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Nr. 135
•H4eiut tügltch außer ©onnlagA, Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kessffchen Landwirt die Gießener Familien. Höller viermal in der Woche beigelegt.
-ko tations druck u. Verlag der Brüh l'scheu Unwers.-Buch-u. Stein- druckeret. ÖL Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st raße 7.
Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen.
FernIprechanlchlußNr bl.
Erstes Matt.
154. Jahrgang
Samstag 11. Juni 1904
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger 57
Amts- und A.szeigeblatt für den Kreis Gießen
veHNgspret-r monatttch 75 Pf^ viertel- jährlich Mk. 2^0; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährL ausschL Bestellg. Annahme von Anzeigen für bie TageSnununer bis vormittags 10 Uhr. ZeUenpreiS: lokal 12Pf^ auSwärtS 20 Psg.
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„Krauensiimmrecht."
Während noch vor einem Menschenalter der „gebildete Mann" tn Deutschland mit einem wegwerfenden Achselzucken an den paar „Blaustrümpfen" vorüberging, die die ersten Anläufe zu einer Frauenbewegung nahmen, ist heute der Boden für Erweiterung der Frauenrechte in Deutschland so weit gelockert, daß die deutsche Reichshauptstadt zur Geburtsstadt eines internationalen Vereins mit dem stolzen Namen „Weltbund für das Frauenstimmrecht" erkoren werden konnte, daß ein deutsches Frl. Dr. die Vizepräsidentin des „Weltbundes" wurde, und die Berliner in Scharen sich in die englische Kirche drängten, um dort das allerneueste Schauspiel: eine Frau auf der Kanzel zu sehen. Reverend Anna Shaw, die amerikanische Predigerin, sprach das einleitende Gebet, freilich nicht im Ämtsgewand — dazu hielt man Berlin noch nicht für reif — und die Ehrenpräsidentin B. .Anthony imb die Präsidentin Mrs. C a t t trugen ihre Ansichten über die Ziele der Frauenbewegung vor. Sie lauten kurz imb gut: Politische Gleichberechtigung mit dem Manne, und zu diesem Zwecke: Eroberung des Frauenstimmrechts. Deutschland sei stolz darauf, erklärte Frl. Dr. Anita Augspur g, die einst in Weimar wegen ihres auffälligen Exterieurs Verhaftete, daß gerade in Deutschland der historische Akt der Gründung dieses Weltbundes vor sich gehen sollte — freilich mußte sie alsbald hinzufügen, es sei bedauerlich, daß die Berliner Damenwelt in weitestem Maße durch ihr Nichterscheinen glänzte und selbst die geladenen Parlamentarier vorgezogen hatten, sich zu entschuldigen. Der „Weltbund" in Deutschland trat als ein fremder Pflänzling ins Leben, der trotz alles Wachstums in der Erkenntnis, daß dem weiblichen Geschlecht im weitesten Maße die Gelegenheit zur Entwicklung seiner Fähigkeiten und zur Erringung einer selbständigen Existenz gegeben werden müsse, doch in der deutschen Atmosphäre nicht recht gedeihen will. Ist es doch gerade die Frage des Frauenstimmrechts, an der ffch die Geister der deutschen Frauenbewegung noch immer scheiden: hier die Theoretiker und Radikalen, dort die Praktiker, die es abgelehnt haben, auch nur die Schriften zu Gunsten des Frauenstimmrechts auf dem nächsten internationalen Frauenkongreß auszulegen.
Würde morgen bei uns das Frauenstimmrecht proklamiert — ein gräßliches Tohuwabohu würde die Folge sein. Versetzt schon so manchen Mann dos Reichstagswahlrecht in Verlegenheit darüber, welche Meinung er denn nun eigentlich besitzt, so würden neunzig Prozent der Frauen ratlos dastehen, und würden blind, irgend einem Manne in die Hände fallen. Der Frau liegt die trockene nüchterne Abwägung des Tatsächlichen ferner als dem Manne. Sie neigt daher zum Radikalismus, zum Extrem. Klerikalismus, Standes- und Adelsstolz auf der einen Seite, Gefühlsradikalismus und radikaler Demokratismus auf der anderen Seite würden eine ungeahnte Stärkung in Deutschland erfahren — falls die Frauen überhaupt von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen würden. Der größte Teil würde vermutlich vorziehen, die hohe Politik dem Manne zn überlasten. Das Verlangen nach dem politischen Frauenstimmrecht in Deutschland ift minimal, und man soll niemand ein Recht aufdrängen, nach dem er nicht verlangt, und mit dem er nichts anzufangen weiß.
Für solche Erwägungen sind die Mrs. Anthony und Cott, die Cauer und Augspurg nicht zu haben: sie gehen von unveräußerlichen Voraussetzungen aus und die heißen: heute trägt das weibliche Geschlecht Sklavenketten, es ist zum Gehorsam, zur Unterwerfung unter den Mann gezwungen, der im Staat durch Steuern und Gesetze eine „ungerechte Tyrannei" dagegen ausübt. Die Frau ist „gleich begabt, daher gleich befugt zur Ausübung der bürgerlichen Rechte" nur das allgemeine Stimmrecht, das „unantastbare Grundrecht des Menschen" kann uns retten: so heißt es in dem Programm des Weltbundes für das Frauenstimmrecht. Deutlich klingt durch die Krastausdrücke dieses Manifests die „Erklärung der Frauenrechte" hindurch, die zu den Zeiten der französischen Revolution zum erstenmal und auch da vergeblich die volle poli- tisck>e Gleichberechtigung der Frau forderte. Nordamerika lebt noch heute von den Ideen der französischen Revolution. Eine schlimmere Vernachlässigung der Frauenbildung, als sie je bei uns vorhanden gewesen ist, ist dort seit Mitte des vorigen Jahrhunderts umgeschlagen in ein Hindrängen der Frauen zu den gelehrten und politischen Berufen, das in den letzten 50 Jahren mehr als doppelt so schnell gewachsen ist, als unter den Männern. 1890 verdienten noch 14 Prozent aller Frauen ihr Brot selbst, 1896 . schon 16 Prozent, jetzt mehr als 18 Prozent. Jede gebildete amerikanische Frau politisiert heute über Tarifpolitik, über Imperialismus und Flottenvergrößerung. Was Wunder, wenn ihr nunmehr das Verlangen nach „allen Rechten und Privilegien der Wählet" als selbstverständlich er- scheint)
So rasch in Amerika und Australien die Umwälzung vor sich gegangen ist, und so sicher dort auch wieder ein Rückschlag zu erwarten ist, so planmäßig und vernünftig hat sich in Deutschland abgesehen von den wenigen Stürmern und Drängern des Weltbundes, die Frauenbewegung gehalten. Das Bürgerliche Gesetzbuch hat der Erweiterung der Frauenrechte in zeitgemäßer Weise Rechnung getragen. Frauen aller Kreise und Stände arbeiten heute von verschiedensten Voraussetzungen aus auf die Ziele los, die erst einmal erreicht sein müssen, ehe an die Frage über das Frauenstimmrecht überhaupt herangegangen werden kann: diese Ziele heißen: Erweiterung und Vertiefung der Frauenbildung, Erweiterung der Möglichkeiten für die Frau, ihre allgemein-menschliche Anlage und ihre spezielle weibliche Beanlagung zu entwickeln, und in einer sie wirtschaftlich und g e i st i g befriedigenden Weise in den Dien st der Allgemeinheit zu stellen. Solches .Heraustreten der Frau in die Oeffentlichkeit ist trotz aller Zunahme heute bei uns noch immer viel zu jungen Datums. Die Zahl der eigenem Erwerb nachgehenden wirtschaftlich selbstständigen Frauen ist noch zu gering, ihre Erprobung gerade auf dem Gebiet der Staatsverwaltung und Regierung zu unvollkommen, als daß an die allgemeine Einräumung des politischen Wahlrechts gedacht werden kann. In England,Sch Weden, Norwegen und F in land genießen bereits heute die unverheirateten Frauen gleich den Männern das kommunale Stimm recht. Selbst in Rußland wählt die selbständige Frau bei den Kommunal wählen durch ihren Stellvertreter. Freilich, fast überall dieselhe Erfahrung, sie ub t es nicht aus. Trotzdem muß es als eine Forderung der Billigkeit anerkannt werden, daß die selbständige Besitzerin auch ein Mitrecht an der Verwaltung der kommunalen Abgaben, die sie leistet hat Tie kommunalen Fragen der Schule, der Armenpflege, der «cngvne liegen überdies der Beanlagung der Frau besonders nahe Auch die Natur der Gewerbe- und Kauf- mannsgerich-e läßt an sich nicht erkennen, «warum bei Entscheidung über Arbeitsstreitigkeiten der Frau die Mitwirkung
ganz versagt sein soll, nachdem bereits die deutsche Arbeiter- Versicherung Mann und Frau gesetzlich ganz gleich gestellt hat.
All diesen Bestrebungen, daS Wahlrecht den wirtschaftlich selbständigen Frauen überall da zu gewähren, wo ihre besonderen Interessen in Frage kommen, oder da, wo es sich um allgemein menschliche, den Geschlechtsunterschied nicht berührende Dinge handell, und wo durch öffentliche Betätigung die besonderen Aufgaben des weiblichen Geschlechts nicht geschädigt werden, steht auch der gebildete deutsche Mann heute bereits vielfach sympathisch gegenüber. Erst nachdem sich Einrichtungen dieser Art bewährt haben, könnte die Frage ernsthaft erörtert werden, ob die Mehrheit der Frauen fähig oder auch nur willens ist, politisches Wahlrecht auszuüben — falls dann diese Frage in der verkehrten Allgemeinheit, wie sie von dem Berliner „Weltbund" aufgeworfen worden ist, überhaupt iwch einer Beantwortung bedarf!
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Urteile über das Stimmrecht der Frau hat jüngst die Genfer Semaine littäraire von einer Anzahl von Herren und Damen eingefordert. Die weiblichen Gutachten lasten im allgemeinen nichts Neues und besonders Geistreiches erkennen. Für ein Stimmrecht auf den drei Gebieten der Politik, Schule und Kirche tritt nach weisen erzieherischen Ratschlägen zur Verbesserung der Frau Madame Georges-Renard in Paris ein: trotzdem meint die Dame, die Frau habe die beklagens- toertc Neigung, die Schule zu aristokratisieren. Vorsichtige Zurückhaltung in ihrem Urteile bekundeten der Bischof von Lausanne und der altkitholische Bischof Herzog, während der Bischof Egger von St. Gallen eingehend zur Frage Stellung nimmt: er stellt zwar zuerst fest, daß die Frau ihren Platz in der Familie und nicht in der Oeffentlichkeit hat, meint aber, daß sich die soziale Stellung der Frau doch merklich geändert habe und daß diese Aenderung auch vielleicht ihre politische Position berühre. Was das Stimmrecht auf kirchlichem Gebiete beträfe, so öffne die katholische Kirche der Frau Wirkungskreise, die ihrer natürlichen Eigenart angemessen seien, nämlich Erziehung und Wohltätigkeit. Ein Genfer Abb6 will von einem Stimmrecht der Frau in kirchüchen Dingen nichts wissen und erinnert an das treffliche Wort des Apostels Paulus Mnlier taceat in ecclesia. Das politische Stimmrecht der Frau hält der Lausanner Prv- festor Millioud für eine unausbleibliche Neuerung der Zukunft, freilich verhehlt er sich das Bedenkliche dieser Neuerung nicht, glaubt aber, daß sie um der Gerechtigkeit willen vorgenommen werden müsse. In Schulsachen und kirchlichen Dingen befürchtet Millioud, würden uns die Frauen in fataler Weise aufhalten.
Attentat aus den russischen Kesandte» in Aern.
Bern, 10. Juni.
Heute kurz nach mittag hat in der Nähe des Berner Hofes in Bern ein Baron Jlnicky auf den russi- scheu Gesandten in Bern, Schadowsky, geschossen. Schadowsky wurde am Kopf schwer verwundet.
Mittags, etwa um 1 Uhr, begegnete ein Bürger an der Bundesgasse zwei in lebhaftem Gespräch sich befindenden, gestikulierenden Männern. Als beide bereits eine Strecke vorüber waren, hörte er einen Schuß. Er wandte sich um und bemerkte, wie einer der beiden Fremden zu Boden fiel, aber allein aufstand, wahrend der andere d a v 0 n l i e f. Der Bürger holte den Fliehenden ein und übergab ihn dem nächsten Polizeiposten. Auf der Polizeiwache wurde dem Täter ein noch fünf Schüsse enthaltender Sieben-Millimeter-Revolver abgenommen. Er gab ohne Umschweife zu, daß er auf den russischen Gesandten geschossen habe. Der Gesandte wohnte gewöhnlich in Genf. Jlnicky war früher Ingenieur. Es heißt jetzt, er sei ein Rurnelier. Als türkischer Vertreter glaubte er sich berechtigt, an die russische Regierung verschiedene Reklamationen zu richten wegen Geschäfte, über deren Charakter noch keine genauen Meldungen vorliegen, die aber privater Natur zu sein scheinen. Vor ungefähr einem Jahre stellte sich Jlnicky dem russischen Gesandten vvr und übergab ihm ein Memorandum über seine Forderungen. Schadowsky, den die Angelegenheit gar nicht anging, übernahm die Uebermittelung des Memorandums nach Petersburg und schickte es sofort dorthin ab. Jlnicky, ungeduldig auf Antwort wartend, scheint, als sie nicht einlief, in Wut geraten zu sein und richtete verschiedentlich Drohbriefe an die russische Gesandtschaft. Diese wurden dem politischen- Departement und von diesem der Berner Polizei übergeben.
Der russische Staatsangehörige Ingenieur Baron Jlnicky hielt sich seit etwa zwei Jahren in Bern auf. Er hatte vor längerer Zeit in einer Zeitung Beschwerden über die russischen Behörden wegen Vorenthaltung ihm angeblich gehörender Güter erhoben und hatte, wie es heißt, einen Prozeß verloren. Man glaubt, daß er geisteskrank ist. Der Gesandte wird von Professor Kocher behandelt, dem es in erster Linie oblag, die Kugel zn entfernen. Die Operation ist geglückt. Es ist Professor Kocher gelungen, die Kugel zu entfernen. Man hofft auf einen normalen Genesungsprozeß, vorausgesetzt, daß keine Entzündung eintritt.
Eine spätere Meldung lautet: Ingenieur Jlnicky war früher russischer Offizier. Er ist türkischer Untertan und hielt sich mit regelrechten türkischen Ausweispapieren seit ungefähr einem Jahre in Bern auf. Er behauptet, das Opfer russischer Beamtenwillkür zu sein, wodurch er seines beträchtlichen Vermögens beraubt worden sei. Er suchte Rückerstattung vom russischen Staate zu verlangen, und drohte auch mit einer Zivilklage. Er paßte dem Gesandten auf und fragte ihn nach dem Ergebnis seiner Eingabe. Als er zur Antwort erhielt, man könne ihm nichts Sicheres sagen, schoß er auf den Gesandten. Er traf ihn in die Schläfe. Die Kugel durchdrang jedoch den Knochen nicht. Die Tat hat weder anarchistischen noch nihilistischen Charakter, sondern ist wahrscheinlich einem Geisteskranken zuzuschreiben, der auf diese Meise die Aufmerksamkeit auf sich und seine Ansprüche lenken ivollte.
Jlnicky scheint von Verfolgimgswahnsinn besessen zu sein. Im vorigen Jahr ereiste Jlnicky nach Darmstadt, um dem Kaiser von Rußland persönlich seine
Anliegen vorzutragen. Dort soll ihm ein kaiserlicher Sekretär versprochen haben, seinen Fall dem Kaiser vorzulegen.
In Wien ist Johann Jlnicky den Gerichten wohlbekannt. Im April 1903 wurde er dort vom Schwurgericht wegen versuchter Erpressung und Verleumdung einer Hausbesitzerswitwe zu zehn Monaten schweren Kerkers verurteill. Da er nach der verbüßten Strafe das damalige Urteil als einen Justizmord bezeichnete und gegen den Vorsitzenden der damaligen Verhandlung, Ober- landesgerichtsrat Frohmann, in den Zeitungen die heftigsten Angriffe erhob, wurde er im Mai des Vorjahres wegen Beleidigung der Behörde zu einem Monat Arrest verurteilt.
Der schweizerische Bundesrat beschloß in einer Extrasitzung, Jlnicky der Bundesanwaltschaft zu überweisen. Ferner beauftragte der Bundesrat den Bundespräsidenten, sich sofort im Berner Hof, wo der Gesandte Quartier genommen, nach dem Befinden des Patienten zu erkundigen und feiner Familie sowie dem russischen Ministerium des Aeußeren telegraphisch Teilnahme auszudrücken.
Der Krieg zwilEen Japan und Dußtand.
Von dem Sturm auf Port Arthur.
liegt noch immer keine Bestätigung der Chinesenmeldung vor. Wie aus Petersburg W. T. B. meldet, bestätigt sich nach Erkundigungen, welche das Rufs. Telegr.-Bur. in Mukden einzog, die Meldung aus Liaujang vom 8. Juni nicht, wonach bei dem Angriff auf Port Arthur ein Drittel der japanischen Armee vernichtet sei. So wären denn die ganzen Chinesenmeldungen ernsach tn das Reich der Fabel zu verweisen.
Aus Petersburg erhalt das B T. folgende Meldung:
Aus der Halbinsel Siautnng sind die Japaner südlich bis auf 20 Kilometer hinter Wasandjon zurückgegangen, wo sie Verstärkungen sammeln. Der russische Vormars chnachSüden hat kaum den Zweck eines Entsatzes von Port Arthur, sondern nur den der Beunruhigung der Armee des Generals Oku und den Schutz der Eisenbahn. In wenigen Tagen beginnt die Regen- Periode, die im Norden alle Operationen hemmt, wo General Kuroki in den letzten Tagen mehrere Versuche gemacht hat, die russischen Vorposten nördlich zu umgehen.
Weiteres vom Kriegsschauplahe.
Ter Korrespondent des Reiiterschen Bureaus im japa«- nischen Hauptquartier in der Mandschurei telegraphiert vorn 10. d. M. über Fusay: Seit einiger Zeit werden von der ersten Armee sehr wichtige Operationen unternommen. Die Armee marschiert feit zwei Tagen in vier Kolonnen vorwärts und unternimmt Rekognoszierungen auf den Straßen nach Liaujang, Haitschoeng, Sairnatsi und Hsingjen. Die Japaner besetzten bereits einige Städte, deren russische Garnisonen von je mehreren hundert Mann mit Geschützen nach heftigem Kampfe zum Abzug genötigt wurden. Die Verluste der Japaner betragen 65 Mann.
Aus Mukden meldet die Rufs. Telear.-Ag.: Die Armee des Generals Kuroki beginnt die Vorwärts- Bewegung. Die russischen Vorposten stießen in dem Gebiete von Maimatschi und Tschienschan auf beträchtliche japanische Streitkräfte. Jeden Tag finden Scharmützel zwischen den beiderseitigen Vorposten statt. Die russischen Truppen gehen langsam vor den überlegenen feindlichen Stteitkräften zurück.
Aus Tokio kommt folgende amtliche Meldung: General Kuroki berichtet: Eine unserer Abteilungen besetzte am 7. Juni S a l m a t s i. Unsere Verluste sind: 3 Mann tot, 24 Mann verwundet, während der Feind 23 Tote zurüclließ, außer zwei Offizieren und fünf Mcmn, die gefangen genommen wurden. Kurokis Armee, die mit den in Takuschan gelandeten Truppen gemeinsam operiert, besetzte am 7. Juni Hsiujen und drängte den Feind auf Tonuitschöng und Kaiping zurück. Der Feind zählte 4000 Mann Kavallerie mit sechs Geschützen. Unsere Verluste: drei Mann tot, ein Leutnant, ein Unterleutnant und 28 Mann leicht verwundet.
Ein Telegramm des Generaladjutanten Kuropatkin an den Kaiser vom 9. Juni besagt: Die Beschießung der Küste westlich von Sseniuffchen und Kaidschou durch ein japa- nffches Geschwader am 8. Juni richtete weder Verluste noch Materialschaden an, obwohl eine bedeutende Anzahl von Schüffen abgegeben wurde. Aus ruffischer Seite wurde ein Lazarettgehilfe verwundet. Am Morgen des 9. Juni herrschte an der Küste Ruhe. Einige feindliche Schiffe hielten sich vom Ufer fern. Am 7. Juni fuhren die Japaner fort, nach Ssiujan auf der von Takusckau und Föngwangtschöng dorthin führenden Sttaße langsam vorzurücken. Abteilungen der Vorhut machten etwa acht Werst südlich und östlich von Ssiujan Halt. Am Morgen des 8. Juni griff eine japanische Abteilung, aus etwa einer Brigade Infanterie mit zwei Gebirgsbatterien und fünf Eskadron» bestehend, Ssiujan an. Gegen 11 Uhr erschienen die Japaner von Süden vor der Stadt, wurden aber durch das äußerst erfolgreiche Feuer einer russischen Batterie gezwungen, H a l t zu machen. Hierauf begann die japanische Infanterie, auch von Osten auf dem Wege von Fönawaugtschöng her vorzugehen. Die K 0 s a k en , die daselbst einen Paß besetzt hielten, mußten nach zweistündigem Kampfe sich zurückziehen. Eine russische Batterie eröffnete das Feuer auf den Paß und machte es den llapanern unmöglich, sich bort festzusetzen. Um dieselbe Zeit nahm im Süden eine japanische Gebirgsbatterie Aufstellung, wurde aber nach einigen Schüssen durch das Feuer der oben erwähnten Batterie zum Schweigen gebracht. Einer zweiten japanischen Gebirgsbatterie gelang es überhaupt nicht, das Feuer zu eröffnen. Sie räumte unter dem Feuer der russischen Batterie die von ihr eingenommene Stellung. Im Laufe des Gefechtes wurde eine Umgehungsbewegung mehrerer japanischer Jnfanteriebataillone im Nordwetzen von Ssiujan bemerkt, die den Rückzug der Russen bedrohte. Die Kosaken zogen sich deshalb allmählich bis etwa acht Werst von Ssiujan zurüch und beschossen dabei mit Arttllerie auf eine Entfernung von


