die Wartburg darstellen soll, dieses Bild sticht unangenehm ab. Em alter Kollege, der sehr fleißig hierher kommt, sagte heute sehr erstaunt zu mir, als ich von dem Bilde sprach: Was, wir haben hier ein Wartburgbild, das babe ich noch nie gesehen. Wer unseren Thüringer Wald kennt, wird zugeben, daß das Bild gar feine, Aehn- lichkeit hat. Ich bitte den Herrn Präsidenten, dem Bilde in Zukunft einen Platz neben dem Sttickschen Gemälde auf dem Boden des Reichstagsgebäudes anzuweisen. — Ich bitte Sie, den Antrag Kirsch anzunehmen. (Beifall.)
Staatssekretär Dr. Graf v. Posadowsk«: Was den vorliegen- 0en Antrag anlangt, so bemerke ich, daß die in dem Anträge angeregte Frage von Fall zu Fall zu beurteilen ist. In Frankreich bestehen zwei Künstlergruppen. Diese beiden Gesellschaften haben in St. Louis gemeinschaftlich ausgestellt als Vertretungen der französischen Kunst. Das scheint mir doch sehr bedenklich, wenn cm Zustand eintreten sollte, daß bei ausländischen Ausstellungen die deutsche Kunst in zwei Gruppen vertreten ist. Ich glaube, nachdem wir politisch die Uneinigkeit überwunden haben, wollen wir ste m der Kunst nickt nach außen einführen. Mit dem Abg. Arendt, dem ich für seine Ausführungen sehr dankbar bin, bin ich der Meinung, daß alle Bestrebungen dahin gehen müssen, daß die deutschen Künstler sich einigen und sich zusammenfinden zur Stärkung der deutschen Kunst. Es kommt nickt darauf an, ob em Bild sezes- sionistisch ober anders gemalt ist, es kommt darauf an, daß es gii: gemalt ist. Wenn darauf hingewiesen ist, daß das Stucksche Gemälde nach St. Louis gegangen ist, so bemerke ich, daß dieses Gemälde dem Deutschen Reich sehr kostbar geworden ist (Heiterkeit ), es hat zwischen 20 000 und 30 000 Mark gekostet, und ich habe es für meine Pflicht gehalten, nachdem der Reichstag es auf das Bestimmteste abgelehnt hatte und ich aller Bemühungen ungeachtet hier nicht für das Bild Käufer finden konnte (Heiterkeit), das Bild nach St. Louis zu schicken in der Hoffnung, daß man ihm dort ein freundlicheres Verständnis entgegenbringt und es vielleicht m Amerika bleibt. (Heiterkeit.)
Abg. Dr. Südekum (Soz.): Der Antrag des Abg. Kirsch beseitigt den gröbsten Fehler der Resolution, denn er umfaßt auch diejenigen Künstler, die keiner der beiden Organisationen angehoren. Uns kommt cs lediglich auf die Freiheit der künstlerischen Persönlichkeit an. Kunst und Künstler sind begrifflich nicht von einander zu trennen. Ist doch die Kunst nichts als die Emanation der künstlerischen Persönlichkeit. Herr von Werner hat eine Broschüre über den Künstlerstreit geschrieben und sich da auch darüber aufgeregt, daß ich hier im Reichstage die Frage getan habe: »Wer ist Anton von Werner?" Ich meine, er sollte sich freuen, daß ick nickt auch gleich die Antwort gegeben habe. (Heiterkeit.) Dann hat Herr von Werner in jener Broschüre das Wort von Correggio wiederholt: „Anch io sono pittore". Ich bin auch ein Maler, und werde cs bleiben. Ich meine, Herr von Werner hätte die künstlerische Welt mehr beruhigt, wenn er den Satz noch etwas vervollständigt batte, wenn er gesagt hätte: „Ich bin ein Maler und werde es blecken lassen. ' (Große Heiterkeit.)
Abg. Hcnmng (kons.): Auch wir fordern, daß die Regierung möglichst gleichmäßig vorgeht, ohne Ansehen der Person und ohne Berücksichtigung der Zugehörigkeit zu einer Richtung, und möglichst nach den tatsächlichen Verhältnissen ihre Entscheidungen trifft. Ich bedauere die Animosität zwischen den einzelnen Kunstrichtungen, die statt abzunehmen, noch zugenommen bat, und ich kann nicht sagen, daß der neu gegründete deutsche Künstlerbund daran ohne Schuld ist. Im Gegenteil, er hat wesentlich zur Verschlechterung beigetragen. Ich werde für die Resolution Kirsch stimmen.
ierr Anton von Werner ...
Gelächter Lust macht.)
Ohne weitere Erörterung wird der Etat des Reichsamt^ des Innern zu Ende geführt.
Die weitere Etatsberatung wird auf Mittwoch 1 Uhr vertagt. (Außerdem 3. Lesung des Gesetzentwurfs bete, die Entschädigung unschuldig Verhafteter.)
Schluß 6^ Uhr.
Abg. Dr. Pachnicke (steif. Dergg.) : Wenn ich in meinem Antrag ; von den „beiden Zcnstal-Organisationen" sprach, so geschah das i deshalb, weil wir zur Zeit nur diese beiden haben. Indessen, da eine i etwas dehnbarere Fasiung vorgeschlagen wird, so bin ich damit auch | zufrieden und ziehe meine Fassung zu Gunsten dieser neuen zuruck. ! Ter Staatssekretär hat es in seiner Rede vermieden, zu betonen, ' daß der Grundsatz der Parität fortan gewahrt werden solle. Um f_o । mehr haben wir Veranlassung, durch einen unzweideutigen Beschluß darauf zu dringen. (Lebhafter Beifall.)
Die Resolution wird hierauf in der vom Ab g. Kirsch beantragten Fassung nahezu einstimmig (nur wenige Konservative bleiben sitzen) angenommen.
Abg. v. Böhlendorfs (kons.) dankt dem Staatssekretär für die gerechte und sachgemäße Verwendung des Fonds zur Förderung des Absatzes landwirtschaftlicher Erzeugnisse im Auslande, sowie zu agrikiilturtecknischen Zwecken. Doch bedürfe der Fonds einer wesentlichen Verstärkung. .
Abg. KnlcrSki (Pole) wünscht eine reichsgesetzliche Regelung des Volksschulwesens. In den polnischen Provinzen Preußens werde die polnische Sprache als Grundlage des Unterrichts entfernt und in einer den Kindern ganz fremden Sprache der Unterricht erteilt. Nirgends sonstwo kenne man einen solchen Zustand. Das widerspreche den elementarsten Grundsätzen. Redner sucht m breiter Ausführung zu zeigen, daß ein Unterricht, der nicht in der Mutterspracke erteilt werde, wertlos fei.
Präsident Graf Ballestrcin: Herr Abgeordneter, cs ist ja zu- zugeben, daß bei früheren Gelegenheiten bei diesem Etatstitel auch die Schulverhältnisie von Einzelstaaten besprochen worden sind. Aber bedenken Sie dock, wir sind bei der Spezialdebatte zur dritten Lesung. (Sehr richtig'.) Sie halten uns hier einen wissenschaftlichen Vortrag Über pädagogische Systeme. Ich bitte Sie doch dringend, Hhren sonst so interessanten Vorstag etwas abzu- kürzen. (Heiterkeit und Beifall.)
Abg. Kulerski hält trotz nochmaligen Ersuchens des Präsidenten seinen wissenschaftlichen Vortrag zu Ende. Er bekämpfe nicht den deutschen Unterricht an sich, sondern die Art, wie er zur Zeit erteilt werde. Selbst der wiltendste großpolnische Agitator Wunsche, daß seine Kinder in der Schule Deutsch lernen, weil sie das im Leben gut brauchen können. <. ^
Abg. Schcidemann (Soz.) bespricht die Verunreinigung der öffentlichen Flüsse, besonders des Rheins und der Wupper, und fordert schleunige Vorlage eines Reichsgesetzes zum Schutze gegen die Verseuchung der Flüsse. ,
Beim Kapitel Kanalamt" erklärt Staatssekretär Dr. Graf v. Posadowöky, daß die in der zweiten Lesung von Dr. Leonhard vorqebrachten Beschwerden über das Kanalamt unbegründet sind.
‘ Beim Kapitel „Aufsicktsamt für Privatversicherungen' erklärt Staatssekretär Dr. Graf v. PosadowSky: Der Abg. Werner hat in der zweiten Lesung über die inneren Verhältnisse der Versicherungs - Gesellschaft Vittoria gesprochen und schwere Angriffe gegen die Gesellschaft gerichtet. Der mir vorliegende ' Bericht des Präsidenten des Aufsichtsamtes für Privatversicherungen erklärt, daß nichts festgestellt worden ist, was geeignet ist, die Gesellschaft bloszustellen oder sie des Vertrauens für unwürdig zu erklären. Ich hätte dringend gewünscht, daß der Abg. Werner solche unbereckttgten Angriffe, die auf keiner sicheren Grundlage beruhen, nicht erhoben hätte.
Beim „antzerordcntiichen Etat" erklärt Graf Oriola (nat-lck.): Herr Anton v. Werner hat sich in einer Broschüre speziell auch mit meiner Person und meiner Rede bei der Kunstdebatte in der
zweiten Lesung beschäftigt und u. a. hervorgehoben, ich hätte die vom Abg. Singer ausgestellte Behauptung nachgesprochen, Anton von Werner habe sich an die Zenstaljurh in Hamburg herangedrängt, ohne derselben angehört zu haben. Herr von Werner hat mich durchaus falsch verstanden. Zch habe von einem solchen Herandrängen nicht gesprochen, weil mir schon damals die Erklärung des Prof Hans Meyer im „Berliner Tageblatt bekannt war, in der es heißt, daß von Werner mit der Beschaffung der Kunstwerke für Saint Louis nichts zu tun hatte und nur m allerletzter Zeit dem Reichsamt des Innern beratend zur Seile stand. .In dieser Eigenschaft hat er der Zentraljury diejenigen Kunstwerke aus staatlichem Besitz namhaft gemacht, die eine würdige Repräsentation der deutschen Kunst gewährleisteten. Nur zn diesem Zweck babe sich A. von Werner einen Tag in Hamburg aufgehalten. Daher nahin ich damals an, daß A. von Werner nicht als Mitglied der Zenttaljurh, sondern als Regierungsvertreter tätig war, um sich mit der Jury zu verständigen. Heiw von Werner möge sich mit Herrn Prof. Haus Meyer darüber auseinandersctzen, daß sein Brief zn einer unrichtigen Annahme Anlaß gab. Wie aus dem Schreiben des Lokalvereins Berlin I hervorgeht, ist Herr von Werner nicht in erster Linie zum Mitglied der Zentral-Jury gewählt worden. Ich bin übrigens nie der Meinung gewesen, daß jemand es als kränkend empfinden kann, wenn man sagt, er ist als Regiernngs- bevollmäcktigter wohin gesandt worden, am allerwenigsten kann ein Igl. preußischer Akademiedirektor dies als Kränkung empfinden. Man kann ja schließlich die Erregung des Herrn v. Werner begreifen. Die allseitige Mißbilligung in diesem hohen Hauie über gewisse Vorgänge mag ihn erregt haben, aber die ganze Frage, ob Herr v. Werner in Hamburg als Regierungsverlreler war oder nicht, hat mit der großen Frage, die mir hier behandelt haben, garnickt- zu tun. (Zuruf: „Wesbalb reden Sie denn eine Stunde darüber?" Heilcrkett.) Ich will noch hinzufügen: der Maler, der den von mir erwähnten Bries an meinen Fcund Sattler geschrieben, ist der anerkannte Künstler Mackensen aus Worpswede. Redner gibt hierauf noch eine Anzahl Briefsteller: und Zitate zum besten und setzt des Ausfübr- licheri noch mit Herrn von Werner auseinander. Als die Polemik gegen Anton von Werner vom Redner immer weitergesponnen wird, langen die Abgeordneten, die sich noch im Saale befinden, an, sichtlich' nervös zu werden. Nach einer Weile sagt Redner: „Ich will zum Schluß lammen", worauf Abg. Dr. Arendt ein vernehmliches Bravo! ruft. Redner, erregt werdend: Wenn ich öffentlich angegriffen werde, muß ich mich doch verteidigen können! Also: Herr Anton von Werner . . . (Gror," Heiterkeit.) Redner, erstaunt: Herr Anton von Werner . . (Eine Lachsalve. Redner macht eine kurze Panse und fährt dann fort): Herr Anton von Werner ... (Schallende Heiterkeit!)... schick finde diesen Namen gar nicht so lächerlich. Also: Hl "
(Die Heiterkeit nimmt immer größere Dimensionen an. Redner vollendet seine Polemik, wobei jedesmal, wenn der Name „Anton von Werner" ertönt, die heitere Stimmung sich in einem lauten
aus bei
gestorben. . .
Henry Morton Stanley war 1841 bei Denbrgh nt Wales als. Sohu des Farmers John Rowlaud geboren, kam im Mer von drei Jahren ins Armenhaus von St. Afavh UTtb ging dann mit 13 Jahren als Schiffsjunge nach New-Orleans, wo er von einem Kaufmann Stanley adoptiert wurde. Im Jahre 1861 machte er den amerrka- nischen Bürgerkrieg mit und wurde Fähnrich in der Marine: nach dem Frieden bereiste er 1865 als Zertungs- berichterstatter die Türkei und Kleinasien, war 1867/68 w Abessyuieu als Vertreter des „Newyork Herold" und machte in den folgenden Jahren Reisen nach Persien und Judrem Ende 1870 erhielt Stanley vom Besitzer des „Newyork Herald", I. G. Bennet, den Auftrag, den fett längerer Zeit im Innern von Astika verschollenen Livingstone -auszusuchen: nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten traf er am 10. November 1871 in Ndschidschi am Tanganjikasee mit Livingstone zusammen. 1874/75 unternahm Stanley eine abermalige Forschungsreise ins Innere Afrikas: er kam bis Uganda: sein weiteres Vordringen nach Westen gilt als eine der gefahrvollsten und merkwürdigsten Retsen, von welcher die Geschichte aller Zeiten berichtet. Stanley legte später die Stationen an, welche die Grundlage des Kongostaates bilden: im Jahre 1887 leitete er die egyp- tische Expedition zum Entsatz Emin Paschas. In den letten ,'Jahren hatte Stanley seinen ständigen Wohnsitz in London; er war auch Mitglied des Unterhauses.
Der Tod Stanleys trat infolge einer Brustfellentzünd ung ein. Stanley war schon einige Monate krank. (Er starb, umgeben von seinen Angehörigen, sanft in seiner -Londoner Wohnung in Whitehall und war bis zuletzt bei »vollem Bewußtsein. Noch bis in seine letzten Lebenstage unterhielt er ununterbrochen Beziehungen zu vielen afrikanischen Häuptlingen.
'anterie stark seien.
Petersburg, 10. Mai. Nach Telegrammen Mukden verlautet gerüchtweise, daß die Japaner Liao Vang eine Niederlage erlitten Hütten. (?)
Stanley
London, 10. Mai.
Der Afrikareisende Sir Henry Stanley ist heute
Der Aufstand in Aeulsch-Südwestasrika.
Die offiziöse „Norddeutsche" schreibt: Ein in Südwestafrika befindlicher Berichterstatter meldete am 8. Mai aus Windhuk, der Gouverneur Leutwein sei entschlossen, sogleich nach der Uebergabe der Geschäfte an den General v. Trotha nach Deutschland zurückzu- kehren. Wir halten diese Meldung für durchaus falsch, denn sie steht in unlösbarem Widerspruche mit den Erklärungen, die Leutwein aus freien Stücken seinen vorgesetzten Behörden abgegeben hat.
Trotz der ungünstigen Nachrichten aus Südwestafrika haben sich bei den einzelnen Regimentern so viele aktive Mannschaften "i.nd bei den Bezirks-Kommandos so viele Reservisten um Einstellung in die V e r st ä r ku n g s t r u p p e gemeldet, daß der Bedarf mehr als gedeckt ist. — In gut unterrichteten militärischen Kreisen nimmt man an, daß die Zahl der berittenen Truppen in Südwestafrika um etwa 2000 Mann erhöht werden wird.
Aer Krieg zwischen Äapan und Iußland.
Neue Gefechte.
Schanhaikwan, 10. Mai. (Reuter.) Eingegangene ."Nachrichten besagen, das erste japanische Korps, das den auf dem Rückzug vom Jalu begriffenen Russen folgte, holte dieselben gestern zwanzig Meilen südlich von Liau- jang ein. Es habe sich ein Gefecht entspannen,, wobei die Japaner Geschütze auf §üget hinaufschleppten, die man für unübersteiglich hielt. Danach hätten die Russen ihren Rückzug nach Norden fortgesetzt. Eine Division der japanischen er st en Korps nähere sich Niutschwang, in dem sich gegenwärtig nur eine ganz geringe Zahl von Russen befinde. Japanische Vorposten seien bereits in einer Entfernung von sechs Meilen von der Stadt gesehen worden. Aus Niutschwang eingetroffene Frauen bestätigen, daß der Platz vondenRussen geräumt sei. c
Petersburg, 10. Mai. Ein Telegramm des Generalmajors Eharkewitsch an den Generalstab von gestern lautet: Am 4. Mai bemerkte eine russische Stretfwache bei Siaogipusa, etwa 20 Werst nördlich von Takuschan auf dem linken Ufer des Tajangho eine japanische Abteilung, die etwa ein Regiment stark war. In einem Gefecht mit einer japanischen Feldwache fiel ein Kosak. Bei Luaomian, etwa 12 Werst nördlich Takuschan, ebenfalls <mf dem linken Ufer des Tajangho, wurde eine russische Streifwache vom Unken User beschossen. Am 5. Mai begegnete eine rusnsche Ltrerft »wache oyf dem großen Wege nach Föngwantschong, sechs Werst nördlich von Takuschan, Leuten einer Kindlichen N^eiswache, die sich in den Bergen versteckt hielt. Außer-
Port Arthur.
Petersburg, 10. Mai. Ein Telegramm des Statthalters Alexejew an den Kaiser von heute meldet: In der Nacht zu heute ist die Eisenbahnverbindung mit Port Arthur wiederhergestellt worden. Die Telegraphenlinie wird repariert.
Shanghaikwan, 10. Mai. Ein mit den Verhältnissen in Port Arthur vertrauter Industrieller, welcher in der Lage ist, ein fachmännisches Urteil ab'ugeben, erklärte, daß nur für drei Wochen Kohlen für Kriegszwecke und nur für drei Monate Proviant für 6000 Mann vorhanden seien.
AuS Niutschwang
meldet vom 9. Mai Reuter: Von fünf Regimentern, die bisher hier waren, find vier abmarschiert. Tas fünfte sollte heute abgehen, erhielt aber Gegenbefehl. Nach einer Meldung aus bisher bewährter Quelle landen die Japaner gegenwärtig Truppen in Kaitschou, während die Russen die Verschanzungen undForts von Anptngbesctzten, wohin die Geschütze der Festung von Niutschwang gesandt worden sind. Einem Gerücht zufolge sollen die Japaner 30 000 Mann stark sein. _
Der militärische Berater des Vizekömgs Juanschtkar, Oberst Muntbe, ist nachmittags hier eingetroffen. Man nimmt an, daß er sich mit den russischen Behörden besprechen will, die damit einverstanden fein sollen, Niutschwan g China zu über- lassen. Es steht fest, daß die Russen mit Räubern in Verbindung stehen, um die Eingeborenen einzuschüchtern.
Die Russen hinderten den amerikanischen Konsul daran, dem amerikanischen Gesandten in Peking Bericht über die gegenwärtige Lage zu erstatten. Erst am energischen Protest des Konsuls gestattete man, daß die betreffende Depesche abgesandt wurde.
In Niutschwang befinden sich viele als Bettler verkleidete japanische Spione. Diese schnitten die Minenleitungen an der Mündung des Liauftusses durch.
Aus pwin nnD Land
Gießen, den 11. Mai 1904.
•* Personalien. Durch Verfügung des Großh. Ministeriums des Innern wurde der Negiernngsassesior Kirnberger bis auf weiteres mit Aushilfeleistung bei dem Sekretariat des Großh. Ministeriums des Innern beauftragt.
**Geschworenenliste. Zu den am 6. Juni d. I beginnenden Sitzungen des Schwurgerichts des Großh. Landgerichts der Provinz Oberhessen pro 2. Quartal 1904 wurden nachstehende Geschworenen ausgelost: 1. Johannes Stock, Gastwirt in Steinfurt bei Herbstein. 2. Heinrich Rahn, Landwirt in Angersbach. 3. Heinrich Eberling, Buchhändler in Büdingen. 4. Heinrich Müller, Bürgermeister in Klein-Eichen. 5. Karl Müller, Gutsbesitzer auf dem Neuhof bei Leihgestern. 6. Wilhelm Rach, Landwirt in Nieder- Erlenbach. 7. Heinrich Nieolay, Gemeindeeinnehmer in Leidhecken. 8. Peter Schneider II., Landwirt in Ostheim. 9 Friedrich Weber I., Landwirt in Eschenrod. 10. August Claum, Rentner in Ortenberg. 11. Christoph Jakob Mel chior IL, Bierbrauer in Butzbach. 12. An ton Volk III., Landwirt in Pohl-Göns. 13. Gustav Schmitt, Landwirt in Wallernhausen. 14. Karl Beyer, Landwirt in Freienfeen. 15. Heinrich Rahn VHI., Landwirt in Altenhain. 16. Wilhelm Batton, Landwirt in Harheim. 17. Anion HanackIII., Landwirt in Kirch-Göns. 18. Heinrich Wendeberg, Kaufmann in Schotten. 19. Georg Friedrich Zieg, Landwirt in Diebach a. H. 20. Karl Volz, Landwirt in Burg-Gräfen- rode. 21. Otto Rathschlag, Kaufmann in Gießen. . 22. Wilhelm Weil, Landwirt in Lang-Göns. 23. Louis Haase, Gutspächter zu Ober-Dauernheim. 24. Professor und Oberlehrer Röschen in Laubach. 25. Heinrich Hölzinger, Gastwirt in Büdingen. 26. Albert Söhnge, Rentner in Ortenberg. 27. Georg Wolf HL, Müller in Oppershofen. 28. Georg Bücking VIII., .Kaufmann in Alsfeld.. 29. Professor Christ. Bartholomae in Gießen. 30. Heinrich Schött II., Landwirt in Landenhausen.
Märkte.
(th.) Gießen, 11. Mai. Der gestrige Rind viehm arh hatte den außergewöhnlich starken Auftrieb von 1470 Stück Großvieh und etwa 250 Stück Kälbern. Schon der Handel des Vor- rnarktes zeigte für Milchvieh eine rechte Flaue und ebenso geftattetc sich der Hauptmarkt für diese Ware. Es fehlte bei dem starken Vorrat an Käufern, welche den Markt aufnehmen konnten. Be sonders sckwach war die gute Kundschaft aus dem Mam- und Rheingau vertreten, was wohl feinen Grund in der nassen kalten Witterung hat, demzufolge deren Hauptabnehmer um diese Jahres seit, die Badeorte, noch keinen Bedarf an Milchkühen haben, weil der Strom der Badegäste heuer noch ausstebt. Hierzu kommt, daß die Marktbesucker bei den hohen Preisen des Zuchtviehes schwer geneigt sind, auf Spekulation Ankäufe zu machen und auf den Märkten nur Käufe abschließen auf Ware, die ihnen bestellt is:. oder wofür sie sichere Reflektanten zur baldigen Abnahme in Aussicht haben. Die Preise für tragende und frischmelkende Kühc gingen gestern gegen die letzten Märkte um 25—30 Mark vro Stück herunter, und trotzdem blieb der Vorrat teilweise über ständig. Der Fettviehmarkt dagegen zeigte ein anderes Gesicht. Die Nachfrage in Rindens besonders schwerer Qualität war ferr stark. Frankfurt und Wiesbaden, welche starken Bedarf hatten, zahlten sogar für ausgesucht schöne Stücke bis 73 Mark für den Zentner Schlachtgewicht. Der Handel in fetten Kühen, welche n-cki zahlreich vorrättg waren, machte sich ebenfalls gut; diew Ware behielt ihren alten Preis. In Abmelkkühen war das Geschätt recht ruhig, und hier waren die Preise weichend. Ueberaus lang fam kann der Kälbermarkt zn Anfang in Gang. Wresbadener, Frankinrter und Mainzer Resiektanten verhielten sich vorerst ,ab leh:cnd obgleich die zu Beginn des Marktes von den Verkäufern begehrten Preise für das Jungvieh in Rücksicht auf die Preise des letzten Marktes in Frankfurt a. M. nicht teuer zu nennen waren. Da erschienen die Gießener Metzger auf dem Plan und säum teil nicht lange, zu den geforderten Preisen ihren Bedarf zu decken so daß der Vorrat kleiner und immer kleiner wurde. So tourxn die bezahlten Durchschnittspreise für Kälber ^eKid) immerij r recht hoch. Es wurden bezahlt pro Stück für Mlckmelkende u$- tragenbe Kühe: 1. Qual. 420—470 Mk., 2. ~.uaL 340 ■£ Mark, 3. Qual. 260—310 Mk. Abmelkkuhe: 180—210 M Verkauft wurde der Zentner SchlachtLewicht: Fette Rrnder 1. Quc 69-71 Mk. (besonders schwere Tiere bis! 73 Mk0, 2. Qual 66-68 Mk., fette Kühe 1. Qual. 54—56 Mk., 2 Cual. 49-L Mark. Kälber 1. Sorte (über 50 Pfd. schwer) '2-/6 9.M. 2. Sorte (zwischen 40—50 Pfd. wiegend) 67—69 Mk., 3. Sott
’ (leichtere Ware) 57—63 Mk.
.dem zeigten sich am 6. Mai japanische Streifwachen bei Sandagou, 8 Werst südlich Salid'a'pudsa, und im Tale von iSedzihe. Nördlich von Sedschvhe bei der Mündung d's Flusses befinden sich nach Aussagen von Chinesen in den Bergen 20 bis 30 Werst von Tajanghi japanische Truppenabteilungen, die zusammen gegen drei Regimenter Jn-
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