Ausgabe 
12.10.1904 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Jöxitb bet Gegner kontrvNiert wirb: diese matt Höfe Spann­ung, wenn daS Maß geradezu gefüllt ift, und der Redner erst den Anlauf genommen hat; dies Hochgefühl des TrimnPdS, schneidet die Glocke des Präsidenten, nachdem! die Fnfl verstrichen, erbmnnungSlos die Pointe entzwei! Wir mochten den sehen, der einen besseren Aufenthalt wüßte, als im ReichStagSsaal! Auch die Herren von der Regierung würden mit etwa 15 oder 20 Minuten Redezeit, abgesehen von der Einbringung wichtiger ^Vorlagen, ganz gut auskommen. Graf Bülow könnte immer noch genug Zitate einslechten. lleberhaupt pflegt ja die Regierung sich kurz zu fassen.

Welch' Schauspiel, aber, ach, ein Schauspiel nur! (Man zittert unwillkürlich, wenn man vom Grafen Bülow spricht.) Seiber besteht nur wenig Hoffnung, daß die Reichstags- Mehrheit den entschlossenen Schritt tut, der so großes Heil allen Beteiligten bringen würde. Es Müßte beim sein, baß nochmals die Geduld auf so unerhörte Proben gestellt würde wie beim Zolltarifentwurf. Daun ist die Aussicht .einer Aenderung vorhanden.

Bier- und Tabaksteuer.

AuS einem Nachbarstädtchcn erhalten wir folgende Zuschrift:

,66 wird auch Ihnen schon aufgefallen sein, in welch ver­heer e n d e r Ar t nndWelse d e r K o n s n m v o n g e i st i g e n Getränken im Volk überhand nimmt. Das Fannlien- qlück und her Friede des Hauses wird durch die llnfitte des vielen trinkens zerstört. Wie oft ist es schon vorgekommen, daß Familien, vLter in der Trunkenheit Frau und Kinder Mißhandelten. Der Schaden, welchen das Volk in finanzieller Hinsicht durch die Sauferei erleidet, ist ganz unberechenbar. Wie viele, die im Irrenhaus schmachten, haben sich den I r r sinn nur d u r ch u «mäßiges Trinken von geistigen Getränken zugezogen. Immer wieder sollten die Leute gewarnt werden vor dem über­mäßigen Geuuß geistiger Getränke. Ter Regierung sollte es nähergelegt werden, Bier und Schnaps noch höher zu b e st e u e r n.M

Unseren Lesern wird es nicht entgangen fein, daß wir alle Bestrebungen auf Einschränkung des übermäßigen Alkohol­genusses nach Kräften unterstützen. Daß jedoch das Bier noch mehr bluten könne, ist eine Ansicht, die wir mit der Mehrheit des deutschen Reichstages bestreiten. Dagegen ist eine Brausteuerreform dringend notwendig, die eine höhere Belastung der größeren Betriebe, dagegen eine Ent­lastung der mittleren und kleinen Betriebe bezweckt. Dem Reiche sollen seine Einnahmen aus der Brausteuer gesichert werden; es mag auch dafür gesorgt werden, daß die Steuer sich in der bisherigen Weise weiter entwickelt. Aber darüber hinaus das Braugewerbe zu belasten, würde volkswirtschaftlich bedenklich sein.

An eine Erhöhung der Branntweinsteuer ist z. Zt. überhaupt nicht zu denken. Sehr häufig aber wird in Ge­meinschaft mit dem Bier von einer höheren Besteuerung des Tabaks gesprochen. Eine solche würde indes die ge­samte Tabakindustrie aufs schwerste schädigen, und nicht nur vielen kleineren Fabrikanten, sondern auch Tausenden von Arbeitern das Brot nehmen. Außerdem stehen auch noch -technische Gründe einer Höherbesteuerung des Tabaks ent­gegen; die mit ihr notwendig verbundenen Plackereien in den Betrieben lassen sich gar nicht ermessen.

Jeder Versuch, das Bier und den Tabak höher zu be­steuern, würde im Reichstage zweifellos scheitern.

*

Wider die Schwurgerichte.

Eine bemerkenswerte Kritik von Geschworenen-Wahr- sprüchen hat gelegentlich der letzten Sitzung der Schwur- gerichtsperiode in Bromberg seitens des Vorsitzen­den statt gefunden. Bei der üblichen Abschiedsansprache an die Geschworenen nahm der Vorsitzende, Landgerichtsdirek- tor Alb inus das Wort, indem er zunächst eine Zusam­menstellung über den Verlauf der bisherigen Srtzungs- tage machte. Sodann ging er auf eine Kritik der von den Geschworenen abgegebenen Verdikte in einzelnen Fallen ein und bemängelte sie.

Es seien, so führte er aus, seitens der Geschworenen Sprüche erfolgt, die nach dem einstimmigen Urteil des Ge­richtshofes als Fehlsprüche bezeichnet weichen müßten. Rach Aufführung der einzelnen Fälle betonte der Vorsitzende, daß er mntlich unb auch von anderer Stelle zu einer solchen Kritik berufen sei; dieses Recht nehme er für sich in Anspruch, zumal die Geschworenen durch ihre Sprüche im gewissen Sinne Kritik m: dem Gericht übten. In der Kritik seinerseits läge aber kein Vornmr; gegen die Geschworenen, sondern er träfe die Institution der ^'wurgerichte. Es werde wohl nicht mehr lange dauern, so schloß der Vorsitzende, daß an Stelle der Schwurgerichte, gegen die er persönlich kein Vorurteil habe, sondern die er vielmehr für eine dem Volke sympathische Jnsti- -tution halte, die vergrößerten Schöffengerichte treten würoeu, in denen Juristen bei der Beantwortung der Schuld- Trag^i Mitwirken würden. Tas sei schon vor 26 Jahren geplant gewesen. Hoffentlich würde er es noch in Bromberg erleben, wlche Gerichte zu erhalten, und er werde es sich dann in jedem zur Ehre rechnen, in diesen vergrößerten Schöffengerichten den Vorsitz ftchren zu können!

I ES scheint bedenklich, daß der Vorsitzende eines Schwurgerichts in unmittelbarem Zusammenhang mit seinen Amtssunktionen eine derartige Kritik übt. der Sache selbst kann man ihm hingegen zustimmen._________

5>tr jlujftanö in KtUisch-SüdweÜasrika.

Sollten die aus Südwestasrika eingelaufenen Nach­richten über einen teilweisen Aufstand der Wittbo- leute und eine Beun ruhigun g des Distrikts Gi­deon sich bewahrheiten, so wäre damit leider einer der aussichtsreichsten, be st besiedelten und in der Kultur am iveitefUn vorgeschrittenen Bezirke deS Schutzgebietes betroffen worden. 2er Bezirk Gibeon allein umsaßte im April 1003 bereits 48 Farmen, welche bis auf wenige Eingcborenenplütze in Bewirtschaftung und zwar in hoher Kultur sich befinden. 60 Brunnen waren künstlich hergestellt, 17 Dammanlagen geschaffen worden. Auch die Vermessung ist in Gibeon ziemlich am weitesten vorgeschritten. Alle Farmen, bis auf einige Ausnahmen sind vermessen. Mit geringen Aus­nahmen hat jeder Farmer sein Gärtchen, 0,2.j bis 2 Hektar groß, an seinem Wohnhause liegen. In Mitleidenschaft würde wahschemlich dann gezogene werden der Bezirk Mal­tahöhe, westlich von Gibeon, mit 26 Farmen und 34 Brun- nennnlagcn.

Die Bevölkerung im Bezirk Gibeon betrug im Jahre 1903 614 Weiße und wies gegen das Vorjahr eine Zu­nahme von 108 Personen aus. Unter der weißen Bevölker­ung befanden sich 373 Deutsche, 162 Engländer, 2 Hollän­der, 72 Bewohner ohne Staatsangehörigkeit und 6 nicht sestgestellte Bewohner. Dem Beruf nach gab es nach der letzten Zählung im Bezirk Gibeon 46 Regierungsbcainte, 4 Geistliche und Missionare, 13 Kaufleute und Händler, 145 Ansiedler und J-armer, 2 Landmesser, 14 Handwerker und 1 Arzt. Dem Geschlechte nach waren 351 weiße Männer und 255 weiße Frauen vorhanden.

Nach einem Telegramm des Gouverneurs Leut­wein wurde der Zivilpolizist Fieke aus Wilsdruff (Königreich Sachsen), früher Infanterieregiment Nr. 88, am 7. Oktober aus Station Kuis tot nufgefunben. Er hatte einen Schuß durch die Brust. Der An g r e i f e r war verschwunden.

Kolonialpost.

London, 11. Ott. Eine mit der dieswöchentlichen australischen Post eingegangene Depesche aus Brisbane mel­det die Ankunft des DampfersPrinz Woldemar" mit Einzelheiten über die Ermordung von Prie­stern und Nonnen in Deutsche Neu-Guinea. Darnach scheint es, daß die Sklaverei in dem von den Missionaren bewohnten Distrikt üblich war und daß die Mxjjionare sich die Feindschaft der umwohnenden Stämme dadurch zuzogen, daß jte befreite Sklaven veranlaßten, sich aus threu Missionsstationen anzusiedeln. Daß es sich um einen wohlorganisierten Ueberfall gehan­delt habe, beweist der gleichzeitige Angriff auf alle drei Stationen. Die Brüder und Nonnen wur­den entweder niedergeschossen oder mit Texten und Keulen niedergeschlagen. Schwester Angela siel, als sie gerade den Altar zu schmücken im Begriffe stand. Man nimmt an, daß 30 Menschen ermordet worden sind. Der Sachschaden, der hauptsächlich durch Plünder- ung herbeigeführt wurde, wird auf 601)00 Mk. geschätzt.

Aus tztadt unii Kunö.

Gießen, 12. Oktober 1904.

Auszeichnung. S. K. H. der Großherzog haben dem evangelischen Pfarrer Alexander Schuch ar d zu Rein­heim anläßlich seines fünfzigjährigen Dienstjubiläums das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Groß­mütigen verliehen.

** Schulpersonalien. Lehrer Joh. Schmidt zu Steinberg bet Gedern, welcher eine Reihe von Jahren dort wirkte, wurde nach Groß-Hausen bei Bensheim ver­setzt.

** .Auf der internationalen Ob st aus st ell- ung zu Düsseldorf fielen nach einer Mitteilung des Hessischen LandwirtschastsratS auf die hessischen Aus­steller ca. 70 Preise, barunter 18 erste, 20 zweite und 21 dritte Preise im Gesamtbetrag von ca. 2350 Mk., ferner eine große Anzahl von Medaillen, darunter 3 goldene und 10 silberne. In der großen Hauptkonkurrenzklasse, in welcher die verschiedenen Länder zusammen im Wettbewerb standen, erhielt Frankreich den ersten, Holland den zweiten, Hessen, das in dieser Klasse durch eine Ausstellung des Hessischen Landwirtschaftsrats gemeinsam repräsentiert war, den dritten Preis mit 300 Mark sowie einen Ehren­preis als Zuschlagspreis für seine wissenschaftliche Leist­ung. Von auswärtigen Staaten konkurrierten außer den genannten Belgien, die Schweiz, Ungarn. Norwegen.

X Hochbetagte Geschwister. In Udenheim und Schornsheim in Rheinhessen leben zurzeit 4 Geschwister, welche 79, 80, 82, 87, zusammen also 328 Jahre zählen. Die Hochbetagten sind alle noch geiftig frisch und leben

in guten Verhältnissen bet ihren Kindern und Enkeln, deren Zahl recht stattlich ist.

** Große Geslügel- Vogel- und Kaninchen- Ausstellung. Der Geflügel- und Vogelzucht-Verein für Gießen und Umgegend, (eingetr. Verein) hält m den Tagen vom 10.12. Dezember im Reuen Saalbau hier seine V. Allgemeine Geflügel- und Vogelausstellung ab, welche das erste Mal mit einer Kaninchen-Ausstellung verbunden fein wird.

** Bundestag der deutschen Bodenreform in e r. Am Sonntag wird die Tagung des Bundes der deutschen Bodenresormer in Darmstadt sich mit der Be­handlung folgender Gegenstände befassen: 1.Die Ver­staatlichung der Wasserkräfte". Referent: Prof. Dr. Schär- Zürich. 2.Bodenreform und Kolonialpolitik". Referent: Admiral Dr. Bo et er s-Eharlottenburg. Haben auch die für Samstag den 13. Oktober vorgesehenen Berhandlungs- gegenstünde mehr aktuelle Bedeutung, so stehen diesen die oben genannten doch an Wichtigkeit nicht nach. Die Na­men der Referenten bürgen dafür, daß den Teilnehmern an der Tagung Erweiterung und Förderung ihres volks­wirtschaftlichen Gedankenkreises in weitgehenoem Maße ge­boten wird.

** Jägerlatein. Von einem Handwerksmeister, einem gewaltigen Nimrod vor dem Herrn, wird, wie man uns schreibt, nachstehendes Stückchen erzählt: In Jügerkreisen wird dessen sprichwörtliches Pech auf dem Anstand damit erklärt, daß der schon ältere Herr, der sonst als guter Schütze bekannt ist, wenn er aus dem An­stand sich befindet, kaum eine Minute stille halten kann. Dieser Tage hatte der Jägersmann aber ganz gegen die Regel gewaltiges Glück; Obgleich es um diese Zeit schwer ist, einen Bock vor den Laus zu bekommen, erlegte der Weidmann deren zwei kurz hintereinander. Ein Jagofreund des Mannes, welcher Zeuge des Ereignisses war, erklärte gestern in einer Gesellschaft von Jägern, der Schütze habe aber an dem Tage aus dem Anstand sich so ruhig ver­halten, daß ein Rotschwänzchen sich aus seine brennende Zigarre, die er vor Abgabe des Schusses im Munde trug, ganz behaglich niedergesetzt hätte.

"DteStädteAlSseld, Friedberg und Bingen, bezw. die Gemeindevertretung mitsamt dec Bürgerschaft dieser Städte haben an die Erste Kammer eine Eingabe gerichtet, in der sie gegen die Aushebung des Privilegiums der Wahl eines eigenen Abgeordneten Protest einlegen und die Erste Kammer um Wiederherstellung bei' Regierungsvorlage in diesem Punkte ersuchen.

** Zur Herchenhainer Bürgermei st erwähl liegt uns heute ein längeres Schreiben vor, das von dem neuen Bürgermeister Heinrich Komp geschrieben und von dem Beigeordneten Adolph, drei Gemeinderatsmitgliedern und vier anderen Männern unterzeichnet ist. Es nimmt Bezug auf eine kurze Notiz in unserer 9lr. 235 und behauptet im wesent­lichen folgendes:

Es sei nicht richtig, daß der Wahl wochenlange Freizechen voransgeganaen seien. Richtig sei, baß bet den 5 Wahlversamm­lungen bas Bier von ben Bestellern und nicht von Herrn K o nt p (bein neuen Bürgermeister) bezahlt worben sei. Bet ber Bürger- meislerwahl vor 18 Jahren seien gattz andere Dinge vorgekommen; sie Halle dem damals Gewählten nach feiner eigenen Aussage Alt. 1560 gekostet. Daß Herr W e t b n e r auf seine Wieder­wahl verzichtet habe, fei falsch. Herr Weidner hatte sich alle erdenkliche Mühe gegeben, für feine Wahlversammlung ein Lokal zu erhalten, was aber daran scheiterte, daß die beiden Wirte, mit denen Herr Weidner nicht im besten Einvernehmen stehe, chm ihre Lokalitäten verweigerten. Herr Weidner habe unter den weit­gehendsten Versprechungen LetUe auf seine Seite zu bringen ver­sucht, aber ohne Erfolg. Bei der Einberufung einer Versamm­lung in das von ihm bewohnte HauL seien ferne sieben Alaun er­schienen. Ein Beleidigungsprozeß, zu dem Termin am 2. November anstehe, werde mancherlei Aufschlüsse bringen.

(A.) Echzell, 11. Okt. In der Nacht vom 8. aus 9. Ott. ist aus dem in der hiesigen Gemarkung gelegenen Bingen- heimer Forsthau- (Jnstttut Präzeptor Lucius) ein schwerer EinbruchSdiebstahl verübt worden. Der Dieb ist durch das Abortscnster eingesttegen und hat ein im untern Stock befindliches Pult erbrochen, wodurch ihm der darin aufbewahrte Geldbetrag von 900 Vttrrk in die Hände ge­fallen ist. Wie man hört, soll der Dieb den Einbruch schon vor einigen Tagen beabstchttgt Huben, wobei er aber durch das Erwachen einiger Jnstttutszöglinge ver­scheucht wurde, die ihn im Dunkel der Nacht verschwinden sahen. Der Einbruch kann nur von einer mit den örtlichen Verhältnissen vertrauten Person begangen worden sein, der es sicherlich auch bekannt war, du.fi der Hausherr zurzeit verreist ish. Dem ^Vernetzmerr nach ist man dem Täter bereits auf der Spur^

t. Allertshausen, 10. Okt. Unsere alte baufällige und auch nicht mehr zeitgemäße Kapelle soll durch ein neues Kirchlein ersetzt werden. Sobald man sich über die Platzfrage für die neue Kapelle geeinigt haben wird, wird mit dem Bau begonnen werden.

KB. Darmstadt, 11. Okt. Das frühere Geschäfts­und Wohnhaus de§ falliten Bankhauses C. Schade in

Damit begab sich Meinett in die Scheune, während Frau Memert emsig an ihrer Näherei weiter arbeitete.

xie Antipathie der beiden einfachen alten Leute gegen Herrn xeugebaur, den neuen Sekretär Ferdinands, war wohl gerecht- tertigt, denn der neue Sekretär steckte fein schlaues Fuchsgesicht in alle Kinkel und Ecken, fragte mit überhöflichem Lächeln die Leute aus und ftrich in Wäld und Feld umher, als suchte er emen öetloieenen Gegenstand. Wenn man es sich am wenigsten r^ttah, tauchte ^plötzlich auf, erfchreckte durch sein unvermutetes Fragen und störte die Knechte bei ihrer Arbeit. jJcan Krollte oerneTtt haben, daß er sogar an der Türe lauschte, lTn Gesindezimmer versammelt waren oder die Knechte und Magoe abend- nach getaner Arbeit plaudernd Msammenftanden. v

te*rote Fuchs", wie Herr Neugebaur bald allgemein genamit wurde, war überall zu nnden, bald in der Küche, bald in den etällen, halb m dem Gatten, bald in ben Scheunen.

Jean faxebiete unb fasste ihn unb nach kurzer Zeit ver­stummte ein jeber, wenn Herr Neugebaur austauchte Man beant- wortete ihm nur das Notwendigite drehte ihm auch wohl den Rücken, ohne ihn überhaupt einer Antwort zu würdigen

Ter Sekretär lächelte dann gutmütigftpöttisch und entfernte suh mit höflichem Grutz. 1

- Je batz Herr Broller ten

Sekretär durchaus nicht mit Freundlichkeit und Achtung behandelte Sein Wesen war gereizter und ungebulbiger als je; ex sprach mit niemandem mehr, aber das Hausmäbchen erzählte, daß ber Herr oft heftig unb ärgerlich mit dem neuen Sekretär spräche, wenn sie beide abends in des Herrn Arbeitszimmer zusammen- jaßen.

In der Tat reizte oas geheiinnisvolle Tun und Treiben Neu^ebaurs die Ungeduld Ferdinonbs auss äußerste, und endlich konnte cr sich nicht mehr mrückhalten. In ziemlich heftiger Weise trug er Neugebaur nach den Resultaten seiner Nachsorsaiungen.

Mit ruhigem Lächeln sah ihn bet Selretär an.

nW werden ungeduldig, Herr Groller", sagte er dann,aber

Sie tun mir unrecht. Ich habe neue Spuren entdeckt unb wenn ich sie Ihnen bislang nicht mitteilte, so kam bas daher, daß ich vorher ein besinitives Resultat erzielen wollte. Jetzt kann id) jeboch sprechen."

,Lch bitte Sie darum."

(Fortsetzung folgt.)

Aus bem Frankfurter Kunst leb en. Bei ben ersten Eindrücken aller Kunst, die der jmrge Lenbach in Augs­burg empfing, sagte er unter anderem:Nichts überxasckste mich an diesen alten Bildern, ich fühlte mich unter ihnen sofort zu 5)ause, unb es mar mir, als hätte ich in alter 3eit, vor Hunderten vor Jahren selbst alles bas erbacht unb gemalt." Unb wie er in Augsburg gefühlt, so auch in Venebig mit Giorgone unb Titian, unb bie herrlichen 50 bei Herrn es ausgestellten Porträts sind selbstschöpferische, in ihrer Vollenbung bargestellte, keine nux bortxätierie Menschen. Diese Helden, Hexxsck-er, majestätische unb träumexische Fxauen, Künstlex unb Entbecker tiefe kleine hier ausgestellte Zahl seiner zahllosen Arbellen nrorben, wie tiefe alle. Verkörperet: von Mut unb Schönheit, Weisheit unb Idealis­mus bleiben, wenn die, bie dazu Modell gesessen, längst vergessen sinb bis auf Bismarck den der Künstler freilich nur zu kopieren brauchte, um eindrucksvollste Größe festzuhalten.

Richard Wagner an Mathilde Wesendont. Tagebuchblätter und Briefe. 18531871. Herausgegeben unb eingeleitet von Prof. Tr. Wolfgang Golther. 400 Seiten mit 4 Bildern unb 3 Faksimile. Geh. 5 Mk. Diese Tagebuch- auszeichnungw Wagners gehören neben den künstlerisch wichtigen 2iolumentui, bie man fast auf jeber Seite findet, zu dem Zartesten, Innigster? und Stimmungsvollsten des ganzen Buches. Tas sind in Wah/.heit mehrfach Ticlstungen in Prosa, es sind Stimmen aus b l tiefsten Einsamkeit, in die er sich in Venedig vergraben hatte. ...ab nach tun st historischem Interesse ihm Wert verleiht, fit ber Einblick in bie Werkstatt eines Geistes, ber ein klares sollen besaß, ber jedem Werke einen Teil seines Selbst tnilgab. Hu dem Sinne wirb bas Buch auch auf anoeren Gebieten des

Geistes und der Kunst unübertroffen dastehen. Wer es nicht kennt, ber kennt auch Richard Wagner nicht völlig.

Aus dem Wettbewerb für das von Luise Dumont unb Gustav Lindemann geplante Schau spie Ihaus, das in D ü s s e l b o r f erstehen wird, ist der Entwurf im strengen Souib XVI.-Stil des Berliner Architekten Sehring siegreich hervor­gegangen. Es sindnächtige dieuerungen bei Bühne unb Zu- schanexraurn" vorgesehen und ferner eine Erweiterung der Zwecke über bie Aufgaben bes Schauspiels hinaus zu einer Eimvickung auf die allgemeine geistige Kultur. Es handelt sich umeine eigene Kombination ästhetischer Zwecke mit ethischen Zielen unb bis zu gewissem Grade mit Absichten, ähnlich denen berUniversity extension"-Bewegung". Außer dieserB o l k s a k a b e m i e" ist ein Saal für pädagogische Zwecke vorgesehen, wo nickst nur junge Talente für bie Bühne vorgebilbet werben sollen, sondern auch Unterricht im Sprechen unb Reden an Juristen, Philologen usw. erteilt wird.

Ein Telegramm aus Köln berichtet:Kilometer- freHer", Schwank in brei Akten von Curt Kraatz", hatte am Kölner Resibenztheater bei ber Uraufführung großen Lach­erfolg. Verfasser und Darsteller wurden nach jedem Akte sehr lebhaft gerufen.

Berlin, 11. DEL Heber die Einführung der draht­losen Telegraphie in den Bereinigten Staaten wirb die Nachricht verbreitet, daß die VergleichSversuche seitens der von der Negierung bestellten Sachverständigen über bie Ein­zelnen Sßsteme ber Wellentelegraphie nunmehr abgeschlossen seien, unb baß man sich Weber für Marconi, iwch für bas beutfdje Telefunkenshstem, sonbern für das Shstein von Tr. bc Forest entschieden habe. Demgegenüber wird von authentischer Seite mit* geteilt, baß bie Reihe von Experimenten, welche die Brauchbar* feit ber verschiedenen Systeme und deren Konstruktion in ein gehender Weise bar tim sollen, noch nicht abgeschlossen ist, und daß eine Entscheidung über bie Einführung irgend eines Systems der drahtlosen Telegraphie bisher noch nicht g e t r o f \ e u worden ist.