Erstes Blatt.
Donnerstag 9, Juni 1904
154. Jahrgang
GieMner Anzeiger
Eeneral-Anzeiger ™
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen
Nr. 133
• rftifint «Lgllch ander Sonntagfl.
Dem Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Gießener Familien. Blätter viermal in der Woche beigelegt.
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heutige Kummer umfaßt 10 Seiten«
Kelranntmachung.
Die unterm 7. Mai ds. J§. für die Straße Lich— Hattenrod anqeordnete Sperre wird hiermit aufgehoben.
Gießen, den 7. Juni 1904.
GroßheT-rimsich^ <^isamt Gießen. __I. V.: Dr. Wag n e r.
Bekanntmachung.
Die unterm 25. v. M. verfügte Sperre der Kreisstraße «ton Großen-Linden bis zur Landesgrenze gegen Hörnsheim wird hiermit wieder aufgehoben.
Gießen, den 8. Juni 1904.
Gr'' - r Gießen.
_ I. V.: Dr. Kranzbühle r.
per Krieg zwilckiri, Japan und Außland
Vor Port Arthur.
Petersburg, 8. Juni. Die russische Telegraphenagentur erhält nachstehende Meldung aus Liaujang vom 8. Juni. Chinesen berichten: Am 6. Juni fanden mehrere sehr energische Angriffe auf Port Arthur statt, gleich- zeitig zu Master und zu Lande. Die Angriffe wurden mit großen Verlusten unter Vernichtung der dritten japanischen Armee zurückgeschlagen. Die Stellung der Japaner bei Kwansung ist sehr schwierig. Dieselben Quellen melden das Gerücht von einer Vereinigung der beiden russischen Geschwader vor Port Arthur, ebenso, daß eine Seeschlacht geschlagen worden sei, wobei vier große japanische Schiffe vernichtet seien.
Die Nachricht wird von russischer offiziöser Seite verbreitet, verdient also, obwohl sie aus chinesischer Quelle stammt, iricht ohne weiteres als Märchen angesehen zu werden. Bestätigt Ice sich, so haben die Russen einen sehr großen Erfolg davon- 4 einigen, und Port Arthur ist von der japanischen Gefahr fürs sächsle befreit. Gestern brachten wir eine Nachricht, derzufolge kuropatkin zwei Armeen zur Verfügung habe. Von Paris her lmn aus russischer Quelle die Nachricht, es sei ein großes russisches £>eer unter General Lennewitsch von Wladiwostok die Küste entlang im Anznge, um den Japanern von Korea her in den Rücken zu fallen. Die Nachricht schien uns wenig glaub* würdig, darum gaben wir sie in Kleindruck wieder. Dieser versuch der Entsetzung Port Arthurs hätte eine verzweifelte Aehn- lcchkeit mit dem Marsche Mae Mahons nach Sedan. Immerhin muß irgend etwas von rustischer Seite geschehen sein. Es ist sehr wohl möglich, daß die dort beginnende Regenzeit für die belagernden Japaner bereits verhängnisvoll geworden ist. Sie Urchteten wohl, bald ihr Obdach zu verlieren und schutzlos im Morast liegen zu bleiben, in steter Gefahr, von Epidemien dahin- gerafft zu werden. So nwgen sie besondere Kraft angewendet hoben, um die Festung einzunehmen, und mögen dabei schwer unterlegen sein. Tie nächsten Depeschen werden ja wohl darüber Aufschluß geben.
Frühere Meldungen über die Lage von Port Arthur lauten:
Tokio, 8. Juni. Vier Kanonenboote unternahmen Montag Mitternacht eine sehr genaue Rekognoszierung bei Port Arthur zwecks Untersuchung der Einfahrt. Sie waren einer scharfen Beschießung ausgesetzt, wobei das Kanonenboot Nr. 4 achtmal getroffen wurde und einige Havarie erlitt. Ein Mattose wurde getötet, zwei verwundet. Amtlich wird gemeldet: Die über den angeblichen Untergang des Schlachtschiffs „Schiki- shima" verbreiteten Gerüchte entbehren jeglicher Begründung.
Petersburg, 8. Juni. Ein Telegramm Alexejews vom 7. Ium meldet: Wie Kontreadmiral Witthoeft berichtet, wurde der russische rechte Flügel im Kampf bei Kinschau außer vom Kanonenboot „Bobr" noch von den Torpedobooten „Burni" und „Boiki" wirksam unterstützt. Die Schiffe kehrten darauf nach Port Arthur zurück. Am 26. Mai nachts wurden 10 Torpedoboote ausgesandt, von denen eins auflief und sank. Die Mannschaft wurde gerettet.
Ein zweites Gefecht bei Wafangan.
Inzwischen hat, wie General Sacharo bereits kurz mel- atie (vgl. unsere gestrigen Kriegsmeldungen) am 3. Juni bet Wafangau, dem Schauplatz des Krvalleriegefechts vom 30. Mai, ein neuer Kampf stattgefunden. Das heiße von 1 Uhr mittags bis zum Eintritt der Dunkelheit dauernde Zefecht brachte den Japanern einen Verlust von 60 Toten und 120 Verwundeten, worauf sie nachts znrück- gingen. Auf russischer Seite kämpften vier Bataillone, vier 8o knien und Artillerie unter General Ssamsonow. Sie drängten die Japaner aus dem Dorf hinaus, worauf die russische Artillerie den Kampf mit den GMrgSposittonen des Feindes begann. Für die Russen war der mit einem Lerrlust von 17 Mann erreichte Zweck des Gefechtes die -Feststellung der Stärke des Gegners, der übrigens weitere Triuppen heranzieht.
Der Tod des Kriegskorresporrdenten Etzel.
London, 8. Juni. Wie berichtet wird, wurde der Korre- froi-nbent des „Dailv Telegraph" Etzel, auf Befehl eines Mandarinen getötet.
Weiteres vom Kriegsschauplätze.
Petersburg, 8. Juni. Tie Russische Telegraphenagentur reHlbet aus Mu8)en vorn 8. Juni: Nach hier eingetroffenen siaoittchten beschießt ein aus neun Schiffen bestehendes japanisches Geschwader seit gestern die Küste zwischen ßs.Lniutschen uud Kaitschou.
Paris, 8. Juni. In Petersburg kennt man nun die Ursache der Wiederbesetzung von Niutschwang durch die Russen, welche diesen Platz schon aufgegeben hatten. Alexe- jeto verlangte dringend alles rm April aus Mukden nach Niutschwang geschaffte Material zurück, weil es nördlich von Mukden benötigt wird. Daher verkehren täglich schwere Karren von Niutschwang nach Mukden.
Kuropatkin will nicht!
Wie dem Pariser „Matin" aus Petersburg gemeldet wird, ist dort die Nachricht eingettoffen, daß Kuropatkin sich geweigert hat, den Befehl des Generalstabes zu befolgen und vorwärts zu rücken, mit der Begründung, daß er die Offensive erst ergreifen könne, wenn die ihm versprochenen 400000 Mann um ihn versammelt wären. Er hat den Befehl nicht ausgeführt, ttotzdem ihm angedeutet wurde, daß er damit einem Wunsche des Koffers entsprechen würde, und hat daraufhin gebeten, nach Petersburg zum Rapport befohlen zu werden, um die Situation darlegen zu können.
Wenn die Russen wirklich versuchen wollen, den Krieg gegen Japan vom grünen Tisch aus zu leiten, dann sind sie schon im voraus besiegt. Ob die in der Mandschurei stehende Armee stark genug ist, die Offensive zu ergreifen, kann jedenfalls Kuropatkin besser beurteilen, als die Herren in St. Petersburg,
Im rnfs. Kriegsministerium wird entschieden bestritten, daß General Kuropatkin sein Hauvtauortter nach Norden verlegen will.
Räuber.
Tokio, 8. Juni. Die berittenen Chunchusen- räuberbanden beunruhigen in wachsendem Maße die Russen in der Mandschurei. 2000 Mann bedrohen die Eisenbahn statt on zwischen Mukden und Liarj^ng. Statthalter Alexejew wies den russischen Gesandten in Peking an, die chinesische Regierung zur Unterdrückung dieser Räuberbanden aufzufordern.
Deutsche Industrie.
Düsseldorf, 8. Juni. In dem westlichen Industriegebiet tritt ein Nachlassen des Exportes nach den kriegführenden Staaten, besonders nach Rußland, hauptsächlich in Maschinen imb in verwandten Branchen in Erscheinung. Dagegen ist eine Zunahme des Exportes in Textilwaren konstatierbar, in denen umfangreiche Bestellungen Japans und Rußlands für Winterstoffe eingehen.
Volitische Tagesschau.
Preußische Ministerkrise?
Die „Franks. Oder-Ztg." erfährt „zuverlässig", der Landesdirektor der Provinz Brandenburg, Frhr- v. Manteuffel, ei zum Nachfolger des Ministers des Innern auS- ersehen; Freiherr v. Hammer st ein werde nach dem Herbst z u r ü ck t r e t e n.
Aus den Herrenhausreden des Frhrn. v. Manteuffel und Grafen Mirbach war von agrarischer Seite mit Recht der Schluß gezogen worden, sie seien „ein Beweis für den Willen der konservativen Pattei in Preußen, der jetzigen Wirt- chaftspolitik nunmehr ernsthaft entgegen- 5 utreten", so hatte wörtlich die „Agrar-Korresp." sich aus- gedrückt. Darauf aber hatte das amtliche Organ der Partei, die „Kons. Korresp.", erwidert: „Von einem Vorstoß der konservativen Pattei und von deren Willen, „der jetzigen Wittschaftspolitik nunmehr ernsthaft entgegenzutreten", kann nach dem klaren Wortlaut der Debatte keine Rede sein." Darauf erwiderte die „Agrar-Korresp.": Danach stehe man vor der an sich unbegreiflichen Tatsache: die Führer der konservativen Partei ettennen zwar und tadeln scharf die Fehler und Schäden der heutigen Wittschaftspolitik der Regierung (Beweis ihre Herrenhausreden); sie verneinen aber trotzdem ausdrücklich die Absicht, „dieser schädlichen Wittschaftspolitik nunmehr ernsthaft entgegenzutreten". Der Reichskanzler Graf Bülow werde von dieser Feststellung befriedigt Kenntnis genommen haben. Es könne also alles beim alten bleiben.
Auf diese Bemerkung der „Agrar-Korrelp." hat die „Kons. Korresp." bisher nicht geantwottet. Man kann also darauf schließen, daß die preußischen Herren mit dem Grafen Bülow zufrieden sind und daß jene Herrenhausreden sich gegen den Frhrn. v. Hammer st ein richteten. Wenn jetzt da§ Gerücht auftaucht, daß Frhr. v. Hammerstein durch seinen Gegner, den Frhrn. v. Manteuffel, werde ersetzt werden, so hat das etwas für sich. Jedenfalls ist den einflußreichen preußischen Herren das reaktionäre Regiment des jetzigen Ministers des Innern noch nicht reaktionär genug, und es ist wohl möglich, daß ihm ein noch schrofferer Reaktionär zum Nachfolger gegeben werden wird.
Ein Berliner Mitarbeiter schreibt uns:
Das Gerücht hat insofern Wahrscheinlichkeit, als Frhr. v. Hammerstein offensichtlich leidend ist. Im übrigen gilt Frhr. v. Manteuffel als persona gratissima bei Hofe. Als preußischer Minister des Innern würde Herr o. Manteuffel freilich nur in bescheidenem Maße Gelegenheit haben, seinerseits den „starken Mann" zu spielen, nach dem er sich sehnt. Er würde höchstens noch inn eine Nummer „preußischer" regieren als Frhr. v. Hammerstein. Ganz anders aber läßt sich die Sache an, wenn man in der Ernennung des Frhrn. v. Manteuffel zum preußischen Minister die Vorstufe zur Berufung in das höchste Negierungsamt sehen müßte. Einstweilen heißt es, „den Minister abwarten".
Feindliche Brüder.
Es ist ein offenes Ge^inmis, daß zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn nicht alles so steht, wie es bei Verbündeten sein sollte. Ueberraschen muß gleichwohl das unverhüllte Mißtra uen, das man in Italien dem Bundesgenossen gegenüber hegt. Da hat vor einigen Tagen
die österreich-ungarische Regierung vei ihren Neuforderunaen, für Wehrzwe cke 120 Millionen für den Ausbau der Kriegsmarine verlangt und bewilligt erhalten. Das poli-i tische Vertragsverhältnis hindert die Italiener nicht, diesen Vorgang als gegen sie gettchtet zu betrachten, und wenn ettvas vor Ueberschätzung der Bedeutung des Dreibundes zu warnen geeignet ist, dann sicherlich der Umstand, daß in Italien die Rüstung gegen Oesterreich-Ungarn eine hervorragende Rolle auf wehrpolitischem Gebiet spielt. Für die Notwendigkeit dieser Rüstung tritt heute nicht nur der Abenteurer Garibaldi mit seinem Anhang ein: ernsthafte Politiker, ja sogar der Minister sind von ihr überzeugt, und besonders der Chef der Marineverwaltung, Admiral Mira> bello, braucht nicht zu fürchten, mit weitgehenden Forderungen im Parlament abgewiesen zu werden, wenn er auf die Marine Oesterreich-Ungarns sich bezieht. Es ist allerdings nicht zu übersehen, daß die Kriegsflotte Italiens an Gefechtswert derjenigen Oesterreich-Ungarns nachsteht, wenn sie sie auch an Schiffszahl übertrifft. Nur ein Teil der italienischen Kriegsschiffe darf als seetüchttg gelten. Es ist eben mit den vom Parlament für Marinezwecke bewilligten Summen in der unsinnigsten Weise gewirtschaftet worden. Wen die Schuld trifft, das wird die parlamentarische Untersuchungskommiffwn, bte ietzt ihre Arbeiten begonnen hat, ermitteln. Oesterreichs Ungarn hingegen hat mit seinem bescheideneren Marine- budget vortrefflich Haus gehalten. Es verfügt über einen aktionstüchtigen Bestand an Kriegsfahrzeugen und zudem über ein besser durchgebildetes Seeoffizierkorps und Mann- schaftspersonal. Wenn es heute zu einem Zusammenstoß' zur See zwischen Italien und Oesterreich-Ungarn käme, er würde zweifellos für ersteres ungünstig enden, zu einem zweiten Lissa werden. Italien ist bestrebt, solchem Ausganz vorzubeugen, eben weil es die Möglichkeit eines Konfliktes mit dem Bundesgenossen im Auge hat.
per Kontraktvruch der Handarbeiter im preuß. Abgeordnetenhause.
Im Abgeordnetenhanse bettet mim am Mittwoch über bett Gesetzentwurf bctr. die Erschwerung des Kontraktbruchs landwirtschaftlicher Arbeiter und des Gesindes.
Abg. Wolff - Lissa (Fr. Vpt): Tas Gesetz will in seinem wesentlichen Paragraphen 1 drei Kategotten von Personen unter Strafe stellen. Den Arbeitgeber, der wissentlich ober fahrlässig kontraktbrüchige Arbeiter in seinen Dienst nimmt, den Vermittlern, der solchen Arbeitern ein neues Dienstverhältnis nachwttst und den Agenten, der zum widerrechtlichen Verlassen oder Nichtantreten des neuen Dienstes anreizt. Keine Bestimmung der Reichsgefetz- gebung bezeichnet ein derattiges Veralten als einen so schweren sittlichen Fehler, wie diese Begründung es tut. Eine zeitliche Begrenzung für die Verjährung des Kontraktbruches ist in der Vorlage überhaupt nicht enthalten. Der Arbeitgeber soll die „erforderliche Sorgfalt" anwenden. Das ist eine sehr dehnbare Bestimmung. Auch die Verleitung zum Konttaktbruch, die in bester Msicht erfolgt, ist unter Strafe gestellt, nicht nur die gewinnsüchtige. Damtt beseitige man den letzten Rest von Koalitionsfreiheit der Arbeiter. Man wolle mehr Arbeiter der Landwirtschaft zuführen, sie wahrend des Kontraktes an die Sckwllc fesseln. Aber wenn man das landwirtschaftliche Gewerbe so hcritntettetze, werde mindestens jeder tüchtige Arbetter in die Stadt ziehen und sich der Industrie zuwenden. Daher sei seine Pattei nicht in der Sage, dem Gesetze ihre Zustimmung zu gebew
Landwittschaftsminister v. Podbielski: Die Verhältniffe der großen Städte können unmöglich auf unsere einfachen I3ni* lichen Verhältnisse Anwendung finden. In der Jndusttte arbttten die Leute vielfach mit täglicher Kündigung, der Landwitt hat bei jedem Engagement bedeutende Ausgaben für Reffevergütung, Mietgeld und Vermittlungsprovffiort. Für die wenigen Tage der Ernte kann nun natürlich ein Nachbarbesitzer leicht dreifachen Lohn bieten. Seine Vermittler locken die Leute im Krug an, und am nächsten Morgen hat der Bauer niemand mehr. Gegen solche Vermittler müssen wir einschreiten. Die gesetzlic^n Bedenken, halte ich nicht für durchschlagend. Das Gesetz soll hauptsächlich die Saisonarbeiter treffen, Leute, die gar nicht einmal unserem Vaterlande an gehören und sich bei der Unkenntnis unserer gesetzlichen Verhältnisse leicht verlocken lassen. Was man hier im Gesetz behandle, unterliegt durchaus der preußischen Zuständigkeit. Tas Gesetz trifft wahrhaftig nur die v agieren de Bevölkerung, die ohne jedes Verantwortlichkeitsgefühl den Dienst verläßt. Er bitte, dem Gesetzentwutt Zustimmung »u geben.
R ei n e ck e (Fkr.): Als alter Praktikus Foime er dir Auffassung Wolffs nicht teilen. Den Arbeitern wolle man nicht schaden, sondern sie im GegeMeil vor der Versuchung bewahren.
Abg G oldschmidt (Fr. Vpt): Die Regierung hat früher dre Ansicht Oertreten, daß eine solche gesetzliche Bestrafung des Kontraktbruchs gegen das Reichsgesetz verstos-e. Damals ftihtte man vom Regierungstisch aus, daß eine solche Bestrafung einen vermehrten Abfluß der ländlichen Arbeiter in die Industrie zur Folge haben würde. Der jetzige Entwurf enthält schwere Ver- itoße gegen die im Paragraphen 1 der Gewerbeordnung gewähr- leistete Gewerbefreiheit, gegen die Paragraphen 34 und 38 der Gewerbeordnung. Alle Arbeiter von der Sozialdemokratie bis 8U den Konservativen fordern mit der größten Entschiedenheit die Mlehnung dieses Gesetzentwurfes. Nun hat der Landwittschaftsminister gemeint, man wolle nur die ausländischen Saisonarbeiter treffen. Warum sage man es nicht im Gesetz? Die schuld aber an dem vorliegenden Gesetzentwutt trage das Zentrum. Sein Redner hat den Minister stimuliett, diese Vorlage auszuarbeiten. Das Gesetz verdiene eigentlich keine Kommissionsberatung, Ablehnung ohne Kommffsionsberatung wäre das verdiente Schicksal.
Minister Dr. Schönstedt: Warum diese Vorlage gegen die Bettassung verstoßen solle, hätte Herr Goldschmidt nicht ausgeführt. Die Neichsgewerbeordnung ist kein Teil der Reickss- vettassung und aus ifrr kömie die verfassungsmäßige Unzulässigkeit eines Gesetzes nicht deduziert werden. Es handelt sich um eine strafrcchtkfibe Frage, die im ReiclMrafgesetzbuch nicht geregelt ist und deshalb der Landesgesetzgebung unterliegt
Abg. Herold (Ztr.): Man wolle auch den Landarbeitern das Koalitionsrecht nicht verweigern, wenn auch die Verhältnisse in der Landwirffchaft wesentlich anders liegen und die Schädigungen durch einen Streik viel größer sind. Dieser Entwutt be*
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