Ausgabe 
7.9.1904 Zweites Blatt
 
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Die Wcvindustrie in Hverhessen.

Von Zeit zu Zeit findet man in den Zeitungen, insbesondere in Wochenschriften und Frauenzeitungen, sowohl Anzeigen, als auch Neklamenotizenx welche die Aunnerksamkeit aus die armen Hand­weber in Schlesien, im Erzgebirge, in Thüringen usw. lenken sollen. Da wird man u. a. auf das schlesische Leinenhaus in Landshut, oder Gnadensrei, oder aus den Thüringer Weberverein in Gotha und wie sie alle heißen aufmerksam gemacht. Jeweils werden die verehrten Hausfrauen gebeten, ihren Bedarf an Lemen und sonstigen Webwaren bei den betreffenden Firmen zu decken, da diese nur arme, infolge der Maschinenweberei in Not und Elend geratene Hausweber beschäftigten. ,

Bei einzelnen Anzeigen, wie z. B. denjenigen des Thurmger- Webervereins, mögen ja die Angaben zutreffen, denn genannter Verein ist eine Vereinigung von Webern, deren Betrieb und Ver­kauf von einem Wohltäter in selbstloser Weise kaufmännisch geleitet wird; in den meisten Fällen aber handelt es sich um Unter- nehmungen, die unter dem Scheine von Wohlfahrtseinrichtungen Geschäfte zu machen suchen und bei beiten der arme Weber erst in letzter Linie kommt. Man macht Reklame, bittet die Zeitungen um unentgeltliche Ausnahme der Anzeigen und sucht aus alle. Weise die Barmherzigkeit der kaufenden Hausfrauen wachzurufen, um den Absatz von Waren zu fördern. Besonders wird darauf hingewiesen, daß man durch die Beschäftigung der Handweber in der Lage fei, ganz besonders gute und preiswerte Ware zu liefern, und dabet werden manchmal kaum zwei oder drei Handweber beschäftigt, die übrigen Waren aber von größeren mechanischen Webereien bezogen und aus zweiter Hand als gute und vorzügliche Handweberarbeit angepriesen. ,

Da durch solches Vorgehen reelle und wahrheitsliebende Fabrikanten geschädigt werden, aber auch schon versucht wurde, solche Reklamenotizen und Anzeigen in die m Hessen erscheinenden Zeitungen und Zeitschriften unterztlbringen, so liegt es im Interesse unserer oderhessijchen Textilindustrie, solchem unlauteren Wettbewerb entgegeiidutreten und aus die Erzeugnisse der heimischen Webereien hinzuweifen. , c

Besonders ist es bte Leinenweberei, die in Oberheffen seit alters her betrieben wird, früher ausschließlich als Hand­weberei, jetzt auch vielfach auf mechanischen Stühlen. Oberhessische Leinen haben, ob aus Hand- oder mechanischen Stühlen hergestellt, einen Weltruf.

Die feineren Sachen, wie Tafeltücher, Servietten, Handtücher, Hemden- und Bettuchleinen, werden in vorzüglicher Qualität sowie Musterung und Bleiche von den Firmen Gg. Langheiurich-, Philipp Frank-, Wölm und Baumgärtner-, Gg. Schul-Schlitz und I. Weiß HL in Frischborn bei Lauterbach hergestellt.

Sogenannte altdeutsche Gewebe mit leinen Grund und Seiden­oder Glanzgarn-Schußmustern, teils mit Stickereien, werden als Decken, Servietten, Vorhänge, Wandbekleidungen, Schürzen usw. von den Webereien Herrn. Bücking Söhne und F. Stein in Als-

chenleder, ferner sind Kaninche-nschinkerr, Kotelettes, Meren- braten, Leberwurst rc. zur Schau gestellt, die sehr schnmck- haft und billig sein sollen.

Schisssnachrichten.

Norddeutscher Llo-yd.

In Gießen vertreten durch Earl Loos, Kirchenplatz.

Bremen, 5. Sept. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-PostdampserMain", Kapitän E. v. Borell, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 8 Uhr vormittags wohlbehalten in Newyork angekommen.

selb angesertigt. Von diesen Geweben sind gegenroärtig eine An­zahl in der Ausstellung der Künstler-Kolome in Darmstadt zu sehen. Diese Gewebe sind nach Entwürfen des Herrn Eissarz für die Firma Altdeutsche Weberei Stein in Alsfeld in der Großh. Webschule zu Lauterbach ausgeführt worden.

Gröbere Leinen, Marquisendrelle, Haustuch, Steifleinen, Hand­tücher aller Art, Scheuertücher, Säcke liefern die mechanischen Webereien von Wenzel u. Hoos- und Gebr. Diehm-Lauterbach, I. Grünewald-Alsfeld, E. Kleinen-Altenschlirf, Rebstock-Alsfeld, Fuhr-Allenburg (Säcke und Jutestoffe).

Aehnliche Artikel fabrizieren nur mit Handwebern die Firmen I. B. Struth jr.-Lauterbach, Joseph Ruhl-Herbstein und I. E. D. Bücking-Alsfeld.

Bedeutend ist auch die Fabrikation von Halbwollstoffen, den sogenannten Beiderwands, in Oberheffen. Fast überall werden diese Artikel angefertigt, hauptsächlich aber in Grünberg und Schotten, wo sich bedeuterrde Versandtgeschäfte dieser Branche be­finden. Meistens werden aber die Halbwollsachen noch auf Hand- stühlen gewebt, erst in neuerer Zeit sind einzelne Firmen in Schotten und Grünberg zum mechanischen Betrieb übergegangen, wohl aus Mangel an Arbeüskräften, da im Sommer viele Handweber an­keren Arbeiten nachgehen. Die Hauptftrmen in dieser Branche sind: I. Repp-, Georg Allmendinger-, I. Schmüt-Grünberg, Heinrich Wendeberg-, I. Krumm-, Georg I. Weitz-Scholtem Ferner sind noch zu nennen: K. Hernr. Rühl* und Konrad Rühl IV.-Groß- felda, Heinr. Luft-, F. W. Lang- und Heiur. Sandmmm-Lauter­bach, H. G. Heidebach-Alsfeld und Theodor Rudolph-Herbstein.

Wollstoffe und Buckskm fertigt Otto Schäfer tn Büdingen, welcher auch eine Wollspinnerei besitzt und Strumpfgarne, haupt­sächlich aber Knüpfwolle für die Smyrnateppiche fabriziert. In den Wollspinnereien von Johs. Koch Witwe-Alsfeld, I. Birkelbach- Lautern bei Grünberg, Joh. Ungemach-Lauterbach werden Beider- wandgarne mib Strumpfgarne hergestellt. Die Baumwollweberei ist in Gießen vertreten; daselbst fabrizieren Gebr. Hornberger Söhne Hemdenflanelle und Bettzeuge.

In der Großh. Webschule zu Lanierbach werden alle die ge- namiten Artikel für verschiedene Fabrikanten von den Schülern m Lohn gewebt, außerdem können aber auch auf Wmrsch geknüpfte und gewebte Teppiche nach künstlerischen Entwürfen hergestellt werden.

Aus vorstehendeni ist ersichtlich, daß man in Oberhessen so ziemlich alles fabriziert, was in der Hauptsache cm Webstoffen ge­braucht wird, und, daß dabei ein großer Teil der Bevölkermrg Arbeit und Verdienst findet. Man hat also nicht nötig, irgendwo in der Fremde, aus Barmherzigkeit mit armen Webern, zu kaufen, dagegen werden zweifellos imsere einheimischen Weber indirekt unterstützt, wenn man die im Haushalt und im Gewerbetrieb be­nötigten Gewebe von oberhesjischen Fabrikanten bezieht; denn, wenn letztere guten Absatz für ihre Gewebe haben, so fehlt es auch den Webern nicht an lohnender Arbett und an Verdienst.

Handel und Verkehr. Volkswirtschaft.

Markte,

k. Nidda 5. Sept. Der heutige H er bstmarkt hatte unter günstigen WitterungSverhältnisien einen günstigen Verlauf. An Bullen war ein Auftrieb von ca. 40 reinrassigen Simmenthaler zu verzeichnen, ebensoviel Kalbinnen, wahrend etwa 3040 Kühe und ebensoviel Kälber verschiedener Größe und Rasse vorhanden waren. Der Handel in Rindvieh war wie auf den meisten kleinen Prämiierungsmärkten, niwt bemerkenswert. Von ^verschiedenen Gemeinden wurden Zuchtochsen gekauft. Auf dem Schweinemarkt entwickelte sich trotz größerer Anfuhr und Anwesenheit vieler Käufer fein durchschlagendes Geschäft. Die Prämiierung von Bullen und Rindern hatte folgendes Resultat: a. Bullen: 1. Gg. Hofmann IX., Ulfa 20 Bit., 2. Levi Hofmann, Bönstadt

15 ML, 3. KcrA Hahn, Wenings 12 ML, 4. Wich. Reichelsheim 10 ML, 5. Louis Bopp Reichelsheim 9 ML, 6. Gg. Hofmann, Büdesheim 8 ML, 7. Louis Widders heim, Borsdorf 7 Mk., 8. Ph. Stoll, Gettenau 6 ML, 9. Hch SchE HL,. Wenings 5 ML, 10. Wich. Eisner, Hanbeumühle 5 ML, 11. G. A. Schneider, Ulfa 4 ML, 12. Otto Spengler, Grund-Schwalheim 4 Mk. b. Kalbinnen: 1. Karl Senm, Wallernhaufan, 2 Stück 20 ML, 2. Herrn. Pfeffer, Borsdorf, 2 Stück 15 ML, 3. Moritz TÜll, Borsdorf 12 ML, 4. Krd. Spamer, O.-Mockstadt 10 ML- 5. I. G. Toll III Wwe., Borsdorf 9 ML, 6. Otto Lenz L, Mallernhausen 8 ML, 7. Otto Nies IL, Wallernhausen 7 ML, 8. Karä Eich, ,Wallernhausen 6 ML, 9. Wllh. Meisinger, Geiß- Nidda 5 ML, 10. Wich. Brann, Nidda 5 ML, 11. Karl Strauch, Borsdorf 4 ML, 12. Krd. Eckel III., Rodheim 4 ML

)( Bleichenbach 5. Sept. Ter Schweinemarkt war heute überaus reichlich beschickt: es waren über 300 Ferkel auf- getrieben, ca. 120 Läufer und Einlegeschweine. Tie Kauflust war gering, ixte Prefte daher gedrückt. Für 1618 ML waren sehr starke Ferkel leicht käuflich, ebenso Einleger zu 5055 ML das Paar. Die Kartoffelpreise sind ungemein hoch, 7 ML werden gegenwärtig für Frühkartoffeln gezahlt pro Malter.

Groß-Umstadt, 7. Sept. Eine rechte Zugkraft scheint der am 15. d. M. stattfindende Groß-Umstadter Pferde- nnd Fohlen-Markt auszuüben. Täglich laufen Anmeld­ungen ein. Ter Landespferdezuchtverein veranstaltet hierbei in Gemeinschaft mit der Stadt Groß-Umstadt eine Prämiierung von Stuten und Fohlen der Wagen- und Arbeitsschläge, welche min­destens fünf Monate im Besitze Starkenburger Zucht sind, sowie von Händl-erpferden. Zum Ankauf von Pferden und Fohlen sind 2200 ML vorgesehen. Der auf denselben Tag ver­legte Herbst-Faselmarkt ist ebenfalls stets sehr gut beschickt und besucht.

Kisenvayn-Zeitung.

Berlin, 5. SepL Tie preuß.-hess. Rangier» meister haben eine aus drei Mann bestehende Deputation zum Minister v. Budde gesandt, welche ihm Bitten und Wünsche dieser Beamtenkategorie persönlich vortragen fallte. Der Minister empfing die drei Abgesandten und unterhielt sich längere Zeit mit ihnen. Verkürzung der Dienstzeit von 12 auf 8 Std. wurde in Aussicht gestellt; dagegen wurde eine Ver­längerung des Urlaubs zur Erholung abgelehnt. Tie Erhöhung des Rangiermeistergehalts konnte zwar nicht in Aussicht gesellt werden, dagegen sagte der Minister eine wohl­wollende PiLsung der Frage zu, .ob die Rangiermeister früher als jetzt das Höchstgehalt erreichen konnten. Eine Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses sei undenkbar, da sonst alle Unterbeamten mit denselben Ansprüchen kommen würden, dagegen sollten die Stellenzulagen der Rangiermeister nach Mög­lichkeit erhöht werden.

Seidenstoffe8--*ets

Man verlange Muster von der Fabrik und Handlung^ von Eiten & Keussen, Krefeld, ss/9

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