Ausgabe 
12.3.1904 Erstes Blatt
 
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Ausland.

Mittel.

" Billiger Speck. Bei Vergebung der Lieferung der Fleischwaren für das Provinzial-Siechenhaus blieb ein hiesiger Metzgermeistcr mit dem Preis-Ansatz von 7 5 Pfg. für das Kilo geräucherten Speck Mindestfordernder.

-j-Launsbach, 11. März. Infolge der hier auf­getretenen DiphtheritiS wurde der Unterricht m den beiden hiesigen Schulklassen vor vier Wochen geschlossen; er wird auch vorläufig vor Ostern noch nicht wieder beginnen, denn nun sind auch noch die Masern hinziigekommen.

g. Alsfeld, 11. März. Nach langjährigen Bemühungen dürfte eS nunmehr dem hiesigen Volkskindergarten, verein gelingen, für seinen Fröbelschen Kindergarten ein eigenes, den wesentlich vermehrten Anforderungen der Gegen, wart und Zukunft entsprechendes Heim zu erhalten. Auf eine Eingabe des Vereinsvorstandes an den Gemeinderat, worin um einen Beitrag zum Baukapital nachgesucht wurde, hat der Stadtvorstand nämlich beschlosien, dem seit Jahren hier segensreich wirkenden Kindergarten ein neues, zweckentsprechendes Haus zu erbauen und es dem Verein zur Verfügung zu stellen. Dieser Beschluß ist um so anerkennenswerter, als in letzter Zeit im öffentlichen Jntereffe bedeutende außerordent. liche Anforderungen an den Gemeinderat gestellt worden sind. Sobald das Haus fertig gestellt ist, wird der Kinder, garten dann durch die Anstellung einer zweiten Kinder, gärtnerin die seit langem notwendige Erweiterung erfahren. Mußte doch in den letzten Jahren infolge Raummangels ge­wöhnlich 3040 Kindern die Aufnahme versagt werden.

8. Eudorf b. Alsfeld, 11. März. Auf Anregung deS Vorstandes des HassiabezirkS Alsfeld wurde am letzten Mitt- woch hier ein Militärverein gegründet. Es traten ihm sofort einmütig alle anwesenden ehemaligen Soldaten, im

* Die Gießener Sanitätskolonne vom Roten Kreuz versammelte sich ain Donnerstag abend bei ihrem Führer, Brauereibesitzer Förtsch, zu einer Besprechiing über den weiteren Ausbau des Sanitätsdienstes und die Orga­nisation der Kolonne. Die Kolonne will nicht nur im Kriege sich in den Dienst der Verwundeten- und Krankenpflege stellen, sondern immer auf dem Plane -rscheinen, wenn in der Stadt oder ihrer Umgebung ihre Hilfe erforderlich wird. Als erstes Erfordernis hierzu betrachtet es die Kolonne als ihre Auf­gabe, die Mitglieder durch Vorträge über Rettung und Pflege Verunglückter oder Erkrankter durch praktische Uebungen im Anlegen von Verbänden usw. weiter auszubilden. Der Kolonne stehen zur Zeit sechs Tragbahren, ein Verbandkasten mit Jn- stnunenten, Medikamente, Verbandstoffe, Arm- und Bein­schienen zur Verfügung. CtationLassistent Brück führte den Mitgliedern eine ganze Reihe von Verbänden vor und er­läuterte eingehend die Art der Anwendung am menschlichen Körper unter Berücksichtigung der verschiedenen Vcrwundungs- fälle. Die Kolonne will sich nach dem Vorbilde der Darm­städter Sanitätskolonne organisieren, vorausgesetzt, daß ihr die nötige Unterstützung der Behörden zu teil wird. In Darm­stadt ist die Bestimmung getroffen, daß bei Unglücksfällen außer dem Arzt nur solche Personen zur Hilfeleistung zu- gelaffen werden, die sich durch eine vom Kolonnenarzt, Kolonnen­führer und dem Polizeiamt unterzeichnete Karte als aus- gebildete Mitglieder der Sanitätskolonne auSweisen. Weiter sind Maßregeln zum schnellen Herbeiruf der Mitglieder durch Feuermelder, Fernsprecher re. getroffen; an 19 Punkten der Stadt stehen Tragbahren bereit; während der Badezeit ist ein besonderer Rettungsdienst eingerichtet und Vorsorge für schnelle Hilfe da getroffen, wo infolge großer Menschen­ansammlung, wie Festlichkeiten, Verwundungen oder Ohn- machtsanfälle eintreten können. Es ist zu wünschen, daß die Kolonne in der freiwillig übernommenen Aufgabe von , allen Seiten unterstützt wird und ihr Mitgliederstand sich durch Beitritt hilfsbereiter Männer vergrößert.

Chefs des Generalstabs XVIII. Armeekorps, zum Chef dieses Generalstabs ernannt. v. Winterberger, Major und Bats. Kommandeur im Jnf.-Rgt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, zum Oberstlt. befördert. v.Laffert, v. Becker, OberltS im 1. Großh. Hess. Drag.-Ngt. (Garde- Drag.-Ngt.) Nr. 23, Schwendy, Lt. im Jnf.-Rgt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116. vom 1. 4. 04. ab auf ein Jahr zur Dienstleistung beim großen Generalstabe komman­diert. Gr. zu Solms-Laubach, Lt. im Garde-Jäger- Bat., auf sein Gesuch ausgeschieden und, unter Belassung seiner bisherigen Uniform, zu den Offizieren ä. 1. s. dec Armee übergetrrten. v. Nathusius, Lt. im Drag.-Rgt. Freiherr von Manteuffel (Rhein.) Nr. 5, in das 2. Großh. Hess. Drag. - Ngt. (Leib - Drag. - Rgt.) Nr. 24 versetzt. o. Olszewski, Lt. im 1. Großh. Hess. Feldart.-Ngt Nr. 25, zum Magdeburg.-Drag.-Ngt. Nr. 6 auf ein Jahr komman­diert. v. Kleist, Lt. im 1. Großh. Heff. Inf.-(Leibgarde-) Ngt. Nr. 115, zum Kadettenhause in Potsdam als Erzieher versetzt. v. Kopp, Fähnrich im 2. Großh. Heff. Feldart.- Ngt. Nr. 61, zum Lt. befördert. Dr. Roether, Ober­arzt d. Nes. (I Darmstadt), zum Stabsarzt, Dr. Koch (tDarmstadt), Dr. Scha efer (Friedberg), Assist.-Aerzte d. Nes., zu Oberärzten d. Res. befördert. Dr. Dormagen Ober­stabs- ung Rgts. - Arzt des 5. Großh. Heff. Inf. - Ngts. Nr. 168, zum Jnf.-Rgt. von Wittich (3. Kurhess.) Nr. 83 versetzt. Dr. Braun (Erbach), Stabsarzt d. Nes., der Abschied bewilligt. Bei der Kadettenanstellung 1904 Portepeeunterofsizier Ilse mann im 1. Groß. Hess. Jnf.- (Leibgarde-) Rgt. Nr. 115 als Leutnant angestellt.

* Promenadenkonzert findet morgen in der Süd­anlage mit folgendem Programm statt: 1. Ouvertüre z. O. Norma" von Bellini. 2. Spinnlied a. d. O.Die Hexe" von Erna. 3. Ballctstrauß, Quadrille von Krauße. 4. In­troduktion und Chor ausLohengrin" von Wagner.

"Bahnhof-Neubau. Der Auftrag für die Inan­griffnahme der Arbeiten zur Erweiterung des Empfang­gebäudes Gießen ist nun definitiv erteilt worden. Der Be­ginn der Arbeiten wird alsbald erfolgen. Die Bauleitung führt die Betriebs-Inspektion I, Gießen, bezw. Architekt Hof-

gauzen 24 Mann, bei.

p. Hopfgarten, 10. März. Am Freitag abend hielt im hiesigen Kriegerverein Lehrer Rudolph auS Alsfeld einen Vortrag überMoltkes Leben und Wirken". Er fand bei den zahlreichen Zuhörern allgemeinen Beifall.

Frankfurt, 11. März. In der Mädchenhandel- Affäre wurde jetzt auch noch der 28 Jahre alte Kauf­mann Richard KlaaS verhaftet. KlaaS hat die Korrespondenz besorgt. Den Mädchen wurde vorgeschmndelt, daß sie täglich bis zu 60 Mk. verdienen würden. Jeder Abschluß brachte 2530 Mk. ein. Die bis jetzt vernommenen Mädchen sind alle geständig; sie blieben nur kurze Zeit in jenen Häiisern. Es steht, wie die Kleine Preffe meldet, fest, daß die Vermittlung sich nicht auf gewerbsmäßige Dirnen beschränkte; es wurden durch verlockende Inserate auh un­bescholtene Mädchen angeworben. In vergangener Nacht um 3 Uhr bemerkte nach demFrkf. Gen.-Anz." del 26- jährige Wächter Heinrich Schmidt der Wach- und Shließ' gesellschaft im Keller des Hauses Hohenzollernplatz 12 Lauch Er begab sich in den Keller und als er die Tutt des Raumes öffnete, wo sich die Dampfheizung befindet, schluo dem Manne ein starker Qualm entgegen. Er ging mit seinei Laterne direkt auf den Ofen zu, stürzte aber, noch ehe <r ihr erreicht hatte, wohl infolge einer Kohlenoxydgasver­giftung bewußtlos zu Boden. Der im Parterre wohzendi Eigentümer der Villa, Herr I. Schloßmacher, eilte u der Keller, wo er den bewußtlosen Wächter auffand. Es g!lanc dem herbeigerufenen wachhabenden Arzt den Schmidt, >esser Puls schon sehr schwach war, nach längeren BemühMger wieder ins Leben zurückzurufen.

Kleine M i t t N u n a c u aus Hessen und len Nachbarstaaten. Ein glückliches Dorf ist O b e r - M ö rle n welchem durch einen in London verstorbenen Herrn Geck 11 Summe von zirka 325,000 Mark zufielen. i

verhindern.

Aus-Stadt^und Land.

Gießen, den 12. März 1904.

" AuS dem Militär.Wochenblatt, v. Kleist, Oberstlt., beauftragt mit Wahrnehmung der Geschäfte deS

" Gasmessermiete und Bürgerliches Gesetz- buch. Zu der Notiz über die Delmenhorster schöffengericht- liche Entscheidung in betreff der Gasmeffermiete erfahren wir, daß es bei dem dadurch herbeigeführten Ausgang nicht geblieben ist. Die Gasanstalt legte Berufung ein, und das Landgericht Oldenburg hob das Urteil auf und verurteilte den Beklagten zur Zahlung der Gasmeffermiete und der Prozeßkosten. Der hauptsächliche Entscheidungsgrund dabei war, daß die im § 448 deS Bürgerlichen Gesetzbuches ausge­sprochene Dispositivvorschrift einer abweichenden Parteiverein­barung nicht im Wege steht.War dem Beklagten", so führte daS Urteil aus,als er um Gasanschluß nachsuchte, bekannt, daß die Gasanstalt die erforderlichen Gasuhren dem Konsu­menten nicht unentgeltlich zur Verfügung stellte, also nicht selbst die Kosten des Meffens auf sich nahm, so kam mit der Annahme seines Gasanschlußantiages neben dem Kaufvertrag zugleich ein Mietvertrag bezüglich einer dem Beklagten zu überlaßenden Gasuhr zustande."

* Ein seltener Baumriese wurde dieser Woche im botanischen Garteu gefällt, ein schwarzer Wall­nußbaum, Inglans nigra, dessen Heimat die östlichen Staaten Nordainerikas sind. Die Höhe der früher gewaltigen Baum­krone betrug 26 Meter, der Umfang des Stammes 2»/. Meter

und das Alter einige 90 Jahre. Schon vor einiges Jahren wurde der Baum gipfeldürr, und im letzten Sommer trieb er, obwohl im Holze noch kerngesund, kaum noch einige Blätter, so daß an eine Erhaltung leider nicht zu denkei, war. Der schwarze Wallnußbaum liefert ein außerordentlich schönes, dunkelgraues, rötlich gestricheltes Holz, das an Brauch, barfeit und Festigkeit dasjenige des gemeinen Walluußbaumes übertreffen soll. Da er außerdem sehr rasch wächst und auch in rauhen Lagen noch gut fortfommt, so sollte er, zumal er ein sehr schöner Baum ist, häilfig angepflanzt werden. Die großen dickschaligen Nüsse sind dagegen minderwertig.

" Fünfundsechzig neue Ortsgruppen hat der Deutsche Flotten-Verein seit dem 1. Januar zu ver- zeichnen, und zwar im Großherzogtum Heffen: Atlendorf a. d. L., Birkenau, Gettenau, Homberg, Lang-Göns, Nenzen- darf, Neiskirchen, Neinheim, Klein-Linden, Ulrichstein, Linden- fels, Lampertheim, Roßdorf, Friedberg, Neu-Ysenburg, Sprendlingen, Groß-Steinheim, Mühlheim. Diese 65 neue Ortsgruppen umfaffen über 3000 Einzelmitglieder; besonders bemerkenswert sind die starken Zugänge in Bayern und Heffen, wie denn überhaupt der Flotten-Verein in Oberdeutschland immer mehr an Boden gewinnt. Der Verein besitzt jetzt ein Organisationsnetz von nahezu 4000 Geschäftsstellen, zählt 630 000 Mitglieder und verfügt über recht ansehnliche

Paris, 11. März. Kammer. Berther (Republikaner) Interpelliert über den Unglücksfall, der bei Briancon durch eine Lawine verursacht wurde und mehreren Leuten des 157. Regiments das Leben kostete Er tadelte dessen Oberst, der einen im Winter gefährlichen Uebungsmarsch anordnete. Der .Kriegsminister er­widerte, daß diesen die s ch w e r st e B e st r a f u n g getroffen habe, die die Vorschirift dafür in Bereitschaft hat. .

Von der hiesigen javanischen Gesandtschaft wird er­klärt, der japanische M a r i n e a t t a ch e e habe absolut nicht gewußt, was der Absender der mit dem Namen Martin unterzeichneten Briefe von ihm tooHte. Er habe schließlich nur geantwortet, weil ihn die Hartnäckigkeit des Schreibers geärgert habe. m

Wien, 11. März. Abgeordnetenhaus. Bei M- ainn der Sitzung teilte der Präsident mit, der jungtschsschische M>q. Riba überreichte eine Interpellation mit einem Exemplar des Gerhard H a u p t m a n n schien Dramas (Rose Bernd" (dessen Aufführung im Wiener k. k. Hos- burgtheater nach wenigen Vorstellungen untersagt wurde. D Red.) und verlangte die wörtliche Verlesung. Ter Präsi­dent erklärte, er könne die wörtliche Verlesung Nicht zi^ la sen, da er hierdurch das Autorenrecht verletzen und sich unzweifelhaft einer zivilrechtlichen Verfolgung aussctzm würde. Stransky verlangt die Eröffnung der Debatte hin­über. Dvorak verlangt namentliche Abstimmung, welche jedoch nicht erfolgt, da der Präsident nachträglich feststellt, er könne eine Erörterung dieser Erklärung nicht zulassen.

DerPol. Korr." wird von besonderer Seite aus Konstantinopel gemeldet, die Verständigung zwischen der Türkei und Bulgarien ist zum Abschluß ge­langt Das betreffende Vertragsinstrument durfte bereits unterzeichnet sein. Das Einverständnis erstreckt sich auf die Amnestie- und RepartriierungSfrage, sowie auf die gegen­seitigen Handelsbeziehunge n. Außerdem verpflichtet ich die türkische Regierung, die für die macedonischen Vila- iets vorgesehenen Reformen auch auf Adrianopel auszu­dehnen. Bulgarien verzichtet dagegen vorläufig auf Regelung der schwebenden bulgariichen Kicchen- und Schul- fragen In bet Türkei und verpflicht sich, mit autzeister Strenge gegen die aufrührerischen Komitees vorzugehen, sowie die Änssuhr aller Expl°fipstos,e nach der Türker zu

mann zu Herborn.

* Die erste Benefiz-Vorstellung morgen, Sonn­tag abend im Stadttheater, wird sicherlich einen guten Be­such haben. Der Benefiziant, Herr Cora di, hat sich im Laufe der Spielzeit als ein stets gern gesehener Komiker er­wiesen, der imBlinden Passagier" als Bellermann, im .Zerbrochenen Krug", imWeißen Rößl'",Hasemanns Töchter" immer große Heiterkeit bewirkte. In Kneisels Pap geno", der lustigen Poffe in 4 Akten, wird morgen abend Herr Conradi als Rentner Bollwitz austreten und den Theaterbesuchern sicherlich einen besonders fidelen Abend be­reiten.

Genossenschaftswesen. Wie wir erfahren, wird auf Anregung der Sektion Oberheffen der Gesellschaft für soziale Reform im Laufe der nächsten Woche in Gießen ein Vortrag überDie volkswirtschaftliche und soziale Be­deutung des GenoffenschaftswesenS" gehalten werden.

Vcrmiicbtes«

Leipzig, 11. März. Die Stadtverordneten bc willigten 66 560 Mk. für den Umbau des alten Th * ters, bei welchem vor allem auf die Erhöhung i Feuersicherheit des in seinen räumlichen Beryw Nissen sehr beschränkten Hauses Rücksicht genommen werff soll. 1L a. werden über der Bühne und dem Zu.chau raum Rauchabzüge geschaffen und für eine Süßere un von Ausgängen direkt ins Freie gesorgt werdeU. Der trag, elektrische Beleuchtung einzufübren, wurde abgeicr da die Ansicht vorherrschend war, daß über kurz oj. lang ein Neubau notwendig sei und daß sich, diesem Falle die hohen Jnstallationskosten nickst loiff würden. Bis 1900 läuft der Vertrag mit dem m Theaterpächter. So lange muß auf alle H-allc werden; nimmt man dann eine Bauzeit von nur vier Y an, so kann sich Leipzig noch neun Jahre gebu 1 ehe es dem ,Men Kasten" am Promcnadenrmge w

men, 11. Marz. Der Ministerialvi^sekretär ungarischen Ministerium, Graf Napoleon Csa.tz- wund ete abends die 25jährige GeMftsreismdenN . Amalie Brabanetz auf offener Straße durch> zw Revolverschüsse. Beim Verhör gab Csaky an, J ihm die Frau unbekannt sei, er habe überhaupt jemand umbringen wollen. Csaky hat die Tat zweifellos m eii Anfall von Geistesstörung begangen.

dershausen wurde das Ministerium interpelliert, in 1 welcher Meise die Regierung bei der Abstimmung tm Bun­desrat über die Aufhebung des Paragraphen zwei ihre Stimme abgegeben habe. Tie Beantwortung erfolgt spater. Wie derSchwäb. Merkur" mitteilt, hat auch Württem­berg im Bundesrat gegen die Aufhebung des § 2 gestimm^ "2£ormfer Ztg." erinnert an die Wiederzu- lassung der marianischen Kongregationen m Preußen als Vorläufer des Bundesratsbeschlusses vom 8 März und schreibt dazu:Tas unmittelbare Aufein­ander der beiden in Rede stehenden Regierungsentschließ­ungen hat historisch rückerinnerndes Interesse; sie find schon einmal dicht beieinander gegangen, bloß Mit dem Unterschiede, daß es sich beim erstenmale um Verbote han­delte, während jetzt deren Aufhebung erfolgt ist. Dom 4. Juli 1872 datiert der Erlaß des damaligen preußischen Kultusministers Tr. Falk betreffs Aufhebung der soge­nannten marianischen Kongregationen, ^^'udericha.ten u. dgl. am selben Tage unterzeichnete Kaiser Wilhelm I., der das Reichspanier auch gegenüber Rom hochzuhalten verstand, in Bad Ems das Iesuitengesetz."

Im Reichstage brachten Auer und Gen. einen schleunigen Antrag auf Einstellung des Strafver­fahrens gegen den Abg. Thiele vor dem Landgericht in Halle wegen Vergehens gegen die Verordnung vom 11. Mai 1850 ein. , .

Leipzig, 11. Mär^. In den letzten Tagen wurde m Leitungen ärztlicherseits behauptet, daß es der Leipziger Ortskrankenkasse ttotz der größten Ansttengungen nur gelungen sei, statt der von der Regierung verlangten 140 Äerzte 28 auswärtige Aerzte zu verpflichten. Auf eine hierauf bezügliche Anfrage teilte die kgll Kreishauptmann­schaft dem Vorstande der Leipziger Ortskrankenkasse unter dem 11. März mit, daß die Regierung von der Ortskranken­kasse die Anstellung von 140 Aerzten nicht verlangt habe und daß eine Entschließung der Kreishauptmannschaft tn dieser Richtung überhaupt nicht erfolgt fet

München, 10. März. TieKöln. Volksztgg. über- tmmt folgende Sätze aus demFränk. Kur.":

Ter Verkehr unserer Minister groß en nut den Sozialdemokraten im Landtage könnte gar nicht intimer sein, wie er zur Zeit ist. Schade, daß der Reichskanzler nicht unerkannt einer Kammers tzung ein­mal beiwohnen kann. Er würde sicherlich erfreut sein, wie Podewils, Feilitzsch und Fraiiendor;er sich täglich im Händeschütteln mit unfern königlich bayerischen Sozialdemokraten hervortun. Man sieht, die bayerische Staatsregierung ist im Begriffe, die L>ozialistenfrage tatsächlich imHandiimdreben zu lösens ___

Kirche und Schule.

. Mr lesen im Protestantenblatt, daß auf die durchs Ecks Berufung als Professor an die Universität Gießen freigewordene Darmstädter Pfarrstelle von einer größeren Anzahl der KirchMvorsteher Pfarrer Loos in Butzbach in das Auge gefaßt worden ist;daneben regt sich eine Bewegung zu gunsten eines jungen Hilfsgeijt- lichen. Andererseits sucht man für einen in Pietistenkreiien sehr beliebten Geistlichen Stimmung zu machen, von dem seine Anhänger zu sagen wissen, daß seine Wahl auch die Billigung der nicht liberalen Mitglieder des Oberkonsisto­riums finden werden. Ob letzter Grund für den doch seither selbständig denkenden Kirch^nvorstand der Stadt gemeinde Darmstadt ausschlaggebend sein wird, wie man naiverweife hofft, dürfte doch sehr zweifelbatt sein." ~

Dartamenlarisches aus dem Weiche.

Berlin, 11. März. Die Vorstände der Fraktionen des Reichstages gaben am Donnerstag, wie alljährlich, dem Prä­sidium des Reichstages im Kaiserhof ein Diner.

Die GeschäftSordnungS-Konirnission deS Reichstages hat heute die vom Amtsgericht Posen bean­tragte Genehmigung zur Vernehmung des Abg. v. Staudy als Zeuge in der Privatklagesache deS Majors Endell gegen den Chefredakteur der »Pos. Ztg.", Schack, versagt.