habe? Wenn Liebknecht diese Fälschung aufgedeckt Bai, Jo hat er damit nur eine patriotische Pflicht erfiM. (Lachen rechts.) Alles, was wir tun. geschieht aus Liebe zum Vaterland. f-Lchallendes Gelächter.) Sie (nach rechts) aber, Sie diskreditieren das Vaterland, indem Sie die elenden Zustände desselben aufrecht erhalten wollen, diese elende PolizeiwirtschaN, die außer Rußland keinen europäischen Staat schändet! (Unruhe und Gelächter rechts.) Ter .Kriegsminister sagte gestern, selbst wenn die Mehrheit des deutschen Volkes andere Zustände herbeiführen wollte, so würden sich die, die jetzt an der Macht sind, nicht fügen! Das heißt doch offener Widerstand gegen die Verfassung, das ist die Proklamierung des Staatsstreiches! Aber glauben Sie, daß das deutsche Volk nicht Mann genug sein wird, sich einer Coterie von Junkern und eines Paars von Gamaschenknöpfen zu erwehren? sZuruf rechts: Wann wird denn das sein?) Ja. das kann man so genau nicht sagen! (Große Heiterkeit.) Sie dürfen doch die Mehrheit des deutschen Volkes nicht niedriger einschätzen, als sich selbst! Herr von Riepenhausen hat gestern gesagt: „Wir brauchen starke Manner! Na also, wenn Herr von Einem einmal auf seiner klapprigen Rostnante gegen uns aufrückt, hat er wenigstens Herrn von Riepenhausen als Schildknappen hinter sich! (Heiterkeit.)
Mein Parteigenosse Gradnauer hat den Ausspruch des Kriegs- Ministers, baß der Offizier die Blüte der Nation sein, gebührend zurückgewiejen. Nach dem Bericht einiger Blätter hat der Kriegsminister sich so geäußert. Jetzt steht im Stenogramm: „Die Offiziere sind die Führer des Volkes i n W a f f e n I" Also, Herr von Einem, Sie haben das Stenogramm geändert! (Der Kriegsminister nickt.) Sie geben das also zu! Ich stelle das fest. Also auch Sie haben, wie seinerzeit der Kriegsminister, einen „falschen Zungenschlag" gehabt, (von Einem ruft: Nein. nein!). Ich muß diese Aenderung im Stenogramm feststellen. Tenn jetzt erscheint unser Widerspruch ganz sinnlos! Daraus mache ich übrigens dem Kriegsminister keinen Vorwurf. (Große Heiterkeit.) Redner ergeht sich im Rest seiner Rede in Auseinandersetzungen über die patriotische und revoluttonäre Gesinnung der Sozialdemokratie. (Beifall bei den Sozialdemokraten.)
Sächs. Bevollmächttgter Oberstleutnant Krug zu Mdda bestätigt eine Mitteilung, die der Abg. Bebel vorgebracht haben soll, daß in einer sächsischen Garnison eine Schlägerei stattgefunden habe, bestreitet aber die weitere Behauptung des Abg. Bebel, daß dieser Vorfall mit einem Mädchen im Zusammenhang stehe, und daß ein Leutnant dabei beteiligt gewesen sei. Das ganze Gerücht stelle sich dar als verlogener Stmnmtischklatsch. Gegen die Verbreiter desselben werde Strafantrag gestellt werden. Eine Geschichte, die von A bis Z erstunken und erlogen sei, werde geglaubt, und insonderheit von der Partei, die die Intelligenz für sich ge- vachtct habe. (Heiterkeit.)
Abg. Müllcr-Meiningen (frei). Vp.): Es läßt sich doch nicht leugnen, daß der Erlaß des Erbprinzen von Meiningen gegen dre Soldatenmißhandlungen zurückgenommen ist. Hierdurch wurde der Erbprinz in starker Weise desavouiert; daß er Armee-Inspekteur wurde, war doch nur eine Salbe auf die Wunde. Es ist bedauerlich, daß man gerade gegen d * e so vorgeht, die es wirklich ernst mit der Bekämpfung der Mißhandlungen meinen. In Bayern kommen nicht so viele Mißhandlungen vor, weil der bayerische Offizier aus einer höheren Bildungsstufe steht (Lachen rechts), und weil wir in Bayern nicht so viele adlig. Offiziere haben. (Lachen rechts.) Auch haben wir in Bayern seit Jahrzehnten schon das öffentliche Verfahren im Militärstrafprozeß. In Preußen hatten wir auch weniger Mißhandlungen, wenn man dort ebenso scharf dagegen vorgegangen wäre, wie in Bayern. (Lärm rechts, Zuruf: Bleiben Sie dcch in Meiningen!) Wenn es der Militärverwaltung ernst wäre mir der Bekämpfung der Sozialdemokratie, müßte sie nicht so viel Reklame für sie machen, und nicht durch so viese kleine Nadelstiche den Anschein erwecken, als ob die Sozialdemokraten Märtyrer wären. Bedauerlicherweise hat der Minister auf meinen Freund Eickhoff nicht geantwortet. Doch will ich darüber den Mantel der christlichen Liebe decken. Die Mißstimmung unter den bürgerlichen Offizieren über die fo-twährcnden Uniformänderungen ist eine sehr tiefgehende. Dies spiegelt sich auch in der Presse wieder. Selbst die „National-Zeitung" stellt sich in einen scharfen Gegensatz zu dem Frattionsredner Dr. Beumer. Der Kriegsmimster hat mir das Maß eines Leutnantskoffers geschickt, ich bin zu Gegendiensten gern bereit und will dem Minister gern den Rucksack zeigen, mit dem ich zu reisen pflege; da kriegt der Minister auch nicht hinein, womtt er reist. (Heiterkeit.)
Kriegsminister von Einem: Als ich zum ersten Male von dem Erbprinzen von Meiningen sprach, da habe ich nur gesagt, ich lehne es entschieden ab, mich hierüber ausführlich zu äußern, da dies ausschließlich Sadje des Kaisers, des allerhöchsten Kriegsherrn, ist. Herr Dr. Müller har bjnn gesagt, der Erbprinz von Sachsen Meiningen sei entlassen worben, weil er einen Erlaß gegen bie Solbatenmitzhandlungen erlaßen habe. Das ist geradezu eine Be- schulbigung ber allerhöchsten Stelle, als ob S. M. nicht selbst mit aller Entschiedenhci: geg'n bie Mißhandlungen aufgetreten feil Unb überhaupt. Wo icHt? es hirkommen, baß, wenn S. M. einen General anstellk ober verab'ckicder, hier lauge Erörterungen Darüber gepflogen werden. Tas Darf unter feinen Umständen gc schehen, unb das mutz ich entschieden ablehnen. (Beifall rechts.)
Ferner: Wie kommt — nach der Mitteilung des Abg. Müller — ein bayerischer Anklagevertreter dazu, zum Angeklagten zu sagen: „Sie haben tooL den Geist der preußischen Garbefüsiliere mitgebracht?" Woher kennt er benn diesen Geist? Tas ist eine Beleidigung der preuß'scken Armee! Ich werde mich noch danach erkundigen und die Sache untersuchen lasten.
Her Dr. Müller hat gesagt, ein Offizier hätte ihm von ber Bevorzugung bes Adels in der Armee geschrieben. Tas ist mir vollständig schleierhaft, wie ein Offizier so etwas schreiben kann! Sehen Sie doch die Rangliste an! Ta finden Sie in den höchsten Stellen eine Reihe vorzüglicher Bürgerlicher!
Es ist auch gesagt worden, daß hier noch nie eine so scharfe .Kritik geübt wurde wie jetzt. Tas ist aber falsch, denn mit Aus nähme bet Sozialdemokraten haben mir alle Parteien ihr Vertrauen ausgebrückt. Der Abg. Müller hat mir fortgesetzt Worte in ben Munb gelegt, die ich nie gesagt habe. Ich habe in keiner Weise von dem „liberalen Bürgertum" gesprochen, sondern nur von einer kosmopolitisch angehauchten Bevölkerung, und dazu gehören alle. Ich habe mich auch mit Geschickte beschäftigt und viel gelesen, wenn ick auch nickt so geschichtskundig bin Ivie der Abg. Tr. Sattler. Ich habe auch nur gesagt, daß ber Zusammenbruch 1806 erfolgte weil ber garne Staat von der Regierung an versumpft war (hört, hört!), unb weil man bte Bevölkerung nicht in bem Maße, bas nötig war, an ber Regierung tcilnehmen ließ! (Hört, hört! unb Bewegung.)
Weiter habe ich nichts gesagt, bas Wort „liberales Bürgertum" habe ick überhaupt nicht in ben Mund genommen. Ick finbe es überhaupt unerhört, wenn jeder, dem eine Parade nicht gefällt, sich hinstellt unb sagt: Unsere Armee ist auf bem Wege nach Jena! Gegen ein solches Verfahren muß ick entschieden protestteren. Der Abg. Müller hat dann neulich von Gigerl-Leutnants unb von den Garbekavallerie-Offizieren gesprochen, deren einzige Tätigkeit im Säbelrasteln bestehen soll. Was weiß benn ber Dr. Müller davon! Wenn er eine Ahnung von dem schweren Dienst bei der Garde-Kavallerie hätte, würde er so etwas nicht sagen. Gigerl-Leutnants gibt es nicht, wenn ein Leutnant in unvorschriftsmäßiger Uniform erscheint, wird er bestraft. Punktum I Das habe ich neulich schon gesagt. Nun wird so viel von den bunten Uniformen bei ber Kavallerie gesprochen. Unsinn! Die Mehrzahl unserer Kavallerie sinb blaue Dragoner. Wir haben nur zwei — brei rote Husarenregimenter. Auch die Tätigkeit des Militärkabinetts ist hier krittsiert worden, man hat sogar gesagt, ich wäre nur so lange Minister, bis mir das Militärkabinett feinen Strich durch die Rechnung machte. Die Herren, die das gesagt haben, kennen das Militärkabinett nickt., Das Militärkabinett ist keine Behörde, sondern nur eine Kanzlei, durch die die kaiserlichen Handschreiben befördert werden. Mir hat es nie Schwierigkeiten in den Weg gelegt und wird es nie tun. Tann hat ber Abg. Dr. Müller gesagt, wenn es so weiter ginge, würde das Schreckge venst erscheinen, daß wir auch sozialdemokrattsche Offiziere hätten. (Abg. Dr. Müller ruft: Das habe ich gar nicht gesagt!) Na, das freut mich, ich nehme mit großem Vergnügen davon Kenntnis. Im übrigen bitte ick Sie, mir Ihr Wohlwollen zu erhalten, würde mich sehr geehrt fühlen. (Große Heiterkeit, Beifall rechts.)
Abg. Schwärze-Lippstadt (Zentr.) hat Vertrauen zur Militär- verwaltting, ist aber unverständlich.
Abg. Stöcker fb. k. Fr.): Eine Kritik darf nicht schmähsüchtig sein, sonst schadet sie nur ber Sache selbst. Und nur Sachkundige haben das Recht, zu krittsieren. Was versteht denn Herr Bebel von der Armee? Haben Sie denn nebient, Herr Bebel? (Abg. Bebel: Haben Sie benn gedient?) Ich habe drei Jahre gedient, als Militärpfarrer. (Zuruf: „Und ich saß auf dem Bagagewagen I" Heiterkeit.) Ich verstehe etwas davon. Aber was soll denn der Kriegsminister machen mit ein-, zwei-, dreistündigen Reden von Leuten, die nichts verstehen? (Heiterkeit.) Unser Heeres- systern ist bas benfbar beste der Welt. Es ist geboren in der schwersten Stunde unserer Geschichte, in den Befreiungskriegen! Mir ist ein tapferer preußischer Leutnant lieber, als der große Goethe, wenn er sich fürcktet vor Napoleon. (Gelächter links.) Was Sie (zu den Sozialdemokraten) von einer „freiwilligen Disziplin" reden, das ist der einfache Unsinn. Tie Disziplin ist eine Ordnung, sie beruht auf Unterordnung des einen unter den andern. Welche Disziplin meinen Sie denn? Etwa die auf dem Dresdener Parteitage (Lachen bei den Sozialdemokraten), wo Herr Singer sagen mußte: „Benehmen Sie sich nicht wie die Schulbuben!", und wo Klara Zetkin rufen konnte: „Sie reden altes Weibergeschwätz!"? (Große Heiterkeit rechts, Unruhe bei den Sozialdemokraten.) Ja können Sie sich denken, daß im preußischen Heere plötzlich einer kommt und sagen soll: „Ihr benehmt Euch wie die Schulbuben, wie die Buben in der Judenschule" (große Heiterkeit), oder daß plötzlich eine Weibsperson käme unb rufen könnte: „Das ist altes Weibergeschwätz!" (Große Heiterkeit.) Sie sollten sich an ben Kopf fassen, wenn Sie so etwas reben.
Herr Ledebour hat Weber von dem Wesen des Heeres, noch von dem Wesen des Vaterlandes irgend welchen klaren Begriff! Wenn Sie unter Patriotismus Liebe zum ganzen Volk verstehen, so haben Sie sicher feinen Patriotismus. Denn in Dresden haben Sic einem großen Tyeil des Volles Todseindschast erklärt. Sic verstehen überhaupt nichts vom Patriotismus, beim Sie sind durch und durch ungeichichttiche Menschen. (Gelachter bei den Soz.),
Eintagsfliegen, heute geboren, morgen gestorben. Ich habe früher die Arbeiterbewegung für etwas Kulturelles angesehen. Seit dem Dresdener Parteitag (Große Unruhe bei ben Soz.) kann ich das nickt mehr. Unb so geht es vielen anberen. Ein amerikaniscker Sozialdemokrat hat hier öffentlich erklärt: „Der Parteitag in Dresden ist eine Schande." Große Unruhe unb viele Zurufe bei ben Sozialdemokraten.) Präs. Graf Ballestrem: „Ick bitte nicht zu unterbrechen! Sie (zu den Sozialdemokraten) sprechen ja auch — und lange genug!" Große Heiterkeit). Nur dumme Menschen können glauben, daß Sie den Kapitalismus vernichten wollen. Sie gehen ja mit den Juden durch Dick un* Dünn. (Gelächter bei den Sozialdemokraten.)
Das Bündnis zwischen Judentum unb Sozialdemokratie ist ja jetzt offenbar Herr von Liebermann hat ja neulich selber hier einen Aufruf des Zentralverbandcs der Juden vorgelescn, worin sie auffordern, für den Sozialdemokraten einzutreten. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: „Wo?") In Eschwege-Schmalkalden, unt wie hier in Berlin I Juden unD Sozialdemokraten zusammen' gehen, wie in der unerhörtesten Wette das Judentum für bie Sozialdemokratie eintritt, das weiß nun nachgerade jedes Kind Können Sie uns verdenken, wenn wir die Sozialdemokraten ver« bünbet mit bem Jubenturn für eine große Gefahr halten? (Große Unruhe bei den Sozialdemokraten. Abg. Hoffmann ruft: Ihr Heiland war auch ein Jude. Große Unruhe. Abg. Stöcker Hai den Zuruf nicht verstanden. Abg. Liebermann von Sonnenberg legt einen Zettel auf das Rednerpult, von dem ber Abg. Stöcker offenbar ben Ausspruch abliest.) Redner wenbet sich jetzt^zum Abg Hoffmann und ruft: Der Heiland war ein Jude, sagen Sie? DaZ ist nicht wahr. Der Heiland war nicht ein Jude, sondern des Menschen Sohn. (Großer Lärm unb Heiterkeit bei den Sozial- bemofraten. Viele Zwischenrufe, bie in der allgemeinen Aufregung verloren gehen. Glocke des Präsidenten^)
Präsident Graf Ballcstrcm erhebt sich zornrot unb ruft: Meine Herren! Die Zurufe fangen an, so zu werden, daß sie als Blasphemie zu bezeichnen sinb. (Lebhafter Beifall rechts und im Zentrum.) Wir sind hier in ber Uebcrzahl, in ber übergroßen Überzahl Christen, gläubige Christen (lebhafter Beifall), wir lasten uns unsere Religion nickt verhöhnen. (Erneuter lebhafter Beifall.)
Abg. Stöcker (fortfahrenb): Tic Freisinnigen wollen, baß den Soldaten nicht ein Beschwerderecht, sondern eine Beschwerdepflicht zu stehe. Aber das würde den Geist der Armee vollständig korrumpieren. Unrichtig ist es, daß der Adel in der Armee bevorzugt werde. Richtig ist nur, daß die Zahl ber abltgen Regimenter sich vermehrt, bas bedauere ich auch. Das blanke Schild hat die Armee nicht verloren, aber Flecke hat es beiommen, der Herero Cain war ein solcher. Vielleicht wird auf die Träger vornehmer Namen zu viel Rücksicht genommen. Aber das ist die Schuld von Personen, das System hat nicht die Schuld. Auch Forbach war ein solcher Fleck. Mer bie Sozialdemokraten haben kein Recht, sich darüber aufzuhalten. Herr Bebel schreibt in seinem Buch „Die Frau" als sein Ideal: „Die Befriedigung des Geschlechtstriebes ist ebenso jedes einzelnen persönliche Sache, wie die Befriedigung jedes anderen Naturtriebes!" Hier wird das Geschlechtliche losgelöst von jeder Sittlichkeit. Wer so das Tierische zum Prinzip erhebt, der hat kein Recht, sich über geschlechtliche Exzesse, über Ehebrüche usw. aufzuregen. Das sind bann nur bie Konsequenzen Ihrer Schreibereien! (Lachen bei ben Sozialdemokraten.) Redner verliest noch einige weitere Zitate aus Bebels Buch. Wer solche Dinge verherrlicht, solche Schweineliebe, ber darf nicht wie Pilatus seine Hände in Unschuld waschen. Das Buch von Baudissin ist ein Schmutzbuch. Wenn auch nur ein Drittel davon wahr ist, sagt Herr Bebel (Wg. Bebel ruft: Das hab ich gar nicht gesagt. Sie fälschen meine Worte!), wenn Herr Bebel also solche Dinge für wahr hält, bann hat er die Pflicht, die Sache zu untersuchen. Also bilden Sie eine Kommission und stellen Sie Herrn Singer an die Spitze. (Stürmische Heiterkeft.) Die beklagenswerten Mißhandlungen rühren meistens nur daher, weil jungen Leuten ein zu großes Maß von Autorität gewährt wird. Auch bei Streiks kommen Mißhandlungen vor und gar nicht wenige. Daran ist doch nicht das militärische System schuld. (Beffall rechts.)
Abg. Krösell (Antis.): Wenn Herr Ledebour von Herrn von Riepenhausen als Schildknappen des Herrn von Einem verächtlich reden zu können glaubte, so kann ich ihm nur sagen, ich sehe noch die Zeit kommen, wo unser deuffches Bürgertum, Handwerker und Bauern hinter den Herren von Einem und von Riepenhausen als getreues Fußvolk marschieren, um unsere heiligsten Güter zu schützen. (Lacken bei dcn Sozialdemokraten.) Es war ein großer Moment in Der Weltgeschichte, als ein preußischer König das Wort „Subordination" erfand. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Das deutsche Volk wird sich den Patriotismus, die Liebe zum Könige nicht durch die Angriffe der Sozialdemokratie aus dem Herzen reißen lassen. (Lachen bei ben Sozialbemokraten.) Die beste Schule für unser beut- sches Volk ist bie Armee. Rebner befürwortet im übrigen einkräftige, gesunbe Mittelstanbspolitik in ber Heeresverwaltung.
Die Weiterberatung wird hierauf auf Mittwoch 1 Uhr vertagt.
Schluß 6% Uhr^
Die großen TscheH.'nkuudgeliungcn.
Ter ostasiatifche Krieg wird in Prag zur Veranlassung, Tschechen und Teutsche wieder aufs heftigste gegeneinander aufzubringen. Tie „91. Fr. Pc." erfährt aus Prag über die von uns. bereits kurz erwähnte am Sonntag dort veranstaltete tschechische Kundgebung noch folgendes: Tie Tschechen, die nach den Bittgottesdiensten für Rußland aus den Kirchen zusammengeströmt waren, zählten nach Tausenden; trotzdem setzten die deutschen Studenten ihren Bummel auf dem Graben durch und beantworteten das tschechische «chimpflied „Hrom a peklo" (Donner und Hölle) mit der Wacht am Rhein. Ter deutschje Universitätslehrer und die deutschen Professoren hielten ihn Teutschen Hause ermutigende Ansprachen an die Couleurstudenten. Mehr als lausend Schutzleute sowie ein Bataillon Jäger und eine Eskadron .Husaren waren aufgeboten worden.
Weiter lesen wir in Prager Blättern: Ter Rektor Rahl, ein Schwiegersohn Virchows, hatte vor der Eröffnung des Bummels die Studenten ermahnt, mannhaft die Rechte des Teutschtums zu wahren, denn alle deutschen Augen Oesterreichs blickten auf sie. Um 11 Uhr war der Graben ein Schauplatz wüster Szenen. Viele taufend Menschen betrachteten das Schauspiel und nahmen Partei für die deutsche« oder tschechischen Studenten. Tie Prügelei wurde allgemein. Ten Tschechen gelang es, einzelne Teutsche aus der Menge herauszureißen, die dann stark geprügelt wurden. Tie deutschen Studenten, etwa 300 an der Zahl, bildeten ums deutsche Kasino einen Kordon, doch sammelten sich die Tschechen gerade dort und fangen die Hrome Peklomelo die mit einem untergelegten Text: „So lange die Russen mit uns find, fürchten wir keine Deutschen." Um 2 Uhr nachmittags war Ruhe. Tie deutschen Studenten hielten dann einen Frühschoppen ab, wozu sie Rektor Hosrat Rahl einluden, der den ganzen Auftritt am Graben mitgemacht hatte.
Rach Absingung der „Wacht am ^ihein" hielt der Rektor eine Rede, welche in dem Satze kulminierte: „Farbe tragen — heißt Farbe bekennen!" Die Prager „Bohemia", die ein Freund dem „Gieß. Anz." zugeschickt hat, bemerkt dazu: „Wenn einer das nicht begreift, dann hat er nicht das Recht, sich einen Teutschen zu nennen.
Viel besser atv ein solcher wissen die Macher der Straßenunruhen die Bedeutung des Eouleurbummels zu würdigen und d arum kehrt sich diese unablässige wühlende Agitation gegen die deutschen Studenten, die aus ganz Teutschböhmen nach Prag kommen, um hier unter den größten Opfern den Bestand der deutschen Hochschulen gegen den feindlichen Ansturm zu sichern und zu verteidigen. Und deshalb steht auch ganz Teutschböhmen hinter der akademischen Jugend Prags, wie ja jeder Tag Kundgebungen deutscher Stadt- gemeiiiden bringt, die ben unbedingten Schutz der Staatsbehörden für die deutschen Studenten fordern."
Der Rektor der Universität Wien erließ eine Kundgebung an (Die Studenten, in welcher er seine Entrüstung über die Vorgänge in Prag und feine Sympathien für die deutsche Studenten)chaft von Prag aus- drückt und den letzteren für ihre würdige Haltung seine Anerkennung zollt. Er drückt ferner die Hoffnung aus, daß die deutsche Studentenschaft auch weiter in ihrer klugen Haltung verharren werde.
Im Einlaufe des öfterr. Abgeordnetenhauses befinden sich mehrere tschechische Dringlichkeitsanträge, darunter einer von Bromowsky betreffend bie Studenten- bemonftxationen in Prag, sowie ein Dringlichkeitsantrag Paeak, betreffend Besetzung ber richterlichen Posten in Böhmen und Mähren mit sprachlich qualifizierten Beamten. Unter den Interpellanten befinden sich Abgeordnete aller Partei)chattierungeu, bie unter Bezugnahme auf die Unruhen in Prag unb bie Behandlung der dortigen Hochschule fragen, welche Vorkehrungen die Regierung zu treffen gedenke, um in Böhmen die Ausübung des Staatsbürgerrechts und die Studentenschaft in Prag vor Angriffen zu schützen, ob der Ministerpräsident die Anstifter der brutalen Vorfälle in Prag bestrafen unb ,Vor- Lehrungeu treffen wolle, damit solche Vorfälle sich nicht wiederholen. In gleicher Angelegenheit interpelliert der Jungtscheche Bromowsly. Er fragt, ob ber Ministerpräsident dao Vorgehen der Prager Polizei bei der Studenten- demonstraiiou rechtfertigen könne. Der radikale tschechische 'jibg. Baxa fragt an, ob ber Ministerpräsident geneigt sei, bie Provokationen ber deutschen Studentenschaft zu beseitigen und die Regieclingsorgane anfznfordern, den auti- bohmischen Demonjtrationen em rasches Ende zu bereiten.
KarlauunLLnsches.
Berlin, 8. März. Die W ah l prü fun gs kom» Mission des Reichstages erklärte zum zweiten Male die Wahl des Abg. Braun (Soz.) in dem Wahlkreise Frankfurt 4 (Lebus) für un gütig.
— Die Budgetkommission des Reichstages strich bei dem Marineetat auf Antrag Thimeseld (Btc.) einen Betriebsdirektor, vier Bauinfpektoren und eine Reihe anderer technischer Beamter. Im Lause ber Debatte wies Staatssekretär v. Tirpitz auf die Notwendigkeit der Bewilligung hin im Interesse einer sorgfältigen Ausführung der Arbeiten.
Vermischte».
* Berlin, 8. März. Hugo Brendel, Regierung s r a t bei dem Reichisversrcherungsamte, Rittmeister der Reserve, Beteiligter des Bankhauses Brendel & Eo., das durch die Veruntreuungen des gestern verhafteten Prokuristen Reinhard insolvent geworden ist, nahm sich heute im Gebäude des Bankhauses in geistiger Umnachtung durch einen Sturz aus dem Fenster das Leben. Er hatte versucht, die Angelegenheit des Bankhauses zu regulieren, war aber von den geschädigten Depotinhabern des Bankhauses bestürmt worden und in Verzweiflung geraten. _____________
Kerichtsjaai.
t. Gießen, 9. März. (Schöffengericht.) In der Prioat- beleidigungsklage des Obersten a. D. Spohr gegen den Redakteur der Rhein. Westph. Ztg. Dr. Trabert in Esten verkündete der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Gebhardt, gestern das Urteil. De: Privätbeklagte wird wegen formaler Beleidigung mit einer Geld- strafe von 60 9)1 f., ev. 12 Tagen Gefängnis, bestraft. Das Urteil fußt am der Begründung des Antrages des Klägers, er sei es sich in Rücksicht auf seine militärische Stellung schuldig, im vorliegenden Falle eine Verurteilung des Redakteurs herbeizusuhren. Die Beleidigung wurde darin gesunden, daß in der Rhein. Westph. Ztg. die Rede gewesen war von „unverschämter Lügenreklam eines Naturarztes".
Familien Nachrichten.
Gestorben: In Hannover Professor Alexander Büchner- Casn.
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lieber bie A bes Großh. SSoftl erste Ausschu
Tie Regimn an Nebersicktlichs des Hoftheaters i den ernsten G deit ein baldig die Stadt Darm st. B » Mark für Mark, oefri kÜ -uadrc erwerben, daaeae 6.-1000 Mark um LW die früh ^^randert, r Mulgelandes k?dt erfolgt eri
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Der Korresp Wladiwostok Kommandanten bet Garnison un unb die Glück erhaltenen M ung des Kaiser- Körper b ’ FH werden. Tie m von Garnison u
Nach in Tc Russen seitens Ändschu unb sta n d geleistet, von Wladiwosto schwader in t Schiffe gestoße habe.
Aus Petersl Marine bewahrt wegungen ber ri
Reuter meld Kriegsschiffe von Talienw .thur an.
Eine Drahtm der Rückzug be zum Jaluflusse fo keine Aussicht auf ung befagt, @enei Verlegung bee Milden nach Eh daß die chinefisck«
Ein Telegram ein getroffen ist, t faken dieOrtsch geplündert ho viant- und Darc sich. Mehrere Kor
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