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Nr. 110
Zweites Blatt
Mittwoch 11. Mai 1904
Gießener Anzeiger
154. Jahrgang
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniverstLLtsdruckerei. R. Lange, Dießen.
Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.7.
Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr. r Anzeiger Dießen,
Erscheint tSglich mit iUuSnahme des Sonntags.
Die „Siebener ZamiUenblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der »hessische Landwirt" erscheint monatlich einmal.
Genera!-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen.
Pie Heutige Yummer umfaßt 16 Seiten.
vielmehr um die Einrichtung einer diplomatisch,en Vertretung Bulgariens in der Reichshauptstadt.
Gießen, am 9. Mai 1904. Betr.: Die Invalidenversicherung der Hebammen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Wir erinnern Sie, soweit Sie mit Ihren Berichten im Rückstände sind, wiederholt an die alsbaldige Erledigung unseres Amtsblattes Nr. 3 vom 17. März 1904.
_______________I. B.: Dr Kranzbühler.________________
Mkanntmachung.
Betr.: Die Bestellung eines Wasenmeisters für Gießen.
Jnnocenz Krack dahier, Schloßgasse 11, ist zum Wasen meist er für die Stadt Gießen bestellt und von uns amtlich verpflichtet worden.
Gießen, den 9. Mai 1904.
Großkwrzonliches Kreisamt Gießen.
__________________I. V.: Dr. K r a n z b i"i h l e r.____________________
Amtliche Nachrichten über Viehseuchen.
In einem Gehöfte zu Ober-Breidenbach (Kreis Alsfeld) sind die Backsteinblattern ausgebrochen; über dieses Gehöfte ist die Sperre verhängt.
Unter dem Schweinebestand zu Bra cht (Kreis Marburg) ist die Rotlauffeuche ausgebrochen. Es ist Gehöftsperre an- geordnet und der gemeinschaftliche Weidegang der Schweine daselbst bis auf weiteres verboten.
Bekanntmachung.
Betr.: Feldbereinigung in der (Semarfung Gießen rechts der Lahn; hier: die Zuziehung der Fluren XVi und XIX bis XXI der Gemarkung Heuchelheim.
In der Zeit vom 18. Mai l. Iß. bis einschließlich 27. Mai l. Js. liegt auf dem Gemeindehaus zu Heuchelheim der allgemeine Meliorationsplan nebst Erläuterungsbericht und Prüfungsprotokoll von den zum Feldbereinigungsoerfahren Gießen rechts der Lahn zugczogenen Fluren XVI und XIX bis XXI der Gemarkung Heuchelheim zur Einsicht der Beteiligten offen.
Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen findet statt
Samstag -en 28. Mai l. IS., vormittags von 9—10 Uhr, im Gemeindehaus zu Heuchelheim, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Die Einwendungen sind schriftlich abzufassen, zu begründen und auf Papier in Aktengröße (mindestens 1/a Bogen) einzureichen.
Friedberg, den 6. Mai 1904.
Der Großher'.ogliche Feldbereinigungskommissär: ____________Spam er , Kreisamtmann.____________
Bekanntmachung.
Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Gießen rechts der Lahn; hier: die Arbeiten des II. Abschnittes von dem zugezogenen Teile der Gemarkung Heuchelheim.
In der Zeit vom 14. l. Mts. bis einschließlich 27. l. Mts. liegen auf dem Gemeindehaus zu Heuchelheim die Arbeiten des II. Abschnittes von dem zum Feldbereinigungsverfahren Gießen rechts der Lahn zugezogenen Teile der Gemarkung Heuchelheim, nämlich:
1. 4 Bonitierungskarten,
2. 1 Band Gütergeschosse,
3. 1 Band Zusammenstellung der Gütergeschosse,
4. 1 Band Besitzstandsverzeichnis zur Einsicht der Beteiligten offen.
Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen findet statt: Samstag, 28. Mai l. Js., vormittags Von 9—10 Uhr, im Gemeindehaus zu Heuchelheim, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Die Einwendungen sind schriftlich abzufassen, zu begründen, und auf Papier in Aktengröße (mindestens x/4 Bogen) einzureichen.
Friedb erg, den 10. Mai 1904.
Ter Großherzogliche Feldbereinigungskommissär: Spam er, Kreisamtmann.
Politische Tagesschau.
Hohe Besuche.
Man schreibt uns aus Berlin:
Von oen weiteren Auslandreise n Kaiser Wilhelms darf einstweilen nur diejenige nach Belgien als feststehend gelten. Eine Nord land fahrt ist nicht in Betracht gezogen, weil sie alljährlich in das Reiseprogramm aufgenommen ist. Nach den bisherigen Bestimm- ungen wird der Kaiser im Laufe des nächsten Monats in Brüssel eintreffen. Ist dieser Besuch auch in erster Linie als eine Erwiderung des von König Leopold am 27. Januar in Berlin abgestatteten anzusehen, so dürfte er doch seinen besonderen politischen Zweck haben. Man geht wohl nicht fehl, wenn man ihn in Zusammenhang bringt mit den Verhandlungen zwischen Deutschland und dem Kongostaat über die Ki v nse e-Grenz fr age. Deutschland hat ein Interesse an dem baldigen Abschluß der Verhandlungen, der ihm voraussichtlich das Ostufer erhalten dürfte. König Leopold hat jedenfalls namens der kongostaatlichen Regier- ung das entscheidende Wort zu sprechen. Der erste fremde Regent, der im Lause dieses Sommers in Berlin erwartet wiä>, ist Fürst Ferdinand von Bulgarien. Sein Besuch hat mit der Orient frage nichts zu tun, es handelt sich
Gouverneur Leutweiu.
Bleibt Gouverneur Leutwein auf seinem Posten in Deutsch-Südwestafrika? Ist der Oberst verstimmt durch die. Entsendung des Generals v. Trotha, oder ist dies nicht der Fall? Noch immer lveiß man nichts Sicheres. Die „Nordd. Allg. Ztg.", vom Kolonialamt inspiriert, kann, wie wir schon in unserem heutigen Morgenblatt kurz erwähnten, auch nicht positiv melden: Leutwein bleibt. Das offiziöse Blatt erblickt nur einen „unlösbaren Widerspruch" in der gestrigen Depesche — die unsere kolonialen Kreise alarmieren mußte — über die Rücktrittsabsicht Leutweins. Der „Lokalanz." betont, daß jene Nachricht nicht auf den Gouverneur zurüötzuführen ist. Der Absender der Depesche habe seine Quellen in einem nicht veröffentlichten Zusatz näher charakterisiert, um jeden Verdacht von sich zu weisen, als ob etwa sein Telegramm Mittel zu einer in Sudwest- asrika angezettelten Jnrrigue sei. Wir unsererseits meinen: zu einer Jntrigue sind doch Wohl die Zeiten zu ernst! Mer wir verstehen nicht, daß Leutwein, wie es den Anschein hat, züerst die Ernennung Trothas mit Erklärungen beantwortete, die hier als Einverständnis aufgefaßt worden sind, und späterhin Verstimmungen sich hingab, die jedenfalls zeitweilig zum Entschluß des Rücktritts führten. Die Meldung des ,Lokalanz." wird immerhin von Personen gewährleistet sein, die von Leutwein fettift entsprechende Aeußerungen vernommen haben. Von amtlicher Stelle wird zweifellos unverzüglich Anfrage an den Gouverneur ergangen sein, was es mit der gestrigen Depesche auf sich habe. Man rann nur dringend wünschen, daß demnächst die bündige und jeden Zweifel ausschließende Antwort Leutweins ein trifft, daß er auf seinem höchst ver- antwortungsvollen Posten ansharrt._____________________
Die Kolendeöatte im preuß. Avgeordnetenöause.
Berlin, 10. Mai.
Zur Beratung steht die erste Lesung des schon vom Herrenhause angenommenen Ansiedlungsgesetzes. — Abg. v. Con- rad lfrk.) bestreitet, daß die Tätigkeit der Ansiedlungskommission zur Vermehrung des polnischen Grundbesitzes geführt habe. Er erllärt eine allmähliche Vermehrung der deutschen Bauern- stellen für wünschenswert. — Abg. Glatze! (nl.) erllärt das prinzipielle Einverständnis seiner Fraktion mit dem Gesetzentwurf und beantragt zwecks Beratung der Einzelbeiten Einsetzung einer Kommission von 21 Mitgliedern. — Abg. Roeren sZtt.) erllärt namens seiner Partei, diese habe schwere Bedenken gehabt durch den § 13 b. Dadurch charakterisiere sich die Vorlage als ein weitestgehendes Gesetz gegen die Polen. Seine Partei lehne gerade deshalb den Entwurf ab, weil sie glaube, daß er im Widerspruch stehe mit der preußischen Verfassung und der Reichsgesetzgebung. Durch das Gesetz soll es den Polen unmöglich gemacht werden, in ihrer Heimat Grund und Boden zu erwerben. Denn jede polnische Ansiedlung widerspreche den Zwecken des Ansiedlungsgesetzes. Wie stimme das mit dem Artikel der preußischen Verfassung, daß alle Preußen vor dem Gesetze gleich sind. Gegen die polnischen Volksbanken könne man doch deutsche errichten, dazu brauche man doch dieses Gesetz nicht. Die polnische Bevölkerung sei innerhalb des preußischen Staatsgebietes rechtlos. Ein Teil der vom Lande vertriebenen Bauern werde in der Stadt als erdrückender Konkurrent der deutschen H a n d w erke t auftreten. Der andere größere Teil aber werde ins Industrie- Proletariat herabsinken und aus Erbitterung über seine elende Lage zur Sozialdemokratie kommen. Seine Partei könne umsoweniger dem Gesetz zustimmen, als es tatsächlich ihre Glaubensgenossen zu Gunsten Andersgläubiger vertreibe. — Minister Frhr. v. Hammer st ein erllärt, es wäre vielleicht richtiger gewesen, wenn der Vorredner den Mund nicht so voll genommen hätte. Wenn der Ausdruck zu scharf sei, wolle er ihn zurücknehmen. Die Bestimmung, die vorliege, beschränke auch in keiner Weise das Recht, Grundbesitz zu erwerben. Uebrigens bestimme § 111 deS Einführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch, daß die landesgesetzlichen Vorschriften unberührt bleiben, die im öffentlichen Interesse das Eigentum beschränken. Das Ansiedlungsgesetz sage auch nicht ein Wort gegen die Polen; es sei nur zur Stärkung des Deutschtums geschaffen. Auch natf? diesem Gesetz soll die Gründung von polnischen Kolonien gar nicht verboten, sie soll nur unter eine gewisse Kontrolle gestellt und dort untersagt werden, wo sie allgemeinen Interessen des Deutschtums zuwiderläuft. Die Polen müssen lernen, auch unter den preußischen Staat sich zu Heugen. Redner verliest mehrere von einem National-Komitee in Russisch-Polen verbreitete Aufrufe, die auffordern, das Zarentum zu stürzen und den größeren Haß gegen dasPreußentum zurückzudrängen. Der Minister gibt zu, daß das Gesetz indirekt ein Kampfgesetz gegen die Polen ist, aber wir müssen nach dem Grundsatz verfahren: Videant eousules, ne guid detrimeuti capiat res publica! — Abg. Dr. v. Starzynski (Pole) führt aus, der Titel des Gesetzes müßte eigentlich lauten: Gesetz betr. Erschwerung resp. vollständige Verhinderung der privaten Ansiedlungen in den polnischen Provinzen. Durch dieses Gesetz wolle man die Polen verhindern, eine Scholle da zu erwarben, wo die Gebeine der Eltern und Ureltern liegen. Wenn das Haus dieses Gesetz annehme, so beweise es damit, daß es die Ideale der Gerechtigkeit und des Wohlwollens unter den einzelnen Nationen aber nur als Ideale betrachten und in der Praxis brutale Gewalt anwenden. ,,Wir lassen uns nicht schrecken." — Landwirtschaftsminister v. Pod- b i e l s k i erklärt, die Polen hätten die Ansiedler zu ihren Heloten gemacht und ihre materielle Abhängigkeit polittsch ausgenutzt. Die Konttalle der Ansiedlungsbanken seien häufig sehr rigoros. Der einzige Zwecke des Gesetzes sei, dieser ungesunden Parzellierung entgegenzutreten, durch welche die Leute in Hörigkeit kommen von politischen Parteien. Er, Redner, wäre gern bereit, das Gesetz auf alle Provinzen auszudehnen. Es handle sich in der Tat um ein Ausnahmegesetz, das Haus werde aber zugeben müssen, daß es berechtigt sei. — Abg. P e l t a s o h n (fr. Vg.) hat mit seiner Partei verschiedene Bedenken gegen die Vorlage, die in der Kommission zu prüfen fein werde. Die Bestimmungen des § 13 a seien ür seine Partei unannehmbar. Das Unwesen der Ansiedlungs- banken, soweit es bestehe, zu bekämpfen, sei seine Partei bereit, aber nicht durch Ausnahmegesetze. Daß es sich hier um ein Ausnahmegesetz handle, werde jetzt allseitig zugegeben. Der Erfolg des Gesetzes sei außerdem nach jeder Richtung hin illusorisch. Den Polen sei es nicht verwehrt, von dem deutschen Erwerber das Gut zu kaufen. Durch ein solches Ausnahmegesetz merbe der polnischen Agitation, die alle verurteilen, nur neue Nahrung zugeführt. — Präsident v. Kröcher schlägt vor, die Debatte ab- zubrechen und die Sitzung zu vertagen. — In persönlicher Bemerkung wendet sich Abg. Roeren (Ztr.) sehr scharf gegen die Bewertung des Ministers v. Hammerstein, daß er den Mund zu voll genommen habe.
Landwirtschaft.
(c.) Darmstadt, 10. Mai. Die 14. ordentliche (S en erat* Versammlung der Z e n t r al g e n o ss e n s ch a f t der hessischen landwirtschaftlichen Konsumvereine, G. m. b. H. zu Darmstadt, findet kommenden Montag, 16. d. M. in Darmstadt, Fürstensaal, statt. Wir entnehmen dem Geschäftsbericht über das Geschäftsjahr 1903, daß der Genoffenschaft am Ende des Jahres 108 Mitglieder angehörten, darunter 102 Genossenschaften und Vereine. Der Gesamt-Warenbezug im Jahre 1903, bestehend aus: Hilfs-Dünger, ffraftfuttermittel, Kohlen, Sämereien, Torfstreu, Schwefel, ff iipfervitriol usw. betrug 397 430 Zentner im Werte von 1227 970,60 Mark. Wir entnehmen einer vergleichenden Zusammenstellung zwischen dem Jahre 1896 und dem Jahre 1903, daß der Gesanckbezug in 1903 um das Doppelte gestiegen ist und daß hierbei hauptsächlich künstliche Dünger, Sämereien und Kohlen beteiligt finb, während der Verbrauch an Kraftsuttermittel einen kleinen Rückgang erfahren hat, welcher hauptsächlich mit der Entwickelung der Viehhaltung, namentlich in der Provinz Rheinhessen, zusammenhängt. Der Verbrauch an künstlichen Düngern ist um das 2’A fache dem Quantum nach gestiegen; der Verbrauch an Kalidünger, letztere auf Kaintt reduziert, um fast das 6 fache. Die Geschäftsguthaben der Genossen Ertrugen am Ende des Jahres 16 274 Mark, die Übrigen Reserven 71 667,38 Mk. und somit der Bettag der eigenen Betriebsmittel 87 941,38 Mark. Der im Jahre 1903 erzielte Gewinn läßt nach dem Anttage des Auffichtsrates, neben einer angemessenen Dotierung der Reserven, eine Waren-Dividende von 3 Prozent zu. Im übrigen wird der Verlauf der Geschäftstätigkeit in dem Berichtsjahre im allgemeinen als befriedigend bezeichnet.
Arveiteröeweguug.
Berlin, 11. Mai. Die Bäckergesellen beschlösset mit 2863 gegen 104 Stimmen heute in den An 8 sta nd zu treten.
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Zur hessische« Wahlreform.
Großen-Lindelr, 11. Mai.
Geehrter Herr Redakteur!
Gestatten Sie mir gütigst nochmals das Wort.
Jrn hessischen Landtag wird in der Regel nur eine Lesung vorgenommen und dann endgiltig abgestimmt.
Ausnahmsweise wurde bei Beratung der Wahlrechtsvorlage eine zweite Lesung beschlossen und hierbei habe ich nicht gegen die direkte Wahl gestimmt, wohl aber bei der erster: doch nichts geltenden Lesung, und wenn ich dies tat, so war ich damit kein Gegner der direkten Wahl, vielmehr wollte ich damit bekunden, daß ich gegen diese Vorlage überhaupt bin und zwar aus folgen-, dem Grunde: die Stadt Gießen hatte bei der letzten VolkSzahumg 25 757 Einwohner. Bringt man Studenten, Soldaten, die Insassen der Kliniken und Gefängnisse in Abzug, so bleiben rund 22 000 übrig.
Gießen-Land hatte damals 22 867 Einwohner.
Mithin ist die Bevölkerung der beiden Wahlbezirke gleich groß.
Nach der Vorlage sollte Gießen-Land leer ausgehen, Gießen- Stadt aber einen zweiten Abgeordneten zur zweiten Kammer bekommen.
Damit nicht genug, auch in die erste Kammer sollten drei Städtebürgermeister berufen werden: daß dabei ganz mit Recht die Provinzialhauptstadt berücksichttgt worden wäre, dürste selbstverständlich sein. )
Da auch ein Mitglied des Senats der Landes-Univ ersitat Sitz und Stimme in der ersten Kammer hat, so saßen vier Bewohner der Stadt in der Ständeversammlung und der gleich große Landbezirk hätte nur eine Stimme gehabt.
Man darf sich, nach meiner Ansicht, also nicht wundem, wenn ich bei der ersten Lesung gleich gegen den grundlegenden Artikel stimmte.
Ich bin kein Gegner der dttekten Wahl, verlange aber „gleiches Recht für alle". Hochachtend!
Le un.
Anm. d. Red. Also nur aus „Freundschaft" für die Stadt Gießen hat Herr Leun sich bemüht, die volksfreundliche Wahlreform zu Falle bringen, ohne Rücksicht daraus, daß das Gesetz für das ganze Land gilt Heißt das wirklich nach dem Grundsätze gehandelt: Gleiches Recht für alle?
Ich Halte es für meine Pflicht, im Interesse einer großen Anzahl Gießener Familien, auf die unerhört hohen Fleischpreise hier in Gießen hinzuweisen. Trotzdem Gießen inbezug auf Lieferung dieser landwirtschaftlichen Produkte äußerst günstig liegt, dann auch die meisten hiesigen Metzgermeister ihren Bedarf direkt beziehen, mithin Zwischenhändler vermieden werden, kann man sich wirklich nicht genug wundem, wenn man die jetzt sehr niedrigen Einkaufspreise mit den in gar keinem Verhältnisse dazu stehenden hohen Verkaufspreisen zu vergleichen Gelegenheit hat.
Während es in anderen Städten dem Mittelstände vergönnt ist, bei den heutigen geistigen, wie körperlichen Anforderungen im Kamps ums Dasein sich diese Hauptnahrung noch des öfteren zu leisten, wird gerade hier in Gießen der Kentere Mann schwer getroffen, da das Fleisch nur eine teure Delikatesse für ihn ist.
Wäre es nicht angebracht, so sich die Hiesige Stadtverwaltung einmal dieser Angelegenheit annähme und auf die Fleischerinnung einen entsprechenden Druck ausübte? Ä. B.
Etwas verspätet zwar, aber noch rechtzeittg, geht uns folgendes niedliche Eingesandt zu:
Der Verfasser des „Eingesandt" vom Freitag vor. Woche, welcher den Anblick in der Tür stehender Ladeninhaber nicht vertragen kann und obendrein von diesen, bet Grußregel entgegen, den Gruß zuerst verlangt, begibt sich am besten zur Beruhigung seiner herabgestimmten Nerven in die
Sommer-Frische.
Was die in demselben Eingesandt empfohlene Arbeitseinteilung anbelangt, so kann man dem Einsender wohl mit dem Stichwort aus dem „Nachtasyl" antworten:
„Keine Ahnung."
Hausfrauen gebrauchet
Kondensierte AipenmUch
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voller Rahmgehaft.________überall Räufliefi.
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