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8.6.1904 Erstes Blatt
 
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überwiesen. AlSdcmn wurde noch eine Reihe von Petitionen erledigt.

DieNatlib. Rorr." schreibt: ^Nachdem der Reichs­tag einstimmig die möglichst baldige Vorlegung der Abände­rung des Militärpensionsgesetzes begehrt hat, besteht mindestens bei einem Teil des Bundesrates die Neigung, die Einbringung der Reform im Reichstage noch vor der Ver­tagung zu ermöglichen. Es würde dann vor der letzteren noch die erste Lesung und die Kommissionsverweisung statt­finden können. Mit Rücksicht auf die Finanzlage des Reiches gilt es nicht für wahrscheinlich, daß die Reform der Militärpensionsgesetzgebung schon im nächsten Etats­jahre in Kraft treten könne."

DerSüdd. Reichst." zufolge sind die deutsche und russische Regierung mit dem Austausch von Er­klärungen beschäftigt, durch die zur Wiederaufnahme der mündlichen Handelsvertragsoerhandlungen der Grund gelegt werden kann. Daß die Verhandlungen zum Abschluß eines Handelsvertrags führen, stehe außer Zweifel. Einem Petersburger Blatte zufolge heißt es, Deutschland habe wesentliche Zugeständnisse gemacht, die Ruß­land die wirkliche, nicht nur angebliche Oeffnung der Grenzen für die Produkte der russischen Viehzucht verbürgen.

Neustrelitz, 7. Juni. Der Kaiser sandte folgendes Telegramm an die Großherzogin-Witwe:

Ich stehe noch ganz unter dein Eindruck der wundervollen, /Vornehmen Feier, die der aufrichtigen Trauer um einen edlen Fürsten und Landesoater so warmherzigen Ausdruck gab. Dir aber, gnädigsten Tante, habe ich aufrichtigst zu danken, das; Du in Deinem Schmerz die alte Herzensgüte und Herzensfreundlich- keit Mir zu erkennen gabst, für die Ich Dir ganz besonders dankbar und erkenntlich bleibe. Möge Gottes Gnade Dir weiterer Trost und Stütze sein, auch aus dem letzten Schmerzens­wege. Schone Dich nur, und nicht nur für Dich, sondern auch für diejenigen, die Dich von Herzen lieb haben und verehren, und rechne zu diesen immerdar Deinen treu ergebenen Neffen Wilhelm."

An den Großherzog sandte der Kaiser folgendes Telegramm:

Unter dem Eindruck der weihevollen Trauerfeier für den edlen und ältesten Bundesfürsten, die so viel aufrichtige Liebe und Verehrung seiner Landeskinder zeitigte, gedenke Ich Deiner in herz­licher Freundschaft und bitte Gott, er möge Deine Negierung segnen zum Glück und zur Wohlfahrt Deines treuen mecklenburgi­schen Volkes. Wilhelm."

Diez, 6. Juni. Mit dem S ch u l k o m p r o m i ß be­schäftigte sich die Allgemeine Landesversammlung der natio- nalliberalen Partei in Hessen-Nassau, die gestern in Diez abgehalten wurde. Nach cingehenbem Referate des Abg. Patzig wurde folgende Resolution angenommen: Im Einver­ständnis ~ mit dem Landesausschuß der nationalliberalen Partei für den Regierungsbezirk Wiesbaden spricht die Ver­sammlung die Erwartung aus, daß die nationalliberale Fraktion nur einem solchen Schulunterhaltungsgesetzent- rvurf zustimmen wird, welcher die betreffende Gesetzgebung bezüglich der Simult an s ch u le, insbesondere in der Provinz Hessen-Nassau, und ganz besonders die einschlagende Gesetzgebung Nassaus unverändert aufrecht erhält und die Neuerrichtung von Simultanschulen in anderen Landes- teilen ermöglicht.____________________________________________

Ausland.

Paris, 7. Jmri. Kammer. In fortgesetzter Beratung der Vorlage über die zwe fahrige Dien st zeit wird der von dem Bonapartisten Cnneo d'Ornano eingebrachte Gesetzent­wurf auf Einführung der einjährigen Dienstzeit und An­werbung von Freiwilligen, die fünf Jahre dienen, mit 483 gegen 135 Stimmen abgelehnt. Artikel 1 des Gesetzes betreffend die zweijährige Dienstzeit, wonach jeder Franzose zum persönlichen Militärdienst vervflichtct ist, wird angenommen. Sei Beratung des Artikels 2, welcher alle Befreiungen vomMilitärdienst aufhebt, beantragen mehrere Redner, für solche Militärpflichtige, welche Ernährer ihrer Familie sind, Befreiung vom Dienst eintreten zu lassen. Jedoch wird Artikel 2 mit 437 gegen 133 Stimmen angenommen.

Gmunden, 7. Juni. Für die heute stattfindende Hochzeit des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin mit der Prinzessin Alexandra von Cumberland ist die Trauer , um den Tod des Großherzogs von M.-Strelitz und der Prinzessin Marie von Hannover aufgehoben. Alle Häuser tragen reichen Schmuck an Blumen und Fahnen in den mecklenburgischen und hannoverschen Farben. Heute vormittag fand im Schlosse die Unterzeichnung des Ehevcrtrages und sodann die Ziviltrauung statt, welche der mecklenburgische Staatsminister Graf Bassewitz vornahm. Nach der Unterzeichnung der Urkunde erfolgte die Fahrt nach der Kirche. An der Feier nahm außer dem Herzogspaar von Cumberland und der Großherzoginwitwe u. a. teil der König von Dänemark mit einer Anzahl seiner Familienmitglieder.

Sofia, 7. Juni. In einem Landstädtchen hatte eine Kon­ferenz der Lehrer die Abschaffung des Religions­unterrichts in den Schulen beschlossen. Hierdurch wurden Protestkundgebungen der Bevölkerung des ganzen Fürstentums gegen die Lehrer hervorgerufen. Man verlangt Maß­regelung der Lehrer, Von denen viele der s o z i a l i st i s ch e n Partei angchören.

Konstantinopel, 7. Juni. Der Sultan beabsichtigt b~m Kaiser von Oe st erreich den vor einigen Jahren gestifteten osmanischen HausordenChanedani ali osman", den bisher nur kaiserliche Prinzen sowie der deutsche Kaiser und der König von England besitzen, Zu verleihen. In der zweiten Hälfte des Juni begibt sich eine besondere Mission nach Wien, um dem Kaiser den Orden zu überbringen.

Washington, 7. Juni. Präsident Roosevelt hieß die ihm heute durch den deutschen Botschafter Speck v. Sternburg vorgestellten deutschen Marineoffiziere herzlich will­kommen und zwar in deutscher Sprache: er sagte, er denke .stets in größter Freude an den so willkommenen Besuch ihres hohen Vorgesetzten, des Prinzen Heinrich von Preußen, zurück. Kommodore Schröder brachte in seiner Erwiderung zum Ausdruck, wie sehr er die amerikanische Nation und ihr Oberhaupt be­wundere: er hob hervor, daß die deutschen Schiffe in den ameri­kanischen Häfen die angenehmste Gastfreundschaft gesunden hätten. Die deutschen Marineoffiziere nähmen die angenehmsten Eindrücke mit und gedächten der amerikanischen Offiziere mit kameradschaft- lichen Gefühlen.

Aus Stadt und Lund.

Gießen, den 8. Juni 1904.

Personalien. S. Königl. Hoh. der Großherzog haben dem Geh. Kabinettsrat Gustav Römheld die Goldene Verdienstmedaille für Kunst und Wissenschaft verliehen. S. Königl. Hoh. der Großherzog haben dem Pfarrer Ludwig Reinhardt zu Wörrstadt die evangelische Pfarrstelle zu Bingen, Dekanat Mainz, übertragen.

** Stadttheater Gießen. Gestern abend sah unser alter Theatersaal wieder einmal seine alten Freunde wieder. Das Opereltenpersonal der Direktion Steingötter brachte uns seine erste Darbiet­ung. Das Publikum, das recht zahlreich sich eingefunden Hatte, bewies dadurch, daß es den alten Bekannten vom

Winter her noch dasselbe Interesse entgegenbringt und gespannt darauf war, die neuen Operettenmitglieder kennen zu lernen. Für die erste Vorstellung war Millöckers Be t te l stu d en t" ausersehen. In diesem Werke ver­einigt sich alles, was man von einer guten Operette ver- langt: geschmeidige und doch charaktervolle Musik und eine ansprechende Handlung, deren Text sich vom allzu Possen­haften freihält, wenn er in Einzelheiten auch kleine Schwächer: zeigt. Das Volksempfinden macht, wie es auch bei unseren guten Volksliedern sich zeigt, den Adel der einheitlichen Stimmung, der in allen echten, ob heiteren oder tragischen Kunstwerken ruht, sich zu eigen und bewahrt solchen Werken seine dauernde Wertschätzung. Daher kommt es, daß des Heimgegangenen KomponistenBettelstudent" zu unseren populärsten und besten Operetten gehört. Unsere Nauheimer Gäste brachten uns das Werk in einer recht guten Darstellung, die einen vollen Erfolg hatte. Das in dieser ersten Vorstellung noch etwas zu einfach ausgestattete äußere Ansehen der Bühne wurde ausgeglichen durch das vornehme Gesamtspiel und durch die prächtigen Leistungen einzelner Kräfte. Der Bettelstudent in der Person des Herrn Rode gefiel darstellerisch sehr gut und erwies gesanglich einen recht guten, für eine Operette viel­leicht etwas zu langsamen und schweren Tenor. In der schönen, weichen PartieVon allen Reizen hat die Polin die exauisitesten vereint" gab er sich besonders Mühe, dieser Aufgabe gerecht zu werden. Herr Arndt vertrat seine Rolle mich gut und nahm am Beifall, der dem späteren Duett mit Bronislawa zuteil wurde, gerechten Anteil. Be­sonders aber die Damen leisteten vorzügliches. Frl. Herms als Laura ist ebenso anmutig in ihrem darstellerischen Können wie erfolgreich im Gesang.Tie Eh' macht dann erst Spaß der Frau, gehorcht der Mann genau" u. s. f., das wurde mit großem Beifall ausgezeichnet. Auch Frl. Pelerp, die zierliche und temperamentvolle erste Sou­brette, hat sich aufs beste bei uns eingeführt. Ihre schönsten und gelungensten Partien waren wohl das DuettDieses Eine bitt' ich Dich: liebe mich" undAlle Liebe raubt mir nicht den gesunden Appetit. Tie Gräfin Nowalska erfuhr durch Frau Wingert ebenfalls eine gute Ver­körperung. Darstellerisch trat besonders der Oberst Ollen­dorf des Herrn Do dl vorteilhaft hervor. Daneben er­schienen die alten Bekannten vom letzten Winter: die Herren Achterberg, Tamke, Conradi, deren Auftreten als sächsische Offiziere bezw. Soldat im stillen freundlich be­grüßt wurde. Ter Musik unter Kapellmeister Hüsing gebührt ebenfalls ein Anteil am Erfolg. Die Vorstellung bedeutete im ganzen einer: guten Anfang. Hoffentlich waltet über der nächsten ein gleich günstiger Stern.

** Abonnements-Konzerte der Militärkapelle. Das erste Abonnement-Konzert, welches von unserer Regimentsmusik morgen, Donnerstag abend, im Neuen Saal­bau gegeben wird, enthält folgendes Programm. 1. Un­garischer Marsch von Bcrlioz, 2. OuvertüreDonna Diana" Reznicek, 3. Chor und Arie aus Elias, Mendelssohn, 4. Der Ball aus Struensee von Meyerbeer, 5. OuvertüreTann­häuser" von Wagner, 6. Blumen-Walzer von Tschaikowsky, 7. Rosenlieder von Eulenburg, 8. Fantasie aus der Walküre von Wagner, 9. Armee-Märsche mit Heroldstrompeten, 10. OuvertüreDes Falkners Braut" von Marschner, 11. Hiawatha von Moret, 12. Wiener am Land, Humoristisches Potpourri, von Komzak. Sicherlich werden diese Veran­staltungen der Militärkapelle wieder denselben ungeteilten Beifall finden wie im vergangenen Jahre. Da hat es sich, selbst wenn einmal die Witterung nicht ganz günstig war, immer gezeigt, daß Musikdirektor Krauße mit seinen Musikern bei den Gießenern ein gutes Ansehen genießt und daß man diese Darbietungen denen auswärtiger Militär­kapellen vorzog. Wenn das Wetter morgen so schön bleibt wie heute, werden die Abonnements-Konzerte einen schönen Anfang nehmen.

** ZumBahnhofs timbauGießen. Heute wurde die Fahrkartenausgabe, die Gepäck- und Handgepäck-Abfertig­ung in die hierfür neu errichteten Räume des nördlichen Flügels verlegt und damit neben dem bisherigen Durchgang zu den Wartesälen und Main-Weser-Zügen ein zweiter ge­räumiger Zugang zu sämtlichen Bahnsteigen für das Publi­kum geschaffen.

** Verhaftung. Der Geschäftsführer Kronen­berg von der Firma H. C. Werner wurde wegen Un­regelmäßigkeiten, die sich beim Konkurs dieser Firma er­gaben, verhaftet.

** Besitzwechsel. Frau S. Oppenheimer, Cigarren­handlung, kaufte für 52 500 Mk. das Haus Bleichstraße 32, dem Kaufmann H. Völzel gehörig.

i. Crumbach, 7. Juni. Die Firma Rinn u. Cloos in Heuchelheim hat in ihren neu erbauten Zigarrenfabriken den Betrieb eröffnet.

§ Ulrich stein, 6. Juni. Die heute, gestern und vor­gestern hier stattgehabte 4. L o k a l - G e s l u g e l a u s st e l l - u n g des Vogelsberger Geflügel- und Vogelzuchtvereins gestaltete sich gestern zu einem Volksfeste, so zahlreich waren die Gäste erschienen. Der Verein hatte aber auch sehr Tüch­tiges in dieser Ausstellung geleistet. Verschiedentlich hörte man von den Rassenzüchtern, daß Liefe Ausstellung alle ihre Vorgänger übertroffen habe. Tie 200 ausgestellten Num­mern von Geflügel waren in einer sehr schön dekorierten, geräumigen Halle untergebracht, die unmittelbar ihr Ein­gangstor zur Festhalle öffnete, wo die Kapelle des Thüringer Ulanenregiments Nr. 6 konzertierte. Begeistert stimmte man in das Hoch auf Se. König!. Hoheit den 'Großherzog ein, das der Ehrenvorsitzende, Geh. Regierungsrat Schönfeld aus Schotten am Schlüsse einer Ansprache ausbrachte. Die Prä­miierung des Geflügels fand am Samstag nachmittag statt. Die vielen und wertvollen Ehrengeschenke ließen es zu, daß eine große Anzahl Aussteller mit Preisen bedacht wer­den konnte. Ten ersten Ehrenpreis für Gesamtleistung er­hielt Herr Södler zu Nieder-Gemünden.

R. B. Darmstadt, 7. Juni. Zu Ehren des Vereins Deutscher Ingenieure, der den zweiten Tag seiner Hauptversammlung in Darmstadt abhielt, hatte heute unsere Stadt zahlreichen Fahnenschmuck angelegt. Schon um 9 Uhr rüh brachten uns zwei Extrazüge die auf 700800 Teil­nehmer geschätzte Festversammlung, die schon am Bahnhof durch Musik bewillkommnet wurde. Während der männliche Teil der Versammlung alsbald mit den festlich geschmückten Wagen der elektrischen Straßenbahn sich zu ernster Beratung nach der Aula der Technischen Hochschule begab, machten die Damen in etwa 40 Wagen eine Spazierfahrt durch unsere Stadt und die herrlichen Waldungen über Oberwaldhaus, wo das Frühstück eingenommen wurde, nach der Ludwigshöhe. Die Festsitzung in der Hochschule wurde von dem Vorsitzenden, Herrn Prof. Dr. v. Linde-München mit einer kurzen Be­

grüßung eröffnet. Dann nahm der Rektor der Technischen Hochschule, Prof. Dr. Dingeldey, das Wort zu einer herzlichen Bewillkommnung der so stattlichen Schar von Fest- teilnehmcrn, und auch Herr Oberbürgermeister Morneweg begrüßte dieselben mit einer herzlichen Ansprache. Der Rektor magnificus teilte mit, daß die Hochschule aus Anlaß des Jngenieurtages an drei verdienstvolle Männer den Doktor- Jngenieurtitel ehrenhalber verliehen habe, nämlich Herrn Maschinenfabrikanten Ludwig Ehrhardt (Firma Ehrhardt u. Sommer) in Schleifmühle bei Saarbrücken, Oberbaurat Prof. Ernst in Stuttgart und Geh. Rat Prof. Riedler in Berlin. Nach dem Dank des Vorsitzenden für diese ehrenvolle Auszeichnung, die auch die deutschen Ingenieure ehre, rourbe der geschäftliche Teil der Tagung erledigt. U. a. berichtete Herr Geh. Rat Prof. v. Borries über den Stand der Vereinsarbeiten, wo­bei er erwähnte, daß das große Technolexikon, das der Verein mit einem Kostenaufwand von 350- bis 400 000 Mk. heraus- giebt, flott vorwärtsschreite. In der darauf im neuen Physikali­schen Institut arrangierten Sitzung hielt Geh. Baurat Prof. Guterm ut h einen fachwissenschaftlichen Vortrag über Dampf, turbinen, der auch durch zahlreiche Lichtbilder-Darstellungen erläutert wurde. Von 1 Uhr ab waren alsdann sämtliche Teilnehmer wieder mit ihren Damen zum Mittagessen im städtischen Saalbau vereinigt. Be: dem Festessen brachte Staatsminister Dr. Rothe einen Trinkspruch aus, in dem er im Namen der Staatsregieruug die Festteilnehmer begrüßte und seine Genugtuung darüber aussprach, daß der Verein auch Darmstadt zu seinen Tagungen ausersehen habe. Die Errungenschaften der letzten Jahre verdanke das Gemeinwesen von Darmstadt neben fleißigem zielbewußtem Arbeiten nicht zum wenigsten den Errungenschaften der modernen Technik, die in den Räumen der Technischen Hochschule allezeit eine gute Heimstätte habe. Möge es Ihnen, so schloß der Redner, nach Beschluß Ihrer Tagungen möglich sein, mit Genugtuung und Befriedigung auf das Errungene zurückblicken zu können. Er trinke auf das Wohl des Vereins deutscher Ingenieure lind dessen weiteres Wirken. Geh. Rcgierungsrat Professor Dr. Borries-Berlin gab dem Danke des Vereins nnd seiner Gäste Ausdruck für die Worte, die Staatsminister Rothe an die Versammlung gerichtet habe. Mit besonderer Genugtuung habe der Verein empfunden, daß die Vertreter der Großh. Ltaatsregierung, die Herren Staats- und Finanzminister den Verhandlungan beiwohnten. Wo Finanz und Technik zu- sammen arbeiteten, könne der Erfolg unmöglich ausbleiben. Am Nachmittag wurden Besichtigungen der Dampfkessel­fabrik (Aktien-Gesellschaft, vormals Rodberg), des neuen Kraftwerks, des Maschinenbau-Laboratoriums der Tech­nischen Hochschule und des elektro-technischen Instituts, sowie der E. Mcrck'schcn chemischen Fabrik und des städtischen Gas- werks vorgenommen, worauf gegen 7 Uhr abends die Rück­fahrt der Festgesellschaft nach Frankfurt erfolgte.

Darmstadt, 6. Juni. Ueber die Einnahmen deS Wohltätigkeitsfestes am ersten Tage machen Darm­städter Blätter folgende Mitteilungen: Außer den 5000 Mk. in bar gestifteten Beträgen wurden an einzelnen Ständen vereinnahmt: Russische Bude 2643,34 Mk., Büffets 2002,74 Mk., Tombola mit Verkaufsstand 1890,98 Mk., Postkartenstand 1511,62 Mk., Sektzelt 812,90 Mk., Blumenstand 659,80 Mk., Konditorei 317,11 Mk., Mandolinenklub, Tiroler und Italiener 103,34 Mk., Silhouettenschneiderbude 90 Mk., zusammen 10 040,84 Mk. Dazu kommen etwa 2000 Mk. Eintritts­gelder, so daß schon am ersten Tage eine Gesamteinnahme von rund 17 000 Mk. zu verzeichnen ist. Das Gesamt- Bruttoergebnis beider Tage wird auf ca. 25 000 M. geschätzt.

R. B. Lorch, 8. Juni. (Eigener Drahtbericht.) Hier ist heute früh eine furchtbare Bluttat verübt worden. Im Ort waren seit längerer Zeit häufig Einbrüche und Diebstähle verübt worden, ohne daß es gelungen wäre, die Verbrecher zu verhaften. Es wurde deshalb eine ständige Nachtwache, die patrouillieren mußte, eingerichtet. Ns nun heute früh der Polizeidiener Schneller, ein lang­jähriger, treuer Beamter, patrouillierte, wurde er von mehreren Männern bei einem Spargelfeld in der Nähe des Dorfes überfallen und durch Revolverschüsse getötet. Ein in der Nähe des Tatortes wohnender Land­wirt, der durch die Schüsse aufgeschreckt wurde, fand den Unglücklichen als Leiche vor.

PL Wetzlar, 7. Juni. Der hiesige Geschichtsverein hat vor ganz kurzer Zeit ein Zimmer zur Aufbewahrung historisch interessanter Gegenstände erhalten: es ist das Zimmer, das einst Jerusalem, der unglückliche Freund Goethes, bewohnte. Hier wird jetzt auch der bei Stcindorf gemachte Fund Aufnahme finden. Die hier gefundenen Gegen­stände bestehen aus drei anscheinend gegossenen größeren Stücken, zwanzig Ringen, drei Scheiben und zwei Blechen. Alle Stücke sind oxydiert. Leistungen großer Kunstfertigkeit stellen sie nicht dar. Die Fundstücke können etwa 2000 Jahre alt sein. Die Ringe mögen Arm-, Bein- oder Halsringe gewesen sein; die Scheiben waren jedenfalls Pferdeschmuck. Die Gußstücke lassen auf eine Werkstatt schließen, doch es fehlen Asche und Schlacken; Grabstücke könnten eS auch ge­wesen sein, doch es fehlen Knochenüberreste. Schon in den Jahren 1816 und 1817 wurden in einem im Auftrage des Prinzen Ferdinand von Solms-Braunfels geöffneten ger­manischen Grabhügel in den solmsischen Waldungen neben vielen Urnen auch eine Anzahl Schmuckgegenstände und Ge­räte aus Erz einer Mischung von Kupfer und Galmei gefunden, die jetzt auf Wunsch des Kaisers sich auf der Saalburg befinden. Damals fand man auch nicht weit von dem jetzigen Fundort mehrere Ringe, darunter ein schöner Bronzeguß, eine Art Krone, die wohl einst einer vornehmen Germania als Kopfschmuck diente. Es sei noch erwähnt, daß von dem Fundort, der Römerschanze heißt, noch heute in Steindorf erzählt wird, es sei dort eine ^goldene Kutsche" vergraben.

Frankfurt a. M., 7. Juni. Der Magistrat hat den Antrag der Stadtverordnetenversammlung betreffs Erweite­rung des städtischen Wahlrechts wiederum ab­gelehnt.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Lützellinden ist jetzt auch em Turnverein entstanden, der m den ersten Tagen seme

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