Ausgabe 
12.10.1904 Zweites Blatt
 
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Nv. 24O

Zweites Blatt.

154. Jahrgang

Mittwoch. Oktober 1904

Kch«r Anzeige

General-Anzeiger, Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen

Rotationsdruck und Verlag der Brühl 'schm UnwerfttätSdruckerei. R. Lange, Gießen.

Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulftr.7.

Tel. Nr. 6L Telegr«-Adr. i Anzeiger Gießen»

Erscheint tSglich Ausnahme des Sonntags.

Die ^Gießener Zamilienblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »hessische CattötotrF* erscheint monatlich einmal.

KrKanntmachnng.

Der Schwelnerotlauf in dem Gehöfte des Peter Stein in Climbach ist erloschen. Die Sperre ist aufgehoben.

Gießen, den 6. Oktober 1904.

Großherzocsiick Kreisamt Gießen.

I. V.: Haberkorn.

Keliannlmachung.

Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß die von der Gesindevermieterin Pitzer beanspruchte Gebühr beträgt:

1. für Vermittlung eines Dienstboten an eine

Herrschaft nach Gießen ...... Mk. 3,

2. für Vermittlung eines Dienstboten an eine

Herrschaft nach auswärts ..... Mk. 5, wovon der Dienstbote jemals Mk. 2, zu entrichten hat.

Gießen, den 10. Oktober 1904.

Großherzogin ' >> valiAcmmt Gießen.

Herberg.

Amtliche Nachrichten über Viehseuchen.

Die unter dem Schweinebestande des Heinrich Herrmann zu Triebertshausen (Kreis Biedenkopf) ausgebrochene Rotlauf­seuche ist erloschen und die Gehöftssperre aufgehoben.

Hubertusstvck, ben 1L Oktober.

Wilhelm."

Zum heutigen Tage hatte der Kaiser an Dr. Drtz- ander folgendes Telegramm gesandt:

Zum heutigen Festtage sende ich von ganzem Herzen meine Glückwünsche und erbitte Gottes ferneren e>egen für das Stift, Wie er ihn in so reichem Maße auf dasselbe ausgeschüttet hat. Mögen aus dem Stift stets Männer hervorgehen, die in den Geist des Evangeliums eindringend sich immer tiefer in die Person unseres Herrn und Heilandes und sein Leben versenken: ich empfehle Ihnen die nachstehenden Worte Luthers sich zum Leitfaden zu nehmen: ,Jcü halte diese Regel stets, daß ich solche Fragen, die uns hineinziehen in den Thron der göttlichen Majestät, umgehe, soweit ich kam: und ist viel besser und fixerer, daß man herunter stehen bleibe bei der Krippe des Herrn Christi, der Mensd) worden ist, denn so man sich verwirret mit der Gottheit, ist viel Gefahr dabei'. Ihnen habe ich zum Ausdruck meines Tankes für Ihr unermüdüclies Wirken den Titel Exzellenz verliehen." ¥

Auch die Kaiserin sandte telegraphisch Muck- und Segenswünsche. Nach Dankesworten Dryanders und einem Segenswunsche für den Kronprinzen und seiner Braut er­hob sich Prinz Friedrich Heinrich zu einer An-

Ias Jubiläum des Werlirrer JomLandlbatenstlfles.

Berlin, 11. Oktober.

Anläßlich der Feier des fünfzigjährigen Jubiläums des königl. Domkandidatenstiftes wurde in der Kapelle des Stiftes Festgottesdienst abgehalten, dem als.Vertreter des Kaisers Prinz Friedrich Heinrich, ferner Kultusminister Dr. Studt, sowie hervorragende Geistliche und Universitäts- Professoren beiwohnten. Die Festpredigt hielt als Evhorus de^S tiftes Oberhofprediger Dryander; er gab folgen­des Schreiben des Kaisers aus Huberlusstock bekannt: Empfangen Sie meinen herzlichsten Tank für die Ein­sendung der Festschrift zum 50jährigen Jubiläum des Torn- kandidatenstists und für die Versicherung treuer Anhänglichkeit, die Sie in dem Jmmediatschreiben vom 6. d. Di. im Namen der Stistsgemeinde zum Ausdrucke gebracht hoben. Wenn ich auch am heutigen Jubiläum zu meinem lebhaften Bedauern nicht per­sönlich tecknehmen kann und mit meiner Vertretung den Prinzen Friedrich Heinrich von Preußen betraut habe, so kann ich es mir doch nicht versagen. Ihnen und allen Mitgliedern und Or­ganen des Stifts zu diesem bedeutungsvollen Abschnitt in seiner Geschichte meine wärmsten Glückwünsche auszusprechen und meinen königlichen Gruß au entbieten. Gleich meinen erlauchten Vor­gängern an der Krone nehme ich lebhaften AnteU an dem Ge­deihen dieser HohenzoUern-Stiftung und freue mich des großen Segens, der dank der treuen Arbeit des berufenen Ephoren in den 50 Jahren des. Bestehens des Tomkandidatenstifts von ihm für unsere teuere evangeliscbL Kirche ausgegangen ist. Möge Gottes Schutz und Gnade dem Stift auch in feinem ferneren Wirken nimmer fehlen. Mögen aus ihm aUezeit nur glaubensstarke und treue Männer zur Arbeit im Reiche Gottes hervorgehen!

Ier King.

Kriminal-Roman von O. Elster.

(Nachdruck verboten.)

(Fortsetzung.)

Nein doch ja, einmal! Er meinte kurz vor seinem Tode, ich sollte das Fräulein entlassen, es scheine ihm ein gefähr­licher, unheimlicher Charakter zu sein."

Ah, sagte er das wirklich?"

Ich entsinne mich genau ich fragte ihn erstaunt, weshalb er die Wirtschafterin nicht leiden könne? Sie sei ein stilles, pflichteifriges Mädchen. Er erwiderte, sie habe etwas Verstecktes ui ihrem Wesen; sie spüre ihm nach. Tann kamen wir nickst mehr auf das Thema zurück." n m

Hm hm, es ist sicher, dahinter steckt etwas? Bekam Fräu­lein Wüllbrandt nicht öfter Briefe?"

Zuweilen. .Aber sehr selten." ,

<5ie wissen natürlich nickst, woher diese kamen?

Nein meistens aus Berlin, so viel ich mich entsinne.

Hat sie keine Verwandte?" , r.

Sie ist Waise. Ich engagierte sie in Berlin, nachdem fte sich auf eine Annonce von mir gemeldet hatte. Vorher war sie Wirtschafterin auf dem Rittergut Tutkowo in Polen gewesen, dann hatte sie einem alten Ehepaar in Berlin die Wirtschaft ge­führt. Ihr Vater war Schullehrer in Westpreußen gewesen, ich glaube in der Nähe von Brombeog. Sie war eine durchaus gebildete Pcisvn und hatte ihr Lehrerin-Examen gemacht. öte verstand Französisch und Englisch." ,

Etwas viel für eine Wirtschafterin", lachte der Justrzrat.

Tie Schulmeisterei habe ihr nicht zugesagt, erklärte sie mir bei ihrem Engagement."

Verreiste sie niemals?' , ,

Jldcs 3alyr einmal im Winter. Auch tm letzten Frühling war sie vierzehn Tage verreist. Während sie früher von diesen

ig war, in Berlin, Wert, festzustellen, j vom Provinzial-

VMische Tagesschau.

Zum Berliner Schulstreit.

schreibt dieNordd. Allg. Ztg.":

Tie BerhaN'dllungen und die Beschlüsse der Berliner Stadt­verordnetenversammlung vom 6. Oktober in der An­gelegenheit des sogen. Schulstreits weisen eine geradezu erstaun­liche Unklarheit in der Auffassung der Sach- und Rechts­lage auf. Es ist durchaus nickst geltendes Recht in Preußen, daß die öffentlichen Volksschulen, insotveit sie von

daß der Berliner städtischen. Schulverwaltung v fchulkollegium eröffnet worden ist, daß die Ueberlassung der städtischen Schulgebäude, insbesondere der Turn­

aufsicht beschränkt ist, und zwar unter Stornierung von Macht­befugnissen für die Behörde, welche über die den Kommunalauf- sichtsbeyörden eingeräumten weit hinausgehen. In Frage konnte nur kommen, ob es notwendig und zweckmäßig war, in Berlin, wie geschehen, vorzugehen. Hierfür ist von r' ' r * ~

hallen, unzulässig sei: an den polnischen Turnverein- Falke, an den tschechischen Verein Sokol, an Schüler- abteilungen des sozialdemokratischen Turnvereins Fichte, an die freireligiöse Gemeinde zu Vorträgen fite Jugendliche. Nur um diese vier handele es sich. Es muß ver- wirrend auf die Herzen der Jugend, die Empfindungen der Lehrer und Eltern einwirken, wenn dieselben Räume, worin den obersten Grundsätzen der preußischen Volksschule gemäß gelehrt und gewirkt wird, zugleich zur Förderung von entgegen­gesetzten Bestrebungen verwendet werden. Ta die mehrjährigen Versuche, auf dem Wege vertraulicher persönlicher Beziehungen eine Lefeitigung der Mißstände herbeizuführen, ge­scheitert sind, bleiben nur auf rechtlicher Grundlage beruhende Maßnahmen. Tie Turchführung letzterer wird in entschieöener Weise erfolgen, unbeirrt durch den angekündigten Widerstand.

Die preuß. Regierung wird also Leinenfalls nachgeben. Eine Erwiderung der Stadt Berlin auf diese Darlegung dürfte nicht ausbleiben.

gltiier die ZL d.utung ö?r ^unOwtrl^dft finden wir beachtenswerte Aeußerungen an zwei Stellen. DieGrenzboten" veröffentlichen einen Artikel über Welt­politik, dem wir folgende Stellen entnehmen:

Tie A r nt e e in Qualität und Quantität immer intakt zu erhalten, ist also die erste Bedingung für gedeihliches politisches Leben unseres Vaterlandes, die erste Bedingung, die immer erst erfüllt werden muß, ehe wir vernünftigerweise an Welt- Politik, Flottenpläne und koloniale Erwerb- ungen denken können. Gerade deshalb ist der mit allen mög­lichen Schlagwörtern angegriffene Schutz unserer heimi­schen Landwirtschaft unabweisbar. Sie ist es, die unserem Heere und unserer Marine auf absehbare Zeit einen körperlich und geistig unverdorbenen Ersatz liefern kann, und mit deren Hilfe mir uns in der Lebensmittelversorgung vom Auslände werden unabhängig erhalten können. . . . Die Grund wurzeln unserer Kraft werden nach wie vor in Deutschland selbst ruhen. Tiefes darf von den Kolonien nur im Bezüge der industriellen Rohstoffe, aber nie in der Lebensmittelversorguiig abhängig gemacht n-erdeu. Nie dürfen wir vergessen, daß unser Vaterland infolge seiner geo­graphischen Lage eine Festung ist, die jeden Tag für eine Belager­ung gerüstet fein muß. Je mehr die Negierungen in unermüd­licher Arbeit dafür sorgen, dag die jetzt noch brachliegenden Oed­länder Deutschlands urbar gemacht werden, damit unsere Ge­treide- und Viehvroduktion gesteigert ivird, desto sicherer werden wir auch her Eventualität eines europäischen Krieges ins Auge sehen können, der uns bei ungenügenden Lebensmittel- norräten sonst wahrscheinlich die schlimmsten Gefahren, jedenfalls aber eine Preissteigerung ohnegleichen bringen würde."

Die andere bemerkenswerte Aeußerung finden wir in dem nationalsozialen WochenblattePilatus". Hier spricht sich Dr. Walther Claaßen folgenderutaßen aus:

Ter Landwirt ist der ganze Mensch. In ihm liegt nichts brach. Hand, Arm, Kopf, Auge, Erde, Tier, Sonne und Wärme, kurz alles Dasein vereint sich in seinem Tun zu harmo­nischem Leben. Ter ganze Mensch spannt sich an, und so kann ungestraft auch der ganze Mensch genießen. Ter Stadtmensch arbeitet als Teilmensch, will aber als ganzer Mensch genießen. An diesem Widerspruch schon siecht er dahin. Alle Organe verkümmern, da sie nur genießen, nicht wirken, nur Eines bleibt: die un­geheuere Beweglichkeit, die Erfindsamkeit immer neuer Quellen des Profits (freilich nur wenige Generationen: bann ist auch das hin). Es regiert der Tärnon Kapital. Er bringt alle gött­lichen und menschlichen Rechte unter seinen Fuß. Ter Landwirt strebt gar nicht nach Erhöhung feines Einkommens. Er will behalten, waS er hat. Sein Genuß befriedigt ihn wirklich. Darum ist er konservativ.Allezeit ist Tugend am meisten und Fried am wertesten gewesen bei denen, die das Erdreich bauen", fo sagt der Reformator Ullrich Zwingli. . . .Tie agrarische Weltan­schauung ist die Wellanschauung deSeisernen Rückgrats", des unbeugsamen Wlllens, der Tradüion, der Rangordnung. Ich freue mich, daß derPilatus" mir die sonst sehr seltene Gelegenheit gegeben, sie vor einem meist anders denkenoen Leserkreise zu vertreten. Mögen die Liberalen weiter die Zahl der Bauern ver­mindern, die Industriearbeiter vermehren. Ter Großindustrielle gräbt mit seiner Freihandelspolitik seinen eigenen Kindern das Grab. Heute mehr Profit, morgen kommen dieArbeiterbataillone" und nehmen ihn. Er sammelt nicht für seine Kinder, sondern für den Zukunftsstaat. Mögen die Liberalen weiter fortfahren, dem Grundadel seinen Boden abzuaraben. T«er Rest, der trotz dieser Schwierigkeiten zurückbleibt auf dem Lande, seine Unabhängigkeit wahrt, diese Minderheit, sie wird eine Auslese der Unbeug­samsten sein. Diese Minderheit wird sich aus eigener Ueber- zeugung um den angestammten Thron scharen, mit dem Ent­schlüsse, ihre Pflicht zu tun gegen den Umsturz bis zum letzten Atemzug, mit dem Entschlüsse: zu siegen oder zu fallen."

den politifchen Gemeinden unterhalten werden, als Gemeinde­anstalten lediglich der Kommunalausfick>t unterstehen, sie sind viel­mehr der staatlichen Schulaufsicht unterstellt. Diese überträgt nach § 18 der als gesetzliche Norm geltenden Regierungs­instruktion von 1817 den B/zirksregierungen unter anberm die Tirektion und Aufsicht über alle öffentlichen und Privatschulen, die Verwaltung des gesamten Elementarschulwesens, die Aufsicht über die Verwaltung sämtlicher äußeren Schul- angelegenheiten. Nach den Rechtsgrundfätzen des Oberverwallungs- gerichts unterliegt es keinem Zweifel, daß die Gemeindeautonomie in Ansehung der Schule durch Schul- anstelle der Kommunal-

Reisen sehr aufgeräumt zurückkam, bemerkte ich nach der letzten Reise eine tiefe Niedergeschlagenheit bei ihr."

Eine Vertrauensfrage, Herr Groller", sagte der Anwalt. Ich entsinne mich des Mädck)ens sehr wohl, es war von eigen­artiger Schönheit3 haben Sie nie . in näheren Beziehungen zu ihr gestanden?"

Er legte die Hand auf das Knie Grollers und sah ihn mit schlauem Lächeln an.

Ruhig und fest erwiderte Groller:Niemals, Herr Justizrat. Ich hatte ganz andere Absichten."

Ja, ich weiß die kleine Pfarrerstocher. Mer hat die Wüllbrandt nicht etlva Absichten auf Sie gehabt? Tas kommt ja vor"

,Hch denke nicht. .Ich entsinne mich allerdings, daß sie Fräulein Vollmar nicht leiden konnte."

Aha ein anderes Judicium! Nun, mein bester Herr Groller, wenn Sie wirklich diese Angelegenheit weiter verfolgen wollen, so ist es vor allem nötig, Fräulein Wüllbrandt beoback)ten zu lassen. Wohin hat sie sich gewandt?"

Ich weiß es nicht."

Tas ist ärgerlich. Wenn das Mädchen wirklich in die Mge- legenbeit verwickelt ist, wird sie sich^ verbergen. Aber heute verschwindet man nicht mehr spurlos. Sie wird aufzufinden sein. T>as ist unsere nächste Ausgabe. Ich bitte Sie morgen früh wieder zu mir zu kommen; ich werbe Sie dann mit einem Herrn bekannt machen, den ich schon mehrere Male mit solchen delikaten Aufgaben betraute."

Einem T-etektiv?"

Ja, so nennt man die Leute", entgegnete der Anwalt lächelnd.

Und ich Bann wohl sagen, daß mein Privatdetektiv die feinste Spürnase besitzt, die sich nur ein Jagdhund wünschen kann. Sie können ihm völliger? Vertrauen schenken. Jetzt muß ich Sie aber bitten, mich zu entschuldigen, da ich zu einer General­versammlung der Tcutschen Bank muß. Riorgen früh sehen wir uny wieder."

Er erhob sich und schüttelte Ferdinand freundschaftlich die Hand. Tann begleitete er ihn bis zur Tür, wo er sich nochmals auf das Freundschaftlichste von ihm verabschiedete.

Als Ferdinand das Zimmer verlassen, blieb er einen Augen­blick in Nachdenken versunken stehen, dann Hingelte er und befahl seinem eintretenben Bnreauvorsteher:

Telephonieren Sie an Herrn Neugebaur, er soll sobald wie möglich zu mir kommen."

Tarauf wandte er sich gleichmütig seinem Wenstudium wieder zu.

6. Kapftel.

In Wendeffen war man sehr erstaunt, alsl nach einigen Tagen Ferdinand Groller zurückkehrte, obgleich er bei feiner Abreise Anordnungen für eine längere Abwesenheit getroffen hatte. Ter Verwalter Mejnert war am wenigsten zufrieden;er stört mir nur die Arbeit durch sein fahriges Wesen", brummte er,und wacht die Leute kopfscheu, die ihn noch immer in dem Verdacht haben, seinen Bruder erschossen zu haben."

.Latz ihn dock/", begütigte seine Frau.Er ist doch nun einmal der Herr hier und um die Arbeiten kümmert er sich ja fast gar nickst mehr ,sondern überläßt alles Sir."

.Das ist lvahr", entgegnete Meinert.Die Landwirtschaft scheint ilym ganz glcid>giltig geworden zu fein. Wenn ich nur roüßte, was er mit diesem rothaarigen Menschen, den er mit* gebracht hat, immer zusammenhockt. Ter Bursche lbrnutt mir verdächtig vor."

diengierig ist dieser Herr Sekretär Neugebaur ftellich über alle Maßen", lachte Frau Meinert.Er spioniert überall umher und fragt bis Menschen aus. Weißt Tu, wenn ich nickst wüßte, daß der Prozeß vorüber und begraben ist, so würde ich ben Selrstär für einen Kriminalbeanttcn halten." w

Was braucht Herr Groller einen Sekretär?" brummte Mei­ne ri.Seine - schon allein besorgen. Na,

mich gelst's nichts an, ic i tut und treibt. Aber wenn der Rothaarige sich au mich yeranmacht, bann wird er schon die richtige Antwort erhalten."

spräche, gedachte der Wirksamkeit der Anstalt, der aus ihr hervorgegangenen Geistlichen, besonders des Oberhof­predigers Kögel, und sprach den Wunsch aus, das Stift möchte allezeit eine Stätte wahren evangelischen Glaubens sein. Zuletzt überbrachten die Vertreter der Behörden ihre Glüettvünsche. Der Minister teilte mit, er habe der Anstalt eine Anzahl Bilder der Weimarer Luther-Ausgabe überreichen lassen. Es wurden verschiedene Ordensauszeich- nungen verlieyen.

Redebeschrankung im Reichstag.

Bereits jetzt, sechs Wochen vor Medereröffnung des Reichstags, hebt in der Presse ein Meinungsaustausch dar­über an, wie der Reichstag die iBielrederei einschränken könnte, ohne die Redefreiheit anzutasten. Daß im Reichs­tag übrigens auch in der hessischen Kammer viel kostbare Zeit mit Darlegungen verschwendet wird, die nicht dem Auditorium gelten, sondern zu Agitationszwecken zurft Fenster hinausgesprochen werden, ist eine allgemeine Uebar^ zeugung.

Eigentlich müßten die Sozialdemokraten danach trachten, daß eine Beschränkung der Redezeit zur Ein> führrmg gelangt. Dtan weiß doch von den sozialdemo­kratischen Parteitagen her, wie außerordentlich gewandt sich die Redner mit dem streng gehandhabten Gebot abzu­finden wissen, wie sie es verstehen, in den knappen Rahmew ganze Dtenge sachlicher Ausführungen zusammenHudrängeft und obendrein noch allerlei gesalzene Bosheiten siir den Gegner unterzubringen! Angehörige anderer Par­teien haben nicht soviel Uebung in per Kürze, die nach Shakespeare des Witzes Seele ist, nicht das Maß von Be­gabung, mit ein paar Strichen die Situation zu kenw- zeichnen, die Schlagfertigkeit, die gerade jene Debatten oft' so lebhaft, schneidig und anziehend macht. Also, käme die begrenzte Redezeit auf, die äußerste Linke würde allep Wahrscheinlichkeit nach am geschickteften die neue Forrft beherrschen. Selbst der Abg. Stadthagen, der ge- sürchtetste aller Dauerredner, entdeckte vielleicht das Talent in sich, mit wenig Worten, wenn nicht viel, so doch Manches sagen. Und statt zwei, höchstens drei Sprecher in einer Sitzung könnte die äußerste Linke die doppelte und drei­fache Anzahl ins Feld führen. Aber vor allem die Zeit­ung s l e s e r, die sich bisher durch endlose Vorträge hin­durcharbeiten Mußten, wie würden sie angeregt werden von dem raschen Tempo der Diskussion, von dev erfreu­lichen Abwechslung! Das b eben kli ch gesun kene In­teresse am Parlamentarismus würde sich mit einem Schlage wieder heben. Die Tribünen-Zuhörer, pro letzt, hoffnungslos der Langeweile preisgegeben, das Wie­derkommen feierlich verschwören, rissen sich um Einlaß­karten zum Reichstag. Die Zeitungen mit den ParlamentÄ berichten würden mit brennender Wißbegierde erwarteh Endlich, die Anziehungskraft des neuen Modus auf die Mitglieder des hohen Hauses! In den Parlamenten wird gern gelacht. Nun stelle man sich vor, wieviel heitere Szenen entstehen können, dadurch, daß mit der Uhr in der