Ausgabe 
8.3.1904 Erstes Blatt
 
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geschickt werden sollten. Indien sei das einzige Land, ui dem eine Begegnung mit einer großen euro­päischen Machtmöglich sei. Die Regierung sei außer­dem mit der Anfertigung eines neuen Gewehres be­schäftigt, von denen ebenfalls eine große Anzahl nach Indien geschickt werden sollte.

Die englische königliche JachtVictoria and Albert" hat Befehl, am 28. März in Port Victoria zu sein, um eine Reise über die Nordsee anzutreten. Man bringt dies in Zusammenhang mit dem geplanten Besuche König Eduards in Kopenhagen, wo zum Geburtstage des Königs Christian vielleicht mich der Zar eintreffen wird. Man hofft, daß eine solche Zusammenkunft die jetzt in Petersburg gegen England herrschende Stimmung etwas mildern wird. Einem demManchester Guardian" mit­geteilten Privatbriefe aus Petersburg zufolge ist die Stimm­ung gegenwärtig so schlimm, daß die Mitglieder der eng­lischen Botschaft fast boykottiert werden.

Rom, 7. März. Die Frauenrechtlerinnen Haven tm Parlament einen Sieg errungen. Auf Initiativantrag des Mg. Socci ist beschlossen worden (mit 115 gegen 95 Stimmen, während 300 Deputierte fehlten) die Frauen zur Rechtsanwaltschaft zuzulassen. (Das mag theoretisch ganz hübsch sein, praktisch ist es ein Fehler, denn herrscht in der italienischen Advokatur schon eine so ge­waltige Ueberfüllung, daß sich infolge ihrer Beschäf­tigungslosigkeit kürzlich 18 Wvokaten um die Stelle eines Oberhuissiers bei der Bank von Italien beworben haben.)

Prag, 8. März. Gestern abend wiederholten sich die Ansammlungen auf dem Graben, die immer mehr an­wuchsen. Die Demonstranten, worunter sich viele tsche­chische Studenten befanden, sangen nationale Lieder und stießen Schstnährufe aus. Zwischen der Menge und mehreren Kouleurstudenten kam es zu Reibereien. Die Wache bewog letztere, sich in ein Kaffeehaus zurückzuziehen und drängte die Menge zurück, die hierauf vor das deutsche Küsino zog, wo sie abermals auseinandergetrieben und Ver­haftungen vorgenommen wurden.

Movinzial-Ausschnß.

Gießen, 7. März.

Samstag, den 5. März l. Js., vormittags 9 Uhr, fand unter dem Vorsitz des Provinzialdirektors Dr. Breidert eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses im Sitz­ungssaal des Regierungsgebäudes hier statt. Dem ersten Punkt der Tagesordnung, Gesuch des Conrad Nürn­berger zu Lollar um Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschaft betreffend, liegt folgender Sachverhalt zu Grunde: Conrad Niirnberger bat am 25. Juli 1903 vor der Großh. Bürgermeisterei Lollar um Erlaubnis zum Betrieb einer Schlankwirtschaft. Ter Ge­meinderat zu Lollar bejahte in seiner Sitzung die Bedürfnis- fvage mit Rücksicht auf den in Lollar herrschenden starken Passantenverkehr. Vor dem Gesuch des Nürnberger lief bei Großh. Kreisamt Gießen ein Schriftsatz des Wirts Gottlieb @rnft zu Lollar ein, in welchem er die Mrtschafts- verhältnisse in Lollar schildert und um Versagung der Konzession an Nürnberger bittet. Tie Bürgermeisterei Lol­lar, zum Bericht hierüber aufgefordert, widerlegt die An­gaben in dieser Eingabe zum größten Teil und bemerkt insbesondere, daß der Fremdenverkehr in Lollar sehr leb­haft sei. IN einem Orte, in welch,em ein so reger In­dustriebetrieb sei, wo in den Eisenwerken mit Beamten- personal über 700 Personen, auf dem Tampfsägewerk des Zimmermeisters Nuhn etwa 40 Arbeiter und von Maurer­meister Deibel, wie von den Steinbruchsbesitzern gegen 100 Personen beschäftigt würden, sei Wohl ein reges Leben und Absatz für Geschäftsleute vorhanden. Auch werde die Frequenz der Wirtschaft des pp. Ernst durch die Errichtung der von pp. Nürnberger projektierten nicht leiden. Es könnten beide Wirtschaften recht gut neben einander be­stehen, und es sei wohl sehr übertrieben, wenn Ernst behaupte, bei Errichtung der Nürnberger'schen Wirtschaft an den Bettelstab gebracht zu werden. Tie Akten wurden dann dem Kteisausschiuß zur Entscheidung vorgelegt, wel­cher in seiner nichtöffentlichen Sitzung vom 14. Dezember 1903 zu Reckst erkannte, daß das Besuch mangels Nachweises eines Bedürfnisses abzulehnen sei. Ter Kreisausschuß ging hierbei von der Erwägung aus, daß ein Bedürfnis zur Einrichtung einer weiteren Schankwirtschaft in Lollar und insbesondere in der hier fraglichen Gegend nicht nach- ttewiesen und auch nicht im Entfe-rntesten vorhanden sei. selbst wenn die von dem Gemeindevorstand zu Lollar zur Rechtfertigung der von ihm bejahten Bedürfnisfrage geltend gemachten Gründe, insbesondere bezüglich des starken Passantenverkehrs von Lollar, der Wirklichkeit ent­sprächen, so könne hieraus doch kein Bedürfnis zur Er­richtung einer weiteren Wirtschaft hergeleitet werden. Der Kveisausschuß erachtet die zurzeit in Lollar bestehenden 17 Wirtschaften, welche sich auf eine Bevölkerungsziffer von 1523 Einwohner verteilen, für vollkommen aus­reichend, um auch einem steigenden Verkehr gerecht zu werden. Dazu komme noch, so führt das K'reisausschuß- urteil weiter aus, daß in der hier fraglichen Gegend der von Nürnberger projektierten Wirtschaft sich in einer Entfernung von 272 Meter nickst weniger als 8 Wirtschaften besinden, womit jedem Bedürfnis reichlich genügt sei. Gegen dieses Erkenntnis verfolgte der Vertreter des Ge- fuchstellers Rekurs an den Provinzial-Ausschuß mit dem Anträge, unter Aufhebung der Entscheidung des Kreis­ausschusses vom 14. Tezember 1903 dem Gesuche stattzu­geben. In der heutigen Verhandlung vor dem Provinzial- Ausschuß, in welcher nicht weniger aks 12 Zeugen erschienen waren und sich zum größten Teil für die Errichtung der projektierten Wirtschaft aussprachen, versuchte der Anwalt des Gesuchstellers in längeren Ausführungen ein Bedürfnis zur Errichtung einer weiteren Wirtschaft nachzuweisen. In­dessen bestätigte der Provinzial-Ausschuß das Urteil des Kreisausschusses und verurteilte den Rekurrenten in die Kosten des Verfahrens sowie zur Zahlung einer Verhand­lungsgebühr von 10 Mark an die Provinzialkasse. Ter Provmzial-Ausschuß konnte sich, wie der Kreis-Ausschuß, von dem Vorhandensein eines Bedürfnisses zur Errichtung einer weiteren Schankwirtschaft in Lollar nicht überzeugen.

(Schluß folgt.)

Aus Stadt uuS Kaud.

Gießen, den 8. März 1904.

* Hessisch-Thüringische Staatslotterie. Bei der heute fortgesetzten Ziehung der 6. Klasse fiel ein Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 11952, vier Gewinne von je 5000 Mk. auf Nr. 1315 19925 56193 63592, Gewinne von je 3000 Mk. auf Nr. 860 1902 27689 30159 39056 39297 45140 50810 61089 70896 72487 76636 81137 89171 97149. (Ohne Gewähr.)

* * Gießener Rudergesellschaft. Der Herrenabend ist auf acht Tage verlegt worden.

Die Hutfabrik W. und G. Schuchard feierte gestern ihr 25 jähriges Geschäftsjubiläum.Im Prinz Karl" fand von nachmittags an eine Festveranstaltung statt.

* * Eine prächtige Wildgans ist, wie man uns mitteilt, gestern in der Gemarkung Hausen von Forstwart Mank geschoßen worden.

* * Eine Böschungsmauer an der Wieseck bei der Balmhofsstraße, die int wesentlichen aus Pflastersteinen, die aufeinandergeschichtet waren, bestand, ist durch Wosserunter- spülung plötzlich eingestürzt, sodaß die Steine und Erde in die Wieseck sielen. Ter Schaden ist ganz unbedeutend und teilweise schon wieder beseitigt.

Ein Streit von allgemeinem Interesse droht hier zwischen den Bäckern und der Gesellenorganisation auSzubrechen. Letztere, der nur ca. 10 hiesige Gesellen an­gehören, bei einer Gesellenzahl von etwa 50, glaubt sich be­nachteiligt. Sie hatten das Verlangen an die Meister ge­stellt, sich schriftlich damit einverstanden zu erklären, daß kein Geselle entlassen werde, der der (sozialdemokratischen) Organisation angehört. Diesem Verlangen haben 15 der Meister zugestimmt, alle übrigen aber haben eine Antwort abgelehnt. Die Gesellenorganisation fordert nun in einer Flugschrift das Publikum auf, nur bei diesen 15 Meistern ihr Brot zu kaufen. In Gießen, Mieseck, Heuchelheim und Lollar finden Versammlungen mit Protestkundgebungen gegen die übrigen Bäcker statt, die, wie man hieraus ersieht, sich selbst­verständlich nicht von den Herren Gesellen terrorisieren lassen wollen. Also Pflicht der Bürgerschaft erscheint es nun, die von der Sozialdemokratie boykottierten Meister zu unter­stützen.

Aus dem Bureau des Stadttheaters. Um irrigen Auffasiungen entgegenzutreten, konstatiert die Direktion, daß Frl. K. Dülfer, die als Klärchen jüngst im Egmont gastierte, nicht als eventueller Ersatz für Frl. Hohl in Aus­sicht genommen ist, sondern das Fach der Sentimentalen spielen soll, das einer ausgesprochenen Fachvertreterin in letzter Zeit hier ermangelte. Für Frl. Hohl ist ein anderer Ersatz in Aussicht genommen. Freitag, den 11. März, findet außer Abonnement ein zweites und letztes Gastspiel der Nachtasyl-Tournee statt, und Sonntag, den 13. d. M. geht Kneisels übermütiger SchwankPap ageno" in Szene.

'* Das deutsche Zentralkomitee vom Roten Kreuz hatte beim Hess. Landesoerein angefragt, ob der Hess. Alice-Frauenoerein für Krankenpflege bereit sei, zu einem den russischen Truppen zu senden­den Lazarett 6 bis 8 Krankenpflegerinnen zu stellen. Der Alice-Verein stellte ohne Zögern sieben seiner Schwestern zur Verfügung. Hierauf hat nach der Darmst. Ztg das deutsche Zentralkomitee jetzt diesem Verein seinen Dank für die Bereitwilligkeit aussprechen lassen, mit welcher dieser Schwestern für eine eventuell zu entsendende Abordnung vom Roten Kreuz nach dem ostasiatischen Kriegsschauplatz zur Ver­fügung gestellt habe. Man werde eventuell später daraus zurückkommen. Vorläufig aber werde eine aus Aerzten und Pflegepersonal bestehende Expedition nicht zur Absendung ge­langen, da nach den Mitteilungen der russischen und japa­nischen Gesellschaften vom Roten Kreuz die dortigen personellen Hllfskräfte zunächst noch ausreichend erscheinen.

§ Lich, 7. März. Ein schwerer Unglücksfall er­eignete sich auf der Straße von Nieder-Bessingen nach Lich. Der Knecht des Gutsbesitzers Klein vom Hof Albach hatte eine Stute nach der Beschälstation Grünberg gebracht. Auf dem Rückwege scheute das Pferd an der Ranzenmühle bei Bessingen und warf den Reiter ab. Dieser blieb jedoch mit dem Fuß am Sattelgurt hängen und das Pferd schleifte ihn eine halbe Stunde Weges bis nach Lich, wo es in einem Hofe stehen blieb. Der bewußtlose Knecht wurde ins Hospital gebracht, wo er schwer verletzt darniederliegt.

4- Rodh eim a. d. Bieber, 7. März. Am Sonntag, den 6. März feierte hier im engsten Familienkreis der Werk­führer Wilhelm Diehl ein seltenes Arbeitsjubilämn. Er hat bereits über 50 Jahre bei der Firma I. B. Noll in Gießen in Diensten gestanden; am 6. März. d. I. waren es aber gerade 40 Jahre, daß er derselben Firma alsWerk - führ er seine Kräfte widmet. Seine Kinder, Schwiegersöhne und Töchter nebst Enkeln, die alle in der Ferne weilen, hatten ganz im stillen ein gemeinsames Zusamentreffen in der Heimat verabredet, um dem Vater eine große Freude und lieber» raschung zu bereiten. Viele mündliche und schriftliche Glück­wünsche gingen dem Jubilar an diesem Tage von fern und nah zu.

-s- Butzbach, 7. März. Die Nebenbahnstrecke Butz­bach-Lich ist jetzt volleudet; am 14. März findet die landespolizeiliche Abnahme der Strecke statt. Der Sonderzug wied um 9 Uhr in Lich abgehen und an den Stationen von den Gemeindevertretern empfangen. Der Zug wird über die Stationen Kolnhausen, Hof-Güll, Muschenheim, Trais-Münzen- berg um 1/a 1 Uhr in Münzenberg eintreffen und nach einer Mittagspause um 3 Uhr über Ober-Hörgern, Gambach, Griedel nach Butzbach weitergehen.

R. B. Darmstadt, 7. März. Zur Bankaffäre Schade verlautet, daß der erste Gläubigertermin auf den 19. März anberaumt worden ist. Die in verschiedenen Blättern enthaltene Mitteilung, daß bei dem Buchhalter Lupus von der Firma Schade eine mehrstündige Haussuchung stattgefunden habe, bestätigt sich nicht. Es heißt vielmehr, daß Lupus selber mit zu den Geschädigten gehört, indem er Schade sein Geld anoertraute. Bezüglich der Flucht Schades neigt man mehr und mehr der Ansicht zu, daß das Ver­schwinden schon lange vorbereitet worden ist und im Ein­verständnis mit feinem in London als Bankier tätigen Sohn erfolgte. Dieser sandte häufig an die hiesige Bantfirma so­genanntevertrauliche Berichte", die natürlich vorher verabredet waren und als Unterlagen für die Schwindel­manöver des Vaters dienten. Es soll auch in letzter Zeit alles flüssig gemachte Geld und selbst ein Teil der Depots nach London an den Sohn gesandt worden sein. An den Spekulationen der Firma, durch die der Zusammenbruch her- beigeführt wurde, sind je drei Firmen in Paris, London und Brüssel beteiligt. Von den vielen Depots im Werte von über y, Millionen Mk. wurden nur wenige, in Kassetten | verwahrte unverletzt vorgefunden.

Darmstadt, 7. März. Von den vielen Gaunereien Schades, so schreiben die N. H. Vbl., die jetzt erst ans Tageslicht kommen, verdient eine aus der jüngsten Zeit be- sonders hervorgehoben zu werden. Ein hier wohnender höherer Offizier i. P. hatte eine Erbschaft von etwa 60 000 Mark gemacht. Schade bekam davon Wind, und machte so­gleich, obwohl er stets ein Feind aller Förmlichkeiten und Zeremonien war, dem Glücklichen, der ihm bekannt war, seinen Besuch, um ihn zu der Erbschaft zu beglückwünschen. Mit seinen erbärmlichen Hintergedanken brauchte er zunächst garnicht herauszurücken, da ihm der Offizier selbst entgegen» kam. Dieser kam nämlich im Laufe der Unterhaltung ans die Frankfurter Mordtat zu sprechen und äußerte in Ver­bindung damit Besorgnisse hinsichtljch der Sicherheit seine? Geldes. Das war natürlich Wasser auf die Mühle Schades, der die Gelegenheit sofort beim Schopfe nahm, indem er aus- rief:Aber Herr . . ., ich habe ja zwei feuer- und diebes- sichere Kassenschränke, geben Sie doch Ihr Depot bei uns ab und Sie sind frei von jeder Sorge usw." Und richtig, der Offizier ging dem Gauner in die Falle und betrauert heute natürlich den Verlust seiner gesamten Erbschaft. Von Rechtsanwalt Schimmelpfeng, dem Verwalter des Konkurses, werden, wie die Frkf. Ztg. berichtet, bedeutende Lieferungen von Wertpapieren und Barzahlungen, die Schade in den letzten Tagen vor seiner Flucht leistete, angefochten. Zu der im Uebrigen dürftigen Aktivmasse gehört der Inhalt des Schade'schen Weinkellers, der 1200 Flaschen Weiß- und Rot­weine, ühc-r 100 Flaschen Sekt und zwei Fäffer Rotwein enthält.

d. Mainz, 8. März. Der Reisende Wilhelm Müller aus Stromberg bei Bingen erschoß sich im hiesigen Bahn- Hofhotel. Der Schwerverletzte wurde ins Rochusspital ver­bracht, starb aber dort innerhalb einer Stunde. Aus einem hinterlassenen Schreiben geht hervor, daß er sich aus Lebens­überdruß erschossen hat. In der Stadt war das Gerücht verbreitet, der Bankier Schade aus Darmstadt sei der Er­schossene; auch ein hiesiges Blatt brachte diese Nachricht.

Wiesbaden, 7. März. Im hiesigen Polrzei- direktionsgebäude verübte in der Sonntagnacht der beschäftigungslose Heil einen Einbruch. Beim Erbrechen des Kassenschrankes wurde er jedoch erwischt und verhaftet.

fc. Frankfurt a. M., 7. März. Heute nachmittag erschoß sich in der Brückenstraße ein Handwerksmann, der in den 30er Jahren stand. Der Selbstmord wurde zum Schrecken der Vorübergehenden auf offener Straße begangen.

Frankfurt a. M., 7. März. Wie derFrkf. Ztg." mitgeteilt wird, ist der Privatdozent für Kunstgeschichte in Halle, Dr. Ludwig Justi, Sohn des Bonner Kunsthistorikers Geheimrats Dr. Karl Justi, an Stelle des nach Stuttgart berufenen Professors Dr. H. Weizsäcker zum Direktor des Städel'schen Instituts in Frankfurt ernannt worden. Es sollen sich nahezu 200 Personen um den Posten beworben haben.

() Marburg, 7. März. Ein gemeingefährliche) Gauner, der es hauptsächlich auf Gastwirte abgesehen hat, machte in den letzten Tagen hier die Gegend unsicher. Als Eisenbahningeur auftretend, versuchte er in einem hiesigen Hotel den Wirt um Geld anzupumpen, indem er das Kommen weiterer Herren der Eisenbahnkommission anmeldete. Der Wirt war schlau und verlor nur die nicht bezahlte Zeche. Von hier aus ging der Schwindler nach Anzefahr, wo er in einer Wirtschaft einen Grünberger Reisenden veranlaßte, ihm bei dem schlechten Wetter einmal den Mantel zu borgen, er wolle schnell einmal die Bahnwärterposten revidieren. Selbst­redend kam der Herr Ingenieur nicht wieder, trotzdem die Zeche noch zu bezahlen war. In Kirchhain spielte er bann noch einen Haupttrumpf aus. Er und trank dort gut, bestellte für ein Dutzend Eisenbahner Essen und Quartier und bat den Wirt, die Meßgeräte, die diese mitbrächten, sorgfältig aufzubewahren. Dann ließ er sich schnell etwas Vorschuß geben und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Jetzt scheint der Gauner das Feld seiner Tätigkeit in eine andere Gegend verlegt zu haben.

Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Lauterbach ist dieser Tage das Hotel Schütz in den Besitz des Herrn Georg Schütz, Bruder des seitherigen Inhabers Wilh. Schütz, übergegangen. In Offenbach hielt im Evangelischen Volksverein am Sonntag abend Unioersitätsbibliothekar Dr. Heuser aus Gießen einen Vortrag überUnsere Kolonien in Deutsch-Südwest- Afrika" mit besonderer Berücksichtigung des jetzigen Aufstand- gebietes. In Alzey fand unter dem Vorsitz der KreiS- behörde eine gemeinschaftliche Sitzung des Vorstandes der Ortskrankenkasse und der Aerzte statt zur Regelung des Aerztehonorars. Trotz warmer Fürsprache des Kreisrats Süffert kam eine Verständigung nicht zustande, und die Ver­handlungen wurden abgebrochen.

Vermischtes.

* Berlin, 7. März. Der flüchtige Prokurist Rein­hard der Firma Brendel u. Co., der große Summen unter­schlagen hat und seit Donnerstag verschwunden war, stellte sich heute abend der Polizei. Während der Vor­stellung desFliegenden Holländer" im Opernhause schlug eine Klapptür dem Kammersänger Bertram so heftig gegen den Kopf, daß die Wunde genäht werden mußte.

* Staßfurt, 7. März. Auf dem Schachte 3 der herzoglich-anhaltischen Salzwerke wurden vergangene Nacht nach Absturz von Salzmaffeu 3 Bergleute getötet D:e Leichen sind bisher nicht geborgen.

* Thorn, 7. März. Infolge des starken Frostes des Nachwinters in den letzten Tagen sank das Thermometer auf 12 Grad Celsius unter Null. Auf dem Weichselstrom ist erneuerter Eisgang so stark eingetreten, das nochmaliger Eisstand erwartet werden kann.

* Posen, 7. März. Der Wirt Karger tn Nekla- Kauland erschoß seine Frau und sich selbst.

* Dresden, 7. März. DaS Kapital zum Neubau des Schauspielhauses hat Kommerzienrat Liug" ner zur Verfügung gestellt

Finkenwärder (Elbe), 7. März. Während des Gottesdienstes erkrankte durch Einatmen von aus- strömende*nKohlenoxyd eine Anzahl von Kirchgängern.

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