Ausgabe 
13.10.1904 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

15 Pfennig. In einem Nachbarorte von Mainz bietet sich, wie daS »Mainz. Tagblatt" berichtet, für trinkfeste Gäste aber noch eme günstigere Gelegenbeit zur Stillung des Durstes. Ließ dort ein Wirt durch die Ortsschelle bekannt machen, daß bei ihm der Schoppen Wein für 15 Pfennig gegeben werde. Kurze Zeit darauf ertönte abermals die Schelle des OrtSdienerS und alles war auf die weitere Neuigkeit ge­spannt. Aber noch erstaunter waren die Bewohner, als sie die neue Kunde vernahmen. Gin Konkurrent ließ nämlich verkünden, daß bei ihm für 2 0 Pfennig eine volle Stunde lang Wein getrunken werden kann. Schade, daß daß Mainzer Blatt nicht den Namen des Ortes angiebt.

* Eine Vereinigung für Krimi nalpsycholgie and forensische Psychiatrie soll in Hessen begründet werden. Versammlungen mit Vorträgen, Berichten und Besprechungen sollen stattfinden und die Reform von Strafrecht und Straf­prozeß soll gefördert werden. Die erste Versammlung findet hier am 5. November im Universitätsgebäude statt.

-Lotterievertrag? Zwischen Preußen und Hessen schweben zur Zeit wieder Verhandlungen gemein­samer Regelung des Lotteriewesens, die bereits sehr weit vorgeschritten find und in nächster Zeit ein Einvernehmen erscheinen lassen. Das zu Beginn des nächsten Monats in Kraft tretende neue preußische Lotteriegesetz, das außerordent­lich hohe Strafbestimmungen gegen den Handel und das Spiel in auswärtigen (nichtpreußischen) Lotterien enthält, wirft bereite feine Schatten voraus, zunächst aber stärker außerhalb Preußens, als im preußischen Staate selbst. In Neustrelitz, dem bisherigen Glückshafen aller erlaubten und unerlaubten Lotterien, macht sich dieses Verbot ganz besonders bemerkbar. Sämtliche Lotteriegeschäfte, 5060 an Zahl, lösen sich auf und müssen sich einen neuen Broterwerb suchen, ebenso wird eine ziemliche Anzahl junger Kaufleute brotlos werden. So­gar die Post in Neustrelitz kann, weil die Briefsendungen ab­genommen haben, ihre Beamtenzahl um fast ein Dutzend ver­ringern. Auch in Berlin sehen die fremden Lotterieeinnehmer trostlos in die Zukunft; sie lösen ebenfalls ihre Geschäfte auf mtb müssen sich einen neuen Erwerb suchen.

! Lollar, 11. Oft. Infolge de§ in den letzten Jahren gestiegenen Personenverkehrs hat sich beim hiesigen Bahnhofs­gebäude der Wartesaal 3. und 4. Klasse längst als unzureichend erwiesen, welcher Mißstand sich besonders in den Frühstunden, sowie abends sehr fühlbar macht, da um diese Zeit der betreffende Saal völlig überfüllt ist. Es wurde bisher allgemein angenommen, daß bei dem bevorstehenden Umbau des Empfangsgebäudes durch Vergrößerung des Wartesaales diesem Uebelstande abgeholfen würde, was aber nicht der Fall zu fein scheint, da bei dem jetzt begonnenen Umbau eine Vergrößerung der Wartesäle nicht vorgesehen sein soll. Da die bestehenden Zustände auf die Dauer unhaltbar sind, würde es empfehlenswert sein, int Interesse deS reisenden Publikums durch nachträgliche Abänderung der Baupläne eine Vergrößerung der Wartesäle zu schaffen.

(:) Klein-Linden, 12. Oft. Dem Eisenbahnbeamten August Steger wurde in Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste das allgemeine Ehrenzeichen verliehen.

(b.) Lützellinden, 12. Ott. In große Aufregung wurde heute vormittag das ganze Dorf versetzt. Der 38 Jahre alte Landwirt Heinrich Hoßbach hatte sich er­hängt und wurde gegen 11 Uhr von seiner 70 jährigen Mutter ht der Scheune an einem Balken hängend aufge­funden. Seine Frau befand sich auf dem Felde. Hoßbach hinterläßt eine Witwe mit zwei Kindern im Alter von 1 und 3 Jahren. Hoßbach lebte in guten Bermögensverhält- nissen, hatte jedoch mehrere geschäftliche Mißerfolge, die ihn wahrscheinlich in den Tod getrieben haben.

r. Rodheim a. d. Bieber, 10. Okt. In diesen Tagen ist die erste Fortbildungsschule im Biebertal zustande gekommen, welche mit der hiesigen Zeichenschule verbunden und daher gleichfalls dem Zentralvorstand des Gewerbe- vcreins für Nassau unterstellt ist. Die Schule will nicht allein den jungen Handwerkern, sondern überhaupt der auS der Volksschule entlassenen männlichen Jugend zur Weitel- bildung dienen. Da die BahnhosSverhältnisse unserer Kleinbahn dem starken Verkehr nicht mehr entsprechen, so hat man die hiesige Haltestelle mit einem angemessenen Wartera um versehen.

§ Ruppertenrod, 12. Okt. Mit Wirkung vom 1.November d.Js. ist der hiesige Gendarmerie-Wacht- meister Haber nach Zwingenberg an der Bergstraße ver-

sein der Photographie Ihres Bruders auf harmlose Weise er­klären?"

(Fortsetzung folgt.)

Theodvr Fontane an seinen Sohn. DasLite- ^rrsche Echo" veröffentlicht in seinem ersten Oktoberheft eine Reihe von bisher ungedruckten Briesen Fontanes an seine Familie, o «. Eernebster humoristischer Bries, in dem der Dichter aus ^ondon, wo er Jahre lang aus Erwerbsrücksichten getrennt von leben mußte, seinem ältesten, damals (1857) noch nicht >eaHähngen Löhnchen für die Einsendung einer eigenhändigen Zeichnung dankt, sei daraus hier wicdergegeben.Mein lieber

,schreibt der Vater sehr ernsthaft,Deine Bleistiftzeich- nungen und mir gestern zugegangen und haben mich sehr gefreut. Dre Brere find von der äußersten Porttätähnlichkeit und berech- ttgen su den schönsten Hoffnungen. Werde unter den Malern, Tein Vater unter den Dichtern ist, und Du wirst als Nacht- wSM« Tem gutes Brot babm. Ten Prediger, den Du gezeichnet, d?./^.'?lchen erkannt haben, wenn er nicht einem Wrckelkmde ähnlich sähe. Vielleicht ist das ein feiner Gedanke .^trachtest die Geistlichen als Wickelkinden des lieben Lottes, während wir anderen wild auf. waÄen obre schref gewickelt sind, Im Boumsch-lag bist Tu glücklich: T-u nmlst ihn, ehe er da ist, und gibst statt dessen eine einzige Knospe, die, nach ihrer Ticke zu schließen, die ganze Pracht des Frühlings enthält. Niemand kann Dir beweisen daß die Blätter, die darin verborgen find, nicht alles aus dem Felde schlagen, was die Landschaftsmalerei bis jetzt geleistet hat Eine besondere Aufmerksamkeit hast Tu demHotel" gewidmet was ich nur billigen Tann. Der Rauch steigt aus zwei Srhorn- fleinen in die Höhe und läßt auf eine gute Küche schließen Flasche und Glas stehen auf der Straße und scheinen anzrdeuten daß der Witt ein splendider Mann ist, der nicht blas; wird' wenn sein Gast einen Teller^zerbricht. Tie beiben Bäume, von denen der eine im zweiten Stock, der andere gar sich auf dem Dach befindet, find mir nicht völlig Har; doch muß denn alles klar sein? Dummes Zeug! Alles Große hüllt sich in Dunkel, und alles Dunkle (nur muß es sehr dunkel sein) darf auf Größe pochen, die sich in ihm verbirgt. Wir wollen mündlich, unsere Gedanken über diesen Gegenstand austauschen. Empfiehl mich Deiner Mama und Großmama, sowie auch dem kleinen Theodor und harre aus in der Kunst. Wie immer Tein Vater Th. Fontane."

seht worden. An seine Stelle kommt der 311m Wachtmeister ernannte berittene Gendarm Ebert von Alsfeld.

h. Friedberg, 12. Okt. Der hierher zugereiste Schuhmacher Friedrich Ta stre aus Nordhaufen bei Bracken­heim verübte in Abwesenheit eines Wirtes in dessen Gast­zimmer einen Diebstahl und siüchtete darauf. Der Vorfall wurde alsbald der hiesigen Polizei gemeldet, und eS gelang, den Dieb in der Frankfurter Straße beim Betteln abzufassen und zu verhaften. Ein Paar gestohlene neue Stiefeln hatte der Gauner bereits für geringen Preis verkauft.

K. Hungen, 12. Okt. Die Bureauräume des Großh. Steuerk^mmiffariatS Hungen befinden sich jetzt in dem van Herrn Listmann neuerbauten Haufe an der Gießener Straße (neben der Post). AuS der Umgegend wird ver­schiedentlich berichtet, daß die Aepfelpreife bedeutend ge­sunken sind. Kelterobst ist überhaupt nicht mehr anzubringen, während gutes gebrochenes Tafelobst für 68 Mk. pro Doppelzentner zu haben ist. In verschiedenen Dörfern, wie Ulfa, Nonnenroth re., lagern noch größere Aepfelmassen. Hierbei fei ein interessanter Aepfelhandcl erwähnt, der sich kürzlich in E. abspielte. Eine Firma au§ Schotten hatte dort da§ Obst im Handel, währenddem kam ein fremder Händler an, um ebenfalls Aepfel zu kaufen. Daraufhin kaufte die erstgenannte Firma so viel Aepfel als möglich zu 7 Mk., um sie gleich darauf wieder dem zweiten Händler zu 8 Mk. zu verkaufen; daS war ein glattes und reelles Ge­schäft. Nun sagt sich ein im Dorfe ansässiger Handelsmann aber: das Geschäft kannst du auch machen, und er kalkst munter drauf loS, Aepfel zu 7.50 Mk. Aber, aber daS dicke Ende! Er schickt die Aepfel im Waggon nach Frank­furt den Preis, welchen er erzielte, wollen lvir verschweigen, die Aepfel wurden eben versteigert zu jedem Preis. Was an Obstspekulationen jährlich verloren wird, geht inS Un­gemessene. Wie man auS Händlerkreisen härt, stehen gegen- wättig täglich in Stuttgart 6080 Waggons über den Bedarf.

§ Friedberg, 12. Oft. Ein schwerer Unfall stieß einem Fuhrknecht zu, dessen 9 jähriger Knabe, von einem Hunde erschreckt, unter den schwer beladenen Wagen geriet und überfahren wurde. Außer anderen Verletzungen trug der Knabe einen Oberschenkelbruch davon. Die Errichtung einer höheren Bürgerschule für Mädchen, welche vom Stadtvorstand vor einiger Zeit befehloffen wurde, wird sich mit Beginn deS neuen Schuljahrs, Ostern 1905, voll­ziehen. Die Stadt hat zu biefem Zweck das ehemals Henkel- mannsche HauS in der Burg für 45 000 Mk. angekauft. DaS Gebäude wird einem inneren Umbau unterzogen.

-s- Vilbel, 12. Okt. Infolge der großen Bevölkerungs­zunahme unserer Stadt müssen in den nächsten Jahren mehrere weitere Volksschulklassen errichtet werden. Da die Räumlichkeiten hierzu nicht vorhanden sind, so be­gann die Stadt im vorigen Jahr mit der Erbauung eines achtklassigen Schulgebäudes. Gegenwärtig ist dieses im inneren Ausbau begriffen; voraussichtlich wird eS Ostern 1905 ein* geweiht und seiner Bestimmung übergeben. Man hofft auch auf die baldige Umwandlung der KonfessionS- Schulen in Simultan-Schulen. Ein diesbezüglicher Antrag wurde im Vorjahr vom Stadtvorstanb abgelehnt. Da aber die Stadtvertretung durch die kürzliche Gemeinde­ratewahl eine andere Zusammensetzung erhalten hat, dürfte die Einführung der Simultanschule nächstes Jahr beschlossen werden.

1. Nidda, 13. Ott. (Eigener Drahtbericht.) Heute nacht wurde im hiesigen Stationsgebäude ein­gebrochen. Die Diebe versuchten den Kassenschrank fort» zuschleppen, was ihnen indessen nicht gelang, da sie an­scheinend gestört wurden. Dagegen erbrachen und beraubten sie ein Pult deS StationsoorstandeS. Die Diebe sind noch nicht ermittelt.

g. Büdingen. 12. Ott. Auf der Düsseldorfer ObstauSstellung erhielten einen Preis von 100 Mk.: DaS Fürstl. Menburg. Forstamt hier; einen solchen von 50 Mk.: L. Eibach hier; die goldene Medaille: Kreisobst­bautechniker Metternich hier.

sd. Darmstadt, 13. Ott. In einem Abort der früheren Main-Neckarbahn hat heute nachmittag ein bisher unbekannter Mann, 4050 Jahre alt, durch einen Nevolver- schuß in den Mund sich erschossen.

Homburg, 12. Okt. Prinz und Prinzessin von Hohenlohe-Oehringen, Baron Max Oppenheim und Vopelius, Mitglied des Herrenhauses, sind heute hier ein* getroffen und waren heute mittag beim Reichskanzler zur Tafel geladen.

vermischtes.

* Der deutsche Kronprinz weilte dieser Tage mit seiner Braut in Baden-iBadxn. Am Vor­abend seiner Abreise besuchte der Kronprinz, wie all­abendlich, das Konzert der ungarischen Haus­kapelle imHotelStefanie. Er fand Gefallen daran und ließ, nachdem er eine Weile zugehört hatte, sein e Violine holen, begab sich zu den Musikern und spielte eine Stunde mit der Kapelle einige Musikstücke, u. a. das Lieblingsstück seiner Braut. Zum Schlüsse schenkte der Kronprinz dem Dirigenten der Ka­pelle, Musikdirektor Babary, eine prächtige Busennadel mit Monogramm und Krone.

* Xie Altonaer wollen nicht mehr bespritzt werden. In Altona wurde eine Protestversammlung gegen das Verhalten der Altonaer Polizeibehörde beim Zapfenstreich am 5. September abgehalten. Der Einberufer teilte mit, daß weitere elf Fälle von Körpcsr - beschädigungen infolge des Gedränges gemeldet seien, größtenteils bettäfen sie Frauen. Tie Fälle bestanden im allgemeinen au3 Rippenbrüchen und Verletz­ungen des Schienbeins sowie der Zehen. Einer der Verletzten hat seine Ansprüche bereits gerichtlich geltend gemacht. Eine Immediateingabe an den Kaiser wurde, wie derHamb. Korr." berichtet, genehmigt. In der Eingabe wird u. a. folgendes gesagt: Kurz vor Beginn des Zapfenstreichs wurde auf die Menschenmenge mit­tels eines starken Schlauches Wasser ge­spritzt; eine un geh eure Pan ik brach unter den ver- sammelten Menschen aus, niemand wußte, wohin er Nächten, wohin er sich vor den Wasserstrahlen retten sollte; durch das furchtbare Drängen, welches naturgemäß ent stehen musste, wurden diejenigen Personen, die nicht kräftig genug waren, sich aufrecht zu halten, n i e b c r g c t r e t e n. Jcaci) Den Angaben de2 Sanitätskorps mußte dleses Hun­

derten Hilfe leisten. Erst später wurde bekannt, wa­rum das Publikum mit Wasser bespritzt worden war. Der mit den Absperrungsmaßregeln betraute Beamte hatte am Nachmittag den Befehl gegeben, am Mend zur Herstellung von Platz auf daS Publikum zu spritzen; es handelt sich also um kein von der Not des Augenblicks eiugegebenes, sondern planmäßig vorbereitetes Abwehrmittel. Die ge­samte Bevölkerung ist sich einig, in der Verurteilung des angewandten Gewaltmittels; die Entrüstung ist eine all­gemeine. Alle, die gekommen waren, um an den Festlich­keiten als Zuschauer teilzunehmen, empfinden es als eine ihnen angetane Schmach und Beleidigung, daß von den Altonaer Beamten Gewalttätigkeiten begangen wurden, die sonst nur Rebellen gegenüber angewendet zu werden pflegen. Das Hamburg-Altonaer Publikum hat bei den verschiedensten Gelegenheiten bewiesen, daß es bereitwilligst behördlichen Anordnungen Folge geleistet; es hätte auch selbstverständlich bei Gelegenheit des großen Zapfenstreichs alle Abfperrnngsvorschristen beachtet; um so tiefer sind jetzt die Beteiligten durch die in der Sitzung der städtischen Kollegien der Stadt Altona am 23. Sept, abgegebene Er­klärung empört. Anstatt Worte der Entschuldigung zu geben, wird das angewandte Gewaltmittel alsein nicht mehr neues, anderwärts bewährtes Mittel" gutgeheißen.

* Warenhausreklame. Aus Gera fouunt folgende Meldung: Bei Eröffnung des Warenhauses H. Tietz wurden dem Geschäftsinhaber 10 000 Mk. überreicht, mit deren Zinsen Personen unterstützt werden sollen, die ein Seminar besuchen oder sich sonst fortbilden wollen; es sollen aber Waisen be­vorzugt werden. Dagegen verlangten die hiesigen Geschäfts­leute in einer Eingabe an den Gemeinderat Ablehnung der Stiftung oder lediglich Annahme der 10 000 Mk. als Geschenk, sowie sofortige Einführung einer Warenhaussteuer. Der Ge­meinderat nahm aber, indem er die Frage der Warenhaus­steuer offen ließ, die Stiftung mit Majorität an, indem er sich auf den Standpunkt stellte, daß man mit der Ablehnung für Tietz noch mehr Reklame machen werde, als mit der Annahme.

* Wie ein Hund lesen lernte. Zu dem Fall des fingen HanS" ergreift der englische Lord Avebury das Wort. Avebury hat ganz ähnliche Versuche wie Herr von Osten schon früher mit seinem schwarzen Pudel ,Man" angestellt und berichtet darüber:Ich nahm zwei Stücke Kartonpapier; aus dem einen war das WortNahrung" in großen Buchstaben gedruckt, während das andere leer war. Ich legte dann beide Karten über zwei Schüsselchen, und in das eine mit der bedruckten Karte tat ich etwas Brot und Milch. Dieses Experiment wurde immer wieder­holt; nach zehn Tagen sing ,Man" an, die Karten zu unterscheiden. Dann legte ich sie auf den Fußboden und gebot ihm, sie zu apportieren. Als er die einfache Karte brachte, warf ich sie zurück; wenn er die bedruckte brachte, gab ich ihm ein Stück Brot und nach einem Monat hatte er eS gelernt, sich den Unterschied vorzustellen. Ich ließ bann einige Karten mit den WortenDraußen",Tee", Knochen",Wasser" drucken und auch eine Anzahl mit Worten, auf die ich keine Wichtigkeit zu legen gedachte, wieNull",Ebene",BaN" ufhx ,/San" lernte bald zwischen den bedruckten und unbedruckten Karten zu unter­scheiden. Längere Zeit brauchte er jedoch, um sich den Unterschied zwischen Worten vorzustellen, aber allmählich erkannte er mehrere. Wenn man ihn fragte, ob er spa­zieren gehen wolle, fischte er freudig die Karte mitDrau. 6en" heraus. Die Karten wurden nicht stets an denselben Ort gelegt und auch am Geruch konnte er sie nicht unter­scheiden, da ich die Karten wechselte. Man konnte nicht zweifeln, daß der Hund nicht nur eine Karte von der andern unterschied, sondern auch daS Wortbild mit dem Gegen­stand verband."

'Fähnrich und Herrschaftskutscher. Zu dem Aufsehen erregenden Renkontre zwischen einem Fähnrich und einem Herrschaftskutscher in Straßburg i. Els., über daS wir unlängst berichteten, hat sich nunmehr daS Generalkommando deS 14. Armeekorps amtlich geäußert. Hiernach hätte der betreffende Fähnrich, sobald er seinen Irrtum in der Person deS Kutschers eingesehen hatte, diesen nicht weiter behelligt, wenn er von ihm nicht mit Echimpfworten überhäuft worden wäre. Da der Kutscher auf erfolgte Aufforderung auch seinen Namen nicht nannte, ließ ihn der Fähnrich zur Feststellung seiner Persönlichkeit nach der Wache bringen. Das General­kommando hat ferner festgestellt, daß der Oberstleutnant deS Fuß-Artillerie-Regiments Nr. 14 die ihm zugeschriebene Aeußerung, der Fähnerich habe das Recht gehabt, dem Kutscher daS Seitengewehr durch den Bauch zu rennen re. nicht gebraucht hat; er hat dem Kutscher nur auSeinander- geseht, daß auf die Schimpfworte hin, manch anderer sich vielleicht hätte hinreißen lassen, von der Waffe Gebrauch zu machen. Wie noch erinnerlich sein dürfte, war der bedauer­liche Vorfall dadurch entstanden, daß der Fähnrich den Herr- schaftSkutscher, der eine der Militäruniform sehr Ähnliche Livre trug, irrtümlicherweise für einen Soldaten ansah, weshalb er ihn wegen Nichtgrüßens zur Rede gestellt hatte.

* Kleine Tageschronik. Der Kellermeister Jose) Paulus in Rhens <u Rh. erstickte im Keller des Winzer- vereinö an den von dem gärenden Wein ausströmenden Gasen. Sein Bruder Peter, der sich ebenfalls im Keller befand, wurde bewußtlos aufgefunden, konnte aber wieder znm Leben gebracht werden. In Krefeld hat sich aus Schlvermut ein 67 Jahre alter Mann an dem Grabe seiner Fran erschossen. In Osnabrück wurde ein Einbruch im Schützenhof ver­übt. 22 000 Mk. in Wertpapieren und 1500 Mk. in Bargeld wurde gestohlen. Ein junges Mädchen wurde des Diebstahls ver- dächttg verhaftet. Am Mittwoch fuhr auf dem Bahnhof Lehrte ein von Braunschweig kommender Güterzug in einen aus ent­gegengesetzter Richtung kommenden Berliner Eilguterzug hinein. Ter Gaskesscl derMaschrne des Braunschweiger Zuges erplodierte. Durch'den Zusammenstoß wurden 21 Wagen beschädigt. Das Zugpersonal erlitt keine Verletzungen. In dem Lindauer Nachtschnellzuge nahmen bayettsck)e Zoll­beamte drei Saecharinschmnggler, darunter eine Frau, fest, welche schon lange bandenmaßig schmuggelten. Ein Schmriggler sprang während der Fahrt ans dem Zuge und blieb tot auf dem Geleise liegen; ein fünfter entkam. 9HIe Schmuggler sind auS Niederbayern. Bon den seit den letzten schioerm Stürmen in der Nordsee vermißten sieben Finkenwärder Fischerttittern ist einer am Mittwoch in Hamburg angekommen, zwei andere werden in den nächsten Tagen folgen, fieber das Schicksal der übrigen vier noch vermißten Kutter ist vor vierzehn Tagen nichts Bestimmtes zu sagen. An dem Bahnübergang bei Albersweiler (Pfalz) wurde das Fuhrwerk der Witwe Scharff aus Landau von einem G ü t e r z n g ü b e r f a h r e n und zertrümmert. Ein Pferd wurde getötet, ein Pferd schwer und der Fuhrmann leimt berietet. Die Schwanke war nicht geschlossen. Der wegen W echs e l f ä l s ch u n g von der Staatsanwaltschaft in Kon st anz stecklnieflich verfolgte Mit­inhaber der Konstanzer Löwenbrauerei E^ebr. Huber, Adolf Huber, wurde in einem Gasthause in Schwamendiugen (Schweiz^ verhaftet ss Große Unruhe herrjebt in Marseille Aber