boS Ausbleiben des Dampfers „Djurjura", welcher am Samstag mit 130 Passagieren und 500 Tonnen Gütern nach Tunis abgegangen ist und fort noch nicht eingetroffen war. Ein anderer Tampser, welcher 24 Stunden später abging, hat denselben dort nicht angetroffen und dort auch unterwegs nichts von ihm gesehen. Es wurde ein Telegramm an den Präfekten von Sardinien abgcsandt, um zu erkunden, ob der Dampfer einen italienischen Hafen angelaufen hat. Tie Marinebehörde hat zwei Dampfer zur Abfahrt bereit gestellt. — Bei der Beerdigung des im Duell gefallenen Marquis Pickman in Sevilla kam es zu lautem Protest des nach Tausenden zählenden Publikums gegen die Behörden, die das Duell zugelassen hatten und gegen den Erzbischof, der dem unglücklichen Marquis die Beerdigung auf dem katholischen Friedhöfe verweigerte. Tie Menschenmenge drang auf den Kirchhof und brachite selbst den Sarg zur Familiengruft, um ihn dort beizusetzen. — In der russischen Stadt Noworossijsk wurde der türkische Konsul Huedai Bei mit b_i e r .Schußwunden am Kopfe tot aufgefunden; es wird Selbstmord vermutet. — In Newyork erregt der Selb/tmord des reichen Klubmanncs Peister Hall Ausseherr. Ter, Selbstmord toird auf einen Klubskandal zurückgeführt. — Tie Ortschaft Trich t enr icht wurde durch eine Feuersbrunst fast gänzlich zerstört. 25 Häuser fielen den Flammen zum Opfer. Tie Einwohner sind sämtlich unversichert.
Landwirtschaft.
Amerikanische Ernte. Nach dem letzten Bericht des Ackerbau-Bureaus der Vereinigten Staaten von Amerika stellt sich die W e i z e n e r n t e der Union doch etwas günstiger, als man vor einem Monat berechnete. Sie nürd auf 550 Millionen Bushels (ä 35,24 Liter) geschätzt gegen rund 638 Millionen im Jahre 1903. Tagegen ergibt die Hafer- uiü) Gerstenernte im Vergleich zum vorigen Jahre einen Mehrertrag. Beim Hafer wird der Ertrag pro Acre auf 32,1 Bushels angegeben, was bei einem vorläufig ermittelten Anbau von 27 646 000 Acres eine Ernte von 887 Mill. Bushels gegenüber deut vorjährigen endgiltigen Ertrage von 784 Millionen und dem in 1902 von 987 MÜl. Bushels ergibt. Gerste ergibt in den Vereinigten Staaten nach der vorläufigen Schätzung per Acre 27,2 Bushels oder bei einem Anbau von 5 146 000 Acres einen Ertrag von 140 Millionen Bushels gegen 131,8 in 1903. Roggen brachte 15,2 Bushels pro Acre. TM ist bei einem Anbau von 1 792 000 Acres eine Ernte von 27 Millionen Bushels gegen 29,3 nach der vorjährigen endgiltigen Schätzung. Besonders günstig sind die Aussichten für die Maisernte; sie wird auf 2464 Millionen Bushels geschätzt.
— Getreideabsatz-Genossenschaften und Ge - /reidelagerhäuser in Baden. Der Jahresabschluß der fünf oberbadischen Getreideabfatz-Ge nassen schäften für das zweite Geschäftsjahr am 30. Juni 1903 ergab einen V e r- l u st von 3728 Mark. Dagegen haben die G e t r e i d e l a g er- häuser mit ® e ro i n n e n ge arbeitet. 1903 wurden in Baden 2 Lagerhäuser dem Betrieb übergeben; in Buchen und Eubigheim. 1904 kamen als weitere die Lagerhäuser in Rosenberg und Engen hinzu; jetzt wird ViUingen folgen. Die M i t glieder- zahl ist bei allen Getreideabsatzgenossenschaften bedeutend gestiegen und zwar vom Gründungstermin an bis Ende 1903 in Boxberg von 302 auf 400, in Eubigheim von 191 auf 300, in Buchen von 300 auf 400, in Schefstenz von 160 auf 330, in Hüfingen von 297 auf 820, in Riedörschmgen von 166 auf 280, in Stühlmgen von 200 aus 330, in Grießen von 240 auf 350 Mitglieder. Die Lagerhäuser verkaufter: 1903 an das Mannheimer Verbandsbureau 610 Wagen im Werte vorr 869 600 Mk., gegenüber 457 Wagen im Werte von 687 100 Mk. im Jahre 1902. Die Preise, welche der Verband 1903 bezahlte, bewegten sich für Gerste
een 14 rmd 15 Mk.. für Hafer zwischen 12 und 13,80 Mk., für n zwischen 15,80 Mk., für Spelz zwischen 12 und 12,30 Mk.
Gerichtslaal.
th- GieIen, 12. Ott. Nächsten Freitag vormittag itrirb vor unserer Strafkammer der Schwindler abgeurtellt werden, welcher seinerzeit den Ankauf des ehemaligen Hotels Seipp in der Liebigstraße vornahm unb, um das Hotel angeblich übernehmen zu können, sich mit der Köchin des Hauses verlobte, den Schneider um den Hochzeitsanzug anpumpte, unb bei seinem Verschwinden von der Bill>fläche außer der Braut, der er die goldene Uhr und Kette mitnahm, noch andere Leidtragende, die er angeborgt hatte, in Gießen zurückließ.
Kassel, 12. Okt. Tas Oberkriegs gericht bestätigte das aufsechsMvnate Gefängnis uitb Dienstentlassung lautende Kriegsgerichtsurteil gegen« den L e u t n a n t Hemmann vom 32. Infanterieregiment wegen Beleidigung von Vorgesetzten und Kameraden. Tie Haft wurde beibehalten, aber die seitherige Haftstrase angerechnct. Tas Delikt betrifft den Schlüsselroman „C a r r i e s Brief e".
Hamburg, 12. Okt. Tie zum Tode verurteilte Kindes- mö derin Wiese hat heute durch ihren Verteidiger, ^Rechts- anwall Blechwedel, Revision gegen das Urteil des Schwurgerichts angemeldet. Auf die Frage des Verteidigers, ob sie nicht ein Geständnis ablegen Nwlle, entgegnete sie, wie fort- während in der Verhandlung, sie habe keine Kinder totgemacht. Tie Wiese hat ferner während ihrer Untersuchungshaft gegen ihren Ehemann einen Zivil Prozeß angestrengt. Sie behauptete, sie habe von ihrem Arbeitsverdienst, den sie bei einer früher verbüßten Gefängnisstrafe erzielt hatte, sich je ein Los der Hamburger und der Braunschweiger Lotterie gekauft und darauf 5000 resp. 3000 Mk. gewonnen. Diese Gewinne habe ihr Ehemann, der diesse Lose in Händen hatte, erhoben; sie verlange die Auslieferung dieser Summen.
Würzburg, 12. Okt. Tas Schwurgericht verurteilte heute den Erdarbeiter ÄntoniuS Vierodi Stanozo wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu sieben Jahren Zuchthaus und seinen Bruder Silvio wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren Gefängnis. Antonius hatte in Waldbrunn bei Würzburg einen Landmann im Streite erstochen, Silvio einen anderen Landmann durch einen Messerstich verletzt.
Kandel und MerKeyr. Wolksivirlschast.
3 Vs Prozent. Schatzscheine und die Diskont-Erhöhung. Tie Schatzscheine sind bereits infolge der Diskonterhöhung auf 903/4 Proz. zurückgegangen und irotieren nur noch ein geringes über dem Kurs, zu dem die Bankwelt sie übernommen hat. Schon im .Frühjahr hat die Bankwelt mit den Schatzscheinen schlimme Erfahrungen gemacht, jetzt bekommt sie die zweite Auflage zu genießen. Wenn man mit der Tiskont- erhöhung tvenigstens gewartet hätte, bis für die übernommenen Schatzanweisungen ein regulärer Markt geschaffen wäre. Ter ungünstige Effekt wird noch verschärft dadurch, daß das Ausland auf derartige Erscheinungen sehr schnell aufmerksam wicd, und die deutschen Fonds noch mehr in Mißkredit geraten. Tie Börse hat ihrer Verstimmung über die plötzliche Diskonterhöhung dadurch Ausdruck gegeben, daß sie zunächst Anleihen und Schatzscheine gleichzeitig verkaufte.
Stuttgart, 12. Okt. Durch die Fusion mit der Deutschen Genossenschaftsbank hatte die Dresdener Bank in Berlin einen Posten Aktien der Württem- bergisch en Landesbank übernommen. Tie Verhcnrdlungen zwischen diesen beiden Instituten haben nun zu einer Verständigung über eine engere Verbindung der Württembergischen Landesbank
mit dem Concern Tresdener Bank-A Schaaffhausenscher Bankverein geführt.
Bern, 12. Okt. Das Tiskontkomitee setzte den Privat- dislkontsatz für Bankpapiere auf 3% Proz., gültig von heute, fest.
Märkte.
th. Gießen, 12. Okt. Aus dem heuttgen Gangviehmarkt waren ca. 50 Ochsen aufgefahren. Ter Handel war überaus schleppend, doch wurde der Vorrat zu einigermaßen guten Preisen verkauft, nachdem Käufer vom Westerwald in den Handel eingriffen. Tie erzielten Preise pro Paar bewegten sich zwischen 750—o25 Mark. — Ter Schweine markt hatte einen Vorrat von zirka 900 Stück. Tie Verkäufer mit Tieren aus der Provinz Hannover erzielten noch annehmbare Preise für die Ware, weil sie Springer uitb gute Einlegschweine am Markt hatten, und setzten die Ware auch bis auf einen kleinen Nest ab. Ueberaus schlecht schnitten die Landwirte aus Oberhessen diesmal ab, welche überwiegend Ferkel zu Markt gebracht hatten, für welche recht schlechte Preise geboten wurden ,sodatz die Verläufer ihre Tiere liever, ehe sie billig verkauften, wieder mit vom Markt nahmen. Gehandelt wurden pro Paar Ferkel bis 10 Wochen alt 27—33 Mk., bis 16 Wochen alt 40—46 Mk., leichte Läufer 90—110 Mk. Einzelne gute Einlegschweine, welche sehr gesucA waren, wurden pro Stück mit 70—80 Mk. bezahlt. Ter Schweinemarkt blieb zu einem guten Drittel überständig. Nächste Nlarkttage: 25. und 26. Oktober, am zweiten Markttage auch Krämermarkt.
th. .Gießen, 13. Okt. Ter Vorrat auf dem gestrigen Zwieb'elmarkt belief sich auf kaum 150 Zentner. Trotz der hohen Preisforderungen war die Nachfrage nach dem Knollengewächs recht lebhaft, und der Versuch der größeren Abnehmer, die Preise herunterzudrücken, mißlang vollständig. Ten Verkäufern lag nicht viel daran, ihre Ware im ganzen loszuwerden, da kleinere Abnehmer lebhaft und ohne lange zu feilschen, ihren Bedarf deckten. Verkauft wurde der Zentner Wetterauer Zwiebeln für 9 Mk.; sächsische Ware wurde je nach Güte mit 71/2—8 Mk. abgegeben. Ter Vorrat war bereits gegen 4 Uhr nachmittags geräumt.
h. Friedberg, 12. Okt. Ter allbekannte Friedberger Herbst-Fohlen - und Pf erde markt findet Tienstag, 25., und Mittwoch, 26. d. M., statt. Es wird bei dieser Gelegenheit auch eine Prämiierung stattfinden, wofür 1000 Mk. zur Verfügung stehen. Für den 26. Oktober ist außerdem noch ein Rindvieh-, Schweine- und Krämermarkt, sowie Faselmarkt und die Ziehung der Pferdemarttlotterie vorgesehen.
Kisenöahn-Zeitung.
M ü n ch e n , 11. Okt. Die hiesige Handelskammer beschloß» die Eingabe der Saarbrückens Handelskammer um die Schaffung einer Interessengemeinschaft der bundesstaat- lichen Bahnen zur Erzielung besserer wirtschaftlicher Ergeb- niste nur soweit z u u n t e r st ü tz e n, daß eine Konvention mir Freizügigkeit des gesamten Fahrparks, Beseitigung der Verkehrsumleitunyen bezw. des bisherigen Wettbewerbes und zur Bildung einer Einnahme-Gemeinschaft mit allen Mitteln anzustreben sei. Die Handelskammer lehnte dagegen die Gemeinschaft der Betriebs-Ueberschüsse ab, weil dadurch die Selb- ständigkeit der Staatsbahnen gefährdet werde.
Kriefkasten der Redaktion.
(Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.)
K. Sch. in Burtscheid. Waffentragen ist in Hessen nicht vei> boten; besondere Pouzewerordnung hierüber existiert nicht.
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