Ausgabe 
8.9.1904 Erstes Blatt
 
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Wicklung der Genossenschaften unerläßlich, diese nur in mäßigen Schranken zu boftvn ist und niemals die Sclbftucnvnltung der Genossenschaften beeinträchtigen darf. Dr. Alberti-Deutsch­land beantragte, die StaatShilse a limine abzulehnen, des­gleichen Dr. Karl Wolff-Hermanstadt. Nachdem anberc für znehr oder minder beschränkte StaatShilfe cingetreten, bean­tragte Dr. Crueger-Dentschland die Streichung des auf Staatsdüfe bezüglichen PimkteS. Auf Ersuchen deS Grafen Karolyi, von deffen Anrendement im Interesse der Einigkeit abznstehen, meint Cmeger, man möge die Frage der Staats­hilfe in der Cchlvebe lassen oder ohne Beschluß zur TageS- orbmutg übergehen. Bei der Abstimmung rmterlagen die Agrarier, da der Antrag ErncgerS nuf Uebergang zur Tages­ordnung anc^normnen wurde.

Kapstadt, 7. Sept. Alt der Meldung von englischer Seite, daß zu Spelonker im ZoutpanSberge ein Goldschatz von xj4 Million Pfund aufgefunden worden sei, be­merk die ^Zmd-Afnkaansbe Posf: .Vermutlich hat man cS ->ier mit Stabgold (ungeprägtem) zu tun, das zur Zeit der Befetzimg von Prcttoria noch in den Händen von Beamten war, die mit der Neberführimg deS Schatzes von Middelburg nach Machadadorp zur Regierung betraut waren. Diese Bc- amlen fürchteten wohl, er könnte den Engländern, welche die Straße von Pcätoria nach Middelburg besetzt hatten, in die Hände fallen, und find deshalb wohl nach Norden abge­wichen. Von einer der Expeditionen, die zum Auffuchen deS Schatzes abgefandt worden war, wurde der Hinweis gegeben, daß ein gewisser van Riekerk deshalb durch Swaots ermordet worden sei. Der letztere wurde aufgchängt, obwohl er sich bis zuletzt für unschuldig erklärte. *

Der AufLand in Amtsch-SüdweSafrrLa.

Der ^SeiL LoL-Anz." mclbet aii5 Swakopnnmd: Hendrig *3itb ot forderte all e seine Kriegsleute auf, den Deutschen treu &u bleiben.

WLe uns vour Kriegsscl>auplatze von Deutsckssüdwest- ufifRi von befreundeter Seite aus mitgeteilt wird, haben die borfljin in großer Anzahl mitgenommenen Kriegs- Hunde die Seefahrt glücklich überstanden und sich als Melde-, Schutz- und Wachhunde, sonne auch als Spürhunde zum Suchen verstockt liegender Verwundeter bisher sehr gut bewährt, desgl. auch deren auf höhere Benmndung .erfolgte Fütterung^auf hoher See und in Feindesland, wo -es unseren tncrnifcigeu Kriegskanreraden ebenfalls sehr häufig an Nattrrfutter fehlt Die Kriegshunde gewöhnen sich bald an afrikanssches Klima uub ertragen gleich unseren braunen Südwestafrikanern standhaft die bei ihrer Verwend­ung durch daS dortige bergige und gcbüjchreiche Terrain sich ihnen bietenden großen, ungewöhnlichen Hindernisse.

Ans Stadt und Lund.

Gießen, den 8. September 1904.

L. U. Promotionen. Im Monat August 19 04 wurden an der LandeS-Universität promoviert: Zum Dr. med : Wilhelm Bosseljoon, cwprobietter Arzt ouS Goch, Paul Schneider, approbierter Arzt auS Gerlingen, Adott Weyl, approbierter Arzt auS Battenberg, Karl Zang, approbierter Arzt au§ Friedberg, Arnold Wegener, appro­bierter Arzt ans Frankfurt a. M., Wilhelm Vossen, appro­bierter Arzt anS Düsseldorf, Georg Offensperqer, appro­bierter Arzt anS Vilsbiburg. Zum Dr. med. vet.: Rudolf Sanger, Tierarzt auS Schleswig. Zum Dr. phil.: Alben Klein, LehramLaffeffor auS Alsfeld, Julius Richter, Lehramtsakzeffist aus Darmstadt, Isidor Bleich rode, Prediger aus Stettin, Michael Frank, cand. ehern, aus Schwetzingen. Zum 50jährigen Doktorjubiläum wurde erneuert das Diplom als Doktor der Medizin dem Geh. Medizinalrat Dr. Adolf Weber in Darmstadt.

An den Herbstmanövern der 25. Division in Oberhessen werden, wie uns ein Drahtbericht auS Darmstadt meldet, Prinz Ludwig von Battenberg, sowiePrinz As-^d^e-s v-on Griechenland nebst Gemahlin teil­nehmen und vom 15. ds. Mts. ab in Schloß Romrod Wohnung nehmen.

Oeffentliche Lesehalle. Im Arrguft wurden 1921 Bände ausgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Sitteratur 1085, Zeitschriften 316, Jugendschriften 246, Versdichtungen 28, Litteraturgeschichte 5, Länder- und Völkerkunde 23, Kulturgeschichte 8, Geschichte und Bio­graphien 74, Kunstgeschichte 11, Naturwissenschaft und Tech­nologie 77, Seewesen 13, Landwirtschaft 4, Gesundheits­lehre 5, Religion und Philosophie 5, Staatswiffenschaft 6, Sprachwissenschaft 4, Fremdsprachliches 11 Bände. Nach auswärts kamen 39 Bände.

* * Silberne Hoch zeit feierte gestern Bureauvorsteher Louis Noll mit Frau im Kreise seiner Verwandten; zahl­reiche Glückwünsche und Geschenke wurden dem Paare dar­gebracht

* Besitzwechsel. Jul. Ruckstuhl und Alfred Fr ö h- lich, welche s. Zt. das Hotel ^zum Rappen" kauften und daraus zwei Hofraiten machten, von denen sie die eine an den Wirt Mauser verkauften, veräußerten gestern auch das zweite Haus für 38 000 Mk. an den Spenglermeister Rudolf A ö d i g e r.

* * Der Hessische Laubes g e h>erbe b er ein hat fm abgelaufenen Achre sich durch drei -ÜrjSgeivtrbebereüte und neue Handwerck^rschulen vermehrt: das'Bedürfnis nach gründlicher beruflicher Ausbildung wächst und mit feiner Befriedigung gewinnt der ernhenckssche Gew^vbestand von Jahr zu Jahr an fortschreitender Leistungsfähigkeit. Die dem Lande sgewerbevevein unterstehenden Schuten teilen sich in 16 Anstalten mit vollem Tagesuwterrirlst lBaugewerk-, und Gewerbeschulen, eine Schnitzerei- und eine Webschule) und in 112 Handwerkev-Sonntags-Zeichen- schuten, wovon 42 mit Fortbildungsschulen verbunden sind.

Kle n -Linden, 8. Sept. Bei der gestrigen Bürgerin e erwah l wurde bei ca. 310 Wahlberechtigten ber seitherige Bürgermeister Schaum mit 153 Stimmen wiedergewählt.

L Daubri ngen, 8. Sept Bei der am Montag dem 5. k. Mts. stottgehabten Burgermeisterwahl wurde der sercherige Bürgsrmeister Walter einstimmig wieder­gewählt. Bürgermeister Walter steht im 51. Lebensjahre und begleitet se m Amt schon 18 Jahre fang.

c. Rut rershausen, 7. Sept. Unter sehr reger Be- reckigung fexnb heute hier Gemeinderatswahl statt.

Wiedergewählt nuirben Gärtner Ludwig Becker IV., Land- roirt Heinrich MooS; neu gewählt Hüttenarbeiter Friedrich Krämer.

() Snnggönß, 8. Sept. Bei der gestrigen Gemeinbe­rat S w a h l wurden gewählt: Johannes Wagner IX. JohS. Heinr. Henrich unb Konrad JohS. Brückel.

w. Nidda, 7. Sept. Für die am 25. d. M. hier statt Inticnbc Hauptverfammlun g des hessischen Lande s-- e N' e r b e v e r e i n s, verbunden mit einer Ausstellung von Schillerarbeiten der getverblichen Unterrichtsanstalten von Oberhessen hat sich ein Komitee gebildet, welches besondere Deranstalttmgen geplant hat und Dorbrreitet. Die Haupt Verhandlung wird tiorniittagS hall^ 11 Uhr beginnen: nach dem gerne infamen Festessen wird ein Spaziergang nach Bad Salzlmnseu gemacht werden. Die Ausstellung wird in allen Räumen des SchnlbmtseS gehalten werden.

G. Bingenheim, 7. Sept. Die 2. Mteilung des 27. Feldartillene Regiments, von lvclchcr die 4. Batterie' am 26. Llngust in unfctvnt Ort in Quartter lag, hat an änrtliche Orte des Kreises Büdingen, in denen sie ein (ruartkrt war, besonders aber unserer Gemeinde und der (Stonciiibe Blofeld ihren Dank für die vortreffliche Ver- iflegnng von Mannschaft und Pferden aus prccl>en lassen.

g. 93 ü Dingen, 7. Sept. Ein Mißg eschick, das der Komik nicht entbehrt, tvidcrsuhr am Montag vier Mitgliedern deS hiesigen Schützenvereins. Die Herren batten Sonntags und Montags dem Laubacher Sck)ützeri.sest beigetoobnt und eine stattliche Anzahl Preise und Ehren­weise, unter denen sich auch in kostbares Weinservice und tnberc zerbrechlickv Gegenstände befanden, erntngen. Ta ie den letzten in Lmibach abgehenden Zug verspäteten, nahmen sie sich einen Wagen, nm noch recht,zeittg in Hungen den Zug nad) Büdingen zu erreichen. Kurz vor Hungen scheuten die Pferde unb warfen den Wagen um. Scknltzen rmd Preise flogen auf die Straße: erstere zum CSIüd ohne Sckmden zu nehmen. Ehrenvreise und Preise aber waren total in Trümmer gegangen. Tiefbetrübt setzten die Herren ihren Weg zu Fuß fort.

Dieburg, 6. Sept. Auf eigentümliche Weise rettete der 9 jährige Volksschüler P. Gandolf von hier vorgestern ein kleines Kind vom stcheren Tode. AuS dem zweiten Stock eines in der Eulergasse gelegenen Wohnhauses war ein 2 Jahre altes Mädchen auS dem Fenster gestürmt. Ter ge­nannte Knabe, der gerade vorbeigehen wollte, bemerkte dies rechtzeitig und sprang sofott hinzu. Mit den auSgebreiteten Annen sing er das Kind auf. Obwohl er von der Wucht elbst zu Boden stürzte, blieben doch er und das Kind vor weiterem Schaden bewahtt.

8. Bingen, 7. Sept. Am Samstag tagte im Sveise- aal deS Bahnhofs Bingen eine Versammlung der Eisen- radnwerkmeister. Mitglieder aus Köln, Nippes, Düssel­dorf, Oppum, Gießen, Frankfurt, Mainz, Darmstadt, Stollberg, Wanne, Hersfeld, Metz, Cablau, T't'ontignr), Straßburg usw. hatten sich eingefunden. Nach dem Mittag­essen wurde ein gemeinschaftlicher Ausflug nach RüdeSheim und dem Niederwalddenkmal unternommen. Um 2 Uhr war die Versammlung beendet.

WormS, 7. Sept. In nichtöffentlicher Sitzung der Stadtverordneten wurde einstimmig beschlossen, den Oberlehrer Schmeel-Darmstadt zur Uebertragung der Stelle des Schulinspektors der hiesigen Volksschulen (an Stelle des nach Büdingen versetzten früheren Schulinspektors Scherer) dem Ministerium in Vorschlag zu bringen.

WormS, 7. Sept. Wie sich die »AugSb. Postzeitung^ auS Oberstdorf im Allgäu schreiben läßt, hat Freih. v. Heyl in den letzten drei Jahren tatsächlich das ganze früher elf Hausnummern zahlende, 1150 Meter über dem Meer gelegene Dörfchen Ger'truben nebst Teilen der Ge­markung Spielmannsau angekauft. Der Käufer beabstchtigt, aus diesem reichlich 3000 Hektar umfassenden Grundbesitz ein Freiherrlich Heyl zu HerrnSheimfches Familiensidei- kommiß ^Gerstruben^ zu errich'en und hat den dies­bezüglichen Antrag bereits beim Kgl. OberlandeSgericht Augs­burg gestellt. Damit hat, wie das Augsburger Blatt beifügt, der Freiherr die beste Gemse njagd im Allgäuer Gebirge erworben.

Kleine M i t 1" i I: n p r a u s .Hessen n n d d c n Nachbarstaaten. Der deutsche Feuerwehrtag in Mainz schließt mit einem Defizit ab, das nach oberflächlicher Schätzung ca. 12 000 Mk. beträgt und wohl von der Stadt getragen werden muß. In GaualgeSheim begann der Früh­burgunderherbst bereits heute (Donnerstag). Die Schulen sind wahrend der Dauer deS Herbstes geschlossen.

)( ftri ebnerer, 7. Sevr. Da es jeftt in der Automobil-' brancye an tbeorctifcb cusgebildeten Ingenieuren fehlt, welcher Mangel bekanntlich nid'f durch die sogenannten Ioh^erschiflen, loeiche jetzt in Berlin, sowie auch an einigen technischen Schulen eingerichtet find, gehoben werden kann, so ist ietzt an der (He* wettbe-Akadem«ie ^ri-pdberg nach dem Beispiel der tech- nisckxm Hochschulen ein Kolleg über den m-o dern en Auto- mobilbau eingerichtet worden. Desgleichen werden dort, den Bedürfnissen der Neuzeit entsprechend, neue Vorträge über Be- retfymmg und Konstruttion der Dampfturbinen gelallten.

Zur Lage der Landwirtschaft.

schreibt Dr. Jastrvw in seinerArbeitsmarkt-Korr.":

Wenn auch bei steigenden Getreidepreiisen durch den Verkauf des Getreides größere Ernnabmen erzielt werden, so ist doch auch bestimmt mit erhöhten Ausgaben während der nächsten Betriebsperiode &u rechnen. Mit einer ausgssvrl.>chenen Futternot ist allerdings nur in relativ eng begrenzten Gebieten zu rechnen, aber von der starken Steigerung der Futtermittel­preise wird die gesamte Latrdwittstdast betroffen. Fast in allen größeren Wirtschaften müssen bei dem schwachen Ertrag von Nauhfutterstofsen, von Wurzeln, Knollen, Grün- und Sauer- futter, ferner bei den höheren Mais preisen andere Futtermittel in viel stärkeren Mengen binzugekaust werden als im Vorjahr. Der Begehr narb den Rückständen der Oelfabrikation. der Müllerei, Spiritt'sbre-nnerei, der Brauerei und Stärkefabrikatton ist schon jetzt so l<chhast, daß feit Anfang Juli bis Anfang Sep- tlunber die Preise ganz beträchtlich angezogen haben. So stteg z. B. der Preis pro 1000 Kttlogramm Biertreber von 100 ans 105, Getreideschlempe von 114 auf 120, Noggenkleie von 90 auf 95, Weizentteie von 88 auf 95 Mark. Fast in allen Artikeln ist die Nachfrage derart stark, daß die Preise noch weiter steigen können, .ohne daß die Gefahr einer "lbsatzstockung bestände. Die Landwirte bewilligen bei dem Bestreben, sich unverzüglich für den frerbft und Winter einzudecken, auch noch höhere Preise, als sie augenblicklich sind. Aber es ist nicht nur die Erhöhung der Futt'wpreise, die den landwirtschaftlichen Betrieb verteuert, auch Säm ereien und Düngemittel ziehen im Preise erheblich an Die stickstoffhaltigen Düngemittel smd schon stark im Preise gestiegen. Ende August fefrte für Chili- salpeter eine steigende Konjunktur ein, die bei leb­haften Untsätzen ein starkes Anziehen der Preise auf der ganzen

Linie zur Folge hatte. Nur brr Preis für schwefelsaures Ammoniol ist gegen Juli noch untieränbert. Auch die Preise für phosphor- säurehaltige Düngemittel, ebenso für Kalisalze sind in bi c Höhe gegangen. Die Nachfrage nach Kali war in leturr Zeit so stark, daß die Kaliwerke des Bezirkes Staßfurt-Leopolds- hall während der letzten Tage des August mit ihren Vorräten aufräumen konnten. Die Preise f ü r S ä m e r e i e n sind gleich­falls steigend. Teilloeise war das Geschäft in Saaten ziemlich erregt. Namentlich si^nd die Gr ü n f u 11 er f a a t e n recht teuer, aber auch Winterroggen und Winterwttzen nehmen stei­gende Richtung an. Giner Preissteigerung hat sich bis jetzt glück­licherweise der Markt ft'lr l a n d w i r t s cb a f t l i ch e M a s chi n e n und Geräte noch entzogen. Es genügen aber die erhöhten Ausgaben für Futter, Sämereien und Düngemittel vollauf, um den landwirtschaftlichen Betrieb merklich zu üerteuern. Dabei ist noch gar nicht berücksichtigt, daß die Viehpreise über kurz oder lang sinkende Richtung entnehmen werden, da sehr viele Besitzer finan sielt gamicht in der Lage find, bei den hohen Futterpreisen ihr Vieh durchzuhalteu. Beginnt hier erst einmal nach Aufbruch beS selbst gewonnenen Futttrs das Losschlagen um jeden Preis, dann dürste der gesamten Landwirttchaft ans dem Viebverkauf ein Ausfall entstehen, der durch- die diesjährigen Mebr'einnahmen aus Irr Getreideernte kaum zu kompensieren tft.

Veieinischtes.

* Berlin, 8. Sept. Gestern abend brach Groß? feuer aus in den Eisenbahuw erkstättcu in Tem­pelhof bei Berlin. Das 'Gebäude der Sattlerei und Lackirerei ntit gegen 30 Waggons ist nicdergebrannt. Die Gefahr für das Hauptgebäude wurde durch die günsttge Windricht­ung abgewendet. Nach Mitternacht gelang es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Die Feuerwehren von Berlin und mehreren Nachbarorten waren rwch in den frühen Morgenstunden tätig.

* Magdeburg, 7. Sept. Die Wirt schafterin Stie f aus Berlin beging ein Nev olveratten tat auf eiuen Magdeburger Kaufmann, weil er das sechsjährige Verhältnis mit ihr lösen wollte. Hierauf schoß sich die Wirtschafterin eine Kugel in den Mund und war sofort tot. Der Kaufmann ist nur leicht verletzt.

* Hannover, 7. Sept. (Amtlich.) In der Nacht vom 6. zum 7. September, vormittags gegen 2 Uhr, wurde auf der Station Wunstorf dem in der Ausfahrt begriffenen Turchgangs- t e r zu g Nr. 7617 Dremen-Hainholz von dem Durchgangs Güterzug Wr. 6701 Göttingen-Bremen in­folge Nichtbeachtung des Haltesignals am Einfahrttnaste in die Flanke gefahren, wobei der Lokomotivftihrer des Gütcrzuges Nr. 7617 erheblich und weitere vier Loko- motiv- und Zugbegleitbeamte leicht verletzt wurden. Beide Zuglokomotiven und 16 Güterwagen entgleisten. Der Schaden an Betriebsmaterickl und Gütern ist beträchtlich. Infolge Sperrung der beiden Bremer Hauptgleise am Ost­ende 'des Bahnhofs Wunstorf mußte der Schnellzug Nr. 146 von Braunschweig nach Bremen über Lehrte-Uelzen um^ geleitet werden; er traf mit 2 Stunden 50 Minuten Ver­spätung in Bremen ein. Um 8 Uhr vormittags konnte der eingleisige Betrieb nach der Richtung Bremen infolge Ein­bauens einer Umgehungsstrcck? wieder ausgenommen wer­den, wlibrend der zweigleisige Betrieb erst nach Beendiguirg der Aufrüumungsarbeiten, welche im Laufe des Tages zu erwarten steht, eingerichtet werden kann. Soweit durch die eingeleitete Untersuchung bis jetzt festgestellt ist, hüt der Lokomotivführer des Mterzuges Nr. 6701 die Schuld an dem Unfall, indem er das Haltesignal überfuhr.

* P o s c n , 7. Sept. In dem Dorfe Bohowitz bei Tirsch- tichel sind 60 Grundstücke niedergebrannt.

* Wien, 7. Sept. Die Feumaner Polizei verurteilte die hiesige Wein großhandlung Abeles und Söhne wegen Erzeugung von Kun st wein sowie Verkaufs desselben nach Deutschland zu einer Strafe von 276 164 Ltroncn. t

* Ein Geschenk des deutschen Kaisers. Bcr der Versammlung des Marine-Boards in Plymouth über­reichte der Mavor der Stadt dem K'apitän I. Pearce von dem Londoner Dampfer ..Tschangtsckiau" eine goldene llhr, ein Geschenk des deutsck)en Kaisers in Anerkennung der Tapferkeit bei 'einer Lebensrettnng auf hoher See. Es war im November des vorigen Jahres, als der genannte .Kapitän an der chinesischen Küfte gerade am Ein­gang zu dem Kanal von Formosa den deutschen Dampfer '.Arrrold Lunken", von Hamlmrg nach Tientsin bestimmt, nt Flammen fand. Ter englische Kapitän ftchr heran und rettete die Mannschaften des TampferS, die sich teilweise in einem Doot des Dampfers, teilweise im Wüsser ichwim- rnend fand. Sie wurden wohlbehalten an die chinesische Küste gebracht. Tas Feuer auf dem deutschen Schi'fs war die Folge einer Kervsinerplosion. Einige Leute der Be­satzung und der etfte Offizier fanden ihren Tod in den Wellen. _. t

* Raub und ®»rb. In Groß-Lichterfelde bei Berlin wurde der 7chiihrigc Rentier Hesse nacht? tn seiner Wohnung von dem arbeitslosen Maler Kegel überfallen und lebensgefährlich verletzt und beraubt. Der Täter ist entfloheu.- In Debrod (Un­garn) stürmten Dorfeinwohner das Hans des Kreisuotars Efyulay, richteten große Verwüstungen an und verwundete« die Frau des Notars schwer. Eine Untersuchung wurde ein geleitet.

* U n g l ü ck s f ä l l e. In der Heizungsanlage dos Be r- liner Zeughauses ist der Kesselreiniger Salewsky bei der Reparatur des Dampfkessels erstickt. Ein Fenerwchr- mann, der ihn retten wollte, erlitt eine schwere Gasver^ist- ung. Bei einer Schießübung an Bord des englischen KanonenbootesKomet" in P v r t s m o u t h e x p l o d i er t c ein Geschütz. Drei Seeleute wurden getötet, zw^i schwer verwundet. Durch Reißen des großen Förder­drahtseiles am Fiorentino-Berg in Südtirol wurdet drei Holzarbeiter getötet.

* Epidemien. In Königshütte und Ratibok grassiert d^r Scharlach fcfyr stark. In Königshütte lind nahezu bunkert Fälle zur amttidven Anzeige gelaust. In Ratibor ge­langten 85 Erkrausungsfälle und acht Todesfälle zur Anmeldung- Im Seminar der Uebuugssclmle fehlten infolge der Epidemie von 198 Kindern 80. Ter Unterricht wurde zur Desinfektion der Klnsseuräume zunächst auf zwei Tage ausgesetzt. H erne in Westfalen ist eine Ruhr- Epidemie ailsgchrocknn. 95 Personen sind daran erkrankt. In Dahlhausen (Wests.) tritt der Typhus auf. dlucb in Teschen herrscht T h p hu s. Seit Ausbruch der Epidemie wurden im Stadtgebiet beim Heer 39, bei der Landwehr 24, bei den Bürgern 110 KrankbeitsMc konstatiert. In der Stadt mürben drei Todesfälle festgestellt, in elf Landgemeinden kamen 22 Tvphiissälle vor, von denen jny tödlich verliefen. In Detmold nimmt die Typlms-Epidemie immer größeren Umsang an lieber 200 Personen sind von der Slrannicit ergriffen. Alle össeullichen Unterhaltungen und Ver­gnügen sind vettwten; von der Abendrnahlsifeier in den KiEN ivirb wegen der Ansteckungsgefahr LGstaud genommen. Die Gar­nison wivd im Scnnelager bei Paderborn in strengster Isosiermm gehalten

* Ein Kuh st all als Schullokal. In Bstgenz iin der Nähe von Spremberg wird gegcnu>ürtig der Schm- unterricht in einem alten Kuh-stall abgehatten, da eüi 0^