Ausgabe 
10.9.1904 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

t>uivb bcn fommaubirrcn$>cn OtencroX bcS 15. ^rnnccTorp^ v Ercbhorn und den Divisionskonimandcirr Freiher-m von GtaH nn Beisein dr > BrigabckommmideurS Grafen von SYiniti ftatt. Die in Gießen seither hn Stand giwrticr liegen­den 16Scr und Nv5 1 B»it. 115er sowie das Kaiscr-Wilholni - Regiment hatten irm 51 j bc^hx 53 '4 Ubr An treten und mar- )rfnertvn um 6 Uhr ab Nrn 7 Nhr fhmb die Brigade bei Drusen, wo auch das ? Bat. der 115er ans Watzenborn - S kein berg und dcis 3. Bat. der T15cr ans Stcinbacki Akbackf angcbonanen nnrren. Ilm 7 Uhr traf General v. Eichhorn per Automobil ein. Nach der Beratung und B?sfn>eck>nng der Offiziere wurden die Befehle an die Regimenter. Ba­taillone und Kompagnien ausgegeben. Snercnif cntlmdMte sich das Gefecht zwischen Steinbach, 5warbenteich, Dorf-Gilk und Dausen Das Vorpostengesi'ckit begann gegen 8 Uhr. Auf dem linken Flügel ftanbai die 168er, auf dem rechten die 115er, im 3cntrirm die 116er, von welchen zwei Ba- taiNone in ReservesteUnng blieben, nm den feindlichen linken

^u umfaffen. Der Feind stand auf den Höhen 247 rmd 266 zwischen Steinbach und Dorf 6^'ll. An dem OScfecfiit ntrfnmm auch zwei Batterien des Artillerie-Negtrncn tsNr. 61 und 2 Eskadronen des Drgoner RrgimerrdZ Nr. 23 teil. Der Feind besetzte Garbenteich. Die Artillerie kam nicht ins Feuer. Um 10 Uhr war das Gefecht beendet: die Parade fiel aus und die Truppen marschierten ins Quartier, die 116er in ihre Kasernen. Ein «rri^ßes Publikum <ni5 Gießen und Umgebung wohnte dein Schmlspiel bei. Die 4. Kvm- vagnie verbrachte nach den Hebungen die drei Fahnen mit Mufikbcgkeitimg nach der Wohnung des Obersten v. Jäve­nitz. Die seither hier ein quartierten 115er imt> 168er liegen in' Butzbach, Rochenberg und Umgegend. In Gießen sind beute eingetrosfen die beiden Regirnentsstäbe der 61. Ar­tillerie nnb 23 Dragoner. In Heuchelheim liegen zwei Batterien Artillerie, in Wein-Linden und Gießen Dragoner. Mehrere E^trarLge passierten unsere Station, um die 50. Infanterie-Brigade nach Milche und Vurg-<SemÄndcn zu bringen.

Auszeichnung. Der kgl. prensi. Kronenorden zweiter Klaffe mit dem Stern wurde dem hessischen Geh. Staatsrat unb stelloertretenden Bevollmächtigten zum BundeSrat, Krug v on Nidda, verliehen.

* Promenadenkonzert findet morgen, Sonntag, in der Südanlage mit folgendem Programm statt: 1. Ouver­türe .Die Felsenmühle* von Reißiger, 2. Steuermannslied imd Matrosenchor au§ der Oper .Der stiegende Holländer* von Wagner, 3. Luna-Walzer von Lincke, 4. Armee-Marsch Nr. 206 von Trenkler.

Einen schwecenUnfall erlitt der Radfahrer 9lugust Schaum auS Klein-Linden auf der Gießener Rennbahn. Er kam bei UebungSfahren zu Fall, schlug mit dem Koos auf und 'trug eine schwere Gehirnerschütterung davon.

DaS Bahnprojekt Alßseld Storndorf UlrichsteinSchotten. Man schreibt und: DaS Interesse an der oben erwähnten Bahnstreche ivächst mit jedem Tage, so daß man zu der Hoffnung bercchttgt ist, dieselbe schon in einigen Jabren ihrer Vollendung entgegen gehen zu sehen. Die Vermessungen in den Gemarkungen Alsfeld, Lardebach, Strebendorf, Vadenrod, Storndorf, Mündhausen, Kestrich und weiterhin bis Schotten sind pt vollstem Gange und dürften noch in diesem Herbst vollendet werden. Für den 5. b. M. bat daS Großh. KreiZamt Alsfeld eine Versammlung der Bürgermeister der partizipierenden Gemeinden nach Cbcr- Breitenbach berufen zur Besprechung und Verständigung über diverse Fragen. ES kann angenommen werden, daß diese von KreiSrat Dr. Melior einberufene Versammlung die in Rede siebende Bahn der Verwirklichung um ein gutes Stück näher rückt, da Kreisrat Dr. Mellor em warrneS Jntereffe dafür mehrfach bekundet hat. Dir Gemeinde Großfelda soll, schwebenden Gerüchten zufolge, sich von der hier in Betracht kommenden Strecke, trotzdem der Gemeinde mit Kestrich ein Bahnhof zugedacht war, zurück ziehen, von der Hoffnung geleitet, eine Bahn von Ehringshausen nach Großselda zu erhalten. Hemmend kann dieS für die diesseitige Linie nicht sein, vielmehr dürfte der Gemeinde Großfelda recht bald klar werden, daß in Bahnfragen jede unangebrachte Verzögerung sich in der Regel an den Urhebern schwer rächt, wie dieß die Erfahrung an Hand zahlreicher Beispiele lehrte. Einen regen Anteil an dem Fortschreiten der Vorarbeiten nimmt die Ge­meinde Storndorf, bie vermöge ihrer beträchtlichen Bevöl­kerung sowohl wie auch sehr erheblicher Verkehrsverhältnisse stark in den Vordergrund tritt Weniger emsig, aber in ihrer Mehrzahl doch begeistert sind die Bewohner von Vadenrod für das Zustandekommen der Bahn tätig. Richt ganz un­berechtigte Aengstlichkeit vor weiterer Belastung der Gemeinde, die durch stattgehabte Feldbereinigung und Neubau eines -Schulhauses bedeutende Aufwendungen machen mußte, einer­seits, aber im Besonderen das stillvergnügte Bewußtsein an­dererseits, auch ohne besondere Anstrengung die Bahn zu er­halten, lassen dieses Verhalten erklärlich erscheinen. In einer dort stattgehabten Besprechung im engeren Kreise, in welcher Landragsabg. Weidner, in dessen Wahlbezirk die stark in­teressierten Gemeinden Rudingshain, Breungeshain, Michel­bach sowie die Stadt Schotten liegen, die Bedeutung der Dahn schilderte und zur regen Mitarbeit mahnte, soll man auch in Vadenrod zu der Einsicht gekommen sein, daß die Hande nicht in den Schoß gelegt werden dürfen. Die Frage, daß die hier projektierte Bahn wie keine andere zur weiteren Erschließung des Vogelsbergs wesentlich bei tragen wird, kann nicht bestritten werden.

L Friedberg, 10. Sept. 'Seit einigen Wochen be­schäftigt unsere Bevölkerung die Frage der Erbauung der sogenannten We ttertalb ahn. Von hier aus wurden die ersten Vorschläge hierzu gemacht, wie überhaupt das ganze Projekt auch dort seinen Ursprung gefunden hat. Es ist nunmehr zwischen unserer Stadt und dem bei Ausführ­ung des Projektes sehr interessierten Bad-Nauheim eine jo groi> Meinungsverschiedenheit wegen Ein­mündung der Wettertalbahn eingetreten, daß schließlich die Vorarbeiten zur Erbauung dieses so not­wendig gewordenen Verkehrsweges sich noch längere Zeit hinausschieben dürsten. Schließlich wird die hessische Re­gierung mit ihrer Bestimmung über die Einmündung der ausschlaggebend sein und die Ausführung selbst über- n Imen. J.-tzt ist es allerdings noch fraglich ob die Wetter- talbahn in Bad-Nauheim oder in Friedberg einmünden wird. TM di s m Projekt, wie überhaupt bei jeder Nebenbahn, börmt bie fmtabilität davon ab, daß möglichst viele £rt- t^afrer rr her / al linie liegen. Das wird der Fall sein, rrwrw bi: i_sinmundung hi eher gelegt wird. Friedberg ist oct !" rnuunkt ber 9Tettcrau. Hier befinden sich auch die Einmündungen ber vier Nebnbeahnlinien; sämtliche Kreis-

vehörden haben ihren Sitz in unserer Stadt. Diele land- wirtschaftlicl>e Produkte auS der Wettertalgegend finden hier ihre Minser, und besonders geeignet dafür sind die Fried­berger Märkte, welche stets sehr gut besucht sind. Ans der ganzen Wei ter an gibt sich bei solchen Gelegenheiten die Bevölkerung ein Rendezvous. Friedberg besitzt außerdem eine große Anzahl höherer Lchrrnski litte und die land­wirtschaftliche Winterschfllle nftv^ welche Volt der Be­völkerung aus der Wettertalgegend sehr stark frequentiert wii-d. Auch die Lage Friedbergs wäre in jeder Hinsicht geeignet für die Einmündung der Wettcrtalbahn, da die Errichtung eines neuen Bahnhofes nur eine Frage der 3cit ist. O^elände hierzu ist bereits angekauft. der' stetigen Weiterenttvickelung unserer Stadt würde Friedberg an Bedeutung noch imehr gewinnen; der jetzt schon sehr rege .Handel hier aber würde einen noch größeren. Aufschwung erfahren. Bedeuteten diese Tatsachen für Friedberg einen nicht hoch genug zu schätzenden Vorteil, so würden die Interessen von Bad-Nauheim ettvaS zttrückgedrängt. In dieser Erkenntnis ist nun von jener Stadt eine eifrige Agitation entfaltet worden, nm die Einmündung der Wetter- talbalm sich zu sickern. Die hierfiir geltend gemachten Gründe sind, daß z. die Bevölkerung und auch' die Fracht­güter auS den Orten Stein sirr th, Wisselsheim usw. nicht erst den Umweg nach Friedberg fahren müßten, um nach Bad-Nauheim zu gelangen. Ein großer Teil der Bevölker­ung ber gen. Städte findet ja auch in Bad. Nau he im Arbeit und Absatz ihrer Erzeugnisse. DaS trifft hauptsächlich für die Sommermonate zu, da int Winter die Arbeiterschaft sich in den naheliegenden größeren Städten beschäftigt und dort schließlich ihren Bedarf an Lebensmitteln usw. deckt, trotzdem diese Artikel auch in Bad-Nauheim nicht teurer |üib. Wenn die Wettcrtalbahn in Bad-Nauheim einmundet, müßten bie Orte Rödgen und Schwa lheim anfAn - 1 chluß verzichten, waö nicht ber Fall ist, wenn die Einmündung in Friedberg stattfindet. Außerdem würbe die Einmündung in Bab-Nauheim eine Mehrbelastung nicht allein ber Geleise ber Main-Weser-Giihn sauf welcher Strecke )etzt schon c(t 150 Züge täglich verehrensonborn artch bes großen Diabukteö bei Friedberg bedeuten, waS immerhin zu Beden ken Anlaß gibt

R. B. Darmstadt, 10. Sept. (Eigener Draht- bericht). Der erste der parlamentarischen Aus­schüsse, die mit dem beginnenden Herbst ihre Sitzungen wieder aufnehmen, ist der 4. Ausschuß unter dem Vorsitz deS Herrn Weidner. Er tritt nächsten Dienstag um 10 Uhr zu­sammen. Eine der bedeutendsten Vorlagen für die nächste Kammertagung wird der Gesetzentwurf über die Ausführung des Generalkulturplanes für den oberen Vogels­berg bilden. Von der Regierung ist der Ausschuß für die Vorberatung auf 25. September zur Sitzung einberusen. Sonst sind an bedeutenderen Vorlagen noch die weitere Re­organisation der KreiLvermessungSämtcr, die neue Gebühren­ordnung der Notare und die beiden großen, schon früher in Aussicht gestellten' Gesetzentwürfe über bie Revision der Ver- waltungSgesetzgcbung und die allgemeine Bauordnung zu nennen. Wenn die Kammer auch nur einen Teil dieses Materials erledigen will, muß sie die Zeit vor Weihnachten gehörig auSnutzeu.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Ein drolliges Ereignis kam bei der Kirchweih am Montag m dem Laubach benachbarten Dorf G. vor. Während die Musik gerade einen flotten Walzer ertönen ließ, krachte das Musikpodium zusammen und die Musikanten mit ihren Instrumenten lagen, glücklicherweise ohne Schaden zu nehmen, auf einem Haufen zusammen; nur ein verschont gebliebener thronte noch auf seinem Sitze. Die Tanzlustigen aber mußten eine halbe Stunde Ruhepause cin- schieben.

vermischte».

Borbeck, 9. Sept. Bankdirektor Hollmann jr. von der Borbecker Spar- und Kreditbank, der nach be­deutenden Unterschlagungen im April. Is. flüchtete, ist in Paris verhaftet worden. Die Auslieferungs-Ver­handlungen sind eingeleitet. ? Z

* Kiel, 9. Sept. Eine aus drei Mann bestehende Marinepatrouille nahm heute vormittag in der Hauptstraße en en Deserteur fest. Dieser zog einen Revolver, feuerte ab und verwundete den Patrouillenführer am Kopfe. Darauf entfloh er, wurde jedoch bald wieder ergriffen.'

Dresden, 9. Sept. Unter dem Verdacht der Hoch­stapelei wurde in Aue die auS Sachjen-Meiningen gebür­tige, 47jährige Klavierlehrerin Viktoria Fre iin v. Wolff-Todtenwardt verhaftet.

Lodz, 9. Sept. In dem benachbarten Orte Pabianice erschoß der Oberlehrer ChmielenSki ein Fräulein Raeiencka, welches seine HerratSanträge abgewiesen hatte, und bann sich selbst.

Szatmar (Ungarn), 9. Sept. Der Steinbrucharbeiter Takatsch vergiftete sich, seine Frau und seine vier Kinder.

* Port Mähen, 9. Sept. Als heute die Besatzung deS vor Alcudia-Mallorca liegenden deutschen Schulschiffes Stosch* einem Stiergefecht beiwohnte, durch brach ein Stier den eingezäunten Raum. Niemand wurde verletzt. Die Ordnung wurde alsbald wieder hergestellt. Ein Toreros trieb den Stier in den Kampfraum zurück. Nach dem Stiergefccht lud der Kommandant den Torero zum Besuch an Bord deS Stosch* ein. ES wurden hierbei lebhafte Hochrufe auf Deutschland und Spanien ausgebracht.

Ein Theaterbrand. Wie auS Lemberg berichtet wird, ist das Thenter zu Wilna (Rußland) vor einigen Tagen ganz niedergebrannt. DaS Feuer brach um 2 Uhr nachts auf der Bühne auS und bis 10 Uhr vormittags war daS ganze Gebäude bis auf die Grundmauern zerstört. Die Ursache deS Brandes ist noch nicht bekannt. In dem anstoßenden Hotel Bri stol ist das 2. und 3. Stockwerk ausgebrannt.

Unglücksfälle. Wie die Altonaer SanitätS- Kolonnc mitteilt, sind von ihr am Abend deS Zapfen­streiches über 300 Unglücksfälle behandelt worden. Bei der Kaiserparade, zu welcher der Menschenandrang viel größer war, mußten 50 Fälle verzeichnet werden. Von Homburg und Altona au6 sind Bestrebungen im Gange, um diesen Vorfall im Reichstage zur Sprache zu bringen. ES 'teht jetzt fest, daß der Befehl, gegebenenfalls mit der Feuer­spritze gegen daS Publikum vorzugeheu, schon am Nach­mittag erteilt worden ist. Der Kassierer der Trumauer Baumwoll-Spinnerei, welcher mit seiner Familie eine Partie

auf die Raxalpc in Oesterreich unternommen hatte, ist 80 Meter tief von einem Felsen in den Schwarzen Fluß abgcstürzt. Nur mit Mühe konnte der Schwerletzte ge­rettet werden. Ein von Portsmouth nach Atlanta (Süd- carolina) gehender Lokalzug der Seaboard-Air-Linie oer- unglücktc. Elf Personen wurden getötet, 20 ver­letzt. In Orleans wurde der Hochaltar der Kathe- drale durch den Einsturz eines längst als schadhaft signalisierten Gewölbes zertrümmert. Das ganze Mittel­schiff ist mit Staub und Geröll bedeckt. Die Erschütterung wurde in weitem Umkreise verspürt. Die Restaurierung wird über 100 000 FrcL. kosten.

* Zur Flucht ber Prin zessin Luise von ftoburg. Der bcutfcTyc sozialistischie RciclMagsabg. Dir. Sübekum, welcher in berHumanits" mit her Schil­den mg ber Flucht ber Prinzessin Luise von. Koburg begann, setzte bicfcTbc fort unb teilt mit, daß^ sich bie Prinzessin in Frankreich in Sicherheit befinde. In dem Bericht wird ber Aufenthaltsort ber Prinzefsinj nicht angegeben, auch wurde es abgelehnt, ihn den ;3cit- ungsbcHchterstattcrn zu nennen. Auf der Polizei­präfektur wirb versichert, daß sich bie Prin - zessin u ii b Mattachich nicht in Paris befinden. Man glaubt, baß sie sich in einem Vorort vou Paris aufhalten. Dr. Sübekum begab sich nach Wien, um bte Aufhebung des .KuratclS für bic Prinzessin Luise burchzr> setzen. Es wird von glaudwurbigcr Seite versichert, daß die Prinzessin in ber W ohnung eines sozialisti­schen Politikers ihre erste Zuflucht nahm unb dann in cin mit einem Garten umgebenes Haus gezogen sei. Es verlautet baß die Prinzessin sich in nächster Zeit nach Biarritz und LonrdeS begeben wird. Wie das Pariser Journal" mit teilt, bewohnt die Prinzessin in Paris eine Wohnung, welche mrr vier Minuten Von ber Großen Oper entfernt gelegen ist. Das Blatt Hibt bann noch einige Einzelheiten über bic Flucht aus Bab Elster. Danach habe bic Prinzessin nm zwei Uhr nachts das Hotel über bic gewöhnliche Treppe verlassen, da ber Nachtwächter bestochen gewesen sei Die übrigen Eingaben decken sich mit den bereits bekannten Tatsachen. Nur ist noch hervor­zuheben, daß die Autornobilfahrt über Magdeburg ging, lvo infolge eines Maschinendefeftcs gerastet werden mußte. Dann bestieg die Prinzessin in Hildesheim den Zug nach Köln und fuhr von dort über Belgien nach Paris. Das Justizministcrium in Kobürg wurde durch den koburgischen Familienrat mit der Abgabe des Rechts­gutachtens in der Affäre der Prinzessin betraut In demselben soll auch bie Frage ber Nachprüfung bes Geisteszustandes ber Prinzessin sowie bie Auf- hcbima bes Ku r a tel s erörtert werden. Die Untersuch- inig oer Prinzessin durch Pariser Psychiater hat bereits begonnen. ^er Pariser Korrespondent der WienerN. Fr. Pr." hatte gestern nachmittag ein längeres Gespräch mit Prinzessin Luise, wobei Dr. Stimmer und Fran Stöger anwesend waren.

Kunst und Wissenschaft

Innsbruck, 9. Sept. Tein heutigen BegrüßungSabeud anläßlich des ernt 10. dS. zu eröffnenden JurifteutageS wolmten der Statthalter, Frhr. v. Sckiwartzcnau, Oberlandcs- grriä-tsprüsidmt Frhr. von EaU .und die Spiven der Ortsdehördcn bei Unter den Teilnehmern am Juristen tag befindet sich eine große Anzahl re^cl^deutscher Juristen, darunter Geheimrat Brun­ner-Berlin, Präsident Stasser-Karlsruhe, als Vertreter des batp riscl>en Justizministeriums Tr. HcnleS. sowie viele namhafte Uni- verfitätslelner und Anwälte. Professor Wretfchke-JnnÄnmck be­tonte in einer herzlichen Begrüßunqsanfpraäie die Gemeinsamkeit der Rechtsentwickelung in Tcutschland, und Oesterreich feierte Ge- iKinttai Bninner und Präsident Strasser und trank auf bar Erfolg der Beratungen des Juristentages. Präsident Strasser erwiderte in einer längeren Rede, dankte für den fteundlichen Empfang, betonte die jreundsclMstliche Gesinnung, von der nach dem Vorbild der Freundschaft der beiden Monarchen die Be­völkerung des Tentsclx'u Reichs und Ocsterreich-UngarnS bestell sind, unb brachte schließlich ein Hoch auf die Stadt Jnnsbrmk aus. . Beide Ansprachen wurden mit lebhaftem Beifall auk- iicuoiniitcn.

Kklichlssaar.

Halle a. S., 9 Sept. Ter Redakteur des DvlkSblaUeZ, Fette, wurde l-eute wegen Majestätsbeleidigung 4 Monaten Gefängnis verurteilt, wegen Veröffentlichung einer Notiz, daß in Wien ein Bruder Kaiser W ilHelms, Sohn Kaiser Friedrichs, a l s Landstreicher i m Sprta l! gestorben sei. In erster Instanz war der Angeklagte ftei- gespri'chen irorbeu. _ ________

LandwirlsLaft.

Ausstellungsobst. Unsere Obstproduzenten sind durch das milde Klima unb den geschützten Standort an ipeld>enij|_ia> der größte Teil der Obstpslanrungen im Großherzogtum Hessen, befindet, in der Loge, ein Obst auf den Markt zu brmgen, daS hinsichtlich 'seiner Güte, seines feinen und aromahfepeu Ge­schmackes und guten Aussehens kaum einen Konkurrenten zu fürdVen hat. Auch in Bezug auf die vorhaiidenen vorteil kann die erfreuliche Tatsache konstatiert werden, daß seit Anfang ber 80 er Jahre des vorigen Jahrhunderts vorgenmnmenen Anpflanz­ungen von ObN>äume7i meist solche bessern: Sorte sind. Tie Be­dingungen zum Liefern feinsten TasclEeS sind also vorhanden, merden aber leider sehr läufig nicht genügend ausgenützt, denn im Ernten, Sortieren und Verpacken deS LbsteS muß man sein oft die notwendige Sachkenntnis und Sorgfalt noch vermissen. In dieser Hinsicht können die Ohstproduzenten Tirols, Südfrank- rei<yZ und Amerikas als Vorbild dienen. Mit diesen Konkurren- reuten treffen unsere Obstbauer auf der vom 8. bis 16. Cft dieses Jal/res in Düsseldorf stattsiudeuden internationalen W* ausstellung zusammen. Es gilt hier den Ruf bes guten hew- sck-cn ObsteS zu wahren, alte YLsatzgebiete zu erhalten unb neue zu schaffen, sowie dem Eindringen und Modewerden des aus­ländischen ObsteS eutgegenzutreten. WaS aus Hessen zu dieser Ausstellung. gelaugt, darf also nur vom Besten bas Beste sein. Don Natur aus sind bie hessischen Obstbauer sehr günstig ge­stellt, es gilt mir richtige Auswahl unb sorgfältigstes Ernten und Verpacken. Für eine repräsentative Auorbnuug und nun- some Aufstellung des Hessischen ObsteS auf ber Ausstellung m Düsseldorf zu sorgen wirb sich der Hessische LaudwirtschastS- rat-Darmstadt, Nisinarckstraße 78, angelegen fein lassen, welcher auch jederzeit bereit ist AuSkmrst über bie Ausstellungsbeding- uugen zu erteilen, sowie Aumelbnugen zur Ausstellung bis zum 15. September b. I eutgegenznuehmen. _____

Kandcl und jScrftefir. WolK-!wirtschn<t

Industrie und Handelsverträge. Die Industrie in ihrer Mehrheit kommt den Handelsverträgen unb Zolltarifen mit ziemlich großem Mißtrauen entgegen. In bev Zeitschrift ^taiu und Eisen* finden wir einen längeren Anksatz über biesen Gegen­stand, der recht vefsinnstisch ausklingi. Es heißt: ^<vie aver immer die neuen Tarifverträge im einzelnen gestaltet sein mögen, ber allgemeine Zug wird sich sicherlich dem Geiste anpapeu, oe im neuen deutschen autonomen Zolltarif steckt. DaS ift bev (SCJI, ber die Landlvirtschnst anf Kosten der Industrie bevorzugt. -' Industrie hat rechtzeitig vor den Folgen gewarnt, mc sich ^etregs der Tarifverträge daraus ergeben müssen. A-ie liedrhell der d» bünbeten Regierungen hat auf diese Warnungen nicht gehört; I