Ausgabe 
11.6.1904 Erstes Blatt
 
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Saalbau hatte, trotzdem tags zuvor die hiesige Militärkapelle gespielt hatte, einen außerordentlich guten Besuch. Das Kon­zert konnte im Freien stattfinden und das originelle Pro­gramm fand großen Beifall.

* Das Zirkustheater Wallenda, größter trans­portabler Variete- und Miniatur-ZirkuS, hat sich für einige Tage hier angesagt und beginnt seine Vorstellungen am morgigen Sonntag. Dem Unternehmen geht ein guter Ru voraus. Es bietet in seinen Nummern, nach Berichten aus den von ihm zuletzt bereisten Städten, das neueste und beste

einer Branche. Ein Besuch der Vorstellungen ist daher zu empfehlen.

"Das Münchener Panoptikum von Joseph Burghauser wird heute hier aus Oswalds Garten eröffnet. Die 1. Abteilung der Sehenswürdigkeiten umfaßt 41 Nummern, die 2. Abteilung »fortwährend Vorstellung bei den lebenden Menschen-Abnormitäten".

" Die Meisterprüfungen im Handwerk. Jnr Laufe des Sommers finden bei den drei Meisterprüfungs­kommissionen im Großherzogtum Hessen wieder die Prüfungen zur Erlangung des Meistertitels im Handwerk nach § 133 der Neichsgewerbeordnung statt. Es sei hier darauf aufmerk- ärn gemacht, daß alle diejenigen, welche sich nach dem 1. Oktober 1901 selbständig gemacht haben, die Meister­prüfung ablcgen müssen, wenn sie den Meistertitel (Schreiner­meister, Maurermeister, Bäckermeister 2c.) führen wollen. Eine andere Art der Erwerbung, wie vielfach angenommen wird, etwa durch Verleihung oder Berechtigung zur Führung, wenn jemand eine Reihe von Jahren sein Geschäft selbständig be­trieben hat, gibt es nicht; nur durch Ablegung der Meister­prüfung kann der Meistertitel erworben werden. Die An­meldungen sind möglichst bald an die Vorsitzenden der Prüfungskommisiionen gelangen zu lasten. Um vielfache An­ragen gleich zu beantworten, sei darauf hingewiesen, daß Wünsche hinsichtlich des Termines der Abhaltung der prak- ttschen Prüfung je nach den Verhältnissen in den einzelnen Handwerkszweigen bei den Vorsitzenden der Prüfimgs- komrnistion vorgebracht werden können, denen auch tunlichst Rechnung getragen wird. Jeder Handwerker, der sich selb- tändig macht, hat ein besonderes Interesse daran, die Prü­fung abzulegen; führt er doch vor einer staatlich hierzu be­stellten Kommission den Nachweis, daß er befähigt ist, sein Gewerbe auszuüben. Aber auch die Gesamtheit hat einen nicht zu unterschätzenden Vorteil, da schon äußerlich durch die Führung des Meistertitels derjenige zu erkennen ist, der den Nachweis seiner Befähigung erbracht hat. Daß aber auch eitens der Prüfungskommissionen sowohl auf praktischem wie auf theoretischem Gebiet von den Prüflingen etwas verlangt wird und bei nicht genügenden Kenntnissen und Fertigkeiten im Handwerk auch mit Strenge verfahren wird, beweist der Umstand, daß im letzten Jahre von 150 Geprüften 12 nicht bestanden sind, welche die Prüfung demnächst noch einmal wiederholen müssen. Schließlich sei noch darauf hingewiesen, daß die unbefugte Führung des Meistertitels mit Geldstrafen bis zu 150 Mk. bestraft wird.

-f- Lollar, 10. Juni. Der Zug, welcher heute vor» mittag 8.30 Uhr von Gießen hier eintraf, erlitt eine Ver­spätung. Zwischen Gießen und der Badenburg gewahrte der Maschinenführer auf den Schienen ein kleine? Kind. Es gelang ihm noch, den Zug zum Stehen zu bringen und ein Unglück zu verhüten.

t. Saasen, 10. Juni. In dem benachbarten Werr» berg stürzte ein Landwirt von dem Gerüst seiner S cheune ab, und brach dabei das Bein nahe am Hüftgelenk.

sd. Darmstadt, 10. Juni. Der Großherzog wird mit seinem Besuch, dem Prinzen Heinrich und dessen Ge­mahlin, von Mitte nächster Woche ab einige Tage im Mainzer Schlosse Wohnung nehmen, um von da das Gordon- Bennett-Wettfahren zu besuchen.

R. B. Darmstadt, 10. Juni. Eine neue Bluttat hat sich heute nachmittag kurz nach 4 Uhr in unmittelbarer Nähe unseres bekannten Sommerlokals Ludwigshöhe zu­getragen. Dort wurde plötzlich ein hiesiger Privatier, der 67 Jahre alte frühere Architekt Heinrich Döring, von einem Unbekannten durch 5 Revolverschüsse tot niederge streckt. Nach dem flüchtigen Mörder wird eifrigst gefahndet. Polizei und Staatsanwalt begaben sich alsbald nach dem Tatort. Nach derFr. Ztg." weist die Leiche vier Schußwunden auf. Wahrscheinlich liegt ein durch Passanten gestörter Raubmord überfall vor. Wertsachen fehlen zwar nicht, aber die Uhrtasche ist eingerisien. Ein etwa dreißigjähriger Mann wurde vom Tatort fliehend gesehen. Die Stadt ist in großer Aufregung, weil die Tat am hellen Tag auf einem von Spaziergängern viel begangenen Weg geschehen ist. Eine spätere Drahtmeldung vom 11. Juni teilt dazu noch mit, daß die Staatsanwaltschaft auf die Feststellung des Mörders eine Belohnung von 5 00 Mk. ausgesetzt hat. Freitag abend hat sich ein hiesiger Bäckergeselle durch einen Stich in den Hals selb st getötet.

R. B. Lorch, 11. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Der Mörder des vor einigen Tagen durch Neoolverschüsse getöteten Polizeidieners Schneller ist in der Person eines Taglöhners Rothen Häuser in Bürstadt (der Name Rothenhäuser ist in der dortigen Gegend nicht selten) ver­haftet.

Lampertheim, 7. Juni. Gemeinderat Johann Phil. Wegerle I., der Kandidat der Arbeiterpartei, wurde mit 702 Stimmen zum Beigeordneten gewählt. Der Kandidat der Landwirte und des evangelischen Männervereins, Gemeinderat Phil. Friedr. Schmidt, erhielt nur 484 Stimmen.

Mainz, 10. Juni. Seit etwa 14 Tagen befindet sich der Zeughauptmann Künemund in militärischer Unter­suchungshaft. Die verschiedensten Gerüchte zirkulieren m der Stadt. Die Untersuchung wird streng geheim gehalten. Der Verhaftete soll sich bedeutender Unterschlagungen und Betrügereien, verbunden mft Urkundenfälschungen,

Deutsches Reich.

Berlin, 10. Juni. Der Kaiser und die Kaiserin Legaben sich heute vom Neuen Palais zu Pferde nach dem

600 Faden die dichte Kolonne des Gegners. Gegen 5 Nhr nach­mittags hörte das Gefecht auf. Auf russischer Seite wurden zwei Offnere verwundet, ein Kosak getötet unb 17 verwundet. Die Japaner müssen bedeutende Verluste erlitten haben, da die russischen Geschosse in den dichten Kolonnen des G e g n e r s große Verheerungen anrichteten. Die russischen Offiziere und Soldaten bewiesen in diesem Kampfe, wie der Chef der Ab­teilung meldet, großen Mut. Allen Angaben zufolge fochten die Kosaken mit Truppen der 10. javanischen Division. In dem Gefechte bei Tafangou wurde auf russischer Seite ein Schütze verwundet, während die Japaner bedeutende.Ver­luste hatten. Wie Ortsbewohner aussagen, verloren die Ja­paner 40 Marrn an Toten und Verwundeten. Ueber das Gefecht bei Ssaimatsi werden folgende Einzelheiten ge­meldet: Am 7. Juni wurde um 5 Uhr morgens eine Kompagnie, die sich aus der Sttaße nach Aijanamyn als Sicherheitswache befand, von dem Gegner angegrifien. Ihr wurde eine Frei­willigenabteilung zu Hilke gesandt. Später rückte eine ganze Ab­teilung aus, von der Än Bataillon mit einer Gebirgsbatterie vor Ssaimatsi Stellung nahm, während ein anderes Bataillon vorrückte. Tie Vorpostenkompagnie und die Freiwilligenabteilung bedrängten anfangs die Japaner, fügten ihnen Verluße zu und erbeuteten Gewehre und Ausrüstung der Gefallenen. Dem Vor­rücken des Bataillons wurde sodann durch das sehr starke Feuer des Gegners Einhalt getan, der, wie sich 'herausstellte, etwa eine Brigade Infanterie nut zwei Batterien und drei Eskadrons stark war. Der Cbef der Abteilung gab Befehl, zum Einschuhlinpaß zurückzugehen. Die Abteilung zog sich langsam in voller Ord­nung zurück. Auf russischer Seite wurden drei Offiziere verwundet und gegen 100 Mann getötet und verwundet. Die Verluste des Gegners waren groß. Die erbeuteten Ausrüstungsgegenstände der Gefallenen ergaben, daß die Abteilung mit Truppen der 12. japanischen Division kämpfte. Der Ab- teilungschcf lobt die Ruhe und den Mut der Truppen und bezeichnet die Tätigkeit der fliegenden Abteilung des Roten Kreuzes über jedes Lob erhaben.

Der russische Militärschriftsteller Darutsoof berichtet, die Ver­luste der Japaner bei den Kämpfen um Inkan hätten 2 0 000 betragen.

Die türkische Regierung erllärt die Nachricht, wonach die Türkei einer russischen Flotte die Durchfahrt durch die Dardanellen gestattet haben soll, für vollkommen er- funden.

schuldig gemacht haben. .

Mainz, 10. Juni. Heute begannen hier die Verhano- lungen der Mitglieder der Konferenz d e r a m t l t ch e n deutschen Statistiker unter dem Vorsitz des Prch * deuten van der Borght. Als Vertreter des Großherzogtum Hessen wohnt den Verhandlungen Geh. Oberschulrat H * nagel bei. Die Konferenz beschäftigt sich in der Haup fache mit Volkszählung, Viehzählung usw. Dre Verb hm gen werden bis zum Montag dauern, ^^ern fand in dem Liedertafelsaal eine Begrüßung der oer hier eingetroffencn Herren durch Oberbürgermein . Gaßner statt. An der Konferenz beteiligten sich >°m , deutsche Bundesstaaten und eine Anzahl Herren be5 Jt amtes. Die Mainzer Reederei-Gesellschaft ift b . Stadt um Pacht-Reduktion für das Trajekt Mainz Kastel vorstellig geworden. Die Einnahmen find 1 Öffnung der neuen Rheinbrücke um etwa 20 Prozen Z gegangen. Ein weiterer Einnahme-Ausfall wird e - '

sobald die elektrische Stadtbahn ihre Fahrten nach ^te aufgenommen haben wird. Wie von -uverlah g berichtet wird, beabsichtigt die Stadt einen gr pe

Bornstedter Felde, wo das 1. und 3. Garde-Ulan en-Regi­ment in Parade ausgestellt war. Nach Beendigung der Besichtigung setzte sich der Kaiser an die Spitze der 3. Garde- Ulanen und führte das Regiment nach der Kaserne. Dort ließ der Kaiser dasselbe noch einmal an sich vorbeidefi­lieren und nahm dann an dem Frühstück des Offizierkorps teil.

Der Kaiser hat befohlen, daß der Vorstand der Gesellschaft für lothringische Geschichte und Altertumskunde am 16. Juni die im Auftrage der Gesellschaft von Major Schramm gebauten römischenGeschütze auf der Saat­burg gelegentlich der Anwesenheit des Kaisers vorführe. Es handelt sich um drei Geschütze, ein sogen. Euthvtonon, ein Palintonou und einen -Onager. Alle drei Geschütze inb zum ersten Male in natürlicher Größe genau nach den Nachrichten von Hieron und Philon gebaut, und es ist gelungen, mit den Maschinen die volle Schußwirkung, die von den alten Geschützen überliefert ist, zu erreichen.

Im Ab geordnet en Hause wurde heute der Gesetzentwurf über die Verlegung derLandes- grenze gegen das Herzogtum Braunschweig längs der Provinz Hannover in erster und zweiter Lesung angenom­men. In dritter Lesung wurde der Gesetzentwurf über die Dienstaufsicht bei den größeren Amtsgerichten und der Gesetzentwurf betreffend die Regelung der Richterge-

Valilische Tagesschau.

Em Swrm gegen das französische Ministerium kst von den Sozialisten am Freitag in der Pariser Kammer ausgeführt worden. Bos (radikaler Sozialist) brachte eine Inter- . pellation ein über die neuen Tarife für die Gerichtskosten, welche die Lasten der ft ehren prozessierenden Leute vermehren würden. Er verlangt Abschaffung dieser Kostenerhöhung und wirft dem Ministerpräsidenten Combes vor. eine Politik des Ver- blüflenwollens und des Sand-in-die-Augen-Streuens zu betreiben. Millerand (Sozialist) erllärt, die Regierung sei für diese Tarife verantwortlich. Zweifellos werde man zur Verteidigung der Regierung wieder anfübren, daß das von der Regierrmg unternommene Werk der Derweltlichimg der Schule und der Gesetzgebung auf sozialem Gebiete in Frage gestellt werde, wenn man die Regierung stürze. (Bewegung.) Wenn man aber näher znsehe, dann seien die angeblich von der Regierung eingeführten Reformen nur Rauch und Augentäuschung. (Beifall rechts und im Zentrum, Murren links.)

Ministerpräsident Co mb es erwidert, der einzige Fehler der Regierung sei, baß sie schon zu lange bestehe. Es sei unwürdig von Mlllerarü». die Regierimg wegen einer Gerichtskostenfrage zu stürzen zu suchen. Er unterdrücke die Kongregationen un Interesse der Republik und denke nicht daran, sich a u s i h r e r Hinterlassenschaft zu bereichern. (Lärm rechts, Bei­fall tinf?: Rufe rechts:Und die Millionen der Kar­täusers Combes erwidert: Wenn ich mein persönliches Interesse nicht dem höheren Interesse des Landes geopfert hätte, darm hätte ich, ich schwöre es, den Beweis erbracht, daß eine Infamie gegen mich begangen worden ist. Der Minister­präsident sagt dann, er möchte nicht aus seinem Amte scheiden, bevor die Abschaffung des kongreganistischen Unterrichts endgiltig entschieden sei. Sobald das aber geschehen sei, werde er gern , gehen. Millerand wisse, daß er (Combes) in der Kartäuser- Angelegenheit seiner Pflicht als Chef der Regierung ein großes Opfer gebracht habe. Er könne sagen, daß man zwei Monate, bevor man ihn und seinen Sohn beschuldigte, von den Kar­täusern eine Million erhalten zu haben, zu ihm gekommen sei, um ihm zwei Millionen an zu bieten, wenn er einen den Kartäusern günstigen Gesetzentwurf einbringe. (Anhaltende Bewegung.) Er habe davon dem Ministerrat Mit­teilung gemacht, und dieser habe ihn dazu beglückwünscht., daß er im höheren Interesse der Politik schweigen wolle. Millerand kenne diese Tatsache. (Beifall links, Lärm im Zentrum.) Nach­dem zwischen verschiedenen Rednern noch eine Reihe von Bemerk­ungen ausgetauscht wurden, verlangte der Ministerpräsident die einfache Tagesordnung. Nachdem über diesen Antrag abgestimmt ist, ergibt sich, daß die Abstimmung einer Nachprüfung unter­zogen werden muß.

Morliöre wünschst den Ministerpräsrdenten über den Bestechungsversuch zu interpellieren, dessen Gegenstand dieser gewesen.

Der Ministerpräsident erllärt, er sei glücklich, sich von einem Geheimnis befreien zu können, das auf ihm laste. Der Generalsekretär des Ministeriums habe eines Tages eine Persönlichkeit empfmrgen, die zwei Millionen angeboten habe, wenn dem Parlament ein den Kartäusern günstiger Gesetzentwurf vorgclegt werde. Der Generalsekretär habe dieser Persönlichkeit geraten, nicht die Schwelle seines des Ministerpräsidenten Arbeitszimmer zu überschreiten, es könne sonst geschehen, daß er das Zimmer durch das Fenster wieder verlassen müsse. Später beschuldigte man seinen Redners Sohn, eine Million von den Kartäusern erhalten zu haben. Es sei eine Untersuchung eröffnet worden. Die Persön­lichkeit, welche den Generalsekretär des Ministeriums aufgesucht hatte, habe sich aber geweigert, den Namen desjenigen zu nennen, in dessen Auftrag er den Schritt unternommen habe. Diese letztere Person habe sich aber dem Minister selbst genannt. Es sei der Generalkommissar der Pariser Weltausstellung. Millerand habe gebeten, im höheren Interesse des Landes hiervon nichts bekannt werden zu lassen. ,

Renault Morliöre drückt fern Erstaunen darüber aus, daß der Ministerpräsident nicht den Namen der Person nenne, die den Bestechungsversuch unternommen habe.

Der Ministerpräsident erwidert, es sei Sache dem­jenigen, diesen Namen zu nennen, der diese Erinnerungen wach­gerufen Hoche. , .

Millera nd erwidert, er werde ein Geheimnis, das ihm aus seiner amtlichen Tätigkeit bekannt geworden, nicht ent­hüllen. (Anhaltende Bewegung.) ,

Pich art (liberaler Republikaner' sagt, wenn Combes drc zwei Millionen nicht erhalten habe, toimue das daher, daß die Kartäuser sie nicht geben wollten. Es sei angeboten worden. 300000 Francs im voraus und zwei Millionen int Falle eines Erfolges zu zahlen. .

Bertrand beantragt Einleitung erner gerichtlichen Unter­suchung, um den Namen der Person festzustellen, die den Be­stechungsversuch machte. , .,, r

Unter Zustimmung des Ministerpräsidenten beschließt das Haus, Mittwoch eine Kommission zu ernennen, die über den Bestcchungsversuch eine Untersuchung anstellen soll. Bezüglich der Jnterpellatton Bos wird mit 313 gegen 250 Stimmen die einfache Tagesordnung angenommen und daran die Sitzung geschlossen.

Halter einstimmig abgelehnt.

Zn dem Gesetzentwurf über den Servistarif und die Klasseneinteilung der Orte sind dem Reichs­tage 253 Petitionen zu gegangen um Zuteilung von Orten in eine höhere Servisklasse, als nach dem neuen Gesetz­entwurf geplant ist. So wird u. a. die Versetzung in die oberste Servisklasse A gefordert für Bergedorf, Bremer- Hafen, Essen, Freiburg i. Br., Friedenau, Friedrich sberg bei Berlin, Grunewaldkolonie, Heidelberg, Karlsruhe, Kö­nigsberg, Lichtenberg bei Berlin, Mannheim, für die Vor­orte von Metz, Mülheim (Rhein), Neu^Weißensee, Ober- 'chöneweide, Offenbach, Plauen i. V., Reinbeck, Rum­melsburg bei Berlin, Schmargendorf, Steglitz, Treptow bei Berlin, Wandsbeck, Wiesbaden. 38 Petitionen fordern die Versetzung von Orten in der Servisklasse I. Dazu gehören Orte, die gegenwärtig der Servisklasse IV angehören.

Wie derVorwärts" erfährt, werden in Tilsit noch immer die Haussuchungen nach revolutionären Schriften fortgesetzt. Es soll in dem Königsberger Geheim­bundprozeß bereits eine ganze Anzahl von Büchern und Druckschriften beschlagnahmt und nach Berlin geschickt wor­den sein.

Danzig, 9. Juni. Unter dem Vorsitze des Prinzen Friedrich Heinrich fand heute nachmittag eine Sitzung oes Gesamtausschusses der Deutschen Landwirtschaft­lichen Gesellschaft statt. Hierbei wurde die große ilberne Denkmünze für Verdienste um die Gesellschaft über­eicht an Grafen Bismarck-Ihringen, den Landeszucht- bireftor Geh. Medizinalrat Dr. Pusch-Dresden. Prof. Patzig-Marienburg und Rittergutsbesitzer Hiftnwnn Norden­tal (Ostpr.). Als Ort der Ausstellung 190 5 wurde München festgesetzt. Für 1906 ist Berlin sicher, doch wurde, da der vom Landwirtschaftsminister an gebotene fis­kalische Platz nicht geeignet erscheint, der endgiltige Beschluß auf nächstes Jahr vertagt, ebenso bezüglich des Jahres 1907, in dem Düsseldorf, Dortmund und Münster in Frage kommen.

Ans Stadt und Land.

Gießen, den 11. Juni 1904.

** Personalien. Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Allerhöchste Entschließung Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs vom 27. April d. Js. den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Schlitz Friedrich Eckhardt und Karl Guntrum, den Mitgliedern der fteiwilligen Feuerwehr zu Rüsielsheim Joh. Adam Hummel, Johann Röder und Georg Kropp HI., den Mitgliedern der freiwilligen Fabrikfenerwehr Adam Opel in Rüsselsheim, Philipp Falk H. und Peter Leopold Alt.

" Wider st and gegen den Gerichtsvollzieher. In der Wolkengaffe hatte gestern der Gerichtsvollzieher eine Polizeistrafe einzuziehen. Der Bestrafte widersetzte sich der Zwangsvollstreckung so, daß Polizei herbeigerusen werden mußte. Es gab einen Menschenauflauf, der sich erst verlies, als der Schuldner seine 4 Mk. bezahlt hatte. Die Sache wird noch ein gerichtliches Nachspiel haben.

** Ein Straßenunfall. Gestern nachmittag kolli­dierte ein Fuhrwerk, desien Pferd durch die in der Wilhelmstraße spielende Regimentsmusik scheu geworden war und den Seltersberg herunterraste, unterhalb der Kreuzung der Liebigstraße mit einem Automobil und einem Bäcker­wagen, wodurch die beiden Fuhrwerke etwas beschädigt, aber der Kutscher des durchgegangenen Pferdes durch den Anprall an den Bäckerwagen auf die Straße geschleudert wurde. Glücklicherweise kam er mit einigen leichteren Ver­letzungen davon, so daß er, nachdem ihm in der Klinik ein entsprechender Verband angelegt worden war, sich nach Hause begeben konnte.

* Besitzwechsel. Die G er ha rdt'sche Gärtnerei am Schiffenbergerweg (Nahrungsberg) ging für 60 000 Mk. in den Besitz des Kommerzienrats Gail über. Es wurde das Quadratmeter des Geländes mit ca. 10 Mk. verkauft.

" Das Promenadenkonzert fällt morgen aus.

Stadttheater Gießen. Da die Zeit zur Ent­scheidung drängt, werden alle Jnteresienten gebeten, sich bald­möglichst in die Abonnementsliste der Operetten-Gaslspiele einzuzeichnen. Auch bei Herrn Ernst Ch allier werden jederzeit Abonnementsbestellungen entgegengenommen. Es ist wohl mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß nach dem schönen Erfolg derBettelstudent"-Aufführung sich genügende Betei­ligung am Abonnement finden wird. Da als zweite Vor­stellung die Aufführung desZigeunerbaron" geplant ist, dürfte es interessieren, daß das Nauheimer Ensemble mit diesem Werk in Marburg einen durchschlagenden Erfolg er­zielte, der den desBettelstudent" noch übertraf.

" Das gestrige Boettge-Konzert im Neuen