fetter) 6.5 Doppelzentner. Weiter sind int oberen Vogelsberg 13 669 Aepfelbäume, 6897 Birnbäume, 28 680 Zwetschen- bflume, 10 275 Kirschenbänme nnd 570 Walnußbäume, im gtmzen also rund 60000 Obstbänme vorhanden, deren Ge- samterträgnis 1900 auf 2145 Doppelzentner veranschlagt wurde, lieber die Viehzucht heißt es in der Denkschrift, daß 1900 in den 44 Gemeinden gezählt wurden: 1017 Pferde 18 573 Stück Rindvieh, 8260 Schafe und 10 289 Schweine, -sodaß auf 100 Hektar Kulturgelände im oberen Vogels- "berg
8.51 Stück Pferde gegen 12.48 in Hessen, 155.42 „ Rindvieh „ 69.53 „
69.12 „ Schafe „ 17.15 „
86.10 „ Schweine „ 65.89 „ „
entfallen. Die Viehzucht und Viehhaltung int oberenVogels- berg ist hiernach bei Rindvieh, Schafen tmd Schweinen -eine viel größere, als in den anderen Teilen Hessens.
Soweit die statistischen Angaben der Denkschrift. Im nächsten Artikel werden wir uns mit den bisherigen Meliora- ? timt en und den Verbesserungsvorschlägen der 'Kommission zu beschäftigen haben.
Aer Aufkand der Kereros.
In unserem heutigen Morgenblatte haben wir bereits ein paar Telegramme aus Swakopmuud veröffentlicht. Ausführlichere Nachrichten vom Kommandanten des „Habicht melden folgendes vom 6. d. M.: Häuptling Michael 'ist ziemlich sicher tot. Auf unserer Seite sind tot: Fcld- 'Webel Müller, Unteroffizier Otto Pries, Gefreiter Linke, Scherrer, Reservist Seel m and, Landwehrmann Perlitz; verwundet sindi Leutnant Driesch'ach, Nathusius, Wollwerth, Sergeant Tank, Unteroffizier Hecker, Ullrich, Gefreiter Milke, Kaul, Reservist Hoffmann, Lazemann, Wahl; vermißt: eine Patrouille, ein Unteroffizier und sechs Mann. Verwundete scheinen außer Gefahr. Ich habe das Korps vom ,/Habicht" und das Korps Winkler nach Karibib zurück- • berufen, von wo voraussichtlich morgen der Vormarsch nach Omaruru erfolgt. Tie Dahn ist bis Windhuk nach .Möglichkeit in Sicherheit gebracht.
Ter Kommandant des „Habicht hat ferner folgende Verlustliste nach der letzten Zusammenstellung telegraphisch -übermittelt: Gefallen: Karl Eugbart, Gefreiter Tröltzsch, Rudolf, Reiter Gerwinsky, Unteroffizier Päch, Reiter Weiß, Lokomotivführer Ta kker t, Assistent Rock, Schliepen , die Freiwilligen Fossati, Pietro, Feldwebel Kuhnen, die Reservisten Grundmann, Hellige, Unteroffizier Hottler, die Reiter Rackete, Hiescher, Dormschke, Sergeant Platent, Unteroffizier Goß, Reiter Nordbruch, Tierarzt Kämpny, die .Freiwilligen Stokamp, Gaushorn; ermordet: Hermann Koszarski, Richard Tausendfreund mit seinem Sohn Max, Vorberg, Moritz Pilet, Ferdinand Dames, Ernst Blohm, Eduard Scüber, Meßgehilfe Mosenhauer und Hackelberg, Kind in Kl. Barmen, Kaufmann Tieckmann mit Frau und ,Legationsrat Höpner und Watermeyer, Farmer Lange mit Kind, Leo Utrtz, Farmer Lauge tu Sucyriver, Ernst Ütz mit Frau, Schultze, Händler Kuntze, Ansiedler Bremen und Kux, Ansiedler Peters, Hermann Uhlhorn in Kierstein, Farmer Müller und Lecking, Händler Rosenhauer, Bertermann, Garmeier und Rieske, Farmer Zimmermann, Diesmansky, Koezerowsky,^ Hübner, Gräfe, Schauwecker, Streckenwärter Lehmann, Händler Meuter, die Frau des Farmers Müller, Kronewiller, Joost, Max Schröder, v. Falkenhausen, Händler Knelbel; außerdem werden 51 vermißt.
Tie Ereignisse von Omaruru kennzeichnen die g e f a h r - '.volle Lage des ganzen Nordens der Kolonie.
Tie Outjo-Kompagnie hatte ein Gefecht bei Ekaneno.
Nach einer über Kapstadt eingetroffenen Meldung des .'Gouverneurs Leutwein aus Porth Nalloth stehen gegenwärtig im Süden Truppeuabteiluugeu in der Gesamtstärke von 300 Gewehren und 4 Geschützen, die vorläufig dort ver- 1 bleib en sollen.
Zu den durch den Herero-Aufsimch Geschädigten gehört auch die deutsche Kolonial-Gesellschaft für Südwestafrika. Sie hat auf der von den Wilden ausge- roubten Station Heusi die Ermordung ihres zweiten Beamten Ganshom zu beklagen, dessen Leiche jetzt ge- fnnden wurde. Das Bceh konnte zum größten Teile nach Windhoek gerettet werden. Auch der in Spitzkopjes statio- jtrierte Aufsichtsbeamte Loutsch ist ermordet worden. -Auch hier wurde das Vieh noch rechtzeitig in Sicherheit -gebracht.
Die Rede des Kaisers zum Abschiede des Ver- istärkungstransportes, der am Freitag Berlin verließ, lautete folgendermaßen:
„Es fteut mich, daß chr euch so zahlreich und opferwillig für die schwere Aufgabe bereit erklärt habt, die eurer harrt. Ich habe euch hinausschicken müssen, damit chr Ruhe und Ordnung in unserem Schutzgebiete in Südwestafrika wiederherstellt. Wenn auch bessere Nachrichten eingetroffen finb, so bleibt für euch doch noch ernste Arbeit zu tun übrig. Durch das heldenhafte Verhalten der dortigen Truppen sind Erfolge erkämpft worden, und ich erwarte von euch, daß ihr euren Kameraden nachtut. Eure Aufgabe ist aber nicht nur die, zu kämpfen, sondern, wenn die Ruhe wiederhergestellt ist, zu trösten und wieder aufzurichten. Haltet treu zu den Deutschen da draußen und lindert chren Schmerz. Tut eure Pflicht tapfer, selbstlos und hingebend. Ich wünsche euch allen ein herzliches Lebewohl. Adieu!"
In Hamburg inspizierte am Samstag der kommandierende General des 9. Armeekorps Bock-Po lach diese Truppen. Nach einer Ansprache des Generals nahm der Trans- portfuhrer Hauptmann v. Bagenski das Wort. Er sprach Dem General und den Vertretern des Senats für chr Erscheinen, sowie der Stadt Hamburg für ifyre den Truppen gespendeten Liebesgaben Dank aus. Um 5y2 Uhr gab der Kapitän des Dampfers Befehl zum Loswerf en, worauf das Schiff langsam den Hafen verließ.
Ker Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Außland und Japan.
Im Anschluß an die im heutigen Morgenblatt veröffentlichte Petersburger Depesche des russischen Ministers des Aeußeren an die Vertreter Rußlands rm Auslande, die wörtlich folgendermaßen schließt: »Eine derartige Handlungsweise der Tokioer Regierung, welche nicht einmal das Eintreffen der dieser Tage abgesandten Antwort 'der kaiserlichen Regierung abwartete, wälzt Japan pie ganze Verantwortung für die Folgen zu, welche durch den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen den Reichen entstehen*, äußert ein Extrablatt der Petersburger „Rowoje Wremja" Folgendes:
Drei Monate bemühte sich die russische Diplomatie, die japanischen Vorschläge friedliebend zu prüfen und alle mög- .üchen Zugeständnisse zu machen, die zulässig sind, ohne die
Würde Rt,ßlandS zu schädigen. Rußland wurde beschuldigt, daß es die Verhandlungen zum Zwecke der kriegerischen Vorbereitungen hinziehe. Ohne sich durch die niedrige Verleumdung beirren zu lassen, erfüllte Rußland seine Pflicht ge- I n issenhaft im Vertrauen auf die Gewissenhaftigkeit deS ■ Gegners. Wie es sich erweist, war der ganze Roten- echsel eine Komödie. Japan, nicht Rußland mußte d n Moment abwarten, bis zwei in Italien gekaufte Kreuzer die chinesischen Gewässer erreichen. Die Kreuzer haben Singapore erreicht. Die Japaner werfen die Maske ab; sie warten nicht einmal die russische Antwortnote ab, sondern beriefen die Gesandten ab. Die Asiaten zeigten sich als Asiaten; sie vermochten nicht einmal den äußersten Anstand zu beachten. Die Geschichte kennt keinen Fall eines ähnlichenBetragenS. Wir sind überzeugt, daß die öffentliche Meinung Rußlands den Japanern die gebührende Antwort geben wird. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen bedeutet noch nicht Krieg. Die Geschichte kennt Beispiele des Abbruchs der Bezieh- ungen ans Jahre ohne nachfolgenden Krieg. Solche Beispiele aber find selten. Bei einem normalen Gang der Dinge bedeutet der Abbruch der diplomatischen Brziehungen entweder den Beginn des Krieges oder die Notwendigkeit der Vermittlung dritter Mächte. Somit stehen wir mit dem heutigen Tage vor drei Lösungen: Krieg, Vermittlung oder sich in die Länge ziehenden Konflikt. Letzterer ist am wenigsten wahrscheinlich. Die Interessen beider Staaten sind allzu intensiv und allzu entgegengesetzt, als daß die Möglichkeit zugelassen werden könnte, sie im Wege faktischer Besitzergreifungen in Einklang zu bringen. Vermittlung wird wahrscheinlich nicht eintreten. Somit bleibt die ultima ratio der Vö lker und Staaten. In dieser schweren Minute halten wir es für unsere Pflicht, müßige Voraussagungen zu unterlassen. Eines nur scheint unzweifelhaft: nach dem gestrigen Schritt der Japaner wird es kein ehrenhafter Ausländer für möglich halten, uns aggresiver Haltung zu beschuldigen. Rußland steht an der Grenzscheide großer Ereignisse. Jeder Sohn Rußlands ohne Unterschied der Ueberzeugungen wird heute bewußt auftichtig sagen: Die Japaner haben es selbst gewünscht, so sei es! Gott helfe uns!"
Der Zar wird sich demnächst heute (Montag) nach Moskau begeben. Dem Vernehmen nach reift die japanische Gesandtschaft in Petersburg nach Berlin. Die englische Botschaft hat die Vertretung der japanischen Interessen in Petersburg übernommen.
Von Moskau gingen bereits am Sonntag abend auf der Kafanbahn vier Schützenkompagnien nach Ostasien ab. Auf dem Bahnhof waren die Spitzen der Behörden anwesend; vier Musikkorps spielten. Die zwei Gesellschaften der Kirchenbannerträger brachten den Fortziehenden zwei Banner dar, die Kaufmannschaft ein Heiligenbild. Ein zahlreiches Publikum gab den Schützen das Geleit.
In Tokio wird erklärt, daß durch das über 3 Wochen währende vergebliche Warten auf die Antwort auf die lefcte japanische Note vom 13. Januar und den während dieser Zeit ostentativ betriebenen Au sm ar sch der russischen Armee nur die Geduld Japans erschöpft sei, sondern auch die Ueberzeugung erweckt wurde, daß eine weitere dilatorische Behandlung der Frage nichtmitdenJn ter essen Japans zuver- einb ar en sei.
Der Pariser „Demps" veröffentllcht eine Unterredung mit dem Pariser japanischen Gesandten, der erllärte, daß der japanische Minister des Aeußem am Samstag noch keinerlei Antwortnote von der russischen Regierung erhalten habe. Japan habe sich eben deswegen zu einer lästigeren Handlung entschlossen. Die japanische Regierung kenne den Inhalt der russischen Note nicht. Die Ursache des Abbruchs der diplomatischen Beziehungen liege erstens in den Verzögerungen seitens Rußlands, welche die japanische Regierung cllsbeleidigend angesehen habe, und zweitens in den Drohungen, welche die militärischen Maßnahmen Rußlands in der Mandschurei und in Korea bedeuteten. Auf der ruffischen Botschaft wurde dem Mft> arbeiter des „Temps" erklärt, nicht weil die ruffische Note am Samstag noch nicht hi Tokio emgetrosfen war, wurden die Beziehungen abgebrochen. In Wirklichkeit brachen die Japaner die Beziehungen ab, um )ie russische Note nicht zu empfangen. Wenn Japan 3 Wochen gewartet habe, werde es auch noch 24 Stunden warten können!. Aber Japan w o lle d en Bruch um jeden Preis. Das Journal des departs" schreibt mit Rücksicht darauf, daß Rußland die Landung japanischer Truppen in Korea vielleicht nicht als easus belli ansehe, bestehe eine allerdings sehr schwachje Möglichkeit, daß der Frieden erhalten bleiben könnte. Das Blatt gibt weiter dem Bedauern Ausdruck, daß ein Dell der englischen Presse sich von instinktivem Hasse gegen Rußland habe leiten lassen, um die Japaner zu ermutigen, alles Zaudern aufzugeben. Im französischen Ministerium des Aeußem hatte man erwartet, daß der Abbruch der divloma- tischeu Beziehungen noch vor der Ueberreichung der russischen Antwort erfolgen werde. Man verhehle sich nicht den großen Emst dieses Ereignisses, sehe es jedoch nicht als durchaus irreparabel an, insofern als trvtzalledem dank der guten Dien sie dritter Mächte die Verhandlungen doch noch fortgesetzt werden könnten.
Demnach scheint also das mssenfreundliche Frankreich die Rolle des ehrlichen Maklers auf seine Schullern nehmen zu wollen!
Volttische Tagesschau.
Ein interessanter Vorgang bei Prüfung eines Wahlergebnisses, pielte sich! in der vierten Abteilung des Abgeordnetenhauses ab. Diese hatte gleich nach dem Zusammentritt des Hauses die Wahl des konservativen Aba. Stockmann (Wetzlar) für giltig erklärt, nachdem die Berichterstatter mitgeteilt hatte, gegen das Verfahren Kege kein Bedenken vor und es sei Protest gegen die Wahl nicfyt erhoben. Nachträglich waren jedoch Zweifel darüber entlauben, ob nicht ein Protest vorliege und ob nicht das Wahlverfahren an einem erheblichen Mangel gelitten habe. (Sn von dem Nationallib eralen Wahlverein zu Wetzlar gegen die Urwahl erhobener Protest war nämlich entgegen dem Wahlreglement nicht von der Wahlmännerversammlung erledigt, es war vielmehr bei der Hauptwahl beschlossen worden, „die Enffcheidung über den Protest dem Abgeordnetenhaus zu überlassen". In der Abteilung wurde von der einen Seite die Ansiot vertreten, daß ein Beschluß auf E-iltigkeitserklärung der Wahl vorllege, der nicht ohne
weiteres beseitigt werden forme, während die andere Seite hervorhob, daß der Bericht des Referenten unvollständig gewesen sei, und daß die Entscheidung anders ausgefallen wäre, wenn die jetzt mitgeteilten Tatsachen bei der Beschlußfassung bekannt gewesen wären. Tementsprechend wurde von dieser Seite Verweisung der Sache an irte Wahl- Prüfungskommission beantragt. Diese Verweisung muß erfolgen, wenn ein Protest gegen die Wahl vorliegt, oder wenn zehn Mitglieder der Abteilung Zweifel an der Giltigkeit der Wahl haben. Tie Abteilung entschied mit zwölf gegen zwölf Stimmen, daß ein Wahlprotest nicht vorliege (weil der vorhandene Widerspruch sich gegen die Urwahl nicht gegen die Hauptwahl richtete und die Heber» Weisung der Entscheidung an das Abgeordnetenhaus dem Wahlreglement widerspreche). Es wurde aber beschlossen, dem Hause über die Wahl schriftlichen Bericht zu erstatten. Durch Abstimmung wurde festgestellt, daß zehn Mitglieder Zweifel an der Giltigkeit der Wabl hatten; eine Verweisung der Sache an die Wahlprüfungskommission hielt aber die Mehrheit der Abteilung mit Rücksicht auf den früheren Beschluß nicht für zulässig.
Aer Entwurf des neuen Kemeindeumtagegesehes
R B. Darmstadt, 7. Febr.
Wer sich die Verhandlungen in der zweiten Kammer über das zurzeit geltende Gemeindeumlage-Gesetz aus dem Jahre 1901 ins Gedächtnis zurückruft, wird sich erinnern, daß damals aus der Kammer heraus Stimmen laut wurden, die eine baldige, endgiltige Revision des Gemeindeumlagenwesens als eine drängende Notwendigkeit hin- stellten; insbesondere wurde dies für notwendig befunden mit Rücksicht auf die im Jahre 1899 erfolgte Umgestaltung des staatlichen Steuerwesens. Dem damals verabschiedeten Gesetz wurde nur eine interimistische Geltung und Bedeutung beigemessen, es sollte bis zum 31. März 1904, an welchem Tag dies Gesetz außer Kraft tritt, falls es nicht etwa um ein Jahr verlängert wird, eine Neuregelung von Grund aus erfolgen. Eine solche bezweckt nun der Gesetzentwurf, der schon jüngst den Bürgermeister — und anderen Sachverständigen zur Aeußerung ihrer Ansichten Vorgelegen hat und der demnächst auch als Regierungsvorlage der zweiten Kammer zugehen wird.
Ter neue Gesetzentwurf lehnt sich eng an das gegenwärtig geltende Gesetz an. Er hat die (Ankommensteuex der staatlichen Gesetzgebung nicht übernommen, sondern ermächtigt die Gemeinden zur Erhebung von bireften Steuern (Gemeiudeumlagen) vom Grundbesitz, vom Gewerbebetrieb und vom Kapitalvermögen (Recllsteuern) sowie vom Einkommen der Steuerpflichtigen. Dem vielfach geäußerten Wunsche, man möge sich den Grundlagen der staatlichen Besteuerung anschließen, tft der Entwurf nicht nachgekommen. Der Grundsatz der staallichen Steuergesetzgebung, die sich nur nach der Leistungsfähigkeit der Steuerpflichtigen richtet, ist verlassen und man hat sich dem System zugewandt, daß einer Leistung der steuernehmenden Körperschaft auch eine entsprechende Gegenleistung des genießenden Steuerpflichtigen zu entsprechen habe ohne Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit des Steuerzahlers.
Tas bei den Staats steuern vorhandene auf dem Grundsätze der Leistungsfähigkeit basierende Prinzip brachte es mit ffich, die Schulden des Steuerpflichtigen, da er aus denselben kein Erträgnis hat, bet der Feststellung des steuerpflichtigen Kapitals in Abzug zu bringen. Dies konnte der Staat um so eher, als oer hierdurch ihm entstandene Ausfall durch Beschaffung anderer Teckungsmittel beglichen werden konnte, auch die in einzelnen Landesteilen vorhandene starke Verschuldung durch anderwärts bestehende günftige Verhältnisse ausgeglichen werden konnte unb die im ganzen Land vorhandenen Schulden doch nicht übermäßig hoch waren. Tiefe Umstände treffen in den Grenzen, innerhalb deren die Umlagen der einzelnen Gemeinden festgestellt und erhoben werden, nicht zu; sonstige Teckungsmittel haben die wenigsten Gemeinden. Ein Ausgleich zwischen geringerer und stärkerer Verschuldung ist innerchalb der einzelnen Gemeinden naturgemäß nichft möglich und es würde soweit nur erübrigen, den Steuersatz für die in Betracht kommenden Objekte so hoch! xu halten, daß für den verschuldeten Steuerpflichtigen die durch. den Schuloabzug eintretende Entlastung wenigstens tellweise wieder aufgehoben, für den unverschuldeten Pflichtigen die Steuerlast aber zu einer in vielen Fällen unerträglichen gestaltet würde. Um nun die Gemeinden vor chiweren finanziellen Bedrängnissen, die Gemeindesteuer- pflichtigen aber vor allzu starker Verschiebung in der Steuerbelastung zu bewahren, erschien eine einfache Ueber- uahme der Staatssteuergmndsätze in die Gemeindebesteuerung ausgeschlossen und insbesondere eine Berücksichtigung )er den Steuerpflichtigen belastenden Schulden, wie sie bei der staatlichen Besteuerung erfolgte, unmöglich Der Entwurf erklärt demgemäß bei jeder d'er drei Realsteuem ausdrücklich, daß ein Mzug von Schulden ober persönlichen Lasten nicht ftattfinbe.
Wie gesagt, billigt der Entwurf die Erhebung der Gemeinbesteuem als Realsteuem nach dem seitherigen System, doch will er bezüglich des B-esteuemngsmaßstabes nnt diesem Prinzip brechen. (Schluß folgt.)
Aer neue yesfifche ßtal. n.
Neubauten an der Landesuniverfitat Gießeu.
1. Neubau einer chirurgischen unb einer ophthalmologischeu Klinik.
Im Voranschlag 1901/02 wurden 305 000 Mk. für den Ankauf von ca. 61000 Quadratmeter Gelände zur Errichtung einer chirurgischen und ophtholmologischen Klinik gefordert. Bei der Erwerbung des Geländes aber wurden so über trieben hohe Preise gefordert, daß gegen einzelne Besitzer >as Enteignungsverfahren eingeleitet werden mußte. Trotzdem ergab sich, daß die geforderte Summe nicht ausreichend für den Geländeerwerb sei, da allein für die im Enteignungsverfahren erworbenen 30 488 Quadratmeter 235 462 Mark (ohne die ca. 8000 Mk. betragenden Kosten) bezahlt werden mußten. Trotzdem eine Einschränkung des Baugeländes stattgefunden hat, werden sich die Kosten für ca. 48 800 Quadratmeter auf ca. 345 800 Mk., also um 40 800 Mk. höher belaufen, wie ursprünglich angenommen. Um eine Nachforderung zu verrneiden, soll diese Mehrausgabe aus den Ersparnissen der auf 1573 000 M. veranschlagten Bausumme gedeckt werden. Der Ausschuß beantragt: der zu Titel 5 nachgesuchten Ermächtigung die Zustimmung zu erteilen.
2 Psychiatrische Klinik.
Um zu verhindern, daß Privatbauten in unmittelbarer Nähe der Klinik erbaut werden unb so Ursachen für die Belästigung der Insassen und Störungen im Betrieb gegeben werden, soll ein Gelände von rund


