Ausgabe 
10.5.1904 Erstes Blatt
 
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Auslanö.

London, 9. Mai. Nach Petersburger Meldungen kon­zentriert Rußland Truppen an der Grenze von Afghanistan.

Dar JohannesburgerStandard"-Korrespondent er­fahrt von vertrauenswürdigen Eingeborenen, daß die Lage in Damara-Land ernster ist, als man vermutete. Ueberall frohlocken die Eingeborenen über die deutschen Niederlagen im Herero lande. Die­jenigen, welche mit dem Lande vertraut sind, bezweifeln, Daß es möglich sein wird, den Aufstand ohne Hilfe erfahrener Kolonialkämpfer niederzuschlageiu

Wien, 9. Mai. Kriegsminister Pitreich richtete eine Zuschrift an die Antiduell-Liga, daß nunmehr nicht- aktiven Offizieren und Kadetten der Beitritt zur Antiduell-Liga freigestellt wird.

Aus Stadt und Land.

Gießen, den 10. Mai 1904.

Evangelischer Bund. Wie man uns mitteilt, »eranstaltet der hiesige Zweigverein des Evangelischen Bundes auS Anlaß der zur Zeit bestehenden kirchenpolitischen Ver- hältnisse nächsten Montag den 16. Mai, abends 8'/, Uhr, im Neuen Saalbau eine allgemeine evangelische Volks­versammlung. AlS Hauptredner ist für den Abend Pfarrer D. Bornemann in Frankfurt gewonnen. Dieser wird unter dem Titel:Ultramontane Erfolge und evangelische Pflichten" alle einschlägigen aktuellen Fragen behandeln. Herr Borne­mann gilt als einer der trefflichsten Redner Frankfurts. Der Eintritt zur Versammlung ist kostenlos.

* Zum Besuch des Kaisers in Schlitz schreibt ^xan uns, daß der Kaiser im Jahre 1901 am 4. und 5. Mai anläßlich der silbernen Hochzeitsfeier des gräflichen Paares 'zum letzten male in Schlitz war. Am 3. Mai 1902 war der Kaisecbesuch wieder angesagt, wurde aber infolge de§ Ablebens des Prinzen Georg v. Preußen kurz vor der er­warteten Ankunft abgesagt. Am 2. November 1902 starb die junge Gräfin Sosie in einem Sanatorium in Berlin, und am 6. November des Grafen Mutter Anna von Schlitz, gen. v. Goertz, geb. Prinzesiin v. Wittgenstein.

* Jubiläum. Gestern feierte WerkmeisterW. Werner bei der Firma I. Barnaß hier sein 25jähriges Arbeits­jubiläum. Aus diesem Anlaß wurden ihm von seinem Chef, dem Komptoir- und Arbeitspersonal zahlreiche Geschenke über­reicht. Außerdem wurde der Tag mit einer gemütlichen Feier bei einem. Essen mit zahlreichen Toasten begangen.

* * Zum Arbeiterfest in Lollar, das am Samstag stattfand, schreibt man uns aus den Kreisen der dortigen An­gestellten, daß die Beamten und Arbeiter des Werkes dank­erfüllt seien über das prächtige Fest und die Vorbereitungen, die von der Leitung fürsorgend getroffen worden seien. Zur Ausschmückung der Festhalle waren zehn Arbeiter acht Tage lang beschäftigt. Zirka 800 lfd. Meter Guirlanden und Hunderte von Fähnchen waren zum Schmuck und acht elek­trische Bogenlampen zur Beleuchtung ausgeboten worden.

fc. Bad Nauheim, 9. Mai. Als weiterer Kandidat für den Landtag wurde Geh. Oberbergrat Chelius auf­gestellt.

l. Schotten, 8. Mai. Auf Einladung des Bürger­meisters Jochem von Laubach hatten sich gestern im Gasthaus Zur Traube" hier etwa die Hälfte aller Bürgermeister des Kreises Schotten eingefunden. Zweck der Versammlung, der auch der Kreisrat, Geh. Negierungsrat Schönfeld, beiwohnte, sollte die Gründung eines Kreisvcreins der Bürgermeister des Kreises Schotten sein, wie solche Vereinigungen auch ander­wärts bereits seit längerer Zeit bestehen. Dieser Zweck wurde auch erreicht, da 26 Ortsoberhäupter dem neu zu gründenden Verein sofort beitraten.

m. Darmstadt, 9. Mai. In der am 30. v. M. hier stattgehabten 2. Sitzung des Denkmalrates für das Großherzogtum Hessen wurde dem Antrag des Denk­malpflegers Prof. Walbe entsprechend, die Umgebung der Burg Münzenberg unter Denkmalschutz zu stellen- diese in die Liste ausgenommen.

SWK. Darmstadt, 9. Mai. Der Verband der hessi­schen landwirtschaftlichen Genossenschaften ver­wendet an die Kreditgenossenschaften des Verbandes unter Hin­weis auf die noch nicht überwundene Gefahr der Einführung des Scherl'schen Prämiensparsystems, durch welches die Existenz der Spar- und Darlehenskassen des Verbandes aufs äußerste bedroht und die Früchte jahrzehntelanger Arbeit unter Um­ständen vernichtet werden, einen Fragebogen, der den Zweck Kat, festzustellen, was durch die genossenschaftlichen Institute, 'die bereits längst manchen Gedanken, dem Scherl den Stempel der Originalität aufdrücken will, verwirklicht hatten, auf dem 'Gebiete des Sparkassenwesens geschehen und bis jetzt erreicht ist. Das gesamte Material soll noch in diesem Monate dem Reichsverband übermittelt werden.

R. B. Darmstadt, 9. Mai. Die Großh. Kabinetts- Direktion hat uns das folgende, gestern aus St. Louis bei Seiner Königlichen Hoheit dem Groß Herzog einge­troffenen Telegramm zur Veröffentlichung mitgeteilt:

Olbrichpavillon soeben mit enormem Erfolg eröffnet. ^Burbe als the jewel of the whole exposition (das Juwel der -ganzen Ausstellung) vorn Leiter amerikanischer Kunstabteilung be­zeichnet. Reichskommissar Lewald."

In Betreff des Olbrich-Pavillons entnehmen wir dem amtlichen deutschen Ausstellungskatalog folgende Angaben: Der Pavillon, in der Hauptachse der deutschen kunstgewerb­lichen Ausstellung errichtet, stellt den Sommersitz eines Kunst­freundes dar. Das Gebäude ist von Profeffor Olbrich ent­worfen. Die zu beiden Seiten des Brunnenhofes liegenden Flügel enthalten die Räume von Baden, Württemberg und Elsaß-Lothringen und zwar ein Empfangszimmer von Professor Käuger-KarlSruhe, einen Saal für keramische Sammlung von profeffor Hoffacker-Karlsruhe, ein Musikzimmer von Professor Pankok-Stuttgart und ein großes Wohnzimmer von K. Spindler- St. Leonhardt. Diesen Räumen schließt sich im Mittelbau des Pavillons ein Komplex von sechs zusammenhängenden Räumen an. Diese durchweg von hessischen Finnen nach Entwürfen Don Professor I. M. Olbrich ausgeführten Interieurs (ein großes Woynzimmer, ein Teesalon, ein Bibliotheksaal, ein Speisezimmer, ein Musik- und ein Rauchzimmer) bilden in chrer Gesamtheit die heffische Abteilung. An der Aus- Ichmückung dieser Räume sind neben anderen Künstlern auch sie übrigen Mckglieder der Künstler-Kolonie, Professor Habich,

Ciffarz, Häuflein und Dr. tsremec oereuigr. Das Heflenlano l und besonders dessen Hauptstadt haben Ursache, auf den herrlichen Erfolg des Olbrich-Pavillons stolz zu sein.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Wingershausen wurde das altehrwürdige, jetzt von Grund aus renovierte Gotteshaus wieder eingeweiht. Die Vertreter des Kreisamts, des Dekanats, die Kirchen-, Schul- uud OrtSvorstände und viele Gäste aus nah und fern nahmen an dem Feste teil. Der in Sachen Groß und Stafforst tätig gewesene Polizeirat Wolff in Frank­furt hat auf Weisung des Minister? des Innern von der Wiesbadener Regierung eine Belohnung von Mk. 1000 be­kommen.______________________________ ______________

Kerichtssaal.

Berlin, 9. Mai. Unter starkem Andrang medizinischer Kreise fand vor der 4. Strafkammer be§ Landgerichts I ein Be- leidignngsprozeß gegen den Arzt Dr. Magnus Hi r s ch f e l d aus Charlottenburg statt. Dr. Hirschfeld ist ein wissenschaftlicher Spezialist auf dem Gebiete des Homo sexuaNsmus. Seine Erfahrung, die er mit einer großen Reihe homosexuell veranlagter Personen gemacht hatte, brachte ihn zu der Ueberzeugung, daß eine Abänderung des § 175 des Str.-G.-V. dringend erforderlich sei und er richtete daher eine von den hervorragendsten juristischen und medizinischen Autoritäten unterzeichnete Petition an den Reichstag, in welcher die Gründe, die für eine Aufhebung der Strafbarkeit des im § 175 bezeichneten Verbrechens sprechen, dargelegt wurden. Nun hatte sich hier int Jahre 1897 ein sogen. Wissenschaftlich-humanitäres Komitee" gebildet, das die weitere wissenschaftliche Erforschung des HomosexualismuS sich zur Aufgabe setzte. Leiter dieses Komitees war Dr. Hirschfeld. Dieses Komitee versandte nun, um statistische Unterlagen für die Verbreitung der Homosexualität in Deutschland zu gewinnen, Fragebogen an eine große Anzahl von Personen, in denen die Befragten gebeten wurden, ihre ev. Veranlagung ohne Unter­schrift, lediglich durch Unterstreichung gewisser Buchstaben dem Komitee bekannt zu geben. Auf diese Weise konnte das Komitee feststellen, daß inDeutschland 1 209000 Homosexuelle vorhanden sind. Die Umfrage gelangte u. a. auch an sechs hiesige Studenten, die sich durch den Fragebogen beleidigt fühlten und Anzeige erstatteten. Die Staatsanwaltschaft griff die Sache aus und erhob gegen Dr. Hirschfeld Anllage wegen Beleidig­ung. Die Verteidigung hatte zur Verhandlung eine große Reihe von Sachverständigen und Zeugen geladen: neben Aerzten, den Obmann des Komitees, Reichsgraf Günther v. d. Schulenburg, päpstlichen Kammerherrn Baron v. Teschenberg usw. Zu Beginn der Verhandlung beantragte Staatsanwalt Helbig im Interesse der gefährdeten Sitten den Ausschluß der Oeffentlichkeit. Der Ge­richtshof gab diesem Anträge trotz des Einspruchs der Verteidig­ung statt. Heber den Verlaus der Verhandlung erfahren wir, daß darin die Schrift des Dr. Hirschfeld, die die Anllage als unzüchtig betrachtet, nämlich:Tas Ergebnis der statistischen Untersuch­ungen über den Prozentsatz der Homosexuellen" zur Verlesung ge­langte. Das Gutachten der medizinischen Sachverständigen lautete für den Angeklagten durchweg günstig. Trotzdem beantragte der Staatsanwalt wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften und Be­leidigung eine Geldstrafe von 500 Mark. Die Verteidigung plai- bierte auf Freispruch. In der sehr interessanten und prinzipiell bedeutsamen Urteilsverkündigung, die nach sehr langer Beratung erfolgte, heißt es u. a.: Die Grundfrage, ob die in- frimierte Umfrage des Angeklagten streng wissenschaftlichen Zwecken dienen sollte, hat der Gerichtshof bejaht, lieber die Berechtigung einer solchen wissenschaftlichen Tätigkeit, wie der Angellagte sie entfaltete, wolle der Gerichtshof sich'nicht äußern: Aus dem Urteil soll daher weder eine Anerkennung, noch eine Verurteilung dieser Tätigkeit entnommen werden. Es war lediglich zu prüfen, ob die Schrift des Angellagten unzüchtig und ehrenkränkend ge­wesen ist. Nach Theorie und Praxis, auch nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts, sind Publikationen wissenschaftlicher Natur nicht unzüchtig. Höher als die Wissenschaft steht das Recht auf Achtung der Person. Der Angellagte, der schon einmal in einen ähnlichen Prozeß verwickelt gewesen, war sich des beleidigenden Charakters seiner Umfrage bewußt und es war erschwerend, daß durch sie die Sitten der jungen Leute, in deren Hände sie gelangte, gefährdet wurden. Immerhin habe der Angeklagte nur aus edlen Motiven gehandelt. Der Schutz des § 193 konnte ihm nicht zugebilligt werden eine Anwendung dieses Paragraphen aus solche Fälle würde zu unhaltbaren Konsequenzen führen. Der Angellagte war daher zu 200 Mark Geldstrafe resp. 10 Tagen Gefängnis zu verurteilen.

in einer aisvarv emzuverusenven autzerorvenrncyen öen er alber» sammlung zur Annahme zu empfehlen.

Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst

Voraussichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, ben 11. Mai 1904: Zeitweise windig, meist trüb, etwas wärmer» be­sonders nachts, Regenfälle, besonders im Norden.

Nässeres durch die GießenerWetterkarte.

Kirchliche Nachrichten.

Evangelische Gemeinde.

Gottesdienst.

Himmelfahrtstag, den 12. Mai.

_ In der Stadtkirche.

Vormittags 9/3 Uhr: Pfarrer Schwabe.

In der Johanneskirche.

Vormittags 91/, Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.

w , In der Friedhosskapelle.

Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Euler.

Katholische Gemeinde.

Mittwoch, den 11. M a i 19 04.

Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.

Donnerstag, den 12. Mai 1904. Christi Himmelfahrt.

Vormittags von 6 */, Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.

» um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion.

um 8 Uhr: Tie zweite heilige Messe. Militärgottesdienst mit Predigt.

» um 9 */, Uhr: Hochamt mit Predigt.

Nachmittags um 2 7, Uhr: Fest-Andacht mit Segen.

Freitag abend nm 6'/, Ussr ist Mai-Andacsst.

Urnclte Meldungen.

Originaldrahtmcldnngen des Gießener Anzeiger».

München, 10. Mai. Die Sektion der Leiche Lenbachs ergab, daß der Künstler nicht an Krebs ge­storben ist, sondern an Verdickung des Gekröses.

Donaueschingen, 10. Mai. Bei einer Besichtigung der Fürstenbergischen Brauerei, in welcher das Fürsten­bergische Helle Bier hergestellt wird, äußerte sich der Kaiser mit Genugtuung über die Bestrebungen der deutschen Bierbrauereien, das ausländische Helle Bier durch das ebenso vorzügliche, vielfach sogar überlegene ein­heimische Bier zu verdrängen. Diese vaterländischen Be­strebungen könnten seines größten Interesses versichert sein. Drei Mädchen, die der Kaiserin Blumensträuße über­reichten , erhielten goldene Brachen mit Namenszug und Krone.

Rom, 10. Mai. DerTribuna" zufolge verklagte der frühere P o st m i n i st e r G a l i m b e r t i das sozialistische BlattLavoro" in Genua, weil es behauptet hatte, Galim- berti habe 25 000 Lire Staatsgelder für seine Hochzeitsreise verausgabt.

Petersburg, 10. Mai. In der Kassen-Verwaltuntz des russischen Rothen Kreuzes wurden bedeutende Unterschlagungen entdeckt. Der Hauptschuldige, General Schwedow, ein Günstling der Kaiserin-Mutter, hat über eine Million Rubel im Börsenspiel ver­loren, welche er aus der Kasse entnahm. Um einen öffent­lichen Skandal zu vermeiden, hat die Kaiserin aus eigenen Mitteln die Verluste gedeckt. Fürst Galitzin und Graf Lansky haben sich ebenfalls Unregelmäßigkeiten zu Schulden kommen lassen.

Petersburg, 10. Mai. Hier verbreitete sich das Ge­rücht über ein geplantes schreckliches Attentat in Kronstadt. Eine Persönlichkeit, wahrscheinlich ein japa­nischer Agent, versuchte eine gewaltige Explosion herbeizuführen, wodurch die Festung Kronstadt in die Luft gesprengt worden wäre. Das Verbrechen mißlang. Der

Sport.

DieGießenerRuder-Gesell schäft 1877, resp. deren Regatta-Ausschuß, hat nun das Ausschreiben für die am 31. Juli geplante 12. Regatta auf der Lahn in Gießen erlassen. Als Nennungs- und Meldschluß ist Donnerstag, der 14. Juli, bestimmt. 4 Ausgeschrieben sind im Ganzen 11 Remien, und zwar: Junior Einer Großer Vierer (Stadtpreis) Vierer (Preis von der Lahn) Einer (Lahnvokal) Zweiter Vierer Junior Achter Doppel-Zweier ohne Steuermann Junior Vierer Akademischer Vierer Großer Achter lGrohherzogspreis) und Ermunterungs-Vierer. Wenn sich für die sämtlichen Rennen Kon­kurrenz findet, was wohl zu erwarten ist, dürfte der Start am 31. Juli auf dem Gießener Wasser recht interessant werden.

lieber dasFußballwettspiel, bas am Sonntag hier stattfanb, schreibt uns der Gießener Fußballklub von 1900: Das Resultat (das wir bereits mitteilten) entsprach vollständig der beiderseitigen Spielstärke, ein Urteil, dem die trotz des zweifel­haften Wetters zahlreich erschienenen Zuschauer sicherlich zustimmen werden. Es muß allerdings zugegeben werden, daß der Gießener Fußballklub nicht in voller Form spielte, wobei jedoch nicht außer Acht gelassen werden darf, daß Gießen für den Torwächter Ersatz einftellen mußte. Wenn auch Ofsenhach auf fremdem Platz spielte, so rechtfertigt dies doch noch lange nicht einen so großen Unterschied in der Torzahl.

vermischtes.

* Berlin, 9. Mai. lieber das Vermögen des flüchtigen Millionene rben" Alfons Röhll ist heute das ordent­liche Konkursverfahren eröffnet worden. Das Kon­kursverfahren ist über das Vermögen des Bankgeschäftes Bren­del u. Co., dessen Mitinhaber Regierung s rat Brendel sich nach Zusammenbruch des alten Bankhauses durch einen Sturz aus dem Fenster das Leben nahm, vom Amtsgericht L verhängt worden.

* Halle a. S., 9. Mai. Einbrecher plünderten den Laden des Münzen Händlers Weickerling. Sie machten für mehrere Tausend Mark Beute. Binnen wenigen Wochen sind hier in drei Diebstählen an 30000 Mark Wertsachen gestohlen worden.

* P o s e n, 9. Mai. Als ein größeres Polizeiaufgebot heute eine VerhaftungvonvierschwerenVerbrechern in der Vorstadt Gutschin vornehmen wollte, wurde es aus der verschlossenen Wohnung heraus mit Revolverschüssen em­pfangen. Nach Erstürmung der Wohnung, einem blutigen Kampfe, bei welchem auf beiden Seiten schwere Verwundungen vorkamen, wurden die Verbrecher verhaftet.

* W i e n , 9. Mai. In Fiume griffen Soldaten drei italienische Matrosen an. Dem einen wurde der Bauch aufgeschlitzt, die beiden anderen tourben durch Bajonettstiche schwer verletzt.

* Teplitz, 9. Mai. Der 60jähr, fortschrittliche Abge­ordnete des Bezirks Aussig-Carbinz, Josef Borjan, hat sich krankheitshalber erhängt.

Kandel und ^erhebt. AMswittschast.

Berlin, 9. Mai. In der heutigen Sitzung des Aufsichts­rates der Berliner Bank wurde beschlossen, die von der Deutschen Bank v.^liegende Offerte zum Zwecke des Auf­gebens der Berliner 2 in die Deutsche Bank den Aktionären

Kommandant des Kronstädter HafenZ bestätigt, daß ein Ver­brechen geplant gewesen sei und daß es, falls es gelungen wäre, fürchterliche Konsequenzen nach sich gezogen hätte. So­fort wurden alle Mittel angewandt, um einer Wiederholung eines derartigen Verbrechens vorzubeugen. Sämtliche fremden Arbeiter, welche in Pyroxilin-Fabriken, Laboratorien rc. be­

schäftigt waren, wurden entlassen. Die Arbeiten werden künftig

nur von Mililär auSgeführt. Die strengste Untersuchung ist eingcleitet.

Vom Kriege.

Paris, 10. Mai. DerMatin" meldet aus Petersburg, der Generalstab dementiert eine angebliche neue Beschieß­ung von Wladiwosto k, wobei der KreuzerR u r j i k" in Grund gebohrt worden sein soll. Wie verlautet, hätten dft Japaner Niutschwang bereits besetzt.

Petersburg,, 10. Mai. In großen Maueranschlägen wer­den die Reservisten aufgefordert, sich zu stellen. Ein Ukas des Zaren betrachtet Baumwolle ebenfalls als Kriegs- Kontrebande.

London, 10. Mai.Daily Chronicle" meldet aus Tokio: Nach der Einnahme von Dalny durch die Japaner wurde auch ein Kabel abgeschnitten, welches Port Ar­thur mit elektrascher Kraft versieht. Hierdurch ist für die Russen ein bedeutender Schaden entstanden, weil das Kabel von der Kraftstation in Dalny aus die elektrischen Scheinwerfer speiste. .Daily Chronicle" meldet aus Tschifu: Zwei Züge, welche am Samstag Niutschwang verließen, um nach Port Ar­thur zu fahren, mußten umkehren, da die I ap a n er a u f die Züge Feuer gaben. Eine Da m e wurde hierbei verw und et.

Telephonischer Kursbericht.

3Ve6/o Reicheanleihe

3%

do.

3</,0/o Konsole

100.10

102.00

89.80

101.80

do.

Hessen

30/,)

99.50

102.40

59.75

58.35

4% Ungar. Goldrente . . 4'V- Italien. Rente , . .

4V>% Portugieser? » . .

8°/ Portugiesen. . . .

1% 0. Türken . . .

Ttkkenlose......

4% Griech. Monopol -Anl. 4vf. H äussere Arrenh'ner

Mai.

. 26 40 . 85.00 . 104.00 . 103 30 . 200.80

184 00 . 137.05 . 252.60 . 153 50 . 137.00 . 13.60 . 191. . 240.00 . 190.50 . 195.90

3°/0 Mexikaner . . 41/Wn Chinesen . . Electric. Schlickert .

Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank Dresdener Bank . . Berdner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn . Lombarden . . . Ootthardhahn . . . Lanrahütte .... Bochum.....

Harpener ....

Tendenz: still.

128.00

46.00

42.90 I

Frankfurt a. J>., 10

3V»M Oberhessen . . .. 4% Oesterr. Goldrente . . 101.60 4VS% Oesterr. Silberrente 100 50

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