Nr. 109
Erstes Blatt.
154. Jahrgang
Dienstag 10. Mai 1904
•r|$etnt tLgltch autzer Sonntags.
Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Glehener Familien» Hättet viermal in der Woche beigelegt.
Notationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unweri.-Buch-u.Stein- bruderd. öt Lang«. Redaktion, Grvedttton und Druckerei:
Schnlstratze 7.
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GletzenerAnzeraerW ™ General-Anzeiger " 3S3E
A - . - den poilL und allgem.
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen UWZ
zeigenteil: Hans Beck.
Kolomalpost.
— Gouverneur Leutwein meldet: U Estorfs nah« am 7. Mai über Okaharui aufklärend "bei Otjikuara Fühlung mit dem Feinde. Otjikuoko bleibt mit MstarbN und der 6. Kompagnie besetzt.
— Einem Delegramm auZ Windhuk zufolge beträgt der augenblickliche Bestand cm T Y P h u s kr cr n k c n in Otji- häirena 2 Offiziere und 65 Mann, im Windhuker Lazarett 40, in Okahandja 42, im Karibiber Typhuslager 26 Mann,
Abgeordneten, die Zahl der städtischen Vertreter zu vermehren , da, wie allgemein bekannt, den ländlichen Interessen eine Bevorzugung vor den städtischen in unserer Kammer zu teil wird. Ist doch Hessen derjenige unter allen deutschen Bundesstaaten, der für ländliche Zwecke jährlich weitaus die höchsten Summen, im Verhältnis zu seiner Größe, gewährt. Da die Neueinteilung der Wahlbezirke nach der heutigen Bevölkerungsziffer auch von der Regierung nicht gewünscht wurde, so blieb den städtischen Abgeordneten nichts anderes übrig, als die Vermehrung ihrer Sitze mit aller Entschiedenheit zu verlangen.
Gewiß ist eine Erhöhung der Mitgliederzahl der Kammer an sich nicht gerade sehr wünschenswert. Herr Leun hat zweifellos recht: je mehr Abgeordnete, desto mehr wird geredet, und namentlich von solchen Herren, die, wenn man sie auf Widersprüche aufmerksam macht, kaltlächelnd erwidern: „Was leiht mir an meinem schlechten Geschwätz!" Darum bleibt die Einteilung der Wahlbezirke nach der Bevölkerungszahl das zu erstrebende Ziel. Es könnte alsdann sehr wohl bei der augenblicklichen Zahl von Abgeordneten bleiben, ja womöglich noch eine Verminderung, von deren Zahl, d. h. eine Vergrößerung der Wahlbezirke eintreten. Die Städte aber nach wie vor im Nachteil zu belassen, das können sie nun und nimmermehr sich gefallen lasten.
licher Feststellung auf 70 Offiziere und 2324 Mastn angegeben. Tas sind über 13 Prozent der auf 18000 Mann zu veranschlagenden Gesamtstärke. Dabei muß aber in Rechnung gezogen werden, daß nur einige der russischen Truppenkörper ernstlich ins Gefecht gekommen sind; deren Prozentsatz an Verlusten: stellt sich 'dann erheblich höher, teilweise auf mehr als' 50 Prozent.
Das „Echo de Paris" berichtet aus Petersburg: Ein Telegramm des Generals Kuropatkin bestätigt, daß der Rückzug derRussen sich invollerOrdnung vollzieht, die russische Arrieregarde befindet sich etwa 20 Kilometer von den Japanern, „Daily Chronicle" ist der Ansicht, daß Port Arthur in 14 Tagen fallen wird.
Ein Telegramm aus Peking berichtet, der englische und amerikanische Gesandte seien über die Haltung der Vizekönige beunruhigt. Auch der Haltung der chinesischen Behörden« begegnet man mit Mißtrauen.
Der „Newyork Herald" berichtet aus Petersburg: Man, arbeitet mit aller Energie an der Fertigstellung des* zweiten Geschwaders für den Stillen Ozean. Das Ge- schwader wird über Kap Horn nach dem Kriegsschauplätze abgehen. Dasselbe Blatt hält entgegen allen anderem Meldungen seine Nachricht aufrecht, daß die Versuche der Japaner, die Hafeneinfahrt von Port Arthur zu sperren,; gescheitert sind. Ebenso hält das Blatt die Nachricht aufrecht, daß die russische Regierung kürzlich in Deutschland zwei Torpedoboote gekauft hat.
In D o k o h a in a fand am Sonntag ein großer Fackelzug zur Feier des Sieges am Jalu statt, an dem mehr als 4000 Personen teilnahmen. Am Kaiserlichen Palast entstand infolge der engen Tore an der alten Befestigung ein großes Gedränge, 6er welchem 16 Personen getötet und 40 verwundet wurden. Die Opfer der Katastrophe, meist Knaben, wurden in einem Winkel des alten Schloßhofes gegen ein verschlossenes Tor gedrängt und teils zerquetscht, teils in den alten Schloßgraben gestoßen, wo sie ertranken.
*
Paris, 9. Mai. Wie aus glaubwürdiger Quelle verlautet, wird Rußland demnächst auf oem Pariser Markte eine Anleihe in noch unbestimmter Höhe aufnehmen, wahrscheinlich wird dieselbe aber eine Höhe von 800 Mill. Francs erreichen. Die Anleihe wird in Schatzscheinen zu 5 Prozent rückzahlbar iiti fünf Jahren kontrahiert werden. Die Emission werden Haupt-' sächlich Pariser Kreditbanken in die Hand nehmen.
Deutsches Reich,
Berlin, 9. Mai. Der Kaiser und die Kaiserin, mit der Prinzessin Viktoria Luise treffen am Mittwoch nachmittag in Straßburg ein.
— Der im Abgeordnetenhause eingegangene Gesetzentwurf wegen Erhöhung des Grundkapitals der Seehandlung bestimmt, daß das Kapital um 6 5 Mill. erhöht wird. Der Finanzminister wird ermächtigt, Staatsschuldverschreibungen auszugeben, an deren Stelle auch vorübergehend Schatzanweisungen ausgegeben werden können.;
— Von gut orientierter Seite wird mitgeteilt, daß man' in Hamburg in kaufmännischen und politischen Kreisen mit dem Gedanken umgeht, eine Art Zollmuseum zu gründen, in welchem zugleich Belehrungen iiber die Zollschuhgesetzgebung des Deutschen Reiches und anderer Staaten erteilt werden können. Für alle Interessenten soll Auskunft über die einzelnen Positionen des künftigen deutschen Zolltarifs gegeben werden, sodaß sie sich nach den Angaben des Museums genau überzeugen können, wieviel Zoll jede einzelne Ware kostet. Gleichzeitig will man ein ch emi- sches Laboratorium errichten und Hörsäle schaffen, in denen Vorträge über Zolltarif künde und die Entwicklung des Zollwesens stattfinden sollen. Wem: der Plan durch geführt wird, würbe das ganze den Charakter einer Zollhochschule mit Auskunfterteilung erhalten.
— Die konstituierende Versammlung des internationalen Fra uenstimmrechtsbundes findet am 3. und 4. Juni in Berlin statt.
— Es scheint neuerdings wieder fraglich geworden zu sein, ob die Session des Reichstags nach Pfingsten geschlossen oder vertagt werden soll. Der Präsident des Reichstags, Graf Ballestrem, hat heute; über diese Frage und die weitere Erledigung der Geschäfte' der Session mit dem Reichskanzler verhandelt. Es ist folgender Geschäftsplan vereinbart worden. Man erwartet, daß die dritte Lesung des Etats am Mittwoch' zu Ende geht. Dann sollen die Pfingstferien beginnet und bis zum 7. Juni dauern. In weiteren zehn Tage« gedenkt man das Münzgesetz, die Vorlagen betreffend dies Entlastung des Reichsgerichts, die kaufmännischen Schiedsgerichte und die Entschädigung unschuldig Verhafteter fertigzustellen, worauf die Vertagung bis zum November erfolgen soll.
Düsseldorf, 9. Mai. Die hier abtzLstdltene Haupt-' Versammlung des Bundes der Landwirte für Rheinland-Westfalen nahm nach Referaten des Dr. Dietrich Hahn und des Gutsbesitzers v. Bodelschwingh eine Resolution an, in der sie sich energisch gegendieKanalvorlage in ihrer jetzigen Gestalt ausfpricht; wenn die Kommission nicht diese schwerwiegenden Bedenken beseitige, müsse der Bund auf Ablehnung bestehen.
Dresden, 9. Mai. Die erste Kammer beschloß heute, den Widerspruch gegen die .Heranziehung des landwirt- schaftlichenBetriebskapitalszurVermögenS- steuer aufrecht zu erhalten. Die einseitige Belastung der Industrie wird also vorläufig beibehalten.
Zur hMchen Wahrreform.
Herr Bürgermeister und Abg. Leun schreibt unS: Großen-LiudeN, 9. Mai 1904.
Geehrter Herr Redakteur!
Zur hessischen Wahlrejorm bringen Sie in Nr. 107 Ihres geschätzten Blattes einen Artikel, worin behauptet wird, der Herr Abg. Köhler stelle in dem betr. Arttkel der „Volksmacht" die Tatsachen auf den Kopf.
Dem ist nicht so.
Lesen Sie nur die Kammerverhandlung vom Jahre 1902 und bann werden Sie überzeugt sein, daß nicht die ländlichen, sondern die städttschen Vertteter es durch deren Abstimmung am 2. Juli 1902 verhinderten, daß die zweite Kammer die direkte Wahl annahm.
Allerdings haben die ländlichen Vertreter den Art. 3 der Vorlage, der eine Vermehrung der städtischen Vertreter vorsah, abyelehnt, allein hierüber wurde niemand im Zweifel gelassen, mdem eine erste Lesung vorausging.
Ob eine Vermehrung derstädttschen Abgeordneten notwendig, darüber kann man zweierlei Meinung sein. Die ländlichen Vertteter glaubten u. a. auch deshalb gegen weitere Sitze stimmen zu sollen, weil die F i n a u z l a g e des Landes die größte Sparsamkeit bedingte. Schrieb doch der,,Gieß. Anz." unlängst selbst abfällig über die hoben Kosten des Landtags.
Gibt es weitere Abgeordnete, dann steigern sich selbstverständlich die Ausgaben an Diäten, nicht nur für das Mehr der Abgeordneten, sondern auch deshalb, weil, je größer die Anzahl der Abgeordneten, je mehr Worte, Reden, Wünsche und Anträge und darum längereTagung des Landtags.
Doch dies nur nebenbei. Am 2. Juli 1902 sollte über Art. 3 abgestimmt werden, es lagen hierzu drei Anttäge vor, nämlich:
1. Antrag Ko rell und Genossen, die seitherige Anzahl der Abgeordneten beizubehalten.
2. Antrag des Abg. Wolf, wonach die Anzahl der städtischen Vertteter statt um 5, nur um 3 v e r m e h r t werden solle.
3. Anttag des Abg. v. Brentano: Wiederherstellung der in der ersten Lesung abyelehnten Regierungsvorlage, also Vermehrung um 5 städttsche Sitze.
Die ländlichen Vertteter wünschten mm zuerst Abstimmung der Anträge sub 2 und 3 und zuletzt Abstimmung über ihren Anttag Korcll und Genossen, damit, bei vorauszusehender Ablehnung der beiden anderen Anträge, wenigstens die städtischen Herren Abgeordneten schließlich für unfern Anttag stimmen und somit die direkte Wahl zu stände gebracht werden konnte.
Was geschah nun? Die Herren Abgeordneten aus den Städten brachten es fertig, daß über unfern Anttag zuerst abgestimmt wurde. Wir unterlagen, wahrscheinlich wollte man uns so zwingen, die städttsche Vermehrung mitzumachen.
Wenn es den Herren Abgeordneten aus den Städten ernstlich darum zu tun war, die direkte Wahl zu ermöglichen, dann mußten sie unserm Anträge absolut zustimmen, denn durch die vorausgegangene Kraftprobe der ersten Lesung wußte man zu sicher, daß die Landvertteter gegen weitere Abgeordneten der Städte 'stimmten, was auch in der Tot geschah.
Ich bitte um Veröffentlichung.
Hochachtend
Leun, Mitglied der 2. Kammer.
Diese Ausführungen des Herrn Abg. Leun bringen keineswegs den Beweis, daß die städtischen Abgeordneten den Wahlgesetzentwurf vom Jahre 1902 zu Falle gebracht hätten. Befand sich doch gerade Herr Leun unter denen, die sich offen als Feinde des gleichen, direkten und geheimen Wahlrechtes bekannten. Mit den Herren Dr. Heidenreich, Koch und Möllinger, die doch auch sämtlich vom Lande sind und zu denen sich allein Herr Dr. Jöckel aus Friedberg gesellte, war auch Herr Leun bedacht, die Vorlage im Schoße der zweiten Kammer zu Grabe zu tragen. Nicht die Städter, sondern die Agrarier spielten dem Lande, — wie ein nationalliberales Organ (das „Mainzer Tagbl.") damals sehr richtig sagte — eine „unwürdige Komödie" vor, indem sie öffentlich für das direkte Wahlrecht stimmten, dabei aber „auf Schleichwegen" die Vorlage zu Fall zu bringen bestrebt waren.
Sie traten es, die darauf bestanden', daß den Städten die ihrer Bevölkerungszuhl entsprechende Zahl von Mandaten vorenthalten werde. Sie bekannten sich somit als Gegner des gleichen Wahlreckts. Ihnen muß die Hauptschuld daran zugesprochen Werden, daß der Gegensatz zwischen Stadt und Land in die Verhandlungen hineingetragen wurde und infolgedessen aus der ersten Lesung nur ein unbrauchbarer Torso hervorging. Das Resultat der zweiten Lesung wäre nach dem Wunsche dieser „Freunde" des direkten Wahlrechts das gleiche geworden, wenn nicht die städtischen Vertreter dieses Manöver vereitelt hätten, um wenigstens das direkte Wahlverfahren und die Sicherung des Wahlgeheimnisses durch Wahlkouverts und Jsolierräume aus dem Schiffbruch zu retten — wenn auch bald darauf das ganze Gesetz in die Brüche ging.
Hand in Hand mit diesen Herren ging der größte Teil der Bauernbündler. Nur unter der Bedingung der Aufrechterhaltung der bestehenden Ungleichheit des Wahlrechts zwischen Stadt und Land wollten sie sich zu dem direkten Wahlrecht verstehen. Herr Wolf erklärte:
„Wir unterhalten uns am Biertisch, im Foyer über dieses und jenes, ... ich habe eß nicht für möglich gehalten, daß bei der Abstimmung über Arttkel 4 40 Mann dafür stimmen würden; nach den intimen Aeußerungen, die ich gehört habe, habe ich nicht für möglich gehalten, wenn Leute hier mit Ja auf der einen Seite stimmen, und mit Nein auf der andren Seite und sich grinsend die Hände reichen. Das ist ein Mangel an Dolksfreundlichkeit. Da hat man Angst, daß man sein Mandat verliert, das einem die Kasinoclique verschafft bat."
Und Herr Wolf hatte nur zu Recht!
Es war unter den obwaltenden Umständen ein sehr berechtigtes Verlangen der Regierung wie der städtischen
Der Krieg zwischen Japan und Kußland.
Rusfische und japanische Kriegsberichte.
Man schreibt uns aus Berlin, 9. Mai:
Auf der japanischen Gesandtschaft in Berlin ist man jetzt recht zugeknöpft. Vor Ausbruch des Krieges und kurz nachher konnten die Vertreter der Presse von den Japanern mancherlei Interessantes hören: die Herren aus dem fernen Osten waren zum Plaudern aufgelegt — obschon sie nicht eben aus der Schule plauderten, vielmehr genau soviel sagten, als sie in die Öffentlichkeit gebracht Haben wollten. Heute fehlt es auf der japanischen Gesandtschaft an Zeit zur Unterhaltung und Auskunftserteilung. Die Höflichkeit und Verbindlichkeit find unverändert geblieben. Aber mit Fragen läßt sich wenig oder nichts erreichen. Mr sind ohne präzise Nachrichten. . . Es muß noch besser kommen! Die russische Botschaft in Berlin ist von jeher der Presse schwer zugänglich gewesen. Das Zarenreich hat selbst Organe genug zur Verfügung, um maßgebende Meldungen im Inland und im Ausland zu verbbeiten. Und dann läßt sich denken, daß augenblicklich erst recht wenig Neigung vorhanden ist, Rede zu stehen.
Rußlands Kriegsmißgeschick übersteigt die pessimistischsten Erwartungen. Nur in Petersburg weiß man einstweilen nicht mit Würde und mit Größe diese Schläge zu tragen. Man legt sich auf ein zweckloses System, Erfolge des Gegners entweder zu bestreiten oder abzuschwächen und als bedeutungslos hinzustellen. Zwecklos ist dies System, weil die Wahrheit früher oder später ja doch an den Tag kommt. Die offiziellen japanischen Kriegsmeldungen, in ihrer lakonischen nüchternen Sprache machen im allgemeinen den besseren Eindruck: sie enthalten den Russen der Tapferkeit und dem Todesmut, die Anerkennung nicht vor, sie verschleiern die Verluste in den eigenen Reihen nicht, mit einem Wort, sie haben mehr das Gepräge der Tatsächlichkeit. Damit ist nicht gesagt, daß die Japaner die Aufrichtigkeit mehr lieben, als die Russen. Aber die Japaner halten sich viel freier von Selbsttäuschungen, sie richten sich auf die schlimme Möglichkeit ein, statt auf oie gute, und dank dieser kühlen Vorsicht setzten sie während der diplomattschen Verhandlungen nicht einen Moment die Rüstungen aus, während Rußland, überzeugt, die Sache „in der Hand zu haben", Krieg und Frieden ganz nach Wunsch diktieren zu können, mit ungeheuren Rüstungen nur als Schreckmittel drohte. Erst am heuttgen Tage wird von russischer Seite die Größe der Verluste am Jalu zugegeben, nachdem von einer Depesche zur anderen die Zahl der Gefallenen erhöht worden war. Aehnlich wird es der rufsischen Ableugnung ergehen, daß die Hafeneinfahrt von Port Arthur gesperrt ist. Die detaillierten und sachlichen japanischen Berichte lassen heute darüber kaum einen Zweifel. Die Berliner Börfe, die aus wirtschaftlichen Rücksichten herzlich gern den russischen Beschwichtigungen Glauben schenken möchte, glaubt auch in diesem Falle den japanischen Depeschen. Nun setzt Rußland, wie aus allem hervorgeht, noch große Hoffnungen auf die O st f e e f l o t t e. Der militärische Mitarbeiter der „Nordd. Mtg. Ztg." schreibt heute in einem Aufsatz ,-Etwaige Verstärkungen zur See in Ostasien", daß Rußland in der Lage sei, von seiner Ostseeflotte beträchtliche Verstärkungen nach Ostasien entsenden zu können. — Aber bis zum Herbst ist manche Entscheidung geliefert, und cs fragt sich sehr, ob dann die Flotte Rußland viel nützen kann. Port Arthur ist bis zum Herbst siche rlichläng st im Besitz der Japaner, der Weg nach Wladiwostok wird verlegt sein usw. Kurzum, aus russischer Seite ist das Meiste Hoffnung auf bessere Zukunft, geduldige Passivität, Vertrauen auf glücklichen Zufall, Reden und Feierlichkeiten; auf japanischer Seite kühnes, planmäßiges, folgerichtiges Handeln.
Kleine Nachrichten.
Aus Schanhaikwan kommt vom 9. Mai die Reutermeldunq, daß die Räumung Niutsch-Wangs fortgesetzt wird. Die Russen versprachen, eine Nachhut zurückzulassen, um eine Plünderung zu verhüten.
Londoner Blätter veröffentlichen eine Petersburger Depesche, wonach General Kuropatkin dem Zaren drahtete, daß die russischen Streitkräfte im Osten ungenügend seien, um dem Vorstoße der japanischen Heere Widerstand zu leisten.
Die russischen Verluste am Jalu werden nach amt


