsante der Station Pul an ungen der Eisenbah aus Dalny mußte zu die Japaner zu: um Mitternacht vom' lvurde nachts durch b; vor Port Wams erle: ^ruppenabteilunqen i SÄ‘>. Station Jamai wurde .Petersburg 1 .p°uer raun MS
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