Nr. 314
General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die „Gießener ZamM end lütter- werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der .Hessische Landwirt" erscheint monaUich einmal.
Rotationsdruck und Verlag der Brü hl 'sehen Unwersttätsdruckerei. R. Lange, Gleßen.
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Tel. Nr. 5L Telegr.-Adr.; Anzeiger Gießen»
Zweites Blatt. 1S4. Jahrgang Montag 12. September 1904
Gießener Anzeiger
Keneral v. Trotyas Mißerfolge.
Das Ergebnis der Einkreisung der Herero am Water- öerg, wovon sich General v. Trotha einen so großen Erfolg und eigentlich wohl die tatsächliche Niederwerfung des Aufstandes versprochen hatte, stellt sich allrnählich als noch viel geringer heraus, als es selbst nach den anfänglichen Nachrichten von dem gelungenen Durchbruch größerer Herero- Maffen erschien. Es wird immer klarer, daß der ganze Einkreisungsplan verfehlt war, weil er nicht genügend mit den schwierigen örtlichen Verhältnissen und der Eigenart dieser Neger gerechnet hatte. Nach dem Eintreffen General v. Trothas wurde recht abfällig über die Kriegführung Oberst Leutweins geurteilt. Jetzt scheint es aber doch, als ob der Leutweinsche Plan der weniger zeitraubende, weniger kostspielige und den örtlichen Verhältniffen und der Natur des Feindes mehr angepaßte gewesen sei. Hauptmann Dannenhauer, der einzige an Ort nnd Stelle befindliche Berichterstatter, spricht es jetzt ganz unverhohlen auS: die Expedition des Generals v. Trotha ist völlig gescheitert. Es sind nicht nur einzelne Trupps der Herero, sondern sie sind sämtlich nach Südosten entkommen und von ihren großen Viehherden ist so gut wie nichts in die Hände der deutschen Truppen gefallen. Wenn der Berichterstatter hofft, daß die einzeln im Lande umherziehenden Herero-Haufen schließlich durch Hunger zur Unterwerfung gezwungen werden, so ist das doch erstens nicht sicher und zweitens ist das eine recht weit ausschauende Erwartung, die in ihrem Werte noch dadurch eingeschränkt wird, daß schon jetzt als sicher angenommen wird, daß die Häuptlinge und alle die sonst Strafe zu fürchten haben, uns nicht in die Hände fallen, sondern sich auf englisches Gebiet in Scherheit bringen werden, dadurch für die Zukunft in der Lage, den Frieden im Schutzgebiet immer von neuem zu gefährden.
Im „Militärwochenblatt" wird in einer zwölf Spalten füllenden Abhandlung eine Rechtfertigung der Kriegführung General v. Trothas unternommen, welche in dem merkwürdigen Satze gipfelt: die Herero wären strategisch eingekesselt gewesen, aber nicht taktisch. Letzteres sei nur möglich gewesen, wenn rundrum kleine Abteilungen ein Entweichen hinderten, starke Abteilungen sie von den Schlüsselpunkten zurückdrängten und dann der Kreis allmählich verengt wäre. Solcher Einschließung aber stand die Unmöglichkeit entgegen, die vordersten Abteilungen für längere Zeit mit Waffer und Verpflegung zu versehen. Es scheine, als ob die Truppen zu diesem Behuse nicht ausreichend mit Wafferwagen und sonstigen Beförderungsmitteln für Waffer versehen seien. Ein zutreffendes Bild von den Bewegungen der einzelnen Kolonnen aus der Verfolgung laffe sich auS den spärlichen Mitteilungen nicht entnehmen. Jetzt handele e8 sich nicht mehr um Verfolgung, sondern um ein Vorgehen gegen den in Stellungen bei Otjomaso und Okowindonabo lauernden Feind. Seit dem 3. d. Mts. stünden etwa 3000 Mann für frontales und beide Flügel des Feindes umsaffendes Vorgehen bereit. Hoffentlich sei der Feind zahlreich, und hoffentlich bleibe er stehen. „Die Kämpfe am Waterberge", meint das „Militär-Wochenbl." zusammenfassend, „bilden den erfolgreichen Beginn der Unterwerfung der. Herero und die Herstellung der Ueberlegenheit der Weißen über die schwarze Rasse".
Die Ausführungen deS „M.-W." klingen nicht sehr zuversichtlich. Man kann daraus im besten Falle nur entnehmen, daß wir im Anfänge des Beginnes der Unterwerfung der Herero stehen. Und der Satz von der zwar strategisch
gelungenen, taktisch aber fehlgeschlagenen Einkreisung heißt doch auf gut deutsch nichts anderes, als daß die Einkreisung nur auf dem Pavier vollzogen war.
Für die künftige Kriegführung, meint der Berichterstatter des „L.-A.", werde für General v. Trotha und seinen Stab wenig mehr zu tun sein, da den einzelnen Abteilungen große Selbständigkeit gegeben werden muffe. Diese Ansicht ist auch von anderer Seite schon vertreren worden.
Gouverneur L e u t w e i n meldet vom 10. d. M.: Die Abteilung Stempel rückte vor dem Eintreffen der Expedition Lengerke mit 84 Mann von Plattbeen aus, um die durch Morenga abgeschnittene Patrouille zu befreien. Er stieß am 30. August auf dem Wege von Kouas nach Langhas, westlich vom Schanzogberg, aus Morenga, welcher 70 bis 100 Ge° wehre stark war. Beim Ansturm fielen Leutnant Baron Stempel und Sergeant Stolle. Die Kompagnie Koppy ist zur Aufnahme der Abteilung Stempel am 1. September von Hasuur auSgerückt. Wo sich gegenwärtig die Abteilung Lengerke befindet, i st nicht gemeldet.
Wie dem „Lokalanz." hierzu mitgeteilt wird, hat sich gleich nach Beendigung der Operationen gegen die Bondelzwarts in bem von Truppen entblößten Gebiete eine Bande von schlechten Elementen derHottentoten und anderer Stämme unter Führung eines Bastards gebildet. Am 1. ds. ging die Nachricht ein, daß diese Bande eine Herrn Müller von Berneck gehörende Farm im Bezirk Bethanien geplündert habe. Der Besitzer ist mit dem Leben davongekommen, und es werden wohl Teile der 3. Feldkompagnie, die in dem Gebiete steht, gegen die Bande ausgezogen sein.
General v. Trotha meldet ferner aus Otjosondu vom 8. September: Am 3. September wurde Volkmanns Spitze auf dem Marsche von Okahitua nach Okosondusu von Herero- banden angegriffen. Viele Hereros, darunter zwei Groß l^eute, wurden getötet. Diesseits wurde ein Reiter verwundet. Am 5. Septbr. versprengte Deimling bei Okowindombo starke Kräfte des Feindes, der zahlreiche Tote hatte und viel Vieh verlor. Diesseits keine Verluste, v. Estorfs sagte den Feind von Okosondusa in die Flucht über Otjomasu-Otjimbinoe. Der Feind ist anscheinend nach O st en und Südosten gewichen. Für die Verfolgung nach Osten bieten sich überaus große Schwierigkeiten durch den Mangel anWasser und das völlig unerforschte Gelände. Ein langsames Vorfassen unter sorgfältiger Aufklärung wurde angeordnet, v. Estorff mit Volkmann steht 14 Kilometer östlich von Ötjimbinde, Deimling in engster Verbindung mit ihm geht von Okowindombo aus Epata. Reißenstein ist in Oflornasu, Meister im Marsch aus Oparakane- Ewaruse begriffen.
Sodann liegt noch folgende amtliche Meldung vor: Reiter Hermann Z i e t l o w , geboren 24. September 1882 in Prütznow, Kreis Rügenwalde (Pommern), früher 1. Pommersches Feldart.- Regiment zu Belgard, ist am 6. ds. im Lazarett von Okosongohu, Sergeant Friedrich Kaylick aus Niebel, Kreis Zauche-Belzig, früher Regiment Garde du Corps, am 8. September im Lazarett von Okahandja am Typhus gestorben. Reiter Max Rinkleib, früher Trainbataillon Nr. 4, ist am 9. September im Lazarett von Okahandja, Reiter Johann August Moeßner am 8. September im Lazarett von Otjosondu am Typhus gestorben. — Kriegsfreiwilliger v. Reichel aus Terpen bei Saalfeld «Ostpreußen) ist am II. August bei Waterberq durch einen Streifschuß am linken Arm und durch einen Schuß in das rechte Knie verwundet worden.
Der große Kreuzer „SSineto" erhielt Befehl, vom 19. November bis 3. Dezember Swakopmund anzulaufen, um dort den am 30. Oktober von Hamburg abgehenden Dampfer „Gertrud Wörmann" mit dem für die „Vineta" bestimmten Fähnrichstransport abznwarten.
Das sind gleichfalls durchaus unerfreuliche Nachrichten. Wir erfahren, daß eine Patrouille abgeschnitten wurde und daß die zur Befreiung abgeschickte Expedition nicht nur Verluste hatte, sondern ebenso verschwunden ist wie die zu suchende Patrouille Nach einem für die Hereros Verlustteichen Gefecht Hut lman die Verfolgung wieder nicht aufnehmen können. Obendrein herrscht dort arg der Typhus, sodaß auf jeden zweiten Tag ein Toter kommt.
Alles in allem ist danach der Ausb lick in die Lage in Südwestafrika recht unerfreulich, und es ist noch gar nicht abzusehen, wie viele Millionen und wie viele Opfer an Menschenleben die Unterwerfung der Herero noch kosten wird. Der uns noch bevorstehende Feldzug gegen die Ovambo soll, wie jetzt gemeldet wich, überhaupt gleich auf das nächste Jahr verschoben werden.
Die Schutztruppe ist jetzt ungefähr 9000 Köpfe stärkt Um diese Menge beritten zu machen, wurden 6925 Pstrdel eingeführt. Außer den Pferden wurden noch 841 Maultiere eingefuhrt. Da von den Tieren infolge des ungewohnten Klimas und Futters, wie durch die großen Anstrengungen sehr viele zu Grunde gehen, so müssen immer neue Nachschübe nachgesandt werden. Die Ankäufe in Ostpreußen und Südafrika werden daher ununterbrochen fortgesetzt. Mit Ausnahme eines Transports von 1790 Pferden aus Ostpreußen, der im Juli dahin abgegangen ist, sind alle diese Tiere schon in den früheren Monaten dort eingettoffen, seitdem haben aber die Ankäufe keine Unterbrechung erlitten. Ueber die Buren aus Südafrika, die zur Einführung geregelten Ochsenttansportes gewonnen wurden, wird berichtet, daß außer dem Burenführer Maritz noch 10 Buren samt 200 eingeborenen Fahrern, 70 kapische Ochsenwagen nebst 1300 Zugochsen eingeführt worden sind. Aus allen diesen Angaben läßt sich leicht ermessen, daß allein für diesen Teil des Transportwesens jetzt schon eine Kostensumme erwachsen sein wird, die 10 Millionen! Mark übersteigt. Danach ist es unzweifelhaft, dag die angegebenen 50 Millionen Mark als Ausgabe für! den Aufstand nicht ausreichen werden.__________
Der Kaiser und seine Marine.
Brunsbüttelkoog, 10. Sept.
Heute vormittag hielt der Kaiser an Bord der „Hohenzollern" eine Besprechung des Flottenmanövers ab. Anwesend war das Offizierkorps der Schlachtslotte mit dem Admiral v. Köster an der Spitze, die Chefs der Marinebehörden und Prinz Heinrich von Preußen. Heute abend fand Paradetafel für die Marine bei dem Kaiser an Bord der „Mars" statt. Bei dem Paradediner hielt Admiral v. Koester folgende Ansprache:
„Mit hellem Jubel wurde von Ew. Majestät aktiven Schlachtslotte der Befehl begrüßt, daß wir vor den Augen unseres allerhöchsten Kriegsherrn Zeugnis ablegen sollten von unseren Leistungen und jedermann vom Admiral bis zum jüngsten Mattoseu und Heizer war mit regem Eifer bestrebt, seiner gestellten Aufgabe gerecht zu werden und sich derselben wett zu erweisen. Hoch beglückt sind wir durch das Lob und die vielfachen Gnadenbeweise, die uns heute als höchste Anerkennung zu teil geworden sind. Vor allen Dingen ist es aber das GefüÄ tiefster Dankbarkeit, das uns heute beeselt, indem wir in Ew. Majestät den energischen, rastlos fürsorgenden Begründer der sich gedeihlich entwickelnden stets wachsenden Schlachtflotte sehen. Ew. Majestät haben uns aber nicht allein Personal und Material geschaffen, sondern auch unseren Reihen den Geist militärischer Tätigkeit eingeimpft, den Geist, der, so Gott will, zu vollen Erfolgen führen wird. Diesen Geist zu hegen und zu pflegen, ist unsere heilige Pflicht, der wir uns voll bewußt sind. Was wir sind, verdanken wir unserm Kaiser. In tiefster Dankbarkeit, in unentwegter Treue und Verehrung stimmen wir begeistett ein in den Jubelruf: Se. .Majestät, unser heißpeliebter Kaiser Hurra!"
Der Kaiser erwiderte hierauf mit folgender Redet „Tiefbewegt durch die Wotte, welche Ew. Exzellenz soeben^ im Namen der aktiven Schlachtflotte mir entgegengebracht haben, beantworte ich dieselben von ganzem Heiden mit freudiger Zustimmung. . In die Marine und in meine Schlachtflotte ist der Geist hereingezogen, den ich hereingezogen zu sehen wünschte. Es ist das erreicht in Bezug auf das Verhältnis der Offizier? meiner Marine zu mir, was ich mir zum Ziel gesetzt hatte, als ich zur Regierung kam. Ich fand eine Marine vor, deren vortteff- lichcs Material in bezug auf das Offizierkorps nicht das volle Gefühl hatte der absoluten Zugehörigkeit zu der Person des allerhöchsten Kttegsherrn. Es konnte auch nicht anders sein bei
Hin Ioikskunsttag in Darmstadt.
R. B. Darmstadt, 11. Sept.
Der Rhein-Mainische Verband für Vol^vorlesungen und verwandte Bestrebungen hatte für heute vormittag nach der Aula des alten Gymnasiums einen Volkskunst tag einberufcn, der sich eines zahlreichen Besuchs namentlich von feiten der hiesigen Künstlerwelt und der Dozenten der Teckwischen Hochschule zu erfreuen hatte. Den Vorsitz fühttc Staidtv. Tr. Flesch-Frankfurt. Als erster Redner sprach Prof. Dr. Mannheimer -Frankfurt über die Beziehungen zwischen Kunst und Volkstum, die er vom kulturgeschichtlichen Standpunkte aus beleuchtete. .Der. Redner wandte sich in längeren Ausfüfynmgen gegen die Aesthetik Kants und legte dar, daß die künstliche Empfindung bestimmend für die Lebensführung und das künstlerische Ideal wegweisend auf allen Gebieten des Lebens sei. Die Freude an der Knnst hänge mit der Befreiung des Volksgeistes, mit dem Wegfall des Druckes und der Bevormundung von oben, mit dem Erwachen des Bürgertums aus seiner Erschlaffung zusammen. Die Kunst sei nicht nur für die höheren Volksschichten da, sondern auch die breiten Volksmassen hätten volles Anrecht darauf. Schon die Kunst der römischen Kaiserzeit produziette nicht für die Bevorzugten im Reiche, sondern für alle Klassen der Gesellschaft.
Zweiter Redner war da-> jtingste Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie, Dr. Greiner, der sich in längeren, interessanten Ausführungen Über die Frage verbreitete: W i e k a n n man im Volke Kunstinteresse wecken und fördern? Der Redner warf zuerst 'die Frage auf, ob denn int Volke wirklich ein Interesse für die Kunst vorhanden sei und antwortete mit einem entschiedenen Ja. Die Freude an der Kunst sei nicht an eine bestimmte Volksschicht gebunden, sie sei auch in den unteren Schichten vorhanden, auch wenn der Schein dagegen spreche. Ans dem Volk sei eine große Reihe hochbegabter, kräftiger, lebensvoller Künstlernaturen hcrvorgegangen und das beweise, daß die Kunst im Volke feste Wurzeln habe. ?lber der Trieb nach Schönheit könne und müffe noch geweckt unb gefördert werden, man erweise damit dem Volke eine Wohltat. Die Kunst <nibe einen ganz eminent sittlichen und ethischen Wert für den Men- icken, ihre Entwicklung und Blüte sei abhängig von dem Auf- >ck!tnung d*s politischen und sozialen Lebens eines Volkes. Der in ebn er lr-leu^htet dann die mächtige Einwirkung der Kunst auf xm Menschen und führt dies an der Hand der Werke Böcklins, Segantiuis, Stucks u a. m. näher aus. Es sei nicht nur für die Kunst selber äußerst wertvoll, ihr ein größeres Arbeitsfeld zu sckwffen, sondern ihre Ausbreitung sei auch von größter Be
deutung für das Volk. Man müsse alles daran setzen, dem Volk die Kunst lieb und wett zu machen. Seine praktischen Vorschläge gingen dahin: Der Verband möge bei allem, was er veranstalte, darauf bedacht sein, es int künstlerischen Sinne ausstatten. Die Bucheinbände, die Zeitungsmappen, die Verbandszeitung selbst sollten in künstlerischer Ausstattung mit gutem Beispiel vorangehen. Das wichtigste wäre, das Volk mit den Bestrebungen der modernen Kunst verttaut zu machen, anstatt, loie es meist geschehe, es mit kunstgcschichtlichen Vorträgen über Dürer, Rembrandt usw. zu belehren. Man sollte große Partien Kunstblätter ankaufen und sie dem Arbeiter billig überlassen. So wie man dem Volk ftir seinen Verstand utrd sein Wissensbedürfnis Volks- bibliotheken errichte, so sollte man jeder dieser Bibliotheken sozusagen auch ein lleines Kupferstichkabinttt angliedern. Tie wenigen jetzt vorhandenen .Kunstsammlungen könnten nicht genügen. Durch Wanderausstellungen könnte viel Gutes gewirkt werden; aber sie sollte nur gan§ vorzügliche Werke aufwcisen, von denen 10—20 vollständig hinrerchend wären. Mit der Ausstellung sollten nachmittags oder abends Besprechungen über Kunst verbunden und dem Publikum leitende Gesichtspunkte für die Betrachtung der Kunstwerke gegeben werden. Ein weiterer Faktor seien die Votträge, dock sollte hierbei statt der geschichtlichen Themata gesprochen werden über die Bestrebungen der modernen Kunst, über die Eigenheiten bcS ve schieden en Materials, die Probleme in der Malerei, deS Lichts, der Farbeywirkung, über Plastik und über allgemeine Fragen in der Kunst. Kunst geschichtliche Votträge sollten stets an die heimatliche Kunst anknüpfen oder nur vor Originalwerken berühntier Meister stattfinden. Als weiteres Mittel empfahl der Redner Verallgemeinerung der Museumsbesuche, doch sei es schwer, dem Beschauer die Empfindungen des Künstlers in treffender Form wiederzu geben. Habe dock» ein berühmter Meister auf die Frage, was er fick bei Schaffung seines Werkes gedacht habe, die Antwort gegeben: Wenn ich es mit Morten anÄwücken könnte, hätte ich es nicht gemalt!
Ueber „Die soziale Beben tu ng der VolkSku n ft" referierte dcnm nackt Dr. Stein, Geschäftsführer des sozialen MuseumS in Frankfurt. Er führte aus, daß das Voll in einer gewissen Wolsthäbigkeit sich befinden nuisse, wenn die Kunst als Massenerseheinung in das Volt ein bringen solle. Die soziale Frage sei nickt bloß Brotkragr, sondern sie umfasse den ganzen Meuscken in allen seinen Bedürfnissen, zu denen auch die Kunst empfiuduirg zälffe. Man müsse sich bcfh'ebcn, dws tägliche Leben des Volkes künstlerisch z« durck»webeu; in Frankfurt sei damit bei Ernck-timg der großen Baublockü der Anfang gemacht worden.
An die Votträge sMotz sich noch eine lebhafte Debatte <nt; an welcher sich Dr. Cahn-Frankfutt, Stadttat Tr. Flesch-Frank- futt, Prof. Harnack-Darmstadt, der Arbeiterführer Fnedricks- Darmstadt, Prof. Dr. Krautzsch-Därmstadt und Dr. Greiner beteiligten. Der Volkskunsttag fthloß mit dem Wunsch des Vorr» sitzenden, daß die hier gegebenen Anregungen auf ftuchtbaren Boden fallen und das Interesse weiterer Kreise für die Ver-^ breitung der Kunst im Volke wackn-ufen möchten. Nach der Sitzung fand im Kaifersaal gemeinschaftliches Mittagessen und darnach eine Befichttgung der Kunstausstellung statt.
Der Vorstand besteht zur Zeit aus Dr. Kobelt-SchwvnheiM) Stadtrat Dr. Flesch, Prof. Dr. Mannheimer. Ehemiker Opifieiu^ CH. L. Hallgarten, Dr. Stein, Tr. L. v. Wiese, sämtlich in Frank' futt, Dr. med. Kohilstamm-Königstein und Lehrer Dolk-Offen- back). Dem Werbeansschuß gehören u. a. an: Oberbergrat Prof. Dr. Chelius und Prof. Dr. Staudinger, Darmstadt, Sic. Fuchs, Repetent a. D. Universität Gießen, Prof. Dr. Deißmann Heide.!- berg, Lehrer KlenbMainz, Prof. Dr. Flegler, Lehrer Buxbaum' und Wink in Bensheim.
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— Der deutsche Juristentag ist am Samstag in Innsbruck eröffnet worden. Zum Präsidenten wurde Geheimrat Pr-ofessor Brunner, zu Mitvvrsjpenden Sektionsckef Dr. .Klein, Prostsftr Srbmidlin. Oberrei^-Sanwolt Dr. Olshanlen-LeipIig in* Dekan Hruza-Jnnsbriick gewählt. In der handelsrechtlichen Abteilung begann die Sitzung mit einer Traurrkundaebimg für den verstorbencrr Bettiner Justizrat Dr. Staub, ipclffrr die Begutachtung des Themas ,,Reckt und Pflickt deS Aufsicktsrats zur Ein- berufurrg einer Generalversammlung eiirr Acktienaesell^^ft" übvie- nommen hotte. An seiner statt berickttett Bi-osti'ssr bürg über ein im Druck vorliegendes Gutap^rn Stav-s. Lebtt . Reckt am eigenen Bilde" hiben Justizrat fletrffcr-t’krtin und Gebeinrrat Gareis-Münchni Äutacktm abgegeben, über die vom Rechtsanwalt Wildhagen-Leipzm nnh Professor Nits^l-T?d''ngen Bericht erstatte nntrhe. Daä Präsidium sandte an Kaller Franz Josef ui$b Kaller Wilhelm Huldignng-telegramm,. Zu der Teilnehmer sand ein von btn GeiieralZüten von Jnn^druck >tic- anstaltetos Tirvlersest statt.
— Frau Dr. Ida Fulda, die Gattin dest
Ludwig Fullia die früher am Deullcken Theater in B-ttin unter dem Namen Fdr Tbninter engagiert war, hat flA en tf'N offen, wieder zur B'flme zurück;"kehren bat sich der Dtrekttou des neuen LuftspicllrauseS in Berlin verpflichtet.


