Ausgabe 
7.9.1904 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

in*ed>en übcrfwurden e- wurde statt deutsch, ftan- >öfifd> und cmilifib verhandelt. 5<dti Interesse fei es gewesen^ ui sc den. nne pch die beiden größten Antipoden unserer Jcit, der Russe und der Japaner sozusagen die Htinde reianen: beide nxinm der Meinung, daß der jetzige Krieg i ir C jl ü f i e it nichts minderes sei, alo ein. Kam p fzwis chen deui Kapitalismus beider Reiche.

Die unS uun nach dem Borgesagten am meisten intcr> essierende Finge, nne sich die Hess ische Sozialdemo- tratic pU den in A m st erd am gefaßten Be­schlüssen stellt, büt der Redner fast gänzlichunbc- a u r w o r t e l gelassen. Wir erstchren nur in einigen Qefdnd'r verNansuliertcn Saßen, daß zwar die hessischen ^ozuttdem oFraim eS ablehne n würden, in ein Mini- st er mut e in zu trete u und alle Sünden der bürger- iül)cn Gesellschaft mi:n>rgen zu Reifen", daß sie aber kein Bedenken trügen wi'uLen, arbeitet freundlichen Vorlagen zu zustimmen und je de Handlun g Zu ALterstüyeu, die /znad) vorwärts gerichtet ist".

Die Versammlung nahm den im VcrhälttiiS zu dem jüngsten £ ifenbüdxr VorLommnis bemerkenswert nüclsternen und jachlia- gehaltenen Bor trag mit Ruhe und lUudbauei entgegen; ohne jede Debatte, ohne jede Resolution, ohne jedes Hoch auf bic gefeierten Großen der Partei und and) ohne jede Anspielung auf irgend welche Tagesereignisse grugcn Männlein urw Fräulem fd>on lange vor Mittel- nacht schiedlich frieblid) wieder auseinander.

Politische Togrsschon.

Rauviannö Buch .Demokratie und Kaisertum" (Brnchverlag der»HriftV Berlm-Schöneberg) ist jetzt in dritter Auflage erschienen. ES ist mit Rücksicht auf die seit den früheren Auflagen eingetrelenen politischen Veränderungen völlig umgearbeitet, wenn auch die die Grundgedanken der von Raumann vertretenen polnischen Auffassungen die gleichen geblieben sind. Lluch für den, der NauuiaunS Standpimkl mir in Einzelheiten teilt, bietet seine Darlegung intcressanle Gesichtspunkte. Er schildert die Entwickelung der sozial- demokralischen Anschauungen, weift nach, daß der Weg der Revolution tatsächlich verlaßen ist, und legt daS Hauptgewicht daraus, ob die Sozialdemolratie sich so entwickeln wird, daß mit ihr zusammen dre demokratischen Teile deL Bürgerttun- der Demokratte zur polttischen Dtacht verhelfen können, eine 'Frage, auf die weite Kreise von ehrlicher Liberalität nur nut ne in antworten können, deren Bejahung aber Naumann er­hofft. Der Streit geht um den endgütigen Sieg des In­dustrialismus m Deutschland, an dem auch Bauern und Handwerker interessiert sind. DaS Deutsche Reich sei von vornherein eine wirtschaftlich fortschrittliche Gründung gewesen, antikonservatw in seiner ersten Jugend. DaS 1870 siegende System sei aber zugleich milttärifch-kapiralisttfch gewesen, und der Sozialismus müsse daher den Militarismus in Kauf nehmen. Hier kommt Naumann zu seinem eigenttichen Thema, das wir bei Erscheinen der ersten Auflage m einem größeren Leitartikel ausführlich behandettcn. Der Kaiser, der die Natton als Diktator der neuen Industrie führe, brauche die Ntaffe, die Demokratie; ehe aber mchr die Linke für Militär und Flotte fei, müsse der Kaiser seine WinschastspolMk mit der Linken und seine Mitträrpotttik mit der Rechten machen. Die Sozialdemokratie nötige chn, nach rechts jesteren Fuß zu suchen, als eS seinem Programm entspreche, und schädige da- nut die Lebensmteresien der Nlaffe. Demgegenüber möchte Naumann Demokratte und Kaisertum nicht als Gegner an­gesehen wisien, sondern als zwei Faktoren, deren Wirkung sich ergänzen soll. Zu dem Zwecke empfiehlt er der Demokratte, und zwar speziell der Sozialdemokratie, Eintreten für Heer and Flotte, namentlich für die letztere; zwar ferne bedingungs­lose Bewilligung, aber so, daß sie bereit sei, mit sich über die Flotte verhandeln zu lasten, die für den Welthandel not­wendig sei. Das soziale Sinijertum sei nur möglich, wenn sich der Kaiser in der Baterlondsverteidigung auf soziale und frei* hettliche Volksteile stützen könne.

Man sieht, es sind ernste politische Gedanken, die Nau­mann hier dem Volke zur Erwägung vorlegt, Gedanken, die wohl dazu angetan sind, eingehend erörtert zu werden. Es steckt ein hoher politischer Idealismus m dem Buche, tiefes deutsch-nationales und monarchisches Fühlen, durchfloffen von reichen Quellen demokratischen Celß. Der gründ deutsche Qptimismus Naumanns erfreut und erquickt, manches für tue gegenwärtigen Zustande Utopistische stößt nicht ab, sondern die von wohltuender Wärme beseelte Tonart des BucheS läßt den Verfaffer immer verehrungswürdig erscheinen.

Aus Stadt und Lau).

Gießen, den 7. September 1904.

Personalnachrichten. Dem Bevollmächtigten zum Bundesrat, Geh. Staatsrat im Staatsministerium Gustav Krug von Nidda wurde die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihm von dem Deutschen Kaiser verliehenen Krorrenordens zweiter Klasse mit dem Stern erteilt. Am 20. Juli wurde dem Schullehrer Reichwein zu Ems a. d. Lahn eine Leh rarste l le an der Gememdeschule zu Ober- Rosbach, Kr. Friedherg, mit Wirkung vom 1. Oktober an, übertragen; am 28. Juli wurde dem Karl Weith aus Staden das Patent als Geometer LL Klasse für den Kreis Friedberg erteilt; am 3. August wurde der von dem Fürsten zu Uenburg in Büdingen auf die L Lehrerstelle an der Gcmcindeschule zu Düdelsheim, Kr. Büdingen, präsentierte Schullehrer Vier hell er zu Orleshausen für diese Stelle be­stätigt. Nachweis der Befähigung zur Uebernahme eines Kirchenamts: lieber den Besitz der nach Artikel 1 und 4 des Gesetzes, die Vorbildung und Anstellung der Geist­lichen betreffend, zur Uebernahme eines Kirchenamtes not­wendigen Eigenschaften ist der Nachweis erbracht worden be­züglich der Kandidaten der evangelischen Theologie Wilhelm Becker au3 Friedberg, Karl Grein aus Darmstadt, Karl Hoffmann aus Klein-Eichen, Karl Knott aus Ober- xlin; en, Wilhelm Wahl aus Nieder-Florstadt und Ferdinand Wcckerling aus Friedberg. Erledigt sind die mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Ge­meindeschule zu Oberau, Kr. Büdingen. der Stelle m Or -amsten- und Lektordienst verbunden; tue mit einem evong. . )rc. zu besetzende I. Lehrerstelle an der Gemeinde- »chn - . cder-Mockstadt, Kr. Büdingen ()em Fürsten

zu )' ! ; unü Bulligen steht das PräsentationSrecht zu

chc zu/; oi. mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrer-

stelle an der Gemcindeschule zu Hemmen, Kr. Lauterbach. iMit der Stelle ist Organisten- und Lektordienst verbunden. Dem Grasen zu Schlitz, genannt von Görtz, steht das Prä­sentationsrecht zu ihr zu); emc mit einem evang. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Sellnrod, Kr. Schotten.

** Personalverände rungen der Ober post- di re ktion. Darmstadt. Versetzt sind: Telearaphen- Ictvctür Lippo 1 d von Gießen nach Nordhausen, ocr Post- assistent D amb m an n von Alzey nach Gießen.

** Elternautorität und Schulautori tüt. Man schreibt uns: Eine Frage, die von weitgehendstem In­teresse ist, winde vor einiger Zett der ^reisfd)ulkommisfion eines oberhessifdxm KvetseS zur Entscheidung vorgelegt. Eine Anzahl. Schülerinnen der höheren Privatmädchen- schnle in der betr. Kreisstadt hatten an einem Schlußball eines Tanzkursus teilgenommen. An dem darauf folgenden Sag fehlte der größte Tett der Tettnehnierinnen ui der Schule, trotz des voichergegangeiieii Verbots seitens der Sd)ule. Sie wurden deshalb von der Lehrerin in eine Arreststrafe genommeii. Sed)s Kinder fügten sich. Die übrigen beteiligten Väter erhoben jedod) Beschtverde bei der .Ereisschulkommission. Der Bcsastverde wurde stattge­geben und die Arrestitrase aufgehoben. Die Kreisschulkom- Mission konnte üt dem Verhalten der rbinder keinen Unge- 1)Dilam gegen die Sd)ule sindeii, da sie auf Befehl ihrer eitern der Sd)ule fern geblieben waren. Der Sd>ulviwstand wurde jedod) ersudst, eme SdMlvcrsäumnisscrase gegen die Eitern anzusetzen. Es nmrde nun die Entsd)cidung desGroßh. Min iftcri u niS Gigernsen. Dieses erklärte sich jedod) nicht für kompetent und lehnte eine Entscheid­ung ab. And) hob es formell die Ensid-eidung der Ztzreis- fchulkornniission auf. Die Frage: Geht Elternautorität vor Schulautorität, ist d^idurcy leider hier nid>l zur Entscheid­ung gebracht worden.

**Die zweifelhafte Fortuna. "Der Franksurtcr Polizei bericht warnt vor ausländischen Serien- und Prämienlosbanken. Hanptsäd)lid) Amsterdamer und rwpenhagener Händler entfalten in letzter Zeit in Deutschland wieder eine besondere Tätigkeit, obwohl schon wiederholt in der Presse von diesem 'Loiesd)windel ge- ivamt wurde. ES wird nodMalS erneut darauf hinge- irncfcn, daß dem Publikum absolut keine Garantie geboten ist, daß jene Banken überhaupt im Besitz der Lose sind, von denen sie Anteile verkaufen. Zudem bieten die von den Banken gebildeten Serientos-Gc)ellsd)aften sehr wenig Ehanccn. Auch sei bemerkt, daß auf Grund des Gesetzes vom 16. Mai 1824 gegen diejenigen Personen, die Beihilfe leisten, Agenten, Skrtrctcr usw., straftedftlid) vorgegangen wird.

** Reid) sbank. Am 26. September d. I. wird in Rheine (Wests.) eine von der Reichsbankstelle in Münster (Wests.) abhänaige Reid)Sbanknelu'ustelle mit Kasseneinricht- nng und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.

Grünberg, 6. Sept. Auf eigenartige Weise kam ein Junge im Alter von 7 Jahren zu einer schweren Berwun- düng. Er kam bei einer Spielerei mit anderen Jungen zu Fall und hierbei drangen ihm die Scherben eines zer­brochenen Glases, das er in der Tasche stecken hatte, in den Leib. Nachdem von einem hiesigen Arzte die GlaSsplttter auS der tiefen, 3 Zentimeter langen Wunde entfernt worden waren, mußte der Junge nach Gießen in die Klinik ver­bracht werden.

X Weickartshain, 5. Sept. Gestern feierte der hiesige Sriegerverein sein 20jähriges Stiftungsfest ver­bunden mit Scd an feier. Unter Bovantritt der Verettis- kapelle bewegte sich der Festzug, an welchem sich auch der Lehrer mit den Schulkindern beteiligte, durch die Orts- straßen nach dem Jestplatz im Walde. Nach dem gemein* chaftlich gesungenen LiedeDeutschtcrnd über alles" hielt der Vorsitzende des Vereins eine Rede, weldje mit einem Hoch auf Kaiser und Grvßherzog ausklanß. Eine weitere 2lnsprad)e des Vorsitzenden galt der 20jährigen Stift­ungsfeier des Vereins. Ter Kriegerverein feierte auch aus diesem Anlaß seinen Präsidenten, den Gininder des Vereins, Johannes Schmidt IV. Es wurde ihm vom Verein eine Ehrentafel durch Bürgermeister Knöß überreicht.

Worms, 6. Sept. Die vorjährige Theatersaison schloß mit einer Disharmonie zwischen der hiesigen Theatervenval- tung und der Direktton deL Darmstadter Hoftheaterö, hervorgerufen durch Krüiken, die unangenehm ernpsimden wurden, so daß Direktor Wagner der hiesigen Bürgermeisterei mittedte, daß »von wetteren Darstellungen* deL »Darmstädter Ensembles »vorerst abzusehen* sei. Den Bemühungen unserer Stadtverwaltung ist es nun gelungen, die seitdem bestandene Spannung zu beseitigen. Die Bürgermeisterei Worms hat auf Wunsch der Direktton deL Darmstädter HostheaterS die Hoffnung ausgesprochen, daß künftig alles vermieden werden möchte, was die Beziehungen zii dem Hoftheater in Darm- tabt schädigen könnte. Selbstverständlich werden, wie der »Frks. Ztg.* geschrieben wwd, die Krittler nach wie vor ihre Pflicht tun.

vermischte».

Berlin, 6. Sept. Freiherr von Brandenstein, Generalsekretär des Deutschen Automobilklubs, verdient um die Organisierung des Gordon Bennett-Rennens, ist heute nachmittag bei Friesack im Automobil verunglückt. Das Automobil kollidierte ohne Schuld Brandensteins mit einem Kinderwagen. Um ein größeres Unglück zu verhüten, Brandenstein sein Automobil in den Graben, wo es umschlug. Brandenstein erlitt eine leichte Ge hirn- erschütterung und Gesichtsverletzung. Der Chauffeur ist nur leicht verwundet. Zwei Kinder wurden leicht verletzt. Brandenstein wurde per Bahn nach Berlin zurückgebracht.

* Hamburg, 6. Sept. Die beiden Geschäftsführer Strüve der Leipziger-Hanseatischen Bettfedernfabril wurden wegen Urkundenfälschung und Unterschlagung von 25000 Mk. verhaftet. Die Verhafteten sind geständig. Die Gesellschaft ist gezwungen, in Liquidation zu treten.

Kiel, 6. Sept. Der Matrose Masurek von der ersten Matrosendioision hat sich bei Elmschenhagen von dem Lübecker Zug totfahren lassen.

* Danzig, 6. Sept. Bel der Ausfahrt aus dem hiesigen Bahnhof entgleiste heute der nach Neufahnvaffer bestimmte Güterzug Nr. 8504. Die Lokomotive und ein Wagen wurden aus den Schienen geworfen. Menschen sind nicht verletzt. Der Personenverkehr wird auf einem Gleise aufrecht erhalten.

'Recklinghausen, 5. Sept. Infolge des Genusses giftiger Pilze sind der »Recklinghäuser Ztg.^ zufolge am

SamStag in Recklinghausen-Bruch acht Personen erkrankt, von denen inzwischen drei im Krankenhause gestorb?l>.sind.

* Eßlingen, 6. Sept. Bei der Beer.igung de- Direktorö August Ehrhardt wiwde der erste Direktor der Maschineiifabrik Eßlingen, Oberbaurat Groß, w'chrend der Rede des Geistlichen vom Schlage getroffen. Er ver­schied in wenigen Minuten.

* München, 5. Sept. Die hiesige Porträtiialerin Baronesse Schere verunglückte in der Schneiz durch Absturz imd zog sich einen komplizierten Knächebruch zu. Sie wurde in die Paschensche Heilanstalt in Dessau i'berführt.

München, 6. Sept. Herzog Ludwig Wilhelm in Bayern stürzte gestern im Regensburger Mcnöver- terratn mit dem Pferde. Die Eltern des Herzogs, Herzog und Herzogin Karl Theodor, reiften heilte zu ihrem Sohne. Der Herzog erlitt eine Gehirnerschütterung, jedoch keine weiteren Verletzimgen. Sein Befinden ist heue den Umständen entsprechend befriedigend.

* Wien, 6. Sept. Seit 2 Uhr nachmittags stcht die große Bleicherei der Firnia Silberstein in Flammen. Der Brand nimmt große Dimensionen an.

* Brünn, 6. Sept. Auf dem Nachhausewege rannte der Exporteur Nawratil mit feinem Motorrade in eine Lokomotive. DaS Motorrad ging in Trümmer. Narrratil mürbe getötet.

Barcelona, 5. Sept. Ein Schutzmann brachte eine Bombe, welche er in einer Bedürfnisanstalt gesunden hatte, nad) dem Iustizpalast. Dort erplodierte die Bombe und zerstörte einen Teil des Gebäudes. Personen wurden nicht verletzt.

* Typhus. Jni Königsteeler Bezirk (rhein.-westsäl. Kohlenrevier) tritt der Typhus auf. Von den bisher kon­statierten 35 Fällen entfallen die meisten auf Elberg und Horst. Es sind VorbeugungSmaßregeln gegen Weiter- uerbredung der Krankheit getroffen. Professor Koch, der Präsident deö Reid)SgesundheitsamtS, Köhler, und Gene­ralstabsarzt Leut hold, besichtigten die vom Typhus beimgesuchten Gebiete Südwest-Deiitschlands und die bakterio­logischen Untersuchungs-Anstalten in Trier, Metz und Straßburg.

Spione. Ein an der italienischen Grenze wegen Spionage verhafteter österreichischer GeneralstabS-Hauptmann von SooS wurde auf Verfügung des italienischen Kriegs- mimsteriumS wieder freigclaffcn. Der in Tarent ivegen Spionage verhaftete Elektro-Techntter deß Arsenals, Monte­negro, wurde einem strengen Verhör unterzogen und soll bereits gestanden haben. In seiner Wohnung wurden Kopieen uon Festungen, die Abschriften der geheimen militärischen Chiffren soivie andere Dokumente vorgefunden, die den Be- ivciS liefern, daß Montenegro Spionage betrieben hat.

Ein Mitglied des Frankfurter Parlaments. In Sdzwanenstadt bei Linz starb der Slatthaltereirat a. D. Moritz Edler v. Nlayfeld int 87. Lebensjahre, eins der letzten noch lebenden Mitglieder des Frankfurter Parlaments, in das ihn der Wahlkreis Waidhofen an der Thaya gewählt bat. Als 1898 der jüngst verstorbene Dichter Wilhelm Jordan eine Zusammenkunft der noch lebenden Achtund­vierziger Frankfurter veranstaltete, vermochten noch fünf diesem Rufe zu folgen, darunter auch Statthaltereirat o. Mayseld.

Brände. Newyorker Depeschen melden den Brand eineß fünfstöckigen HauseS; biß jetzt sind 14 Leichen und 25 S chwerverletzte aus dem Hause geborgen. Die große Brauerei in Artois bei Laeken in Belgien ist vollständig niedergebrannt. Der Schaden beträgt mehrere Hunderttausend Mark. Die Holzwarenfabrik und Dampfbild- baucrci von Bank u. Co. in Schönlanke (Posen) ist völlig nicbergcbrcmnt. 200 Arbeiter sind brotlos geworden. Mtt- besitzer der Fabrik ist der Reichs- und Landtagßabg. Guts­besitzer Zindler.

Dic katholische Universität Washington verliert Hundert tau sende durch ihren S d) a g m e i fier, der sich in Spekulationen eingelassen halte.

Kaninchenzucht im Kroßyerzogtum Kessen.

(Originalbericht desGieß. Anz.")

In Darmstadt ist am 4. d. M. die erste Landes- ausstcllun g der vereinigten Kaninchenz.üchter im Großherzogtum Hessen und der Provinz Hessen-Nassau in den Lokalitäten des Hessischen Hofes eröffnet worden; sie ist, wie nebenbei bemerkt fei, die größte aller bisher in Deutschland ab gehaltenen Kaninchen- Vlusflcllungen. Der Eröffnungsfeier wohnte u. a. der Stadt­kommandant, Generalmajor v. Lynker, ein RegierungsVer­treter und Oberl'ürgermeister Morneweg bei, weid) letzterer, nachdem der Auostellungsleiter, Mul Thiele-Darm^ ftabt, die Ehrengäste und Aussteller begrüßt hatte, eine längere Ansprache an die Versammelten hielt. Der Ober­bürgermeister wies darin auf den hohen YLutzen hin, den eine rationelle Kaninchenzucht ganz besonders dem Land- manii gewähren könne. Das Fleisch des Wanind^ ist außerordentlich nahrhaft, mehr als Hühnerfleisch und die große Vermehrungsfähigkeit, wie die anspruchslose Er- nährungSart ist durchaus geeignet, eine billigere Fleisch- verjorgung in die Wege zu leiten. Tatsächlich ist baä Kaninchenfleisch in Belgien, Englarid und Frankreid), längst als Nahrungsmittel eingebürgert; nad) dem Vorwort zum Ausstellungskatalog züdftet z. B. Frankreich gegen 100 Millionen zvaninchen und erzielt daraus einen Gewinn von 250 Millionen Francs. Lluf dem Pariser Zenttalmarkt kommen monatlid) ca. 300 000 Kaninchen zum Verkauf und ebensoviel gehen allwöchentlich in besonders eingerichteten Dampfschiffen nad) London ab. Der hohe wirtschaftliche Wert der Kaninchenzucht wurde zuerst im Königreich Sachsen erkannt, wo man vor 12 Jahren ban deutschen Mninchenzüchterbund gründete. Der Bund für Hessen und die Provinz Hessen-Nassau entstand im Herbst 1902, und feine jetzige erste große Ausstellung liefert den Beweis, daß er seine Aufgabe mit Tatkraft und Geschick ersaßt hat. Auf der Ausstellung sind alle bekannteren Zucht­arten mit schönen Exemplaren vertreten, besonders die belgifd)en Riesen-Rammler und Häsinnen, die französischen W-idder-Ranunler und Widder-Häsinnen, die englischen Widder, die Russen- und tzölländer-'K.'aninchen, die Japaner- und die Silber-Kaninchen, die deutsd)eu Zud)»t- und Sd)lacht-Kaninchen, die englischen Schecken, präd)ttge An­gora, die Lieblinge unserer Damenwelt. Damit der Se­nd) er gleichzeitig auch die praktifck/e Ve.rwendbarkeit der Tiere besser beurteilen lernt, find von einer g-ranffurtcr und einer Ottenbacher SttM^adrik Fadrttate ans Kcuuu-